Infos

Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Deutsche Sprache.

Calendar
März 2010
M D M D F S S
« Feb    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Archiv der Kategorie Deutsche Sprache

Schon wieder: Deutschlandkorrespondenten sprechen kein Deutsch

Mike LazaridisVorgestern hatte der kanadische Mobiltelefonhersteller Research in Motion (RIM) zur Präsentation des ersten in Deutschland entwickelten BlackBerry-Modells in sein Bochumer Forschungszentrum geladen.

Zunächst hielt RIM-Gründer Mihal „Mike“ Lazaridis (Bild rechts) eine einstündige Ansprache an die versammelte Wirtschaftspresse – in seiner Umgangssprache Englisch. (Lazaridis wurde als Sohn von Griechen in der Türkei geboren. Die Familie flüchtete nach Kanada, als Lazaridis fünf Jahre alt war.) Anschließend sprach eine halbe Stunde lang Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, Bild unten), und zwar ebenso selbstverständlich in seiner Muttersprache Deutsch.

Während sich die Deutschen nicht über den englischen Vortrag beschwert hatten, gab es nun aber heftige Proteste der anwesenden englischen Muttersprachler gegen den deutschen Beitrag. Die Tageszeitung Die Welt berichtet über die Rede Lammerts:

Bei den ausländischen Pressevertretern sorgte dies aber für Irritationen, da RIM keine Übersetzung eingerichtet hatte. Als eine ausländische Journalistin Lammert in seiner Rede unterbrach und ungehalten darauf aufmerksam machte, dass sie kein Deutsch verstehe, antwortete Lammert auf Englisch, dass man in Deutschland nun einmal „meistens“ Deutsch spreche. Er sei aber gerne bereit, ihr das Gesagte im Anschluss zu übersetzen. Anschließend setzte Lammert seine Ausführungen auf Deutsch fort.

Norbert LammertWie schon bei Westerwelles Pressekonferenz nach der Bundestagswahl war auch bei RIM in Bochum zu beobachten, dass es Medien gibt, deren Deutschlandkorrespondenten kein Wort Deutsch sprechen. Das ist ungefähr so, als ob die Feuilleton-Redaktion einen Blinden zu einer Vernissage oder einen tauben Reporter in ein Konzert der Berliner Philharmoniker schicken würde.

Weder Lazaridis noch Lammert haben Probleme mit Fremdsprachen, britische, amerikanische und kanadische Journalisten aber offenbar schon.

Links zum Thema auf uepo.de
Muss ein deutscher Außenminister fließend Englisch sprechen? Die “Affäre” Westerwelle
Fremdsprachenkenntnisse in Europa: Kleine Länder hui, Großbritannien pfui

[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt, 2009-10-21. Bild: RIM, Deutscher Bundestag.]

Neue Justizdolmetschergesetze: Sprachverhunzung durch Gender Mainstreaming

Gender-Mainstreaming-Kampagne in WienVor wenigen Tagen ist das Justizdolmetschergesetz für Schleswig-Holstein in Kraft getreten. Die Verabschiedung einer gesetzlichen Grundlage für die allgemeine Vereidigung und Ermächtigung war nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2007 notwendig geworden, das deren Fehlen bemängelt hatte.

Inhaltlich sind die in den letzten Monaten verabschiedeten Gesetze (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Hostein) ein großer Erfolg der an der Ausarbeitung umfassend beteiligten Sprachmittlerverbände. Sprachlich sind sie jedoch eine Katastrophe.

Der Gesetzestext wirkt, als wäre er von der feministischen Sprachpolizei auf Grundlage der Gender-Mainstreaming-Ideologie zensiert und überarbeitet worden, was schon im Titel zum Ausdruck kommt: „Gesetz über Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer in der Justiz“. Dass eine solche Bezeichnung nicht praxistauglich ist, leuchtet auch dem Justizministerium ein. Die offizielle Kurzform lautet daher so, wie das Gesetz bei Einschaltung des gesunden Menschenverstands eigentlich heißen sollte: „Justizdolmetschergesetz“ (JustizDolmG).

Ähnliches gilt in noch stärkerem Maße für die aktuelle Bezeichnung des JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz) als „Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetscherinnen, Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern sowie die Entschädigung von ehrenamtlichen Richterinnen, ehrenamtlichen Richtern, Zeuginnen, Zeugen und Dritten“. Bis zum Jahr 2004 hieß dieses schlicht „Gesetz über die Entschädigung von Zeugen und Sachverständigen“ (ZSEG); der für unsere Berufsgruppe geltende Abschnitt trug noch die Überschrift „§ 17 Dolmetscher und Übersetzer“.

Die Verfasser des Justizdolmetschergesetzes für Schleswig-Holstein haben statt der im Deutschen seit Jahrhunderten üblichen und allgemein akzeptierten geschlechtsneutralen Ausdrucksweise, bei der die grammatikalisch meist maskuline (seltener auch feminine) Form Frauen wie Männer gleichermaßen einschließt („generisches Maskulinum“), jeder männlichen Form eine weibliche vorangestellt. Es heißt also stets und ohne Ausnahme „Dolmetscherinnen und Dolmetscher“, „Übersetzerinnen und Übersetzer“, „Sprachmittlerinnen und Sprachmittler“, „die Präsidentin oder der Präsident des Landgerichts“, „sie oder er“.

So trägt § 1 die Überschrift „Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer“. Klar denkende Juristen (sofern das nicht ein Widerspruch in sich selbst ist) hätten sicher eine andere Formulierung bevorzugt, etwa schlicht und einfach „§ 1 Sprachmittler“.

Diese bei der gesamten deutschen Gesetzgebung zu beklagende systematische Sprachverhunzung ist seit acht Jahren gesetzlich vorgeschrieben und durch zahllose Erlasse und Bestimmungen geradezu totalitär bis ins kleinste Detail geregelt. Das Gleichstellungsgesetz von 2001 fordert: „Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes sollen die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen.“ Und in einer Arbeitshilfe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema „Gender Mainstreaming in Forschungsvorhaben“ heißt es: „Die Verwendung der ausschließlich männlichen Form (sog. ,generisches Maskulinum‘) zur besseren Lesbarkeit ist nicht zulässig.“

Widerspruch gegen das seuchenartig um sich greifende Gender Mainstreaming (GM) regt sich merkwürdigerweise nur außerhalb der etablierten Parteien, Institutionen und Medien in libertären Zirkeln, die eine staatliche Gängelung und Bevormundung - nicht nur in Fragen der Sprache - grundsätzlich ablehnen. Gelegentlich nehmen sich in kleiner Auflage erscheinende Publikationen wie eigentümlich frei (www.ef-magazin.de) oder Cicero (www.cicero.de), seltener auch das Nachrichtenmagazin Focus des Themas an.

Kritiker vergleichen die Gender-Mainstreaming-Bewegung inzwischen mit einer Sekte, die mit dem von ihr verfolgten Umerziehungsprogramm ideologisch gefährlicher, schädlicher und finanziell raffgieriger sei als etwa Scientology. Statt einer zähneknirschenden Duldung sei eine aktive Bekämpfung des Gender-Mainstreaming-Unwesens dringend geboten. Denn das GM-Konzept sei eine neomarxistische Ideologie, die darauf abziele, einen neuen, geschlechtslosen Menschen auf der Grundlage eines behavioristischen Menschenbildes zu schaffen, welches biologische Unterschiede zwischen den Menschen leugne.

Die Ziele der Emanzipationsbewegung sind längst erreicht und oft übererfüllt, so dass heute Jungen und Männer auf vielen Gebieten diejenigen sind, die systematisch benachteiligt werden. Trotzdem ist es den GM-Aktivisten in nur wenigen Jahren gelungen, sich vor allem als so genannte Gleichstellungsbeauftragte (früher treffender als „Frauenbeauftragte“ bezeichnet) in Behörden und Universitäten einzunisten und ihre Mission vollständig durch das Abzocken von Steuergeldern zu finanzieren. Man schätzt, dass das gesamte System der Gleichstellungsbeauftragen, der endlosen Forschungsprojekte, der Symposien und Konferenzen, der Flut von pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie der neu gegründeten Universitäts-Institute (es gibt 128 Lehrstühle für Frauenforschung/Gender Studies) pro Jahr weit mehr als eine Milliarde Euro verschlingt. Ein äußerst lukratives Geschäft für GM-Gewinnler, gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Die Vergewaltigung der ohnehin schon verquasten Rechts- und Verwaltungssprache ist dabei noch eines der kleineren Übel.

Sprachhistorisch betrachtet ist das „Gesetz über Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer in der Justiz“ somit ein skurriles Dokument des Zeitgeistes. Möge es der Belustigung künftiger Generationen dienen, die hoffentlich eines Tages zu einer natürlichen, klaren sowie schlicht und einfach schönen Sprache zurückfinden werden.

Der Gesetzestext kann in der Juris-Datenbank des Bundes abgerufen werden.

[Text: Richard Schneider. Das Bild stammt aus einer Gender-Mainstreaming-Kampagne der Stadt Wien. Die Verkehrsschilder existieren nicht tatsächlich, sondern wurden für die Kampagne entworfen.]

Bremen feiert dreiwöchiges Festival der Sprachen

Festival der Sprachen

Es ist weltweit einmalig: das “Festival der Sprachen”, das vom 17.09. bis 07.10.2009 in Bremen stattfindet. Für 21 Tage wird Bremen zur Welthauptstadt der Sprachen. Die Schirmherrschaft hat die UNESCO übernommen. Die Macher haben ein umfangreiches Programm zusammengestellt. So wird die Allgegenwart der Sprache und der Sprachen durch mehr als 100 populäre und informative Aktionen - unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen - anschaulich vermittelt.

Dazu gehört ein akademischer Konferenzmarathon mit zwölf internationalen Tagungen. Noch nie wurde eine solche Themenvielfalt am selben Ort in einem so engen Zeitrahmen auf so hohem wissenschaftlichem Niveau angesprochen. Unter den Konferenzen befinden sich auch solche, mit denen von Bremen aus neue Forschernetzwerke geschaffen werden sollen. Dazu gehört die Tagung zu Deutschlands Koloniallinguistik (23.-24.9.), auf der erste Schritte zur Aufarbeitung des sprachwissenschaftlichen Erbes Deutschlands in seinen ehemaligen Kolonien getan werden. Ebenfalls erstmalig treffen sich auch Sprachforscher, um über die besonderen Eigenschaften von Einsilbern (Monosyllables, 28.-30.9.) oder über die Auswirkungen des Sprachkontakts auf das System der Wortformen von Sprachen (Morphologies in Contact, 1.-3.10.) zu sprechen. 

Darüber hinaus sollen Bremische Schüler den “Turmbau zu Bremen” durchführen - mit 6.500 Holzklötzen, die mit den Namen der zurzeit existierenden Sprachen beschriftet sind. Außerdem wird die größte Weltsprachenkarte als Pflastermalerei entstehen, ein “Friedhof der toten Sprachen” eingerichtet und die “schönste Sprache der Welt” ermittelt.

Jeder Tag des dreiwöchigen Festivals ist einer anderen Sprache gewidmet, so dass es neben dem Niederdeutsch-Tag (29.09.2009) auch Tage für Maltesisch, Baskisch, Polnisch, Spanisch und viele andere mehr geben wird. In den Räumlichkeiten des Überseemuseums, im Haus der Wissenschaft, in der Volkshochschule Bremen, in der Tanzschule Renz und an vielen anderen Orten der Stadt finden Ausstellungen, Tagungen, Vorträge, Aufführungen, Lesungen und Begegnungsmöglichkeiten für die Bürger statt.

Sprachgemeinschaften aus zwei Dutzend Staaten stellen sich und ihre Sprachen vor. Die Probleme und Chancen mehrsprachiger Gesellschaften, die Situation von Migrantensprachen, viele (vom Aussterben bedrohter) Minderheiten- und Regionalsprachen und Dialekte in schulischer, sozialer und rechtlicher Hinsicht werden ebenso thematisiert wie die Beziehungen zwischen Sprache und Tanz, Sprache und Kunst, Sprache und Identität. Kulinarische und ästhetische Aspekte von Sprache werden nicht vernachlässigt.

Bremer Kultureinrichtungen sind dabei

Die Kulturinstitute im Land Bremen und andere im Bereich der Sprachvermittlung tätige Institutionen beteiligen sich mit vielfältigen Aktionen und Serviceleistungen am Festival der Sprachen. So wird es kostenlose Schnupperkurse in zahlreichen Fremdsprachen geben, eine Beratungshotline rund um das Thema Fremdsprachenlernen sowie eine Sprachenrallye und einen Wettbewerb “Bremens multilingualste Straße”. Zu den nachhaltig wirkenden Maßnahmen gehört die Gründung eines Sprachenrates, der alle Institutionen vereint, die sich in Bremen mit dem Thema Fremdsprachen befassen und der ein fachkompetentes Beratungsgremium für Politik und Gesellschaft in Sprachenfragen sein soll. Insgesamt unterstützen das Festival gegenwärtig 55 Organisationen und Institutionen aus aller Welt als Kooperationspartner.

Die European Musical Academy und das Waldautheater unter der Intendanz von Thomas Blaeschke bereichern das Festival der Sprachen mit einer ganzen Reihe von musikalischen Highlights. Dazu gehören u. a. das Komponieren und Intonieren einer Festivalhymne, eines abendfüllenden Musicals und einer Chordarbietung, die allesamt enge Bezüge zum Thema Sprache, Sprachen, Sprachwissenschaft haben.

Warum das alles?

Thomas StolzInitiator Professor Thomas Stolz (Bild) vom Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen, Vorsitzender des Instituts für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft, erklärt: “Wir wollen in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür schärfen, dass Sprache das gesamte menschliche Leben entscheidend bestimmt. Nur mittels Sprache sind die Formen menschlicher Gesellschaft sowie Kultur, Politik, Recht, Wissenschaft, Religion und Wirtschaft überhaupt erst möglich. Die grundlegende Bedeutung von Sprache für uns Menschen macht es erforderlich, dass ihr erhöhte Aufmerksamkeit - etwa in Schule und Universität - zukommt.”

Zwei Gespräche mit Thomas Stolz können Sie sich auf der Website von Radio Bremen anhören; eines über das Festival der Sprachen (3:03 Minuten), ein anderes über des Professors Vorliebe für exotische Sprachen (3:27 Minuten). Ausführliche Infos zum Festival finden sich unter www.festival.uni-bremen.de.

[Text: Eberhard Scholz. Quelle: Pressemitteilung Uni Bremen, 2009-02-20; 2009-09-02. Bild: Uni Bremen.]

Deutscher Turner-Bund ist “Sprachpanscher des Jahres”

TurnerinDie Auszeichnung „Sprachpanscher des Jahres“ erhält 2009 der Deutsche Turner-Bund, vertreten durch seinen Präsidenten, Rainer Brechtken. Über 31.000 Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDS) waren zur Abstimmung aufgerufen. Der Deutsche Turner-Bund bekam mit großem Vorsprung die meisten Stimmen vor der Henkel AG und der Schnellkost-Kette Burger King.

In den Veröffentlichungen des Deutschen Turner-Bundes werden gedankenlos englische Bezeichnungen übernommen. „Slacklining, Gymmotion, Speedjumping oder Speedminton versteht kaum noch jemand“, begründete VDS-Vorstandsmitglied Gerd Schrammen die Entscheidung. Der Turner-Bund lade neuerdings ein zum: Sport for Fun beim Six Cup mit Public Doing. Neue Veranstaltungen heißen: Feel Well Woman in motion, Rent a Star und Champions Trophy. „Wir wollen es nicht hinnehmen, dass sich ein großer Sportverband dafür einsetzt, dass die deutsche Sprache im Sport unbrauchbar wird“, so Schrammen.

Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes, Rainer Brechtken, nahm die Auszeichnung laut dpa „mit einem kleinen Schmunzeln zur Kenntnis“. Brechtken erklärte: „Der VDS kann davon ausgehen, dass der Turner-Bund und sein Präsident der deutschen Sprache kraftvoll mächtig sind.“ Die beanstandeten Begriffe seien beim internationalen deutschen Turnfestes verwendet worden. Dabei handle es sich zum Teil um internationale Markenbegriffe, die rechtlich geschützt seien. „Ich bin ein großer Verfechter der deutschen Sprache. Aber ich bin gegen eine allzu enge Betrachtung“, so Brechtken.

Der 1997 gegründete VDS ist der größte Sprach- und Kulturverein in Deutschland. Seit 1997 wählen seine Mitglieder den „Sprachpanscher des Jahres“. Kandidaten für diesen Titel sind zumeist bekannte Persönlichkeiten und öffentliche Einrichtungen, die mit besonderen Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache aufgefallen sind. Den Titel tragen bereits der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn (2007) für sprachliche Entgleisungen bei der Deutschen Bahn, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (2006), für seine Degradierung des Deutschen zur „Feierabendsprache“ und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (2008), für die Werbekampagne be Berlin.

[Text: VDS. Quelle: Pressemitteilung VDS, 2009-08-28; Focus, 2009-08-29. Bild: Fotolia.de.]

Die Übersetzung des Jahres: Reinhard Kaisers Simplicissimus

Simplicissimus Reinhard KaiserDer Literaturübersetzer Reinhard Kaiser (59) hat den 340 Jahre alten Roman Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch in eine zeitgemäße Sprache übersetzt und damit heutigen Lesern zugänglich gemacht. Das Feuilleton feiert das soeben erschienene Werk und überschlägt sich in Lobeshymnen:

Reinhard Kaiser […] hat sich die Mühe gemacht, den verknorzten Simplicissimus Satz für Satz in ein so verständliches wie elegantes, dazu unbedingt zeitgenössisches Deutsch zu übertragen - eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Deutsche, wie man sie auch mancher anderen Schrift des 17. und 18. Jahrhunderts wünschen möchte. Das Ergebnis ist die unverhoffte Wiederkehr eines ziemlich verschollenen Meisterwerks, ein kleines Wunder des Literaturbetriebs. (Der Spiegel, 03.08.2009)

Jetzt kann man Grimmelshausen wieder verstehen. […] von überzeugender Schönheit und Wucht. (Thomas Schmid, Die Welt)

Noch heute hätte der große Roman, von Reinhard Kaiser erzählerisch neu beatmet und in einer zweibändigen Prachtausgabe kredenzt, das Zeug dazu, ein Volksbuch der Deutschen des 21. Jahrhunderts zu werden. (Harro Zimmermann, Radio Bremen)

Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch, erstmals 1668/1669 in Nürnberg gedruckt, ist der eine, ganz große Roman des deutschen Barock, das große Volksbuch der deutschen Literatur. Es hatte zu Lebzeiten des Autors Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1625 – 1676) bahnbrechenden Erfolg, es gab mehrere Fortsetzungen und andere „simplicianische“ Schriften.

Wahrscheinlich wurde über dieses Buch alles gesagt und geschrieben, was dazu zu sagen und schreiben ist. Zumindest die Zuschreibungen, die der Simplicissimus im Laufe seiner dreihundertvierzigjährigen Wandlungsgeschichte erfahren hat, müssten ihn zu einem der populärsten Bücher aller Zeiten machen: Dieses Buch sei eine Persiflage und Parodie auf Wolfram von Eschenbachs Parzival, es sei ein Bindeglied zwischen Parzival und Goethes Wilhelm Meister – und damit eingereiht in den Olymp des deutschen Entwicklungsromans. Ein Bekehrungsroman sei er, ein Schelmen-, ein Picaro-Roman, ein Abenteuerroman, ein komischer dazu, ein Stück große Satire, ein Narrenspiegel, ein christliches Erbauungsbuch, ein autobiographischer Roman, ein Kriegsroman, ein Zeiten- und Sittenbild, in Teilen eine Utopie, erotische Groteske, ein phantastischer Reisebericht, eine Robinsonade und noch einiges mehr.

All diese Zuschreibungen treffen zu und doch war die Lektüre dieses Werks im 21. Jahrhundert nicht mit Lust, sondern wegen der Unlesbarkeit eher mit Frust, Langeweile und vor allem Mühsal verbunden.

Warum diese Mühsal? Warum nicht erkennende Lust? Das fragte sich Reinhard Kaiser, als er sich an die Übersetzung des Simplicissimus machte und die „brutale Operation“ des Übersetzens in Angriff nahm. Hier galt es, den verborgenen Glanz wieder zum Vorschein zu bringen: dieses Buch durch Übersetzen zu entziffern und beim erneuten Lesen zu Entdeckungen zu verhelfen, mit denen der Leser nicht gerechnet hat.

Kaiser sagt: „Der Simplicissimus ist keine altbackene, muffig und fast ungenießbar gewordene Scharteke, sondern ein Roman, der mit seinem Scharfsinn, seinem Witz und seiner gedankenspielerischen Kunstfertigkeit, mit seiner Großartigkeit und Eindringlichkeit zu den allerbesten gehört, die es in unserer Literatur gibt.“

Zur Besonderheit des Übersetzens aus dem Deutschen ins Deutsche erklärt er im Gespräch mit der Tageszeitung Die Welt:

Ich habe viele Bücher aus dem Englischen, einige auch aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Aber für mich war Übersetzen immer eine genuin literarische Betätigung, ein schöpferisches Umgehen mit der eigenen Sprache anlässlich eines Buches in einer fremden Sprache. Und den literarischen Reiz, den das Übersetzen für mich hat, habe ich schon während des Studiums zum ersten Mal im Mittelhochdeutsch-Seminar wahrgenommen. Insofern war mir die Idee, in diesem Falle aus dem Deutschen ins Deutsche zu übersetzen, von Anfang an sehr verlockend.

Was ich dabei nicht unbedingt erwartet habe: dass diese Übersetzungsarbeit in mancher Beziehung tatsächlich schwieriger war als das Übersetzen aus einer der Fremdsprachen, die mir vertraut sind. Das hing, glaube ich, damit zusammen, dass die Spielräume größer, die Wahlmöglichkeiten zahlreicher und damit die unzähligen Entscheidungen, die man als Übersetzer fällen muss, komplizierter waren, als dies im Umgang mit den anderen Sprachen der Fall ist. Aber auch das machte mir diese Arbeit nur umso interessanter. Das Neuerschaffen dieses ungeheuer vielschichtigen alten Textgebildes in einer gegenwärtigeren Sprache und zugleich das abenteuerliche Ausloten und Durchdringen der Sprache des Originals und der Welt, aus der sie stammt und von der sie erzählt.

Dreißigjähriger Krieg 

Vierzig Prozent der Deutschen starben im Dreißigjährigen Krieg

Der Simplicissimus ist vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges ein Roman über Krieg und Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht. Ein Zeitbild, das nichts auslässt und auf der literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) war ein europäischer Krieg auf deutschem Boden. Gemessen an den prozentualen Bevölkerungsverlusten ist er das zerstörerischste Gemetzel, das Europa bis heute gesehen hat. Der Erste und Zweite Weltkrieg wirken daneben wie unbedeutende Scharmützel.

In den deutschen Ländern lebten Anfang des 17. Jahrhunderts rund 20 Millionen Menschen, von denen gut 40 Prozent während der Kriegswirren umkamen – vor allem durch militärische Handlungen, aber auch durch Hungersnöte und Seuchen. Einzelne Herzogtümer wie etwa Württemberg verloren zwei Drittel ihrer Bevölkerung. Fremde Mächte wie Schweden, die sich in Mitteleuropa austobten, verzeichneten ebenfalls einen spürbaren Bevölkerungsrückgang. Denn drei Viertel der nach Deutschland entsandten schwedischen Soldaten fielen.

Reinhard Kaiser erhält Grimmelshausen-Preis

Für seine Übertragung des Simplicissimus aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts in eine allgemein verständliche Sprache, die in hervorragender Weise Rythmus, Ton und Geist des ursprünglichen Textes bewahrt, wird Reinhard Kaiser im Herbst 2009 den Grimmelshausen-Sonderpreis 2009 erhalten. Der Johann-Jakob-Christoph-von-Grimmelshausen-Preis gehört seit 1993 zu den renommierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und wird von den Städten Renchen und Gelnhausen sowie den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen gestiftet.

Simplicissimus Grimmelshausen Erstausgabe 1669Der Autor: Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

Grimmelshausen wurde um 1622 als Sohn eines protestantischen Bäckers und Gastwirts geboren. Er stammte aus einem verarmten Thüringer Adelsgeschlecht. Durch die Plünderung Gelnhausens im Jahr 1634 wurde der Zwölfjährige schon früh in die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges verwickelt. Ab 1639 nahm Grimmelshausen zunächst als Soldat und dann als Schreiber in der Regimentskanzlei des kaiserlichen Oberstleutnants von Schauenburg (Oberkirch) in Offenburg aktiv am Krieg teil.

Nach Kriegsende heiratete er 1649 in Offenburg. Anschließend zog er nach Gaisbach im Renchtal, wo er ein Grundstück erwerben konnte und als Pferde- und Weinhändler arbeitete. In dieser Zeit trat er zum katholischen Glauben über. Von 1662 bis 1665 war er als Burgvogt auf der benachbarten Ullenburg tätig. Von hier aus knüpfte Grimmelshausen seine Kontakte zur Sprachvereinigung Aufrichtige Gesellschaft von der Tannen in Straßburg.

Danach übernahm er bis 1667 in Gaisbach die Gastwirtschaft Zum Silbernen Stern. In dieser Zeit begann seine Tätigkeit als Schriftsteller. 1667 wurde er Schultheiß in Renchen im Dienste des Straßburger Bischofs Leopold Wilhelm von Österreich.

In der Regel benutzte Grimmelshausen Pseudonyme, unter denen seine Werke veröffentlicht wurden. So nannte er sich auf der nebenstehend abgebildeten Titelseite der Erstausgabe des Simplicissimus „German Schleifheim“.

Der Übersetzer: Reinhard Kaiser

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen am Niederrhein, ist einer der brillantesten und angesehensten Übersetzer aus dem Englischen. Er studierte Germanistik, Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie in Berlin, Paris, Köln und Frankfurt (a.M.), arbeitete als Übersetzer und Lektor (Belletristik und Sachbuch) erst für den Suhrkamp-Verlag und ab 1980 als freier Übersetzer und Lektor für viele große Publikumsverlage. Seit 1976 übersetzte er über 70 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche von Isaiah Berlin bis zu Irene Dische, Sylvia Plath und Susan Sontag, von D.H. Lawrence, Sam Shepard, Neil Postmann bis zu Richard Sennet und schrieb bisher acht Bücher als originaler Autor.

Das Buch

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch. Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser. Frankfurt am Main: Eichborn, 2009. 762 Seiten, 49,95 Euro, ISBN-13: 978-3821847696.

[Text: Material des Eichborn Verlags, überarbeitet und angereichert von Richard Schneider. Quelle: Eichborn Verlag; Wikipedia (Grimmelshausen-Biografie); Die Welt, 2009-08-27. Bild: Eichborn, Wikipedia.]

Berlin: Goethe-Institut organisiert Fachtage zur Mehrsprachigkeit

Leonard OrbanUnter der Schirmherrschaft von Leonard Orban (Bild), als Mitglied der Europäischen Kommission zuständig für Mehrsprachigkeit, veranstaltet das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und einer Reihe von Partnern die dreitägige Veranstaltungsreihe „Sprachen ohne Grenzen“. Vom 17. bis 19. September 2009 wird in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin in Vorträgen, Diskussionsrunden und Präsentationen über die Bedeutung und den Nutzen von Mehrsprachigkeit für das politische, kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Leben diskutiert. Das international besetzte Forum gliedert sich in die Themenschwerpunkte Mehrsprachigkeitspolitik, Mehrsprachigkeit und Bildung sowie Mehrsprachigkeit in Wissenschaft und Wirtschaft.

Welche Kosten verursacht die Einsprachigkeit in der Wirtschaft? Wie kann Mehrsprachigkeit in Wirtschaftsunternehmen gefördert werden? Welche Anreize können dafür entwickelt werden und welche Chancen bietet ein strategisches Sprachwissensmanagement? Dies sind einige der Fragen, denen sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Sektion „Mehrsprachigkeit und Wirtschaft“ widmen werden. Neben Experten aus Unternehmen werden auch Vertreter aus der EU-Politik erwartet.

Die sprachliche Integration von Migranten im europäischen Vergleich thematisiert die Fachkonferenz „Sprache und Integration“. Beispiele aus Großbritannien, Italien und Deutschland zeigen aktuelle Ansätze sprachlicher Integration in Europa. Bei der Konferenz soll auch die Einbeziehung und Stärkung der Herkunftssprachen von Migranten aufgegriffen sowie das bisher unterschätzte gesellschaftliche Potential dieser Sprachenvielfalt erörtert werden. Vertreter aus Wissenschaft und Praxis berichten über aktuelle Aktivitäten in Europa und speziell in Deutschland.

Konkrete Beispiele aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik sind bei einem weiteren Themenschwerpunkt zu erleben. Hier wird sich u.a. eine Diskussion zu den Vor- und Nachteilen der Mehrsprachigkeit äußern. Welche Rolle spielt das Englische als erste Fremdsprache für das Erlernen weiterer Fremdsprachen? Kann mehrsprachig in einem Fach gelehrt werden und was bedeutet dies für die Lehrerausbildung? In einer interaktiven Vorlesung wird gezeigt, wie man z.B. gleichzeitig fünf Sprachen einer Sprachenfamilie lernen kann. In szenischen Spielen zeigen Kinder mit Migrationshintergrund wie ein interkultureller Dialog möglich ist, auch wenn ihre Sprache nicht von allen Beteiligten verstanden wird.

Goethe-InstitutDer Mehrsprachigkeit in den Wissenschaften widmet sich ein vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) konzipiertes Symposium, das im Rahmen von „Sprachen ohne Grenzen“ und in Kooperation mit der Alexander von Humboldt-Stiftung stattfindet. Idee und Wirklichkeit der akademischen Mehrsprachigkeit werden dabei miteinander in Beziehung gesetzt. Eine zentrale Rolle wird die Frage nach der Bedeutung von Englisch als Wissenschaftssprache und die Befürchtung, sie verdränge die anderen Sprachen, spielen: Ist Mehrsprachigkeit in den Naturwissenschaften überhaupt praktikabel? Und wie steht es andererseits mit der Englischkompetenz an deutschen Hochschulen? Beispiele einer erfolgreichen Integration von Mehrsprachigkeit in Hochschul-Curricula werden präsentiert. Anschließend lotet eine Podiumsdiskussion Perspektiven der akademischen Mehrsprachigkeit und ihrer Förderung aus.

Ein Rahmenprogramm reflektiert das Thema auch unter künstlerischen und kulturellen Aspekten: Das Theaterstück „Unserdeutsch – ein dokumentarisches Südseemärchen“ zur einzig deutsch-basierten Kreolsprache wird uraufgeführt, den Einfluss der Bollywood-Filme auf die Verbreitung des Hindi in Indien zeigt ein Dokumentarfilm, afrikanische Jugendliche treten bei Theaterworkshops mit deutschen Jugendlichen in einen mehrsprachigen Dialog, eine Stadtführung begibt sich auf die Spuren der Sprachenvielfalt in Berlin und ein Jazzkonzert lädt zum abendlichen Tagesabschluss ein.

www.sprachen-ohne-grenzen.de 

[Text: Susanne Sporrer. Quelle: Pressemitteilung Goethe-Institut, 2009-07-21. Bild: EU-Kommission.]

PONS stellt Wörterbuch zur Rechtschreibung kostenlos ins Internet

PONS-Website

Der Sprachenverlag PONS macht Internetnutzern die deutsche Rechtschreibung in einem wöchentlich aktualisierten Nachschlagewerk kostenfrei zugänglich und bindet die Social-Media-Community ein. Auf dem werbefinanzierten Sprachenportal www.pons.eu kann jeder ab dem 27. Juli 140.000 Stichwörter der deutschen Sprache nach den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung nachschlagen.

Die pons.eu-Nutzer haben zudem die Möglichkeit, selbst weitere Begriffe vorzuschlagen. Einmal pro Woche aktualisiert die PONS-Redaktion das Online-Nachschlagewerk. Sie prüft die Vorschläge und nimmt auch Neuwörter auf. Eine umfassende Social-Media-Kampagne begleitet die Einführung der Deutschen Rechtschreibung Online. Erste Beiträge aus der Blogger- und Twitter-Community hat die Redaktion bereits aufgenommen: von twittern über Web 2.0 bis hin zu feed.

“Wir holen die aktuellsten Entwicklungen in der deutschen Sprache dort ab, wo sie entstehen, unter anderem bei den Menschen, die täglich im Internet agieren”, sagt Gabriele Schmidt, Geschäftsführerin von PONS. “Die deutsche Sprache ist etwas Lebendiges, das sich laufend verändert. Wir halten die Deutsche Rechtschreibung Online auf zwei Wegen auf dem neuesten Stand: durch die kontinuierliche Erweiterung und Recherche in unserer Deutsch-Redaktion und die Interaktion mit den Nutzern im Internet, die Wortvorschläge einreichen”, so Schmidt.

Das Nachschlagewerk umfasst auch viele zusammengesetzte Wörter und zum deutschen Sprachgebrauch gehörende Anglizismen wie Staatshilfe oder Webbrowser, die nicht im neuesten Print-Duden stehen. Um Verwirrung zu vermeiden, verzichtet PONS auf die Angabe der alten Schreibung, die inzwischen als Fehler gilt. Durch eine augenfreundliche Darstellung hat der Sprachenverlag die Inhalte für das Nachschlagen am Bildschirm optimiert. Ab August ist pons.eu zusätzlich über mobiles Internet auf iPhone, Smartphone und Handy zugänglich.

Neben der Deutschen Rechtschreibung bietet das Sprachenportal www.pons.eu sieben zweisprachige Online-Wörterbücher mit aktuell 4,5 Millionen Wörtern und Wendungen. PONS führt dabei als erster Anbieter Marken-Content und Nutzer-Beiträge zusammen. Im integrierten Bildwörterbuch - einem weiteren Alleinstellungsmerkmal von pons.eu - lassen sich englische und deutsche Begriffe als Bild darstellen. Hier können Sie sich die wichtigsten Features des Sprachenportals www.pons.eu kurz per Video vorstellen lassen: www.youtube.com/watch?v=iW2f8E9ITvQ

“Wir orientieren uns am aktuellen Bedarf unserer Kunden und sehen neue Vertriebswege und Entwicklungen vor allem als Chance, nicht als Bedrohung der aufgebauten Position”, erklärt Gabriele Schmidt. Der Sprachenverlag fährt mit Online und Print eine zweigleisige Strategie: Am 15. September kommt der Printtitel PONS - Die Deutsche Rechtschreibung in den Buchhandel. Der Inhalt des Printtitels entspricht dem der Deutschen Rechtschreibung Online zum jetzigen Zeitpunkt. Es ist ein komplettes Nachschlagewerk zur deutschen Rechtschreibung, das dem amtlichen Regelwerk folgt.

www.pons.eu 

PONS
Seit über 30 Jahren entwickelt PONS grüne Sprachlernmaterialien und Wörterbücher fürs Leben: für Schule, Beruf, Reise oder Hobby. Über 500 Wörterbücher und Kurse für Sprachen von Chinesisch bis Ungarisch helfen beim Lernen und Nachschlagen – mit oder ohne Vorkenntnisse. Weil jeder anders lernt, bietet PONS alles vom klassischen Wörterbuch und der Grammatik über Audio- und Softwaresprachkurse bis hin zu kostenlosen Online-Angeboten wie PONSline, PONSblog und PONScast.

[Text: PONS. Quelle: Pressemitteilung PONS, 2009-07. Bild: PONS.]

Duden und Wahrig in neuer Auflage erschienen

Diese Woche sind die beiden Standardwerke zur deutschen Rechtschreibung in neuer Auflage erschienen.

DudenDer Duden – Die deutsche Rechtschreibung erscheint in 25., völlig neu bearbeiteter und erweiterter Auflage. Der Dudenverlag nimmt die Jubiläumsausgabe zum Anlass für ein besonderes Angebot und bietet den neuen Duden zusammen mit der Korrektursoftware „Duden Korrektor kompakt” in einem Medienpaket zum Jubiläumspreis von nur 25 Euro an. Das Angebot gilt bis 31. Dezember 2009 und wendet sich an alle, die sich nicht nur beim schnellen Nachschlagen, sondern auch beim Verfassen und Bearbeiten von Texten am Computer auf den Duden verlassen möchten.

135 000 Stichwörter, mehr als 5 000 Neuaufnahmen von „Abwrackprämie” bis „Zwergplanet”

Mit rund 135 000 Stichwörtern und über 500 000 Beispielen, Bedeutungserklärungen und Angaben zu Worttrennung, Aussprache, Grammatik, Stilebenen und Etymologie präsentiert der neue Duden den aktuellen Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache so umfassend wie nie zuvor. „Abwrackprämie”, „fremdschämen”, „Hybridauto”, „twittern” und „Zwergplanet” gehören zu den mehr als 5 000 neu aufgenommenen Wörtern. Rund 400 Infokästen mit leicht verständlichen Regeln und praktischen Beispielen erklären schwierige Zweifelsfälle. Der neue Sonderteil „Sprache in Zahlen” vermittelt wissenswerte Informationen rund um den deutschen Wortschatz.
 
„Duden Korrektor kompakt”: Rechtschreibprüfung für Microsoft Office und Works

Der „Duden Korrektor kompakt” (Version 6.0) integriert sich nahtlos in Microsoft Office und Works und ist kinderleicht zu installieren und zu bedienen. Er prüft und korrigiert u. a. Fehler bei Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Worttrennung. Dabei korrigiert die Software nicht nur nach der neuen, 25. Auflage des Rechtschreibdudens, sondern enthält diese auch digital zum bequemen Nachschlagen direkt aus der Microsoft-Office-Anwendung heraus.
Durch die „Dudenempfehlungen” verhelfen Wörterbuch und Korrektursoftware in bewährter Weise zu einer einheitlichen Schreibpraxis.
 
Digitale Version für alle etablierten Plattformen

Den neuen Duden gibt es nicht nur im Medienpaket, sondern selbstverständlich auch allein als Buch, als CD-ROM für Windows, Mac OS X und Linux in der Office-Bibliothek Version 5.0 sowie als Software für PDAs und Smartphones. Mit der neuen, 25. Auflage steht das Standardwerk der deutschen Rechtschreibung erstmals auch iPhone-Besitzern zur Verfügung.

Die digitale Version des neuen Dudens ist darüber hinaus standardmäßig in den neuen „Duden Korrektoren 6.0” für Microsoft Office und Works („Duden Korrektor 6.0”, „Duden Korrektor PLUS 6.0” und „Duden Korrektor PLUS 6.0 Update”) und im „Duden Korrektor 6.0” für OpenOffice und StarOffice zum Nachschlagen enthalten.
 
Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 1 216 Seiten, ISBN 978-3-411-70425-5, 25 Euro (Jubiläumspreis bis 31.12.2009 inkl. Duden-Korrektor).

www.duden.de 

WahrigWAHRIG Die deutsche Rechtschreibung - 7. Auflage erschienen

„Exoplanet“, „Kopfnote“, „skypen“, „Speeddating“, „Whiteboard“ oder „Public Viewing“ – immer neue Wörter ziehen in den deutschen Wortschatz ein. WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung spiegelt diesen Sprachwandel umfassend wider. Topaktuell und um zahlreiche Neuaufnahmen erweitert, erscheint das bewährte Standardwerk in der 7. Auflage. Die Neubearbeitung wurde zudem um ein Komplettverzeichnis der empfohlenen Schreibvarianten der deutschsprachigen Presseagenturen ergänzt.

„Der WAHRIG ist am Puls des aktuellen Schreibgebrauchs. Erstmals sind die Ergebnisse der Sprachbeobachtung durch den Rat für deutsche Rechtschreibung in die Neuausgabe eingeflossen. Dieser analysiert, welche neuen Wörter und welche Variantenschreibungen sich letztendlich durchsetzen“, erläutert Dr. Sabine Krome, Leiterin der WAHRIG-Redaktion. Seine Aktualität und Übersichtlichkeit machen den WAHRIG zum optimalen Arbeitsmittel, auch an Schulen. Hierfür garantiert die Zusammenarbeit mit dem Cornelsen Verlag.

WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung enthält rund 130.000 Stichwörter und Schreibweisen. Zusätzlich bietet das 1.216 Seiten starke Werk mehr als 750 Tipp- und Infokästen. Sie zeigen die wichtigsten Regeln auf einen Blick und geben Sicherheit bei typischen orthografischen Zweifelsfällen.

WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung. 1.216 Seiten, zweifarbig, 17,95 Euro, ISBN 978-3-577-07588-6.

www.wahrig.de

[Text: Duden, Wahrig. Quelle: Pressemitteilung Duden, Wahrig. Bild: Duden, Wahrig.]

“Besservisser beim Kaffeeklatsching” - Deutsche Wörter im Ausland

Dass die deutsche Sprache voller Anglizismen ist, ist bekannt. Dass aber auch viele deutsche Wörter „ausgewandert“ sind, weiß kaum jemand. Sven Siedenberg stellt dem staunenden Leser die populärsten und skurrilsten Germanismen mit vielen Erläuterungen zu Herkunft und Bedeutung vor. Denn oft verraten die Sprachexporte, wie die deutsche Kultur im Ausland wahrgenommen wird. „Kein langweiliges Wörterbuch, sondern überraschend amüsante Beispiele aus dem täglichen Sprachgebrauch“, so der Verlag.

Aus dem Vorwort:

„Ich spreche Spanisch mit Gott, ltalienisch mit den Frauen, Französisch mit den Männern und Deutsch mit meinem Pferd.“ Als Karl V., geboren 1500 in Genf und letzter römisch-deutscher Kaiser, so zu seinen über Europa und Amerika verstreuten Untertanen sprach, haftete dem Deutschen in den Nachbarländern noch der Stallgeruch einer bäuerlichen, ungeliebten Sprache an. Erst mit Luthers Bibelübersetzung wurde das Deutsche geadelt und gelangten Wörter wie „Protestant“ oder „Sauerkraut“ ins Englische, Französische, Italienische und Spanische. Weitere Auswanderungswellen folgten zur Goethezeit, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie während der beiden Weltkriege. Neben militärischen und wissenschaftlichen Ausdrücken tauchten auch Perlen des SchönkIangs und Tiefsinns in anderen Sprachräumen auf: „Lebenslust“, „Biergarten“, „Heldentenor“, „Schnaps“, „Poltergeist“, „Edelweiß“, „Wunderkammer“ oder „Minnesänger“. […]
Geschätzte 10.000 deutsche Sprachexporte sind international in Umlauf – eine Auswahl versammelt dieses Buch, mit Anwendungsbeispielen und Erläuterungen zu Herkunft, Bedeutung und Entlehnungsweg. Nicht immer lässt sich genau ermitteln, wann und über welche Grenze die Exportschlager einmal ausgewandert sind. Oft dauert es viele Jahrzehnte, bis ein Wort auch schriftlich in der neuen Sprachheimat angekommen ist, oft nimmt es mehrere Wege, und oft verwandelt es sich auch – aus Pudel wird „Franse poedel“, aus Schnorchel wird „Snorkkeli“ und aus Christkind wird „Kriss Kringle“.

Der Autor Sven Siedenberg lebt und arbeitet als Journalist und Autor in München. Er schrieb Glossen, Kritiken, Reportagen, Porträts und Essays für Spiegel, Stern, Focus, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und andere Magazine und Zeitschriften. Zuletzt war er Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat an zahlreichen Anthologien mitgewirkt und bereits mehrere Bücher geschrieben.

Sven Siedenberg (2009): Besservisser beim Kaffeklatsching. Deutsche Wörter im Ausland. Ein Lexikon. München, Heyne. 256 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 978-3453601000.

[Text: Heyne. Quelle: Heyne. Bild: Heyne.]

IDS-Studie zeigt: Deutsche lieben ihre Sprache

IDSDie große Mehrheit der Deutschen empfindet Liebe und Stolz für die deutsche Sprache. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten, repräsentativen Studie zu Spracheinstellungen in Deutschland, die das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) und der Lehrstuhl Sozialpsychologie der Universität Mannheim durchbeführt haben. Über 2.000 Menschen in Deutschland, darunter auch Nicht-Muttersprachler, wurden nach ihren Gefühlen gefragt, die sie für die deutsche Sprache empfinden. Sie bewerteten Dialekte und fremdsprachige Akzente, äußerten sich zur Entwicklung des Deutschen und machten Angaben zu ihrem Mediengebrauch. Förderer der Studie ist die Volkswagenstiftung.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der in ihrer Komplexität einzigartigen Studie ist die große Verbundenheit der Deutschen mit ihrer Sprache. 87% aller Befragten geben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Sie empfinden Stolz (56%) und Liebe (47%) für ihre Sprache und beschreiben sie als schön, anziehend, logisch, aber auch schwierig. Während 1997/1998 nur 13% aller Deutschen erklärten, ein großes Interesse an der Pflege der deutschen Sprache zu haben, sind es heute 35%.

Norddeutscher Dialekt am sympathischsten

Mehr als die Hälfte aller Deutschen, nämlich 60%, sprechen einen Dialekt. Die meisten Dialektsprecher leben im Süden bzw. Südwesten Deutschlands und im Ostteil Berlins: Im Saarland sind es 94%, in Bayern und in Baden-Württemberg jeweils 86%, in Rheinland-Pfalz 75%. Mit 83% gehört auch der Ostteil Berlins zu einem der Gebiete mit dem höchsten Anteil an Dialektsprechern. Das Vorurteil, Dialekte seien ein Zeichen von niedrigem sozialen Status, konnte die Studie widerlegen: Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Dialektkompetenz und Bildungsgrad.

Am sympathischsten wird der norddeutsche Dialekt empfunden (24%), gefolgt von Bairisch (20%) und Alemannisch (13%). Nur eine Minderheit (9%) gibt an, keinen Dialekt zu mögen, und immerhin fast ein Drittel der Befragten findet keinen der deutschen Dialekte unsympathisch.

Französischer Akzent am beliebtesten

Fremdsprachigen Akzenten stehen die Deutschen eher positiv gegenüber. Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Studie (48%) erklären, dass es keinen Akzent gibt, der ihnen unsympathisch ist. Nur ein Fünftel findet keinen Akzent sympathisch. In der Riege der positiv bewerteten Akzente schneidet der französische mit 36% eindeutig am besten ab. Deutsch mit einem italienischen Akzent wird von 21% der Befragten als sympathisch bewertet.

Verständigung mit Einwanderern wird häufig als schwierig empfunden

Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung (43%) empfindet die Verständigung mit Einwanderern als schwierig oder sogar sehr schwierig. Dass Einwanderer in bestimmten Lebensbereichen überwiegend ihre Muttersprache sprechen, bewerten 44% der Befragten ebenfalls als schlecht oder sehr schlecht.

Mehrheit der Deutschen betrachtet die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen und Sorge

Waren es 1997/1998 noch 53% der Deutschen, denen Veränderungen in der deutschen Sprache auffielen, so sind es heute 84%. Als Ursachen des Wandels werden der Einfluss durch fremde Sprachen (28%), und hier vor allem des Englischen (21%), wahrgenommen, die (neue) Rechtschreibung (25%), die Sprache der Jugend (15%), mangelnde Sprachsorgfalt, unangemessenes Sprechen und Schreiben (12%) sowie Veränderungen in der Grammatik. Die Hauptverantwortung an der Veränderung der deutschen Sprache wird mit 37% den Medien zugeschrieben.

Die Mehrheit der Befragten betrachtet die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen oder sogar mit Sorge. Auf die Frage, ob die Veränderung der deutschen Sprache positiv oder negativ zu bewerten sei, antwortet mehr als die Hälfte der Befragten (53%) unentschieden. 30% sind der Ansicht, die Entwicklung sei “eher besorgniserregend” oder “sehr besorgniserregend”. 16% der in Deutschland lebenden Bevölkerung findet die Veränderungen “eher erfreulich” bzw. “sehr erfreulich”. Einwanderer bewerten die Entwicklung der deutschen Sprache deutlich positiver als Muttersprachler.

Fast alle Befragten halten es für wichtig bis sehr wichtig, dass man sich beim Sprechen (92%) und Schreiben (95%) sorgfältig ausdrückt und die Rechtschreibregeln beachtet. Einwanderer messen der Sorgfalt beim Sprechen eine noch größere Bedeutung bei.

Schule und Politik sollten mehr für die deutsche Sprache tun

78% der Deutschen sind der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden sollte. Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache lehnt die Mehrheit (58%) dennoch ab. Vor allem von Lehrern, Schulen und Jugendeinrichtungen wird erwartet, dass sie sich stärker um die Sprache kümmern sollten (73%). An zweiter Stelle wird die Politik genannt (39%), an dritter Stelle die Eltern (28%).

Lesen im Internet hemmt das Interesse an Büchern nicht

Knapp die Hälfte der Befragten liest mindestens einmal pro Woche deutsche Bücher (49%) und deutsche Beiträge im Internet (45%). Noch mehr Befragte lesen regelmäßig deutsche Zeitungen oder Zeitschriften: 70% tun dies täglich, 21% einmal pro Woche. Während Frauen häufiger Bücher lesen als Männer, verfolgen Männer häufiger Beiträge im Internet.

Menschen, die häufig im Internet lesen, zeigen insgesamt ein intensiveres Leseverhalten. Sie nutzen häufiger deutsche Wörterbücher und lesen häufiger Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Hinweise darauf, dass der Internetkonsum dazu führt, dass weniger Bücher gelesen werden, finden sich in der Studie nicht.

Institut für Deutsche Sprache
Das Institut für Deutsche Sprache ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer neueren Geschichte. Es gehört zusammen mit 83 anderen außeruniversitären Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen zur Leibniz-Gemeinschaft. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das Institut jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen. Hinzu kommen in wechselndem Umfang Mittel von forschungsfördernden Organisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Volkswagen-Stiftung. Förderung erfährt das IDS auch von der Stadt Mannheim und dem Verein der Freunde des Instituts für Deutsche Sprache e.V. Derzeit beschäftigt das IDS 111 Mitarbeiter, davon sind 69 wissenschaftliche Angestellte. Mit seinen Vortragsveranstaltungen, Tagungen und Kolloquien ist das IDS ein Ort der wissenschaftlichen Begegnung und Kommunikation für in- und ausländische Germanisten und alle an Sprache Interessierten.

www.ids-mannheim.de

[Text: Dr. Annette Trabold. Quelle: Pressemitteilung IDS, 2009-06-17. Bild: IDS.]