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Archiv der Kategorie Einwanderer
BDÜ unterstützt Forderung nach geschulten Dolmetschern im Gesundheitswesen
22.5.2010 von Richard Schneider.
Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) unterstützt die Forderung von Staatsministerin Maria Böhmer nach ausgebildeten Dolmetschern für ausländische Patienten. Die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration sprach sich am 20. Mai 2010 anlässlich der Jahrestagung des Deutschen Ethikrates in Berlin dafür aus, Dolmetscherdienste beim Arzt in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Sie weist damit auf einen Missstand hin, den der Verband seit Jahren mit Sorge beobachtet.
„In Migrantenkreisen dolmetschen aus Kostengründen oft die Kinder für ihre Eltern“, weiß Norma Keßler, Vizepräsidentin des BDÜ. „Das ist für Kinder unzumutbar.“ Doch das ist nicht das einzige Problem. „Auch wenn erwachsene Verwandte als Dolmetscher einspringen, sind Missverständnisse aufgrund von Sprachbarrieren nicht auszuschließen.“ Das kann für die Gesundheit von Patienten gravierende Folgen haben.
Die Wahrnehmung von Schmerzen und deren Beschreibung sind kulturell spezifisch. Laiendolmetscher sind mit dieser Aufgabe oft überfordert. „Der Einsatz qualifizierter Dolmetscher im Gesundheitswesen bedeutet für Ärzte und Patienten Sicherheit“, so Keßler. „Der Arzt kann sicher sein, dass sein Patient ihm mithilfe eines geschulten Dolmetschers das Krankheitsbild umfassend beschreiben kann. Zugleich weiß er, dass der Patient seine Anweisungen verstehen und befolgen kann.“
Krankenhäuser haben die Möglichkeit, Dolmetschleistungen im Rahmen der patientengebundenen Verwaltungskosten abzurechnen. Ärzte haben diese Abrechnungsmöglichkeit nicht. Der Verband regt an, dass die Kosten für eine qualifizierte Verdolmetschung von den Krankenkassen übernommen werden sollten, angelehnt an das Modell der Gebärdensprachdolmetscher. Diese können mit einem entsprechenden Qualifikationsnachweis ihre Leistungen in der Regel nach dem JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz) abrechnen. Die rechtliche Grundlage ist das im Grundgesetz (Artikel 3, Absatz 3) verankerte Recht, wonach niemand wegen seiner Sprache benachteiligt werden darf.
Der BDÜ hat eine Broschüre „Qualitätssicherung im Gesundheitswesen“ erstellt. Mit der Broschüre will der Verband das Bewusstsein für die verantwortungsvolle Rolle von Dolmetschern im Gesundheitswesen schärfen. Die Broschüre steht auf der BDÜ-Website unter „Aktuelles“ zum kostenlosen Herunterladen bereit.
Mehr zum Thema auf uepo.de
Staatsministerin Böhmer fordert Dolmetscher als Kassenleistung
[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2010-05-21. Bild: BDÜ.]
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Staatsministerin Böhmer fordert Dolmetscher als Kassenleistung
21.5.2010 von Richard Schneider.

Mehr als 300 Teilnehmer aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens besuchten am 20. Mai 2010 in Berlin die zweite Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zum Thema „Migration und Gesundheit. Kulturelle Vielfalt als Herausforderung für die medizinische Versorgung“.
Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU, Bild oben), die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, zeigte sich erfreut, dass der Ethikrat das Thema aufgriff, zumal Gesundheit und Pflege in dieser Legislaturperiode ein Schwerpunkt der Bundesregierung sei. Sie hob besonders die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung des Gesundheitswesens und der Förderung interkultureller Kompetenz in den Ausbildungskonzepten der Gesundheitsberufe hervor.
Die Referenten der Tagung beschäftigten sich aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen mit interkulturellen Aspekten der gesundheitlichen Versorgung. Vor dem Hintergrund des Spannungsverhältnisses von Solidarität und Eigenverantwortung wurden strukturelle Veränderungen eingefordert. So bestehe einerseits die Pflicht zur Selbstsorge, andererseits eine Bringschuld des Versorgungssystems.
Dazu gehöre auch, den Einsatz von professionellen Dolmetschern in Kliniken und Arztpraxen zu verstärken, um sprachliche Barrieren abzubauen. Staatsministerin Böhmer forderte den verstärkten Einsatz „interkulturell und medizinisch geschulte Dolmetscher“. Laienübersetzer aus dem Kreis der Angehörigen oder Pflegekräfte seien nicht ausreichend. „Wir müssen alles daran setzen, dass Migranten vollen Zugang zur medizinischen Versorgung haben“, sagte Böhmer. Sprachliche Hürden führten zum Beispiel dazu, dass die Kinder von Einwanderern seltener geimpft würden.
Zu den Dolmetscherkosten erklärte Staatsministerin Böhmer: „Ich meine, es muss verankert sein bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt.“
Ausführliche Informationen über den Deutschen Ethikrat finden Sie bei Wikipedia.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Ethikrat, 2010-05-21; Die Welt, 2010-05-21; epd, 2010-05-20. Bild: Presseservice Ethikrat.]
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Uni Hamburg untersucht Verständigungsprobleme im Krankenhaus
12.4.2010 von Richard Schneider.
Die Tageszeitung Die Welt berichtet über die Forschungsaktivitäten der Universität Hamburg zur Mehrsprachigkeit. Die Hochschule sei auf diesem Gebiet mit einem Sonderforschungsbereich führend tätig, der seit 1999 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert werde. Unter dem Titel „Lima“ (Linguistic Diversity Management in Urban Areas), betrieben die Hamburger internationale „Verbundforschung“ und planten, einen „Exzellenzcluster“ einzurichten. Zurzeit untersuche man die Verständigungsprobleme im Krankenhaus:
Und die haben ergeben, dass der Einsatz der freiwilligen Übersetzungshelfer durchaus seine Tücken mit schmerzhaften juristischen Aspekten hat. Beispiel ist die Aufklärung von Patienten über ihre Erkrankung und die Therapie. “Das ist immerhin eine Sache von rechtlicher Bedeutung”, sagt Bührig. Die Ärzte müssten davon ausgehen, dass ein Patient, der unterschreibt, ausreichend aufgeklärt worden sei und der Behandlung zustimmt, die Aufklärung auch verstanden hat. Ohne entsprechende Aufklärung und Unterschrift wäre ein Eingriff ein Fall von Körperverletzung.
Schon bei einer einfachen Diätberatung unterschieden sich die Erklärungen von Laienübersetzern oft beträchtlich von den Fakten. Familienangehörige würden nicht selten in die Übersetzungen auch ihre eigenen Überzeugungen als gut gemeinte Details einbauen. Prof. Dr. Kristin Bührig vom Institut für Germanistik I sagt: „Wir haben es auch erlebt, dass Angehörige oder Bekannte aus dem Wunsch heraus, das Krankheitsgeschehen plastisch zu erklären, die Dinge derart dramatisierten, dass die Patienten völlig verängstigt waren.“
Fazit der Forschungen sei die Erkenntnis, dass die Übersetzung im Krankenhaus in professionelle Hände gehöre. Das in den Kliniken vorhandene Sprachenpotenzial solle dabei aber ruhig genutzt werden. Laut Bührig entwickelt die Universität zu diesem Zweck ein Fortbildungsmodul für zweisprachige Krankenhausmitarbeiter.
Den genannten Artikel können Sie auf der Website der Welt lesen.
Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Patientin verwechselt, weil „kein Dolmetscher greifbar“: Kaiserschnitt statt Herztonuntersuchung
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt, 2010-04-12. Bild: Uni Hamburg.]
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Dr. Multikulti: Arztpraxen in Bremen für ausländische Patienten gut gerüstet
19.8.2009 von Richard Schneider.
Der Arzt spricht Russisch, die Sprechstundenhilfe Türkisch: In Bremen und Bremerhaven geht es nicht nur auf den Straßen multikulturell zu. Der Nationalitäten-Mix hat längst die Praxen erreicht. Nach einer Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) sprechen in jeder vierten Arzt- und Psychotherapeuten-
Praxis mindestens ein Doktor oder eine Schwester Russisch, Türkisch, Polnisch oder eine andere Zuwanderersprache.
„Sprachbarrieren und religiöse sowie kulturelle Unterschiede stellen Ärzte bei der Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund vor besondere Herausforderungen. Da ist es gut zu wissen, dass in vielen Bremer und Bremerhavener Praxen zumindest die Sprache keine allzu große Hürde mehr bedeutet“, fasst Dr. Till Spiro, Vorstandsvorsitzender der KVHB, die Ergebnisse zusammen. Demnach geben 79 Prozent aller Ärzte und Psychotherapeuten im kleinsten Bundesland an, mindestens eine Fremdsprache im Praxisalltag zu nutzen. Das Spektrum reicht von Englisch und Französisch bis hin zu Indonesisch und Japanisch.
Im Zuwandererland Bremen sind vor allem Sprachkenntnisse aus den Migrationsregionen gefragt. Die Erhebung hat ergeben, dass das Angebot hier überdurchschnittlich ist. In 77 Praxen wird Russisch gesprochen, gefolgt von Italienisch (62), Türkisch (21), Polnisch (21), Arabisch (13), Persisch (12), Griechisch (12), Rumänisch (11) und Portugiesisch (10). Insgesamt jede vierte ambulante Einrichtung im Bundesland gibt in ihrer Praxisbeschreibung eine oder mehrere Zuwanderersprachen an. „Ein guter Wert angesichts eines Anteils von 12,3 Prozent ausländischer Bürger in Bremen und Bremerhaven“, bewertet Dr. Spiro.
Um Verständigungsproblemen zwischen Arzt und Patienten entgegenzuwirken, haben die KVHB, die Ärztekammer Bremen und das Internetportal bremen.online bereits im Jahre 2000 mit der Einführung des Bremer Ärztenavigators eine Suchfunktion nach Sprache eingerichtet. Damit war Bremen deutschlandweit Vorreiter. Mittlerweile sind hier neben Deutsch 23 weitere Sprachen gelistet. Die Arztsuche ist unter www.bremen.de/aerzte erreichbar.
Die KVHB ist die Selbstorganisation der 1750 ambulanten Vertragsärzte, psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Land Bremen.
[Text: Christoph Fox. Quelle: Pressemitteilung Kassenärztliche Vereinigung Bremen, 2009-07-15. Bild: Dan Race, Fotolia.de.]
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Die Sprachen der Einwanderer: ein Plus in der beruflichen Qualifikation
9.8.2009 von Richard Schneider.
Dr. Bernd Meyer (Bild) vom Institut für Germanistik der Universität Hamburg hat untersucht, in welchen Berufsfeldern die Herkunftssprachen von Einwanderern von Nutzen sein können. Der Titel der Ende 2008 vorgelegten Studie lautet: „Nutzung der Mehrsprachigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund - Berufsfelder mit besonderem Potenzial.“ Auftraggeber war das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In einem Gespräch mit dem Goethe-Institut hat Meyer die Ergebnisse vorgestellt.
Während es früher bei der Mehrsprachigkeit hauptsächlich um die Bewahrung des kulturellen Erbes gegangen sei, stünde heute der wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzen im Vordergrund. Ein hoher Bedarf sei zum Beispiel im Bereich der medizinischen und sozialen Versorgung vorhanden. Meyer erklärt: „Diejenigen, die diese Kommunikation herstellen, sind auch Migranten und zwar die gut integrierten, die erfolgreichen. Also zum Beispiel Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Ärztinnen. Ihre Mehrsprachigkeit ist ein Plus in ihrer beruflichen Qualifikation – allerdings ein Plus, das sich häufig nicht auszahlt. Sie bekommen deshalb nicht mehr Geld.“
In der Wirtschaft verschafften mehrsprachige Mitarbeiter den Unternehmen oft handfeste wirtschaftliche Vorteile: „Uns sagen zum Beispiel Bankangestellte: Die Kunden kommen in diese Bank, weil ich hier sitze und ihnen auch auf Türkisch Auskunft geben kann.“ In Hamburg gebe es eine Drogeriemarktkette, bei der die Mitarbeiter kleine Fahnen auf ihren Namensschildern trügen, um zu signalisieren: „Mit mir können Sie auch Türkisch reden.“ Die Kleinarbeit im internationalen Handel werde auch in großen Unternehmen häufig von Einwanderern geleistet: „Wer ruft zum Beispiel beim Zoll in Istanbul an, wenn eine Lieferung nicht kommt?“
Meyer empfiehlt, mehrsprachige Mitarbeiter in Fortbildungsmaßnahmen gezielt auf sprachmittlerische Einsätze vorzubereiten. Generell müsse dies in Ausbildung und Personalentwicklung stärker zum Thema gemacht werden. Dies gelte auch für die Universitäten: „Es wäre sinnvoll, solche Dinge modular in die Studiengänge einzubetten – zum Beispiel fachsprachliches Türkisch für türkischsprachige Juristen oder Mediziner.“
Die Unternehmen in der Wirtschaft seien in dieser Hinsicht sehr viel weiter als der Staat mit seinen Behörden. Weil die deutsche Sprache als Amtssprache gesetzlich vorgeschrieben sei, dürfe ein Sachbearbeiter theoretisch seine Sprachkenntnisse gar nicht einsetzen. Meyer: „Das ist eine besondere Absurdität.“
Die EU-Sprachenpolitik bevorzuge die Nationalsprachen und autochthonen Minderheitensprachen gegenüber Einwanderersprachen. Denn die Förderung von Einwanderersprachen werde häufig als der Integration abträglich wahrgenommen. Eine Angst, die nicht völlig unbegründet sei.
Dr. Bernd Meyer abschließend: „Wir schlagen daher vor, die Förderung von Migrantensprachen in die Berufsausbildung beziehungsweise in den normalen Fremdsprachunterricht zu integrieren, ihn also aus der ,Ghetto-Ecke‘ herauszuholen. Die Förderung ist ein gesellschaftliches Anliegen. Es geht nicht darum, die Gruppenbildung unter Einwanderern zu fördern, sondern darum, Wege aufzuzeigen, wie deren Potenziale in die Aufnahmegesellschaft eingebracht werden können.“
Der vollständige Text der 65-seitigen Studie kann auf der BAMF-Website abgerufen werden.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Goethe-Institut, 2009-02. Bild: Universität Hamburg.]
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Schweiz: SNF empfiehlt Englisch als Teil-Amtssprache
18.2.2009 von Richard Schneider.
Der Schweizerischer Nationalfonds (SNF) untersucht im Forschungsprojekt “NFP 56″ die “Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz”. Soeben hat er folgende Pressemitteilung zur “Sprachenpolitik im Einwanderungsland Schweiz” herausgegeben:
Immer mehr Menschen, die in der Schweiz leben und arbeiten, verstehen die lokale Sprache nicht oder nur schlecht. Der Staat sollte seine Politik deshalb auf die neue Sprachenvielfalt ausrichten, indem er das Erlernen der Landessprachen fördert, aber auch vermehrt Übersetzungshilfen anbietet.
Sprachkenntnisse bezeichnet man heute oft als Schlüssel für die Integration von Zugewanderten. Auch die Schweizer Gesetzgebung sieht in Sprachkenntnissen zunehmend das ausschlaggebende Kriterium für den Umgang mit Ausländerinnen und Ausländern. So erlaubt das neue Ausländergesetz den Behörden, das Erteilen einer Aufenthaltsbewilligung an die Bedingung zu knüpfen, dass der Betreffende einen Sprachkurs besucht. Die Niederlassungsbewilligung soll zukünftig nur noch erteilt werden, wenn der Ausländer über gute Sprachkenntnisse verfügt.
Problematisch dabei ist einerseits, dass das Aufzwingen von Sprachkursen mit den Grundrechten kollidieren kann, wie die Juristen Alberto Achermann und Jörg Künzli in ihrer im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms “Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz” (NFP 56) erstellten Studie aufzeigen. Andererseits kann man Angehörige von EU-Staaten nicht zur Integration verpflichten, was zu Rechtsungleichheit unter den Immigranten führt. Daher wäre vermehrt auf positive Anreize zu setzen, dass etwa, wer eine Amtssprache beherrscht, die Niederlassungsbewilligung schneller erhält.
Eine neue Sprachenpolitik
Das Schweizer Rechtssystem kennt kein allgemeines Recht auf Übersetzung. Bund und Kantone sind nicht verpflichtet, mit der Bevölkerung in einer anderen als einer Amtssprache zu kommunizieren. Aus den Grund- und Menschenrechten lässt sich zwar kein allgemeines Recht auf Übersetzung ableiten, doch im Bildungs- und im Sozialhilfebereich sowie im Gesundheitswesen ist eine allgemein funktionierende Kommunikation unerlässlich.
In gewissen Fällen besitzen Zugewanderte aus rechtsstaatlicher Sicht sehr wohl ein Recht auf Übersetzung - beispielsweise im Vorfeld medizinischer Eingriffe oder wenn der Staat zum Schutz des Lebens verpflichtet ist, die notwendigen Informationen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, etwa bei der Deklaration lebensgefährlicher Produkte. Eine vorausschauende Sprachenpolitik sollte nicht bloss auf Verpflichtungen im Rahmen des Ausländerrechts setzen. Deshalb ist eine weiter greifende Sprachförderungspolitik notwendig.
Englisch als Teil-Amtssprache?
Die Forscher empfehlen den staatlichen Akteuren, im Sinne der vom neuen Ausländergesetz postulierten Chancengleichheit sprachliche Hindernisse abzubauen. Spitäler sollten professionelle Übersetzungshilfen beiziehen und Merkblätter in verschiedenen Sprachen anbieten. Vor schulischen Selektionsentscheiden könnten fremdsprachige Kinder privilegiert unterrichtet werden. Der Staat sollte die lokale Amtssprache bei der familienexternen Kinderbetreuung, auf Kindergartenstufe oder für Unterstützung auf Gymnasialstufe verstärkt vermitteln.
Zu prüfen ist laut den Autoren, die englische Sprache zur Teil-Amtssprache aufzuwerten, d.h. der Staat würde mit der Bevölkerung punktuell vermehrt auf Englisch kommunizieren. Dies käme den von der Wirtschaft begehrten hochqualifizierten Arbeitskräften entgegen, die mit ihrer Familie nur eine begrenzte Zeit hier leben und kaum zum Erlernen einer Landessprache zu verpflichten sind. Die Einführung der Teil-Amtssprache würde zudem die Rechtswirklichkeit nachvollziehen, da bereits mehrere Bereiche der Arbeitswelt, besonders bei international ausgerichteten Unternehmen, vom Englischen durchdrungen sind.
Nationales Forschungsprogramm “Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz” (NFP 56)
Die traditionelle Viersprachigkeit der Schweiz ist längst zur Vielsprachigkeit geworden. Dies wirft für Schule und Gesellschaft Probleme auf. Andererseits aber eröffnet das sprachliche Kapital der Schweiz grosse Chancen, da die internationalen Verflechtungen Sprachenkenntnisse nötiger denn je machen. Die Vielfalt der Sprachen stellt heute neue Fragen an Schule, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und auch an jedes einzelne Individuum. Das vom Bundesrat in Auftrag gegebene NFP 56 erforscht und entwickelt seit 2006 die Grundlagen zur Erhaltung, Förderung und Nutzung der Sprachenvielfalt in der Schweiz.
[Text: SNF. Quelle: Pressemitteilung SNF, 2009-02-17. Bild: Archiv.]
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Pilotprojekt: 30 Dolmetscher für steirische Kindergärten
12.2.2009 von Richard Schneider.
Rund 5.000 der 32.000 Kindergartenkinder in der Steiermark sprechen als Muttersprache nicht Deutsch. Deshalb hat Bildungslandesrätin Bettina Vollath (Bild) von der SPÖ nun ein sechsmonatiges Pilotprojekt angestoßen, in dessen Rahmen den Kindergärten 30 Dolmetscher auf Abruf kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollen.
Ihr Einsatz und die Erstellung von mehrsprachigen Informationsbroschüren wird vom gemeinnützigen Grazer Verein Omega organisiert, dessen Dolmetscherpool zurzeit 54 Sprachen im Angebot hat.
Die Sprachmittler sollen vor allem bei Aufnahmegesprächen, Elternabenden und weiteren Informationsveranstaltungen helfen. Ihre Zielgruppe sind in erster Linie die Eltern. Diese haben erfahrungsgemäß sehr viel mehr Sprachschwierigkeiten als die Kinder. Vollath erklärte: “Ich möchte, dass alle Eltern in der Steiermark die Möglichkeit haben, im Kindergarten mit den Pädagogen in Kontakt zu treten. Wenn unterschiedliche Sprachen da sind, ist das eine Realität, und da muss man darauf reagieren.”
Das mit 50.000 Euro geförderte Pilotprojekt ist auf sechs Monate befristet. Die Organisatoren gehen davon aus, dass in dieser Zeit gut 200 Dolmetsch- und Übersetzungsstunden anfallen werden.
Informationen über den Dolmetscherpool finden Sie auf der Website von Omega.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Kleine Zeitung, 2009-02-11; ORF, 2009-02-11. Bild: SPÖ.]
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Medizinisch-soziales Dolmetschen: Potsdamer Babel-Gruppe ausgezeichnet
10.2.2009 von Richard Schneider.
Die ehrenamtliche Potsdamer Dolmetschergruppe Babel ist im Wettbewerb „Teilhabe und Integration von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement“ von der Stiftung „Bürger für Bürger“ zum Landessieger Brandenburg gekürt worden.
Lucia Muriel, Diplom-Psychologin aus Ecuador, hat die Vereinigung gegründet, die in medizinischen und sozialen Situationen unentgeltlich für Einwanderer dolmetscht. Die inzwischen 40 Mitglieder sind für rund 30 Sprachen gerüstet.
Oft sind nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Hürden zu überwinden. Die im Iran geborene Dipl.-Inf. Shahla Payam sagt: „Wenn in meiner Heimat jemand schon im Sterben liegt, sagt man oft noch, es gehe ihm nicht gut. In Deutschland dagegen denkt man bei Kopfschmerzen sofort an einen Hirntumor.“
Das Büro des ehrenamtlichen Dolmetscherdienstes ist dem „Fachberatungsdienst für Zuwanderung, Integration und Toleranz“ des Landes Brandenburg angegliedert.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Märkische Allgemeine, 2009-02-02.]
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Medizin: Türkisch-Sprechstunde löst Verständigungsprobleme
2.11.2008 von Richard Schneider.
Augenarzt Oktay Temiz bietet am Universitätsklinikum Ulm seit Kurzem recht erfolgreich eine spezielle Sprechstunde für Türken an. “Die ausländischen Bürger in Deutschland zögern länger, bis sie mit ihrem Problem zum Arzt gehen”, sagt Temiz, der in Stuttgart aufwuchs. Eine Früherkennung von Krankheiten werde dadurch oft verhindert und das könne ernste Folgen haben.
Neben der gelassenen Es-wird-schon-wieder-werden-Einstellung der Einwanderer seien es vor allem die mangelnden Deutschkenntnisse, die sie davon abhielten, zum Arzt zu gehen. Er kritisiert, dass viele “seit 30 oder 40 Jahren hier leben und nur ganz wenig Deutsch sprechen”. Seine Sprechstunde sei nur als Notlösung zu verstehen. Langfristig führe für die hier lebenden Ausländer kein Weg daran vorbei, vernünftig Deutsch zu lernen.
Die Ärztekollegen der Region sind Temiz für die Sprechstunde auf Türkisch dankbar und überweisen regelmäßig Patienten - nicht, weil sie diese nicht selbst behandeln könnten, sondern weil sie sie nicht verstehen.
Mareike Tolsdorf, Pflegewissenschaftlerin aus Dortmund, gibt zusätzlich zu bedenken, dass andere Kulturen auch eine “andere Symptompräsentation und Körperwahrnehmung” haben. Sie fühlten sich eher “insgesamt krank”. Ärzte sprächen deshalb schon vom “türkischen Ganzkörperschmerz”.
Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema können Sie bei news-nachrichten.com lesen.
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