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Archiv der Kategorie Ausbildung
Köln: Infotag Türkisch für Berufsausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer
25.11.2011 von Richard Schneider.
Die Türkei zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Während die Eurozone schwächelt, legt die Türkei mit Wachstumsraten rekordverdächtig zu. Der Bedarf an gut qualifizierten Fremdsprachenkorrespondenten und Übersetzern für Türkisch ist daher groß. Die Übersetzer- und Dolmetscherschule Köln am Rheinischen Bildungszentrum Köln (RBZ) lädt am Donnerstag, dem 1. Dezember 2011 um 17 Uhr zu einem Informationsnachmittag über die schulische Berufsausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer und Dolmetscher und zum geprüften Fremdsprachenkorrespondenten IHK für die türkische Sprache ein. Die Veranstaltung findet statt in der Übersetzer- und Dolmetscherschule, Weißhausstraße 24 (Eingang bei „Real“) in 50939 Köln. Die Schulleitung stellt Schülern und ihren Eltern das berufsbildende Angebot vor und beantwortet Fragen.
Das neue Semester startet am 19. März 2012. Vor Beginn des Semesters wird vom 13. Februar bis zum 9. März ein Intensivkurs Türkisch zur Vorbereitung auf die Ausbildung angeboten.
Angesprochen sind sprachtalentierte Schülerinnen und Schüler mit Abitur, Fachhochschul- oder Fachoberschulreife mit guten Kenntnissen der türkischen und deutschen Sprache. Die an der Übersetzer- und Dolmetscherschule angebotene Ausbildungsform mit IHK-Prüfung bzw. mit staatlicher Prüfung ist für Türkisch in Deutschland in dieser Form einmalig. Die Prüfungsleistungen beinhalten sowohl die Wirtschaftssprache als auch den Nachweis über fundierte Kenntnisse im allgemeinsprachlichen Übersetzen. Die Ausbildung ist modular aufgebaut. Wer die „kurze“ Variante wählt, kann innerhalb von nur einem Ausbildungsjahr den IHK-Berufsabschluss zum geprüften Fremdsprachenkorrespondenten ablegen. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Prüfung können sich die Schüler für die Fortsetzung und damit für die „längere“ Variante (zweijährige Form) entscheiden. Sie absolvieren dann nach einem weiteren Jahr die staatliche Prüfung zum Übersetzer- und/oder Dolmetscher. Die Vollzeitausbildung kann auf Antrag mit BAföG gefördert werden.
In Köln und Umgebung leben viele sprachtalentierte junge Menschen mit deutsch-türkischem Hintergrund, die in zwei Kulturen zu Hause sind und diese zwei Sprachen sicher beherrschen. Sie verfügen über das wertvolle Kapital der Mehrsprachigkeit, auf das sie bei der Berufswahl aufbauen können.
Anmeldungen zum Infoabend nimmt das Schulsekretariat per Mail kontakt@dolmetscherschule-koeln.de oder telefonisch unter 0221/ 22 20 60 83 entgegen.
www.dolmetscherschule-koeln.de
Rheinisches Bildungszentrum Köln (RBZ)
Die Übersetzer- und Dolmetscherschule am RBZ bietet die ein- oder zweijährige Ausbildung in staatlich anerkannten Fremdsprachenberufen in Englisch, Spanisch, Türkisch, Russisch und Französisch an. Das RBZ Köln ist seit über 40 Jahren im Bereich Ausbildung und Studium tätig und engagiert sich als gemeinnützige Institution im Verbund der Rheinischen Stiftung für Bildung, Wissenschaft und berufliche Integration. Zu den Bildungspartnern gehören unter anderem die Rheinische Akademie Köln und Rheinische Fachhochschule Köln.
[Text: Beatrix Polgar-Stüwe. Quelle: Pressemitteilung RBZ, 2011-11-23. Bild: RBZ.]
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Germersheim-Dekan Prof. Gipper über Bachelor und Master, die Verschulung des Studiums und Sparzwänge
7.11.2011 von Jessica Antosik.

Der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim (FTSK Germersheim) ist eine der ältesten und weltweit die größte Ausbildungsstätte für Übersetzer und Dolmetscher. Das Institut genießt einen ausgezeichneten Ruf und ist nach Ansicht vieler Branchenkenner im deutschsprachigen Raum nicht nur hinsichtlich der Absolventenzahlen die Nummer 1 unter den Anbietern von Studiengängen für angehende Übersetzer und Dolmetscher.
Wie wirken sich dort die doppelt so großen Abiturjahrgänge (Stichwort G8) auf die Studierendenzahlen aus? Welche Erfahrung hat man in Germersheim mit der Umstellung der Diplom-Studiengänge auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gemacht? Hat das Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt? Und welche Pläne gibt es für die Weiterentwicklung der renommierten Kaderschmiede?
Fragen über Fragen, die Jessica Antosik, uepo.de-Mitarbeiterin und Master-Studentin am FTSK Germersheim, am 18. Oktober 2011 dem Dekan des Fachbereichs stellte. Univ.-Prof. Dr. Andreas Gipper (Bild rechts) gab bereitwillig Auskunft. Gipper wurde im Jahr 2003 als Professor für Französische und Italienische Kulturwissenschaft nach Germersheim berufen. Seit Mai 2011 ist er Dekan des Fachbereichs.
Antosik: Die ersten G8-Absolventen strömen in die Vorlesungssäle. Rüstet sich der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften in Germersheim auf den Ansturm der doppelten Abiturjahrgänge? Ist bereits ein Anstieg der Studierendenzahlen zu verzeichnen?
Gipper: Wir haben bisher von dem G8-Schub eigentlich nichts mitbekommen. Ich kann Ihnen ehrlich gesagt nicht sagen, woran das liegt. Darüber habe ich keine Aufschlüsse. Die Studentenzahlen des Wintersemesters 2011/12 bewegen sich im Rahmen des letzten Wintersemesters, das bedeutet also rund 2000. Auch innerhalb der Fächer hat sich nicht viel geändert. Die einzige Sache, die sich geändert hat, ist, dass das Fach Deutsch die Einschreibezahlen nach Ländern gedeckelt hat. Dort sind die Einschreibezahlen insgesamt ein bisschen zurückgegangen. Das ist aber vom Fachbereich gewollt, weil das etwas explodiert war.
Nachfolgend eine Tabelle mit Angaben zur Gesamtstudierendenzahl im Wintersemester 2011/12, Zahlen über Neu- und Wiederimmatrikulierte im WiSe 2011/12, Austauschstudierende, Beurlaubte sowie Zahlen zu den B-, C- und D-Sprachen der Studierenden.

Wie haben sich die Studierendenzahlen in den letzten Jahren insgesamt entwickelt? Schreiben sich im Vergleich zum Diplom mehr/weniger Studenten für den Bachelor (BA) bzw. Master (MA) ein?
Die Frage ist durchaus interessant. Es ist im Moment so, dass die Einschreibezahlen im Bachelor denen des Diploms entsprechen. Das heißt, da haben wir keine Veränderungen. Das Einzige ist, dass die Studierenden im Bachelor natürlich früher aufhören. Das bedeutet, die Studierenden sind nach sechs, sieben oder acht Semestern fertig. Und wir haben tatsächlich ein strukturelles Problem, denn wir haben bislang zu wenige Einschreibungen im Master. Und das hat sicherlich unterschiedliche Gründe.
Aus meiner Sicht gibt es zwei Hauptgründe. Der eine Grund ist, glaube ich, dass wir ein strukturelles Problem haben: Unsere eigenen Studierenden, die hier sechs, sieben Semester studiert und den Bachelor gemacht haben, möchten einfach etwas anderes sehen als Germersheim. Und deshalb gehen auch leider gute Studenten nach dem Bachelor weg. Und die Leute, die von außerhalb kommen, kompensieren das nicht vollständig. Wir haben also nach dem Bachelor einen Studierendenverlust, der dazu führt, dass unsere Gesamtstudierendenzahl gesunken ist. Wir hatten früher Gesamtstudierendenzahlen von 2300, manchmal auch 2400. Jetzt sind es nur noch 2000. Das liegt vor allem auch daran, dass die Einschreibezahlen im Master noch nicht so sind, wie wir uns das vorstellen.
Der zweite Grund ist wahrscheinlich ein bisschen hausgemacht. Das liegt aber auch daran, dass es kein einfacher Prozess war, die neuen Studiengänge einzuführen. Das ist letztlich „learning by doing“. Aus meiner Sicht hatte der Master bislang nicht genug Profil. Und das hoffen wir jetzt mit der Reform von Bachelor und Master zu verbessern. Das heißt also, der Bachelor wird verschlankt und dadurch wird es so sein, dass wir erstens Ressourcen für den Master gewinnen und zweitens auch klar ist, wer im Grunde Dolmetschen will. Wir wollen das Profil des Masters stärken. Es muss klar sein, dass man nicht nur, wenn man Dolmetscher, sondern auch, wenn man Fachübersetzer werden will, den Master braucht. Wenn man einen einsprachigen Bachelor im Englischen macht, dann kann man damit zum Teil tatsächlich auch nach sechs Semestern etwas am Markt machen. Aber in den meisten anderen Fächern ist das meiner Überzeugung nach nicht der Fall. Das bedeutet, in 80–90 Prozent der Fälle muss man den Master machen, wenn man da auch beruflich etwas mit anfangen will.
Das ist auch ein großes Kommunikationsproblem, weil die Politik sagt: „Der Bachelor soll der erste berufsqualifizierende Abschluss sein.“ Und die Studierenden fragen uns: „Wozu qualifiziert uns der Bachelor?“ Da müssen wir ihnen sagen: „Das wissen wir im Grunde auch nicht.“ Ich weiß nicht, wozu der BA qualifiziert, was nicht heißt, dass es nicht Einzelne gibt, die dann einen Job finden. Aber es ist relativ diffus, wo sie beschäftigt werden.

Die größte Dolmetschübungsanlage Europas steht wo? Natürlich in Germersheim
Wie Sie bereits erwähnten, gehen viele Studenten, die in Germersheim den Bachelor gemacht haben, an andere Universitäten oder suchen sofort einen Job. Wissen Sie, wie viele genau weggehen?
Wir haben leider auch da, das lässt das System einfach nicht zu, keine belastbaren Zahlen. Wir sind ja gerade im Prozess der Reakredditierung und das Zentrum für Qualitätssicherung in Mainz hätte auch gerne Zahlen darüber gehabt, weil das Teil dieses Antrags ist. Diese Zahlen gibt es aber nicht. Jogustine [Studieninformationsnetz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz] gibt uns keine Zahlen darüber. Man kann das aber ungefähr errechnen. Wenn Sie sehen, dass wir früher Studierendenzahlen um die 2300 hatten und jetzt liegt die Zahl bei 2000, dann bedeutet das, dass ungefähr 300 weggehen. Das ist aus meiner Sicht die einzige Erklärung.
Ich glaube auch, dass die allermeisten davon weiterstudieren. Das ist mein Eindruck. Immer, wenn ich mit Leuten rede, und sie frage „Was machen Sie nach dem BA?“, dann sagen sie mir nicht „Ich suche mir jetzt einen Job“, sondern entweder „Ich mache hier den Master weiter“, „Ich gehe nach Leipzig“, „Ich gehe nach Berlin“ oder … Ich bin davon überzeugt, dass der Großteil den Master noch draufsetzt, nur halt nicht bei uns. Aber über Zahlen, was sie machen, verfügen wir leider nicht. Die hätten wir auch sehr gerne. Das wäre für uns schließlich auch eine wichtige Information.

Der Altbau, eine ehemalige Kaserne, vom Campus aus gesehen
Aus welchen Gründen wurde der Diplom-Studiengang „Übersetzen“ in BA bzw. MA „Sprache Kultur, Translation“ (MA SKT) umbenannt?
Das ist eine ganz lange Diskussion gewesen, die auch sehr emotional und kontrovers geführt worden ist. Fakt ist zunächst einmal, dass der Fachbereich auch Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft heißt. Unser Studium hat drei Säulen: Translationswissenschaft, Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaft. Das spiegelt sich im Spektrum der Professoren entsprechend wider. Natürlich möchten die Kollegen, die eine der Säulen vertreten, dass sich dies auch in der Denomination der Studiengänge widerspiegelt. Das ist aus meiner Sicht ein völlig legitimes Anliegen, umso mehr, als man ja an unserem Fachbereich in der Amerikanistik, Romanistik etc. promovieren kann. Dann promoviert man nicht in Translation, sondern in einem klassischen Studienfach. Und die zweite Sache ist natürlich, und das ist ein etwas heikler Punkt: Wir sind ein Fachbereich für die Ausbildung von Dolmetschern und Übersetzern. Aber gerade in den kleinen Fächern ist es nicht so, dass alle Studenten Fachübersetzer werden wollen. Wenn ich in mein Fach gucke, im Italienischen, dann frage ich in meinen Seminaren von Zeit zu Zeit mal am Ende des Semesters „Was wollen Sie denn machen?“. Bei zwölf Studenten, die Kurse in den kleinen Sprachen sind ja immer klein, habe ich meistens einen, der dezidiert sagt „Ich möchte Fachübersetzer werden.“, und dann gibt es neun andere, die sagen: „Ich weiß es noch nicht so genau, aber ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen, von morgens bis abends in der Agentur zu sitzen und zu übersetzen. Ich will übersetzen, aber das soll nur ein Bestandteil der beruflichen Tätigkeit sein.“
Manche sagen sogar „Ich will lieber im pädagogischen Bereich arbeiten. Ich könnte mir vorstellen, Italienischunterricht zu geben.“ usw. Unser Studiengang ist natürlich zentriert auf das Dolmetschen und Übersetzen, aber die Realität ist schon auch die, dass nicht alle, die bei uns einen Abschluss machen, wirklich Fachübersetzer werden wollen. Und da hat man dann gesagt, das soll sich vielleicht auch in der Bezeichnung des Studiengangs widerspiegeln. Für den reformierten Master gibt es den Beschluss, dass der Master wieder Master „Translation“ heißen soll. Mehrere Kollegen sind damit eigentlich nicht so glücklich, weil die sagen: „Der Master soll ein wissenschaftliches Studium sein und die Translation legt nah, dass es doch primär ein praktische Tätigkeit ist.“ Sie würden sich eher einen wissenschaftlichen Namen wünschen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Das ist ein sehr schwierige Debatte, bei der man sehr unterschiedliche Aspekte im Auge haben muss. Und wenn man in die Republik guckt, dann sieht man, die Bezeichnungen sind ganz unterschiedlich. An anderen Unis heißt der Master „Translationswissenschaft“. Da bin ich persönlich auch nicht ganz glücklich mit. Das ist hier auch diskutiert worden. Fakt ist, dass diejenigen, die bei uns den Master machen, nicht Translationswissenschaftler, sondern Übersetzer werden wollen. Deshalb fand ich persönlich den alten Namen „Sprache, Kultur, Translation“ eigentlich nicht schlecht. In dem Dreiklang. Dann gab es viele, die haben gesagt: „Das Label von Germersheim ist Übersetzen.“

Ein Arbeitsraum in der Bibliothek des Fachbereichs
Gibt es Erfahrungsberichte darüber, wo Germersheimer Absolventen beschäftigt werden?
Auch das ist leider eine Baustelle, die wir haben und an der wir seit langer Zeit auch rumlaborieren. Wir würden natürlich gerne viel belastbarere Daten darüber haben, was aus den Absolventen wird. Da arbeiten wir auch daran. Wir wollen die Alumni-Arbeit stärken, sodass man den Kontakt hält. Die ersten Erfolge haben wir da auch. Das setzt auch voraus, dass die Studierenden eine Adresse und möglichst eine E-Mail-Adresse hinterlegen, wenn sie sich exmatrikulieren, sodass man sie erreichen kann. Das war bisher ein großes Problem. Die Daten sind weiterhin nicht sehr belastbar.
Was wir vor allem sehen, ist, dass die Situation von Fach zu Fach sehr unterschiedlich ist. Frau Hagemann hat vor einigen Jahren eine Untersuchung gemacht, die aber auf das Fach Englisch zentriert war. Und im Fach Englisch sieht man schon, dass die Leute im Bereich Übersetzen/Fachübersetzen arbeiten. Ich bin aber davon überzeugt, und alle Daten, die wir haben, legen das auch nah, dass das in den anderen Sprachen anders ist. Insbesondere in den kleineren Sprachen wie Italienisch, Spanisch oder Polnisch ist der Markt für Übersetzungsleistungen relativ klein. Und die Studierenden tun gut daran, sich breit aufzustellen und das ist, glaube ich, normal, dass sie in anderen Bereichen landen. Und sie landen auch.
Die Zahlen, die wir haben, zeigen uns, dass die Leute hinterher nicht arbeitslos werden. Sie finden einen Job. Aber da gibt es ein breites Feld. Ich weiß zum Beispiel, dass es im Spanischen eine ganze Reihe von Studierenden gab, die DAAD-Lektoren im Ausland geworden sind. Also anspruchsvollen Tätigkeiten im akademischen Bereich nachgehen, wo das Übersetzen weiter eine Rolle spielt. Die machen auch Übersetzungsübungen, sind aber keine Übersetzer. Herr Perl hat es im Spanischen immer verfolgt: Da gab es eine ganze Reihe seiner Studenten, die wirklich in der freien Wirtschaft gelandet sind wie beispielsweise im Management von Air Berlin. Das ist ein breites und relativ diffuses Feld, wo die landen. Und deshalb ist es natürlich auch schwer, das aufzubereiten, da wirklich Perspektiven rauszuziehen und den Studierenden zu sagen: „Da könntet ihr landen, da könnt ihr landen.“
Und das scheidet unsere Studiengänge im Übrigen natürlich nicht von anderen Studiengängen. Also wenn Sie zum Beispiel Spanisch oder Polnisch in Mainz studieren, dann ist die Situation natürlich die gleiche und noch extremer, weil wir zumindest ein klares Berufsbild haben, was jemand, der in Mainz Polnisch studiert, nicht hat. Aber darüber hinaus ist das Spektrum genauso groß wie das von Absolventen eines normalen Polnisch-Studiengangs.

Die großzügige Parkanlage auf dem Germersheimer Campus
Im Bachelor sind die Module fast alle vorgegeben. Die Studierenden haben wenige Wahlpflichtmodule. Im Master dagegen hat man mehr Wahlmöglichkeiten. Wird sich das verschulte Studium noch ändern?
Dem verschulten Studium kann man schlechterdings nicht widersprechen. Das Studium ist verschulter als früher. Das ist auch gewollt gewesen. Die Unis haben sich jahrelang mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, aber da war einfach der politische Wille, zu dieser größeren Verschulung zu kommen, groß, weil man gesagt hat, es kann nicht sein, dass gerade in unseren Fächern, in den geisteswissenschaftlichen Fächern ist das ein echtes Problem, 80 Prozent der Studierenden, die sich für einen Studiengang immatrikulieren, im Laufe des Studiums abspringen.
Es war tatsächlich so, dass nur 20 Prozent in all unseren Fächern, einen Abschluss gemacht haben. Dieser Hintergrund wird manchmal vergessen. Und da hat man gesagt: „Das kann nicht sein, dass man so viele Steuergelder da reinpumpt und am Ende nur 20 Prozent auch zum Examen gebracht werden.“ Und um das zu ändern, hat man sich entschlossen, das Studium anders zu organisieren und einen Abschluss einzuführen, der früher ist.
Ich habe selber an der Universität Bochum habilitiert und da gab es das sog. Reformmodell. Das war der Vorläufer der gestuften Studiengänge, in denen das ausprobiert werden sollte. Da war die Idee, man will sozusagen ein Ausstiegsmodell haben, für all diejenigen, die sonst keinen Abschluss machen und nach sechs Semestern zumindest etwas in der Hand haben. Wenn man es ganz böse sagen will, dann es war es ein Modell für potentielle Studienabbrecher. Man wollte nicht, dass sie auf der Straße stehen. Und dann hat man gesagt: „Im Master wird dann richtig studiert …“ Das stellt sich mittlerweile etwas anders dar, aber im Grunde ist das aus meiner Sicht ein ganz wesentlicher Punkt, der oft vergessen wird.
Und tatsächlich ist es so, dass die Abbrecherzahl gesunken ist. Am Anfang waren die Ergebnisse gut, jetzt ist die Zahl wieder gestiegen. Man weiß auch nicht so genau, was man da für Schlüsse draus ziehen muss. Aber ein Ziel ist erst einmal erreicht worden, nämlich die Abbrecherzahl zu senken. Und deshalb wird sich an der Verschulung nicht viel ändern.
Was wir nun im reformierten BA gemacht haben, ist eine Sache, die aus meiner Sicht tatsächlich ganz richtig und wichtig ist, nämlich, dass wir die Präsenzstundenzahl gesenkt haben. Und zwar erheblich, um bis zu 30–40 Stunden. Das ist schon eine ganze Menge. Das sind vier Module weniger, von 19 auf 14. Das schafft einfach mehr Freiräume. Die Studenten müssen eben nicht von morgens bis abends wie in der Schule die Schulbank drücken, sondern haben mehr Zeit zum selbstgesteuerten Lernen. Das ist wieder ein bisschen ein Rückrudern, sodass man mehr Freiheitsräume für das freie Lernen schafft. Und aus meiner Sicht ist das auch wirklich dringend nötig. Die Studierenden müssen die Zeit haben, zu Hause ein Buch lesen zu können. Von daher haben wir die Verschulung in dem Bereich schon etwas zurückgedreht. Aber richtig ist im Grunde, was die Module angeht, die sind natürlich ein gutes Stück weit vorgegeben. Und da ist auch nichts dran zu ändern.
Was die Wahlmöglichkeiten angeht, so muss ich sagen, richtig, das Studium ist verschult, aber andererseits sind die Wahlmöglichkeiten bei uns, wenn man das mit anderen Studiengängen vergleicht, eigentlich relativ hoch. Wenn man in den großen Fächern das Angebot an Wahlpflichtmodulen zusammenzählt, dann können die Studierenden ihre vier Wahlpflichtmodule aus 60 Modulen wählen. Das ist eigentlich schon eine sehr große Wahlmöglichkeit, die man nicht unterschätzen sollte. Richtig ist aber, dass der Wahlbereich nur ein Teil des Studiums ist.

Die Mensa des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
Welche Vorteile sehen Sie in der Umstellung auf den Bachelor und Master für die Studierenden und den Fachbereich?
Der Fachbereich hat natürlich im Moment aus den genannten Gründen ein bisschen mit den Nachteilen zu kämpfen. Das, was für die Studierenden ein Vorteil ist, ist, dass sie in der Mitte des Studiums schon einmal einen Abschluss haben und sich dann auch neu orientieren und überlegen können „Ist es das wirklich für mich?“. Das sind ja schon große Vorteile.
Das erweist sich für uns im Moment ein bisschen als Nachteil, weil es eben mit dem Standortnachteil korreliert. Ansonsten würde ich persönlich sagen, es gab sehr viel Widerstand an den Unis. Viele Kollegen waren überhaupt nicht begeistert davon, das Diplom aufzugeben und die neuen Studiengänge einzuführen. Am Ende ist natürlich vieles davon abhängig, wie man es ausgestaltet. Ich glaube, dass wir in vieler Hinsicht aus unseren Fehlern gelernt haben. Und ich sage „von unseren Fehlern“. Klar, es sind unsere Fehler, aber die sind überall in der Republik gemacht worden. Das ist einfach ein globaler Lernprozess. Ich glaube, dass die reformierten BA-/MA-Studiengänge ausgereifter sind.
Ein großer Nachteil, nicht nur ein Nachteil von uns, ist, dass die Studierendenmobilität eigentlich zurückgegangen ist, also was das Auslandsstudium angeht. Und das haben wir auch versucht zu ändern, indem wir die Möglichkeit geschaffen haben, dass zwei Wahlpflichtmodule pauschal für das Auslandssemester angerechnet werden können. Die Studierenden müssen dann nicht die einzelnen Veranstaltungen nachweisen. Das macht es einfach attraktiver ins Ausland zu gehen, das macht die Anrechnung leichter. Das verhindert auch, dass sich das Auslandsstudium studienverlängernd auswirkt. Und ich hoffe eben, dass jetzt die Zahlen der Erasmus-Studierenden wieder steigen. Das wurde neu eingeführt und das führt natürlich dazu, dass die Gefahr, dass die Studierenden länger studieren müssen, geringer ist.
Deshalb finde ich das eigentlich eine sehr gute Regelung, denn meiner Meinung nach kann man hier eigentlich nicht studieren ohne im Ausland studiert zu haben. Das gehört einfach dazu. Das ist eine ganz wesentliche Qualifikation, die sie einfach mitbringen, auch für zukünftige Arbeitgeber. Und deshalb finde ich das sehr schade, dass der Schuss so nach hinten losgegangen ist, denn man wollte ja gerade durch die gestuften Studiengänge die Auslandsmobilität erhöhen.

Unterricht im Freien 1949. Zwei Jahre zuvor war das Institut durch eine Verfügung des Oberkommandos der französischen Besatzungszone gegründet worden. Ende 1949 wurde es als Auslands- und Dolmetscherinstitut (ADI) der mehr als 100 Kilometer entfernten Universität Mainz eingegliedert
Welche Folgen hat die BA-/MA-Umstellung für den Arbeitsmarkt?
Ich glaube, dass die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt eigentlich relativ gering sind. Die großen Institutionen, auch die EU, haben, als die neuen Studiengänge eingeführt wurden, zunächst einmal gesagt: „Ja, wir erkennen den BA als ersten berufsqualifizierenden Abschluss an.“ Das hat aus meiner Sicht leider im Grunde aber nur einen Negativeffekt gehabt, weil sie nämlich ihre Eingangsgehälter erst einmal runtergesetzt haben. Sie waren der Ansicht, dass jemand, der drei Jahre studiert hat, nicht soviel verdienen darf wie jemand, der fünf Jahre studiert hat. Aber faktisch hatten die Leute bei den Einstufungsverfahren der EU keine Chance. Kaum einer hat es nach dem Bachelor geschafft, dort Fuß zu fassen. Das heißt, der Master ist an die Stelle des Diploms getreten. Ich sehe somit keine großen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt.
War die Bachelor- und Master-Einführung Ihrer Meinung nach sinnvoll und hat sie, verglichen mit dem Diplom, mehr Vor- oder Nachteile?
Das ist natürlich eine ganz schwierige Frage. Die kann man nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Auch da gibt es ein ganz gemischtes Bild. Ich glaube, es gibt weiterhin viele Kollegen, die wären lieber beim Diplom geblieben. Aber das nutzt alles nichts. Wir werden in dieser Hinsicht die Uhr nicht zurückdrehen. Deshalb würde ich sagen, es gibt ein gemischtes Bild. Ich glaube, dass ein gewisses Maß an Verschulung eigentlich notwendig war. Das war in gewisser Hinsicht überfällig, denn man kann die gigantischen Studierendenzahlen, wie wir sie haben, und auch die Steigerungsraten um bis zu 100 Prozent seit den 90er-Jahren nicht mit dem gleichen Personal bewältigen, ohne das Studium anders zu organisieren. Und es ist ja so, dass das Personal praktisch nicht gestiegen ist. Von daher führte im Zeitalter der Massenuniversität kein Weg an einer gewissen Verschulung vorbei, ob einem das gefällt oder nicht.
Ich persönlich bedauere, dass das so ist, aber ich kann das eben auch nicht ändern. Deshalb finde ich, am Ende ist die Frage, wie gut man das ausgestaltet. Ich habe den Eindruck, wir haben das jetzt mit den reformierten Studiengängen ein bisschen besser hingekriegt, sodass auch die Freiräume im Master größer sind und sodass das dann auch wieder ein „richtiges“ Studium ist – mit einer stückweiten Rückeroberung alter Freiräume. Und dann kann man auch mit dem Master etwas Gutes erreichen. Das ist die Antwort auf veränderte Rahmenbedingungen.

Für den kleinen Hunger zwischendurch: die Cafeteria des FTSK
Viele Studierende studieren in ihrer Heimatregion. Woher stammen die Studierenden in Germersheim?
Das ist bei uns im Prinzip auch so. Die große Masse der Studierenden kommt aus dem südwestdeutschen Raum, wobei es ja so ist, dass die Universitäten, die vergleichbare Abschlüsse anbieten, auch vor allem im südwestdeutschen Raum angesiedelt sind (z. B. Heidelberg, Saarbrücken). In Norddeutschland gibt es relativ wenige Möglichkeiten, was schon dazu führt, dass wir Studierende aus Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern haben. Aber es gibt einen generellen Trend dazu, nicht zu weit wegzugehen. Es studieren immer mehr Studierende, die vielleicht etwas weniger beweglich sind wie früher. Da unterscheiden wir uns aber nicht von anderen Unis, wenn man jetzt von den ganz großen Unis absieht wie Berlin oder München, die einfach durch das kulturelle Leben eine große Anziehungskraft ausüben. Aber ansonsten sind wir da wie andere Unis. Wir speisen uns hauptsächlich aus der Umgebung.
Wie stehen Sie zu dem Satz „Germersheim ist eine Anstalt“?
Da müsste man jetzt wissen, was damit gemeint ist … Also ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass am Fachbereich Germersheim mehr Verrückte rumlaufen als an anderen Fachbereichen in dieser Republik. Es ist natürlich so: Germersheim ist ein Biotop der besonderen Art, weil es einfach so klein ist. Man bewegt sich auf einem kleinen Raum. Das schafft mehr Nähe. Und die Nähe ist auch oft hilfreich. Es schafft aber auch vielleicht manchmal Konflikte, die entstehen, wenn man in einer zu kleinen Wohnung wohnt. Diese Konflikte haben die anderen Fachbereiche, wo es ein bisschen anonymer zugeht, vielleicht nicht. Das sind Vor- und Nachteile.
Ich kann sagen, als ich hierhergekommen bin, da habe ich den Eindruck gehabt, es gab sehr viele Konflikte am Fachbereich. Ich persönlich denke nun, das hat sich eigentlich gebessert. Von daher würde ich das so nicht unterschreiben. Richtig ist, es ist ein besonderes Biotop mit besonderen Bedingungen, die nicht mit anderen Fachbereichen vergleichbar sind. Als ich hierhergekommen bin, habe ich in der ersten Woche öfter mit Kollegen mittaggegessen als in Bochum in Jahren. Das war dort einfach nicht üblich, während das hier selbstverständlich ist und zu den Praktiken der Soziabilität gehört. Und das hat ja auch eine sehr gute und angenehme Seite. Ich glaube auch, dass das für die Studierenden letztlich ähnlich ist. Sie begegnen sich in den Straßen natürlich viel leichter als wenn sie sich in Berlin verabreden müssen. Das ist schon ein echter Trumpf.

Das Sprachlabor kann auch außerhalb des Unterrichts genutzt werden
Welche Neuerungen kann der Fachbereich von Ihnen erwarten? Haben Sie schon große Veränderungen geplant?
Nein, ich habe keine großen Veränderungen geplant. Ich glaube auch, dass das genau das ist, was wir im Moment nicht wollen, denn wir haben in den letzten sechs Jahren einen Nonstop-Reformprozess durchlaufen. Und die Umwälzungen waren wahrhaftig groß. Der Bologna-Prozess hat die Unis so umgestaltet wie keine Reform in 100 Jahren vorher. Ich glaube, da ist der Bedarf an großen Veränderungen gering. Sie dürfen auch nicht vergessen, wie viel Arbeit und wie viele Ressourcen das verschlingt, neue Studiengänge zu machen. Das ist ja wirklich unglaublich, wie viel Zeit und wie viel Kraft daran gebunden ist. Ich gehe mein Dekanat pragmatisch an. Es gibt praktische Aufgaben, die wir lösen müssen und die groß genug sind. Das Eine ist eben, die reformierten BA-/MA-Studiengänge in Gang zu setzen. Da sind wir, glaube ich, auf einem ganz guten Weg.
Wir haben den reformierten BA im letzten Semester im Fachbereichsrat verabschiedet. Wir wollen den reformierten MA, sowohl im MA KD [Master Konferenzdolmetschen], da gibt es ganz wenige Änderungen, als auch im MA SKT bzw. MA Translation im nächsten Semester im Fachbereichsrat verabschieden. Das ist viel Arbeit, so eine Prüfungsordnung zu machen. Das kann man sich, glaube ich, als Student gar nicht so richtig vorstellen, was alles berücksichtigt werden muss, wie viele Instanzen mit reinreden. Wir haben ein großes Stück Arbeit, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das hinkriegen. Das ist die erste große Aufgabe, die ich mir in meinem Dekanat gestellt habe.
Das Zweite ist: Wir müssen reakkreditiert werden. Gestern haben wir den Reakkreditierungsantrag eingereicht. Das Verfahren wird sich über das Semester hinwegziehen. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe. Und die dritte große Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ist, das Defizit des Fachbereichs zu reduzieren. Wir haben eine Million Euro Schulden. Das ist ein Riesenproblem. Selbst wenn wir 100.000 Euro pro Jahr sparen, was viel ist, sind wir immer noch zehn Jahre damit beschäftigt. Da sind wir auch dran. Wenn ich am Ende meines Dekanats sagen kann, wir haben unsere Schulden um 200.000 Euro, oder sogar noch ein bisschen mehr, reduziert, dann bin ich zufrieden. Denn das ist natürlich immer schwierig. Sparen tut allen weh und da macht man sich keine Freude mit.
Meine letzte Frage lautet: Was bedeutet es für Sie persönlich, Dekan dieses Fachbereichs zu sein?
Es ist auch eine Ehre, aber vor allem viel Arbeit.
Ich bedanke mich recht herzlich dafür, dass Sie sich für das Gespräch bereit erklärt haben und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Zeit als Dekan.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Interview vom 18.10.2011. Bild: FTSK Germersheim, Natalie Bärtges.]
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1967: Dr. Paul Schmidt nimmt Abschied vom SDI München - “Es hat sich gelohnt”
27.9.2011 von Richard Schneider.
Die Wochenzeitung Die Zeit digitalisiert ihr Archiv und stellt es online zur Verfügung. In diesem Fundus befindet sich auch ein Artikel vom 24.02.1967 mit der Überschrift „Der Dolmetscher am Katheder. Ein vielgerühmtes Lehrsystem – Leiter der ‚Schmidt-Schule‘ nimmt Abschied“. Darin heißt es über den scheidenden Direktor des Sprachen- und Dolmetscher-Instituts München (SDI):
Dr. Paul Schmidt, Gesandter a. D. war, von 1923 bis 1945 Chefdolmetscher deutscher Reichsregierungen. Er selbst bezeichnete sich rückblickend als „Statist auf diplomatischer Bühne“. Ausländische Staatsmänner verzichteten auf eigene Dolmetscher, wenn Paul Schmidt dabei war. Bei der Münchner Konferenz 1938 war er der einzige Dolmetscher - Statist und zugleich Vermittler. 1952 holte ihn das gerade gegründete Münchner „Sprachen- und Dolmetscher Institut“ als Direktor. In diesen Tagen nun scheidet Paul Schmidt aus dem Amt. […]
Das Blatt beschreibt die Besonderheiten des SDI München:
Das Dolmetscherinstitut gehört einem privaten eingetragenen Verein, bekommt keine Zuschüsse und war in der Anlage eine Sprachenschule wie andere auch, ohne Aussicht, sich mit Universitätsinstituten wie Saarbrücken, Heidelberg oder Germersheim/Mainz messen zu können. Heute heißt es im Volksmund „Schmidt-Schule“ und wird, im Gegensatz etwa zu den städtischen Sprachenschulen mit den Hochschulen in einem Atemzug genannt. […] Die Anforderungen sind hochgeschraubt; die Übungen sind schwerer als die Prüfungen, die Prüfungen schwerer als die Praxis. […]
Dass sich das SDI einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten konnte, lag maßgeblich an Schmidt und dessen „bedächtigem Sendungsbewußtsein“. Er setzte auf ein praxisorientiertes Lernen, sprach von „Sprach-Sacherlernung“ und einem Prinzip der „Entphilologisierung des Sprachenlernens“. Dabei profitierte Schmidt von seinen guten internationalen Kontakten:
Korrespondenten aus den Hauptstädten der Welt schicken ihm die neuesten Tonbänder von den Pressekonferenzen und Reden der Staatsmänner. Noch vor den Presseberichten sind die Texte abgezogen und liegen den Schülern vor. Die Aktualität zahlt sich aus: Das Interesse der damit Konfrontierten ist frisch, der Lehrstoff findet Interesse.
Den vollständigen Artikel können sie auf der Website der Zeit lesen und auch im Original-Layout als PDF-Datei abrufen.

Dr. Paul Schmidt am 28.03.1941 als Dolmetscher bei einem Besuch des japanischen Außenministers Matsuoka Yosuke.
War Schmidt ein Nazi?
Es gibt zahllose Fotos, die Schmidt als Dolmetscher Hitlers zeigen. Aus den zehn Jahren davor, als Schmidt für demokratische Reichsregierungen und unter anderem für den deutschen Außenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann dolmetschte, existiert hingegen (zumindest im Internet) kein einziges Foto. Und auch aus der Nachkriegszeit konnten wir nur das oben rechts abgebildete Foto aus dem Spiegel vom 01.12.1949 aufspüren.
Durch dieses Ungleichgewicht der historischen Bilddokumente könnte der Eindruck entstehen, Schmidt sei ein überzeugter Nazi gewesen. Dies scheint jedoch nicht der Fall gewesen zu sein, obwohl er die traumhaften beruflichen Möglichkeiten, die das neue Regime ihm als Dolmetscher bot, begeistert aufgriff. Schmidt stand an der Seite seiner Auftraggeber mehr als 10 Jahre lang im Mittelpunkt weltgeschichtlicher Ereignisse. Eine Position, der er sich intellektuell gewachsen fühlte und die ihn beruflich erfüllte. Für viele Besprechungen auf höchster Ebene war er nach dem Krieg der einzige verbliebene Zeuge. Entsprechend gefragt waren seine Aussagen im Rahmen der Nürnberger Prozesse. Auf YouTube gibt es ein kurzes Video, das ihn im Zeugenstand zeigt.
Schmidt wurde 1945 von den Amerikanern verhaftet und war bis 1948 interniert. 1950 wurde er von der Spruchkammer Miesbach als „entlastet“ eingestuft.
Die Nazi-Assoziationen mögen ein Grund dafür sein, dass das SDI München zunehmend auf Distanz zu seinem Gründervater zu gehen scheint. Auf der SDI-Website kommt der Name Dr. Paul Schmidt jedenfalls nicht vor. Und auch in den Festreden zur Eröffnung des neuen Campus im Jahr 2011 wurde er nur beiläufig erwähnt. Obwohl auch der heutigen SDI-Leitung klar sein dürfte, dass das Münchner Institut ohne das engagierte Wirken von Schmidt eine gewöhnliche Sprachschule geblieben wäre, wie es sie in jeder größeren Stadt gibt.
Mehr zu Schmidt können Sie in dessen Wikipedia-Eintrag lesen. Die Autoren versuchen bemüht, Schmidt Nazi-Verfehlungen nachzuweisen. Sein Wirken als Dolmetscher und Dozent wird hingegen in einem Nebensatz abgehandelt: „Sachkenntnis [ist] für das Dolmetschen wichtiger […] als die Sprachbeherrschung“.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Zeit, 1967-02-24. Bild: Spiegel; Bundesarchiv.]
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Studie: Immer mehr deutsche Masterstudierende an ausländischen Hochschulen
31.8.2011 von Jessica Antosik.
Seit seiner Gründung im Jahr 1925 hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mehr als 1,5 Millionen Akademiker im In- und Ausland unterstützt. Das Angebot reicht vom Auslandssemester für junge Studierende bis zum Promotionsstudium, vom Praktikum bis zur Gastdozentur, vom Informationsbesuch bis zum Aufbau von Hochschulen im Ausland.
Bereits zum elften Mal veröffentlicht der DAAD in Zusammenarbeit mit der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) die Studie “Wissenschaft weltoffen”. Dabei handelt es sich um einen Datenreport zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland.
Nachfolgend die wichtigsten Eckpunkte aus dem Report:
- Mit über 250 Programmen hat der DAAD allein im Jahr 2010 mehr als 73.000 Deutsche und Ausländer rund um den Globus gefördert.
- Die Zahl der ausländischen Studierenden ist an den deutschen Hochschulen im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um rund 5.600 auf 244.775 gestiegen.
- Die wichtigsten Gastländer für internationale Studierende sind die USA, Großbritannien, Australien, Deutschland und Frankreich. In Australien steigt deren Zahl stark an, sodass sich Australien jetzt auf Platz 3 der Rangfolge – noch vor Deutschland – einordnet.
- Im Jahr 2008 sind 102.800 deutsche Studierende an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben. Das sind 14% mehr als im Vorjahr. Von 1.000 deutschen Studierenden studieren 58 im Ausland. Besonders hohes Interesse gilt dabei den westeuropäischen Hochschulen. In der Länderliste stehen Österreich, die Niederlande, Großbritannien, die Schweiz und die USA an der Spitze.
- 28.854 deutsche Studierende haben sich 2009/10 am ERASMUS-Programm beteiligt. Die Zahl an Auslandspraktika hat sich dabei um 8% und die der Studienaufenthalte um 3% erhöht. Besonders häufig haben sich die deutschen ERASMUS-Teilnehmer in Spanien, Frankreich und Großbritannien aufgehalten.
- Für das Jahr 2008 vermeldet die amtliche Hochschulstatistik 102.800 deutsche Studierende, die an ausländischen Hochschulen eingeschrieben sind.
- In Bezug auf die Staaten mit einer entsprechenden Statistik streben 56% der deutschen Studierenden im Ausland einen Bachelor- und 18% einen Masterabschluss an. 11% von ihnen wollen die Promotion erwerben und 15% einen anderen Abschluss, z. B. einen Abschluss als Mediziner.
- Der hohe Anteil an Bachelorabsolventen der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in einem ausländischen Masterstudium ergibt sich vor allem aus den starken Auslandsorientierungen in den Wirtschaftswissenschaften. Hier vor allem ist das Interesse an einem Masterstudium im Ausland außergewöhnlich hoch.
- Fast ein Viertel aller Studierenden strebt an Hochschulen in Großbritannien den Master an. Große Bedeutung in dieser Hinsicht haben auch Österreich, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz. Insgesamt studieren 85% der deutschen Masterstudierenden im Ausland in diesen fünf Ländern.
- Die Entscheidung für ein Masterstudium im Ausland wird vor allem damit begründet, dass den Bachelorabsolventen an ihrer bisherigen Hochschule das gesuchte Masterangebot nicht zur Verfügung steht. Viele Studierende streben ein solches Auslandsstudium auch in der Erwartung hoher Studienqualität an.
Die Studie “Wissenschaft weltoffen 2011 – Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung” in Deutschland mit dem Schwerpunktthema “Zum Master ins Ausland” ist hier kostenlos als PDF-Datei abrufbar.
Zur Publikation
“Wissenschaft weltoffen 2011 – Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland”
Herausgeber: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Bielefeld 2011
100 Seiten
ISBN 978-3-7639-4874-1
Best.-Nr. 7004002h
29,90 Euro
[Textzusammenstellung: Jessica Antosik. Quelle: wissenschaft-weltoffen.de. Bild: wissenschaft-weltoffen.de.]
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Deutschlands einziger gehörloser Professor spricht mit leichtem Akzent Englisch
22.8.2011 von Jessica Antosik.
Etwa 250.000 Deutsche sind schwerhörig, rund 80.000 komplett taub. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Christian Rathmann (Bild rechts). Er ist Deutschlands erster und bislang einziger gehörloser Professor für Gebärdensprachlinguistik und Gebärdensprachdolmetschen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) in Hamburg. Und spricht sogar mit einem leichten Akzent Englisch.
Einerseits wird alles, was Rathmann vorträgt, von zwei Gebärdensprachdolmetschern abwechselnd in die deutsche Lautsprache übertragen, da nicht alle Teilnehmer über ausreichende Kenntnisse der Gebärdensprache verfügen. Andererseits werden auch die Fragen bzw. Antworten der Studenten für den gehörlosen Professor verdolmetscht.
Das Thema einer seiner Vorlesung lautete “Baby Signing”. Dabei bringen hörende Eltern ihrem gehörlosen Kleinkind erste Gebärden bei. “Das ist eine regelrechte Mode geworden”, so der 40-Jährige. Hörende Kinder würden zumeist im Alter von zehn Monaten mit dem Sprechen beginnen. Bei gehörlosen Kleinkindern würden die ersten Gebärden bereits einen Monaten früher gelingen. Merkwürdig daran sei, dass das Erlernen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) für gehörlose Kinder immer noch nicht selbstverständlich sei. “Wenn festgestellt wird, dass ein Kind eine Hörschädigung hat, dann geht es erstmal in die Audiotherapie, Logopädie oder es wird mit Hörgeräten oder Hör-Implanaten versorgt, aber die Deutsche Gebärdensprache kommt in der Erstberatung so gut wie nicht vor”, erklärt Christian Rathmann.
Nach wie vor gestalte es sich schwierig, der Gesellschaft zu zeigen, dass die Deutsche Gebärdensprache als vollwertige Sprache eine große Bereicherung für die Sprachentwicklung sowie sprachliche Vielfalt darstellt. Gehörlose stoßen stets auf viele Barrieren, sei es beim Zugang zu Bildung, Medien oder im Arbeitsleben.
Christian Rathmann wurde gehörlos geboren und besuchte in Erfurt eine Gehörlosenschule. Seine Eltern hätten ihn nicht ungewöhnlich gefördert, jedoch mit viel Liebe erzogen, sagt er. Wichtig seien auch seine Geschwister gewesen. Rathmann hat die Gebärdensprache nicht von seinen Eltern oder Lehrern gelernt, sondern von Freunden im Kindergarten. Sie lernten Lippen zu lesen und erfanden Worte, wenn ihnen eins fehlte. Wenn Rathmann sich vorstellt, wogt seine Hand am Kopf entlang wie eine Lockenfrisur. Sein Gebärdenname lautet “Haartolle”. Mit dem Titel “Deutschlands einziger gehörloser Professor” könne er sich nicht wirklich identifizieren und begründet dies wie folgt: “Es gibt inzwischen gehörlose Juristen, Betriebswirtschaftler, Psychologen und vielerlei mehr.”
Anfang der 90er-Jahre war Rathmann an der Universität Hamburg. Anschließend ging er zum Studieren und Unterrichten in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort entdeckte er eine neue Welt. In Amerika gibt es nämlich die einzige Gehörlosen-Universität weltweit: Die Gallaudet University, die im Jahr 1856 in der Nähe von Washington gegründet wurde. Insbesondere sein Aufenthalt in den USA habe den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn gelegt. Innerhalb von zehn Jahren eignete er sich dort die Amerikanische Gebärdensprache (American Sign Language, ASL) an und beherrscht sie nun nahezu perfekt. Wie gesprochenes amerikanisches Englisch ist ASL eine eigene Sprache. “Das Lustige war, dass mir die amerikanischen Gehörlosen immer gesagt haben, ‘Du hast aber auch einen deutschen Akzent’”, berichtet Rathmann. Wie die Lautsprache habe jede Gebärdensprache ihre eigene Grammatik, Intonation und Satzmelodie.
Seit April 2008 leitet Prof. Dr. Christian Rathmann das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser. Mit rund 30 Mitarbeitern und pro Studienjahr über 30 Bachelor-Studenten sowie einigen Master-Studenten handelt es sich dabei um die größte Forschungseinrichtung für Gebärdensprachen in Deutschland und das einzige eigenständige Institut.
Das momentan größte Vorhaben ist das auf 15 Jahre angelegte DGS-Korpusprojekt. Das Ziel ist die Entstehung eines elektronischen Wörterbuchs, bei dem Wörter in der Deutschen Gebärdensprache konsultiert werden können und umgekehrt. Hierbei sollen die einzelnen Gebärden im Kontext eines natürlichen Gesprächs aufgezeichnet werden. Grundlage dafür sind ca. 600 bis 800 Stunden Videomaterial von Dialogen von 320 Informanten aus dem ganzen Land.
Rathmann ist Forscher mit Leidenschaft. “Aber was mein Leben jetzt angeht, nur weil ich nicht hören kann: Ich lebe eigentlich nicht besonders anders als eine hörende Person. Ich bin ein Augenmensch, mir fallen visuell Dinge schneller ins Auge”.
Mehr zum Thema auf uepo.de
Gehörlose Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet
[Text: Jessica Antosik. Quelle: welt.de, 05.08.2011; Der Spiegel, Nr. 34, 22.08.2011. Bild: sign-lang.uni-hamburg.de.]
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Uni Gießen untersucht, was im Kopf von Übersetzern und Dolmetschern vorgeht
24.7.2011 von Richard Schneider.
Was geht im Kopf von Übersetzern und Dolmetschern vor sich, während sie Texte in eine andere Sprache übertragen? Wie kann man Zugang zu ihren Denkprozessen erhalten? – Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des zweiten internationalen Forschungsworkshops zu Methoden der Translationsprozessforschung vom 27. bis 29. Juli 2011 auf Schloss Rauischholzhausen, zu dem Wissenschaftler aus elf Nationen erwartet werden. Den englischsprachigen Workshop veranstaltet Prof. Dr. Susanne Göpferich (Bild), Professorin für Angewandte Linguistik und Translationswissenschaftlerin am Institut für Anglistik, Direktorin des Zentrums für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen, der Justus-Liebig-Universität Gießen, im Rahmen des von ihr geleiteten Forschungsprojekts „TransComp – Die Entwicklung translatorischer Kompetenz“.
Die Translationsprozessforschung ist ein noch junger Zweig der Übersetzungswissenschaft, der sich ab Anfang der 1980er Jahre zu etablieren begann. In den letzten fünf Jahren hat er dank neuer Methoden zu vertieften Einsichten geführt. Eine besondere Rolle spielen hier die Aufzeichnung von Blickbewegungen, das sogenannte Eye-Tracking, sowie die Registrierung der Tastenanschläge und Mausklicks am PC, das sogenannte Tastatur-Logging. „Eye-Tracking- und Tastatur-Logging-Daten erlauben uns Rückschlüsse darauf, wie Übersetzer ihre kognitiven Ressourcen beim Übersetzen aufteilen“, so Göpferich.
Diese und weitere Methoden, ihre Kombination und Optimierung sind Gegenstand des Workshops. „Der Kompetenzgrad eines Übersetzers lässt sich viel differenzierter bestimmen, wenn man dazu nicht nur die fertigen Übersetzungen unter die Lupe nimmt, sondern auch die kognitiven Prozesse, die zu ihnen führten“, sagt Göpferich. Auf dem Programm stehen außerdem die Rolle der emotionalen Intelligenz beim Übersetzen, übersetzerische Kreativität, das Posteditieren von maschinellen Übersetzungen, der Einsatz von Spracherkennungssoftware und die Bedeutung der Verbendstellung im Deutschen beim Simultandolmetschen.
Genutzt werden können die Erkenntnisse einerseits zur Optimierung der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern. Andererseits benötigt man sie in der beruflichen Praxis, wenn man beurteilen möchte, wie aufwändig eine bestimmte Übersetzung ist und wie hoch sie daher zu entlohnen ist.
Mittwoch, 27. Juli 2011, 15.30 Uhr, bis Freitag, 29. Juli 2011, 13 Uhr
Ort: Schloss Rauischholzhausen, Ferdinand-von-Stumm-Straße,
35085 Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen
[Text: Lisa Dittrich. Quelle: Pressemitteilung Justus-Liebig-Universität Gießen, 2011-07-20. Bild: Göpferich.]
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SDI München: Grußworte zum Umzug nach Obersendling
29.6.2011 von Richard Schneider.
Bei der Eröffnung des neuen Campus des SDI München überbrachten Festredner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Grußworte und näherten sich aus verschiedenen Perspektiven dem Institut und seiner Geschichte:
„Odysseus brauchte 20 Jahre, um seine neue Heimat zu finden. Wir haben 40 Jahre gebraucht.“
Den Auftakt machte Dr. Erich Schosser, MdL a.D. und Ehrensenator der Hochschule für Angewandte Sprachen sowie Kurator des Sprachen & Dolmetscher Instituts München. Schosser erinnerte an die zwanzigjährige Irrfahrt des Odysseus – „wir haben 40 Jahre gebraucht, wir haben zwar nicht mit Ungeheuern gekämpft, sondern lediglich mit der öffentlichen Hand und dabei Unglaubliches erlebt.“ Schosser erinnerte in seiner Rede an Beamte, die ihrem eigenen Minister widersprachen, um die Anträge des SDI München zu bearbeiten und auf den Weg zu bringen. Schosser erinnerte daran, dass einen bedeutenden Beitrag zum jetzigen Hochschulstatus des SDI der damalige Kultusminister Hans Zehetmair leistete, dem der Ausbau der Fachhochschulen in seiner Amtszeit ein großes Anliegen war. „Es ist ein großer Tag“, so Schosser zum Abschluss, „wir sind angekommen. Wir werden weiter ringen, denn ich bin Kurator des SDI. Also einer, der sich von Amts wegen kümmert.“
„Nachnutzung des Siemens-Standortes durch Bildungsträger ist ein Gewinn für den Standort“
Hans Bauer vom Bezirksausschuss Sendling überbrachte das Grußwort aus Standort-Sicht. Er begrüßt die Nachnutzung des früheren industriellen Siemens-Standortes in dieser Form. „Nachnutzung ist wichtig für einen Stadtteil wie den unseren. Die alten Industriebrachen weichen Bildungsträgern und Wohnungsbau für Studierende. Wir unterstützen die Anliegen unserer neuen Nachnutzer in allen Belangen und heißen Sie herzlich willkommen hier in Obersendling.“
„Sprachkundige Mitarbeiter und Fachkräfte sind Erfolgsfaktoren für das Exportgeschäft“
Frank Dollendorf, Kurator des SDI München und Leiter der Abteilung Außenwirtschaft der IHK für München und Oberbayern, betonte die „langjährige gute Beziehung“ zwischen SDI und IHK. Vor 57 Jahren wurde der damalige IHK Hauptgeschäftsführer Frenzel Mitglied im Kuratorium des SDI München. Dollendorf betonte die Wichtigkeit von sprachkundigen Fachkräften und Mitarbeitern für die bayerische Wirtschaft: „Die internationale Ausrichtung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die bayerische Wirtschaft. Rund 145 Mrd. Euro wurden ins Ausland verkauft – made in Bavaria ist ein Wachstumsmarkt. Die wichtigsten Exportmärkte Bayerns sind USA, China und Österreich. Die Grundlagen für jedes Geschäft im Ausland sind qualifizierte und sprachkundige Mitarbeiter. Wir sprechen heute schon von einem Fachkräftemangel, doch der demographische Wandel bringt uns ab 2020 zu neuen Herausforderungen. Dann werden uns, so die Prognosen, rund 620.000 Fachkräfte allein in Bayern fehlen. Eine große Chance für das SDI und seine Schüler und Studierenden.“ Dollendorf schloss sein Grußwort mit einer chinesischen Redewendung: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen. Das SDI ist eine äußerst leistungsfähige Windmühle.“
„Die neuen Räume sind die Erfüllung vieler Träume vergangener Jahrzehnte“
Prof. em. Dr. Günther Haensch (Bild), Gründungsmitglied des SDI und ehemaliger Direktor des SDI München von 1967 – 1969, warf einen weiten Blick zurück in das Gründungsjahr des SDI und berichtete als Zeitzeuge von den damaligen Herausforderungen: „Keine Räume, keine Gelder, keine Studenten, aber viel Idealismus. Es war ein Abenteuer, dieses Institut zu gründen, doch wir wollten ein Dolmetscherinstitut gründen, das sich deutlich von den damaligen Sprachenschulen abhob. Und dazu brauchte es eine Gallionsfigur als Direktor. Dafür reiste ich nach Genf, um sie zu gewinnen.“ Die Genf-Reise war ein voller Erfolg und damit ein prestigeträchtiger Auftakt für den ersten Auftritt des SDI in der Öffentlichkeit: Prof. Dr. Antoine Vellemann wurde als erster Direktor des SDI München berufen. Vellemann war Professor für spanische Sprache und Literatur an der Universität Genf, Gründer des berühmten Dolmetscherinstituts in Genf und einer der besten Übersetzer und bedeutendsten Konferenzdolmetscher in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Er arbeitete u.a. für die Internationale Arbeiterorganisation, für den Völkerbund, beim Internationalen Gerichtshof und eine Reihe weiterer internationaler Institutionen und Konferenzen. „Seiner Erfahrung und seinem Prestige“, so Professor Haensch in seiner Festrede, „hat das SDI München viel zu verdanken.“ Nach einem kurzen Einblick in die räumlichen Herausforderungen im Laufe der Jahrzehnte resümiert der ehemalige Direktor des SDI mit einem zufriedenen Seufzer: „Die neuen Räume sind die Erfüllung vieler Träume vergangener Jahrzehnte. Wir haben heute die Räume, von denen wir seit der Gründung geträumt hatten. Viel Glück!“
„Der neue Campus SDI – Vivat, crescat, floreat“
Prof. h.c. Dr. Ulrich Daum, Direktor des SDI München von 1993 – 2000, warf einen Blick zurück in die Geschichte des Instituts und wusste von den Leistungen seines Vorredners zu berichten. Packende Vorlesungen zu aktuellen Zeitfragen gehörten immer dazu. Daum selbst war über 40 Jahre Dozent am SDI und unterrichtete deutsche und spanische Rechtssprache, nachdem er neben seinem Jura-Studium noch am SDI Spanisch lernte und seine Liebe zur Sprache wuchs. Als Direktor des SDI München wurden in seiner Amtszeit der Alumniclub gegründet, das Sprachprogramm am Abend aufgesetzt und die SDI-Hymne erfunden. Stolz blickte er im Audimax in die Gästeschar und auf seinen Nachfolger Professor Felix Mayer, der dem SDI eine neue Heimat bescherte. Er beendete seine Festrede mit dem akademischen Trinkspruch: „Vivat, crescat, floreat.“
“Grußwort cannot be translated into English.”
Frank Gillard, Direktor und Schulleiter des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde in Erlangen, überbrachte seine besten Wünsche und Grüße im Namen aller bayerischen Fachakademien nach Obersendling. In fließendem Englisch berichtete er von seinen Gesprächen und Treffen mit Direktor Felix Mayer, der ihn über das Suchen und Finden eines geeigneten Objekts für das SDI auf dem Laufenden hielt – stets bei einer guten Tasse Kaffee und nicht - wie gehofft - bei einer guten Tasse „English Tea“. Gillard war sich sicher, dass sich das interkulturelle Flair des SDI zeitnah in Obersendling ausbreiten wird und sich in Form von diversen kulinarischen Stationen (von italienischer Trattoria bis chinesischem Wok to go) niederschlagen und etablieren wird.
„Wir danken fürs Brückenbauen zwischen den Völkern und Kulturen und den Zeiten und Generationen.“
Der weitgereisteste Gast war Rektor Prof. Dr. Oleg Inshakov von der Partner-Universität in Wolgograd, der von David Drevs, Konferenzdolmetscher und Dozent am SDI, gedolmetscht wurde. Der Rektor ließ es sich nicht nehmen, rund 2.400 Kilometer Luftlinie zu reisen, um dem SDI München seinen Dank und seine besten Wünsche persönlich auf Russisch zu überbringen. Die Universität in Wolgograd wurde 1980 gegründet und ist die jüngste Universität Russlands. Rektor Oleg Inshakov berichtete u.a. von seinem ersten Besuch am SDI vor 22 Jahren und wie viele wertvolle Impulse er damals bei seinem dreimonatigen Aufenthalt mitgenommen hatte. „Als wir damals nach Gründung unserer Universität auf der Suche nach Partnern waren, war das Treffen mit dem SDI der Wendepunkt“ so der russische Ehrengast. „Dem SDI verdanken wir Fortschritte, technische und didaktische Methoden und die Art und Weise, wie wir Lehrinhalte vermitteln. Dafür möchten wir danken. Wir freuen uns mit Ihnen, dass das SDI neue Räume hat und alle zur Ruhe kommen. Danke für unsere Partnerschaft! Danke fürs Brückenbauen zwischen den Völkern und Kulturen und auch den Zeiten und Generationen“. Die Rede des russischen Direktors erfreute das SDI-Leitungsgremium und die Gäste gleichermaßen, denn der Klang der russischen Sprache und die hervorragende Übersetzung des Simultandolmetschers illustrierten lebendig, welch wertvollen Beitrag sprachkundige Fachkräfte leisten.
„Sie machen Sprachen zum Beruf. Sprache ist die Kleidung der Gedanken und die Basis demokratischen Handelns.“
Karl-Heinz Keil, Leiter des Referats „Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation“ bei der Hanns-Seidl-Stiftung, München überbrachte in seinem Grußwort die besten Wünsche des ehemaligen Kultusministers Hans Zehetmair und betonte die Wichtigkeit der Sprachen in einer globalisierten Welt. „Sie machen Sprachen zum Beruf und haben einen wichtigen Auftrag, auch politisch betrachtet. Viele Entwicklungsprojekte sind ohne Dolmetscher gar nicht denkbar. Für uns ist Sprache die Kleidung der Gedanken und die Basis demokratischen Handelns.“ Die Hanns-Seidl-Stiftung kooperiert mit dem SDI München seit vielen Jahren im Seminarbereich, u.a. mit Seminaren in Wildbad Kreuth. Keil schloss seine Rede mit dem Gedanken, dass „Bildung in einer globalisierten Welt entartet von Zeit und Raum zu sein scheint. Ich bin der Meinung, Bildung braucht einen Raum, ja eine Heimat. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden – ich wünsche Ihnen, dass Sie hier schnell heimisch werden.“ Und schloss seine Rede mit einem illustren Zitat des Königs von Spanien, Karl V: „Spanisch rede ich mit Gott, Italienisch mit den Frauen, Französisch mit den Herren und Deutsch mit meinem Pferd.“
„Neuer Standort, neues Haus, neue Energie – und unser neues Wir-Gefühl.“
Till Eisenlohr und Peter Randa, Vertreter der Studierenden des SDI München, sprachen im Namen von 1.100 SDI-Studenten über ihre neue Heimat. „Neuer Standort, neues Haus, neue Energie. Man soll ja nicht schlecht über Tote (= die Amalienstraße) reden, doch wir müssen es so sagen: Die neuen Räume bieten nur Vorteile. Alles ist an einem Platz, neu eingerichtet und mit modernster Technik versehen. Und unser Campus liefert endlich echtes Uniflair. Das hatten wir bis dato so nicht. Und wir freuen uns, dass wir Obersendling als Viertel entscheidend mitprägen können.“ So Till Eisenlohr auf dem Rednerpult. Sein Kollege Peter Randa fügte hinzu: „Von den Umzugsturbulenzen selbst haben wir nichts mitbekommen. Wir sind aus dem Wintersemester gegangen (in der Amalienstraße) und haben das Sommersemester in Obersendling begonnen. Keine Umzugsschäden erlitten. Das Schönste daran: Auf einmal haben wir ein WIR-Gefühl auf unserem Campus. Wir wissen, wir gehören zusammen. Und wir sagen Danke, dass wir nun optimale Lernbedingungen haben und freuen uns, den Campus mit Leben zu füllen.“
„Das SDI ist ein Segelschiff, das sich gut gerüstet über die Gewässer des Bildungsmeeres bewegt.“
Prof. Dr. Peter Weber, Vizepräsident der Hochschule für Angewandte Sprachen in München und mit seiner 3,5-jährigen Zugehörigkeit zum SDI-Leitungsgremium der „Jungspund im Bunde“, führte die unternehmerische Erfolgsgeschichte des SDI und die aktuellen Herausforderungen in der Sprachenausbildung und der Vermittlung von Sprachkompetenz aus, die stets den Werteentwicklungen der Gesellschaft ausgesetzt sind und sich darauf einstellen müssen. In seiner Rede sprach Professor Weber vom „Segelschiff SDI“, das je nach Wetterbedingungen und Segelkurs entsprechend erneuert und ausgebaut wurde. Auch die Segelcrew, die SDI-Mannschaft, bildet sich weiter und fort und wird je nach Kurs und geplantem Törn um die notwendigen Besatzungsmitglieder erweitert. Der Vizepräsident ist sicher, dass das SDI-Schiff gut gerüstet ist für den Fall einer Piraterie auf dem Bildungssee. „Plündern und kapern wird nicht gelingen, wir sind stets hart am Wind und erweitern unser Leistungsangebot kontinuierlich und orientieren uns dabei an der Nachfrage vom Markt.“
In welcher Form das SDI auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt, zeigte Professor Weber anhand des Sponsoring-Engagements auf. „Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und sehen es als Verpflichtung, auch in diesem Bereich aktiv zu sein. CSR (Corporate Social Responsibility) ist für uns programmatisch und kein Schlagwort. Ob sich unser Engagement künftig in Form einer Stiftung realisieren lässt, wird sich zeigen. Kommunikation spielt auch im Sport eine wichtige Rollen und wir freuen uns, nun auf der Bühne eine Vertreterin unseres jüngsten Sponsoring-Engagements zu begrüßen: Frau Barbara Thiel von équipe vélo, übrigens auch eine Absolventin des SDI“.
„Sprache und Radfahren haben einiges gemeinsam.“
Zum Abschluss des Festaktes kam Barbara Thiel, die Vorsitzendes des Radvereins „équipe vélo Oberland e.V.“ und aktive Konferenzdolmetscherin, ans Rednerpult, nicht nur, um sich für das SDI-Engagement zu bedanken. Die ehemalige Absolventin des SDI wies darauf hin, dass körperliche und geistige Fitness nicht voneinander zu trennen sind und zeigte die vielen Gemeinsamkeiten von Dolmetschen und Radfahren auf. U.a. die weitverbreitete Meinung „Radfahren kann jeder. Sprache auch.“ „Gemeinsamkeiten von Dolmetschen und Radfahren“, so Thiel, „sind beispielsweise die schnellen Reaktionen, die schnelle Auffassungsgabe und Wahrnehmung, die hohe Konzentration, die lange gehalten werden muss, und das Teamwork, auf die Radteams und Dolmetscher in ihrem Tun angewiesen sind.“
Erst reden, dann feiern
Im Anschluss an den Festakt im Audimax lud Direktor Mayer alle Gäste zu einem bunten Buffet mit Culinaria aus allen Ländern, deren Sprachen am SDI gelehrt werden, sowie zu Führungen durchs Haus und den neuen Campus ein. Obersendling hieß das SDI und seine Gäste herzlich willkommen – mit bayrisch-blauem Festtagshimmel, strahlendem Sonnenschein und SDI-Studierenden, die in Organisation und Koordination des Festaktes aktiv waren und für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund sorgten.
Mehr zum Thema
2011-06-11: SDI München: Ein Blick zurück auf 59 Jahre Übersetzerausbildung in Bayern
2011-06-06: SDI München: Feierliche Neueröffnung nach Umzug
[Text: SDI München. Quelle: SDI München. Bild: SDI München.]
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Univ.-Prof. Dr. Andreas Gipper neuer Dekan des FTSK Germersheim
26.6.2011 von Jessica Antosik.
Neuer Dekan des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK Germersheim) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist seit dem 2. Mai 2011 Universitätsprofessor Dr. Andreas Gipper. Damit nimmt er den Platz von Prof. Dr. Michael Schreiber ein, der ab dem Jahr 2008 Dekan des FTSK Germersheim war.
Kurz zum beruflichen Werdegang von Univ.-Prof. Dr. Andreas Gipper:
- 1980-1991: Studium der Romanistik, der Germanistik und der Philosophie an den Universitäten Bonn, Toulouse, Frankfurt, Hannover. 1991, Promotion in Hannover. Titel der Dissertation: Der Intellektuelle. Konzeption und Selbstverständnis schriftstellerischer Intelligenz in Frankreich und Italien 1918-1930. Stuttgart: Metzler-Poeschel 1992.
- 1991-1992: Lehraufträge an den Universitäten Hannover und Koblenz
- 1992-1994: DAAD-Lektor für Deutsche Sprache und Literatur an der Université des Sciences Humaines Strasbourg
- 1994: Hochschulassistentur für romanische Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität-Bochum
- 2000: Habilitation in Bochum. Titel der Arbeit: Wunderbare Wissenschaft. Die Literatur der Wissenschaftsvulgarisierung in Frankreich von Cyrano de Bergerac bis zur Encyclopédie. München: Fink 2002.
- 2003: Berufung an die Universität Mainz auf eine Professur für Französische und Italienische Kulturwissenschaft
[Text: Jessica Antosik. Quelle: fb06.uni-mainz.de. Bild: fb06.uni-mainz.de.]
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SDI München: Ein Blick zurück auf 59 Jahre Übersetzerausbildung in Bayern
11.6.2011 von Johanna Bietau.
Bei seiner Eröffnungsrede für das soeben bezogene neue Gebäude des Sprachen & Dolmetscher Instituts München (SDI) am 21.05.2011 umriss der Direktor Dr. Felix Mayer [Bild rechts] die 59-jährige Geschichte des Instituts. Wir geben den Vortragstext hier leicht gekürzt wieder:
Lassen Sie mich einen Blick zurück und einen nach vorn werfen: Gegründet wurden wir 1952 als „Sprachen- und Dolmetscher-Akademie“ – Prof. Dr. Günther Haensch [zweites Bild von oben] zählt zu den damaligen neun Gründern unseres eingetragenen Vereins. Doch musste dieser Name, da er wohl eine zu große Nähe zu den Hochschulen suggerierte, auf Weisung des Ministeriums in unseren heutigen, Sprachen- und Dolmetscher-Institut, geändert werden.
Die damalige Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern, zunächst in den ersten drei Jahre in der von-der-Tann-Straße, danach am Amiraplatz, war sui generis: Es war eine Ausbildung des SDI. Das SDI hatte ein eigenes Curriculum, hatte eine eigene Prüfungsordnung, die im Ministerium hinterlegt war, und es nahm aus eigener Kraft die Auswahl der Dozenten und Lehrbeauftragten vor.
Das zweite Standbein des SDI war die Ausbildung von Wirtschaftkorrespondentinnen und Auslandssekretärinnen. Die „Abteilung für Auslandssekretärinnen“ leitete seit 1954 Sigrid Kester [drittes Bild von oben].
Das dritte Standbein war die so genannte „Deutsche Abteilung“, die später „Deutsch für Ausländer“ hieß und heute „Deutsch als Fremdsprache“. Damals, 1953, also gleich am Anfang, mit 10 Studierenden. Daneben wurden Sprachkurse angeboten, die abends stattfanden, und in denen unsere heutigen Sprachen, also Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, und zusätzlich Portugiesisch, allerdings noch nicht Chinesisch, gelehrt wurden.
Lassen Sie mich nun einen Sprung machen in die späten 60er Jahre und die 70er Jahre. Die damalige Generation hatte an vielen Fronten zu kämpfen, und ich möchte heute nur zwei Herausforderungen herausgreifen: Zum einen kündigten die Vereinigten Werkstätten dem SDI die lieb gewordene Heimat am Amiraplatz. Hier war die Lösung, dass unser Gebäude in der Amalienstraße, das damals im Bau war, gekauft und 1970 bezogen wurde.
Zum anderen ging es um den Status der Studienabschlüsse, denn es wurde deutlich, dass nur das gute Renommee des SDI allein nicht mehr reichte. Aus den Akten lässt sich ersehen, dass in diesen Jahren, Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, die Statusfrage in viele Richtungen diskutiert wurde. Und dass auch wieder – wie bereits in den fünfziger und den sechziger Jahren – die Errichtung einer Hochschule im Gespräch war.
Doch wurde im damaligen Kultusministerium eine Bedarfsanalyse erarbeitet mit dem Ergebnis: Es besteht – ich zitiere aus den Akten – „keine Notwendigkeit einer akademischen Übersetzer und Dolmetscher-Ausbildung in Bayern“ Diese Aussage wurde mir vor einigen Jahren kolportierend zusammengefasst in dem Bonmot: „Studierte ho’m ma in Bayern eh’ scho gnua.“ Daher hat sich das SDI mit meinem Vorvorgänger Heinz Graf – und mit tatkräftiger Unterstützung eines jungen Landtagsabgeordneten, seit 1971 Mitglied im Kuratoriums des SDI und heute Ehrensenator unserer Hochschule, Herrn Dr. Erich Schosser [viertes Bild von oben] – also durchgerungen, das Angebot zur Errichtung einer Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen anzunehmen. Übrigens in einem gemeinsamen Antrag zusammen mit dem „Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bei der Universität Erlangen-Nürnberg“.
Die damalige „Wirtschaftskorrespondentenausbildung (Wiko)“ wurde bereits zwei Jahre früher, nämlich 1973, in die Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe, die wir bis heute betreiben, überführt. Damit waren die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für viele Jahrzehnte geklärt und unser SDI konnte weiter wachsen und gedeihen.
In den achtziger Jahren war es dann wieder an der Zeit, sich über den Stellenwert der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern Gedanken zu machen. In der Chronik des SDI ist zu lesen: „Tatsache ist auch, daß bayerische Absolventen von Fachakademien für Fremdsprachenberufe keine Chance haben, in die Sprachendienste nationaler und supranationaler Institutionen eingestellt zu werden. Diese Entwicklung führt allmählich dazu, daß Bayern mit seiner fremdsprachlichen Ausbildungskonzeption mehr und mehr an den Rand gedrängt wird und nur noch Fremdsprachenkräfte für die heimische Wirtschaft, aber nicht für den europäischen Wirtschaftsraum produziert.“
Vor diesem Hintergrund gelang es aber, im alten Hochschulgesetz den so genannten. „Dr.-Schosser-Paragraphen“ einzubauen. Damit konnten sehr gute Absolventen des SDI an der Universität Augsburg relativ zügig einen Magister erwerben. Einige unserer besten Absolventen haben dann übrigens promoviert, einzelne sich auch habilitiert.
Etwa 10 Jahre später war es wieder soweit: Bei der 40-Jahr-Feier 1992 versprach der damalige Kultusminister Prof. Zehetmaier, uns beim 50-Jährigen zur Errichtung einer Fachhochschule zu gratulieren. Die vielen Arbeiten und Sitzungen in den neunziger Jahren brachten aber wieder nicht den gewünschten Erfolg, dem Haus aber, wenn ich es mal so sagen darf, einiges mehr an Erfahrung.Und es brachte dem Haus eine gewisse – Motivation.
Denn als ich im Jahre 2000 mein Amt antrat, stand das Haus vor mehreren Herausforderungen, von denen ich drei hier nennen möchte:
- die organisatorischen Strukturen und Abläufe des Hauses an die heutigen Anforderungen anzupassen,
- die Übersetzer- und Dolmetscherausbildung zukunftsträchtig zu gestalten und die Ausbildungsangebote des SDI noch stärker auf die Bedürfnisse des Marktes zuzuschneiden und,
- Räumlichkeiten zu schaffen, um den wachsenden Ansprüchen der Dozenten und der Studierenden Genüge tun, was sich natürlich erst nach der Tilgung der letzten Hypothek der Amalienstraße im Jahre 2003 als Möglichkeit herauskristallisierte.
Ad 1: Wir haben die organisatorischen Strukturen des SDI weiterentwickelt. Und wir arbeiten in einem kontinuierlichen Prozess an den Abläufen. Hier sind wir entscheidend vorangekommen, doch wird uns die Fortentwicklung von Abläufen, deren vornehmste Aufgabe doch darin besteht, inhaltliche Exzellenz, also Exzellenz der Lehre und damit Exzellenz der Absolventen, zu ermöglichen, auch in Zukunft beschäftigen.
Ad 2: Wir haben 2007 die Hochschule für Angewandte Sprachen errichtet und damit mehrere Ziele erreicht:
a) Einmal: Gute Absolventinnen und Absolventen aller bayerischen Fachakademien für Übersetzen und Dolmetschen können nun an unserer Hochschule einen Bachelor-Abschluss erwerben. Damit ist die Übersetzerausbildung in Bayern der im Rest Deutschlands – es gibt inzwischen über 20 Hochschulen in Deutschland, die Übersetzen anbieten – gleichgestellt. Und ich möchte anmerken: auch diese Regelung im Bayerischen Hochschulgesetz haben wir entscheidend Herrn Dr. Schosser zu verdanken.
b) Dann: Wir haben die Elite-Ausbildung des SDI, unseren Kodo, in den Master-Studiengang Konferenzdolmetschen überführt. Damit haben wir endlich die formale Gleichstellung unseres Kodo-Abschlusses mit den anderen Hochschulen in Europa erreicht. Den ersten Kodo-Kurs des Hauses hatte Dr. Paul Schmidt im Januar-Februar 1953 für sieben Studierende durchgeführt. Und drei haben im Sommer 1953 die Kodo-Prüfung bestanden.
c) Und wir haben schließlich neue Studiengänge eingeführt, die auf dem Markt gut nachgefragt werden. Sie haben im Mittelpunkt den professionellen Einsatz von Sprache und zwar in der Kombination Sprache und Wirtschaft sowie Sprache und Technik.
Ad 3: Und nun zu der dritten Herausforderung, den Räumlichkeiten: Herr Stefan Broschwitz [Bild rechts], unser Geschäftsführer, hat in den sieben Jahren zwischen 2002 und 2009 über hundert Gebäude besichtigt. Jetzt sind wir hier. Auf unserem Campus.
Wie geht es jetzt mit dem SDI weiter? Was machen wir morgen? Ich kann Ihnen versichern: wir werden nicht ruhen. Wir werden uns nicht ausruhen. Wir werden nicht die Füße hochlegen.
Heute allerdings, heute möchten wir feiern. Mit ihnen gemeinsam. Denn: viele von Ihnen, die Sie heute hier sitzen, im Hintergrund stehen oder im Haus noch vorbereiten oder aus der Ferne bei uns sind, haben, manche von Ihnen entscheidend, dazu beigetragen, dass wir heute hier sind. Dass wir unser neues Gebäude und den neuen Campus haben (und die Amalienstraße gut vermietet haben). Dass wir auf unserem Campus gute Studiengänge und Ausbildungen anbieten
können. Und dass sich viele von uns, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schülerinnen, Schüler und Studierende, hier wohl fühlen. Gerne hier sind, gerne hier studieren, gerne hier arbeiten.

Das bei der Eröffnungsveranstaltung eingesetzte Dolmetschteam des SDI München: Cornelia Dickow, Charlotte Seebode, Christine [Nachname auf Namensschild unleserlich], Solveig Rose, Thibaut Mollard, Serena Tirinnanzi, Maria Di Pierro, Laura Ferrarotti, Rafael Adam.

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2011-06-06: SDI München: Feierliche Neueröffnung nach Umzug
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[Text: Johanna Bietau. Quelle: SDI München. Bild: SDI. Alle Aufnahmen wurden am Tag der Eröffnungsfeier gemacht.]
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SDI München: Feierliche Neueröffnung nach Umzug
6.6.2011 von Richard Schneider.
Am Samstag, dem 21. Mai 2011, öffnete das SDI Sprachen & Dolmetscher Institut München am neuen Standort in München-Obersendling seine Tore und feierte mit rund 700 Gästen. Darunter waren auch rund 80 Ehrengäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur sowie etliche Absolventen aus fast 60 Jahren SDI. Elf Redner überbrachten dem SDI die besten Wünsche aus nah und fern und ließen die Institutsgeschichte mit Zeitzeugen lebendig werden.
Die Grußworte an Direktor Mayer und das SDI-Leitungsgremium wurden auf deutsch, englisch und russisch gehalten und von den Studierenden des Studiengangs Konferenzdolmetschen simultan in fünf weitere Sprachen übersetzt (englisch, französisch, italienisch, spanisch, chinesisch, deutsch). Das SDI war an diesem Tag ein quirliger „melting pot of nations“, und die Gäste erlebten das interkulturelle Flair der Baierbrunner Straße 28 live und in Farbe.
Das SDI München bildet seit 1952 Sprachprofis aus und zählt zu den renommiertesten Ausbildungsstätten für Übersetzer und Dolmetscher in Europa. Das private, gemeinnützige und staatlich anerkannte Institut zeichnet sich durch seine marktgerechte, zukunftsorientierte Ausbildung aus, die nach dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ immer wieder an den neuen Bedingungen und Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet wird. Seit 2007 bietet das SDI zusätzlich Bachelor- und Masterstudiengänge mit den Schwerpunkten Sprache und Wirtschaft oder Sprache und Technik an, in denen die Studierenden einen akademischen Grad erwerben können (Bachelor/Master).
Mit dem Umzug von der Amalienstraße in der Maxvorstadt in die Baierbrunner Straße in Obersendling hat das SDI-Leitungsgremium unter der Ägide von Direktor Prof. Dr. Felix Mayer (Bild rechts) einen bedeutenden Meilenstein der Geschichte des Instituts geschafft. Die feierliche Schlüsselübergabe zu Beginn des Festakts erfolgte durch Hugo Gensler und Gernoth Wagner, die nach 114 Werktagen Umbau des ehemaligen Siemens-Nokia-Baus stolz sind, die symbolische Schlüsselübergabe zu Beginn des Festakts zu vollziehen. Rund 100 Gebäude wurden zwischen 2002 und 2009 von SDI-Geschäftsführer Stefan Broschwitz besichtigt, bis das geeignete Objekt für den neuen SDI-Campus gefunden war.
Direktor Felix Mayer warf in seiner Begrüßungsrede einen Blick zurück und einen nach vorn, erinnerte an die Anfänge im Jahr 1952, an die Herausforderungen der jeweiligen Generation und der SDI Direktoren und zitierte aus alten Akten der Siebziger Jahre, in denen die Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung für Übersetzer und Dolmetscher in Abrede gestellt wurde. Umso erfreulicher, dass das SDI im Jahre 2007 eine Hochschule errichten konnte, die seither für alle bayerischen Absolventen der Fachakademien für Übersetzen und Dolmetschen einen akademischen Abschluss ermöglicht.
Immer wieder stand das SDI im Laufe seiner Geschichte vor der Herausforderung, sich über den Stellenwert von Übersetzern und Dolmetschern in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Gedanken zu machen. Immer wieder galt es, die Ausbildung der Übersetzer und Dolmetscher zukunftsträchtig zu gestalten, immer wieder neuen Raum für die wachsenden Schüler- und Studentenzahlen zu schaffen und zugleich die Exzellenz der Lehre zu sichern.
Die neuen Räume sind für wachsende Studentenzahlen ausgerichtet, aus den Nähten platzen wird demnach zukünftig nichts mehr. Das SDI hat seine neue Heimat gefunden – in der Baierbrunner Straße 28. „Wir werden nicht ruhen und die Füße nicht hochlegen“, so Professor Mayer zum Abschluss seiner Auftaktrede, „doch heute, heute wollen wir gemeinsam mit Ihnen unseren neuen Campus feiern.“

Beengt und verteilt: Die SDI-Gebäude A, B, C, D und S am alten Standort in der Amalienstraße (Maxvorstadt). Das Bild unten zeigt den neuen Standort weiter außerhalb, aber mit mehr Platz in der Baierbrunner Str. 28 in München-Obersendling.

[Text: SDI München. Quelle: Pressemitteilung SDI München, 2011-05-24. Bild: SDI München.]
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Doch wurde im damaligen Kultusministerium eine Bedarfsanalyse erarbeitet mit dem Ergebnis: Es besteht – ich zitiere aus den Akten – „keine Notwendigkeit einer akademischen Übersetzer und Dolmetscher-Ausbildung in Bayern“ Diese Aussage wurde mir vor einigen Jahren kolportierend zusammengefasst in dem Bonmot: „Studierte ho’m ma in Bayern eh’ scho gnua.“ Daher hat sich das SDI mit meinem Vorvorgänger Heinz Graf – und mit tatkräftiger Unterstützung eines jungen Landtagsabgeordneten, seit 1971 Mitglied im Kuratoriums des SDI und heute Ehrensenator unserer Hochschule, Herrn Dr. Erich Schosser [viertes Bild von oben] – also durchgerungen, das Angebot zur Errichtung einer Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen anzunehmen. Übrigens in einem gemeinsamen Antrag zusammen mit dem „Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bei der Universität Erlangen-Nürnberg“.
In den achtziger Jahren war es dann wieder an der Zeit, sich über den Stellenwert der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern Gedanken zu machen. In der Chronik des SDI ist zu lesen: „Tatsache ist auch, daß bayerische Absolventen von Fachakademien für Fremdsprachenberufe keine Chance haben, in die Sprachendienste nationaler und supranationaler Institutionen eingestellt zu werden. Diese Entwicklung führt allmählich dazu, daß Bayern mit seiner fremdsprachlichen Ausbildungskonzeption mehr und mehr an den Rand gedrängt wird und nur noch Fremdsprachenkräfte für die heimische Wirtschaft, aber nicht für den europäischen Wirtschaftsraum produziert.“
Ad 3: Und nun zu der dritten Herausforderung, den Räumlichkeiten: Herr Stefan Broschwitz [Bild rechts], unser Geschäftsführer, hat in den sieben Jahren zwischen 2002 und 2009 über hundert Gebäude besichtigt. Jetzt sind wir hier. Auf unserem Campus.