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Archiv der Kategorie Deutsche Sprache
“Shitstorm” ist Anglizismus des Jahres 2011
23.2.2012 von Nina Neumann.

Shitstorm ist der „Anglizismus des Jahres“ 2011. Eine unabhängige Juri um den Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch wählte das Wort aus rund sechzig Vorschlägen. „Das Wort füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres von der Netzgemeinde aus auf den allgemeinen Sprachgebrauch ausgebreitet und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt“, begründete die Jury ihre Entscheidung.
Mit der Wahl zum „Anglizismus des Jahres“ wird der positive Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes gewürdigt. „Öffentliche Diskussionen über Sprache sind in Deutschland von der Idee beherrscht, dass Lehnwörter – vor allem, wenn sie aus dem Englischen stammen – eine Gefahr für den Fortbestand der deutschen Sprache darstellen“, sagt Stefanowitsch. „Dabei war und ist die Entlehnung von Wörtern ein natürlicher Prozess, mit dem Menschen zu jeder Zeit und in allen bekannten Sprachräumen den Wortschatz ihrer Sprache erweitert haben.“ Dass das Englische derzeit eine intensiv genutzte Quelle für Lehnwörter sei, so Stefanowitsch weiter, liege an seiner herausragenden Rolle als internationale Verkehrssprache.
Um Anglizismus des Jahres zu werden, muss ein englisches Lehnwort eine Lücke im Wortschatz füllen, über eine breite Akzeptanz im Sprachgebrauch verfügen und gut in die lautliche und grammatische Struktur des Deutschen integriert sein. Das diesjährige Siegerwort Shitstorm überzeugte in allen drei Kategorien. Es bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt. „Diese neue Art des Protests unterscheidet sich in Art und Ausmaß deutlich von allem, was man in früheren Zeiten als Reaktion auf eine Äußerung oder Handlung erwarten konnte“, sagt Jurymitglied Michael Mann und seine Kollegin Susanne Flach ergänzt: „Das Wort Shitstorm ermöglicht eine klare Bedeutungsdifferenzierung gegenüber Wörtern wie Kritik, Protest, Sturm der Entrüstung.“
Als vulgär muss das Wort nicht gelten. „Natürlich handelt es sich um einen gewollt derben Ausdruck, dem man seine Herkunft aus dem amerikanischen Slang ansieht“, sagt Stefanowitsch. „Aber gerade der klare Lehnwortcharakter des Wortes federt diese Derbheit soweit ab, dass das Wort auch im öffentlichen Sprachgebrauch akzeptiert ist.“
Auf den zweiten Platz setzte die Jury das Wort Stresstest, das im Dezember schon zum „Wort des Jahres“ gewählt wurde. „Das Wort ist interessant, weil es auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht“, sagt Jurymitglied Kristin Kopf. „Sowohl Stress als auch Test sind längst bestens integriert.“ Trotzdem hätte sich das Kompositum Stresstest nicht ohne Weiteres aus den bereits entlehnten Einzelteilen bilden lassen, da das Wort Stress in der deutschen Alltagssprache auf psychische Belastungen beschränkt sei.
Auf den dritten Platz wählte die Jury mit dem Verb circeln („jemanden im sozialen Netzwerk Google+ zu einer Kontaktliste hinzufügen“) ein klassisches Lehnwort, das gemeinsam mit einer neuen Kulturtechnik in die Sprache übernommen wurde. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es sich tatsächlich durchsetzen kann, da es mit dem deutschen einkreisen konkurriert. Flach sieht aber Potenzial, da circeln die neutralere Alternative sei: „Will man seine Freunde wirklich einkreisen?“
Außerdem haben es von den knapp sechzig Vorschlägen bis in die Endrunde geschafft: Cyberkrieg/Cyberwar, Tablet, Cloud, Occupy, Masterand und das Affix -gate. In einer parallel durchgeführten Publikumsabstimmung setzte sich ebenfalls das Wort Shitstorm durch, dichtgefolgt von Occupy und Cloud.
„Auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass der Einfluss der englischen Sprache auf unseren Wortschatz zwar wichtig ist, aber nicht so groß, wie oft angenommen“, sagt Stefanowitsch. „Von den knapp 60 Vorschlägen waren nur siebzehn neu genug und ausreichend weit verbreitet, um als aktuelles Lehnwort zu gelten – und selbst unter denen waren noch Grenzfälle.“
Der Wettbewerb
Der Wettbewerb „Anglizismus des Jahres“ fand erstmals 2010/11 statt. Damals gewann das Wort leaken als Bezeichnung für das gezielte anonyme Veröffentlichen geheimer Informationen zum Wohle der Öffentlichkeit.
Die Jury
Anatol Stefanowitsch ist Professor für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg und Autor des populärwissenschaftlichen „Sprachlog“. Mitglieder der Jury waren die Anglistin Susanne Flach (Freie Universität Berlin, Autorin des Blogs „Decaf – Coffee and Linguistics“), die Germanisten Kristin Kopf (Universität Mainz, Autorin des Blogs „Schplock“) und Michael Mann (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Autor des „lexikographieblog“), und der allgemeine Sprachwissenschaftler Jan Wohlgemuth (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig).
[Text: Wettbewerb Anglizismus des Jahres, 13.02.2012. Quelle: Pressemitteilung Anglizismus des Jahres. Bild: Anglizismus des Jahres.]
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“Lassma Kino gehn!” Kiezdeutsch, ein neuer Dialekt
18.2.2012 von Jessica Antosik.
Unvollständige Sätze, die sich aus arabischen und türkischen Fremdwörtern zusammensetzen, grammatische Vereinfachungen, abweichende Wortstellungen, “so” als Fokusmarker sowie fehlende Flexionsendungen, Artikel und Präpositionen bei Ortsangaben sind für die Jugendsprache der Großstädte, vor allem für die Jugendsprache in multiethnischen Wohngebieten, charakteristisch. Einige Beispiele zur Verdeutlichung: “Ich frag mein Schwester”, “Ich bin Schule”, “So auch auf der Straße kommen die Leute” oder “Ich werde zweiter Mai fünfzehn”. Das im Titel bereits erwähnte “lassma” deutet auf ein neues grammatische Subsystem an: Es leitet eine Anforderung ein, die den Sprecher selbst in die Handlung mit einbezieht.
Alles, was nicht Standard ist, wird als falsch wahrgenommen, und nicht als alternative Möglichkeit akzeptiert. Aufgrund der genannten Elemente hat die Jugendsprache oftmals einen schlechten Ruf. Gewöhnlich gilt sie als gebrochenes, schlechtes Deutsch. Wer “Das ist meiner Mutter ihr Hut” sage, werde oft abgestempelt, so Heike Wiese, Professorin für Deutsche Sprache der Gegenwart und Sprecherin des Zentrums “Sprache, Variation und Migration” an der Universität Potsdam. An dieser Stelle kann man sich in Anlehnung an die Sarazzin-Debatte die Frage stellen, ob sich Deutschland in Vierteln wie Kreuzberg sprachlich abschafft. Weise stimmt dem nicht zu. Ihrer Ansicht nach gibt es nach “das Deutsche”. “Das ist nur ein Oberbegriff für ganz viele Stile und Dialekte. Eine Variante ist Standarddeutsch.” Doch sie ist sich dessen bewusst, dass Dialekte weltweit keinen guten Ruf haben. Jugendsprache wird mit Sprachverfall und -verarmung in Verbindung gebracht. Wer die Jugendsprache allerdings bislang für daneben hielt, wird nun eines Besseren belehrt. Die Linguistin erforscht den Jugendslang und vertritt einen anderen Standpunkt: Für sie handelt es sich beim Kiezdeutsch um einen kreativen Dialekt sprachbegabter oder mehrsprachig aufgewachsener Menschen, samt Grammatik. Nach Wiese ist Kiezdeutsch weder ein willkürliches Produkt von Sprachidioten, noch dient es allein zur Verständigung aggressiver Migrantengangs. “Kiezdeutsch ist kein Sprachmangel, sondern die Entwicklung einer neuen Sprache: die Entstehung eines neuen Dialekts.” Die Jugendsprache sei weder chaotisch noch regellos. Entgegen zahlreicher Befürchtungen anderer Linguisten sei Kiezdeutsch eine spannende Bereicherung des Deutschen und keineswegs eine Bedrohung für die deutsche Sprache oder gar der Untergang der deutschen Hochsprache. Kiezdeutsch sei eine in sich stimmige sprachliche Varietät.
Anfang Februar sind Heike Weises Ergebnisse in dem Buch Kiezdeutsch: Ein neuer Dialekt entsteht erschienen. Darin untersucht sie den Dialekt, den Jugendliche im Berliner Migranten-Stadtteil Kreuzberg sprechen und legt Vorurteile ab. In diesem Zusammenhang ging sie soziologischen sowie soziolinguistischen Aspekten auf den Grund. “Es scheint bei vielen Menschen für das eigene Weltbild wichtig zu sein, dass das Deutsch in Migrantenvierteln nur gebrochenes Deutsch sein kann”, erklärt Wiese. Dies könne mit zahlreichen vorherrschenden Klischees zu tun haben. Insbesondere gehe es jedoch um die Vorurteile gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund, denen unterstellt werde, sie würden sich nicht integrieren (wollen) und über mangelnde Sprachkenntnisse verfügen. Das Wort “Migrationshintergrund” werde nicht mit Innovation assoziiert.
Der Widerstand der Jugendsprache-Gegner hat Weise dazu animiert, dem Phänomen des Kiezdeutschen wissenschaftlich nachzugehen. Kreuzberger Schüler bekamen Aufnahmegeräte und zeichneten ihre Alltagsgespräche auf. Die Sprachwissenschaftlerin zielt darauf ab, Negativ-Klischees zu widerlegen. Ihrer Studie zufolge wird Kiezdeutsch von vielen Jugendlichen in Kreuzberg, aber auch in anderen Regionen Deutschlands gesprochen. Das Phänomen sei auch in Hamburg, Mannheim oder auch im Ruhrgebiet zu beobachten. Ähnliche Entwicklungen gebe es ebenfalls in Großbritannien, Schweden, Dänemark, in den Niederlanden und den USA. Zudem verändere sich das Kiezdeutsch sehr schnell. “In anderen Ländern gibt’s kein Kiezdeutsch, aber man könnte es dann kiezdänisch, kiezholländisch, kiezschwedisch nennen, englisch sowieso. Überall in Europa, wo sich in urbanen Gebieten viele Jugendliche treffen, viele unterschiedliche Sprachen zusammen kommen, entwickeln sich sehr dynamische neue Jugendsprachen.” Vor sechs Jahren noch sagten Kreuzberger Jugendliche, sie “reden krass”. Nun ist “wannebe” eine (noch) aktuelle Wortneuschöpfung, die ihre Wurzeln in der englischen Facebook-Sprache hat, allerdings deutsch ausgesprochen wird. “Übersetzt” bedeutet das Wort “Ich würde ja gern, aber ich habe leider keine Zeit”.
Die soziale oder ethnische Herkunft spiele beim Kiezdeutsch keine Rolle. Fast alle Schüler beherrschen auch korrektes Standarddeutsch sowie Fremdsprachen. Kiezdeutsch habe eine andere, zentrale Funktion, betont Wiese. “Es sagt aus, dass man zu einer Gruppe gehört.” Spreche ein Jugendlicher Kiezdeutsch mit Erwachsenen, wolle er meist provozieren. Und die Rechnung geht zumeist auf.
Das Team um Heike Wiese hat zudem das “Infoportal Kiezdeutsch” ins Leben gerufen, das einer breiten Öffentlichkeit die sprachwissenschaftliche Ergebnisse zu Kiezdeutsch zugänglich machen soll, sprachliche Beispiele in Form von Audioaufnahmen bereitstellt und als Handreichung für Schulprojekte zur grammatischen Analyse von Kiezdeutsch dient.
Zum Buch
Heike Wiese: Kiezdeutsch: Ein neuer Dialekt entsteht
Verlag: Beck
Auflage: 1. (8. Februar 2012)
Seiten: 280
ISBN-10: 3406630340
ISBN-13: 978-3406630347
Preis: 12,95 Euro
[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 12.02.2012; dradio.de, 16.02.2012; bild.de, 16.02.2012; goethe.de.]
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Duden-Sprachberatung: Bei Anruf Wort
13.2.2012 von Nina Neumann.
„Duden-Sprachberatung, Guten Tag! Was kann ich für Sie tun?” Und schon stecken wir mitten in der Arbeit des 12-köpfigen Teams des Dudenverlags, das telefonisch bei der Lösung sprachlicher Probleme hilft, ob sie die Rechtschreibung, Zeichensetzung oder die Grammatik, die Bedeutung und Herkunft von Wörtern und Redensarten oder Fragen des Ausdrucks und des Stils betreffen.
Service mit Tradition
Die individuelle Beratung in allen sprachlichen Zweifelsfällen hat im Hause Duden lange Tradition. Die Duden-Sprachberatung ist sogar die älteste und wohl am stärksten frequentierte Serviceeinrichtung dieser Art in Deutschland.
Im Laufe von annähernd einhundert Jahren hat sich der Sprachberatungsservice grundlegend gewandelt. „Auskunft in Rechtschreibfragen erteilt: Kaiserlicher Oberkorrektor Otto Reinecke, Berlin SO 26, Elisabethenufer 57″, heißt es majestätisch im Rechtschreibduden von 1915. In der Auflage von 1934 bietet die „Deutsche Sprachberatungsstelle” beim Verlag Bibliographisches Institut AG (damals noch in Leipzig ansässig) ihre Dienste an. Weitere 20 Jahre später tritt die „Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion” deren Nachfolge an – bis zum heutigen Tag in Mannheim angesiedelt.
Seit den 1960er-Jahren wird in der Dudenredaktion telefonische Sprachberatung erteilt. Die ständig steigende Zahl der Anfragen machte es Ende der Siebziger notwendig, die Sprachberatung am Telefon zeitlich einzuschränken, damit die Redakteurinnen und Redakteure ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich Wörterbücher zu schaffen, in gewohnt sorgfältiger Weise nachkommen konnten. Die Sprachberatung war weiterhin kostenlos, aber dafür nur noch von 9 bis 12 Uhr auf lediglich einer Leitung erreichbar. „Das war auf Dauer kein befriedigender Service”, erinnert sich Evelyn Knörr, Leiterin der Duden-Sprachberatung.
Um der stetig steigenden Nachfrage besser gerecht zu werden und so den Service am Kunden wesentlich zu verbessern, ist die Sprachberatung seit 1998 zu einer modernen telefonischen Dienstleistung ausgebaut worden. Dazu zählt ein größeres Team von speziell hierfür eingesetzten Sprachberaterinnen und Sprachberatern, die täglich auf bis zu vier parallel geschalteten Leitungen die eingehenden Anrufe entgegennehmen. Seitdem ist die Sprachberatung gebührenpflichtig – ein Anruf kostet 1,86 Euro pro Minute. „Trotzdem können wir die anfallenden Kosten gerade einmal zur Hälfte damit decken”, fügt Evelyn Knörr hinzu. Seit Sommer 2004 stehen die Spezialisten in Sachen Sprachberatung auch den Nachbarn aus Österreich und der Schweiz zur Verfügung. Im Mai 2005 hat der Duden-Sprachberatungsservice außerdem seine Öffnungszeiten erweitert und ist seitdem von 8 bis 18 Uhr für seine Kundinnen und Kunden da.
Studierte Germanistinnen und Germanisten geben Auskunft in null Komma nichts
Alle Sprachberaterinnen und Sprachberater bei Duden sind studierte Germanisten mit Schwerpunkt Sprachwissenschaft. Bis zu 200-mal am Tag klingelt das Telefon, die Auskunft erfolgt in null Komma nichts. Was sich nicht auf Anhieb lösen lässt, wird per Rückruf nachgereicht. Die meisten Anrufer haben beruflich mit der deutschen Sprache zu tun und wollen deshalb Fehler vermeiden – Anwälte, Journalisten, Werbetexter, Lektoren. Auch Fernsehteams von Quizshows rufen an, um sich die Antworten auf Sprachfragen bestätigen zu lassen und so auf „Nummer sicher” zu gehen.
Rechtschreibung und Grammatik sind das Thema Nummer eins
Unter den Fragen machen die nach Rechtschreibung und Grammatik den Hauptanteil aus. Heißt es Anfang diesen oder dieses Jahres (richtig: dieses Jahres), schreibt man E-Mail, email oder e-Mail (richtig: E-Mail), und wie lautet die Mehrzahl von Pizza (richtig: Pizzas und Pizzen)? Auch wenn es um schriftliche Präsentation wie beispielsweise bei einer Bewerbung geht, sind die Sprachberater gefragte Leute. Wie eine Bürgermeisterin anreden, wie einen Universitätsprofessor anschreiben? Wer auf der gesellschaftlichen Bühne sprachsicher auftreten will, erhält von der Duden-Sprachberatung Rat und Orientierung.
Sprachpraxis mit Folgen: „Duden – Richtiges und gutes Deutsch“
Über die Duden-Sprachberatung erhält die Dudenredaktion wichtige Hinweise darauf, wo die Sprachgemeinde der Schuh tatsächlich drückt – welche Bereiche Muttersprachlern, aber auch Deutschlernern die größten Probleme bereiten. Das hat natürlich Folgen für die Arbeit der Redaktion. So ist zum Beispiel das Duden-Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle „Richtiges und gutes Deutsch” unmittelbar aus der Auswertung der Sprachanfragen heraus entstanden. So dient die Sprachberatung allen, die sich direkt an sie wenden, wie auch denjenigen, die sprachliche Zweifelsfälle über die Duden-Nachschlagewerke lösen. Ganz anders als zu Kaisers Zeiten.
Seit zehn Jahren hält der kostenlose Newsletter sprachlich auf dem Laufenden
Seit Juni 2000 gibt die Duden-Sprachberatung alle zwei Wochen einen kostenlosen Newsletter heraus, der sich über unsere Newsletter-Anmeldung abonnieren lässt. Er umfasst eine kurzweilige Mischung aus Informationen zur Rechtschreibung, Tipps zum Sprachgebrauch und Wissenswertem rund um die deutsche Sprache. Über 125 000 Interessenten haben ihn bereits abonniert, und täglich werden es mehr. Zum Stöbern gibt es auf der Website des Dudenverlags außerdem das ebenfalls kostenlos zu nutzende Archiv, in dem alle bisher erschienenen Newsletter-Ausgaben abgerufen werden können.
Sprachberatung im Ohr
Seit Oktober 2007 bieten die Deutschexperten auch Podcasts an. Das neue Angebot vermittelt alle vierzehn Tage Wissenswertes und Unterhaltsames zu verschiedenen Themen rund um die deutsche Sprache. Die Sprachberaterinnen und Sprachberater von Duden nehmen sprachliche Stolpersteine genauer unter die Lupe, erklären die Herkunft von Wörtern oder Wendungen und vieles andere mehr.
Weitere Informationen unter www.duden.de
[Text: Duden. Quelle: duden.de. Bild: Duden,]
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Im Zweifel für den Genitiv: Die meistgestellten Fragen an die Dudenredaktion
11.2.2012 von Nina Neumann.
Wann heißt es “dasselbe” und wann “das gleiche”? Wann sage ich “anscheinend” und wann “scheinbar”? Handelt es sich um das Werk eines berühmten Autors oder Autoren? Gibt es eine reale oder reelle Chance? Sind rosane Hosen salonfähig? Was ist von erntefrischem Erdbeerkuchen aus Gabi’s Café zu halten? Wer sich solche und andere knifflige Fragen rund um die deutsche Sprache stellt, findet in diesem Buch die ultimativen Antworten. Auf leicht verständliche und unterhaltsame Weise erklärt dieses Buch typische Zweifelsfälle, die täglich in der Sprachberatung der Dudenredaktion nachgefragt werden.
Über das Buch
Duden-Redaktion: Duden - Im Zweifel für den Genitiv. Die meistgestellten Fragen an die Dudenredaktion. Bibliographisches Institut. ISBN-13: 978-3411732814.
[Bibliographisches Institut. Quelle: Bibliographisches Institut. Bild: Bibliographisches Institut.]
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Hundenamen im Wandel der Zeiten: Benny und Sammy statt Bello und Hasso
28.1.2012 von Richard Schneider.
Nicht nur bei der Benennung seiner Kinder, sondern auch bei der Auswahl von Namen für sein liebstes Haustier, den Hund, neigt der Deutsche zu pseudokosmopolitischem Imponiergehabe. So lassen sich die Ergebnisse einer Magisterarbeit interpretieren, die Eva Schaab an der Universität Mainz im Fach Onomastik (Namenskunde) vorgelegt hat. Die Studentin hat Listen mit Hundenamen aus den Jahren 1907 und 1916 ausgewertet und zusätzlich 1.000 heutige Hundebesitzer nach den Namen ihrer Lieblinge gefragt.
Demnach heißen die Vierbeiner schon lange nicht mehr Bello, Waldi, Fifi, Hasso, Nero oder Rex. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die beliebtesten Namen für Rüden Ben/Benny und Sam/Sammy. Ebenfalls häufig sind Blacky oder Max (Englisch ausgesprochen). Hundedamen werden gerne Gina genannt, Scarletta oder Celine. Oft müssen Markennamen ausländischer Alkoholika wie Brandy, Asti oder Calvados als Namenspaten herhalten, gelegentlich auch Städte der anglo-amerikanischen Leitkultur wie Boston oder Sydney.
Einen ausführlichen Artikel zu den Forschungsergebnissen können Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ, 2012-01-12. Bild: Fotolia, Eric Isselée.]
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Unwort des Jahres 2011: Döner-Morde
18.1.2012 von Nina Neumann.
Der Begriff “Döner-Morde” wurde zum Unwort des Jahres gewählt. Begründung: Mit Döner-Morde wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet. Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt. Damit hat Döner-Mord(e) über Jahre hinweg die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen in verhängnisvoller Weise beeinflusst. Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts- terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.
Weitere Unwörter für das Jahr 2011:
Gutmensch
Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.
Marktkonforme Demokratie
Begründung: Die Wortverbindung marktkonforme Demokratie steht für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist. Sie geht zurück auf ein Statement Angela Merkels, wonach Wege zu finden seien, „wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist.“ Auch wenn die Wortverbindung gegenwärtig meist kritisch verwendet wird, steht sie doch für eine bedenkliche Entwicklung der politischen Kultur.
Unwort-Statistik:
Für das Jahr 2011 wurden 923 verschiedene Wörter eingeschickt. Die Jury erhielt mit insgesamt 2420
Einsendungen die meisten Einsendungen seit Bestehen der Unwort-Aktion. Die häufigsten Einsendungen waren Döner-Morde (269mal), Stresstest (186mal), Rettungsschirm (136mal) und Tagesrandzeit (105mal).
Die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), Dr. Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Journalisten Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau). Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a. D., beteiligt
weitere Informationen unter: www.unwortdesjahres.net
[Text: Prof. Dr. Nina Janich. Quelle: Pressemitteilung Technische Universität Darmstadt, 17.1.2012. Bild: Logo Unwort des Jahres.]
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Das Jugendwort des Jahres 2011: “Swag”
18.12.2011 von Richard Schneider.
„Swag“ ist das Jugendwort des Jahres 2011. Die jugendlichen Jurymitglieder und ihre journalistischen Kollegen beeindruckte die schnelle und riesige Verbreitung des aus dem US-Amerikanischen stammenden Wortes. „Swag“ landete auf Platz 1 knapp vor „Fail/Epic Fail“ für grober Fehler bzw. Versagen. Den dritten Platz belegt „guttenbergen“ für Abschreiben, „Körperklaus“ – eine Wortneuschöpfung für Tollpatsch und Grobmotoriker – sicherte sich Platz 4 und „googeln“ für suchen, allerdings nicht nur im Internet, sondern auch beispielsweise in einem Lexikon, schließt die Top Five ab. Rund 40.000 Interessierte wählten im Internet auf www.jugendwort.de sowie auf der Jugendmesse „YOU“ in Berlin aus den 30 zur Wahl stehenden Begriffen die Top 15 für die Jurysitzung für das Jugendwort des Jahres 2011. Insgesamt wurden circa 3.000 neue Begriffe eingereicht. Bereits zum vierten Mal rief der Langenscheidt Verlag in Kooperation mit der Jugendzeitschrift SPIESSER und erstmals mit der Jugendmesse YOU zur Wahl des Jugendwortes des Jahres auf.
Die Top Five der Jugendwörter 2011 im Überblick:
- Swag
- Fail/Epic Fail
- guttenbergen
- Körperklaus
- googeln
Die Meinung der Jury war in diesem Jahr erstmals deckungsgleich mit der der Internet-Voter. Bei der Internetabstimmung legte „Swag“ quasi einen Start-Ziel-Sieg hin. „Swag“ kommt ursprünglich aus dem Song „Turn my swag on“ des amerikanischen Rappers Soulja Boy. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erlangte der Begriff große Bekanntheit durch die Coverversion des österreichischen Rappers Money Boy „Dreh den Swag auf“. Der Begriff steht für eine „beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ sowie eine „charismatisch-positive Aura“.
Ende letzten Jahres diskutierte die Musikszene darüber, ob Money Boy der schlechteste Rapper der Welt sei oder die neue Hoffnung des deutschsprachigen Hip Hops. Zumindest hat er mit seinem Cover „Dreh den Swag auf“ rund 14 Mio. Klicks bei YouTube erreicht und das Wort „Swag“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz in aller Munde gebracht. Nun hat es der Begriff sogar zum Jugendwort des Jahres 2011 geschafft, womit einmal mehr deutlich sein dürfte, wie schnell sich ein Begriff über das Internet verbreitet und in die alltägliche Sprache Einzug findet. Wörtlich übersetzt bedeutet „to swagger“ „stolzieren“ und „swaggerer“ heißt „Aufschneider, Großtuer“.
Besonders interessant war für die diesjährige Jury, dass die beiden Favoriten zum ersten Mal aus dem englischsprachigen Raum stammen. So zeige sich die starke Vernetzung der virtuellen und reellen Kommunikationsebenen.
Im Gegensatz zu „Swag“ fehlte der Jury beim Begriff „Fail/Epic Fail“ das letzte Quäntchen Originalität. „Fail/Epic Fail“ wird zwar in der Jugendsprache häufig gebraucht, ist aber der Computerspielsprache entlehnt und dadurch vielen Erwachsenen bekannt. „Guttenbergen“ konnte aus ähnlichen Gründen nicht zum Gewinner gekürt werden. Zwar empfand die Jury die Aktualität des Begriffs als durchaus gegeben und die Verbalisierung eines Namens sowie den gesellschaftlichen Bezug als sehr originell. Doch der Einwand der jugendlichen Jurymitglieder, das Wort sei doch schon sehr im Sprachgebrauch Erwachsener/Lehrer verankert, ließ den Begriff auf Platz 3 landen.
Platz 4 „Körperklaus“ ist ein Wort aus einem älteren Musiktitel der Gruppe „Seeed“ und erlangte neuen Ruhm durch eine Teilnehmerin der Casting-Show „Germany’s next Topmodel“. Die Häufigkeit der Einreichung des Wortes war groß, konnte allerdings nicht mit der Verbreitung der Besserplatzierten mithalten. Auch „googlen“ als jugendlicher Ausdruck für das Verb „suchen“ konnte zwar in den Top Five landen, da es seinen einstigen modernen Radius Internet verlassen hat und ebenso für das Nachschlagen in einem Lexikon Anwendung findet. Allerdings musste sich dieser Begriff in der Kategorie Originalität geschlagen geben.
Initiative Jugendwort
Die Initiative „Jugendwort des Jahres“ wurde im Jahr 2008 vom Langenscheidt Verlag ins Leben gerufen. Ziel und Idee des Wettbewerbs ist es, die Kreativität der schnelllebigen Jugendsprache zu präsentieren und jährlich neu zu dokumentieren. Dabei bietet Langenscheidt mit der Seite www.jugendwort.de die Plattform und Öffentlichkeit, auf der sich Jugendliche einbringen und austauschen können, greift jedoch nicht korrigierend, sondern nur organisierend ein.
Das Jugendwort des Jahres wird nicht vorrangig nach der Häufigkeit seiner Verwendung ausgesucht. Eine Wertung ist damit nicht verbunden. 2008 machte der Begriff „Gammelfleischparty“ als Übersetzung der Ü-30-Party das Rennen. 2009 gewann der Begriff „hartzen“ für „arbeitslos sein“ oder „rumhängen“. Im letzten Jahr bekam das Wort „Niveaulimbo“ für „das ständige Absinken des Niveaus“ den begehrten Platz 1.
In diesem Jahr wurden rund 3000 Wörter eingereicht. Anhand der Kriterien Häufigkeit, Verbreitung, Aktualität und Kreativität wurde eine Liste der Top 30 im Internet unter www.jugendwort.de zur Abstimmung bereit gestellt. Rund 40.000 Interessierte wählten mit ihrer Stimme die Top 15 für das Jugendwort des Jahres 2011. Die finale Top-15-Liste wurde der Jury vorgelegt. Um verschiedenste Blickwinkel des Sprachgebrauchs und der Sprachbeobachtung einfließen zu lassen, setzt sich die heterogene, jährlich wechselnde Jury aus verschiedenen Altersstufen zusammen. Neben dieser Heterogenität wird bei der Wahl der Jurymitglieder vor allem Wert auf deren Kompetenz im Bereich Sprache gelegt.
Jury und Kooperationspartner
Kooperationspartner der Initiative sind die Jugendzeitschrift SPIESSER und die Jugendmesse „YOU“. Die Jury für das Jugendwort des Jahres 2011 bestand aus: Sarah (16), Gewinnerin der Jurymitglied-Aktion der Jugendzeitschrift SPIESSER; Sarah (16) und Corinna (16), Gewinnerinnen der Jurymitglied-Aktion der Jugendmesse YOU; Manja Branß, Mitarbeiterin der Jugendzeitschrift SPIESSER; Matthias Heine, Redakteur bei DIE WELT; Uwe Wittstock, Redakteur bei FOCUS; Eva Betz-Weiß, Redakteurin beim Langenscheidt Verlag.
Das Jugendwort des Jahres 2011 und die Top-5-Begriffe finden sich im aktuellen Buch Hä?? Jugendsprache unplugged 2012. Für die nächste Ausgabe 2013 können auf bis 28. Februar 2012 unter der folgenden Adresse wieder neue Jugendbegriffe eingereicht werden:
[Text: Langenscheidt. Quelle: Pressemitteilung Langenscheidt, 2011-12-05. Bild: Langenscheidt.]
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GfdS wählt “Stresstest” zum Wort des Jahres 2011
16.12.2011 von Richard Schneider.
Am 16. Dezember 2011 hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Wörter des Jahres bekannt gegeben. Bereits seit 1971 und somit im 40. Jahr kürt die GfdS Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.
Aus einer Sammlung von etwa 3.000 Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammensetzt, zehn Wörter, die die öffentliche Diskussion dominiert und dieses Jahr wesentlich geprägt haben.
Für die Auswahl der Wörter des Jahres entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz und Popularität: Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen sprachlichen Jahresrückblick dar. Als ein solcher Beitrag zur Zeitgeschichte sind die ausgewählten Wörter jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden. Hier die Rangfolge:
- Wort des Jahres 2011 ist Stresstest. Dieses Wort, ursprünglich aus der Humanmedizin stammend, begegnete im Laufe des Jahres auffällig oft. Es erwies sich dabei aus sprachlicher Sicht als äußerst produktiv und war in den verschiedensten Bereichen anzutreffen: Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen. Diese Praxis und somit das Wort erlangten dadurch politische, wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Relevanz. So ist Stresstest mittlerweile als fester Bestandteil der Alltagssprache anzusehen.
- Platz 2 belegt das Verb hebeln. In der derzeitigen europäischen Schuldenkrise erweiterte dieser Fachbegriff aus der Finanzbranche die Bedeutung des in der Allgemeinsprache bereits bekannten Worts und spiegelt das Bemühen um die finanzielle Rettung der Eurostaaten: Durch Erweiterung des Rettungsschirms um externes Kapital soll die Summe zur Rettung eines Landes vervielfältigt werden. Tatsächlich wird durch das Hebeln weniger Kraft, sprich Kapital, benötigt als beim Akt des Stemmens.
- Das ganze Jahr über aktuell und sprachlich interessant ist die Arabellion auf Platz 3 als Oberbegriff für die zahlreichen Revolutionen und politischen Umwälzungen in den arabischen und nordafrikanischen Ländern.
- Merkozy – prägnante Kurzbezeichnung für Angela Merkel und Nicolas Sarkozy – wählte die Jury auf Platz 4. Die Wortkreuzung kennzeichnet die exponierte Stellung und die weitgehende Einigkeit von Deutschland und Frankreich bei Entscheidungen zum Umgang mit der europäischen Finanzkrise.
- Zu einem bedeutungsschweren Begriff wurde im Jahr 2011 Fukushima auf Position 5. Der Name des betroffenen Ortes wurde gleichsam zu einer Chiffre für das Atomunglück in Japan und drückt dessen gesamte Spannweite sowie die Folgen für die deutsche Energie- und Atompolitik aus.
- Auf den 6. Rang wurde Burnout gewählt. Zwar ist das Wort und insbesondere die Krankheit schon seit längerem verbreitet, doch ist Burnout zunehmend als Ausdruck der Probleme unserer heutigen schnelllebigen Zeit zu verstehen und verbreitet sich als Begriff derzeit geradezu inflationär.
- Seit sich herausstellte, dass es sich bei der Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg in weiten Teilen um ein Plagiat handelt, ist das Verb guttenbergen, in der Liste auf Platz 7, als Synonym für abschreiben, abkupfern, plagiieren bekannt und längst nicht mehr nur auf das Vorgehen dieses Politikers zu beziehen.
- Im Frühjahr sorgte der Darmkeim Ehec für Aufregung und Ducheinander bei der Suche nach seinem Hauptüberträger. Schließlich wurde er gefunden und die Bevölkerung fortan vor den schuldigen Killersprossen, auf Platz 8, gewarnt.
- Als Philipp Rösler zum Vorsitzenden der FDP gewählt wurde, versprach er: »Ab jetzt wird geliefert!« In dieser Aussage wird ein neues Verständnis von Politik offenbar, zeitnah konkrete Lösungen zu Problemstellungen vorzulegen, und liefert uns den 9. Platz.
- Abschließend wählte die Jury »Wir sind die 99 %« auf Position 10. Hiermit wird das Motto der weltweit auftretenden Occupy-Bewegung thematisiert, das auf die äußerst ungleiche Verteilung von Macht und Geld in der Weltbevölkerung aufmerksam machen soll.
[Text: GfdS. Quelle: Pressemitteilung GfdS, 2011-12-16. Bild: GfdS.]
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Prosit! VDS kürt Krombacher zum Sprachvorbild 2011
5.12.2011 von Jessica Antosik.

Am 10. November 2011 wurde der Krombacher Brauerei durch den Verein Deutsche Sprache die Auszeichnung „Sprachvorbild 2011“ verliehen. Uwe Riehs Geschäftsführer der Krombacher Brauerei (auf dem Bild unten links), nahm die Urkunde mit Freude entgegen. Überreicht wurde sie ihm durch Jürgen Franke, Leiter der Regionalgruppe 57 des VDS (auf dem Bild rechts).
Für Krombacher ist die Ernennung zum „Sprachvorbild 2011“ eine erfreuliche Anerkennung der hochwertig-innovativen und dennoch traditionellen Markenphilosophie des Unternehmens. Geschäftsführer Uwe Riehs erklärt: „Unsere Brauerei ist Teil einer sich ständig wandelnden Gesellschaft. Trotzdem bemühen wir uns auch in Zeiten der Globalisierung stets um einen ansprechenden Markenauftritt. Da ist die deutsche Sprache für die Krombacher Brauerei mindestens genauso wichtig wie das deutsche Reinheitsgebot.“
Ausgewählt wurde die Brauerei als „Sprachvorbild 2011“, da sie, so die Begründung, auf „Großraumplakaten, im Fernsehen und im Internet weitgehend auf überflüssige Anglizismen verzichtet und damit ihre potentiellen Kunden in einem verständlichen Deutsch anspricht“.
Eine kurze Prüfung der Website-Texte durch uepo.de fördert jedoch Widersprüchliches zu Tage. So finden sich in der Bezeichnung von Menüpunkten durchaus vollkommen überflüssige Anglizismen wie „Multimedia Downloads“, „Krombacher Sound“ oder „Der Krombacher Screensaver“. Und Bindestriche werden bei Krombacher offenbar mit dem Salzstreuer über den Text verteilt. Das „Klimaschutz-Projekt“ hat einen abbekommen, das „Regenwald Projekt“ hingegen nicht. Auch der „Formel 1 Tipp“ ging leer aus.
Die Brauerei könnte die Erfolgsbilanz ihrer Umweltschutzprojekte leicht steigern, wenn sie für jeden fehlenden Bindestrich (und jedes fehlende Leerzeichen vor einem Prozentzeichen in ihren Geschäftsberichten) ebenfalls einen Quadratmeter Regenwald schützen würde. Krombacher löste vor Jahren ein großes Medienecho aus, als versprochen wurde, für jeden verkauften Kasten Bier einen Quadratmeter afrikanischen Regenwalds zu schützen. Werbefigur war damals Günter Jauch. Von Spöttern erhielt die Aktion schnell den Titel „Saufen für den Regenwald“.
Über den VDS
Der Verein Deutsche Sprache e. V. wurde 1997 von Professor Dr. Walter Krämer gegründet. Mit seinen rund 34.000 Mitglieder verfolgt er das Ziel, die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern. Kritisiert wird die Verdrängung der deutschen Sprache und die fortschreitende Anglisierung in immer mehr Bereichen des Alltags. Im Kreis Siegen-Wittgenstein, Olpe und in Teilen des Kreises Altenkirchen zeichnet die Regionalgruppe 57 des Vereins jährlich Unternehmen, Institutionen oder Personen für deren Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache aus.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Pressemitteilung Krombacher, 10.11.2011; business-on.de, 14.11.2011. Bild: Presseservice Krombacher.]
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Jugendsprache: Aufruf zur Gelassenheit von Nils Bahlo
18.11.2011 von Jessica Antosik.
“Ich hör’ es gerne, wenn die Jugend plappert: Das Neue klingt. Das Alte klappert.” Dieses Zitat von Goethe beschreibt ein seit jeher existierendes Phänomen – das der Jugendsprache. Alle Sprachen, auch die Jugendsprachen, sind lebendig und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Im Allgemeinen ist das in der Öffentlichkeit geprägte Bild von Jugendsprache eher negativ belastet. Mit der Jugendsprache, die Jugendliche unter Gleichaltrigen benutzen, grenzen sie sich von den Erwachsenen ab, schaffen auf diese Weise ein Zusammengehörigkeitsgefühl und bilden ihre Identität. Heutzutage wird die Jugendsprache vor allem durch die Medien, die Globalisierung und den Immigrationsstrom beeinflusst.
Einige sprechen von einem “Sprachverfall”, andere von einem “Sprachwandel”. Der Sprachwissenschaftler Nils Bahlo (Bild rechts) ruft zu mehr Gelassenheit auf. Er war 2009/10 an der Freien Universität Berlin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Projekt “Jugendsprache im Längsschnitt”, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus Steuergeldern finanziert wurde. In einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost berichtet er über die Jugendsprache. Auf die Frage “Was ist vor allem typisch für die Jugendsprache heute?” antwortete er:
Es gibt gar nicht die eine Jugendsprache. Schon in Berlin sprechen die Jugendlichen nicht überall gleich. Das hängt von vielen Faktoren ab. Es handelt sich eher um verschiedene jugendsprachliche Stile. Diese Stile unterscheiden sich hinsichtlich der Zeit, der Situation, des soziokulturellen Hintergrunds und der Region. Typisch für die Jugendsprache insgesamt sind emotionale Marker. Das hängt mit der Entwicklung der Jugendlichen während der Pubertät zusammen. Emotionalität und Expressivität spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle. Auch der Gebrauch von Platzhaltern wie “dings” oder “hier” ist auffällig, um den Gesprächsfluss nicht abbrechen zu lassen. Generell auffällig ist in Großstädten wie Berlin der starke Einfluss aus dem türkisch-arabischen Raum: Zum einen zeigt sich das in bestimmten Ausdrücken wie “Cüs” oder “Yallah”, zum anderen im Weglassen des Artikels, denn im Türkischen gibt es keine Artikel. Mit sprachlichen Versatzstücken aus unterschiedlichen medialen Kontexten basteln sich Jugendliche ihre eigene Sprache zusammen.
Hinsichtlich des Einflusses der englischen Sprache sagt Nils Bahlo, dass Englisch als Weltsprache tagtäglich Einfluss auf unseren Sprachgebrauch habe. Dennoch sei die Anzahl an Anglizismen in der Jugendsprache nicht signifikant erhöht.
Die nächste Frage der Berliner Morgenpost lautet: “Jedes Jahr werden von manchen Verlagen Sprachführer für Jugendsprache herausgebracht und das Jugendwort des Jahres gekürt. In den vergangenen Jahren wurden Begriffe wie Gammelfleischparty (Ü-30-Party), hartzen (rumhängen) und Niveaulimbo (ständiges Absinken des Niveaus) gekürt. Sind diese Begriffe wirklich authentisch?” Diese Frage beantwortete Bahlo wie folgt:
Nicht zwangsläufig. Diese Wörterbücher basieren auf den Ideen kreativer Medieninstitute bzw. dem Eintrag auf Webseiten. Dabei muss der kreative Kopf nicht unbedingt jugendlich sein. Stellt man Jugendlichen solche Wortlisten vor, stellt sich schnell heraus, dass vieles erfunden ist. Das liegt natürlich auch daran, dass der Kontext bzw. die situative Einbettung fehlt. Jugendsprache ist nur dann authentisch, wenn sie zwischen Jugendlichen ausgetauscht wird. Hinzu kommt, dass es ja nicht die eine Jugendsprache gibt, sondern viele Spielarten. Was für den einen Jugendlichen gängiges Vokabular ist, ist für den anderen unverständlich und unauthentisch. Ich glaube aber auch nicht, dass es das Ziel der Verlage ist, das Geheimnis der Jugendsprache zu lüften. Sie wollen eher durch die Kreativität amüsieren – und das gelingt ihnen ja recht gut.
Auf die Frage, ob die Jugendsprache eine Modeerscheinung sei, gab Bahlo folgende Antwort:
Sicher, jede Sprachveränderung unterliegt der Mode. Das war schon immer so und lässt sich gar nicht unterbinden, auch wenn viele Kritiker durch neue Einflüsse einen Sprachverfall befürchten. Aber wo soll man da ansetzen, was ist der Maßstab, an dem man sich orientieren soll? Ist es das Deutsch zu Goethes Zeiten? Viele Ausdrücke aus der Jugendsprache gelangen nach einiger Zeit in die allgemeine Umgangssprache. Vor 50 Jahren gehörte das Wort “toll” zum Beispiel zur Jugendsprache, heute sagt es jeder. Und “ey” war 1990 noch absolut jugendsprachlich, steht aber inzwischen sogar in der Dudengrammatik. Ebenso ist das Wort “geil” heute schon umgangstauglich. Vor 30 Jahren hatte es noch eine eindeutig sexuelle Konnotation, heute wird es von dem ursprünglichen Kontext losgelöst im Sinne von “toll” oder “lustig” gebraucht und gehört eher zum Sprachgebrauch der 30- bis 40-Jährigen, als der Jugendlichen. Auch das Wort “cool” spielt bei den Jugendlichen heute kaum noch eine Rolle.
Eine weitere Frage der Berliner Morgenpost lautete wie folgt: “Besteht nicht trotzdem die Gefahr des Sprachverfalls, wenn Jugendliche keine Artikel mehr verwenden?”
Man sollte die sprachlichen Veränderungen nicht überschätzen. Der Wortschatz der Jugendlichen ist nah am Standardwortschatz dran, die Abweichungen, Varianten und neuen Vokabeln machen nicht einmal zehn Prozent aus. Aber in der Tat entsteht dann ein Problem, wenn Jugendliche nicht mehr in der Lage sind umzuschalten, wenn sie ihre Sprache nicht mehr an die jeweilige Situation anpassen können.
Den kompletten Artikel können Sie auf der Website der Berliner Morgenpost lesen, die Projekt-Website finden Sie unter www.jugendsprache-berlin.de.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2011-10-11: Das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 ist da - unzensiert
2010-10-30: Die Jugend von heute disst, chillt, dancet und checkt ab
2008-12-20: Das Jugendwort des Jahres 2008: Gammelfleischparty
[Text: Jessica Antosik. Quelle: morgenpost.de, 23.10.2011. Bild: fu-berlin.de.]
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