„Missverständnisse aufklären, Verständnis fördern“ – Gespräch mit ehrenamtlicher Dolmetscherin Nour Al-Sai

Nour Al-Sai

Nour Al-Sai

Die Dolmetscherpools in den Großen Kreisstädten im Ortenaukreis vermitteln ehrenamtliche Dolmetscher, die Bürger mit Migrationshintergrund und die große Zahl der geflüchteten Menschen und Asylbewerber etwa bei öffentlichen Einrichtungen, Ärzten und Beratungsstellen unterstützen.

Dolmetscherin Nour Al-Sai (32), stammt aus Jordanien. Sie beantwortet Fragen zu ihrem ehrenamtlichen Engagement beim Dolmetscherpool in Offenburg (Baden-Württemberg).

Welche Sprachen sprechen Sie?

Meine Muttersprache ist Arabisch. Außerdem spreche und dolmetsche ich auch Englisch. Selbstverständlich spreche ich auch Deutsch.

Wie kamen Sie dazu, sich als ehrenamtliche Dolmetscherin zu engagieren?  

Das war zu der Zeit, als sehr viele geflüchtete Menschen aus arabischen Ländern nach Deutschland kamen. Meine Schwester arbeitet in Worms bei der Caritas und hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Sprachmittler aktuell sehr wichtig sind und dass man sich in sogenannten Dolmetscherpools engagieren kann. Da es mir wichtig ist Menschen zu helfen, habe ich mich gleich beim Dolmetscherpool in Offenburg angemeldet.

Wer kann dieses Ehrenamt ausüben, welche Kenntnisse sollte man mitbringen?

Außer den sprachlichen Kompetenzen sollte man neutral und unparteiisch und in der Lage sein, ruhig und besonnen zu dolmetschen. Es ist wichtig, sich in Gesprächen zurückhaltend und empathisch zu verhalten. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass man als Übersetzer eine Hilfestellung gibt, doch die Aufgabe der Beratung den zuständigen Mitarbeitern überlässt. Ansonsten kann es im Gespräch zu Missverständnissen oder Unzufriedenheit bei einer Gesprächspartei kommen.

Für welche Situationen dolmetschen Sie? Was empfinden Sie am schwierigsten?

Ich dolmetsche beispielsweise bei feierlichen Anlässen, Führungen, Veranstaltungen, Ärzten, Schulen, Kitas und Beratungsstellen. Schwierig finde ich das Dolmetschen in Krankenhäusern, denn ärztliche Fachbegriffe sind schwer zu übersetzen. Nicht nur bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten komme ich hierbei an meine Grenzen, sondern auch, weil manche Krankheitsbilder in bestimmten Ländern gar nicht oder weniger bekannt sind oder auch mit anderen Ursachen in Verbindung gebracht werden.

Wie läuft so ein Einsatz ab? Wie erfahren Sie davon? Dokumentieren Sie Ihren Einsatz?

Ich engagiere mich als Sprachmittlerin im Dolmetscherpool Offenburg. Der Pool führt eine Liste mit den Kontaktdaten der jeweiligen Dolmetscher, die von zugelassenen Institutionen und Einrichtungen eingesehen werden können. Diese Einrichtungen rufen mich dann direkt an und vereinbaren einen Termin mit mir.

Um einen Überblick zu haben, dokumentiere ich meine Einsätze. Der Dolmetscherpool erhält von jedem Einsatz ein unterschriebenes Abrechnungsformular, damit die Aufwandsentschädigung ausgezahlt werden kann.

Müssen Sie für die Aufwandsentschädigung Steuern bezahlen?

Mit dem Dolmetscherpool Offenburg gibt es eine Vereinbarung bezüglich der Aufwandsentschädigungen und der Einhaltung des Steuerfreibetrags von 720 Euro pro Kalenderjahr für ehrenamtliche Tätigkeiten. Darüber hinaus können wir das restliche Jahr nur ohne Aufwandsentschädigung weiter dolmetschen oder bis zum nächsten Jahr pausieren.

Welche Rolle spielen nach Ihrer Meinung die ehrenamtlichen Dolmetscher im Integrationsprozess?

Ich denke, dass wir Sprachmittler auch bei der Integration helfen. Durch das Auflösen der Sprachbarriere können Flüchtlinge und Migranten richtig beraten und ärztlich behandelt werden. So können sie bestehende Unterstützungsangebote wahrnehmen und an verschiedenen Veranstaltungen und Terminen teilnehmen.

Durch das Dolmetschen vernetzen wir Institutionen, Einrichtungen, Personen und Migranten oder Flüchtlinge untereinander. Wir vermitteln bei sprachlichen Problemen und helfen kulturelle und religiöse Missverständnisse aufzuklären. Mit unserem interkulturellen Blick können wir möglichen Konflikten vorbeugen und das gegenseitige Verständnis beider Seiten fördern.

[Text: Pressestelle Ortenaukreis, 2017-08-22. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Pressesprecher Kai Hockenjos. Bild: privat.]

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