ETS 2016: AIIC fordert Qualifizierungsoffensive für in Asylverfahren eingesetzte Sprachmittler

ETS 2016Zum 15. Europäischen Tag der Sprachen (ETS), der seit 2001 alljährlich am 26. September begangen wird, fordert die AIIC Region Deutschland eine Qualifizierungsoffensive in der Sprachmittlung der von Einwanderern gesprochenen außereuropäischen Sprachen.

Europas sprachliche Vielfalt wächst

Europas sprachliche Vielfalt wächst: In den 28 Mitgliedsländern der EU leben etwa 510 Millionen Menschen, darunter 19,8 Millionen Menschen aus Nicht-Mitgliedsstaaten. Im Gepäck sind Weltsprachen wie Englisch und Spanisch, aber auch Arabisch, Hindi, Chinesisch – die drei in Europa am weitesten verbreiteten außereuropäischen Sprachen. Für professionelle Sprachmittler ergeben sich somit neue Aufgaben.

Zwischen 2012 und 2015 stellten 2,7 Millionen Menschen in der EU einen Asylantrag, Ende 2015 lebten mehr als 950.000 Männer, Frauen und Kinder als Flüchtlinge in Deutschland. Eritrea, Nigeria, Somalia, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak, Syrien zählten in den vergangenen Jahren zu den häufigsten Herkunftsländern – und damit neue Sprachen in bisher ungekanntem Bedarf zu den neuen Aufgaben der Sprachmittler.

So zählt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 472 verschiedene Sprachen und Dialekte, darunter mit einem besonders schwer zu deckenden Bedarf Arabisch, Kurdisch, Persisch (Dari/Farsi) Paschtu und Tigrinya für Menschen aus Eritrea.

Qualität der Sprachmittlung gegenwärtig nicht gewährleistet

Prof. Dr. Christiane Driesen, Vorsitzende des AIIC Committee for Court and Legal Interpreting, erklärt dazu: „Die Muttersprachen der Asylsuchenden und Flüchtlinge reichen von lokalen afrikanischen Sprachen über unterschiedliche Dialekte des Arabischen bis zu in Zentralasien vorherrschenden Sprachen wie Farsi, Dari und Paschtu. Weil nur wenige professionelle Dolmetscher für diese Sprachen in Deutschland auf dem Markt sind, ist die Qualität der Sprachmittlung auch bei wichtigen Ämtergängen und rechtsverbindlichen Verfahren nicht durch eine entsprechende Ausbildung oder Qualifikation der eingesetzten Sprachmittler garantiert.“

Europa ist seit jeher vielsprachig. Allein die 510 Millionen Einwohner der 28 EU-Staaten verständigen sich in über 200 unterschiedlichen europäischen Sprachen, die meist aus den drei großen Sprachfamilien Germanisch, Slawisch und Romanisch stammen. Die Institutionen der EU veröffentlichen in 24 Amtssprachen, darunter die drei Arbeitssprachen der EU, Deutsch, Englisch und Französisch. Für die Institutionen der EU arbeiten ausschließlich professionelle Konferenzdolmetscher mit einem anerkannten Studienabschluss.

AIIC fordert Qualifizierungsoffensive für in Asylverfahren eingesetzte Sprachmittler

Christa Gzil

Christa Gzil ist seit 2012 AIIC-Regionalsekretärin für Deutschland

Christa Gzil, Vorstand der AIIC Region Deutschland: „Der Sprachendienst der Europäischen Union liefert konstant herausragende Qualität, die Grundlagen sind auch die etablierten europäischen Ausbildungsstätten für professionelle Konferenzdolmetscher. Der neue Bedarf an Sprachmittlern für außereuropäische Sprachen ist eine große Herausforderung, der mit Sorgfalt begegnet werden muss: Die Ausbildung zum Konferenzdolmetscher dauert mehrere Jahre. Um aber kurz- bis mittelfristig die Qualität der Verständigung in Behörden und Ämtern besser sicherstellen zu können, plädiert die AIIC für eine Qualifizierungsoffensive für in Asylverfahren eingesetzte Sprachmittler und für die Einhaltung notwendiger sprachlicher Mindeststandards.“

Auf lokaler und regionaler Ebene engagieren sich Konferenzdolmetscher der AIIC bereits seit 2015, um Laien mit gesuchten Sprachkenntnissen ein grundlegendes Verständnis zur Verantwortung eines Dolmetschers und der Ansprüche an die Tätigkeit zu vermitteln. Vorbilder sind unter anderem die seitens des Hochkommissars für Flüchtlinge UNHCR entwickelten Ansprüche und Unterlagen für das Dolmetschen in Asylverfahren.

Über den Europäischen Tag der Sprachen

Der Europäische Tag der Sprachen wurde erstmals 2001 vom Europarat im Rahmen des „Europäischen Jahres der Sprachen“ organisiert. Die EU-Kommission und das Europäische Fremdsprachenzentrum sind aktiv an der Organisation der Veranstaltungen rund um diesen Tag beteiligt.

Der Europäische Tag der Sprachen soll die in Europa gesprochenen Sprachen in den Blickpunkt rücken, die kulturelle und sprachliche Vielfalt fördern und zum lebenslangen Sprachenlernen anregen. In der Europäischen Union gibt es 24 Amtssprachen, rund 60 Regional- und Minderheitensprachen und mehr als 175 Migrantensprachen.

Über die AIIC

Logo AIIC Region DeutschlandDie Association Internationale des Interprètes de Conférence (AIIC) ist der internationale Verband der Konferenzdolmetscher. Sie vertritt über 3.000 Mitglieder in 100 Ländern. Seit ihrer Gründung 1953 sichert die AIIC eine verbindliche Qualität im Konferenzdolmetschen. Der Verband setzt Standards in den Arbeitsbedingungen und garantiert für Professionalität und höchste Qualifikation seiner Mitglieder. Die AIIC ist anerkannte Verhandlungspartnerin vieler internationaler Organisationen und ihrer Sprachendienste. Hauptsitz des Verbands ist Genf. Die AIIC Region Deutschland ist die Interessensvertretung der rund 300 in Deutschland ansässigen AIIC-Mitglieder.

www.aiic.de

[Text: AIIC. Quelle: Pressemitteilung AIIC, 2016-09-21. Bild: AIIC.]

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