BA-Studiengang „Int. Kommunikation und Übersetzen“ an Uni Hildesheim: Sinazo Saul und Pia Roser über ihre Erfahrungen

Sinazo Saul, Prof. Bettina Kluge, Pia Roser

Sinazo Saul, Prof. Bettina Kluge und Pia Roser am Bühler-Campus der Universität Hildesheim. Dort liegt das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation.

„Blockbuster, Bedienungsanleitungen, Beipackzettel, und selbst die Etiketten auf Nudelpackungen – wir sind umgeben von Übersetzungen“, sagt Prof. Dr. Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim bildet sie den Übersetzernachwuchs im Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ aus.

Zum Studium gehört ein verbindlicher Auslandsaufenthalt. „Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland. Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz enorm“, so Kluge. Die Uni Hildesheim kooperiert mit Partnerhochschulen in Spanien, Frankreich, Irland, Finnland, Belgien, Türkei, Indien und Mexiko.

Sinazo Saul aus Hamburg absovierte Auslandssemester in Kolumbien

Kaum war Sinazo Saul auf dem Uni-Campus angekommen, plante sie schon wieder ihre Abfahrt. Wer in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert, geht bereits nach einem Jahr ins Ausland. „Kaum ist man da, ist man schon wieder weg“, lacht Sinazo Saul. Nach einem Semester an der Universität Bogotá in Kolumbien ist die Studentin nun zurück in Hildesheim.

„Wenn Studierende aus dem Ausland zurückkommen, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Professorin Bettina Kluge. Die Übersetzungswissenschaftlerin bildet an der Universität Hildesheim Fachleute aus, die zum Beispiel Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher sowie Bedienungsanleitungen übersetzen.

Im ersten Studienjahr stehen die Grundlagen auf dem Programm, etwa die beiden Vorlesungen „Einführung in die Sprachwissenschaft“ und „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ sowie erste sprachpraktische Übungen und Methoden des Übersetzens.

Auslandssemester ist Pflicht

„Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland“, so Kluge. „Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz im Alltag enorm. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen werden anerkannt.“

Die Universität Hildesheim kooperiert dabei mit Partnerhochschulen in Spanien (etwa Alicante, Madrid, Murcia und Barcelona), in Frankreich (etwa Paris, Clermont-Ferrand und Tours) sowie in Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko. Es gibt Ausnahmeregelungen, wenn ein Auslandsaufenthalt nur schwer möglich ist, etwa wenn Studierende schwer krank sind, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen müssen.

Nach dem vierten Semester stehen verschiedene Spezialisierungen zur Auswahl

Im dritten Studienjahr folgen sprachpraktische Seminare und Spezialisierungen etwa in „Fachübersetzen“ (technische Übersetzungen: Wie übersetzt man Handbücher für Maschinen?), „Unternehmenskommunikation“ oder „Sprache und Medien“.

Die Studentin Sinazo Saul spezialisiert sich auf den Bereich „Community Interpreting“ – das klingt etwas technisch, ist aber mitten aus dem Leben. „Das Seminar ist mein Highlight. Wir beschäftigen uns mit der Frage, welche Rolle Übersetzungen im Alltag spielen, etwa bei Arztbesuchen. Übersetzerinnen, die hier geschult sind, können dazu beitragen, dass ein Kind nicht Diagnosen für den Vater übersetzen muss, der die deutsche Sprache noch nicht sprechen kann“, sagt die 23-Jährige.

Seit zweieinhalb Jahren studiert die Hamburgerin auf dem Bühler-Campus in Hildesheim. „Die Kombination im Studium ist gut – nicht so eintönig, ich studiere in den Nebenfächern Politik- und Medienwissenschaft. Das Studium in Hildesheim habe ich eher zufällig entdeckt. Eigentlich wollte ich nach Heidelberg – aber mit dem Semesterticket kann ich schnell nach Hamburg flitzen, wo meine Familie lebt“, sagt Sinazo Saul.

Ihr Interesse an Sprachen prägt ihr Leben: Sie ist mehrsprachig aufgewachsen, hat sich in der Oberstufe für ein Sprachenprofil entschieden – Englisch, Spanisch und Französisch. Mit einer ihrer Übersetzungen ist Sinazo Saul bereits erfolgreich: Die Studentin hat ein Kinderbuch ihres Onkels übersetzt. „Der kleine Stern“ heißt nun „Little star“.

Pia Roser war in Mexiko

Auch für Pia Roser war die Freude an Sprachen entscheidend für ihre Studienwahl. Sie studiert im fünften Semester „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ mit den Fächern Englisch und Spanisch.

„Das Auslandssemester in Toluca in Mexiko konnte ich nutzen, um wirklich ein halbes Jahr Erfahrungen zu sammeln. Ich lerne, wie ich mit Sprache kompakt formulieren und gut Informationen übermitteln kann, hebe mein sprachliches Niveau, vermeide unnötige Wölkchen. Es geht darum, knackig zu formulieren und trotzdem mit Sprache zu spielen und die Nuancen auszuschöpfen“, sagt Pia Roser.

Bei einer guten Übersetzung kommt es darauf an, „alle Informationen in angepasster Form weiterzugeben und auf den Punkt zu bringen“. Sie hat zum Beispiel für ein kleines mittelständisches Unternehmen übersetzt – Frachtkosten, Warengut und Lieferbedingungen. „Auch kleine Unternehmen sind in den Weltmarkt eingebunden und auf Übersetzungen angewiesen – sie brauchen Mitarbeiter, die ein ausgeprägtes Sprachgefühl haben“, sagt Bettina Kluge.

Keine Angst vor maschinellen Übersetzungen

Ob sie Sorge hat, dass ihre Arbeit eines Tages von Maschinen übernommen wird? „Wenn ich eine Bedienungsanleitung übersetze, übersetze ich nicht bloß eins-zu-eins, ich muss auch wissen, was technisch passiert. Dieses Wissen bringe ich als Übersetzerin mit. Maschinen können viel, sie können aber nicht den Menschen ersetzen. Gerade Literatur lebt von menschlichen Eindrücken. Es würde viel verloren gehen an sprachlicher Varietät und Bandbreite“, sagt Sinazo Saul. „Humor, Ironie und Wortspiele sind für eine Maschine extrem schwierig.“

Auch Themen aus der Zeitgeschichte stehen auf dem Seminarplan: Im Seminar „Linguistic analysis of the 2016 U.S. election“ beschäftigten sich die Studenten mit dem US-Wahlkampf und seiner Darstellung in den deutschen Medien, mit Wortspielen und Metaphern („Das Trumpeltier“), mit Übersetzungen von Tweets, mit Reden im Originalton, deren Übersetzung als Untertitel mitläuft, und mit rhetorischen Mitteln im Wahlkampf.

Absolventen des Hildesheimer Studiengangs „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ sind heute zum Beispiel beim WDR als Untertitler und als technischer Redakteur bei der Volkswagen AG tätig oder haben sich als Übersetzer selbständig gemacht. Andere spezialisieren sich in den Masterstudiengängen „Medientext und Medienübersetzung“ oder „Sprache und Technik“.

Der BA-Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim

Der Bachelor-Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ richtet sich an Studieninteressierte, die neben der Begeisterung für Sprachen, Texte und verschiedene Kulturen auch ein Interesse für neue Technologien und Medien mitbringen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des professionellen Übersetzens. Die Studenten beschäftigen sich in drei Jahren mit Texten unterschiedlicher Sprachen. Neben der Grundsprache Deutsch wählen sie zwei weitere Sprachen – Englisch, Französisch oder Spanisch.

Weiterführende Links

[Text: Universität Hildesheim. Quelle: Pressemitteilung Universität Hildesheim, 2017-02-27. Bild: Universität Hildesheim.]

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