UNHCR Österreich veröffentlicht Trainingshandbuch für Dolmetscher im Asylverfahren

UNHCR-Trainingshandbuch für Dolmetscher im AsylverfahrenDas UNHCR Österreich hat ein „Trainingshandbuch für Dolmetscher im Asylverfahren“ herausgegeben. Dieses wurde im Rahmen des vom Europäischen Flüchtlingsfonds und vom österreichischen Bundesministerium für Inneres mitfinanzierten Projekts „Qualitätsvolles Dolmetschen im Asylverfahren“ (QUADA) entwickelt.

In den auf insgesamt 196 Seiten verteilten 12 Lernmodulen geht es um folgende Themen:

Asyl und Flüchtlingsschutz, Die Einvernahme im Asylverfahren (durch das BFA), Grundlegende Aspekte des Dolmetschens, Die Rolle von Dolmetschern im Asylverfahren, Berufsethische Anforderungen und qualitätsvolle Dolmetschung, Dolmetschtechnik, Notizentechnik, Vom-Blatt-Dolmetschung der Niederschrift, Dolmetschen für vulnerable Antragsteller, Dolmetscher als Experten für mehrsprachige und transkulturelle Kommunikation, Techniken des Wissenserwerbs, Psychisches Erleben von Dolmetschern.

Das in Kooperation mit Praktikern und Wissenschaftlern entwickelte Trainingshandbuch ist Grundlage eines umfassenden und spezifisch auf das Asylverfahren ausgerichteten Trainingsprogramms zur Qualifizierung von Dolmetschern in diesem Bereich. Es richtet sich daneben auch an alle in diesem Bereich Tätigen und Interessierten, die mehr zum Ablauf und den Herausforderungen gedolmetschter Gespräche erfahren möchten.

Dr. Christoph Pinter, Leiter des UNHCR Österreich, schreibt in seinem Geleitwort:

Da ein faires Asylverfahren, mit der vorgebrachten Fluchtgeschichte als zumeist einzige Entscheidungsgrundlage, immer das Gelingen von Kommunikation voraussetzt, ist die Beiziehung von gut ausgebildeten Dolmetschern elementar. Nicht immer sind jedoch einschlägig qualifizierte Dolmetscher verfügbar – vor allem bei wenig gebräuchlichen Sprachen.

 

Aus diesem Grund kommen im Asylverfahren auch regelmäßig Dolmetscher ohne universitäre Dolmetschausbildung oder Zertifizierung zum allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher („Gerichtsdolmetscher“) zum Einsatz. Diese sogenannten „Sprachkundigen“ kennen jedoch oftmals die vorhandenen Qualitätsstandards für Dolmetscher nicht oder nur unzureichend.

 

Ein auf das Asylverfahren ausgerichtetes Fortbildungsangebot, welches die beträchtlichen Herausforderungen des Translationsprozesses im Asylverfahren thematisiert, wird in Österreich derzeit nicht angeboten.

 

Damit Dolmetscher eine entsprechende Handlungskompetenz erwerben können, sind jedoch Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten erforderlich, die auf die spezifischen Anforderungen im Verfahren zugeschnitten sind. UNHCR Österreich ist daher erfreut, dass nunmehr ein solches asylspezifisches Curriculum für Dolmetscher vorliegt.

 

Wir sind überzeugt, dass diese Trainingsinitiative die Qualität von Dolmetschungen im Bereich Fremdenwesen und Asyl verbessern wird, indem zum einen insbesondere Sprachkundige eine erste Ausbildung und Möglichkeit der Qualifizierung erhalten und zum anderen gerichtlich beeidete und diplomierte Dolmetscher eine entsprechende Spezialisierung erlangen können.

Text „gegendert“ – Lesbarkeit erschwert

Dass das Trainingshandbuch an Universitäten entstanden ist, merkt man an der feministisch verquasten Sprache. Es wird gnadenlos „gegendert“, was die Lesbarkeit erschwert. Die Zielgruppe, zu der überwiegend Sprachkundige ohne universitäre Bildung gehören, dürfte für diese Sprachmarotte von Akademikern nur wenig Verständnis haben. Insofern ist der Text nicht zielgruppengerecht formuliert.

Zudem finden sich politisch motivierte Anmerkungen wie die, dass der in Gesetzestexten vorkommende Begriff „Rasse“ heute nicht mehr zeitgemäß sei. Man bekämpft den Rassismus aber nicht dadurch, dass man das Wort „Rasse“ gegen „Ethnie“ austauscht.

Die Autoren

  • Mag.a Maria Eder: Dolmetscherin und Übersetzerin für Russisch
  • Mag.a Florika Griessner: Senior Lecturer am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz
  • Mag. Dr. phil. Gernot Hebenstreit: Wissenschafter am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz
  • Dipl.-Dolm. Elvira Iannone: Konferenzdolmetscherin und Lektorin am Institut für Translationswissenschaft, Universität Innsbruck
  • Mag.a Alexandra Jantscher-Karlhuber: Dolmetscherin und Übersetzerin für Englisch, Präsidentin UNIVERSITAS Austria
  • Dr. Klaus Krainz: Regionaldirektor Kärnten des Bundesamtes für Fremdwesen und Asyl
  • Mag.a Alexandra Marics: Lektorin am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz
  • Mag. Emanuel Matti: Universitätsassistent am Institut für Österreichisches und Europäisches öffentliches Recht, Wirtschaftsuniversität Wien
  • Mag.a Dr. phil. Sonja Pöllabauer: Senior Lecturer am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz
  • Mag.a Martina Rienzner: Sprachwissenschafterin, Lektorin am Institut für Afrikanistik und Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien
  • Karlheinz Spitzl, MA: Universitätsassistent am Zentrum für Translationswissenschaft, Universität Wien
  • Mag.a phil. Christine Springer: Übersetzerin, Konferenz- und Gerichtsdolmetscherin, Präsidentin des österreichischen Verbands der Gerichtsdolmetscher
  • Mag.a Dr. phil. Ursula Stachl-Peier: Bundeslehrerin am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz
  • Mag.a Uta Wedam: Psychotherapeutin und Supervisorin

Weiterführende Links

[Text: Richard Schneider. Quelle: UNHCR Österreich.]

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