Frankfurter Buchmesse: Stand „Weltempfang“ glänzt mit einem Dutzend Veranstaltungen für Literaturübersetzer

Weltempfang 2011

Die Veranstaltungen am Weltempfang (hier 2011) waren immer gut besucht, richteten sich in den letzten Jahren aber immer weniger an Übersetzer.

Wer hätte das zu hoffen gewagt? Mit unglaublichen 12 übersetzungsrelevanten Veranstaltungen verwöhnt der Stand „Weltempfang“ auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr sein Publikum.

Noch im Vorjahr hatten die speziell für Literaturübersetzer konzipierten Programmpunkte nach dem Sinkflug in den Vorjahren mit lediglich vier Veranstaltungen ihren absoluten Tiefpunkt erreicht.

Die Hoch-Zeit des alten „Übersetzer-Zentrums“ in den Jahren 2003 bis 2009, als es jedes Jahr gut 40 Übersetzer-Veranstaltungen allein an diesem einen Stand gab, war da schon nur noch eine ferne Erinnerung, von der die Älteren im Kollegenkreis erzählten.

Das beim Fachpublikum äußerst beliebte Übersetzer-Zentrum war 2010 aus Kostengründen mit dem benachbarten „Internationalen Zentrum“ zum „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ zusammengelegt worden. Seitdem nahm das Veranstaltungsangebot für Übersetzer stetig ab.

Weltempfang 2011

Im Vorjahr nur 4 Veranstaltungen für Übersetzer, jetzt 12 – eine Trendwende?

Weltempfang 2017 – Übersetzungsrelevante Veranstaltungen in chronologischer Reihenfolge

(1) Mittwoch, 11.10.2017, 10.30-11.30 Uhr, Bühne
Verleihung der Übersetzerbarke 2017 (Preisverleihung)
Der Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) zeichnet jährlich Personen des literarischen Lebens aus, die sich um das Übersetzen verdient gemacht haben. Die Übersetzerbarke 2017 geht an Dr. Maja Sibylle Pflüger, stellvertretende Leiterin des Bereichs „Kultur und Bildung“ bei der Robert-Bosch-Stiftung, für ihre Verdienste um eine breit gefächerte Förderung von Literaturübersetzern. Mit dem Preis wird gleichzeitig auch die Robert-Bosch-Stiftung, der inzwischen größte private Förderer von Literaturübersetzern in Deutschland, gewürdigt.
Mit Dr. Maja Sybille Pflüger (Stuttgart), Robert-Bosch-Stiftung, Preisträgerin;
Patricia Klobusiczky (Berlin), Vorsitzende des VdÜ, Laudatorin.
Veranstalter: VdÜ.

(2) Mittwoch, 11.10.2017, 11:30-12:30, Salon
Dialog der Ideen – die Macht der Übersetzer
Nicht nur die Geschichte der Weltliteratur, auch die der internationalen Verständigung ist ohne Übersetzer nicht denkbar: Sie durchbrechen Sprachgrenzen, um Wissen, Ideen und Geschichten zugänglich zu machen. Ihre Nachlässe zeugen sowohl von ihrer welt-literarischen Bedeutung als auch von ihrer historischen und politischen Verantwortung.
Mit Jürgen Jakob Becker, Patricia Klobusiczky, Andrea Prins, Erika Tophoven.
Veranstalter: Institut Français, Frankfurter Buchmesse, Robert-Bosch-Stiftung

(3) Mittwoch, 11.10.2017, 14:30-15:30, Salon
Ein Buch und seine Folgen
Der Erfolg des Kolumbianers Gabriel García Márquez, der als Begründer des Magischen Realismus gilt, ist eng verbunden mit seinem monumentalen Werk „100 Jahre Einsamkeit“, das in millionenfacher Auflage die literarische Welt beeinflusste. Das Buch erschien vor 50 Jahren und pünktlich zum Jubiläum gibt es eine Neuübersetzung. Welchen Einfluss hatte das Werk? Welchen Stellenwert besitzt es heute?
Mit Jaime Abello, Dagmar Ploetz, Michi Strausfeld.
Veranstalter: Frankfurter Buchmesse.

(4) Donnerstag, 12.10.2017, 10.30–11.30 Uhr, Bühne
Schwere Themen, leichte Lektüre? Doku-Comics aus Europa (Podiumsdiskussion)
(Deutsch/Englisch/Spanisch)
Sind Comics besonders geeignet, komplexe Stoffe zu behandeln? Gerade im Fall von Comic-Reportagen mit schweren Themen kann die Bildsprache eine anschauliche dokumentarische Vermittlung ermöglichen. Auch dank der Pointiertheit der Comicautoren ist diese neue Art von Sachbüchern unterhaltsam und aufschlussreich. EUNIC-Frankfurt präsentiert vier Autoren, die Doku-Comic-Geschichte geschrieben haben.
Mit Guy Delisle (Frankreich/Kanada), Comicautor, Pionier des Doku-Comic-Genres, zuletzt erschien „Geisel“ (Reprodukt 2017); Igort (Italien), Comicautor, Verfasser von Reiseberichten, zuletzt erschien „Berichte aus Japan“ (Reprodukt 2016); Carlos Spottorno (Spanien), Fotograf, und Guillermo Abril (Spanien), Journalist, haben mit „Der Riss“
(Avant-Verlag 2017) den Fotoroman neu erfunden. Moderation: Jakob Hoffmann.
Veranstalter: EUNIC Frankfurt, Instituto Cervantes Frankfurt, Instituto Italiano di Colonia, Institut franco-allemand IFRA, Institut français Frankfurt.

Klaus Jöken

Klaus Jöken im Jahr 2008 als Gläserner Übersetzer.

(5) Donnerstag, 12.10.2017, 10.30-12.30 Uhr, Salon
Gläserner Übersetzer (Interaktive Präsentation)
Literatur wird live übersetzt – das Publikum liest mit, fragt nach, mischt sich ein. Heute überträgt Claudia Steinitz „Das Leben des Vernon Subutex“ – die Geschichte eines Plattenhändlers, der nach der Pleite seines Ladens aus der Wohnung fliegt und in eine Lebenskrise stürzt. Das Comeback von Virginie Despentes („Baise-moi“) ist ein Gesellschaftspanorama der Abgründe von Paris.
Mit Claudia Steinitz (Hamburg), Übersetzerin aus dem Französischen, u. a. von Véronique Olmi und Albertine Sarrazin.

(6) Donnerstag, 12.10.2017, 13.30-14.30 Uhr, Bühne
Übersetzen von Literatur aus Kriegsgebieten
„Bei einer Lesung meiner Übersetzung kamen mir die Tränen“, so beschreibt eine Übersetzerin syrischer Autoren ihre Beziehung zu den Texten, die sie derzeit ins Deutsche überträgt. Müssen oder dürfen Übersetzer Distanz zu den Gräueln wahren, die in Literatur aus Kriegsgebieten beschrieben werden? Können Sie durch die Wortwahl Leiden abmildern oder verstärken? Wie wirkt sich Empathie beim Übersetzen aus, wie weit darf sie gehen? Über diese Fragen diskutieren Übersetzerinnen aus dem Arabischen und Indonesischen.
Mit Larissa Bender (Köln), Übersetzerin aus dem Arabischen; Sabine Müller (Köln), Übersetzerin aus dem Indonesischen; Moderation: Claudia Kramatscheck (Berlin), Kulturjournalistin.
Veranstalter: VdÜ.

(7) Freitag, 13.10.2017, 11.30 – 12.30 Uhr, Salon
Wie viel Fremdheit darf sein? Übersetzen aus fernen Sprachen
Von Literatur aus dem Fernen und Nahen Osten erwarten die meisten Leser noch immer einen Orientalismus und Exotismus, der vielfach nur Klischee ist. Ist es Unsicherheit im Umgang mit dem Fremden? Wie können Übersetzer, Verleger und Kritiker dazu beitragen, diese Stereotypen zu überwinden, die das Verständnis fremder Kulturen und ihres Wandels verstellen? Darüber sprechen zwei Übersetzerinnen ferner Sprachen mit einem Verleger.
Mit Karin Betz (Frankfurt), Übersetzerin aus dem Chinesischen, Englischen, Spanischen; Leila Chammaa (Berlin), Übersetzerin aus dem Arabischen. Moderation: Claudia Kramatscheck (Berlin), Kulturjournalistin.
Veranstalter: VdÜ, Goethe-Universität Frankfurt, Konfuzius-Institut Frankfurt.

(8) Freitag, 13.10.2017, 12.00–13.00 Uhr, Bühne
Der neue arabische Comic – künstlerisch hochwertig und hochpolitisch (Podiumsdiskussion Deutsch/Englisch)
Der arabische Comic der letzten zehn Jahre reflektiert einen freiheitlichen Geist sowie die Offenheit der Autoren und Künstler, sich in die großen Strömungen des zeitgenössischen Comics einzuschreiben. Konfrontiert wird diese neue Generation an Comiczeichnern mit fehlenden Verlags- und Vertriebsstrukturen und einer starken gesellschaftlichen und politischen Zensur.
Mit Thomas Gabison (Paris), Mitbegründer und Co-Direktor des französischen Comic-Verlags Actes Sud BD; Reinhard Kleist (Berlin), Grafikdesigner und Comiczeichner; Lena Merhej (Beirut), deutsch-libanesische Grafik-Designerin, Comic-, Cartoon- und Videokünstlerin; Mohammed Shennawy (Kairo/Brüssel), Comiczeichner und Initiator des ägyptischen Comicmagazins Tok Tok, Direktor des Comicfestivals Cairo Comix. Moderation: Amira El Ahl (Kassel), Journalistin und Moderatorin.
Veranstalter: Goethe-Institut, Institut Français d’Egypte, Deutsch-französischer Kulturfonds

(9) Freitag, 13.10.2017, 13:00-14:00, Salon
Übersetzungen – wie verlegen?
Vier Verleger und Verlegerinnen mit internationaler Ausrichtung diskutieren über das Verlegen von Werken in Übersetzung – Bedeutung, Auswirkungen und Chancen. Was für einen Beitrag schafft das Verlegen von Übersetzungen für die Literaturszene in ihrem Land und für eine soziopolitische Debatte in unseren unruhigen Zeiten? Nach welchen Kriterien werden die Bücher ausgewählt? Lösen sie mitunter überraschende Reaktionen aus?
Mit Neeta Gupta, Laura Huerga Ayza, Laure Leroy, Ra Page, Olivia Snajie.
Veranstalter: Literature Across Frontiers, literary europe live.

(10) Freitag, 13.10.2017, 16:00-17:00, Salon
Politik und Übersetzung – ein gegenseitiges Wechselspiel?
Europa befindet sich in einem Veränderungsprozess mit ungewissem Ausgang. Neue politische Bewegungen, der Brexit, Handelsbarrieren – all dies wirft die Frage nach der europäischen Identität auf. Wie beeinflussen die sich stetig ändernden politischen Bedingungen sowie aktuelle Ereignisse die literarische Übersetzungsarbeit? Experten aus der Buch- und Verlagsbranche diskutieren über die Zusammenhänge von Politik und Übersetzung.
Mit Stefan Tobler, Koen van Bockstal.
Veranstalter: Frankfurter Buchmesse.

(11) Samstag, 14.10.2017, 10:30-12:30, Salon
Translation Slam (Interaktive Präsentation)
Knackig oder zart, lyrisch oder hart, geschüttelt oder gereimt, berühmt oder berüchtigt – Hauptsache schnell und spontan! Drei Profis und ein aufgewecktes Publikum versuchen aus dem Stegreif markante Sätze, Songzeilen, Redensarten, Dialoge, Aphorismen, Verse zu übertragen – ein ganz anderer Einblick in die Werkstatt des literarischen Übersetzens und dazu beste Unterhaltung.
Mit Karin Betz (Frankfurt), Übersetzerin aus dem Chinesischen, Englischen, Spanischen; Isa Bogdan (Hamburg), Übersetzerin aus dem Englischen; Andreas Jandl (Berlin), Übersetzer aus dem Englischen, Französischen; Moderation: Ingo Herzke (Hamburg), Übersetzer aus dem Englischen.
Veranstalter: VdÜ.

(12) Sonntag, 15.10.2017, 10:30-12:30, Salon
Gläserner Übersetzer (Interaktive Präsentation)
Beim Übersetzen über die Schulter schauen – mitdenken, nachhaken, austauschen. Heute lässt sich der diesjährige Wieland-Preisträger Frank Sievers beobachten und befragen; er arbeitet mit Andreas Jandl an dem neuen Buch von Roger Deakin („Logbuch des Schwimmers“) namens „Wildwood. A Jouney Through Trees“, das 2018 in der Reihe Naturkunden bei Matthes & Seitz erscheinen wird.
Mit: Frank Sievers (Berlin), Übersetzer a. d. Englischen und Französischen, u. a. von Helen MacDonald, Robert MacFarlane.
Veranstalter: VdÜ.

Stand Weltempfang in Halle 3.1

Messe Frankfurt, Halle 3

Die Halle 3 (rechts) liegt zentral an der Agora.

Der Stand „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ ist unter anderem als Anlaufstelle für Literaturübersetzer gedacht. In der Beschreibung heißt es:

Der Name ist Programm. Im Weltempfang in Halle 3.1 erwarten Sie Podiumsdiskussionen, Gespräche und Lesungen mit internationalen Autoren, Intellektuellen und Übersetzern.

 

Der Besuch im Weltempfang mit seiner Bühne für publikumsstarke Veranstaltungen, seinem Salon für Fachdiskussionen und literarische Begegnungen und seinem großräumigen Café-Bereich wird so zum intellektuellen Erlebnis mit der Möglichkeit zum Verweilen.

 

Für den internationalen Handel mit Buchrechten sind Übersetzungen essentiell. Daher gäbe es ohne Übersetzer keine Weltliteratur und keine internationalen Buchmessen. Wir bieten Ihnen ganzjährig die Möglichkeit zur Vernetzung. Auf der Frankfurter Buchmesse können Sie sich Verlagen vorstellen und mit Kollegen austauschen.

 

In zahlreichen Veranstaltungen erfahren Sie zudem mehr über die neuesten Entwicklungen der Branche und können diese mitdiskutieren.

Der „Weltempfang“ befindet sich in der zentral an der Agora gelegenen Halle 3.1 und trägt die Standnummer L 25.

Weiterführender Link

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Buchmesse. Bild: Frankfurter Buchmesse, Richard Schneider.]

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