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Archiv der Kategorie Deutsche Sprache
Focus: Wissenstest zur deutschen Sprache
18.5.2012 von Jessica Antosik.
Nicht nur diejenigen, die die deutsche Sprache von Null auf lernen verzweifeln an den Grammatik- und Rechtschreibregeln. Auch deutsche Muttersprachler kommen oftmals ins Grübeln. Tragen wir das gleiche oder dasselbe Kleid? Treffen wir uns im August diesen oder dieses Jahres? Welche Version ist korrekt: In 100 Meter oder in 100 Metern Entfernung?
Auf focus.de kann man diesbezüglich sein Wissen in einem Quiz testen. Auf Grundlage des Buches der Duden-Redaktion Allgemeinbildung – Testen Sie Ihr Deutsch! wurden 20 Fragen zusammengestellt.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 12.05.2012.]
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Anglizismen-INDEX Nr. 10 erhältlich
17.5.2012 von Jessica Antosik.
Anfang Mai ist die 10. Ausgabe des Anglizismen-INDEX erschienen. Unter der Leitung von Gerhard H. Junker und Myriam Grobe, Leiterin des IFB-Verlags Deutsche Sprache GmbH (Paderborn), hat die VDS-Arbeitsgruppe die Wörterliste komplett überarbeitet, zahlreiche Neubewertungen vorgenommen und die Textbeiträge erweitert.
Der aktuelle Anglizismen-INDEX enthält ca. 7.400 Anglizismen, die in der deutschen Allgemeinsprache belegbar verwendet werden. Somit handelt es sich dabei um die umfangreichste Dokumentation des Einflusses des Englischen auf die deutsche Sprache. Für jeden Anglizismus ist mindestens eine deutsche Entsprechung angegeben. Weil die Häufigkeit des Auftretens eines Anglizismus in dem Index keine große Rolle spielt, wird überflüssigen Anglizismen bereits im Anfangsstadium ihres Erscheinens der Kampf angesagt. Dadurch soll eine unnötige Verbreitung von Anglizismen verhindert werden.
Zudem enthält der Anglizismen-INDEX Nr. 10 einen Beitrag des Wiener Autors Patrick Keck Schluss mit der Engländerei! und die überarbeitete Fassung Anglizismen, die in die Irre führen von Gerhard H. Junker.
Zum Anglizismen-Index
Der Anglizismen-Index, Gewinn oder Zumutung, Ausgabe 2012
Herausgegeben von Gerhard H. Junker und Myriam Grobe
ISBN-Nummer: 978-3-942409-22-3
Verlag: IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH
Erscheinungsort und -jahr: Paderborn 2012
Seitenzahl: 310
Preis: 15,00 Euro
Das Buch ist im Buchhandel oder über den IFB Verlag Deutsche Sprache erhältlich.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: vds-ev.de, 08.05.2012. Bild: vds-ev.de.]
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Besonderheiten der schriftlichen Kommunikation im Internet
15.5.2012 von Jessica Antosik.
Bereits seit vielen Jahren beschäftigen sich Sprachwissenschaftler mit der Frage: „Verändert das Internet die Sprache?“ Bei der Kommunikation im Internet hat sich die Mündlichkeit verschriftlicht, obwohl der geschriebene Text nicht den bisherigen Anforderungen entspricht. Das heißt also, dass sich nicht die Sprache an sich verändert hat, sondern das Verhältnis von Sprache und Schrift. So werden im Internet häufig Interjektionen wie „ach“ oder „hm“ sowie Wortverschmelzungen wie „haste“ oder „willste“ verwendet.
Darüber hinaus werden im Internet u. a. Stellungnahmen veröffentlicht, die weder in einem persönlichen Gespräch noch in einem Leserbrief auf diese Art und Weise – vulgär, beleidigend oder sarkastisch – formuliert werden würden. Zudem schreiben viele Menschen aus bildungsfernen Schichten im Internet, die früher meistens mündlich kommuniziert haben. Dies wiederum führt dazu, dass im Internet unzählige Texte mit gravierenden Rechtschreib- und Grammatikfehlern zu lesen sind.
Des Weiteren ist es aufgrund der Anonymität im Internet leichter zu pöbeln. Dies ist auch bei Nachrichtenseiten im Internet der Fall. Eine Gruppe von Studierenden der Universität Heidelberg hat unter der Leitung des Germanisten Friedemann Vogel zu diesem Thema eine Untersuchung durchgeführt. Die Heidelberger sind zu dem Ergebnis gelangt, dass unter den fünf analysierten Medien auf bild.de und web.de die meiste sprachliche Gewalt und das höchste Maß an Brutalität herrschen. Unter sprachlicher Gewalt wird „jeder gesichtsverletzende verbale Angriff“ verstanden. Doch auch auf spiegel.de und handelsblatt.de gab es durchaus sprachliche Gewalt, wobei angemerkt werden muss, dass hier zumeist der Zorn die Motivation ist und weniger vulgäre Ausdrücke verwendet werden. Auf zeit.de wird vulgäre Sprache komplett vermieden.
Die Studenten haben bei ihrer Untersuchung festgestellt, dass die meisten Kommentare hauptsächlich dem Ausdruck von Gefühlen dienen. Zwar würden auch Sachverhalte diskutiert, der Kommentar diene jedoch hauptsächlich zur Darstellung der persönlichen Haltung zum emotionsgeladenen Thema. Fazit der Studierenden aus Heidelberg: „Nachrichtenkommentare im Internet dienen zuallererst der Entladung von Emotionen. In der Anonymität des virtuellen Raumes entfällt die soziale Kontrolle, treten alltägliche Normen des höflichen Umgangs außer Kraft.“
Die Tatsache, dass die Internetnutzer teilweise Hunderte oder Tausende von Kilometern voneinander trennen, spielt keine Rolle, denn es ist trotzdem möglich, in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Dabei schafft ein Chatraum oder Ähnlich eine emotionale und soziale Nähe – die Internetnutzer sind in diesem Moment Teil einer Gemeinschaft, duzen sich und lassen ihren Emotionen schriftlich freien Lauf.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: stuttgarter-zeitung.de, 24.04.2012.]
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Österreich: Immer mehr Fehler in Maturaarbeiten
6.5.2012 von Jessica Antosik.
Dativ- anstatt Genitivkonstruktionen, Probleme bei der Verwendung von Satzzeichen sowie Zeitenfolge, Unsicherheiten bei Phraseologismen und festen Fügungen, weniger Wörter mit lateinisch-griechischen Wurzeln, dafür mehr Anglizismen: Zu diesem Ergebnis ist das Forscherteam um die österreichische Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak (Bild rechts) in der Pilotstudie gekommen. In der Studie wurden 138 Maturaarbeiten (dem deutschen Abitur entsprechend) aus je einem Wiener Innen- und Außenbezirk sowie einer Schule aus Graz aus den Jahren 1970, 1997 und 2010 miteinander verglichen. “Nüchtern betrachtet ist die Fehlerzahl in den Maturaarbeiten insgesamt deutlich gestiegen”, heißt es in der Studie “Wandel der Sprache: Verfall, Veränderung oder Wachstum”. Aufgrund der beschränkten Datenmenge könne man allerdings lediglich “von Indizien” sprechen.
Insgesamt gesehen sei die Länge der Texte im Verlauf der Jahre kürzer, der Satzbau hingegen komplexer geworden. Dies zeige sich in der Vielzahl der Relativsätze oder der untergeordneten Sätze. Außerdem sei die Benotung der Lehrer nicht so streng wie damals. So sei in der Notengebung “mehr Toleranz für fast alle Arten von Fehlern feststellbar, insbesondere Satzzeichen, Rechtschreibung, Ausdruck”, sagt Wodak.
Des Weiteren ist der Linguistin und Professorin für Sprachwissenschaften an der Universität Wien und an der Lancaster University aufgefallen, dass den Schülern im Vergleich zu früher die korrekte Interpunktion große Schwierigkeiten bereitet. Dies sei jedoch nicht als allgemeines Problem mit der Sprache zu verstehen. Die Interpunktion hänge sehr vom jeweiligen Unterricht ab und setze weniger allgemeine Sprachkompetenz als vielmehr explizites Regelwissen voraus.
Ein weiterer Punkt, der den Wissenschaftlern ins Auge stach, sei der enorme Rückgang von Lehnwörtern mit lateinisch-griechischen Wurzeln, während Anglizismen Eingang gefunden haben. Die verbreitete Verwendung von Anglizismen sei unter anderem auf die technischen Innovationen zurückzuführen. “Dies deutet auf ein Zurücktreten der Bildungssprache als stilistischer Orientierungspunkt für das Deutsche hin; diese Rolle wird zunehmend von der Umgangssprache erfüllt”, schlussfolgern die Sprachwissenschaftler. Diese Annahme werde dadurch verstärkt, dass Redewendungen und feste Fügungen immer weniger verwendet werden und, wenn sie doch vorkommen, fehlerhaft benutzt werden. Beispiel: “Es liegt jedem frei”, “nichts als die Wahrheit nennen” oder “die Möglichkeit besitzen”.
Darüber hinaus manifestiere sich der Genitivschwund. “Das ist im österreichischen Deutsch ja im Prinzip auch okay. Zum Beispiel sagt man ‘Die Zunahme von den Problemen’ statt wie früher auf Hochdeutsch ‘Die Zunahme der Probleme’.” Bei diesem Phänomen seien Elemente des österreichischen Deutsch zu erkennen. “Es gibt hier einen Wandel, den wir seit 1945 beobachten, ein Abgrenzungsphänomen im Zuge der österreichischen Identitätsbildung: Es gibt eine Fokussierung auf das sogenannte österreichische Deutsch. Der Genitivschwund wird also als Norm akzeptiert. Das ist ein akzeptierter Wandel, begründet durch die Identitätsbildung ab 1945. Es ist interessant und wichtig, solche Bezüge herzustellen”, erklärt die Ruth Wodak.
Ob diese Entwicklung, auch die der fehlerhaften Zeitenfolge, an fehlender Disziplin vonseiten der Schüler liegt, beantwortet sie wie folgt in einem Interview mit dem Standard:
Die Zeitenfolge hat sich überall, auch in anderen Sprachen, verflacht. Zeitenfolge, Konjunktivbildung - der richtige Gebrauch solcher grammatischer Elemente ist in vielen Bereichen zurückgegangen. Auch im Englischen oder im Französischen. Wir sind in unserem Sprachverhalten insgesamt “mündlicher” geworden. Es gibt natürlich noch sehr formale Situationen: Formbriefe, Prüfungen, Zertifikate, das ist klar. Insgesamt ist man aber heutzutage dialogischer und adressatenorientierter. Das ist daher wirklich spannend, wenn man Geschäftsbriefe oder Geschäftsberichte von früher mit den heutigen vergleicht. Heute werden Kundinnen und Kunden persönlich angesprochen. Früher war das ein trockener und sachlicher Bericht.
Auf die Frage “Sie haben auch herausgefunden, dass es heute mehr Bindestrich-Komposita “im Stil der ‘Kronen Zeitung’” gibt. Was genau kann man darunter verstehen?” antwortete sie Folgendes:
Es werden mehr Bindestrich-Komposita verwendet und dadurch auch neue Begriffe geschaffen. “Kinderporno-Verdacht” ist ein gutes Beispiel. Eigentlich meint man damit “Verdacht auf Kinderporno”. Die Zuordnung ist bei diesen Bindestrich-Komposita oft nicht so ganz einfach. Es ist manchmal schwierig festzustellen, welche Präposition durch einen Bindestrich quasi ersetzt wurde: Verdacht für, auf, zu …? Das ist eine Verkürzung, die man erst richtig entschlüsseln muss.
Das Interview können Sie hier in voller Länge lesen.
“Oft herrscht diese Angst vor, dass die Sprache untergeht. Das stimmt so nicht, sondern sie wird anders.” Das bringe auch viele Vorteile, berichtet die 61-Jährige.
Die Studie war Teil einer umfassenderen, privat beauftragten Untersuchung, bei der neben dem veränderten Sprachgebrauch in der Schule auch jener in Medien anhand von Artikeln der Austria Presse Agentur (APA), der Presse und der Kronen Zeitung und in Geschäftsberichten analysiert wurde.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derstandard.at, 10./24.04.2012. Bild: ling.lancs.ac.uk.]
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Deutsch als Wissenschaftssprache vs. Englisch als Lingua franca?
3.5.2012 von Jessica Antosik.
Seit vielen Jahren wird das Verschwinden der deutschen Sprache aus der Wissenschaft heiß diskutiert. In vielen Disziplinen gewinnt das Englische nämlich zunehmend an Bedeutung. So auch in der Wissenschaft. Deutsche Wissenschaftler publizieren ihre Aufsätze und Forschungsbeiträge vorwiegend in englischer Sprache. Nur noch ein Prozent der naturwissenschaftlichen Publikationen erscheinen auf Deutsch. Zudem werden Tagungen, Konferenzen und sogar Vorlesungen mit ausschließlich deutschsprachigen Teilnehmern bzw. Studierenden an deutschen Universitäten immer häufiger auf Englisch abgehalten. Und das, obwohl man sich in seiner Muttersprache pointierter und präziser ausdrücken kann als in einer Fremdsprache. Das Sprachniveau der nicht englischsprachigen Wissenschaftler lässt oftmals zu wünschen übrig.
Grund für dieses Phänomen ist: Alle führenden Zeitschriften liegen in US-amerikanischer Hand. “Die deutschen Naturwissenschaftler müssen auf Englisch schreiben, um in diesen Zeitschriften publizieren zu können. Sie schreiben also in einer Fremdsprache und konkurrieren dabei mit anderen Wissenschaftlern, für die das Englische die Muttersprache ist. Dazu kommt: Auch die wissenschaftlichen Standards werden auf diese Weise von der US-amerikanischen Wissenschaft festgelegt. Dadurch wird auf lange Sicht international die Vielfalt an Wissenschaftskulturen eingeschränkt”, sagt der Chemnitzer Germanist Winfried Thielmann. Es geht hier also zentral um die Frage der Gleichberechtigung. In diesem Zusammenhang muss man jedoch anmerken, dass die Deutschen Deutsch als Wissenschaftssprache auch benutzen und pflegen müssen. Eine Lösung liegt zum Beispiel darin, mehr in Übersetzungen zu investieren.
In etwa 600 Studiengängen in Deutschland wird teilweise ausschließlich in englischer Sprache unterrichtet. Viele stellen sich angesichts der oben beschriebenen Tatsachen die Frage: Stirbt Deutsch als Wissenschaftssprache aus? Sind nichtenglischsprachige Wissenschaftler gegenüber englischen Muttersprachlern im Nachteil? Wird die Mehrsprachigkeit der europäischen Wissenschaft gefährdet? Sprechen die Wissenschaftler eher ein (schlechtes) Pidgin-Englisch? Wird sich Englisch als Lingua Franca in der europäischen Wissenschaft durchsetzen?
Zunächst einmal muss man sagen, dass die Wissenschaft seit jeher international ausgerichtet ist. Der Austausch über die Grenzen hinweg gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten selbstverständlich dazu. Der Vorteil liegt also darin, dass sich Forscher und Wissenschaftler weltweit in einer gemeinsamen Sprache über ihre Ergebnisse und Meinungen austauschen können.
Außerdem vertreten immer mehr Wissenschaftler die Ansicht, dass Englisch in einigen Disziplinen wie in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften unabdingbar ist. In diesen Fächern ist der Gebrauch der englischen Sprache für das Ansehen eines Forschers äußerst wichtig. Allerdings bedeutet der Verzicht auf die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache einen Qualitätsverlust; vor allem, weil eine fremde Sprache die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt.
“Gerade die Geisteswissenschaften leben aber vom Wert ihrer je eigenen Sprachen. Und es sollte heute mehr Anreize geben, sich auf die unterschiedlichen Sprachen einzulassen”, sagt Peter Funke, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Vor allem bei sprachabhängigen Fächern wie der Philosophie werden sich die Wissenschaftler schwerer tun, nicht in ihrer Muttersprache zu schreiben als beispielsweise Physiker oder Mathematiker. Insbesondere in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, gestalte sich dies sicherlich problematisch. “Ich möchte betonen, dass die Sprachenvielfalt gerade auch für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ein kostbares Gut ist, das wir unbedingt bewahren und pflegen sollten”, so Funke.
Ralph Mocikat, Vorsitzender des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache (ADAWIS), ist ähnlicher Meinung: “Unsere Denkmuster, das Auffinden von Hypothesen, die Argumentationsketten bleiben – auch in den Naturwissenschaften – stets in dem Denken verwurzelt, das auf der Muttersprache beruht. Wissenschaftliche Theorien arbeiten immer mit Wörtern, Bildern, Metaphern, die der Alltagssprache entlehnt sind. […] Da jede Sprache einen anderen Blickwinkel auf die Wirklichkeit zulässt und individuelle Argumentationsmuster bietet, läuft es auf eine geistige Verarmung hinaus, wenn Lehre und Forschung auf das Englische eingeengt werden”, erklärt er in einem Artikel in der Zeit Online.
Diese Theorie vertrat bereits Wilhelm von Humboldt Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Er sagte nämlich, dass unser Denken durch unsere Sprache bestimmt wird. Darüber hinaus erklärte der Sprachphilosoph, dass die Verschiedenheit der Sprachen nicht eine Verschiedenheit von Schällen und Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten ist. Die Sprachen unterscheiden sich also nicht nur in der Aussprache und dem Alphabet, sondern auch und insbesondere in der Art und Weise, wie in der Sprache gedacht wird. Nur in Ausnahmefällen kann ein deutscher Muttersprachler einen Gegenstand so detailliert und reflektiert im Englischen beschreiben wie im Deutschen.
Abschließend ein Zitat von Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, der sich über die Glaubwürdigkeit deutscher Sprachpolitik in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Forschung & Lehre äußert: “Wenn einerseits in Indien derzeit an mehr als 1.000 Schulen Deutsch als Fremdsprache eingeführt wird, wenn das Goethe-Institut in China erfolgreich Sprachlernzentren gründet und wir in Deutschland andererseits dann den Eindruck vermitteln, dass Deutschkenntnisse nicht erforderlich sind, um an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu arbeiten und zu forschen, dann ist das zutiefst demotivierend.”
Auf der Website des Deutschlandradios ist ein etwa 50-minütiger Vortrag vom Germanisten Jürgen Trabant abrufbar, den er im Januar 2011 in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gehalten hat.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2009-02-03: Wissenschaftssprache Deutsch liegt im Sterben
[Text: Jessica Antosik. Quelle: goethe.de, 10/2010, 09/2011; zeit.de, 25.01.2011; bildungsklick.de, 27.04.2012.]
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“Das fliegende Klassenzimmer” ins Saterfriesische übersetzt
1.5.2012 von Jessica Antosik.
Margaretha Grosser hat den Kinderbuchklassiker Das fliegende Klassenzimmer von Erich Kästner fast vollständig ins Saterfriesische übersetzt. Es fehlen nur noch zwölf Seiten. Allerdings räumt Grosser ein: “Hätte ich vorher gewusst, auf was ich mich da einlasse, ich hätte wohl abgelehnt.” Ende 2012 wird das 172-seitige Buch unter dem Titel Die fljoogende Klassenruum erhältlich sein.
Erscheinen wird das Buch im Tintenfass-Verlag, das sich auf Minderheitensprachen spezialisiert hat. Die 77-jährige Ramsloherin hat während ihrer Übersetzerkarriere noch nie ein solch umfangreiches Buch aus dem Hochdeutschen ins Saterfriesische übertragen. Die Geschichte vom Struwwelpeter und dem kleinen Häwwelmann waren um einiges kürzer.
Gretchen Grosser hat mit zwei Wörterbüchern gearbeitet, die leider nicht immer alle Begriffe enthalten. “Wen soll ich fragen? Normalerweise kommen die Leute ja zu mir, damit ich ihnen den richtigen Begriff mitteile”, sagte Grosser.
Um die Probleme zu verdeutlichen, mit denen die Übersetzerin zu kämpfen hatte, folgt ein kleiner Auszug aus dem ersten Kapitel zunächst aus dem Ausgangstext (Hochdeutsch) und dann aus dem Zieltext (Saterfriesisch):
In diesem Augenblick wurde die Tür der Turnhalle stürmisch aufgerissen. Matthias blieb der Vers im Hals stecken. Die andern drehten sich erschrocken um, und Uli blickte neugierig aus der gemalten Wolke heraus, hinter der er seinen Auftritt erwartet hatte.
In düssen Oogenblik wurde ju Doore fon ju Turnhalle stoarmsk eepenrieten!“ Mathias bleeuw die Färs in n’Hoals sitten. Do uur troalden sik ferskräkt uume, un Uli keek ienkieks uut ju moalde Wulke hääruut, bääte ju hie sien Aptreeden ferwachtet waas.
Darüber hinaus sei sie einige Mal an ihre Grenzen gekommen und habe schlichtweg keine Lust mehr gehabt, das Werk zu übersetzen. Erst die Ehrung durch den Heimatbund Oldenburger Münsterland habe dies geändert. “Das hat mich motiviert. In der Nacht danach habe ich vier Seiten übersetzt.”
Obwohl sie das Werk noch nicht vollkommen vollbracht hat, hat sie schon das nächste Projekt in Angriff genommen. “Parallel übersetze ich das Märchen vom Fischer und seiner Frau.” Sie sieht die Geschichte als sehr aktuell an: “Auch heutzutage sind die Menschen nie zufrieden. Sie streben nach immer mehr”, so Gretchen Grosser. Das Erscheinungsdatum ist noch nicht bekannt, aber wie es aussieht, habe der Verleger bereits “angebissen”.
Über das Saterfriesische
Bei der saterfriesischen Sprache, auch Seeltersk genannt, handelt es sich um die letzte verbliebene Varietät der ostfriesischen Sprache. Schätzungen zufolge wird Saterfriesisch noch von etwa 2000 Personen in der Gemeinde Saterland im Landkreis Cloppenburg gesprochen. Somit ist Seeltersk eine der kleinsten Sprachinseln Europas.
Seit 1999 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Deutschland in Kraft getreten ist, genießt die saterfriesischen Sprache als anerkannte Minderheitensprache besonderen Schutz und Recht auf Förderung. Im Saterland ist die Sprache zum Amtsgebrauch zugelassen. Die Ortsschilder im Saterland sind zweisprachig ausgezeichnet.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: nwzonline.de, 19.04.2012.]
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Political Correctness: Soll das Deutsche von der Bürde der Textverdoppelungen befreit werden?
31.3.2012 von Jessica Antosik.
In den Achtzigerjahren kam der Begriff Political Correctness auf, der allgegenwärtig ist und nicht nur in den USA, sondern auch vermehrt in Deutschland auftaucht. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wie kam es zu dem Phänomen Political Correctness?
Ursprung der Political Correctness
Der Ursprung der Political Correctness ist auf die USA zurückzuführen. Sowohl das Civil Rights Movement als auch das Women’s Liberation Movement in den USA engagierte sich für die Belange einer Minderheit. Die Bürgerrechtsbewegung zielte auf eine gesellschaftliche und rechtliche Gleichberechtigung dunkelhäutiger Afrikaner ab. Der rassistisch motivierten Diskriminierung und Stigmatisierung, die sich ebenfalls im Sprachgebrauch manifestierte, sollte ein Ende gesetzt werden.
Das Ziel der US-Frauenbewegung war mit der Bürgerrechtsbewegung zu vergleichen, allerdings setzte sich erstere für die Rechte der Frauen ein, d. h. also für die Beseitigung der Diskriminierung von Frauen sowohl in der Rechtsprechung als auch im Sprachgebrauch. Das Women’s Liberation Movement wollte eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation der Frauen, also Chancengleichheit der Frauen im öffentlichen Leben, und eine Veränderung in der Bewertung der Geschlechterrollen bzw. des gesellschaftlichen Frauenbildes, erreichen. Die Frauenbewegung ging davon aus, dass die verbale Kommunikation eine äußerst wichtige Rolle spielt und eine Wechselbeziehung zwischen Sprache und außersprachlicher Realität besteht. Aus diesem Grund formulierte sie eine umfangreiche Sprachkritik, um den Weg für einen umfassenden Sprachgebrauchswandel und gesellschaftlichen Bewusstseinswandel zu bahnen. Die feministische Sprachwissenschaft übte Kritik am Common Gender, das die Frauen sprachlich unsichtbar macht.
Die Sensibilisierung des allgemeinen Bewusstseins für sprachliche Diskriminierung ging sogar so weit, dass das Wort history kritisiert wurde. Dies kann nämlich als männlich dominierte history interpretiert werden. Aus diesem Grund sollte die Alternativbildung von herstory die Bedeutung von Frauen in der Geschichte unterstreichen. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu bemerken, dass das Wort history etymologisch gesehen nicht mit dem englischen Pronomen his in Verbindung steht. In diese Kategorie fallen auch die nachfolgenden Beispiele: mental, human und semantics wurde mit men, also Mann, assoziiert. Daher kam der Vorschlag, sie durch die Begriffe femtal, hufem und sefemtics zu ersetzen. Anzumerken ist jedoch, dass das Suffix -man auf das Altenglische zurückzuführen ist, wo es geschlechtsneutral war.
Zusammenfassend kann man trotz aller, teilweise fragwürdiger Vorschläge sagen, dass sich das Frauenbild in der US-amerikanischen Gesellschaft durch das Women’s Liberation Movement nachhaltig verändert hat.
Political Correctness in Deutschland
Kommen wir nun zu dem Phänomen der Political Correctness in Deutschland. Deutschland gehörte bis zum 20. Jahrhundert nicht zu den klassischen Einwanderungsländern. Dennoch muss man in diesem Kontext auf den NS-Jargon verweisen, der in der Nachkriegszeit das Phänomen der “Historischen Korrektheit”, vergleichbar mit der Political Correctness der USA, thematisiert und stark kritisiert wurde. Die politische Neuorientierung in Deutschland führte zur Reflexion über die Vergangenheit. Heidrun Kämper schreibt in ihrem Buch Das 20. Jahrhundert: Sprachgeschichte – Zeitgeschichte Folgendes:
Durch die Übersetzung von “Political Correctness” als “Politische Korrektheit” erscheint der Begriff “Historische Korrektheit” als Möglichkeit zur Differenzierung eines bestimmten Normierungsanspruches. Das Denotat von “Historische Korrektheit” impliziert zwar eine normengerechte Referenz auf Themen der jüngsten deutschen Vergangenheit, hinsichtlich des Sprachgebrauchs und historischer Erklärungsmodelle, allerdings nicht mit einem dogmatischen als vielmehr mit einem aufklärerischen und historisch legitimierten Ansatz. Die normengerechte Referenz wird dabei von der historischen Hypothek bestimmt, die der Nationalsozialismus heute darstellt.
Der/die/das-Problem im Deutschen
Im Vergleich zum Englischen hat die deutsche Sprache ein der/die/das-Problem des grammatischen Geschlechts. Mark Twain sagte vor über 130 Jahren:
Ein Baum ist männlich, seine Knospen sind weiblich, seine Blätter sächlich; Pferde sind geschlechtslos, Hunde sind männlich, Katzen weiblich – Kater natürlich inbegriffen; Mund, Hals, Busen, Ellenbogen, Finger, Nägel, Füße und Rumpf eines Menschen sind männlichen Geschlechts; was auf dem Hals sitzt, ist entweder männlich oder sächlich, aber das richtet sich nach dem Wort, das man dafür benutzt, und nicht etwa nach dem Geschlecht des tragenden Individuums, denn in Deutschland haben alle Frauen entweder einen männlichen “Kopf” oder ein geschlechtsloses “Haupt”. Nase, Lippen, Schultern, Brust, Hände, Hüften und Zehen eines Menschen sind weiblich, und sein Haar, seine Ohren, Augen, Beine, Knie, sein Kinn, sein Herz und sein Gewissen haben gar kein Geschlecht.
Schließlich kam der amerikanische Schriftsteller Mark Twain zu dem Fazit:
Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann. Es liegt daher auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache zurechtgestutzt und repariert werden sollte. Falls sie so bleibt, wie sie ist, sollte sie sanft und ehrerbietig zu den toten Sprachen gestellt werden, denn nur die Toten haben genügend Zeit, sie zu lernen.
Generisches Maskulinum
Ich möchte nicht weiter auf die geschichtlichen Hintergründe und die Minderheiten wie Homosexuelle, Behinderte und Kranke sowie ethnische Minderheiten eingehen und auf die feministische Sprachkritik in Deutschland sowie auf die aktuellen Entwicklungen in der Bundesrepublik zu sprechen kommen. Seit vielen Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, liegt die Hauptforderung der feministischen Sprachkritik in der Übereinstimmung von natürlichem und grammatischem Geschlecht. Die Referenz auf Frauen soll dementsprechend durch feminine, die auf Männer durch maskuline Personenbezeichnungen ablaufen. Es ist jedoch zu beachten, dass das generische Maskulinum in der deutschen Sprache für die Bezeichnung einer nicht näher bestimmten Gruppe verwendet wird. Dem traditionellen Grammatikverständnis zufolge werden Frauen also durch diese Subsumierung unter maskulinische Bezeichnungen nicht diskriminiert. Abgesehen davon basiert die Dominanz der generischen Maskulina darauf, dass Männer in der Geschichte öffentliche Handlungsträger waren und Frauen einen nicht besonders großen Einfluss auf den semantischen Gehalt ausübten.
Alternativvorschläge
Frauen wie auch Männer sollen ausdrücklich im Sprachgebraucht berücksichtigt werden. Dies bedeutet also, dass sie explizit genannt bzw. angesprochen werden. Dieses ausdrückliche Nennen von Frauen und Männern in der Doppelform kann im Schriftbild wie folgt aussehen: Liebe Student/innen oder Liebe StudentInnen. Aktuell wird sogar geraten, das Partizip Studierende zu verwenden. Dadurch wird aber das der/die-Problem noch lange nicht gelöst. Fakt ist, dass weder die Schrägstrichlösung noch die “Innen-Form” offiziell anerkannt ist. Vielmehr tendiert man nun dazu, beide Formen, d. h. also die männliche und weibliche, getrennt auszuschreiben: Liebe Studentinnen und Studenten (in der Reihenfolge).
Wie auch in der englischen Sprache ist es im Deutschen möglich, Komposita und Ableitungen zu feminisieren, um gesellschaftliche Stereotype aus dem Weg zu schaffen. Statt Vaterland könnte man so beispielsweise Mutterland sagen. Der neutrale Begriff wäre Heimatland. In diesem Zusammenhang einige äußert merkwürdige Vorschläge: Bankräuberin überfraut, 16 Fraudate errungen, Nun werden nach Mandarinen auch Fraudarinen gespritzt. Diese Diskussion hat oftmals zur Folge, dass auf Fluchtwörter ausgewichen wird, wie beispielsweise Arbeitskräfte statt Arbeiterinnen und Arbeiter.
Schlussbemerkung
Die Niederländer zum Beispiel haben dieses Problem der weiblichen und männlichen Formen im Plural nicht, da sie nur einen bestimmten Artikel für den Plural (de) und nur einen unbestimmten Artikel für den Plural (een) zur Verfügung haben.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass unter Political Correctness ein bestimmtes normengerechtes Verhalten zu verstehen ist. Im aktuellen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff einen sensibilisierten Sprachgebrauch. Zum Teil geht die Sprachkritik jedoch zu weit und fordert nicht umsetzbare Maßnahmen. Auch in diesem Artikel ist man zu keiner Lösung gekommen. Es wurden lediglich beide Seiten der Medaille gezeigt und vielleicht Denkanstöße gegeben. Eine Meinung muss sich zu diesem delikaten Thema jeder selbst bilden. Eventuell könnte die “Innen-Form” das Problem einigermaßen lösen und eine Textverdoppelung durch die Nennung sowohl der femininen als auch maskulinen Form vermeiden. Zu guter letzt ein Zitat von Harald Jockusch, der sich gegen das verfrauschte Deutsch ausspricht: “Wer bringt den Mut auf, die deutsche Sprache von der Bürde der Textverdopplungen zu befreien? Mit dem Risiko, dass die ‘Efrauzen’ überrascht sind, wie Georg Jappe gesagt hätte?”
Mehr zum Thema auf uepo.de:
25.03.2012: L@s niñ@s: Streit in Spanien wegen sexistischer Sprache
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Sabine Wierlemann (2002): Political Correctness in den USA und in Deutschland. Berlin: Erich Schmidt; Heidrun Kämper / Harmut Schmidt (Hrsg.) (1998): Das 20. Jahrhundert: Sprachgeschichte – Zeitgeschichte. Berlin: Jahrbuch 1997 des Instituts für deutsche Sprache; Sprachnachrichten, Nr. 53 (1/2012); alvit.de.]
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Gefiedertes in deutschen Redewendungen
29.3.2012 von Jessica Antosik.
Jeder kennt und benutzt Redewendungen, auch Phraseologismen oder idiomatische Wendungen genannt. Dabei handelt es sich um eine feste Verbindung mehrerer Wörter, die eine Einheit bilden. Das bedeutet also, dass wir beim Sprechen nicht nur einzelne Wörter zu Sätzen und Texten verknüpfen, sondern dann und wann bestimmte Wortgruppen in stets derselben Weise verwenden – Beispiel: nur Bahnhof verstehen. Die Bestandteile können nur in seltenen Fällen verändert oder gar ausgetauscht werden. Die Bedeutung lässt sich nicht unmittelbar aus der Bedeutung der Einzelelemente erschließen, sondern aus dem Kontext. Beispielsweise ist ein „goldener Handschlag“ nicht wörtlich zu verstehen. Vielmehr geht es dabei um eine „großzügige Abfindung“. Redewendungen werden häufig metaphorisch benutzt. Dies verdeutlicht das nächste Beispiel „in trockenen Tüchern sein“. Bildhafte Redewendungen sind typisch für die Umgangssprache und bereichern sie sehr. Allerdings bedient man sich auch in der gehobeneren Standardsprache fester Wendungen, die meist auf dem Lateinischen oder auf anderen Fremdsprachen basieren.
In diesem Artikel liegt der Fokus auf Gefiedertem in deutschen Redewendungen. Die Beispiele, die in diesem Zusammenhang angeführt werden, wurden hieraus entnommen:
- Duden Band 11 (2002): Redewendungen: Wörterbuch der deutschen Idiomatik. Mehr als 10 000 feste Wendungen, Redensarten und Sprichwörter. Mannheim: Bibliographisches Institut.
- Hans Schemann (1993): Deutsche Idiomatik. Die deutschen Redewendungen im Kontext. Stuttgart: Klett Verlag für Wissen und Bildung (PONS).
Ein Vögelchen hat mir gesungen, dass der Vogel ausgeflogen ist. Das bedeutet also, dass man dort aufs leere Nest kommt. Einige sind jedoch der Meinung, dass die anderen einen Vogel haben und haben ihnen deshalb einen Vogel gezeigt. Seit langer Zeit fechten die beiden Parteien einen Strauß miteinander aus. Mein lieber Schwan! Da lachen ja die Hühner! Danach kräht bald kein Huhn und kein Hahn mehr!
Wer sich ins gemachte Nest setzt, hat den Vogel abgeschossen. Derjenige, der das eigene Netz beschmutzt, ist sicherlich ein schräger Vogel und nicht mit dem Hahn im Korb zu vergleichen. Da sträubt sich vielen das Gefieder und da läuft vielen eine Gänsehaut über den Rücken. Vor allem, wenn das Huhn, das goldene Eier legt, geschlachtet wird. Aber: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Man darf nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, wenn man von den Federn aufs Stroh kommt. Doch es gibt immer welche, an denen dies sogar wie das Wasser am Entenflügel abläuft.
Wer nicht mit den Hühnern aufsteht, lange in den Federn liegt und nicht viel Federlesens macht, ist eine lahme Ente, hat keinen Grund dafür, stolz wie ein Pfau zu sein und muss eventuell Federn lassen. Auch wenn er sich mit fremden Federn schmückt, muss er befürchten, dass mit ihm noch ein Hühnchen gerupft wird. Ihm darf man nicht Flügel verleihen, sondern unbedingt die Flügel stutzen. Auch wenn das ein harter Strauß werden kann, sollte man nicht bloß wie ein Huhn hin- und herlaufen und keine Angst haben, jemandem auf die Hühneraugen zu treten. Man darf nie die Flügel hängen lassen! Wenn man von dem Problem jedoch so viel versteht wie der Hahn vom Eierlegen, sollte man nicht wieder klüger sein wollen als die Henne.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Duden Redewendungen; Schemann: Deutsche Idiomatik. Bild: Jansenj (Wikipedia).]
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Ach was?! Loriot ist “Sprachwahrer des Jahres 2011″
16.3.2012 von Jessica Antosik.
Vor knapp einem halben Jahr ist der deutsche Humorist, Schauspieler, Dichter, Zeichner, Bühnenbildner, Kostümbildner, Schriftsteller, Regisseur und Professor für Theaterkunst Vicco von Bülow alias Loriot im Alter von 87 Jahren in Ammerland verstorben. Loriot war für seinen außergewöhnlichen Humor bekannt. Seine künstlerische Handschrift prägt die deutsche Sprache ungemein. Sein feinsinniger Humor war durch Sprachwitz, Pointen und Tiefsinn geprägt. Zudem schrieb er mit seinen Knollennasenmännchen, Filmen und legendären Sketchen deutsche Fernsehgeschichte. Einer seiner Lieblingssätze, die er auch seinen Figuren immer wieder in den Mund legte, war: “Frauen und Männer passen eigentlich nicht zusammen.”
Nun wurde Loriot zum “Sprachwahrer des Jahres 2011″ gekürt. Das gab die Deutsche Sprachwelt anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse gestern bekannt. Laut Thomas Paulwitz, dem Chefredakteur der Deutschen Sprachwelt, haben die Leser der Zeitung bei einer Umfrage überwiegend das Universalgenie gewählt. 17,7 Prozent hätten sich für den Meister des hintergründigen Humors ausgesprochen. In einer Begründung der Deutschen Sprachwelt für die Wahl Loriots heißt es:
Loriot hat die deutsche Sprache geprägt und bereichert. So verdanken wir ihm Wortschöpfungen wie die „Spannfedermuffe“. Er hat Ausrufen wie „Moooment!“ und „Ach was?!“ eine neue Bedeutung gegeben. Er hat das Jodeln neu erfunden und mit dem „zweiten Futur bei Sonnenaufgang“ die deutsche Grammatik bereichert.
Darüber hinaus habe es der Humorist nicht an kritischen Bemerkungen zur Entwicklung seiner Muttersprache fehlen lassen. So äußerte er sich im Jahre 2002 folgendermaßen gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Die Anglisierung unserer Sprache steigert sich allmählich in eine monströse Lächerlichkeit.“
Mit 15,9 Prozent kam Wolfgang Bosbach, CDU-Politiker und Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, auf Platz zwei. Platz drei belegen Rostocker Modehaus “Nikolaus” sowie die beiden Richter am Bundesgerichtshof, Klaus Tolksdorf und Wolfgang Ball.
Zur Wahl standen die nachfolgenden Persönlichkeiten:
- Wolfgang Bosbach: Der CDU-Politiker und Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages setzte den unflätigen Ausdrücken des Kanzleramtsministers Ronald Pofalla (”Wenn ich so eine Scheiße höre wie Gewissensentscheidung”) sein gepflegtes Deutsch entgegen und setzte damit ein starkes Zeichen gegen die Verwahrlosung des Sprachgebrauchs in der Politik.
- Torsten Hilse: Der SPD-Politiker und Verleger brachte als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses zahlreiche Initiativen für die deutsche Sprache auf den Weg. Sein letzter Antrag lautete “Deutsche Sprache als Kulturgut pflegen und fördern!” und wurde im September mit knapper Mehrheit abgelehnt (Drucksache 16/4207).
- Modehaus Nikolaus: Das Rostocker Bekleidungsgeschäft schloß sich der Anti-SALE-Aktion der DEUTSCHEN SPRACHWELT an und plakatierte in seinen Filialen die Forderung “Schluß mit dem Ausverkauf der deutschen Sprache”.
- Chaos Computer Club: Die Vereinigung von Hackern veröffentlicht Texte in traditioneller Rechtschreibung und vermeidet auf diese Weise auf ihren eigenen Netzseiten ein Rechtschreibchaos.
- Loriot: Der Humorist hat die deutsche Sprache geprägt und bereichert. Er hat es darüber hinaus nicht an kritischen Bemerkungen zur Entwicklung seiner Muttersprache fehlen lassen. Seine Aussprüche leben in uns weiter und machen ihn unsterblich.
- Michael Olbrich: Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes fand heraus, daß die englische Wortwahl in Geschäftsberichten der “DAX 30″-Unternehmen vermutlich gesetzeswidrig ist und gegen Handelsgesetzbuch und Aktiengesetz verstößt.
- Klaus Tolksdorf und Wolfgang Ball: Der Präsident des Bundesgerichtshofs Tolksdorf warnte vor der Zulassung von Englisch als Gerichtssprache an Handelskammern in Deutschland: “Es drohen Fehlurteile.” Der Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Ball lehnte als einziger geladener Sachverständiger vor dem Rechtsausschuß des Deutschen Bundestags den entsprechenden Gesetzentwurf des Bundesrats ab.
- Max Raabe: Der Bariton-Sänger und Gründer des “Palast-Orchesters” ist ein gewandter Sprecher und glühender Bewunderer der deutschen Sprache. Im August schwärmte er: “Je weiter ich mich wegbewege, umso mehr schätze ich, mich zu Hause in der Muttersprache zu bewegen. Hier kann ich mich wie ein Ferkelchen im Konjunktiv suhlen, aus jeder Silbe alles herausholen.”
- Hape Kerkeling: Der Schauspieler und Unterhalter spricht mehrere Fremdsprachen fließend, kann aber auch die deutsche Sprache meisterhaft einsetzen. Im Juni bekannte er: “Ich schätze an der deutschen Sprache die Präzision, mit der sich Gefühle ausdrücken lassen. Andere Sprachen bleiben da eher vage, unpräzise.”
Bereits seit dem Jahr 2000 wählen die Leser der Zeitung Deutsche Sprachwelt den Sprachwahrer des Jahres. Das Ziel ist es, das vorbildliche Engagement für die deutsche Sprache zu würdigen.
Zu guter letzt eine Liste mit den Sprachwahrern seit 2000:
2000: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Peter Vogelgesang, Karl-Heinz Requard
2001: Martin Mosebach, Theodor Ickler, Pforzheimer Versandhandel
2002: Reiner Kunze, Harald Schmidt, Katharina Burkhardt
2003: Deutschsprachige Universität Budapest, Präsidenten der deutschen Akademien, Regionalgruppe Stuttgart des
Vereins Deutsche Sprache
2004: Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzende der Axel-Springer-AG)
2005: Stadt Mühlhausen
2006: Edda Moser
2007: Porsche AG
2008: Initiative „Pro Deutsche Welle“
2009: Karl-Theodor zu Guttenberg
2010: Peter Ramsauer
2011: Vicco von Bülow
[Text: Jessica Antosik. Quelle: deutschesprachwelt.de, 14.03.2012; tagesschau.de, 23.08.2011; wikipedia.de. Bild: Philipp von Ostau (CC-BY-Lizenz).]
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Jedes vierte Kind in NRW spricht zu Hause nicht Deutsch
3.3.2012 von Jessica Antosik.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund steigt in Nordrhein-Westfalen kontinuierlich. Mittlerweile wächst jedes vierte Kindergartenkind in NRW in einer Familie auf, die “nicht überwiegend Deutsch spricht”, ermittelte das Statistische Landesamt IT.NRW. Das bedeutet, dass 108.000 Kinder unter sechs Jahren in NRW einen “Migrationshintergrund” haben.
Insbesondere in Duisburg, Wuppertal, Gelsenkirchen, Hagen und Remscheid ist dies der Fall. In Duisburg hat jedes zweite Kind mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund. 38,7 Prozent der dort angemeldeten Vorschulkinder sprechen zu Hause in der Fremdsprache. In Gelsenkirchen sieht die Situation ähnlich aus, allerdings hat sich die Zahl innerhalb von wenigen Jahren drastisch erhöht: Sprachen 2008 rund 34,9 Prozent der Kindergartenkinder kein Deutsch in der Familie, sind es nun 37,7 Prozent.
Im Jahr 2011 besuchten in Nordrhein-Westfalen 491.000 Kinder unter sechs Jahren ein Angebot der Kindertagesbetreuung, von denen 170.000 aus Familien stammten, die nicht deutschen Ursprungs waren.
Zweisprachige Erziehung kann durchaus gut funktionieren. Die Voraussetzung dafür ist eine gezielte Sprachförderung. Oftmals kann das aber nicht garantiert werden, da die deutschen Eltern ihre Kinder häufig in private Schulen schicken, während Kinder mit ausländischen Wurzeln zumeist öffentliche Einrichtungen besuchen, in denen deutschsprachige Kinder nicht selten in der Minderheit sind. “Das sind erschwerte Rahmenbedingungen”, so Vera Kreuter vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Auf jeden Fall seien dann die Erzieherinnen gefordert. “Sprachförderung ist eine große Verantwortung und braucht viel Zeit.” Hinzu komme, wie bereits erwähnt, dass die Gruppen oft nicht durchmischt seien und außerdem das Lehrpersonal häufig nicht qualifiziert sei.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 01.02.2012. Bild: Wappenentwurf (1947): Wolfgang Pagenstecher für das Land Nordrhein-Westfalen (Wikipedia).]
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