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Archiv der Kategorie Dolmetschen
BVB-Dolmetscher Jumpei Yamamor: Dolmetscher sind Integrationshelfer
21.12.2011 von Nina Neumann.
Jumpei Yamamori dolmetscht seit der Saison 2010/2011 beim BVB 09 für den Japaner Shinji Kagawa. Dass dies nicht nur eine anspruchsvolle, sondern auch sehr abwechslungsreiche Arbeit ist, beschreibt er in einem Beitrag für die “Welt Online”.
“Wenn er [Shinji Kagawa] trainiert oder spielt, bin ich an der Seitenlinie. Unterbricht Jürgen Klopp das Training, um Anweisungen zu geben, versuche ich, blitzschnell zur Stelle zu sein,” erzählt der Dolmetscher. Doch seine Tätigkeiten sind nicht ausschließlich auf das Dolmetschen beschränkt. “Ich begreife mich als jemand, der Integration fördert. Der nicht nur übersetzt, sondern auch hilft, den Japanern die deutsche Kultur näher zu bringen,” fährt er fort. “[…] mittlerweile kommt Shinji zurecht, hat auch sprachlich Fortschritte gemacht, speziell im letzten halben Jahr. Er kann sich sehr gut verständigen. Aber das ist das Schicksal eines Dolmetschers: Er macht sich irgendwann überflüssig.”
Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website der Welt lesen.
[Text: Nina Neumann. Quelle: welt.de, 19.12.2011. Bild: Borussia Dortmund.]
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Anja Röger dolmetscht beim Festival des osteuropäischen Films in Cottbus
12.12.2011 von Jessica Antosik.
Vom 1. bis 6.11.2011 fand die 24. Ausgabe des FilmFestivals Cottbus im Staatstheater Cottbus statt. Über 140 Filme aus 33 Ländern Mittel- und Osteuropas wurden vorgestellt, darunter waren 10 Weltpremieren, 7 internationale und 43 deutsche Erstaufführungen. Präsentiert wurden sie hauptsächlich von den Regisseuren, Schauspielern oder Produzenten persönlich.
Anja Röger, seit 1995 freiberufliche Diplom-Dolmetscherin und -Übersetzerin für Französisch und Englisch, war eine von elf Dolmetschern, die dafür sorgten, dass auch Besucher die Filme des Festivals verstanden, die nicht der slowenischen, russischen oder englischen Sprache mächtig waren. Dabei schlüpfte sie in verschiedene Rollen und dolmetschte simultan. Die 40-Jährige saß während der Filmvorstellung in der Sprecherkabine und übersetzte den englischen Text aus ihren Unterlagen passend zur Handlung. In der Stadthalle konnte sie von der Kammer aus durch eine Scheibe auf die Leinwand schauen. Lediglich eine Tischlampe spendete Licht in dem kleinen schwarzen Raum.
Bereits zum 13. Mal ist sie beim Cottbusser Filmfestival dabei. „In den ersten Jahren saß ich noch im Gladhouse zwischen den Zuschauern, um mich herum nur ein Vorhang. Ich durfte nicht zu laut sprechen, das haben ja alle gehört.“ Mittlerweile sei alles, abgesehen von ein paar technischen Problemen, gut organisiert.
Einige Tage vor dem Festival erhielt Anja Röger das Material, zumeist ein englisches Manuskript und die Film-DVDs. Damit bereitete sie sich auf ihren Dolmetscheinsatz vor. Es kam auch schon vor, dass sie drei unterschiedliche Texte pro Film bekam, die sie selbst zusammenordnen musste.
Nicht immer ist es so, dass Übersetzungen abwechslungsreich sind. Oftmals ist genau das Gegenteil der Fall. „Ich bin immer wieder überrascht, dass die Leute das so ertragen. Denn wir sind verwöhnt von perfekt synchronisierten Filmen“, so Röger. Dies könnte das Filmfestival allerdings nicht finanzieren. „Die Filme vorab zu übersetzen und synchronisieren ist zu teuer“, erklärt Karin Fritzsche, Festival-Kuratorin und Verantwortliche für die Dolmetscher. Tagessätze wie bei Konferenzen kann sie nicht zahlen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute für uns arbeiten, weil es ihnen Spaß macht.“
Abschließend sagte Anja Röger einige Worte zu den Tücken des Simultandolmetschens: „Bei langen verschachtelten Sätzen oder wenn die Schauspieler alle durcheinanderreden, kommt man ganz schön ins Schwitzen“, erzählt Röger. Hustenanfälle, Lachkrämpfe oder andere Geräuschkulissen irritieren den Zuhörer. „Einmal musste ich bei einem sehr traurigen Film fast losheulen“, erinnert sich Röger.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: lr-online.de, 05.11.2011. Bild: tu-cottbus.de.]
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Basel: Stetig steigende Dolmetschkosten für Justiz und Polizei
6.12.2011 von Richard Schneider.
Die Stadt Basel in der Schweiz klagt über stetig steigende Dolmetsch- und Übersetzungskosten für “delinquierende Asylsuchende und Kriminaltouristen aus Osteuropa”. Gerichte, Staatsanwaltschaft und Polizei müssen zusammen pro Jahr mehr als 355.000 Euro aufwenden. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft erklärt: “Wir brauchen die ganze Palette von Sprachen. Natürlich gehören auch europäische Sprachen wie Englisch oder Französisch dazu, doch vielfach geht es um afrikanische Sprachen, um Albanisch, Türkisch oder Arabisch.” Basel liegt im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz und hat gut 170.000 Einwohner. Die Basler Zeitung beziffert die Kosten wie folgt:
Die Justiz muss zunehmend Übersetzer beiziehen. Die Dolmetscherkosten der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt bewegen sich zwischen 2009 und 2011 zwischen rund 230′000 [186.312 Euro] und 250′000 Franken [202.513 Euro] pro Jahr. Hier ist über mehrere Jahre gesehen ein Anstieg festzustellen. Am meisten Dolmetscher braucht die Kriminalpolizei mit 37 Prozent, dazu die Allgemeine Abteilung mit 28 Prozent, gefolgt von der Jugendanwaltschaft mit 18 Prozent und der Wirtschaftsabteilung mit 17 Prozent. Gleich sieht es am Gericht aus: «Wir haben tendenziell mehr Übersetzungskosten», sagt Thomas Schweizer, Verwaltungschef am Strafgericht Basel-Stadt. Wendete das Strafgericht im Jahr 2000 noch rund 77′000 Franken [62.373 Euro] für Dolmetscher auf, so waren es 2009 rund 87′000 [70.474 Euro] und 2008 gut 90′000 Franken [72.904 Euro].
Die Baselbieter Gerichte geben für Dolmetscherentschädigungen pro Jahr rund 80′000 Franken aus [64.804 Euro], hinzu kommen 25′000 Franken [20.251 Euro], welche das Strafgericht Basel-Landschaft für Übersetzungstätigkeiten aufwenden muss. Die Baselbieter Gerichte verzeichnen «eine steigende Tendenz», erklärt Daniel Maritz, leitender Gerichtsschreiber am Strafgericht, Zwangsmassnahmengericht und Jugendgericht Basel-Landschaft.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Basler Zeitung, 2011-12-04. Bild: uepo-Archiv.]
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Jemen: Dolmetscher des Präsidenten entführt - Opposition kritisiert dessen Doppelrolle
24.11.2011 von Richard Schneider.
In Zeiten des Umsturzes leben auch Dolmetscher gefährlich. Im Jemen hatten Kräfte des abtrünnigen Generals Ali Mohsen in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Sanaa mit Waffengewalt das Auto von Mohamed Sudam (Bild) angehalten und den Mann verschleppt. Sudam ist der persönliche Dolmetscher des seit 33 Jahren diktatorisch regierenden Präsidenten Ali Abdullah Salih.
Die Regierungspartei protestierte gegen die Entführung und wies darauf hin, dass Sudam ein Vertreter der internationalen Presse sei, weil er für eine amerikanische Nachrichtenagentur arbeite. Tatsächlich ist Sudam nicht nur Dolmetscher des Staatschefs, sondern seit Jahren auch freier Mitarbeiter von Reuters. Sein Name steht unter zahlreichen Reuters-Meldungen über die aktuelle Lage im Jemen, die von Medien auf der ganzen Welt übernommen werden.
Die jemenitische Opposition attackierte daraufhin sowohl den Dolmetscher in seiner vermeintlich zwielichtigen Doppelrolle als auch die Nachrichtenagentur. „Schande über Reuters“, schreiben Regimekritiker auf Facebook und Twitter. Und wie glücklich Sudam sich doch schätzen könne, zweimal bezahlt zu werden, „einmal von [Präsident] Salih für das Fälschen von Nachrichten und ein weiteres Mal von Reuters fürs Veröffentlichen“.
Die New Yorker Reuters-Zentrale war sich zunächst keiner Schuld bewusst. Von der Tätigkeit Sudams im Sprachendienst der Regierung habe man gewusst. Die Beiträge des Journalisten Sudam hätten stets die hohen Standards von Reuters erfüllt, weshalb man die Zusammenarbeit fortzusetzen gedenke. Erst als die Proteste der jemenitischen Opposition nicht abebben wollten, gab Reuters nach. Sudam werde künftig keine Berichte mehr über die Situation im Jemen schreiben – wohl aber über andere Länder der Region.
Sudam wurde von den Entführern nach einigen Tagen in Gefangenschaft auf Druck der Regierung und der jemenitischen Journalistengewerkschaft wieder freigelassen. Die Oppositionellen hatten offenbar gehofft, von ihm interne Informationen über das Regime in Sanaa zu gewinnen und ihn gegen inhaftierte Rebellen auszutauschen. Ob der Freilassung ein Kuhhandel zwischen Regierung und Opposition vorausgegangen ist, ist nicht bekannt.

Mohamed Sudam als Dolmetscher bei einer Begegnung zwischen der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice und dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih im Jahr 2007 in Washington. Neben Rice dolmetscht offenbar gerade der amerikanische Dolmetscher. Die USA unterstützen den Jemen seit vielen Jahren mit großzügigen Finanzhilfen.
Ähnliche Themen im Übersetzerportal
2003-09-16: „Ich habe Angst.“ Saddams Dolmetscher Sadun Al-Zubaydi blickt in eine ungewisse Zukunft
[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2011-11-19. Bild: Quelle nicht ermittelbar.]
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Festival “Translating HipHop”: Dolmetschende Rapper und rappende Dolmetscher
20.11.2011 von Richard Schneider.
In Berlin ist soeben das dreitägige Festival „Translating HipHop“ (10.-12.11.2011) im Haus der Kulturen der Welt (HKW) zu Ende gegangen. Es bildete den Abschluss eines fast einjährigen Projekts. Im Programmheft heißt es:
In den vorangegangenen Workshops in Beirut, Bogotá, Manila und Nairobi haben Rapper Songtexte in ihre Sprachen übersetzt. Darauf aufbauend entwickelten sie Variationen, die den Inhalt der Vorlage aufgreifen, aber mit eigenen Erfahrungen und Interpretationen durchsetzen. Durch Sprache, Gestik und den individuellen Stil entstand so eine Vielzahl von Versionen derselben Stücke. In Berlin wurde nun untersucht, was für Geschichten sich hinter den Übersetzungen der Lyrics verbergen. Was wurde von den MCs übernommen, was verändert und warum? Welche Hindernisse mussten beim Übersetzen überwunden werden, welche Gemeinsamkeiten gab es?
Das Projekt sei als „Gegenentwurf zum Klischee von HipHop als oberflächlicher und nichtssagender Gelddruckmaschine“ gedacht, schreibt die Wochenzeitung der Freitag. Es gehe um die Inhalte: „Um die zu verstehen, tauschen die RapperInnen beim Konzert im HKW die Gesangs- gegen die Übersetzerkabine. Während die einen auf der Bühne rappen, übersetzen die anderen die Texte parallel in andere Sprachen, die Besucher können auf ihren Kopfhörern zwischen verschiedenen Kanälen wählen. Es ist spannend, wie unterschiedlich die Idiome bei der Verhandlung des gleichen Inhalts sind: Tondo Tribe verwenden bei der Übersetzung in der Kabine rund dreimal so viele Wörter wie der Hamburger Rapper Max Maxamom auf der Bühne.“ Translating HipHop sollte Barrieren aufbrechen. Der Freitag schreibt weiter:
Professionelle Dolmetscher übersetzten die Texte der Teilnehmer in die anderen Sprachen. „Damit hast Du aber noch keinen Plan von den Hintergründen der anderen Rapper“, sagt Pyranja, Rapperin und Radiomoderatorin aus Berlin. Geniale Wortspiele in der einen sind in einfacher Übersetzung unverständlich in der anderen Sprache. „Wenn ich eins zu eins übernehme, was Diana Avella aus Kolumbien rappt, denkt man hier, ich hab einen an der Klatsche“, sagt Pyranja. Die Auseinandersetzung mit dem Leben der Künstler und die Besuche der anderen Länder hätten ihr die Augen geöffnet: „Wir haben andere Probleme, aber auch so viele Gemeinsamkeiten.“

Die Hip-Hop-Szene in Berlin ist schon lange polyglott. Durch die Einwanderungsgeschichte der Stadt geprägt, rappen MCs hier mehrsprachig – auf Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Lingala, Französisch, Englisch, Spanisch und anderen Sprachen. Die Kuratoren Detlef Diederichsen und Dr. Susanne Stemmler beschreiben den Anspruch der Veranstaltung im Programmheft wie folgt:
Am Anfang als „Black Noise“ abgewertet, hat sich Hip Hop in den letzten 30 Jahren über den Globus verbreitet. Auf der ganzen Welt praktiziert man die verschiedenen Dimensionen dieser energiegeladenen Kultur: Rap, DJing, Breakdance, Graffiti. Körpersprache und Gesten werden fast überall verstanden, die Übersetzung funktioniert unbemerkt. Durch diese gemeinsame „Sprache“ ist eine virtuelle „Hip Hop nation“ entstanden. Gleichzeitig haben lokale Szenen völlig unterschiedliche Stile, Dialekte, Slangs und Codes, die eine Übersetzung erfordern.
Hier setzt Translating Hip Hop an: Es feiert Hip Hop und Übersetzung zugleich. MCs aus Bogotá, Beirut, Nairobi, Berlin und Manila arbeiten seit Februar 2011, u. a. in vier Workshops in diesen Städten, an RapÜbersetzungen aus den verschiedenen Sprachen. Zum Festival präsentieren sie an zwei Konzertabenden ihre babylonischen Performances.
Der Kongress bringt in Performances, Lectures, Talks und Filmen internationale Künstler, Aktivisten und Hip Hop-Experten zum Thema Übersetzung und Hip Hop zusammen. Sie alle erkunden neue Szenen, decken globale Verbindungen auf und knüpfen neue Netzwerke.

Zu den beteiligten Künstlern gehörten Amewu (Deutschland), Anne Khan (Deutschland), Diana Avella (Kolumbien), Flaco Flow and Melanina (Kolumbien), MC Kah (Kenia), Mad Maxamom (Deutschland), Malikah (Libanon), Nazizi (Kenia), Pyranja (Deutschland), Rayess Bek (Libanon), Chefket (Deutschland), Tondo Tribe (Philippinen).
Auf dem Programm standen in Berlin auch „Academic Workshops“, zu denen Sprachwissenschaftler geladen waren. Dazu heißt es im Programmheft:
Übersetzen bedeutet immer auch Austausch mit dem Unbekannten. In den Kulturwissenschaften bilden Übersetzungsprozesse im Zusammenhang mit globaler Kulturproduktion schon seit einigen Jahren ein hochaktuelles Forschungsfeld. Neue Impulse kommen dabei immer wieder aus verschiedensten populären Musikszenen. Der Workshop lädt Hip Hop-Forscher ein, sich mit dem Projekt Translating Hip Hop vor dem Hintergrund ihrer eigenen Arbeiten auseinanderzusetzen und es zu kommentieren.
Der Titel einer Veranstaltung lautete „Hip Hop: Übersetzung als Energie“. Dazu schreiben die Veranstalter:
Die unterschiedlichen Beats zweier Tracks aufeinander abzustimmen ist Übersetzung. Arabische Kaffeehausmusik aus den 50er Jahren für einen Rap in London zu samplen, ist Übersetzung. Freestylen und Breakdance Moves sind spontane Übersetzungen eines Moments, genauso das Nachahmen maschineller Sounds beim Beatboxing. Die Neudeutung und damit Aneignung von ‚Anderem’ ist im Hip Hop immer Antrieb für die kreative Performance.
Translating HipHop war ein Projekt des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) und des Goethe-Institus. Finanziell unterstützt wurde es durch den Hauptstadtkulturfonds, die Botschaft der Vereinigten Staaten von America und das Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Das HKW wird gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Auswärtige Amt.
Das englischsprachige Blog der Veranstaltung kann unter der folgenden Adresse abgerufen werden: http://translatinghiphop.de/blog/
[Text: Richard Schneider. Quelle: Translating HipHop. Bild: Translating HipHop, Jakob Hoff / Haus der Kulturen der Welt (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Pressereferenten).]
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Dolmetscher Jan Klinghammer im Gespräch
14.11.2011 von Jessica Antosik.
In einem Interview mit der Tageszeitung Märkische Allgemeine berichtet der aus Teltow (Brandenburg) stammende Dolmetscher Jan Klinghammer, dessen Arbeitssprachen Deutsch, Englisch und Russisch sind, über seinen Beruf.
Auf die Frage, warum ihm die russische Sprache besonders am Herzen liegt, sagt Klinghammer: „Ich bin in Sachsen geboren und in der ehemaligen DDR war das Erlernen der russischen Sprache ab der fünften Klasse ja obligatorisch. […] In der Gorbatschow-Ära habe ich mit meinen Eltern Russland mehrmals besucht und mit 15 oder 16 Jahren wusste ich bereits, dass ich Dolmetscher werden will.“
Zu seinen Arbeitssprachen äußert er sich wie folgt: „Ich schätze, dass 70 Prozent meiner Arbeit mit der englischen Sprache zu tun hat, 30 Prozent mit der russischen, mit der ich emotional aber sehr viel enger verbunden bin. […] In der EU und der Diplomatie spielt Französisch […] eine wichtige Rolle. Deshalb bereue ich schon, diese Sprache nicht gelernt zu haben. Aber für den Beruf ist das jetzt zu spät.“
Die Frage, was für ihn im Beruf besonders wichtig ist, beantwortete er folgendermaßen: „Für mich als Dolmetscher ist es entscheidend, eine oder zwei Sprachen perfekt zu beherrschen. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Dolmetscher ganz viele Sprachen sprechen können. Das ist nur in Ausnahmefällen so.“
Ferner erklärt Jan Klinghammer Folgendes über den Dolmetscherberuf: „Neben politischen Konferenzen und Gesprächen dolmetsche ich auch bei Fachtagungen. Wenn es dann um Fragen einer bestimmten Schweißtechnik bei Metallen oder andere komplizierte Sachverhalte geht, wird’s heikel. Bei solchen Themen muss ich im Vorfeld mehrere Tage Vokabeln pauken, um den Gesprächen folgen zu können. Es ist eine Illusion, dass man eine Fremdsprache vollständig und für alle Lebensbereiche beherrscht.“
Der Dolmetscher sagt, wie er reagiert, wenn in einer emotionalen politischen Verhandlung ein Kraftausdruck fällt: „Das kann schon vorkommen. Wenn ich dann übersetzen soll, ist meine Devise: Einen Gang runterschalten. Es geht beim Dolmetschen darum, die Intention des Gesprächspartners zu erfassen. Ich würde einen Kraftausdruck nicht wörtlich übersetzen, sondern deutlich machen, dass der Minister XY über eine Situation „außerordentlich verärgert“ ist.“ Als Dolmetscher müsse er die kulturellen Unterschiede beachten, weshalb es sich dabei nicht um eine Verfälschung handle. „Einen spontanen Kraftausdruck wörtlich zu übersetzen, könnte ernste Folgen für ein Gespräch haben oder würde von der jeweils anderen Seite vielleicht auch gar nicht verstanden. Wie gesagt, auf die Intention des Sprechers kommt es an.“
Außerdem plauderte Klinghammer ein bisschen aus dem Nähkästchen. „Als Gorbatschow bei einer Veranstaltung zum Mauerfall sprach, war ich Dolmetscher. Er sagte auf Russisch: „Ich kann mich noch gut an die Ereignisse am 9. Februar erinnern.“ […] Mir schoss zunächst die Frage durch den Kopf, ob es auch an einem 9. Februar ein besonderes Ereignis gegeben hatte. Ich beschloss aber dann für mich, dass sich Gorbatschow einfach nur versprochen hatte und übersetzte „9. November“. Natürlich hatte er dieses Datum gemeint, das war seine Intention. Es gibt aber weniger eindeutige Fälle, in denen Dolmetscher mit aller gebotenen Vorsicht agieren sollten. Bei Interpretationen dürfen wir uns niemals zu weit aus dem Fenster lehnen. Unsere Aufgabe ist es, das Gesagte möglichst unverfälscht in die jeweils andere Sprache zu übertragen.“
Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website der Märkischen Allgemeinen lesen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: maerkischeallgemeine.de, 24.09.2011.]
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Türkei: Kurdisch-Dolmetscherin wegen Propaganda für PKK zu Haftstrafe verurteilt
10.11.2011 von Richard Schneider.
Die kurdische Dolmetscherin Hediye Tekin ist Anfang Oktober 2011 in İzmir wegen „Propaganda für eine Terrororganisation“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Sie hatte am 07.03.2007 auf einem Treffen zur Vorbereitung einer Veranstaltung zum Weltfrauentag (8. März) Redebeiträge von Politikerinnen und Frauenaktivistinnen ins Kurdische gedolmetscht. Darunter waren auch Aussagen, die das Gericht als Verherrlichung des inhaftierten Vorsitzenden der verbotenenen kurdischen Arbeiterpartei/Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, wertete. Tekin hatte lediglich die Beiträge anderer gedolmetscht und keine eigenen Aussagen zu Öcalan gemacht.
Neben Tekin wurden auch zwei Politikerinnen der sozialistischen Partei SDP zu Haftstrafen von 12 bzw. 18 Monaten verurteilt, weil sie in ihren Redebeiträgen vom „ehrenwerten“ Herrn Öcalan sprachen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Hürriyet Daily News, 2011-10-10; antenna-tr.org, 2011-10-10.]
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Jedes Wort eine Zeitbombe – Zehn Jahre nach dem 11. September
14.10.2011 von Jessica Antosik.
Seit fast 30 Jahren lebt die Zürcherin Maya Hess in New York. Nachdem sie in einer Übersetzungsagentur tätig gewesen war, gründete sie im Jahre 1992 ihr eigenes Unternehmen, das sich auf Terrorismusfälle spezialisierte. Zu ihren Aufgabenbereichen zählten die Analyse des sog. Surveillance-Materials, d.h. die Auswertung abgehörter Gespräche und abgefangener E-Mails oder Internet-Recherchen, sowie die Bearbeitung weiterer Beweismittel. Zu Spitzenzeiten beschäftigte die Gerichtsdolmetscherin bis zu 80 Mitarbeiter.
Mit den Anschlägen vom 11. September haben sich das Leben und die berufliche Ausrichtung von Hess jedoch komplett verändert. Sie musste zusehen, wie einer ihrer ehemaligen Mitarbeiter, Mohamed Yousry, der Beihilfe zum Terrorismus angeklagt und verurteilt wurde – ihre Agentur war für den Fall zuständig. Yousry dolmetschte im Gefängnis Gespräche zwischen der umstrittenen Anwältin Lynne Stewart und ihrem Mandanten Sheik Omar Abdel Rahman. “Rahman gilt als spiritueller Führer einer Organisation in Ägypten, die von den USA als terroristisch eingestuft und für das Attentat in Luxor verantwortlich gemacht wird.” Weil er an geplanten Attentaten in New York beteiligt war, wurde er 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. “Die Anwältin hat in einem Interview mit einem Journalisten Details aus den Gesprächen zwischen ihr und Rahman bekannt gegeben und so eine Gefängnisregel verletzt – das Redeverbot”, berichtet Hess. 2002, mehr als eineinhalb Jahre nach dem Gespräch, wurden Lynne Stewart und der Dolmetscher verhaftet. “Dabei war [der Dolmetscher] bei diesem Gespräch gar nicht dabei.”
Dieses Urteil habe dramatische Folgen für ihren Berufsstand. “Zum ersten Mal in der Rechtsgeschichte der USA wurde ein Dolmetscher für die Strategie und Handlungen einer Anwältin und den Inhalt der Mandantengespräche verantwortlich gemacht.” Nun gebe es einen Präzedenzfall, der diesen Beruf kriminalisiere. Dabei spielten Dolmetscher und Übersetzer eine wichtige Rolle im Krieg gegen den Terrorismus und trügen zur Sicherheit der Welt bei. Welcher Dolmetscher oder Übersetzer will noch Arbeiten übernehmen, die etwas mit Terrorismus zu tun haben? “Viel zu gefährlich”, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter von Maya Hess. “Jedes übersetzte Wort könnte eine Zeitbombe sein.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: zol.ch, 09.09.2011; tvprogramm.sf.tv, 14.09.2011.]
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Als Dolmetscher bei den Mächtigen der Welt: Wolfgang Ghantus war Diener vieler Herren
23.9.2011 von Jessica Antosik.
Che Guevara,
Salvador Allende, Indira Ghandi, Erich Honecker, Walter Ulbricht, Margaret Thatcher, George Bush sen., Bill Clinton. Wolfgang Ghantus, Jahrgang 1930, kannte sie alle. In 60 Jahren Berufspraxis als Dolmetscher spielte sich seine Arbeit nicht selten vor dem Hintergrund weltpolitischer Ereignisse auf vier Kontinenten ab. Jetzt hat Ghantus seine Lebenserinnerungen verfasst, die in wenigen Tagen als Buch erscheinen.
Anekdotenhaft, aber nie sensationslüstern, charakterisiert er darin viele Figuren der Zeitgeschichte, die seine Auftraggeber waren. Der BILD-Zeitung hat er schon einiges verraten, zum Beispiel über Erich Honecker:
Als ich Honecker 1950 das erste Mal traf, bot er mir eine Camel an. Damals hat er ja noch geraucht wie ein Schlot. […] Ahnung von Fremdsprachen hatte er nicht. Was mich verwundert hat, denn er war ja einige Zeit in der Sowjetunion. Aber sprachlich war nichts zu machen bei ihm. Er war auch kein guter Redner, hat immer nur abgelesen. Er hat monoton gesprochen, ohne Punkt und Komma. Er war furchtbar schwer zu dolmetschen. Seine Frau Margot war da viel besser. Mit ihr hatte ich auch ein persönlicheres Verhältnis. Sie war intelligent und flexibel. Eigentlich war sie all das, was ihr Mann nicht war. […] Honecker selbst hat mich immer geduzt, aber ich musste ihn mit Genosse Staatsratssekretär ansprechen. So formell ist das gewesen.
Über Walter Ulbricht schreibt Ghantus in seinem Buch:
Er war mir erst unsympathisch. Wenn der den Mund aufmachte mit seinem unheimlichen Sächsisch … Aber das war ein oberflächlicher Eindruck. Ich habe hinterher erfahren, dass er mit Stalin immer wieder im Konflikt war, weil die DDR von der Sowjetunion geschwächt und geschröpft wurde bis zum Geht-Nicht-Mehr.
Im Gegensatz zu den meisten DDR-Bürgern konnte Ghantus weltweit reisen. Trotzdem hat er sich nie von seinen Arbeitgebern abhängig gemacht, sondern wahrte seine Unabhägigkeit als freiberuflicher Dolmetscher.
Ghantus hat in Leipzig und Halle Journalistik studiert und spricht Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch. “Entdeckt” hat ihn noch während des Studiums Erich Honecker, der damals Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend war. Ghantus begleitete den späteren Staatsratsvorsitzenden auf zahlreichen Auslandsreisen.
Der Verlag kündigt das Werk als “lesenwertes Zeitpanorama” vom Zweiten Weltkrieg bis in unsere heutige Zeit an. Wir sind gespannt.
Über das Buch
Wolfgang Ghantus: Ein Diener vieler Herren. Als Dolmetscher bei den Mächtigen der Welt. Leipzig: Militzke.
Zahlreiche Fotos, 200 Seiten, 13,5 x 22 cm Hardcover, ISBN 9783861898467, 17,90 Euro. Erscheint am 4. Oktober 2011.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: bild.de, 14.09.2011; militzke.de. Bild: militzke.de.]
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Mord an Osama bin Laden: Auch ein Dolmetscher war dabei
13.9.2011 von Richard Schneider.
Drei Monate nach der Ermordung Osama bin Ladens (Bild) am 2. Mai 2011 durch eine amerikanische Spezialeinheit kommen bislang unbekannte Details ans Licht. So soll bei dem Einsatz auch ein Vertreter unserer Berufsgruppe mit von der Partie gewesen sein. Die Berliner Umschau schreibt:
Zwei Hubschrauber MH-60 Black Hawk hoben gegen Mitternacht am 1. Mai von Jalalabad in Afghanistan ab. An Bord waren 23 Soldaten der Spezialeinheit DEVGRU der US Navy sowie ein Dolmetscher und ein Hund. […] Während des Sturmes auf die Unterkunft des Terroristen musste der Dolmetscher auf der Straße aufgeregte Passanten beruhigen.
Zur Kommunikation mit dem meistgesuchten Mann der Welt wurde der Dolmetscher nicht benötigt. Diese bestand bekanntlich nur aus zwei Kugeln Blei. Eine „in den Bauch, eine zweite unter das linke Auge“.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Berliner Umschau, 2011-08-03. Bild: Al-Kaida.]
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