NDR Info: BAMF-Dolmetscher „nicht hinreichend qualifiziert und ausgebildet“

Der Rundfunksender NDR Info berichtet in einem Beitrag über die Qualitätsmängel beim Dolmetschen für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Manchmal können Verständnisschwierigkeiten zwischen Dolmetscher und Asylant auf die starken Dialektausprägungen des Arabischen zurückgeführt werden. Das ist dann in etwa so, als wenn ein Norddeutscher für jemanden Dolmetschen müsste, der nur Schwizerdütsch spricht.

Meist liegt es jedoch daran, dass die als Dolmetscher eingesetzten Hilfskräfte für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit „nicht hinreichend qualifiziert und ausgebildet“ sind, wie es in dem Beitrag heißt.

Malgo Zytko ist als Vormund eines 17-Jährigen aus Eritrea eingesetzt. Sie berichtet über einen Dolmetscher: „Er wusste viele Worte nicht, zum Beispiel Zaun, Polizeichef oder Gelegenheit. Ihm sind also wirklich Worte nicht eingefallen, die irgendwie schon relevant sind.“

Eine sprachkundige Betreuerin erzählt, dass nicht selten falsch übersetzt wird:

Asmara Habtezion ist eine Hamburgerin mit eritreischen Wurzeln. Sie war schon bei vielen Anhörungen dabei. Immer wieder sei falsch übersetzt worden, berichtet sie: „Es gab zum Beispiel die Situation, dass ein Mädchen im Interview gefragt wurde: ‚Hast du einen Beruf erlernt? Hast du irgendwas gearbeitet?‘ Sie meinte: ‚Ja, ich bin Krankenschwester. Ich habe ein Jahr beim Militär gelernt und ein Jahr im Krankenhaus gearbeitet.‘ Der Dolmetscher meinte zu ihr: ‚Das ist kein Beruf.‘ Und hat dann übersetzt: ‚Nicht gelernt.'“

 

Aus ihrer Sicht arbeiten beim Bundesamt Menschen, die für den Job dort nicht hinreichend qualifiziert und ausgebildet sind: „Es sind Leute, die einfach eine Sprache können, sich um einen Job bewerben und da hingesetzt werden. Und nicht jeder kann mit Macht umgehen.“

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[Text: Richard Schneider. Quelle: NDR Info, 2016-10-05.]

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