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Archiv der Kategorie Bibelübersetzung

Herder und Beck legen neue Koran-Übersetzungen vor

Zwischen zwei deutschen Verlagen tobt derzeit ein heftiger Wettstreit um den Koran: Wer ist mit seiner Übersetzung zuerst auf dem Markt? Und wem gelingt der Spagat zwischen philologischer Genauigkeit und leserfreundlicher Sprachgewandtheit besser? Zumindest zeitlich scheint das Rennen entschieden.

Mitte September kommt die Übersetzung des Freiburger Verlags Herder in die Buchläden, der Münchner C. H. Beck-Verlag zieht wenige Wochen später Ende Oktober nach. „Wir haben wahrgenommen, dass der Koran bei Herder im September erscheint“, lautet der knappe Kommentar bei Beck.

Dabei ist der Koran laut islamischer Theologie eigentlich unübersetzbar. Denn er gilt nur im arabischen Original als authentisch dokumentierte Fassung jener Eingebungen, die Gott dem Propheten Mohammed vor fast 1.400 Jahren offenbart haben soll. Deshalb lernen Muslime weltweit die Rezitation des Originals. Gleichwohl gab es seit frühesten Zeiten Übersetzungen. Eine deutsche Fassung lag erstmals um 1600 vor. Heute reicht die Spannbreite von polemisch abwertenden über romantisch verklärende Übersetzungen bis zur philologisch präzisen Übertragung von Rudi Paret von 1962.

Für den Beck-Verlag saß der Erlanger Arabist und Koranwissenschaftler Hartmut Bobzin seit mehr als zehn Jahren an seiner Neuübersetzung. Das Ziel: eine aktuelle Alternative zum Paret-Standardwerk. „Seit den 1960ern ist die Koranforschung weitergegangen. Außerdem arbeitet unsere neue Übersetzung die islamische Auslegungstradition der vergangenen Jahre ein“, sagt Lektor Ulrich Nolte. Und: Trotz wissenschaftlicher Genauigkeit und Fußnoten werde es einen sprachlich überzeugenden, gut lesbaren Text geben, so das Versprechen. Auch wenn, so der Lektor, der Koran an vielen Stellen nun einmal ein „sperriger, ein rauer Text“ bleibe. Ergänzend zur Textausgabe will Bobzin in den nächsten Jahren noch einen detaillierten Korankommentar vorlegen.

Karimi mit anderer Herangehensweise

Für Herder wählte der Philosoph und gläubige Muslim Ahmad Karimi eine andere Herangehensweise. Karimi besuchte als Jugendlicher einer Koranschule in Kabul und brachte die Faszination für den heiligen Text auf der Flucht vor den Taliban bis nach Deutschland mit. Er lernte Deutsch und übersetzte für sein Islamwissenschaftsstudium immer wieder einzelne Suren. Vor einem Jahr begann dann die intensive Übertragungsarbeit für Herder. „Ich versuche, für deutsche Leser ohne Arabischkenntnisse nachvollziehbar zu machen, warum der Koran ein solch atemberaubend schöner Text ist“, sagt Karimi.

Für den multikulturellen Intellektuellen ist der Koran ein Stück Universalpoesie mit enormer religiöser und emotionaler Kraft. Also versucht er, die Sprachbilder und Rhythmen des Originals, seine Gleichnisse und Bilder, aber auch die Brüche und Vieldeutigkeiten im Deutschen wiederzugeben. „Vielleicht klingt es am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber wer sich darauf einlässt, kann etwas von der Faszination verstehen.“ Erste Kritiker werfen ihm allerdings schon vor, die Form wichtiger als den Inhalt zu nehmen.

Gemeinsame Textgrundlage

Gemeinsam ist Karimi und Bobzin die Textgrundlage: Beide entschieden sich für die in der muslimischen Welt am weitesten verbreiteten Textfassung, den sogenannten Kairiner Koran, der erstmals in den 1920er Jahren von der Al-Azhar-Universität Kairo herausgegeben wurde. Es geht beiden nicht um Quellenkritik oder historische Verortung. Daran arbeitet gerade das international vielbeachtete Forschungsprojekt „Corpus Coranicum“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die unterschiedlichen Arbeitsweisen werden noch einmal bei den Zielgruppen der beiden Neuübersetzungen deutlich: Beck hat das Fachpublikum im Blick und hofft auf eine „interessierte Öffentlichkeit“ sowie die „Akzeptanz von muslimischer Seite.“ Karimi sagt, er wolle in Deutschland lebenden Muslimen die Schönheit des Koran näher bringen. Er ist davon überzeugt, dass die Poesie auch Nichtmuslime in den Bann zieht. Zu ihrer Startauflage wollten sich beide Verlage nicht äußern.

[Text: Volker Hasenauer, kna. Quelle: www.domradio.de. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.]

Neue Statistik: Bibeltexte liegen in 2479 Sprachen vor

Einzelne Bücher oder Teile der Bibel gibt es jetzt in 2479 Sprachen, die gesamte Bibel ist in 451 Sprachen übersetzt. Das teilte der Weltbund der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) in Reading/England jetzt in seinem aktuellen Scripture Language Report (Bibelsprachenbericht) mit.

Stichtag für diese Statistik war der 31. 12. 2008. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der übersetzten Vollbibeln um 13 erhöht, die Zahl der einzelnen übersetzten biblischen Bücher um 25. Die Bibel ist damit mit Abstand das am häufigsten übersetzte und am meisten verbreitete Buch der Welt.

Trotz der jährlich kontinuierlich steigenden Zahlen weist der Report auf die Relation hin, dass bei den geschätzten 6900 Sprachen weltweit nur 451 Sprachen eine komplette eigene Bibelübersetzung haben und 1158 Sprachen ein Neues Testament. Zwar hätten 95 Prozent der Weltbevölkerung die Bibel in einer Sprache zur Verfügung, die sie verständen, aber gerade beim Bibellesen könne der Text seine Leser in seiner ganzen Tiefe nur dann erreichen, wenn sie ihn in ihrer Muttersprache verstehen könnten. Die Botschaft der Bibel in allen Sprachen zugänglich und verständlich zu machen, sei die zentrale Aufgabe der Bibelgesellschaften weltweit seit mehr als 200 Jahren.

Unter den neu übersetzten Sprachen befinden sich zum Beispiel die Sprache Sar im Tschad, Dioula in Burkina Faso, Lari in der Republik Kongo und Kono in Sierra Leone. Eine Bibelübersetzung ist das Ergebnis von jahrelanger, manchmal jahrzehntelanger Arbeit. Sie beinhaltet akademische Forschung, Rekrutierung und Zusammenstellung einer Übersetzergruppe, Zusammenarbeit mit Kirchen und Missionsorganisationen und die kontinuierliche Übersetzungsarbeit, die teilweise unter erschwerten Bedingungen stattfindet.

Im Weltbund der Bibelgesellschaften arbeiten 145 nationale Bibelgesellschaften zusammen. Zurzeit sind Übersetzer im Auftrag des Weltbundes oder nationaler Bibelgesellschaften in mehr als 650 Übersetzungsprojekten tätig. Die Übersetzungsarbeit des Weltbundes wird in Deutschland durch die Aktion Weltbibelhilfe, einer Initiative der Deutschen Bibelgesellschaft, gefördert.

Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart. “Übersetzung, Herstellung und Verbreitung der Bibel” nennt die Satzung als Aufgaben. Bei der Deutschen Bibelgesellschaft erscheinen die Lutherbibel im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Gute-Nachricht-Bibel. Zu den 700 Titeln des Verlages zählen außerdem wissenschaftliche Ausgaben, Hörbibeln, elektronische Medien, fremdsprachige Ausgaben und Kinderbibeln.

[Text: Veronika Ullmann. Quelle: Pressemitteilung Weltbibelhilfe. Bild: Archiv.]

Septuaginta erstmals ins Deutsche übersetzt

Legenden sind hartnäckig. So wird erzählt, dass im antiken Alexandria 72 jüdische Gelehrte die hebräische Bibel in 72 Tagen auf wundersame Weise gleichlautend ins Griechische übersetzt hätten. Bis heute erinnert der Name “Septuaginta” (das bedeutet: “siebzig”) an diese Legende. Die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments entstand um das Jahr 250 v. Chr. Sie ist die älteste bekannte Bibelübersetzung überhaupt.

Für das hellenistische Judentum und die Christen der ersten Jahrhunderte war die Septuaginta die Bibel, die sie in der Regel benutzten. Eine Reihe von theologischen Aussagen, so auch die von der Geburt Jesu durch eine Jungfrau (Matthäus 1,23), sind nur verständlich, wenn man die griechische Version des Alten Testaments kennt. Zudem ist die Septuaginta bis heute die Heilige Schrift der Orthodoxen Kirchen.

Trotzdem wurde sie bislang noch nie ins Deutsche übersetzt. Die Lutherbibel und alle ihre Nachfolger bis zur vieldiskutierten “Bibel in gerechter Sprache” hielten sich massgeblich an den hebräischen Text. Das hebräische Alte Testament bildet die Grundlage der Verständigung von Christentum und Judentum. Dennoch sollte nicht übersehen werden, dass die Übersetzung der Schriften Israels ins Griechische ebenfalls im antiken Judentum entstand.

Bei der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, erschien jetzt die erste deutsche Übersetzung der Septuaginta. Sie trägt den Titel “Septuaginta Deutsch” und ist damit nicht mehr nur Fachleuten vorbehalten, sondern einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich. An dem Übersetzungsprojekt, das seit 1999 von einer eigenen Arbeitsstelle koordiniert wurde, waren zeitweise bis zu 80 Personen beteiligt. Zu den Übersetzern gehörten evangelische, katholische und orthodoxe Christen, die ihre Übersetzungsfragen auch mit jüdischen Gelehrten diskutierten. So entstand ein die christlichen Konfessionen untereinander und mit dem Judentum verbindendes Projekt. Den in Deutschland lebenden orthodoxen Christen steht erstmals eine Ausgabe ihres Alten Testaments in deutscher Sprache zur Verfügung. Der “Septuaginta Deutsch”, die immerhin 1.500 Seiten umfasst, soll ein Doppelband mit wissenschaftlichen Erläuterungen zur griechischen Bibel folgen.

Bei der Vorstellung der “Septuaginta Deutsch” in Berlin betonte der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), dass mit der Übersetzung des griechischen Alten Testaments ins Deutsche es allen Interessierten möglich sei, “jüdische Dokumente aus der Zeit um die Geburt Jesu herum kennenzulernen, die für das beginnende Christentum von hoher Bedeutung waren”. Der Griechisch-Orthodoxe Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustionos (Bonn), hob hervor, dass die Septuaginta der Text des Alten Testaments gewesen sei, den Jesus und die Apostel benutzt hätten. Durch die nun vorliegende deutsche Übersetzung könnten hier lebende orthodoxe Christen einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift ihrer Kirche gewinnen.

Bischof Dr. Joachim Wanke (Erfurt), Vorsitzender der Pastoralkommission der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz sprach von einer “großen Übersetzungsleistung”. Er forderte auf, darüber nachzudenken, wie die Septuaginta in den Unterricht und das theologische sowie geisteswissenschaftliche Studium eingeführt werden könnte. Der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Jan-A. Bühner (Stuttgart), erinnerte daran, dass es in seinem Haus eine Tradition in der Herausgabe wissenschaftlicher Bibelausgaben gebe. So sei bereits 1898 das griechische Neue Testament erschienen. Später wären als Urtextausgaben das Alte Testament in Hebräisch, die griechische Septuaginta und die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel, gefolgt. “Mit der Septuaginta Deutsch kam eine weitere schöne Perle hinzu.”

“Ohne die großzügige Förderung vor allem der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Deutschen Bibelgesellschaft hätten wir die Übersetzung nie abschliessen können”, betonte Prof. Wolfgang Kraus (Saarbrücken), einer der beiden Hauptherausgeber.

Martin Karrer, Wolfgang Kraus (Hg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. ISBN 978-3-438-05122-6, 59,00 EUR, 98,80 CHF.

Ein sehr ausführlicher Artikel zur Septuaginta-Übersetzung ist soeben in der Tageszeitung Die Welt erschienen: Übersetzungsfehler machte Maria zur Jungfrau.

[Text: APD. Quelle: Pressemitteilung Adventistischer Pressedienst, 2009-01-30.]

Der Übersetzungsfehler von der “Jungfrau” Maria

Wegen diverser Ungereimtheiten in ihrer Lehre müssen Christen seit Jahrtausenden den Hohn und Spott von Heiden über sich ergehen lassen. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Maria, die als “Jungfrau” ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht haben soll. Dabei handelt es sich in diesem Fall schlicht und einfach um einen Übersetzungsfehler.

Die Tageszeitung Die Welt weist aus Anlass des Weihnachtsfestes darauf hin, dass dem Evangelisten Matthäus in seiner Weihnachtsgeschichte ein Fehler unterlaufen ist:

Das Jesaja-Zitat, das er zitiert, hatte er der Septuaginta entnommen. Das ist die erste griechische Version des Alten Testaments, etwa 300 Jahre vor Christus haben 72 Gelehrte in 72 Tagen das Mammutwerk geschaffen. Im Jesaja-Zitat war aber das hebräische Wort “almah” (junge Frau) versehentlich mit “parthenos” (Jungfrau) übersetzt worden.

Ganz ähnlich wird die Problematik im Online-Lexikon Wikipedia beschrieben:

Nach Jes 7,14 EU soll der Messias durch eine Jungfrauengeburt zur Welt gekommen sein, was vielleicht nur ein Missverständnis ist, da das griechische Wort parthenos sowohl Jungfrau im biologischen Sinne als auch einfach “junge Frau” bedeuten kann, und der hebräische Begriff ‘almah bezeichnet eine Frau vor der Geburt ihres ersten Kindes, was dem früheren Gebrauch des Wortes Magd im Deutschen nahe kommt.

Ist die Jungfräulichkeit Marias also ein Dogma? Eigentlich nicht. Selbst einer der größten katholischen Theologen der Gegenwart, Joseph Ratzinger (jetzt Papst Benedikt XVI.), schreibt in seiner Einführung in das Christentum: “Die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre.”

Link zum Thema im Übersetzerportal:
“Kamel” durchs Nadelöhr: einer von vielen Fehlern im christlichen Translation Memory

Bibel in 2.454 Sprachen übersetzt - 4.500 fehlen noch

Im Vatikan hat die Katholische Bibelföderation (KBF) auf einer Pressekonferenz neue Zahlen zum Übersetzungsstand der Bibel vorgelegt. Ihr Vorsitzender, Bischof Vincenzo Paglia erklärte, dass Bibeltexte derzeit in 2.454 verschiedenen Sprachen vorlägen. Die gesamte Bibel sei in 438 Sprachen übersetzt, das Neue Testament in 1.168 und einzelne Bücher wie die Psalmen oder Evangelien in 848 Sprachen. Nun warteten also nur noch rund 4.500 Sprachen darauf, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen, so der Bischof.

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