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Archiv der Kategorie Bücher

Peter Bürger dokumentiert mit seinem Lexikon die sauerländische Mundart

Im reypen KorenDas Nachschlagewerk des Esloher Museums mit dem Titel “Im reypen Koren” (”Im reifen Korn”, Bild)  lehnt sich an das Gedicht “Wachteln” von Christiane Koch (1869-1951), einer Lyrikerin sauerländischer Mundart aus Eslohe. Dort heißt es: “Im Koren, im reypen Koren, Sin vey junk un gräot woren: Het jeden Dag sat giäten, Un in der Swumske siäten, Het kuiern lohrt un singen” (”Im Korn, im reifen Korn, sind wir jung und groß geworden: Haben uns jeden Tag satt gegessen, und in der Schaukel gesessen, haben sprechen gelernt und singen”).

Peter Bürger gewährt auf knapp 800 Seiten mit mehr als 900 Einträgen einen Einblick in Menschen, Werke und Initiativen und somit in regionale Zeugnisse der plattdeutschen Sprache im Raum Südwestfalen, d.h. von Meschede über Warstein und Soest bis nach Lüdenscheid und Lennestadt.

Bei der sprachlichen Varietät “Platt” handelt es sich um eine Umgangssprache der Sauerländer. Doch leider gehen mit dem Aussterben des Siuerlänner Platts, des Sauerländer Platts, wichtige Quellen zur regionalen Geschichte verloren.

Innerhalb von 15 Jahren, in denen der Autor Bibliotheken auf verschwundene Bücher durchsuchte, Tonträgersammlungen und Zeitschriftenbestände durchforstete und Nachlasse von den sog. “kleinen Dichtern” vor dem Verbrennen rettete, erarbeitete er eine Bestandsaufnahme von Sprachzeugnissen des vielfältigen Kulturphänomens des plattdeutschen Schreibens im Sauerland.

Die kritische Beleuchtung des “Heimatideologen” macht das Werk zu einer wertvollen Quelle für die Erforschung der geschichtlichen Hintergründe und der regionalen Sprachgeschichte.

Zur Person Peter Bürger
Peter BürgerDer linkskatholische Publizist und sauerländische Mundartforscher (Bild) hat im Jahr 1988 das Christine-Koch-Mundartarchiv am Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe mitbegründet sowie die Herausgabe einer Werkausgabe der sauerländischen Mundartlyrikerin Christine Koch initiiert. Der Fundus soll allerdings kein Friedhof für tote Sprachen werden, weshalb dieser durch etliche Veröffentlichungen erschlossen wird.

Das Werk
Peter Bürger: Im reypen Koren. Ein Nachschlagewerk zu Mundartautoren, Sprachzeugnissen und plattdeutschen Unternehmungen im Sauerland und in angrenzenden Gebieten. Eslohe: Maschinen- und Heimatmuseum, 2010. (768 Seiten). ISBN 978-3-00-022810-0.

Weiterführende Links

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.sauerlandmundart.dewww.wa.de, 24.08.2010. Bild: Maschinen- und Heimatmuseum, Wikipedia.]

“Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Studie zur Sprachmittlung im Krankenhaus

Ich darf nix sagen, ich bin bloß der DolmetscherAnja Ausserhofer hat eine empirische Untersuchung zum Thema “Dolmetschen im Krankenhaus” durchgeführt. Untersuchungsgegenstand ist eine Diabetikerschulung im Krankenhaus Graz, an der mehrere Patientinnen aus Österreich und ein Tunesier, für den ein professioneller Dolmetscher hinzugezogen wurde, teilnahmen.

Das Buch umfasst drei Teile: Im ersten Teil wird ein allgemeiner Überblick über das medizinische Dolmetschen gegeben, wobei hier vor allem auf Themen wie Kinder als Dolmetscher, Laiendolmetscher vs. professionelle Dolmetscher und die verschiedenen Rollenprofile von Dolmetschern eingegangen wird. Der zweite Teil der Arbeit beinhaltet einen Forschungsüberblick über das medizinische Dolmetschen und im dritten Teil der Arbeit wird die eigentliche Untersuchung mit Hauptaugenmerk auf die Rolle des Dolmetschers vorgestellt.

Das Buch richtet sich an all jene, die sich einen Einblick in das medizinische Dolmetschen verschaffen wollen. Besonders wird hier das spezielle Dolmetschsetting berücksichtigt, bei dem nicht nur Arzt, Patient und Dolmetscher am Gespräch teilnehmen, sondern gleich mehrere Personen; aber nur für einen Teilnehmer wird gedolmetscht.

Anja Ausserhofer (2010): “Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Dolmetschen im Krankenhaus. Eine empirische Untersuchung. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller. 120 Seiten, 49,00 Euro, ISBN 978-3639243963.

[Text: VDM. Quelle: VDM. Bild: VDM.]

Von simultanfähigen Terminologiesystemen, Benennungsteppichen und eskalierenden Semwolken

Jenseits simultanfähiger TerminologiesystemeIn seiner Dissertation entwickelt Christoph Stoll aus in der Praxis beobachteten Arbeitsverfahren ein Modell der Vorverlagerung von Kognition aus der Phase des Simultandolmetschens in die der Vorbereitung: Analog zum Konsekutivdolmetschen werden Texte in der Vorbereitungsphase verstanden, strukturiert und das Ergebnis fixiert oder dem Gedächtnis anvertraut. Die Ergebnisse des so vorgeleisteten Denkaufwandes der Dolmetschstrategien, der Analyse und Segmentierung der Syntax und Argumentationsstruktur von Redemanuskripten, der Wissensaktivierung sowie der Terminologie wird beim Simultandolmetschen abgerufen, wodurch sich die freie, verfügbare Konzentration erhöht.

Der Autor stellt einen detaillierten Arbeitsablauf professioneller Konferenzdolmetscher vor, Methoden der Lexikographie und Verifikation sowie der wortfeldbasierten, konzeptorientierten Terminologieverwaltung, bei der auch Termini vorbereitet werden, die nicht in den Manuskripten vorkommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch bei der Konferenz. Es entsteht ein flächendeckender Benennungsteppich für das Fachgebiet. Dabei helfen Techniken wie ContentMaps, eskalierende Semwolken und mehrdimensionale semantische Felder. Die richtigen Sichtvorlagen und Tools für die Kabine sowie hochleistungsfähige Mnemotechnik unterstützen dabei die Qualität der Arbeit.

Ziel der Untersuchung ist die Neuordnung und Automatisierung der Arbeitsverfahren beim professionellen Konferenzdolmetschen durch die Entwicklung eines onomasiologischen, offenen CAI-Systems auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Modellierung des gesamten Dolmetschprozesses inklusive der Vorbereitungsphase - einer Conference Interpreter’s Workbench, die in allen Phasen des Arbeitsablaufes im Push-Prinzip Informationen vorselektiert, strukturiert anbietet und dadurch viele Arbeitsschritte vereinfacht.

Der Band kann als Anleitung zur Vorbereitung von Dolmetscheinsätzen Verwendung finden, als Anknüpfpunkt für Forscher und Entwickler, sowie als Einblick in die aktuelle Praxis und Zukunft des Dolmetschens bei anspruchsvollen Fachkongressen.

Christoph Stoll (2009): Jenseits simultanfähiger Terminologiesysteme - Methoden der Vorverlagerung und Fixierung von Kognition im Arbeitsablauf professioneller Konferenzdolmetscher. Trier: WVT. 342 Seiten, 33,50 Euro, ISBN 978-3-86821-186-3.

[Text: WVT Verlag.]

Simultandolmetschen in Erstbewährung: Der Nürnberger Prozess 1945

Simultandolmetschen in ErstbewährungDer Nürnberger Prozess 1945 der Siegermächte gegen die Kriegsverbrecher des nationalsozialistischen Deutschlands bietet als eine kulturgeschichtlich erstmalige Leistung der Völkergemeinschaft nicht nur hinreichende Möglichkeiten für juristische, philosophische, ethische, theologische, kulturkritische, historische oder soziologische Reflexionen. Das Buch Simultandolmetschen in Erstbewährung: Der Nürnberger Prozess 1945 bringt die dolmetscherischen Fertigkeiten, die einen zügigen und angemessen funktionierenden Prozessverlauf erst ermöglicht haben, in den Fokus des Interesses: Sprachliche Herausforderungen, kulturelle Spezifika, technisches Können, sprachlich-emotionaler Ausgleich zwischen den Interessengruppen, Verantwortung vor den Parteien im Gericht, Sachkenntnisse und fachliche Eignung zu den Themen, Kompetenz im Simultandolmetschen waren unabdingbare Voraussetzungen dafür. Das Simultandolmetschen steht hier mit der Bürde und Würde seiner prinzipiellen Verantwortung in der forensischen Dolmetschsituation – einem Weltgericht seiner Zeit – vor seiner Erstbewährung.

Das Buch, entstanden anlässlich eines Symposiums im November 2007 zum 120. Jahrestag der Ausbildung in translatorischen Fertigkeiten an der Berliner Universität, der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin, bietet dazu einen umfassenden inhaltlichen Zugang.

Hartwig Kalverkämper, Larisa Schippel (Hg., 2008): Simultandolmetschen in Erstbewährung: Der Nürnberger Prozess 1945. Mit einer orientierenden Einführung von Karl Kastner und einer kommentierten fotografischen Dokumentation von Theodorus Radisoglu sowie mit einer dolmetschwissenschaftlichen Analyse von Katrin Rumprecht. Berlin: Frank & Timme. 336 Seiten, 19,80 Euro. ISBN: 978-3-86596-161-7.

[Text: Frank & Timme. Bild: Frank & Timme.]

RaDT empfiehlt drei Neuerscheinungen zur Terminologiearbeit

Im April 2010 sind gleich drei empfehlenswerte Publikationen zum Thema Terminologie erschienen:

  • tekom-Studie «Erfolgreiches Terminologiemanagement im Unternehmen»
  • Best-Practice-Ordner Terminologiearbeit des Deutschen Terminologie-Tages (DTT)
  • Wirtschaftspapier des Rates für Deutschsprachige Terminologie (RaDT) mit dem Titel «Wissen, Marken, Kundenbindung – Kritischer Erfolgsfaktor Terminologie»

Die drei Werke beleuchten unterschiedliche Aspekte der Terminologie und wenden sich an ein jeweils anderes Zielpublikum. Alle drei verfolgen jedoch dasselbe Ziel: die Förderung der Terminologiearbeit.

Die tekom-Publikation ist Praxishilfe und Leitfaden zugleich: In der Studie sind die Ergebnisse einer Online-Umfrage zur praktischen Terminologiearbeit in 1000 Unternehmen zu finden; sie umfasst aber auch die wichtigsten Grundlagen der Terminologielehre, befasst sich mit den klassischen Terminologieproblemen in Unternehmen und erläutert in einem Vorgehensmodell die Kosten-Nutzen-Analyse für Terminologiearbeit. Ausserdem werden die Funktionalitäten von Terminologiewerkzeugen beschrieben und 16 Terminologiewerkzeuge verglichen. [297 Seiten, inkl. CD; ISBN:978-3-9812683-1-7; 260 Euro]
Ausführliche Informationen zur Publikation auf der tekom-Website.

Der Best-Practice-Ordner Terminologiearbeit des DTT umfasst sechs in sich abgeschlossene Module, in denen alle Aspekte der Terminologiearbeit durchleuchtet werden: die theoretischen Grundsätze und Methoden, die Prozesse, die Ausbildung, die Werkzeuge, die Regeln zur Bildung guter Benennungen und – in dieser Form neu – ein Argumentarium, anhand dessen man die richtigen Argumente für die Terminologie findet. Die sechs Module sind über den Zeitraum von zwei Jahren in sechs Arbeitsgruppen erarbeitet worden, die aus Vertretern der Praxis und der Lehre zusammengesetzt waren. [A4-Ordner, ISBN 978-3-9812245-1-1; 50 Euro]
www.dttev.org

Das Wirtschaftspapier des RaDT beleuchtet die Bedeutung der Terminologie aus Managersicht: Terminologie spielt eine grosse Rolle im Zusammenhang mit Wissensmanagement, Markenbildung und Markenwahrung sowie Kundenpflege und Kundenbindung. Der Text ist während der letzten sieben RaDT-Sitzungen entstanden und möchte bewusst nicht mit der Terminologie ins Haus fallen, sondern über die drei Bereiche Wissen, Marken und Kunden dazu herleiten, was speziell die Entscheidungsträger ansprechen dürfte. [12 Seiten, kostenloser PDF-Download]
www.radt.org

Die drei Publikationen ergänzen einander und liefern alle nötigen Antworten für jene, die sich in irgendeiner Weise mit Terminologie befassen, diese ausüben und fördern möchten.

[Text: Donatella Pulitano, Vorsitzende des RaDT, Staatskanzlei des Kantons Bern, Zentraler Terminologiedienst.]

BDÜ veröffentlicht neuen Honorarspiegel für Übersetzungen und Dolmetschdienste

BDÜ-HonorarspiegelDer neue Honorarspiegel des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) ist erschienen: Er enthält Honorartabellen für Übersetzungsleistungen in 50 Sprachrichtungen, Korrekturleistungen in 13 Sprachen und Dolmetschleistungen in 20 Sprachkombinationen. Die Zahlen des Honorarspiegels beruhen auf einer branchenweiten Honorarumfrage des Verbandes im vergangenen Juni, mit der die in Deutschland erzielten Honorare aus dem Jahr 2008 erfasst wurden. An der Umfrage beteiligten sich über 1.200 freiberufliche Dolmetscher und Übersetzer sowie Übersetzungsunternehmen.

Das von der Umfrage abgedeckte Marktvolumen beläuft sich auf über 58 Millionen Euro. Damit ist dies die größte und aktuellste Umfrage in der deutschen Übersetzungsbranche. Der BDÜ führt seit 2008 jährlich im Juni eine Honorarumfrage durch. Mit der Publikation der Umfrageergebnisse will der Verband Transparenz in einem unübersichtlichen Markt schaffen.

“Die Honorare für Übersetzungen in den Hauptsprachrichtungen sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf bis sechs Prozent gestiegen”, erläutert Wolfram Baur, Geschäftsführer der BDÜ Service GmbH, die den Honorarspiegel verlegt. So sei beispielsweise das durchschnittliche Honorar für Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche für Direktkunden in Wirtschaft und Industrie von 1,27 Euro auf 1,34 Euro pro Zeile gestiegen. Die Tages- und Stundensätze für Dolmetschleistungen hätten ebenfalls deutlich zugelegt.

Baur: “Der Honorarspiegel liefert wichtige Informationen für Übersetzer, Dolmetscher und deren Auftraggeber, die jetzt zum Jahresanfang neue Honorarsätze aushandeln.” Im Schlussteil der 90-seitigen Broschüre stehen ergänzend dazu detaillierte Erläuterungen und Modellrechnungen zur Honorarkalkulation, Musterauftragsbedingungen für
Übersetzungsleistungen und Empfehlungen für die Zusammenarbeit zwischen Übersetzern und Übersetzungsdienstleistern.

Der “Honorarspiegel für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen in der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2008″ kostet 15,00 Euro. Interessierte können ihn
über den Buchhandel erwerben oder direkt über die BDÜ-Website unter www.publikationen.bdue.de bestellen.

BDÜ Service GmbH
Die BDÜ Service GmbH, die den Honorarspiegel verlegt und vertreibt, wurde vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) im Jahr 2003 gegründet, um die wirtschaftlichen Aktivitäten des Bundesverbandes auszuführen. Das Leistungsspektrum der BDÜ Service GmbH umfasst unter anderem die Organisation und Durchführung berufsbezogener Seminare und Fachkonferenzen, den Vertrieb branchenspezifischer Publikationen sowie werbeunterstützende Maßnahmen für Mitglieder des BDÜ (www.bdue.de).

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2010-01-12. Bild: BDÜ.]

Jacquy Neff: Dolmetschwissenschaftliche Studie zu Deutsch als Konferenzsprache

Deutsch als KonferenzspracheDie Stellung des Deutschen als internationale Konferenzsprache ist in der interkulturellen Germanistik und der deutschen Soziolinguistik eine noch weitgehend unerforschte Domäne. Auch die Dolmetschwissenschaft als Teilbereich der noch relativ jungen Translationswissenschaft hat dieses Forschungsfeld noch nicht bestellt.

Jacquy Neff, Dozent am FTSK Germersheim, möchte diese doppelte Lücke schließen und beschäftigt sich mit Stand und Entwicklungsperspektive der deutschen Sprache als Konferenzsprache an der Schwelle des 21. Jahrhunderts im Untersuchungsgebiet der Europäischen Union vor der letzten Erweiterung.

Neff benutzt den neuartigen Ansatz der kontrastiven ökoskopischen Betrachtung der Nachfrage nach Deutsch und des Angebotes an Dolmetscherdienstleistungen mit Deutsch im europäischen Konferenzgeschehen. Anhand einer Untersuchungsreihe von 1998 bis 2003 bei über 19.000 Veranstaltern von Konferenzen und 3.300 Konferenzdolmetscher analysiert der Autor wichtige Indikatoren zur Standortbestimmung des Deutschen relativ zu anderen Konferenzsprachen.

Zu diesen Indikatoren gehören konferenztypische Parameter (Art und Dauer von Veranstaltungen, Sprach- und Fachgebietsangebote, Dolmetschmodi), marktrelevante Daten (Stratifizierung und Typologisierung von Konferenzveranstalter, Markteinteilung, Auftragspotenzial für Konferenzdolmetscher mit Deutsch), sprachspezifische Aspekte (Sprachenangebot in Aktiv- und Passivsprachen, Sprachkombinationen) sowie dolmetscherbezogene Daten (Zusammensetzung der beruflichen Tätigkeit, Auftragspotenziale u.v.m.). Eine prospektive Sicht der Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Sprache für das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts rundet das Bild ab.

Das Zusammenführen der Ergebnisse aus den Befragungen beider Marktakteure sowie eine eingehende Betrachtung großer Abnehmergruppen (Internationale Organisationen, EU-Institutionen, Ministerien und Verwaltungen, Verbände, Vereine und Gewerkschaften, Wirtschaftssektoren etc.) in ihrer historischen Bedarfsentwicklung an Konferenzsprachen ermöglichte das Herausarbeiten einer Reihe von Determinanten und Entwicklungsfaktoren für die zukünftige Stellung der deutschen Sprache in dieser Anwendungsdomäne.

Auf dieses Buch haben wir gewartet! Es schließt eine Lücke in der Dolmetschwissenschaft wie auch der interkulturellen Germanistik bzw. deutschen Soziolinguistik und wendet sich somit an Leser, die an diesen Forschungsgebieten ein besonderes Interesse haben oder in ihnen selbst wissenschaftlich tätig sind. Vielmehr noch als diesen Personenkreis sollte es aber diejenigen erreichen, die selbst in der Praxis des Konferenzdolmetschens stehen und sich Gedanken über ihre Zukunft auf dem Markt machen, und vor allem auch diejenigen, die Verantwortung tragen für die Ausbildung der nachfolgenden Dolmetschergeneration und tunlichst Sorge tragen sollten, nicht am tatsächlichen Bedarf vorbei auszubilden.  (MDÜ 5/2009)

[…] der Elsässer Neff kann aus dem „Innenleben” der Kommission berichten, bei der er selbst als Dolmetscher tätig war und aus der ihm umfassende Angaben und Statistiken der Dolmetscher-Abteilungen der meisten europäischen Institutionen vorlagen. Neff, heute als Dozent im Fachbereich Dolmetscherausbildung der Universität Mainz in Germersheim tätig, trägt auf 689 Seiten eine fast erdrückende Fülle an Material und Zahlen zur Situation des Deutschen als Konferenzsprache in den europäischen Institutionen, Organisationen, Verbänden, Stiftungen und Bildungswerken zusammen. […] Neffs umfassende Untersuchung ist für jeden, der die Stellung der deutschen Sprache in europäischen Gremien in allen Verästelungen erfassen will, unverzichtbar. (Sprachnachrichten 03/2009)

Jacquy Neff (2007): Deutsch als Konferenzsprache in der Europäischen Union. Eine dolmetschwissenschaftliche Untersuchung. Hamburg: Dr. Kovac. 692 Seiten, mit CD, 98,00 Euro, ISBN 978-3-8300-3235-9.

[Text: Verlag Dr. Kovac. Quelle: Verlag Dr. Kovac. Bild: Verlag Dr. Kovac.]

Tagungsband “Übersetzen in die Zukunft”: aktuelle Beiträge zum Branchengeschehen auf 582 Seiten

BDÜ-KonferenzDer Tagungsband Übersetzen in die Zukunft enthält die Beiträge der gleichnamigen internationalen Fachkonferenz, die der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) vom 11. bis 13. September 2009 in Berlin ausgerichtet hat. Fachleute aus den Bereichen Übersetzen und Dolmetschen, Wissenschaftler, Juristen, Betriebswirtschaftler und Berater analysieren in ihren Beiträgen veränderte Arbeitsbedingungen, Berufsprofile und Perspektiven der Branche.

Die sieben Themenschwerpunkte der Konferenz spiegeln die Hauptinhalte wider:

  • Auswirkungen der Globalisierung auf den Übersetzungs- und Dolmetschmarkt
  • Neue Berufsprofile, neue Perspektiven
  • Neue Herausforderungen beim Übersetzen 
  • Neue Herausforderungen beim Dolmetschen 
  • Neue Technologien 
  • Ausbildung heute 
  • Neue Anforderungen an die Berufsverbände

Aufgrund der internationalen Ausrichtung der Konferenz stammen die Beiträge von Freiberuflern, Entscheidungsträgern und führenden Fachleuten aus der ganzen Welt ‒ mit vielfältigen Visionen zur multikulturellen Kommunikation, Gestaltung und Qualitätssicherung der Dienstleistung Übersetzen und Dolmetschen. Aufgrund der unterschiedlichen Blickwinkel sind die Beiträge für Dienstleister in allen Ausprägungen in der freien Wirtschaft und in Institutionen im deutschsprachigen Raum wie auch im Ausland wertvoll.

W. Baur, S. Kalina, F. Mayer, J. Witzel (Hg.): Übersetzen in die Zukunft. Herausforderungen der Globalisierung für Dolmetscher und Übersetzer. Tagungsband der internationalen Fachkonferenz des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) in Berlin, 11.-13.09.2009. Verlegt vom BDÜ, Berlin, 2009. 582 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3-938430-24-8.

Online-Bestellung unter www.bdue.de > Publikationen.

[Text: BDÜ. Bild: Christof Rieken.]

Paul Kußmaul: Übersetzen - nicht leicht gemacht

Von den zahlreichen Aufsätzen Paul Kußmauls wurden für den Band Übersetzen - nicht leicht gemacht diejenigen ausgewählt, die in charakteristischer Weise seine wissenschaftliche Entwicklung aufzeigen. Die ersten beiden der in chronologischer Folge abgedruckten Aufsätze orientieren sich noch an textlinguistischen und kontrastiven Fragestellungen und behandeln vor allem Normen und Konventionen. In den darauf folgenden Aufsätzen spielt die Frage nach Ziel und Zweck (Funktion) einer Übersetzung eine zunehmend wichtige Rolle, wobei die kulturelle Einbettung ein zentraler Gesichtspunkt ist.

Durch seine Rezensionen von “Klassikern” der Übersetzungswissenschaft lenkt Paul Kußmaul den Blick auf ähnliche Richtungen in dieser Wissenschaft. Seine Aufsätze begnügen sich nicht mit einer allgemeinen Beschreibung des funktionalen Rahmens, sondern gehen ins Detail der Übersetzungsarbeit, wobei linguistische Modelle, vor allem der Semantik, als theoretische Grundlage dienen. Besonders die kognitive Semantik ist dabei die Basis für die gegen Ende des Bandes thematisierten Verstehensprozesse, die zu kreativen Übersetzungen führen können.

Übersetzen, dies zeigt sich in allen Aufsätzen, wird nicht als mechanisierbarer Vorgang gesehen, sondern als Reflexionsprozess. Durch die Lektüre der Aufsätze wird das Übersetzen nicht leichter gemacht, aber die Chance besteht, dass es dadurch besser wird.

Aus dem Inhalt:

  • Entwicklung miterlebt
  • Die Bedeutung von Texttypen, Normentsprechungen und Normabweichungen für das Übersetzen
  • Kommunikationskonventionen in Textsorten am Beispiel deutscher und englischer geisteswissenschaftlicher Abhandlungen. Ein Beitrag zur deutsch-englischen Übersetzungstechnik
  • 1984 - endlich Kunst statt Kolportage
  • Rezension Katharina Reiß / Hans J. Vermeer: Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie, (Linguistische Arbeiten 147), Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1984
  • Übersetzen als Entscheidungsprozess. Die Rolle der Fehleranalyse in der Übersetzungsdidaktik
  • Wie viel Linguistik braucht ein Übersetzer?
  • Übersetzen - aber nicht ins Blaue hinein
  • Rezension Mary Snell-Hornby: Translation studies: an integrated approach, Amsterdam: John Benjamins 1988
  • Die Rolle der Kultur in der Übersetzungswissenschaft und in der Übersetzerausbildung
  • Empirische Grundlagen für eine Übersetzungsdidaktik: Kreativität im Übersetzungsprozess
  • Zur Relevanz einiger Semantikmodelle für die Übersetzung
  • Rezension Gideon Toury: Descriptive Translation Studies and beyond, Amsterdam: John Benjamins 1995
  • Rezension Ulrich Kautz: Handbuch Didaktik des Übersetzens und Dolmetschens, München: Iudicium 2000
  • Übersetzen, Verstehen und Kognitionslinguistik
  • Rezension Don Kiraly: A Social Constructivist Approach to Translator Education: Empowerment from Theory to Practice, Manchester: St. Jerome Publishing 2000

Paul Kußmaul wurde 1939 in Stuttgart geboren. Von 1959 bis 1965 studierte er in Tübingen, Newcastle und München Anglistik und Germanistik. Er promovierte 1971 an der Universität Bristol über Bertolt Brecht und das englische Drama der Renaissance. Seitdem arbeitete er am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim. Für den DAAD war er zwischen 1984 und 1997 als Dozent für Übersetzungswissenschaft an Universitäten in Jordanien, Indien, Indonesien, Thailand, China, Argentinien und in der Türkei tätig. Paul Kußmaul ist Gründungsmitglied der European Society for Translation Studies (EST) sowie Mitglied der Beiräte der im Stauffenburg-Verlag in Tübingen erscheinenden Studien zur Translation und der Zeitschrift für Translatologie - Universität Istanbul. Seit 2005 ist Paul Kußmaul pensioniert.

Paul Kußmaul (2009): Übersetzen - nicht leicht gemacht. Beiträge zur Translation. Berlin: Saxa. 174 Seiten, 31,90 Euro, ISBN 978-3-939060-23-9.

[Text: Saxa Verlag. Bild: Saxa Verlag.]

Österreich: Das Recht der Sachverständigen und Dolmetscher

Das Berufsrechts-Änderungsgesetz 2008 brachte in Österreich in vielen Bereichen des Sachverständigen- und Dolmetscherwesens einschneidende Änderungen.

In seinem Buch Das Recht der Sachverständigen und Dolmetscher liefert Dr. Dietmar Dokalik eine konsolidierte Fassung des Sachverständigen- und Dolmetschergesetzes (SDG) und des Gebührenanspruchsgesetzes (GebAG) nach der Novellierung durch das Berufsrechts-Änderungsgesetz 2008. Das Buch verschafft einen Überblick über all jene Regeln, die Sachverständige und Dolmetscher kennen müssen, und erleichtert in der Praxis der Gerichte und Staatsanwaltschaften ein rasches Zurechtfinden in der Materie.

Alle Erläuterungen der Novellen 2004 und 2008 sind eingearbeitet, ebenso wie Anmerkungen, Rechtsprechungs-Hinweise und die wesentlichen Erlässe des Bundesministeriums für Justiz. Weiterhin enthält das Buch alle einschlägigen Bestimmungen der Verfahrensrechte, insbesondere der StPO in der Fassung des Strafprozessreformgesetzes, der ZPO, des Außerstreitgesetzes und des AVG, sowie den Standesregeln.

Das Werk ist somit eine übersichtliche Darstellung des Gesetzestextes samt Nebengesetzen und überaus hilfreich für die praxisbezogene Umsetzung. Die prägnante Formulierung sorgt für eine leichte Verständlichkeit.

Der Autor Dr. Dietmar Dokalik ist Richter in Wien und derzeit dem Bundesministerium für Justiz zugeteilt.

Dietmar Dokalik (2008): Das Recht der Sachverständigen und Dolmetscher. SDG und GebAG in der Fassung des Berufsrechts-Änderungsgesetzes 2008. Mit Materialien, Ergänzungen und ergänzenden Vorschriften. Wien: Linde. 164 Seiten, 28 Euro. ISBN 978-3-7073-1278-2.

[Text: Linde Verlag. Bild: Linde Verlag. ]