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Archiv der Kategorie Einwanderer
Gemeindedolmetschdienst übersetzt Arztgespräche für Migranten
8.4.2012 von Janine Fischer.
Migranten lassen sich Arztgespräche oft von Angehörigen übersetzen, leicht kommt es zu Missverständnissen. Der Gemeindedolmetschdienst hilft professionell.
Die Neuzugänge heißen Sosso und Fulla und stammen aus Westafrika: „Diese beiden Dialekte werden immer häufiger nachgefragt“, sagt Sabine Oldag. Sie sitzt an einem großen Tisch im Kreuzberger Büro des Gemeindedolmetschdienstes (GDD), den sie leitet. Nebenan klingeln immer wieder die Telefone. Die Anrufer sind Mitarbeiter von Beratungsstellen oder Kitas, die einen Dolmetscher buchen wollen. Auch viele Organisationen aus dem Gesundheitsbereich rufen an. Zusammengenommen sind die Anrufe wie kleine Mosaiksteinchen, die sich zur politischen Weltlage zusammensetzen lassen.
Der GDD hat schon für Libyer übersetzt, die in Berlin operiert wurden, für Afghanen oder Kurden. Gestiegen ist auch die Nachfrage nach Bulgarisch und Rumänisch, neuerdings auch nach Griechisch oder Spanisch. Der Dienst will eine qualitative Alternative sein zu Verwandten und Nachbarn, die oft als Übersetzer mitkommen, wenn ein Patient oder Mensch mit Beratungsbedarf kein oder nur sehr wenig Deutsch spricht. Denn dabei schleichen sich oft Fehler in die Gespräche ein, oder die Übersetzer sind nicht objektiv.
Diese Erfahrung hat auch Fachärztin Johanna Winkler gemacht, die in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St.-Hedwig-Krankenhaus arbeitet. Auch dort ist der GDD häufig im Einsatz. „Ein inhaltliches psychiatrisch-psychotherapeutisches Gespräch kann nur durch eine neutrale, therapeutisch distanzierte und nicht wertende Person vermittelt werden“, sagt sie. Sachverhalte würden sonst nicht angesprochen, beschönigt oder verfälscht. Sie erlebe oft, dass im Beisein von Freunden oder Angehörigen nur Nebenerkrankungen benannt werden und das eigentliche Leiden, etwa Suizidgedanken, Angst oder Stimmenhören, gar nicht erwähnt wird.
Besonders schwierig sei es, wenn Kinder als Übersetzer dabei sind. „Dass Patienten ihre Kinder zum Übersetzen mitbringen, macht mich sprachlos“, sagt Hatice Genç, die seit 2006 beim GDD arbeitet. Sie und ihre Kollegen reflektieren die Dolmetscherrolle sehr bewusst: Neutral sein, übersetzen, ohne zu interpretieren, etwas wegzulassen oder hinzuzufügen.
Der Dienst existiert seit 2003, er ist ein gemeinnütziges Angebot. Getragen wird er vom Verein „Gesundheit Berlin-Brandenburg“, gefördert von der Senatsverwaltung für Gesundheit, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellt die Räume. Anfangs wurden 70 Dolmetscher ausgebildet, längst sind es mehr. Der GDD kann heute in rund 50 Sprachen und Dialekte übersetzen. 2011 haben die Mitarbeiter in rund 5000 Fällen gedolmetscht. Trotz der großen Nachfrage hat der GDD aber keine Planungssicherheit. Über die Verlängerung des Projekts wird von Jahr zu Jahr entschieden.
„Dolmetscher müssen beide Sprachen sehr gut beherrschen und die Kultur und Traditionen des Herkunftslandes kennen“, sagt Sabine Oldag. Zu den Menschen, für die der GDD übersetzt, gehören viele Heiratsmigranten. Gestiegen ist der Bedarf auch bei Menschen aus der ersten Einwanderergeneration, die immer häufiger demenziell erkranken und die deutsche Sprache deshalb nach und nach vergessen. Die Übersetzer erklären den Fachkräften auf Wunsch auch kulturelle Besonderheiten, die einen Patienten geprägt haben. „Das Krankheits- und Gesundheitsverständnis ist je nach Land sehr unterschiedlich“, so Sabine Oldag.
Hatice Genç übersetzt Deutsch und Türkisch. Die 44-Jährige hat sich auf Einsätze beim Jugendamt und in der Psychiatrie spezialisiert. „Man muss in diesem Beruf oft sehr stark sein“, sagt sie. Etwa, wenn ein drogensüchtiger Jugendlicher eingewiesen werden muss und die ganze Familie weinend danebensteht. Oder wenn eine Krebspatientin ihre Medikamente falsch eingenommen und damit ihr Leben riskiert hat, weil ihr die Anwendung gar nicht oder falsch übersetzt wurde. „Theoretisch lernt man in der Ausbildung, sich zu distanzieren und die Themen nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Aber praktisch dauere das eine Weile.
Wenn ein Einsatz beendet ist, sagt sich Hatice Genç, dass sie den Menschen durch ihre Arbeit geholfen hat. „Darüber hinaus kann ich nichts tun.“
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/erst-verstehen-dann-heilen/6464562.html
[Text: Rita Nikolow. Quelle: Tagesspiegel, 02.04.2012.]
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Bewerber mit ausländischer Berufsqualifikation - leichtere Anerkennung von Abschlüssen
4.4.2012 von Janine Fischer.
Zuwanderer sollen nun ihre Berufsabschlüsse aus anderen Ländern in Deutschland leichter anerkennen lassen können. Der stern berichtet über ein neues Portal im Internet, das dabei helfen soll.
Das Internetportal “Anerkennung in Deutschland” informiert über die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen. Hintergrund ist das neue Anerkennungsgesetz vom 1. April, wonach jeder Bewerber das Recht hat, prüfen zu lassen, ob seine Qualifikation einem deutschen Abschluss entspricht.Teilweise sind zur Anerkennung Übersetzungen ausländischer Zeugnisse und Dokumente nötig.
Wird eine Übersetzung verlangt, muss diese von einem anerkannten Dolmetscher angefertigt werden. Außerdem muss der Antragsteller eine Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit in Deutschland nachweisen, wie zum Beispiel durch eine Bewerbung.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website des stern.
http://www.stern.de/wirtschaft/job/noetige-uebersetzungen-abklaeren-1807485.html
[Text: Janine Fischer. Quelle: stern, 30.03.2012.]
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Programm “Ulm - internationale Stadt”
4.3.2012 von Jessica Antosik.
Die Stadt Ulm sieht die Mehrsprachigkeit als einen Gewinn für die Stadt an. Daher soll das Zusammenleben der Einheimischen und Eingebürgerten, Ausländer und Aussiedler in Ulm verbessert werden. Einige Zahlen zur Situation in Ulm:
Ende 2010 hatten von 117.734 Ulmerinnen und Ulmern 43.886 einen Migrationshintergrund (37,3 %). Knapp die Hälfte, 19.280 (16.4 %), hatten keinen deutschen Pass und werden in der Statistik als Ausländer(-innen) geführt. Nicht wenige von ihnen leben allerdings seit 50 Jahren in Ulm, andere sind nur zum Studium hier oder zeitlich befristet als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer in einer der internationalen Firmen. 12.843 Ulmerinnen und Ulmer (10,9 %) werden als Eingebürgerte geführt, sie haben die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. 11.763 Ulmerinnen und Ulmer (9,9 %) werden als Aussiedler(-innen) geführt, d.h. sie oder mindestens ein Elternteil haben als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes die deutsche Staatsangehörigkeit inne.
Hinter der Internationalität verbergen sich gewaltige Ressourcen und Möglichkeiten für die Entwicklung aller Lebensbereiche. Kenntnisse der deutschen Sprache sind somit nicht der alleinige Schlüssel zur Integration. Ende Januar 2012 hat der Gemeinderat das Programm “Ulm – internationale Stadt” auf den Weg gebracht. Der Leitgedanke des Konzepts sieht wie folgt aus:
Internationalität ist eine Bereicherung für unsere Stadt. Wir fördern das Zusammenwachsen von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu einer Gesellschaft in Vielfalt. Dies ist für uns ein wechselseitiger Prozess.
Unsere Stadt ist Heimat für alle. Wir dulden keine Diskriminierung oder Gewalt gegen Menschen jeglicher kultureller Herkunft.
Wir begegnen uns in gegenseitiger Offenheit und mit Respekt vor der jeweiligen anderen Kultur, Religion und Lebensform. Wir sind dem Grundgesetz und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. Für uns ist die deutsche Sprache die Grundlage für Kommunikation, Verständigung und die erfolgreiche Beteiligung am Bildungssystem. Mehrsprachigkeit betrachten wir als Gewinn für unsere Stadt.
Die Schlüsselprojekte, um Ulm als internationale Stadt attraktiv zu machen, sehen wie folgt aus:
- Eine Strategie für die Interkulturelle Öffnung der Verwaltung der Stadt Ulm unter Beteiligung der Personalvertretung zu erarbeiten.
- Neue Angebote unter der Überschrift “Integration durch Bildung” im Rahmen der Bildungsoffensive vorzulegen:
a) Die Sprachförderangebote an Ulmer Kindertagesstätten weiter auszubauen, um damit die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in das Schulsystem zu gewährleisten
b) Angebote zur Lernbegleitung und sprachlichen Bildung für Jugendliche an weiterführenden Schulen als offene Lerntreffs auszubauen
c) Sprachbildungsangebote für Menschen mit internationalen Wurzeln zu konzipieren in Ergänzung zu den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierten Integrationskursen- Die Erstellung einer gesonderten, mehrsprachigen Homepage “Willkommen in Ulm” mit allen für Neubürgerinnen und Neubürger aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachkreisen notwendigen Informationen vorzubereiten
- Eine Vorlage für die Etablierung eines interkulturellen Patendienstes vorzulegen, um neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger aus anderen Ländern und Kulturen in der Anfangszeit zu unterstützen
- Ein Konzept für ein funktionierendes System der Sprachmittlung innerhalb der Stadtverwaltung vorzulegen, welches die Sprachkompetenzen der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzt und externe ehrenamtliche und bezahlte Dienstleistungen integriert
- Mehrsprachige Information
Die internationale Ausrichtung einer Stadt lässt sich an der Präsenz von Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum ermessen. Hierzu tragen folgende Maßnahmen bei:
a) Die zukünftige Beschilderung innerhalb des öffentlichen Stadtraumes und der städtischen Gebäude und Einrichtungen auch englischsprachig auszuführen und die schon bestehende Beschilderung sukzessive englischsprachig zu ergänzen
b) Den Internetauftritt der Stadt Ulm in wichtigen Bereichen deutsch/englisch zu realisieren
c) Die mehrsprachige Übersetzung relevanter Informationsblätter und -broschüren umzusetzen- Vorschläge zu erarbeiten, die geeignet sind, Migrantencommunities, die als Verein, Initiative oder Gemeinschaft organisiert sind, an den schon bestehenden Dachverbänden zu beteiligen sowie gemeinsam mit den Migrantencommunities zu prüfen, in wieweit ein eigener Dachverband gewünscht und etabliert werden kann
- Unterstützung internationaler Kräfte in Wissenschaft und Wirtschaft und ihrer Angehörigen
a) Eine Strategie zur Realisierung von privatem Wohnraum für internationale Studierende und Gast-Wissenschaftler/-innen bei Familien und anderen privaten Vermietern/Vermieterinnen zu erarbeiten
b) Die Erstellung und Realisierung eines Unterstützungskonzeptes für die Familienangehörigen von internationalen Universitäts- und Firmenangehörigen- Gemeinsam mit den Ausschüssen der Kammern, der Agentur für Arbeit u.a. eine politische Initiative zu ergreifen, damit die im Heimatland erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen der gut ausgebildeten Zugewanderten anerkannt und sie als qualifizierte Fachkräfte in Arbeit übernommen werden
Ivo Gönner (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Ulm, bezifferte die Kosten allein für die mehrsprachige Gestaltung der Homepage “Willkommen in Ulm” auf rund 500.000 Euro.
Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund sollen schlussendlich bessere Bildungs- und Berufschancen geboten werden. Das Vorhaben soll innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: swp.de, 27.01.2012. Bild: Dierk Andresen, lizenziert unter Creative Commons CC-BY-SA 2.5 (Wikipedia).]
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Jedes vierte Kind in NRW spricht zu Hause nicht Deutsch
3.3.2012 von Jessica Antosik.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund steigt in Nordrhein-Westfalen kontinuierlich. Mittlerweile wächst jedes vierte Kindergartenkind in NRW in einer Familie auf, die “nicht überwiegend Deutsch spricht”, ermittelte das Statistische Landesamt IT.NRW. Das bedeutet, dass 108.000 Kinder unter sechs Jahren in NRW einen “Migrationshintergrund” haben.
Insbesondere in Duisburg, Wuppertal, Gelsenkirchen, Hagen und Remscheid ist dies der Fall. In Duisburg hat jedes zweite Kind mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund. 38,7 Prozent der dort angemeldeten Vorschulkinder sprechen zu Hause in der Fremdsprache. In Gelsenkirchen sieht die Situation ähnlich aus, allerdings hat sich die Zahl innerhalb von wenigen Jahren drastisch erhöht: Sprachen 2008 rund 34,9 Prozent der Kindergartenkinder kein Deutsch in der Familie, sind es nun 37,7 Prozent.
Im Jahr 2011 besuchten in Nordrhein-Westfalen 491.000 Kinder unter sechs Jahren ein Angebot der Kindertagesbetreuung, von denen 170.000 aus Familien stammten, die nicht deutschen Ursprungs waren.
Zweisprachige Erziehung kann durchaus gut funktionieren. Die Voraussetzung dafür ist eine gezielte Sprachförderung. Oftmals kann das aber nicht garantiert werden, da die deutschen Eltern ihre Kinder häufig in private Schulen schicken, während Kinder mit ausländischen Wurzeln zumeist öffentliche Einrichtungen besuchen, in denen deutschsprachige Kinder nicht selten in der Minderheit sind. “Das sind erschwerte Rahmenbedingungen”, so Vera Kreuter vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Auf jeden Fall seien dann die Erzieherinnen gefordert. “Sprachförderung ist eine große Verantwortung und braucht viel Zeit.” Hinzu komme, wie bereits erwähnt, dass die Gruppen oft nicht durchmischt seien und außerdem das Lehrpersonal häufig nicht qualifiziert sei.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 01.02.2012. Bild: Wappenentwurf (1947): Wolfgang Pagenstecher für das Land Nordrhein-Westfalen (Wikipedia).]
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Projekt LiMA für die Erhaltung der sprachlichen Vielfalt in Großstädten
9.11.2011 von Jessica Antosik.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2009 rund 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Hamburg war in früheren Jahrhunderten, als die Menschen noch mit Schiffen fuhren, das „Tor zur Welt“. (Heute erfüllt der Flughafen Frankfurt diese Funktion.) Die Hansestadt spielt aber nach wie vor eine wichtige Rolle für den deutschen Außenhandel. Sie ist ein bedeutendes Zentrum füt Industrie, Handel und Logistik. Zudem sind in Hamburg viele ausländische Unternehmen ansässig. In der Stadt leben rund 487.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Sie machen etwa 28 Prozent der Einwohner aus. Die Bevölkerung vertritt mehr als 180 verschiedene Staatsangehörigkeiten. Dies hat dazu geführt, dass Hamburg mit ca. 100 Konsulaten nach New York und Hongkong der drittgrößte Konsularstandort überhaupt ist.
In Hamburg stammt ungefähr ein Drittel aller Schüler aus einer Familie mit Migrationshintergrund. 2010 hatte ungefähr die Hälfte aller Neugeborenen in Hamburg Eltern, die aus einem anderen Land nach Hamburg zugewandert sind. Schulkinder in Hamburg sprechen beinahe 200 verschiedene Sprachen. Dies war u. a. einer der Gründe für Prof. Dr. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg, das Projekt LiMA (Linguistic Diversity Management in Urban Areas) ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, bei dem Erziehungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Psychologen, Rechtswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler sowie Stadtplaner den Umgang mit vielfältigen Sprachen in Großstädten erforschen.
Ziel ist es, die sprachliche Vielfalt in Großstädten zu erhalten und die Talente von mehrsprachigen Menschen zu fördern. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die Sprachentwicklung in Familien, im Freundeskreis, in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf. Sie befragen mehrsprachige Personen und beobachten sprachliche Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Im Anschluss daran sprechen sie Empfehlungen aus, wie ideale Strukturen und Bedingungen in Großstädten aussehen müssen, damit sich alle Menschen – gleich welcher nationalen Herkunft und Sprache – wohlfühlen. Sie beantworten zudem folgende Fragen: Wie sollte eine Schule gestaltet sein, damit Kinder mit vielen Sprachen gleichgut lernen können? Wie können Menschen, die mehrsprachig leben, ihre Sprachen in das öffentliche Leben einbringen?
Weitere Informationen zu LiMA finden Sie auf der Projekt-Website der Uni Hamburg.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: destatis.de; Hamburger Abendblatt, 10.08.2010; wikipedia.de. Bild: LiMA.]
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Integrationslotsen übersetzen und beraten Eltern
16.7.2011 von Jessica Antosik.
Sprachliche Hürden einerseits und kulturelle Unterschiede andererseits stellen für ausländische Eltern, deren Kinder eine deutsche Schule besuchen, oftmals ein großes Problem dar. “[Die] kulturelle Barriere führt dazu, dass die Möglichkeiten nicht wahrgenommen werden, die es hier gibt”, bedauert Massimo De Carlo.
Aus diesem Anlass hat die Hebelschule in Lörrach, an der der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund rund 30 Prozent beträgt, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Kommission der Stadt Lörrach und dem Sozialen Arbeitskreis ein neues Projekt ins Leben gerufen: Integrationslotsen sollen die Eltern in verschiedenen Sprachen kostenlos unterstützen, sie auf Elternabenden begleiten und sie über den Schulalltag, Fördermöglichkeiten, Hausaufgaben oder Zeugnisse informieren. “Die Eltern haben die Möglichkeit, auf diese Personen zuzugehen und um Hilfe zu bitten”, sagt Sonja Eiche. Bisher werden die Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch und Russisch angeboten. “Wir möchten statt der Unterschiede die Gemeinsamkeiten hervorheben und wollen, dass Migranten sich wohlfühlen an der Schule und spüren, dass sie dazugehören”, erklärt Vedat Acikel.
Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: badische-zeitung.de, 12.07.2011. Bild: wikipedia.de.]
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Aus die Maus: Theoretische Führerscheinprüfung nur noch ohne Dolmetscher
3.6.2011 von Jessica Antosik.
Ausländer können die theoretische Führerscheinprüfung im Bundesland Berlin nicht mehr unter Hinzuziehung eines Dolmetschers ablegen. Dies legte das Verwaltungsgericht Berlin fest (Vg Berlin, Az. 11 L 142.11). Die Theorie-Prüfung muss künftig in deutscher oder einer der anderen elf akzeptierten Sprachen (Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch und Türkisch) abgelegt werden.
Eine aus Sri Lanka stammende Antragstellerin wollte sich der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung in Deutschland in tamilischer Sprache, ihrer Muttersprache, unterziehen. Das Verwaltungsgericht führte allerdings an, dass Tamilisch nicht im Katalog zur Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) vorgesehen sei. Zwar konnten fremdsprachige Anwärter bis zum 31.12.2010 die Fragen zur theoretischen Fahrerlaubnisprüfung auf eigene Kosten auch unter Hinzuziehung eines Dolmetschers oder mit Hilfe anderer Medien beantworten.
Diese Regelung ist aber mit dem 01.01.2011 aufgehoben worden. In einer dem Auto- und Reiseclub Deutschlands (ARCD) vorliegenden Antwort auf eine schriftliche Parlamentarieranfrage erklärte die Bundesregierung, dass die theoretische Führerscheinprüfung einem “erheblich höheren Betrugsrisiko unterliegt und zunehmend Manipulationen auftraten”. In der Praxis gestaltete es sich schwer, nachzuvollziehen, ob die Lösungsantworten vom Dolmetscher oder vom Prüfling stammten.
Nach wie vor bleiben Gebärdensprachdolmetscher für Gehörlose zugelassen. Für Bewerber, die nicht ausreichend lesen oder schreiben können, besteht die Möglichkeit einer Audio-Unterstützung in deutscher Sprache über Kopfhörer.
Thüringen hatte bereits im Jahr 2005 den Einsatz von Dolmetschern bei der theoretischen Führerscheinprüfung verboten. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es immer wieder Fälle korrupter Dolmetscher gegeben, die Prüflingen gegen Geld die korrekten Antworten verraten haben. Da diese Vorkommnisse dem Ansehen des Berufsstands in der Öffentlichkeit schaden, werden sie von den Berufsverbänden totgeschwiegen - nicht aber von uepo.de.
Mehr dazu im Übersetzerportal
Thüringen: Bestechlicher Dolmetscher soll Führerscheinprüflingen geholfen haben
Nach Betrugsaffäre greift Thüringen durch: Ab sofort keine Dolmetscher mehr bei Führerscheinprüfungen
[Text: Jessica Antosik. Quellen: juris.de, 12.05.2011; motor-traffic.de, 01.06.2011; autokiste.de, 01.06.2011. Bild: wikipedia.de.]
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Sicherheitshinweise einsprachig, Verbotsschilder mehrsprachig: Ausländerdiskriminierung?
30.5.2011 von Jessica Antosik.
In einigen Bahnen im Ruhrgebiet sind wichtige Sicherheitshinweise lediglich in deutscher Sprache verfasst, ein spezieller Hinweis für potenzielle Schwarzfahrer ist dagegen in acht Sprachen (Niederländisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch und Russisch) übersetzt worden. Diese werden davor gewarnt, dass für das Fahren ohne Fahrschein ein “erhöhtes Beförderungsentgelt von 40 Euro” erhoben wird. Unterstrichen wird die Information mit den Worten: “Bitte ersparen Sie uns und Ihnen den damit verbundenen Ärger.”
Nun lässt sich darüber streiten, ob die mehrsprachigen Hinweisschilder in den Bahnen ein Zeichen für Weltoffenheit sind. Doch dann stellt sich die Frage, warum die Sicherheitshinweise, die eventuell Leben retten könnten (beispielsweise Informationen zum “Verhalten bei Betriebsstörung im Tunnel”), nur auf Deutsch vorliegen. Nach Monika Düker, Landesvorsitzende und flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen in NRW, handelt es sich hier um eine “eindeutige Diskriminierung bestimmter Gruppen”. “Man stigmatisiert Ausländer zu Schwarzfahrern, indem man ihnen nur diese Information sprachlich zuweist.”
Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, äußerte sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Natürlich kann man nicht sämtliche Schilder im öffentlichen Raum in allen Sprachen wiedergeben. Doch man sollte abwägen, welche Schilder – zum Beispiel, um Gefahren zu vermeiden – man in welche Sprachen übersetzt.”
Nach Angaben von Thomas Nordiek, dem Sprecher der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG), überarbeite man momentan mit der Essener Verkehrs-AG (EVAG) die Hinweisschilder in Bussen und Bahnen. Geplant sei auch die Übersetzung wichtiger Hinweisschilder in mehrere Sprachen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 30.05.2011.]
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Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 – Sprachbarrieren bleiben
30.4.2011 von Jessica Antosik.
Am Tag der Arbeit öffnet sich nun nach sieben Jahren der deutsche Arbeitsmarkt auch für Bürger aus acht osteuropäischen Ländern. Die Arbeitskräfte aus denjenigen Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind (ausgenommen Malta und Zypern), dürfen ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland kommen. Deutschland braucht qualifizierte Zuwanderer. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Arbeitnehmerfreizügigkeit als “ganz große Chance”. “Ich bin überzeugt, dass die Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten unserer wirtschaftlichen Entwicklung helfen werden.”, so von der Leyen. Doch nun stellt sich die Frage, ob auch wirklich diejenigen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn kommen werden, die hier gebraucht werden. Ist die Sorge vor Lohndumping berechtigt? Wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit den Mangel an Hochqualifizierten lediglich lindern oder lösen? Deutschland hat darauf keinen Einfluss, da die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU für jede Arbeitskraft gilt. Die Bundesarbeitsministerin erwartet keinen großen Ansturm: “Wir rechnen mit rund 100.000 Personen. Die meisten, die kommen werden, sind jung und gut qualifiziert.” Wer die Absicht habe, schwarz arbeiten zu wollen, sei bereits in Deutschland.
Die Schranken am Arbeitsmarkt gehen hoch, die Sprachbarrieren indes bleiben bestehen. Štefan Duhán, Vize-Chef der tschechischen Arbeitsmarktverwaltung, äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Die Arbeitsmarktöffnung hat mehr psychologische als praktische Wirkung und wird von der tschechischen Bevölkerung sehr positiv aufgenommen.” Duhán erklärt, dass die größten Hindernisse in fehlenden Sprachkenntnissen liegen. Außerdem habe sich das Lohnniveau z.B. in Ungarn und Slowenien stark dem österreichischen angenähert. Der slowakische AMS-Chef Ivan Juráš rechnet jedoch mit starken Auswirkungen auf die Grenzgebiete. “Die Bereitschaft von Bratislava nach Wien zu pendeln ist traditionell sehr groß.” Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise sagt: “In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden sich deutsche Arbeitnehmer auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen.” Zudem ist Weise folgender Ansicht: “Deutschland ist weniger attraktiv, als viele glauben. Junge, gut ausbildete Osteuropäer gehen oft lieber nach England, wo sie auch geringere Sprachprobleme haben.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: kurier.at, 27.04.2011; faz.net, 30.04.2011; de.news.yahoo.com, 23.04.2011. Bild: wikipedia.de.]
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Caritas schult Pflegelotsen für alte Menschen ohne Deutschkenntnisse
28.3.2011 von Richard Schneider.
Die Caritas hat im Rahmen des Projektes „Pflege-Info-Center für Migranten und ihre Angehörigen“ ehrenamtliche Helfer mit Migrationshintergrund zu Pflegelotsen ausgebildet. Sie sollen alten Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse bei Fragen rund um die häusliche Pflege beratend zur Seite stehen. Im Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung heißt es:
Der Kurs bestand aus einem Dutzend Modulen, die auf 36 Unterrichtsstunden verteilt waren. Neben der Theorie standen Besuche beispielsweise der Ausstellung der Gesellschaft für Gerontotechnik oder eines Fachvortrages zum Thema „Demenz“ auf dem Programm. 17 Frauen und Männer haben die Qualifizierung am Ende erfolgreich abgeschlossen. Ihre Herkunftssprachen sind Türkisch, Englisch, Polnisch, Serbisch, Kroatisch und Persisch. Außerdem kann Unterstützung auf Italienisch und Französisch gewährt werden.
Francesco Ferrara ist Koordinator des Caritas-Integrationsdienstes. Der gebürtige Italiener weiß, dass die meisten ehemaligen Gastarbeiter im Alter in ihre Heimat zurückkehren. Andererseits gibt es aber auch Einwanderer, die ihre Eltern oder Großeltern nach Deutschland holen. Auf jeden Fall haben die ersten Gastarbeitergenerationen inzwischen die Altersheime erreicht.
Projektleiterin Mona Baschlau erwartet eine starke Zunahme von Pflege- und Betreuungsbedürftigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Deshalb will sie das Schulungsangebot der Caritas fortzuführen und ausweiten.
Deutscher Caritasverband e. V.
Der Deutsche Caritasverband ist der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands und organisiert die soziale Arbeit der katholischen Kirche. Nach dem Leitspruch “Not sehen und handeln” arbeiten fast 500.000 hauptamtliche Mitarbeiter und noch einmal ebenso viele Ehrenamtliche. Damit ist die Caritas der größte Arbeitgeber Deutschlands, aber kein Wohltätigkeitskonzern. Denn die Mitarbeiter verteilen sich auf weit über 20.000 Beratungsstellen, Sozialstationen, Heime und weitere soziale Einrichtungen. Sie sind rechtlich selbstständig und gestalten ihre Angebote, wie sie vor Ort benötigt werden.
[Text: Richard Schneider. Quelle: DerWesten, 2011-03-18. Bild: Caritas.]
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