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Archiv der Kategorie Dolmetschen
Kurzkrimi “Der Dolmetscher” von Marla B. Singer
13.5.2012 von Jessica Antosik.
Anfang dieses Jahres ist im Satzweiss-Verlag das E-Book Der Dolmetscher von Marla B. Singer erschienen. In der Kurzbeschreibung des 71-seitigen Kurzkrimis heißt es:
Dass Verena eines Tages um ihren Job fürchten muss, hätte sie sich nie träumen lassen. Schließlich verleiht sie der Medizinproduktefirma in ihrem schwäbischen Heimatdorf nicht nur optischen Glanz, sie ist auch als Übersetzerin für alle Verhandlungen mit den chinesischen Partnerfirmen zuständig. Aber dann bringen die Chinesen ihren eigenen Dolmetscher mit. Verena ist nur kurz von der Souveränität und den Sprachkenntnissen ihres Konkurrenten beeindruckt. Schnell wird ihr klar, dass der Neue eine ganz eigene Agenda hat. Wieso weiß er, dass Verena heimlich Artikel für eine chinakritische Webseite übersetzt und warum interessiert er sich für alte Archivunterlagen? Schließlich muss Verena sich nicht nur um ihren Arbeitsplatz sorgen sondern auch um ihren Freund Lexi, der aus Angst vor den chinesischen Behörden untergetaucht ist. Und auch hier hat der neue Dolmetscher seine Hand im Spiel.
Bei Amazon hat man die Möglichkeit, ins Buch zu schauen.
Der Dolmetscher von Marla B. Singer ist auf amazon.de, buch.de, bol.de, thalia.de, buecher.de und im Apple iTunes Store für für 1,99 Euro zu erwerben.
Zur Autorin
Marla B. Singer ist Sinologin und übersetzt seit vielen Jahren chinesische Texte. Marla B. Singer lebt und arbeitet in London.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: marla-b-singer.com. Bild: marla-b-singer.com.]
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Gemeindedolmetschdienst übersetzt Arztgespräche für Migranten
8.4.2012 von Janine Fischer.
Migranten lassen sich Arztgespräche oft von Angehörigen übersetzen, leicht kommt es zu Missverständnissen. Der Gemeindedolmetschdienst hilft professionell.
Die Neuzugänge heißen Sosso und Fulla und stammen aus Westafrika: „Diese beiden Dialekte werden immer häufiger nachgefragt“, sagt Sabine Oldag. Sie sitzt an einem großen Tisch im Kreuzberger Büro des Gemeindedolmetschdienstes (GDD), den sie leitet. Nebenan klingeln immer wieder die Telefone. Die Anrufer sind Mitarbeiter von Beratungsstellen oder Kitas, die einen Dolmetscher buchen wollen. Auch viele Organisationen aus dem Gesundheitsbereich rufen an. Zusammengenommen sind die Anrufe wie kleine Mosaiksteinchen, die sich zur politischen Weltlage zusammensetzen lassen.
Der GDD hat schon für Libyer übersetzt, die in Berlin operiert wurden, für Afghanen oder Kurden. Gestiegen ist auch die Nachfrage nach Bulgarisch und Rumänisch, neuerdings auch nach Griechisch oder Spanisch. Der Dienst will eine qualitative Alternative sein zu Verwandten und Nachbarn, die oft als Übersetzer mitkommen, wenn ein Patient oder Mensch mit Beratungsbedarf kein oder nur sehr wenig Deutsch spricht. Denn dabei schleichen sich oft Fehler in die Gespräche ein, oder die Übersetzer sind nicht objektiv.
Diese Erfahrung hat auch Fachärztin Johanna Winkler gemacht, die in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St.-Hedwig-Krankenhaus arbeitet. Auch dort ist der GDD häufig im Einsatz. „Ein inhaltliches psychiatrisch-psychotherapeutisches Gespräch kann nur durch eine neutrale, therapeutisch distanzierte und nicht wertende Person vermittelt werden“, sagt sie. Sachverhalte würden sonst nicht angesprochen, beschönigt oder verfälscht. Sie erlebe oft, dass im Beisein von Freunden oder Angehörigen nur Nebenerkrankungen benannt werden und das eigentliche Leiden, etwa Suizidgedanken, Angst oder Stimmenhören, gar nicht erwähnt wird.
Besonders schwierig sei es, wenn Kinder als Übersetzer dabei sind. „Dass Patienten ihre Kinder zum Übersetzen mitbringen, macht mich sprachlos“, sagt Hatice Genç, die seit 2006 beim GDD arbeitet. Sie und ihre Kollegen reflektieren die Dolmetscherrolle sehr bewusst: Neutral sein, übersetzen, ohne zu interpretieren, etwas wegzulassen oder hinzuzufügen.
Der Dienst existiert seit 2003, er ist ein gemeinnütziges Angebot. Getragen wird er vom Verein „Gesundheit Berlin-Brandenburg“, gefördert von der Senatsverwaltung für Gesundheit, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellt die Räume. Anfangs wurden 70 Dolmetscher ausgebildet, längst sind es mehr. Der GDD kann heute in rund 50 Sprachen und Dialekte übersetzen. 2011 haben die Mitarbeiter in rund 5000 Fällen gedolmetscht. Trotz der großen Nachfrage hat der GDD aber keine Planungssicherheit. Über die Verlängerung des Projekts wird von Jahr zu Jahr entschieden.
„Dolmetscher müssen beide Sprachen sehr gut beherrschen und die Kultur und Traditionen des Herkunftslandes kennen“, sagt Sabine Oldag. Zu den Menschen, für die der GDD übersetzt, gehören viele Heiratsmigranten. Gestiegen ist der Bedarf auch bei Menschen aus der ersten Einwanderergeneration, die immer häufiger demenziell erkranken und die deutsche Sprache deshalb nach und nach vergessen. Die Übersetzer erklären den Fachkräften auf Wunsch auch kulturelle Besonderheiten, die einen Patienten geprägt haben. „Das Krankheits- und Gesundheitsverständnis ist je nach Land sehr unterschiedlich“, so Sabine Oldag.
Hatice Genç übersetzt Deutsch und Türkisch. Die 44-Jährige hat sich auf Einsätze beim Jugendamt und in der Psychiatrie spezialisiert. „Man muss in diesem Beruf oft sehr stark sein“, sagt sie. Etwa, wenn ein drogensüchtiger Jugendlicher eingewiesen werden muss und die ganze Familie weinend danebensteht. Oder wenn eine Krebspatientin ihre Medikamente falsch eingenommen und damit ihr Leben riskiert hat, weil ihr die Anwendung gar nicht oder falsch übersetzt wurde. „Theoretisch lernt man in der Ausbildung, sich zu distanzieren und die Themen nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Aber praktisch dauere das eine Weile.
Wenn ein Einsatz beendet ist, sagt sich Hatice Genç, dass sie den Menschen durch ihre Arbeit geholfen hat. „Darüber hinaus kann ich nichts tun.“
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/erst-verstehen-dann-heilen/6464562.html
[Text: Rita Nikolow. Quelle: Tagesspiegel, 02.04.2012.]
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Olga Grjasnowas Debütroman über eine hochbegabte Dolmetschstudentin
2.4.2012 von Jessica Antosik.
Anfang Februar 2012 erschien das Buch Der Russe ist einer, der Birken liebt im Hanser Verlag. Die Romanheldin Mascha Kogan hat, wie sich gleich noch rausstellen wird, so manche biografischen Eckdaten mit der Autorin Olga Grjasnowa gemeinsam. Im Klappentext heißt es:
Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so “wie die Ballermann-Touristen Deutsch”. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.
Der Hanser Verlag stellt eine Leseprobe zur Verfügung.
Hier liest Olga Grjasnowa aus Der Russe ist einer, der Birken liebt.
Bei einem Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard wurde Grjasnowa folgende Frage gestellt:
Ihre Hauptfigur ist Übersetzerin. Bei Translationen geht oft die Besonderheit eines literarischen Werkes verloren, aber andererseits ist das Übersetzen für den Austausch notwendig. Wie beurteilen Sie dieses Dilemma?
Diese Frage beantwortete die Schriftstellerin so:
Grjasnowa: Es gibt Konnotationen, die verlorengehen. Aber es können sich neue Räume aufmachen. Die russische Lyrik ist teilweise entsetzlich ins Deutsche übersetzt, teilweise aber auch ganz gut. Mir ist trotzdem eine Übersetzung lieber als ein Original, in dem ich nur die Hälfte verstehe. Aber das ist eher persönliche Bequemlichkeit.
Über die Autorin
Olga Grjasnowa wurde im Jahr 1984 in Baku (Aserbaidschan) geboren und wuchs im Kaukasus auf. 1996 kam sie mit ihrer Familie ohne Deutschkenntnisse als jüdischer Flüchtling nach Deutschland. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Polen, Russland und Israel studierte sie von 2005 bis 2006 Kunstgeschichte an der Universität Göttingen. 2006–2010 war sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig eingeschrieben. 2010 hat sie das Studium der Tanzwissenschaften an der FU Berlin aufgenommen. Außerdem erhielt sie im Jahr 2010 den Dramatikerpreis der Wiener Wortstätten für ihr Debütstück Das bisschen Palästina. 2011 erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung. Der Russe ist einer, der Birken liebt ist ihr erster Roman. Der Titel des Buches mag zunächst einmal seltsam klingen, aber: Die Birke ist eine Metapher für die russische Seele. Der Titel, eine Anspielung auf Tschechows Drei Schwestern, ist auch eine Absage an Klischees von Nationen sowie andere Stereotypen.
Über das Buch
Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 06.02.2012
Umfang: 288 Seiten
ISBN: 978-3-446-23854-1
Preis: 18,90 Euro
[Text: Jessica Antosik. Quelle: hanser-literaturverlage.de; derstandard.at, 26.02.2012; tagesspiegel.de, 18.02.2012. Bild: hanser-literaturverlage.de.]
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Im Porträt: Castros Dolmetscher Boris Coloma
1.4.2012 von Jessica Antosik.
Boris Coloma war seinerzeit enger Vertrauter und persönlicher Dolmetscher von Fidel Castro (Bild rechts). 1991 verließ er Kuba und beantragte Asyl in Deutschland. Heute lebt der 58-Jährige in Berlin. Seit 1998 ist er deutscher Staatsbürger. In einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen (MAZ) berichtet er über seinen gleichnamigen Vater und seine Zeit als Dolmetscher. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Gespräch:
Die Frage, ob er als Sohn des berühmten Boris Coloma, der während der kubanischen Revolution an der Seite Fidel Castros kämpfte, ein Günstling des Regimes war, beantwortet Coloma wie folgt:
Das kann man so sagen. Ich wuchs auf im Sinne der Revolution. Dass ich 1973, gleich nach der Schule, als Übersetzer an die Botschaft in Ost-Berlin geschickt wurde, war eine politische Entscheidung. […] Nach zwei Jahren in der DDR kehrte ich nach Kuba zurück. Ich wurde Übersetzer im Außenministerium, wenig später Castros persönlicher Dolmetscher.
Wie er mit Fidel auskam, beschreibt er so:
Gut. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, ein sehr schlauer Kopf, aber er hat ein großes Problem. […] Er ist sehr, sehr eitel. Als Willy Brandt 1984 als Vorsitzender der Sozialistischen Internationale Kuba besuchte, habe ich zwischen ihm und Castro gedolmetscht. Nach dem offiziellen Empfang, wir saßen zu dritt im Auto, sagte Fidel: „Genosse Brandt, Sie dürfen mich jetzt umarmen.“ Der aber sah nur verwundert aus dem Fenster und antwortete: „Ah ja.“
Den Bruch zwischen ihm und Castro begründet Coloma folgendermaßen:
Ich war schon in jungen Jahren enttäuscht über den Verlauf der kubanischen Revolution, aber besonders schlimm war für mich der Selbstmord von Haydée Santamaría. Sie war eine große Revolutionsheldin, die ich sehr gut kannte. Im Juli 1980 nahm sie sich das Leben. Ich bin sicher, sie wollte damit ein politisches Zeichen setzen. Bei Haydées Beerdigung in Havanna war auch Fidel da. Ich ertrug es nicht, ihn zu sehen. Er hat die Revolution verraten. Das war der Moment, in dem ich innerlich mit ihm gebrochen habe.
Trotz allem war er für das Regime tätig. Im Jahre 1985 kehrte Coloma nach Ost-Berlin zurück und arbeitete nun als Presseattaché der kubanischen Botschaft. Die Situation in der DDR empfand er damals so:
Die Situation entsprach jedenfalls nicht der kommunistischen Propaganda. Die wirtschaftlichen Probleme waren offensichtlich. Selbst im Politbüro ist hinter vorgehaltener Hand Kritik geübt worden. Man hat mir jedoch verboten, diese Dinge nach Kuba zu melden.
Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer neigte sich die Karriere von Boris Coloma im diplomatischen Dienst dem Ende zu. Dies erklärt er damit:
Im Januar 1990 wurde ich von Havanna aufgefordert, den Zusammenbruch der DDR zu erklären. Ich schrieb, die marode Wirtschaft sei schuld. Sofort wurde ich zurückbeordert und galt fortan als politisch kontaminiert. Zur Strafe sollte ich als Bauer arbeiten, in einem Umerziehungslager.
Das Interview können Sie in der MAZ in kompletter Länge abrufen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: maerkischeallgemeine.de, 29.02.2012. Bild: Agência Brasil, Antônio Milena/ABr (Wikipedia).]
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Kandahar: Afghanischer Dolmetscher bei Anschlag getötet
27.3.2012 von Jessica Antosik.
Am 24. März 2012 ist im Distrikt Arghandab in der Provinz Kandahar ein Bombenanschlag auf eine gemeinsame Patrouille afghanischer Sicherheitskräfte und der Nato verübt worden. Bei der Explosion des selbstgebastelten Sprengsatzes kamen am Samstagabend zehn Menschen ums Leben, darunter ein afghanischer und ausländischer Soldat, drei Polizisten sowie vier Angehörige einer regierungsnahen Miliz. Auch ein afghanischer Dolmetscher sei bei dem Angriff in der Unruheprovinz Kandahar getötet worden, teilte ein Sprecher der örtlichen Behörden mit.
Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Terroranschlag. Der Süden Afghanistans gilt als Hochburg der Taliban.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: zeit.de, 25.03.2012; bild.de, 25.03.2012. Bild: Archiv.]
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Wiener Krankenhaus: Wenn Reinigungskräfte dolmetschen
26.3.2012 von Jessica Antosik.
Bereits seit einigen Wochen erscheinen in der Presse Nachrichten über den immer noch fehlenden Dolmetschdienst im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH). Da die Ambulanzen über keinen eigenen Dolmetschdienst verfügen, müssen oft die Verwandten als Dolmetscher einsprigen.
Dass ein Sechsjähriger nichts über Gynäkologie o. Ä. weiß, ist völlig normal für sein Alter. Wird ein Kind jedoch in die Notaufnahme geschickt, um dort zu dolmetschen, wird dieser Umstand zu einem Problem. Wie in dem folgenden Fall: Eine Türkin wird mit Unterbauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Der deutschen Sprache war die Frau kaum mächtig, weshalb der kleine Sohn aushelfen sollte. “Soll ich dem Kind im Schnellverfahren den weiblichen Zyklus erklären, um zu erfahren, wann seine Mutter die letzte Regel hatte?”, fragt sich Peter M., Notfallmediziner am AKH. Auch wenn beispielsweise ein 20-jähriger Sohn, der als Dolmetscher fungieren soll, eine Behandlungsmethode ablehnt, weil er sich intrafamiliär positionieren möchte, kann dies schwerwiegende Folgen für die Patientin haben.
Viele Migranten leiden an Depressionen, die sie als Ganzkörperschmerzen empfinden. Weil es auch in der Psychologie-Ambulanz keine Dolmetscher gibt, müssen, wie bereits erwähnt, die Freunde oder Verwandte mitkommen und diese Aufgabe übernehmen. “Bei Kindern ist es fast Missbrauch, sie dafür einzuspannen”, berichtet die Leiterin Andrea Topitz. Eine positive Sache habe jedoch der Umstand, dass die Verwandten oder Bekannten mit in der Therapie anwesend sind, sagt Karin Fehringer, die Sprecherin des AKH. Diese würden nämlich die Probleme der Patienten genau kennen.
Diese Situationen sind bzw. waren kein Einzelfall im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Circa 50 Prozent der bis zu 450 Patienten stammen aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien. Einen eigenen Dolmetschdienst hat das Krankenhaus aber nicht. Früher wurde das Reinigungspersonal für das Dolmetschen hinzugezogen. Die Situationen, die sich daraus ergeben, ähnelten allerdings denen der Stillen Post.
Alexandra Jurek-Schick, Stimmtrainerin und ehemalige Logopädin an der Klinischen Abteilung Phoniatrie-Logopädie, nahm an einer Studie von Dr. Franz Pöchhacker, Dolmetschdozent an der Universität Wien, teil. Pöchhacker beschäftigte sich mit dem Thema “Die Putzfrau als Dolmetscherin im Spital”. Im Rahmen dieser Studie wurden zwei Fälle auf Video aufgenommen, um zu schauen, wie eine Laie dolmetscht und wo ihre Schwäche liegen bzw. welche Probleme aufkommen. Nachfolgend die beiden Fälle, die Jurek-Schick Anfang Februar 2012 in der österreichischen Tageszeitung Der Standard veröffentlicht hat:
Fall 1: Eine türkische Familie kommt zu uns. Die Eltern kommen mit einem vier- bis fünfjährigen Kind, die Schwester der Mutter soll übersetzen. Sie wollen wissen, ob mit der Zunge des Kindes alles in Ordnung ist, weil es nicht so gut spricht. Wir, das Team der Phoniatrie, glauben, dass sie sich um die Sprachentwicklung des Kindes Sorgen machen, keine Rede von der Zunge, das kommt erst bei der Übersetzung heraus. Ich mache die Anamnese, mit Einstiegsfragen, die bei uns üblich sind: Wie war die Schwangerschaft? Wie war die Geburt, wie groß, wie schwer etc.
Die Eltern wirken nicht sehr kooperativ, im Laufe der Untersuchung eher desinteressiert, sie kommen nach dieser ersten Untersuchung nicht mehr, obwohl es aus logopädischer Sicht Handlungsbedarf gegeben hätte. Als wir uns das Video mit professioneller Übersetzung anschauen, sehen wir folgende Übersetzung der Schwester bei der Frage nach der Schwangerschaft:
Schwester: “Wie die Geburt war.”
Mutter: “Normal, warum fragt sie so was? Ich will wissen, ob mit der Zunge alles in Ordnung ist.”
Schwester: “Normal.”
Logopädin: “Wie war die Geburt?”
Schwester: “Wie war die Geburt, fragt sie schon wieder.”
Mutter: “Aber das hab’ ich ihr schon gesagt, wieso will sie das noch einmal wissen?”
Schwester: “Auch normal.”Fall 2: Ein acht- oder neunjähriges, aus dem Jugoslawienkrieg traumatisiertes Kind kommt. Es stotterte. Das Logopädenteam wollte einige Entspannungsübungen im Liegen machen. Übersetzerin war diesmal eine Putzfrau.
Setting: Das Kind liegt, ich (oder meine Kollegin - das weiß ich nicht mehr) knie neben dem Kind, die Putzfrau beim Kopf des Kindes. Es soll eine Atem- und Wahrnehmungsübung gemacht werden.
Therapeutin: “Leg deine Hände auf deinen Bauch und spüre die Atembewegung.”
Putzfrau: “Mach die Augen zu, brauchst keine Angst haben.”
Therapeutin: “Der Atem fließt ein und aus, die Bewegung spürst du im Bauch.”
Putzfrau: “Spürst du, macht nichts, brauchst keine Angst haben, ich bin eh da.”
Das Aushilfsdolmetschen ist nicht mehr erlaubt. Wobei: Es gibt eine Intranet-Liste am Wiener AKH, in der 80 Mitarbeiter, die insgesamt 31 Sprachen abdecken, eingetragen sind. Die soll der Arzt, wenn er sie benötigt, anrufen. Aber: “Ich kann nicht ständig Kollegen von ihrer Arbeit wegholen” , so Peter M.
Die Folgen der Sprachbarrieren im Krankenhaus liegen in einer längeren Wartezeit für die Patienten, Mehrkosten für das AKH sowie in Problemen in der Nachbehandlung. Schließlich verstehen die Patienten mit ausländischen Wurzeln die Überweisung oder Medikamentenverordnungen nicht. Dazu sagt der Notfallarzt: “70 Prozent unserer Arbeit verpufft.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derstandard.at, 25.01.2012/03.02.2012. Bild: Archiv.]
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Tagessatz für somalische Piratendolmetscher: 1.500 Dollar
2.3.2012 von Richard Schneider.
1.500 US-Dollar (rund 1.100 Euro) hätte ein Somalier für seine Tätigkeit als Konsekutivdolmetscher bei einem Piratenüberfall auf das deutsche Containerschiff „Taipan“ erhalten sollen. Dies erklärte der 29-jährige Angeklagte beim nun schon seit 15 Monaten andauernden Hamburger Piratenprozess.
Am 78. Verhandlungstag rang sich der 29-Jährige überraschend zu einer umfassenden Aussage durch und beschuldigte die übrigen Angeklagten der Lüge. Vor Gericht seien bislang jeden Tag „Märchen erzählt“ worden. Er könne das nicht mehr ertragen. „Vor Gericht hat man uns korrekt und fair behandelt, und ich möchte Ihnen wirklich die Wahrheit sagen“ , so der Sprachmittler.
Keiner der Angeklagten sei - wie zuvor von einigen behauptet - zur Teilnahme an dem Überfall gezwungen worden. Vielmehr seien vorab Verträge gemacht worden, in denen die Aufgaben eines jeden Einzelnen festgelegt worden seien. Er habe die Aufgabe gehabt, zwischen den Somalis und der Schiffsbesatzung zu dolmetschen. Selbst die Aufteilung des zu erpressenden Lösegelds sei vertraglich geregelt gewesen. Der Dolmetscher gab darüber hinaus den Namen des Anführers in Somalia an und berichtete von weiteren Hintermännern.
Die zehn Angeklagten hatten Ostern 2010 vor der Küste Somalias das Hamburger Containerschiff „Taipan“ gekapert. Die 15-köpfige Schiffsbesatzung, darunter zwei Deutsche, konnte sich in einem Sicherheitsraum verschanzen. Wenige Stunden später wurden sie von einem zu Hilfe gerufenen niederländischen Marinekommando befreit und die Piraten festgenommen.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2010-12-21: Keine leichte Aufgabe: Dolmetscher im Hamburger Piratenprozess
2009-08-06: Auch Piraten brauchen Dolmetscher
[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt, 2012-03-01; Zeit, 2012-02-29; NDR, 2012-03.01. Bild: Creative Commons Public Domain / Wikipedia.]
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Die Berlinale - ohne Dolmetscher nicht durchführbar
9.2.2012 von Richard Schneider.
Heute beginnen die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin, besser bekannt als “Berlinale”. Auf der Website des Festivals heißt es:
Berlin: ein weltoffener und aufregender Kulturschauplatz von ungebrochener Anziehungskraft. Künstler aus aller Welt kommen hierher. Eine differenzierte Kinolandschaft und ein filmbegeistertes Publikum zeichnen die Stadt aus. Mittendrin die Berlinale als großes Kulturereignis und eines der wichtigsten Events der internationalen Filmindustrie. Fast 300.000 verkaufte Eintrittskarten, mehr als 19.000 Fachbesucher aus 115 Ländern, darunter etwa 4.000 Journalisten: Kunst, Glamour, Party und Geschäft sind bei der Berlinale untrennbar miteinander verbunden. Das öffentliche Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin zeigt jedes Jahr ca. 400 Filme, überwiegend Welt- oder Europapremieren.
Die Internationalen Filmfestspiele Berlin setzen Impulse im globalen Filmgeschehen: Filmreihen, Workshops, Panels, gemeinsame Projekte mit anderen gesellschaftlichen und kulturellen Akteuren – die Formen der Zusammenarbeit und die Möglichkeiten kreativer Interaktion sind vielfältig. Wichtigster Treffpunkt ist der European Film Market (EFM). Rund 400 Firmen und 7000 Fachbesucher aus 90 Ländern knüpfen und pflegen hier ihre Kontakte, positionieren sich in der Branche oder handeln mit Filmrechten. Die enge Verknüpfung von Festival und Markt ist eine Besonderheit der Berlinale und sorgt immer wieder für besondere Synergien.
Diese internationale Großveranstaltung wäre ohne die Hilfe von Dolmetschern und Übersetzern nicht durchführbar. Einen guten Einblick in deren Arbeit inmitten des Festivaltrubels vermittelt bereits seit vielen Jahren das Blog von Caroline Elias, das sie selbst als “Arbeitstagebuch einer Französischdolmetscherin und -übersetzerin” bezeichnet. Fast täglich veröffentlicht sie dort ihre Erfahrungen und Beobachtungen.
http://dolmetscher-berlin.blogspot.com/search/label/Berlinale
2010 hat die Fernsehzeitschrift TV Today in einem längeren Artikel die Arbeit der Konferenzdolmetscher Angela Drösser und Sungur Bentürk porträtiert. Die beiden verdolmetschen seit einigen Jahren für das ZDF die Eröffnungsveranstaltung der Berlinale, die direkt auf 3sat übertragen wird:
TV Today: Die Dolmetscher - hinter den Kulissen der Berlinale
[Text: Richard Schneider. Quelle: Berlinale; Blog “Dolmetscher Berlin”; TV Today, 2010-02-11. Bild: Berlinale.]
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VKD: Dolmetscher lassen die Muttersprache zu Wort kommen
1.2.2012 von Richard Schneider.
Die eigene Muttersprache ist etwas ganz Besonderes – diese Erfahrung hat wohl jeder schon einmal gemacht, der sich in einer fremden Sprache verständigen wollte. Kein Wunder also, dass ihr die UNESCO einen eigenen Tag widmet und den 21. Februar zum „Tag der Muttersprache“ (Mother Language Day) erklärt hat. Seit dem Jahr 2000 wird auf diese Weise die Sprachvielfalt gewürdigt, für die sich auch der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) stark macht – und das jeden Tag.
Wer sich in einer fremden Sprache verständigen muss, steht nicht selten vor einer großen Herausforderung. Immerhin muss nicht nur der Inhalt des Gesagten beim Zuhörer ankommen – auch Nuancen und Wortspiele sollten möglichst übermittelt werden. Wer darauf gerade bei wichtigen Veranstaltungen nicht verzichten möchte, dem bietet der VKD professionelle Unterstützung. Seine rund 450 Mitglieder decken insgesamt 33 Sprachen ab und sind bundesweit und international im Einsatz, bei Staatsbesuchen ebenso wie etwa bei Fachkonferenzen oder großen Sportereignissen. Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit: Sie sorgen dafür, dass der Charakter einer Rede auch in der Fremdsprache beibehalten wird, so dass sich der Sprecher ganz auf seine Inhalte konzentrieren kann. Oder anders gesagt: Sie lassen Sprachbarrieren verschwinden.
Und was macht nach Ansicht der Experten den größten Unterschied zwischen Mutter- und Fremdsprache aus? „Nelson Mandela hat das einmal treffend auf den Punkt gebracht: Spricht man mit einem Menschen in einer Sprache, die er versteht, dann erreicht man seinen Kopf. Spricht man mit ihm in seiner Muttersprache, dann erreicht man sein Herz“, sagt Ruth Kritzer, Vorsitzende des VKD. Mit ihrer Arbeit tragen die Konferenzdolmetscher dazu bei, dass die Muttersprachen auch bei internationalen Veranstaltungen den ihnen gebührenden Raum erhalten – erst recht in Zeiten der Globalisierung. „Die Bezeichnung ‚Muttersprache’ macht ja bereits deutlich, dass diese ein Teil der eigenen Persönlichkeit ist“, so Kritzer. „Umso wichtiger ist es, die Sprachvielfalt der Welt als das zu würdigen, was sie ist: eine echte Bereicherung.“
Der Verband der Konferenzdolmetscher im BDÜ (VKD-BDÜ) e.V.
Der deutsche Verband der Konferenzdolmetscher im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (VKD im BDÜ) vertritt die Interessen seiner Mitglieder und ganz allgemein des Berufsstandes der Konferenzdolmetscher, insbesondere in Deutschland, gegenüber nationalen und internationalen Organisationen, Behörden, Körperschaften, Regierungen, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Er wurde 2003 gegründet und zählt derzeit 450 Mitglieder. Die Aufnahme in den Verband unterliegt strengen Aufnahmekriterien: Bei den meisten Mitgliedern handelt es sich um Konferenzdolmetscher mit einem Hochschulabschluss.
Mehr zum Thema im Übersetzerportal
2002-02-21: 21. Februar, Tag der Muttersprache: Tote und Verletzte vor 50 Jahren in Ost-Bengalen
2004-02-21: „Beziehung der Deutschen zur eigenen Sprache komplexbeladen.“ – Zafer Senocak zum Tag der Muttersprache
[Text: Britta Piet. Quelle: Pressemitteilung VKD, 2012-01-17. Bild: VKD.]
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AIIC nimmt jetzt auch Gebärdensprach-Konferenzdolmetscher auf
17.1.2012 von Richard Schneider.
Die Mitgliedschaft im Internationalen Verband der Konferenzdolmetscher (AIIC) steht in Zukunft auch Konferenzdolmetschern für Gebärdensprachen offen. Dies ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit und erfolgreicher Gespräche zwischen AIIC und dem Weltverband sowie dem Europäischen Forum für Gebärdensprachendolmetscher (WASLI und EFSLI).
Die AIIC vertritt weltweit ca. 3.000 Konferenzdolmetscher und unterhält ein eigenes Netzwerk für Gebärdensprachen. Die Verbände WASLI und EFSLI fördern die Berufsinteressen der Gebärdensprachendolmetscher. Alle drei Verbände setzen sich für die gleichen beruflichen Ziele ein, z. B. Berufsethik, Vertretung berufsständischer Interessen, Arbeitsbedingungen, Anerkennung des Berufs, Ausbildung und Weiterbildung.
Die Entscheidung zur Aufnahme von Gebärdensprachen-Konferenzdolmetschern fiel mit überwältigender Mehrheit auf der Generalversammlung der AIIC vom 12. bis 15. Januar 2012 in Buenos Aires. Damit haben Gebärdensprachen in der Welt der Konferenzdolmetscher den gleichen Stellenwert wie gesprochene Sprachen.
[Text: AIIC. Quelle: Pressemitteilung AIIC, 2012-01-17. Bild: AIIC.]
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