Studie zur „Frankreichstrategie“: Saarländer befürworten Mehrsprachigkeit und Förderung des Französischen

Saarland-KarteDie Bevölkerung des Saarlandes möchte einer Studie der Freien Universität Berlin zufolge stärker mehrsprachig werden und dem Französischen im Alltag einen größeren Stellenwert einräumen.

Schon jetzt verfügten die Menschen im Saarland über gute Französischkenntnisse und nutzten diese in privaten und beruflichen Zusammenhängen.

Wie die Erhebung von Dr. Philipp Krämer vom Interdisziplinären Zentrum „Europäische Sprachen“ der Freien Universität weiter ergab, befürworteten rund 62 Prozent der Befragten die so genannte „Frankreichstrategie“ der amtierenden Großen Koalition aus CDU und SPD im Saarland. Sie bewerteten das Vorhaben als „gut“ oder „eher gut“; während 38 Prozent es „eher schlecht“ oder „schlecht“ einstuften.

Eine Mehrheit der Befragten hält es der Studie zufolge allerdings für unrealistisch, dass das Saarland innerhalb einer Generation – also etwa bis Mitte der 2040er Jahre – mehrsprachig wird; dies wird von der Landesregierung angestrebt.

Obwohl eine klare Mehrheit der Befragten die Frankreichstrategie grundsätzlich unterstützt, zeichnet sich bei der praktischen Umsetzung insgesamt ein skeptisches Bild ab: So wurden einzelne geplante Maßnahmen wie zweisprachige Schilder, bilinguale Kindertagesstätten und ein Verbindungsbüro in Paris von einer Mehrheit befürwortet. Die Einführung des Französischen als zweite Verkehrssprache des Saarlandes allerdings lediglich von etwa einem Drittel der Bevölkerung.

Die Frankreichstrategie der Landesregierung des Saarlandes sieht vor, Französisch dort unter anderem durch ein breites Bildungsangebot als zweite Alltagssprache zu etablieren. Ziel ist es, das Saarland zu einer „mehrsprachigen Region deutsch-französischer Prägung“ zu machen. Für die unabhängige Studie wurden im April knapp 1.200 Saarländer aller Altersgruppen befragt.

Wie die Befragung weiter ergab, ist die Zustimmung zur Frankreichstrategie in den grenznahen Gebieten und vor allem in der Landeshauptstadt Saarbrücken am höchsten. Im Nordsaarland bewertet dagegen eine knappe Mehrheit die Frankreichstrategie negativ.

„In allen Altersgruppen überwiegt die Zustimmung zur Frankreichstrategie. Im Altersbereich zwischen 30 und 50 Jahren ist diese aber weniger deutlich ausgeprägt als bei den über 50-Jährigen“, erläutert Sprachwissenschaftler Dr. Philipp Krämer. „Ein Grund dafür könnte sein, dass Eltern mit schulpflichtigen Kindern bei Veränderungen im Schulsystem generell zurückhaltend reagieren.“

Auffällige Effekte bei anderen soziodemografischen Faktoren hätten sich nicht ergeben. Die Zustimmung überwiege auf allen Bildungsniveaus und in allen Beschäftigungsgruppen.

Der Studie zufolge hält allerdings eine Mehrheit der Bevölkerung die Frankreichstrategie nicht für sich persönlich relevant. „Für viele wird offenbar noch nicht deutlich, welche Vorteile sie selbst von der Frankreichstrategie haben könnten“, betont Philipp Krämer. Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Umsetzung werde von den Befragten weithin als unzureichend angesehen.

In der Frage der Finanzierung sind die Befragten den Ergebnissen zufolge gespalten. Eine relative Mehrheit empfinde die Kosten als angemessen, einzelne dagegen hielten die Frankreichstrategie für unterfinanziert. „Es wäre hilfreich, die Finanzierung insgesamt transparent zu machen und in eine Relation zu anderen Ausgaben zu setzen“, unterstreicht Philipp Krämer.

Die Befragten sehen der Studie zufolge zudem keine deutliche Verknüpfung zwischen der Frankreichstrategie und der Sicherung der weiteren Eigenständigkeit des Saarlandes als eines von 16 Bundesländern. „Vor diesem Hintergrund ist es wohl fraglich, ob es sinnvoll ist, die Frankreichstrategie als Weg zur Sicherung der Eigenständigkeit des Saarlandes zu kommunizieren“, betont Philipp Krämer. Allerdings finde die Frankreichstrategie tatsächlich mehr Anklang bei denjenigen Befragten, die das Saarland auch künftig als eigenes Bundesland erhalten möchten. Wer eine Länderfusion befürworte, lehne dagegen die Frankreichstrategie deutlich häufiger ab.

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[Text: Freie Universität Berlin. Quelle: Pressemitteilung Freie Universität Berlin, 2017-05-30. Bild: Lesniewski / Fotolia.]

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