Weiberfastnacht und Rosenmontag: Bonner Polizei nimmt vorsorglich Dolmetscher mit auf Streife

Frauen im Karneval

„Frauen, die alleine oder zu zweit zu uns kommen, sieht man gar nicht mehr. Sie gehen jetzt immer in größeren Gruppen weg oder haben mindestens einen Typen dabei“, so ein Hamburger Türsteher 2016 in der Süddeutschen Zeitung zum Klimawandel in den Vergnügungsvierteln.

„Alaaf! Am Wochenende starten die ersten Karnevalszüge und nächste Woche geht es in den Endspurt. Und damit die Jecken bedenkenlos feiern können, sind Ordnungsamt, Polizei, Dolmetscher und Jugendamt verstärkt im Einsatz.“ So leitet die Kölner Boulevardzeitung Express einen Artikel ein, der die Sicherheitsmaßnahmen für die bevorstehenden Karnevalsumzüge beschreibt.

Warum nimmt die Polizei an Weiberfastnacht und Rosenmontag Dolmetscher mit auf Streife? „Das machen wir, um Migranten, die mit diesem Treiben nicht klar kommen, frühzeitig anzusprechen und es ihnen zu erklären“, so Gerd Mainzer, Leiter der Polizeiwache Ramersdorf.

Die Kölner Broschüre aus dem Jahr 2016

Die Kölner Broschüre aus dem Jahr 2016

Im Vorjahr hatte das Festkomitee Kölner Karneval den Flüchtlingen und illegalen Einwanderern noch etwas naiv ein herzliches Willkommen zugerufen und mit einer deutsch- und arabischsprachigen Broschüre über das närrische Treiben aufgeklärt:

„Wir wollen Dir das Fest vorstellen und Dir ein paar Tipps geben. […] die Karnevalstage sind der ideale Zeitpunkt, die Menschen in Köln und ihre Lebensart näher kennen zu lernen. […] Mitmachen kann dabei jeder: […] Auch Du kannst dabei sein!“

Ähnliches Informationsmaterial wurde damals auch in Mönchengladbach und Bonn verteilt.

In Mainz hingegen schickte das rheinland-pfälzische Innenministerium vor den Umzügen die Polizei mit Dolmetschern direkt in die Flüchtlingsunterkünfte, um die muslimischen Halbstarken über den Karneval als Teil der rheinländischen Kultur zu informieren.

Dabei wurden ebenfalls arabischsprachige Faltblätter verteilt, die allerdings eher mahnender Natur waren. So konnte man unter anderem lesen: „Freundlichkeit und Respekt sind oberstes Gebot.“ – „Freizügige Kleidung und fröhliches Feiern gehören dazu und sind keine Aufforderung zu Intimitäten.“

Es fehlte auch nicht an deutlichen Warnungen: „Die Begehung von Straftaten kann direkte Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus in Deutschland haben.“ – „Täter riskieren das Gastrecht.“ Allerdings dürfte sich unter der Zielgruppe inzwischen herumgesprochen haben, dass dies in der Regel nur leere Drohungen sind.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: Express, 2017-02-15; Welt, 2016-01-28; Süddeutsche, 2016-02-12. Bild: Kzenon / Fotolia.]

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