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Archiv der Kategorie Bibel/Koran

EKD will Luthers Bibelübersetzung überarbeiten

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat eine „Durchsicht der Lutherbibel“ beschlossen und einen Lenkungsausschuss eingesetzt, dem u.a. Wissenschaftler aus den Bereichen Exegese, Praktische Theologie, Liturgik und Germanistik angehören. Geplant ist, die durchgesehene Bibel möglichst vor dem Jahr 2017 der Öffentlichkeit vorzustellen.

Der Vorsitzende des Lenkungsausschusses, Landesbischof i.R. Dr. Christoph Kähler, erklärte zu dem Vorhaben: „Die Lutherbibel stellt ein kostbares theologisches und kulturelles Erbe dar. Mit diesem Erbe müssen wir behutsam und sorgfältig umgehen. Der Wortlaut darf nur dann verändert werden, wo es die Treue zu den biblischen Zeugen zwingend erfordert.“ So gehe es bei der beabsichtigten Durchsicht nicht um eine Revision. Es sei nicht Ziel der Arbeit, die Lutherbibel modernem Deutsch anzunähern.

Das Vorhaben, so Kähler weiter, sei zwar in der Zielsetzung bescheidener als eine Revision, in der Durchführung aber kaum weniger anspruchsvoll. Denn in den Jahren seit der letzten Revision der Lutherbibel 1984, seien eine Vielzahl neuer Ergebnisse auf den Gebieten der Textkritik und der Exegese erarbeitet worden. Der Rat der EKD sieht Veränderungen des Luthertextes lediglich dort vor, wo sie zwingend geboten sind, wobei jede Veränderung des den Gemeinden vertrauten Klangs der Lutherbibel möglichst vermieden werden soll.

Zur Geschichte der Bibelrevision

Martin LutherDie Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen Martin Luthers (Bild) und seiner Mitarbeiter in den Jahren 1521 bis 1545. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September des Jahres 1522 (Septembertestament). In den folgenden Jahren wurden kontinuierlich weitere Bücher der Bibel übersetzt, bis im Jahr 1534 die erste Gesamtausgabe erschien.

Im Jahr 1545 erschien dann die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man die Bibelübersetzungen, die auf Martin Luther zurückgingen, sich aber durchaus unterschieden, kritisch durchzusehen und eine erste Revision vorzunehmen. Diese hatte das Ziel, einerseits den ursprünglichen Luthertext wieder herzustellen und andererseits diesen Text an jenen Stellen, wo er nicht mehr verständlich oder unklar war, an den allgemeinen Sprachgebrauch anzugleichen.

Immer noch in Gemeinde-Gebrauch ist der Text der zweiten Revision von 1912. Die dritte und letzte Revision wurde in den Jahren 1964 (Altes Testament), 1970 (Apokryphen) und 1984 (Neues Testament) abgeschlossen.

Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es Zuge diese Revisionsarbeiten im Jahr 1975. Der damals vorgelegte revidierte Text des Neuen Testaments stieß in weiten Teilen der evangelischen Kirche auf zum Teil massive Kritik. Man vermisste vor allem die „Treue gegenüber der Sprache Luthers“. Es wurde eine „Nach-Revision“ vorgenommen, so dass der gesamte Prozess der Revision erst 1984 zum Abschluss kam. Im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Rechtschreibung 1999 wurde der Text noch einmal durchgesehen.

[Text: Reinhard Mawick. Quelle: Pressemitteilung EKD, 2010-07-14. Bild: Wikipedia, Lucas Cranach d. Ä., 1529.]

Drei Neuübersetzungen zur Auswahl: Welcher Koran soll’s denn sein?

„Waren nach dem 11. September 2001 alle Koranübersetzungen vergriffen, so herrscht heute ein Überangebot. Die alten Übertragungen, darunter lange und zu Recht vergessene, sind wiederaufgelegt worden. Drei neue sind nun erschienen. Wer im Buchladen nach dem Koran fragt, steht vor dem Dutzend lieferbarer Ausgaben wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg.“ So Stefan Weidner in einem Artikel für die Frankfurter Rundschau, in dem er die Neuübersetzungen miteinander vergleicht.

Weidner kennt sich aus, er ist vom Fach. Islamwissenschaften, Germanistik und Philosophie hat er unter anderem in Damaskus studiert. Er arbeitet als Autor, Übersetzer, Literaturkritiker und seit 2001 als Chefredakteur einer vom Goethe-Institut herausgegebenen Zeitschrift, die sich dem Dialog mit der islamischen Welt verschrieben hat. Darüber hinaus hat Weidner zahlreiche Lyriker aus dem Arabischen übersetzt.

Das grundsätzliche Problem lautet: „Unter den religiösen Gründungstexten von Weltgeltung ist der Koran einer der jüngsten und schwierigsten, kaum übersetzbar.“ Weidner verdeutlicht die Schwierigkeiten am Beispiel der ersten regulären Sure, der zweiten nach der gebetsformelhaften Eröffnungssure:

  • Bobzin: „Dies ist das Buch, in dem kein Zweifel ist – es ist Geleit für Gottesfürchtige.“
  • Asad: „Diese göttliche Schrift – keinen Zweifel soll es darüber geben – ist eine Rechtleitung für alle Gottesbewussten.“
  • Karimi/Uhde: „Dies die Schrift, darin kein Zweifel, Rechtleitung für die Gottesfürchtigen.“

Nach einigen Überlegungen zu dem, was hier gemeint ist und wie man es verständlich ausdrücken könnte, kommt Weidner zu dem Schluss:

Dann aber hieße der Satz sinngemäß nichts anderes als: „Diese über jeden Zweifel erhabene Schrift ist ein Wegweiser für Gottesfürchtige.“ Genau so wird die Bedeutung klar, und doch wird in allen Übersetzungen ein Krampf daraus. […]

Erfahrene Übersetzer würden diesen irreführenden Interpretationsmöglichkeiten nicht auf den Leim gehen. Genau das ist Teil des Problems: Alle Koranübersetzer, die neuen wie die alten, der gute alte Rückert ausgenommen, sind keine Übersetzer, geschweige denn erfahrene. Sie sind nur und allein Koranübersetzer und ansonsten Akademiker (Bobzin), Schwärmer (Karimi/Uhde) oder Gläubige mit einer spezifisch exegetischen Agenda (Asad). Das heißt zum einen: Der Koran ist gar nicht so unübersetzbar, wie es scheint. Zum anderen: Bis heute verwirren alle Übersetzungen diesen ohnehin verwirrenden Text noch mehr. […]

Allen drei neuen Übersetzungen merkt man wie auch den meisten früheren an, wie der von Gläubigen vehement vertretene Mythos von der Unübersetzbarkeit des Korans auch die nichtgläubigen Übersetzer affiziert und ihnen eine oft unsinnige, der Vermittlung schadende Texttreue auferlegt. Das, was aber am Koran unübersetzbar ist, ist in Wahrheit nichts anderes als das, was auch die Muslime und selbst die gebildetsten arabischen Muttersprachler nicht verstehen und über dessen Deutung sie streiten.

Und wie lautet letztendlich die Empfehlung des Experten? Welche Koran-Übersetzung sollte sich der deutsche Bildungsbürger ins Regal stellen?

Wenn von den deutschen Koranen daher einer vor den anderen empfohlen werden soll, dann falle die Wahl auf Bobzins Fassung. Nicht weil sie den endgültigen, nicht einmal weil sie endlich einen lesbaren deutschen Koran liefert, sondern als der traditionsbewussteste und bildungsbeflissenste Spross des knorpeligen deutschen Astes, der aus dem hypertextuellen Stamm des einzigen und ewigen arabischen Korans gewachsen ist.

Weidners umfassenden Artikel können Sie in voller Länge auf der Website der Frankfurter Rundschau lesen. Dessen alberne Überschrift („Der Mensch ist nicht aus Tesafilm gemacht“) hat ganz gewiss nicht der Autor, sondern ein leitender Redakteur verbrochen.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Hartmut Bobzins Koran: die neue Standardübersetzung
Herder und Beck legen neue Koran-Übersetzungen vor

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Rundschau, 2010-04-24.]

Hartmut Bobzins Koran: die neue Standardübersetzung

Hartmut Bobzins Koran-ÜbersetzungAm 23.03.2010 ist nach zehnjähriger Arbeit die Koran-Übersetzung von Hartmut Bobzin erschienen. Der Verlag C. H. Beck lobt die Neuübersetzung als „meisterhaft“ und schreibt in einer Pressemitteilung:

Hartmut Bobzins Neuübersetzung des Korans ist ein Geniestreich: Sie ist philologisch exakt, und sie bewahrt die Schönheit und sprachliche Eigenwilligkeit des Originals. Zu welcher Koran-Übersetzung soll man greifen? Diese seit langem mit Verlegenheit quittierte Frage kann endlich klar beantwortet werden.

Der Koran ist für Muslime Gottes Wort, das in arabischer Sprache Mohammed offenbart wurde und sich durch seine Schönheit auszeichnet. Sich der Schönheit des Korans anzunähern, ist in deutscher Sprache bisher nur Friedrich Rückert gelungen. Andere Übersetzer haben der philologischen Exaktheit den Vorzug gegeben und den Text durch unzählige Erklärungen zu einem Flickenteppich gemacht. Hartmut Bobzin legt mit seiner meisterhaften Neuübersetzung erstmals einen philologisch zuverlässigen und zugleich ansprechenden Text vor. Seine Übersetzung berücksichtigt die islamischen Deutungstraditionen ebenso wie die Ergebnisse der westlichen Koranforschung. Kurze Erläuterungen ermöglichen ein fundiertes Textverständnis; ein Glossar erklärt die Schlüsselbegriffe des Korans.

  • Seit Jahrzehnten die erste philologisch und sprachlich überzeugende Koran-Übersetzung
  • Sichere, von Muslimen und westlichen Forschern anerkannte Textgrundlage („Kairiner Koran“)
  • Berücksichtigung anderer Lesarten und der muslimischen Auslegungstradition
  • Die bisher führende Übersetzung von Rudi Paret aus den 1960er Jahren richtet sich an ein Fachpublikum und ist philologisch nicht mehr auf dem neuesten Stand
  • Viele sogenannte Neuübersetzungen der letzten Jahrzehnte basieren auf längst veralteten Vorlagen

In einem Zeitungsbeitrag rezensiert der Orientalist Stefan Wild die Neuübersetzung und weist darauf hin, dass das heilige Buch der Muslime längst „zum zweiten Heiligen Buch in deutschen und deutschsprachigen Landen geworden“ ist. Zur Übersetzbarkeit des Korans schreibt Wild:

Jeder Übersetzer braucht eine dreifache Portion Tollkühnheit, um den Koran zu übersetzen. Zum ersten ist der Koran nach dem Glauben der meisten Muslime ungeschaffen und existiert von Ewigkeit her neben Gott - eine Parallele zum Logos des Johannes-Evangeliums. Er gilt als sprachlich unüberbietbar vollkommenes Wort Gottes in arabischer Sprache. Er lebt liturgisch aus dem mündlichen Vortrag und sperrt sich nach seinem Selbstverständnis als “arabischer Koran” (Sure 12:2) jeder Übersetzung.

Viele fromme Muslime sagen daher, der Koran könne nicht übersetzt werden. Allenfalls könnten “die ungefähren Bedeutungen des Korans” in eine andere Sprache übertragen werden. […]

Mit übersetzerischen Allerweltsregeln (”so wörtlich wie möglich, so frei wie nötig”) ist also dem Phänomen Koran nicht beizukommen. Wenn Nicht-Muslime den Koran übersetzen, ist die eigentliche Frage die der Ästhetik. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass der arabische Koran vom ersten bis zum letzten Vers Reime oder reimähnliche Assonanzen zeigt. Der Gott des Korans spricht poetisch, auch wenn der Stil nicht genau dem der altarabischen vor-islamischen Dichter entspricht. […]

VorzugsausgabeBobzins unaufdringliche und respektvolle Übertragung zielt eher auf die “gebildeten Stände” von Nicht-Muslimen als auf den deutschen muslimischen Leser. […]

Ein Buch, das man einfach so lesen kann, wird der Koran trotz aller Übersetzungskunst und Mühe niemals werden.

Die vollständige Rezension können Sie in der Frankfurter Rundschau lesen.

Der Verlag C. H. Beck bietet auf seiner Website Auszüge aus der Neuübersetzung als Leseprobe an (PDF-Datei).

Hartmut Bobzin (2010): Der Koran. München: C. H. Beck. 831 Seiten, 121 Kalligraphien, Leinen-Einband, ISBN 978-3-406-58044-4, 38,00 Euro.

Am 25.05.2010 wird in einer Auflage von 1.000 Exemplaren eine in Leder gebundene Ausgabe im Schmuckschuber erscheinen (unteres Bild).

[Text: Richard Schneider. Quelle: C. H. Beck; Frankfurter Rundschau, 2010-03-22. Bild: C. H. Beck.]

Herder und Beck legen neue Koran-Übersetzungen vor

Zwischen zwei deutschen Verlagen tobt derzeit ein heftiger Wettstreit um den Koran: Wer ist mit seiner Übersetzung zuerst auf dem Markt? Und wem gelingt der Spagat zwischen philologischer Genauigkeit und leserfreundlicher Sprachgewandtheit besser? Zumindest zeitlich scheint das Rennen entschieden.

Mitte September kommt die Übersetzung des Freiburger Verlags Herder in die Buchläden, der Münchner C. H. Beck-Verlag zieht wenige Wochen später Ende Oktober nach. „Wir haben wahrgenommen, dass der Koran bei Herder im September erscheint“, lautet der knappe Kommentar bei Beck.

Dabei ist der Koran laut islamischer Theologie eigentlich unübersetzbar. Denn er gilt nur im arabischen Original als authentisch dokumentierte Fassung jener Eingebungen, die Gott dem Propheten Mohammed vor fast 1.400 Jahren offenbart haben soll. Deshalb lernen Muslime weltweit die Rezitation des Originals. Gleichwohl gab es seit frühesten Zeiten Übersetzungen. Eine deutsche Fassung lag erstmals um 1600 vor. Heute reicht die Spannbreite von polemisch abwertenden über romantisch verklärende Übersetzungen bis zur philologisch präzisen Übertragung von Rudi Paret von 1962.

Für den Beck-Verlag saß der Erlanger Arabist und Koranwissenschaftler Hartmut Bobzin seit mehr als zehn Jahren an seiner Neuübersetzung. Das Ziel: eine aktuelle Alternative zum Paret-Standardwerk. „Seit den 1960ern ist die Koranforschung weitergegangen. Außerdem arbeitet unsere neue Übersetzung die islamische Auslegungstradition der vergangenen Jahre ein“, sagt Lektor Ulrich Nolte. Und: Trotz wissenschaftlicher Genauigkeit und Fußnoten werde es einen sprachlich überzeugenden, gut lesbaren Text geben, so das Versprechen. Auch wenn, so der Lektor, der Koran an vielen Stellen nun einmal ein „sperriger, ein rauer Text“ bleibe. Ergänzend zur Textausgabe will Bobzin in den nächsten Jahren noch einen detaillierten Korankommentar vorlegen.

Karimi mit anderer Herangehensweise

Für Herder wählte der Philosoph und gläubige Muslim Ahmad Karimi eine andere Herangehensweise. Karimi besuchte als Jugendlicher einer Koranschule in Kabul und brachte die Faszination für den heiligen Text auf der Flucht vor den Taliban bis nach Deutschland mit. Er lernte Deutsch und übersetzte für sein Islamwissenschaftsstudium immer wieder einzelne Suren. Vor einem Jahr begann dann die intensive Übertragungsarbeit für Herder. „Ich versuche, für deutsche Leser ohne Arabischkenntnisse nachvollziehbar zu machen, warum der Koran ein solch atemberaubend schöner Text ist“, sagt Karimi.

Für den multikulturellen Intellektuellen ist der Koran ein Stück Universalpoesie mit enormer religiöser und emotionaler Kraft. Also versucht er, die Sprachbilder und Rhythmen des Originals, seine Gleichnisse und Bilder, aber auch die Brüche und Vieldeutigkeiten im Deutschen wiederzugeben. „Vielleicht klingt es am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber wer sich darauf einlässt, kann etwas von der Faszination verstehen.“ Erste Kritiker werfen ihm allerdings schon vor, die Form wichtiger als den Inhalt zu nehmen.

Gemeinsame Textgrundlage

Gemeinsam ist Karimi und Bobzin die Textgrundlage: Beide entschieden sich für die in der muslimischen Welt am weitesten verbreiteten Textfassung, den sogenannten Kairiner Koran, der erstmals in den 1920er Jahren von der Al-Azhar-Universität Kairo herausgegeben wurde. Es geht beiden nicht um Quellenkritik oder historische Verortung. Daran arbeitet gerade das international vielbeachtete Forschungsprojekt „Corpus Coranicum“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen werden noch einmal bei den Zielgruppen der beiden Neuübersetzungen deutlich: Beck hat das Fachpublikum im Blick und hofft auf eine „interessierte Öffentlichkeit“ sowie die „Akzeptanz von muslimischer Seite.“ Karimi sagt, er wolle in Deutschland lebenden Muslimen die Schönheit des Koran näher bringen. Er ist davon überzeugt, dass die Poesie auch Nichtmuslime in den Bann zieht. Zu ihrer Startauflage wollten sich beide Verlage nicht äußern.

[Text: Volker Hasenauer, kna. Quelle: www.domradio.de. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.]

Neue Statistik: Bibeltexte liegen in 2479 Sprachen vor

Einzelne Bücher oder Teile der Bibel gibt es jetzt in 2479 Sprachen, die gesamte Bibel ist in 451 Sprachen übersetzt. Das teilte der Weltbund der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) in Reading/England jetzt in seinem aktuellen Scripture Language Report (Bibelsprachenbericht) mit.

Stichtag für diese Statistik war der 31. 12. 2008. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der übersetzten Vollbibeln um 13 erhöht, die Zahl der einzelnen übersetzten biblischen Bücher um 25. Die Bibel ist damit mit Abstand das am häufigsten übersetzte und am meisten verbreitete Buch der Welt.

Trotz der jährlich kontinuierlich steigenden Zahlen weist der Report auf die Relation hin, dass bei den geschätzten 6900 Sprachen weltweit nur 451 Sprachen eine komplette eigene Bibelübersetzung haben und 1158 Sprachen ein Neues Testament. Zwar hätten 95 Prozent der Weltbevölkerung die Bibel in einer Sprache zur Verfügung, die sie verständen, aber gerade beim Bibellesen könne der Text seine Leser in seiner ganzen Tiefe nur dann erreichen, wenn sie ihn in ihrer Muttersprache verstehen könnten. Die Botschaft der Bibel in allen Sprachen zugänglich und verständlich zu machen, sei die zentrale Aufgabe der Bibelgesellschaften weltweit seit mehr als 200 Jahren.

Unter den neu übersetzten Sprachen befinden sich zum Beispiel die Sprache Sar im Tschad, Dioula in Burkina Faso, Lari in der Republik Kongo und Kono in Sierra Leone. Eine Bibelübersetzung ist das Ergebnis von jahrelanger, manchmal jahrzehntelanger Arbeit. Sie beinhaltet akademische Forschung, Rekrutierung und Zusammenstellung einer Übersetzergruppe, Zusammenarbeit mit Kirchen und Missionsorganisationen und die kontinuierliche Übersetzungsarbeit, die teilweise unter erschwerten Bedingungen stattfindet.

Im Weltbund der Bibelgesellschaften arbeiten 145 nationale Bibelgesellschaften zusammen. Zurzeit sind Übersetzer im Auftrag des Weltbundes oder nationaler Bibelgesellschaften in mehr als 650 Übersetzungsprojekten tätig. Die Übersetzungsarbeit des Weltbundes wird in Deutschland durch die Aktion Weltbibelhilfe, einer Initiative der Deutschen Bibelgesellschaft, gefördert.

Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart. “Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Bibel” nennt die Satzung als Aufgaben. Bei der Deutschen Bibelgesellschaft erscheinen die Lutherbibel im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Gute-Nachricht-Bibel. Zu den 700 Titeln des Verlages zählen außerdem wissenschaftliche Ausgaben, Hörbibeln, elektronische Medien, fremdsprachige Ausgaben und Kinderbibeln.

[Text: Veronika Ullmann. Quelle: Pressemitteilung Weltbibelhilfe. Bild: Archiv.]

Septuaginta erstmals ins Deutsche übersetzt

Legenden sind hartnäckig. So wird erzählt, dass im antiken Alexandria 72 jüdische Gelehrte die hebräische Bibel in 72 Tagen auf wundersame Weise gleichlautend ins Griechische übersetzt hätten. Bis heute erinnert der Name “Septuaginta” (das bedeutet: “siebzig”) an diese Legende. Die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments entstand um das Jahr 250 v. Chr. Sie ist die älteste bekannte Bibelübersetzung überhaupt.

Für das hellenistische Judentum und die Christen der ersten Jahrhunderte war die Septuaginta die Bibel, die sie in der Regel benutzten. Eine Reihe von theologischen Aussagen, so auch die von der Geburt Jesu durch eine Jungfrau (Matthäus 1,23), sind nur verständlich, wenn man die griechische Version des Alten Testaments kennt. Zudem ist die Septuaginta bis heute die Heilige Schrift der Orthodoxen Kirchen.

Trotzdem wurde sie bislang noch nie ins Deutsche übersetzt. Die Lutherbibel und alle ihre Nachfolger bis zur vieldiskutierten “Bibel in gerechter Sprache” hielten sich massgeblich an den hebräischen Text. Das hebräische Alte Testament bildet die Grundlage der Verständigung von Christentum und Judentum. Dennoch sollte nicht übersehen werden, dass die Übersetzung der Schriften Israels ins Griechische ebenfalls im antiken Judentum entstand.

Bei der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, erschien jetzt die erste deutsche Übersetzung der Septuaginta. Sie trägt den Titel “Septuaginta Deutsch” und ist damit nicht mehr nur Fachleuten vorbehalten, sondern einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich. An dem Übersetzungsprojekt, das seit 1999 von einer eigenen Arbeitsstelle koordiniert wurde, waren zeitweise bis zu 80 Personen beteiligt. Zu den Übersetzern gehörten evangelische, katholische und orthodoxe Christen, die ihre Übersetzungsfragen auch mit jüdischen Gelehrten diskutierten. So entstand ein die christlichen Konfessionen untereinander und mit dem Judentum verbindendes Projekt. Den in Deutschland lebenden orthodoxen Christen steht erstmals eine Ausgabe ihres Alten Testaments in deutscher Sprache zur Verfügung. Der “Septuaginta Deutsch”, die immerhin 1.500 Seiten umfasst, soll ein Doppelband mit wissenschaftlichen Erläuterungen zur griechischen Bibel folgen.

Bei der Vorstellung der “Septuaginta Deutsch” in Berlin betonte der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), dass mit der Übersetzung des griechischen Alten Testaments ins Deutsche es allen Interessierten möglich sei, “jüdische Dokumente aus der Zeit um die Geburt Jesu herum kennenzulernen, die für das beginnende Christentum von hoher Bedeutung waren”. Der Griechisch-Orthodoxe Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustionos (Bonn), hob hervor, dass die Septuaginta der Text des Alten Testaments gewesen sei, den Jesus und die Apostel benutzt hätten. Durch die nun vorliegende deutsche Übersetzung könnten hier lebende orthodoxe Christen einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift ihrer Kirche gewinnen.

Bischof Dr. Joachim Wanke (Erfurt), Vorsitzender der Pastoralkommission der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz sprach von einer “großen Übersetzungsleistung”. Er forderte auf, darüber nachzudenken, wie die Septuaginta in den Unterricht und das theologische sowie geisteswissenschaftliche Studium eingeführt werden könnte. Der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Jan-A. Bühner (Stuttgart), erinnerte daran, dass es in seinem Haus eine Tradition in der Herausgabe wissenschaftlicher Bibelausgaben gebe. So sei bereits 1898 das griechische Neue Testament erschienen. Später wären als Urtextausgaben das Alte Testament in Hebräisch, die griechische Septuaginta und die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel, gefolgt. “Mit der Septuaginta Deutsch kam eine weitere schöne Perle hinzu.”

“Ohne die großzügige Förderung vor allem der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Deutschen Bibelgesellschaft hätten wir die Übersetzung nie abschliessen können”, betonte Prof. Wolfgang Kraus (Saarbrücken), einer der beiden Hauptherausgeber.

Martin Karrer, Wolfgang Kraus (Hg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. ISBN 978-3-438-05122-6, 59,00 EUR, 98,80 CHF.

Ein sehr ausführlicher Artikel zur Septuaginta-Übersetzung ist soeben in der Tageszeitung Die Welt erschienen: Übersetzungsfehler machte Maria zur Jungfrau.

[Text: APD. Quelle: Pressemitteilung Adventistischer Pressedienst, 2009-01-30.]

Der Übersetzungsfehler von der “Jungfrau” Maria

Wegen diverser Ungereimtheiten in ihrer Lehre müssen Christen seit Jahrtausenden den Hohn und Spott von Heiden über sich ergehen lassen. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Maria, die als “Jungfrau” ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht haben soll. Dabei handelt es sich in diesem Fall schlicht und einfach um einen Übersetzungsfehler.

Die Tageszeitung Die Welt weist aus Anlass des Weihnachtsfestes darauf hin, dass dem Evangelisten Matthäus in seiner Weihnachtsgeschichte ein Fehler unterlaufen ist:

Das Jesaja-Zitat, das er zitiert, hatte er der Septuaginta entnommen. Das ist die erste griechische Version des Alten Testaments, etwa 300 Jahre vor Christus haben 72 Gelehrte in 72 Tagen das Mammutwerk geschaffen. Im Jesaja-Zitat war aber das hebräische Wort “almah” (junge Frau) versehentlich mit “parthenos” (Jungfrau) übersetzt worden.

Ganz ähnlich wird die Problematik im Online-Lexikon Wikipedia beschrieben:

Nach Jes 7,14 EU soll der Messias durch eine Jungfrauengeburt zur Welt gekommen sein, was vielleicht nur ein Missverständnis ist, da das griechische Wort parthenos sowohl Jungfrau im biologischen Sinne als auch einfach “junge Frau” bedeuten kann, und der hebräische Begriff ‘almah bezeichnet eine Frau vor der Geburt ihres ersten Kindes, was dem früheren Gebrauch des Wortes Magd im Deutschen nahe kommt.

Ist die Jungfräulichkeit Marias also ein Dogma? Eigentlich nicht. Selbst einer der größten katholischen Theologen der Gegenwart, Joseph Ratzinger (jetzt Papst Benedikt XVI.), schreibt in seiner Einführung in das Christentum: “Die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre.”

Link zum Thema im Übersetzerportal:
“Kamel” durchs Nadelöhr: einer von vielen Fehlern im christlichen Translation Memory

Bibel in 2.454 Sprachen übersetzt - 4.500 fehlen noch

Im Vatikan hat die Katholische Bibelföderation (KBF) auf einer Pressekonferenz neue Zahlen zum Übersetzungsstand der Bibel vorgelegt. Ihr Vorsitzender, Bischof Vincenzo Paglia erklärte, dass Bibeltexte derzeit in 2.454 verschiedenen Sprachen vorlägen. Die gesamte Bibel sei in 438 Sprachen übersetzt, das Neue Testament in 1.168 und einzelne Bücher wie die Psalmen oder Evangelien in 848 Sprachen. Nun warteten also nur noch rund 4.500 Sprachen darauf, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen, so der Bischof.

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