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Archiv der Kategorie EU

Europäisches Patentamt und Google starten maschinelle Übersetzung bei Patentrecherche

Ein großer Schritt ist getan: Damit ein besserer Zugang zu Patentdokumenten in unterschiedlichen Sprachen gewährleistet werden kann, hat das Europäische Patentamt (EPA) auf seiner Website ein Übersetzungstool namens patent translate eingerichtet. Dieses Tool basiert auf derselben Technik wie Google Translate und erlaubt es, Dokumente aus dem Englischen ins Deutsche, Französische, Spanische, Italienische, Portugiesische und Schwedische zu übersetzen. Eine Übersetzung aus den genannten Sprachen ins Englische ist ebenfalls möglich. Durch diesen Service werden 90 % aller in Europa ausgestellten Patente abgedeckt. Ende 2014 soll sich die Anzahl der Sprachem für die das Übersetzungstool genutzt werden kann, auf 28 erhöht haben und damit sämtliche Sprachen der EPA-Länder abdecken. Zusätzlich sollen auch Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Russisch in das Angebot mit aufgenommen werden.

“Wir haben heute den Grundstein dafür gelegt, dass Sprachbarrieren aus dem Bereich der Patentdokumentation in Zukunft auch außerhalb von Europa beseitigt werden können,” erläutert EPA-Präsident Benoît Battistelli. “Patent translate ermöglicht Firmen und Erfindern, diejenigen Dokumente, die für sie von Bedeutung sind, herauszufiltern und in ihre eigene Sprache zu übersetzen. Ferner erleichtert es die Einführung des EU-Patents [offizielle Bezeichnung: “Europäisches Patent mit einheitlicher Wirkung”], bei dem Regelungen für die Übersetzung eine wichtige Rolle spielen. Das neue Tool unterstreicht die führende Rolle des Europäischen Patentamts als größter Anbieter von frei zugänglichen Patentdaten. Außerdem trägt es dazu bei, das gemeinsame Ziel von Google und dem Europäischen Patentamt zu verwirklichen: Eine Verbesserung des Zugangs zu den in Patenten enthaltenen technischen Informationen - unabhängig von der Sprache des Nutzers.”

Antoine Aubert, Head of Public Policy von Google Brüssel, erläutert: “Die Partnerschaft zwischen EPA und Google hat zu einer großartigen technischen Lösung für eine komplexe Herausforderung geführt: Bessere Übersetzungen von und ein besserer mehrsprachiger Zugriff auf Patentinformationen. Wir freuen uns sehr, unseren Service für sieben Sprachen mit Hilfe der Google-Translate-Techologie auf der Website des EPA anbieten zu können. Wir arbeiten daran, das System weiter zu verbessern und im Lauf der nächsten Jahre auch die restlichen 21 Sprachen des Europäischen Patentamts anzubieten.”

Die Zusammenarbeit mit Google besteht erst seit knapp einem Jahr und hat bereits jetzt zu einer Verbesserung im Bereich der maschinellen Übersetzung von Patenten geführt. Dies war möglich durch die Einspeisung von mehreren hunderttausend erstklassig übersetzten Patenten in den jetzt vom EPA angebotenen sieben Sprachen. Mit diesen wurde Google Translate “gefüttert” und “trainiert”. Weitere Verbesserungen werden sich durch das stetige Hinzufügen anderer Textkorpora ergeben.

In einer weiteren Ausbaustufe sollen 2013 die Sprachen Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Ungarisch und Norwegisch hinzukommen. Ende 2014 soll das System dann mit 32 Sprachen vollständig aufgebaut sein.

Der Link zur Patentübersetzung: www.epo.org/patent-translate

Mehr zum Thema auf uepo.de:
2011-04-01: Europäisches Patentamt und Google beseitigen Sprachbarrieren für Europas Erfinder

[Text: EPA. Übersetzung: Nina Neumann. Quelle: Pressemitteilung EPA, 29.02.2012. Bild: Pressestelle EPA.]

Zu viele Sprachen in der EU?

EU-FlaggeWeltweit gibt es heute etwa 7000 Sprachen. Doch wie leicht wäre das Leben, wenn alle Menschen eine Sprache sprächen? Seit Jahren beschäftigen sich die beiden Wirtschaftswissenschaftler Shlomo Weber (Southern Methodist University, Dallas) und Victor Ginsburgh (Freie Universität, Brüssel) mit den ökonomischen Folgen von Spracheinheit und -vielfalt und schlagen der EU-Verwaltung vor, die Sprachenvielfalt in der EU drastisch zu verringern. Aus ökonomischen Gründen und um die Sprachverwirrung zu überwinden soll die EU auf 17 der aktuell 23 Amtssprachen verzichten. Ihrer Ansicht nach käme Brüssel mit den folgenden sechs Arbeitssprachen bestens klar: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Polnisch. Auf diese Weise würde viel Geld für die Übersetzungen gespart, Verwaltungsvorgänge würden beschleunigt sowie grobe Missverständnisse verhindert und das Verständnis würde verbessert. Das wiederum würde das wirtschaftliche Wachstum ankurbeln.

Doch die EU erklärt, die Sprachen und Sprachenvielfalt zu achten und zu respektieren. Daher gestaltet sich eine Reduzierung der Sprachenvielfalt schwierig. Denn wie sollen sich die Menschen eines Landes als Teil einer Gemeinschaft fühlen, wenn ihre Sprache und somit auch Kultur und Geschichte ihrer Nation nicht geachtet wird? Sprache generiert ferner Wohlstand und macht die Identität des Menschen aus. Setzt man diese aufs Spiel, riskiert man damit auch einen wirtschaftlichen Abschwung.

Der Westen schreibt in einem Artikel über die Sprachenvielfalt und die Wirtschaftswissenschaftler Folgendes:

Sie zitieren Studien, nach denen Unternehmen mehr Gewinn erzielen, wenn sie Mitarbeiter mit unterschiedlichen Sprachen beschäftigen. Eine Untersuchung von zwölf amerikanischen Großstädten zeige, dass Vielsprachigkeit höhere Löhne und größeren Wohlstand bringt. Sie ist offenbar dann besonders fruchtbar, wenn die verschiedensprachigen Mitglieder einer Gruppe ein gemeinsames Ziel verfolgen. Sprachvielfalt hat demnach Vor- und Nachteile.

Laut Weber und Ginsburgh sind die vielen Sprachen in der EU jedoch teuer: Über eine Milliarde Euro benötigt die EU-Verwaltung jährlich für die Anfertigung von Übersetzungen. Wer ein EU-Patent anmelden möchte, muss die Anmeldung in alle Sprachen übersetzen – das allein kostet im Schnitt 13 600 Euro, so viel wie die Anmeldung eines Patents in den Vereinigten Staaten von Amerika für 20 Jahre. Die Ökonomen kommen jedoch auch zu dem Ergebnis, dass etwa zwei Drittel der 500 Millionen EU-Bürger benachteiligt wären, wenn Englisch die Hauptsprache der EU würde. Dies bedeute nämlich für die Mehrheit der Bürger unverständliche Gesetze, Regeln und Debatten. So könnten sie keinen Einfluss mehr auf das politische Geschehen ausüben. Die Sprachbarriere behindere des Weiteren den direkten Zugang zu juristischen und wirtschaftlichen Prozessen. “Sprache ist die Voraussetzung für Engagement”, sagt Weber.

Die EU hat den größten Dolmetscherdienst weltweit. Der Westen schreibt dazu Folgendes:

Für den Dienst der Europäische Kommission arbeiten rund 530 Dolmetscher, außerdem können bei Bedarf 2700 Freiberufler herangezogen werden. Jeden Tag sind rund 700 Dolmetscher bei rund 60 Veranstaltungen im Einsatz. Das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof unterhalten jeweils ihre eigenen Dienste. Für Dolmetscher und Übersetzungen wird ein Prozent des Budgets aller EU Institutionen ausgegeben – mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, rund 2,50 Euro pro Bürger.

Die Nato hat zwei Amtssprachen, die UNO beschränkt sich mit den 193 Staaten auf sechs Sprachen. In Afrika nimmt die sprachliche Vielfalt enorme Ausmaße an. Allein Nigeria muss 527 Sprachen unter einen Hut kriegen, Kamerun 279, Tansania 129.

Die Ergebnisse des Forscherduos wurden in dem Buch How Many Languages Do We Need? veröffentlicht.

Zum Buch
Victor Ginsburgh, Shlomo Weber: How Many Languages Do We Need?
Verlag: Princeton University Press (4. April 2011)
Sprache: Englisch
Seiten: 232
ISBN-10: 0691136890
ISBN-13: 978-0691136899
Preis: ca. 25–35 Euro

[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 10.02.2012; presseportal.de, 10.02.2012; vds-ev.de, 16.02.2012; faz.net, 17.08.2011. Bild: Archiv.]

Sara Kredel und Sophie Insulander gewinnen EU-Übersetzungswettbewerb Juvenes Translatores

EUSara Kredel vom Goethe-Gymnasium in Bensheim und Sophie Insulander vom BG 13 in Wien haben den EU-Übersetzungswettbewerb Juvenes Translatores im deutschsprachigen Raum gewonnen.

Die Schüler haben ihre Übersetzungen in allen EU-Mitgliedstaaten zeitgleich am 24.11.2011 angefertigt. In den vergangenen Wochen haben die Übersetzer der Generaldirektion Übersetzung (DGT) der Europäischen Kommission die Arbeiten bewertet und für jeden Mitgliedstaat die jeweils beste Übersetzung ermittelt.

Die Gewinner aus allen Mitgliedstaaten werden zur Preisverleihung eingeladen, die im März 2012 in Brüssel stattfinden wird. Dabei wird das für Mehrsprachigkeit zuständige Kommissionsmitglied zugegen sein. Die Schüler haben außerdem die Gelegenheit, mit Übersetzern zu sprechen, die bei der EU-Kommission arbeiten. Die DGT erstattet die Reise- und Unterbringungskosten für jeweils einen Preisträger und eine erwachsene Begleitperson pro Mitgliedstaat.

Der von der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission durchgeführte Wettbewerb „Juvenes Translatores“ soll das Sprachenlernen und das Übersetzen fördern. Zu den Zielen der Aktion schreiben die Organisatoren:

Damit wir Europäer „in Vielfalt geeint“ sein können, müssen wir in der Lage sein, andere Sprachen als nur unsere eigene zu verstehen. Der Übersetzungswettbewerb Juvenes Translatores […] fördert den Wunsch junger Menschen, eine Fremdsprache zu erlernen. Langfristig bringt das Sprachenlernen die Menschen zusammen und ermöglicht ein besseres Verständnis anderer Kulturen. Fremdsprachenkenntnisse ermöglichen den Jugendlichen – den Erwachsenen von morgen – in ganz Europazu studieren und zu arbeiten. Juvenes Translatores rückt außerdem das Übersetzerstudium und die steigende Nachfrage an Übersetzern in Europa ins Bewusstsein.

 http://ec.europa.eu/translatores/index_de.htm

[Text: Richard Schneider. Quelle: EU, 2011-02-09. Bild: EU.]

EMT-Konferenz in Brüssel: “Keep riding the dragon called Translation!”

With machine translation making great strides, the landscape of dominant world languages changing, and the nature of language professions evolving, the future of translation looks extremely exciting, albeit complex and challenging. This was the main impression of the annual ‘European Master’s in Translation’ (EMT) conference held in Brussels in November 2011, entitled ‘Mastering the future of translation’. As one of the speakers aptly summarised it, ‘You’ve got to keep riding this dragon!’.

The conference brought together 250 participants from universities running translator training programmes and some representatives of international organisations. The academic participants came from all the EU countries and from a number of countries outside the EU, such as Croatia, Russia, Turkey, China, Canada, Ghana, Cameroon and Egypt.

The EMT is a network of university-run translation programmes set up in 2009 in response to a growing shortage of properly qualified translators in the job market. To date, 54 European universities have successfully applied to join the network. Moreover, EMT is a recognised quality label — any translator training course carrying the EMT label is recognised as being one of the best in the field.

Several speakers highlighted how machine translation is shaping the life of translators today, and especially how it will do so in the future. Rytis Martikonis, the head of the European Commission’s Directorate-General for Translation, reported that machine translation is one of the key areas in his department’s work at the moment. The DG for Translation is developing a new system which is now being trialled by in-house translators. When fully developed, the system will be made available to all Commission officials and to authorities in the EU countries.

Mikel Forcada of the University of Alicante concentrated on rule-based and statistical machine translation, describing how challenging it is to encode professional knowledge in these crude models. In the panel debate, Sharon O’Brian from Dublin City University foresaw a high percentage of translation work being automated and post-edited. This meant, she said, that making the source language text ready for machine translation would gain in importance.

Jaap van der Meer from Translation Automation User Society (TAUS) insisted that human translation had a future, though it was likely to undergo profound changes. In his view, there will be a major split in the market, and machines will account for the great bulk of translation work of lesser quality but performed in real time, while human translators will be responsible for hyperlocalised translations of high quality in more languages.

Apart from machine translation, another hot topic in the translation profession is source and target languages. Reiner Arntz of Hildesheim University talked about the growing importance of less commonly used languages for the translation market and how to make use of intercomprehension and bilingualism in translation programmes, adapting the training to the social phenomena of immigration and increased mobility of today’s students. Nicolas Ostler outlined the historical perspective of how the world’s dominant languages tend to be linked to conquests or commercial activities, indicating that English may be the last language to perform the role of lingua franca as we know it.

The Commission’s Directorate-General for Translation provides administrative support to the EMT network and acts as a hub for the exchange of information and good practices. The Commission has allocated some € 300 000 to cover the cost of its administrative support and the network’s annual conference in 2011.
It does not provide direct financial support to the training courses or students.

Further information:

The proceedings and the full report of the conference will soon be published on the EMT website:
http://ec.europa.eu/dgs/translation/programmes/emt/index_en.htm

Universities in the EMT network:
http://ec.europa.eu/dgs/translation/programmes/emt/universities/index_en.htm

[Text: Directorate-General for Translation. Quelle: Pressemitteilung Directorate-General for Translation, 2011-12-20.]

Europäischer Bürgerbeauftragter fordert öffentliche Konsultationen in allen EU-Amtssprachen

P. Nikiforos Diamandouros

Der Grieche P. Nikiforos Diamandouros (69, Bild) ist seit dem 1. April 2003 Europäischer Bürgerbeauftragter und nimmt die Aufgaben eines Ombudsmanns wahr. Jetzt hat er die Europäische Union dazu aufgerufen, Dokumente für öffentliche Konsultationen in allen 23 EU-Amtssprachen zu veröffentlichen oder auf Anfrage Übersetzungen anzubieten.

Ein spanischer Rechtsanwalt hatte sich im Oktober 2010 beschwert, eine öffentliche Konsultation über die Besteuerung im Finanzsektor sei nur in englischer, französischer und deutscher Sprache erhältlich gewesen. Zudem führte er weitere Beispiele für Konsultationen an, die lediglich auf Englisch verfasst wurden, obwohl sie an ein breites Publikum gerichtet seien. Die Sprachenpolitik der EU-Kommission sei im Hinblick auf Konsultationen willkürlich und folge keiner klaren Linie. Sie stehe nicht im Einklang mit den Prinzipien der Transparenz, der guten Verwaltung und der Nichtdiskriminierung.

Diamandourous gab ihm Recht. Die Bürger der Europäischen Union könnten nicht von ihrem Recht gebrauchen machen, am EU-Entscheidungsprozess teilzunehmen, wenn die Dokumente nicht in allen Amtssprachen verfügbar seien. Daraufhin forderte Diamandouros die EU auf, klare Leitlinien für die Sprachenpolitik bei öffentlichen Konsultationen zu erarbeiten.In einer Stellungnahme erkannte die EU-Kommission an, dass Sprachbarrieren für Bürger ein Hindernis für die Teilnahme an öffentlichen Konsultationen darstellen können. Allerdings werde die Umsetzung der Mehrsprachigkeit von Zeitbeschränkungen und den zur Verfügung stehenden Mitteln beeinflusst. Die Kommission sei laut einer Mitteilung über öffentliche Konsultationen aus dem Jahre 2002 nicht verpflichtet, die Dokumente in alle EU-Amtssprachen zu übersetzen.

Diamandouros wies die Argumente der EU-Kommission zurück. Er sei der Ansicht, dass von Bürgern nicht erwartet werden könne, an einer Konsultation teilzunehmen, die sie nicht verstünden. Vielsprachigkeit sei unerlässlich für das Bürgerrecht auf Teilnahme am demokratischen Leben der EU, das vom Vertrag von Lissabon verbürgt sei. Als Ombudsmann kritisierte er die restriktive Sprachenpolitik der Kommission als schlechte Verwaltungspraxis und hält sie dazu an, die Dokumente für öffentliche Konsultationen in allen 23 Amtssprachen zu veröffentlichen oder auf Anfrage Übersetzungen anzubieten. Er argumentiert:

1. The Commission should, as a matter of principle, publish its consultation documents in all the official languages of the Union, or provide the citizens with a translation upon request. In doing so, the Commission should take into account that the Treaty of Lisbon has placed special emphasis on the right of civil society to participate in the democratic life of the Union.

2. Furthermore, the Commission should draft clear, objective and reasonable guidelines concerning the use of the Treaty languages in its public consultations, bearing in mind that any restriction to the principles of democratic citizen participation in the decision-making process and of broad consultation by the Commission, enshrined in Articles 10(3) and 11(3) TEU, must be justified and proportionate. These guidelines should be public and easily accessible. The Commission could include them among its excellent general principles and minimum standards for consultation of interested parties, or, at least, on the Your Voice in Europe website.

Die Kommission soll bis zum 29. Februar 2012 eine begründete Stellungnahme einreichen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: ombudsman.europa.eu, europa.eu. Bild: Pressestelle EU-Bürgerbeauftragter.]

GD Übersetzung: Anforderungen an Übersetzer von morgen

Vor einigen Wochen veröffentlichte die Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission die Ergebnisse des Symposiums über das Übersetzerprofil. Teilgenommen haben europäische Institutionen, Übersetzungsbüros sowie die Gewinner des Übersetzungswettbewerbs Juvenes Translatores. Darüber hinaus waren bei dem Brüsseler Symposium am 29. September 2011 Mitglieder aus dem EMT-Netz anwesend. Die Abkürzung EMT steht für „European Master’s in Translation“. Dabei handelt es sich um ein partnerschaftliches Projekt, das die Europäische Kommission zusammen mit in diesem Fachbereich ausbildenden Hochschulen in Europa durchführt. Vorrangiges Ziel ist die Schaffung eines Qualitätssiegels für Studiengänge auf Masterniveau, die bestimmten Standards genügen.

Die Teilnehmer beschäftigten sich mit den Herausforderungen, die die Übersetzer heutzutage bewältigen müssen und diskutierten über die zukünftigen Anforderungen an Übersetzer. Unter anderem wurden folgende Fragen thematisiert: Verändert sich das Berufsbild aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen? Über welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen Übersetzer angesichts der sich ändernden Gegebenheiten heutzutage und in Zukunft verfügen? Was erwarten Arbeitgeber vom Übersetzer und den Hochschulen? Was wiederum verlangen Übersetzer vom Arbeitgeber und von Kunden? Welche Erwartungen und Bedürfnisse haben letztlich die Kunden und wie können diese erfüllt bzw. befriedigt werden? Unterscheiden sich die Anforderungen an die Übersetzer im privaten und öffentlichen Bereich? Wenn ja, inwiefern?

In den Debatten und drei Workshops „Perspective for translation professions“, „Institutional Translator Training“ und „Professionalisation and Employability“ wurden Empfehlungen und Schlussfolgerungen erarbeitet.
Es folgen nun einige Schlussfolgerungen aus den Workshops:
Der Einsatz von Übersetzungswerkzeugen und maschineller Übersetzung wird aufgrund des steigenden Übersetzungsvolumens zunehmen. In einer Pressemitteilung fasste die Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission die Ergebnisse des Symposiums in Bezug auf die maschinelle Übersetzung (engl. machine translation, MT) folgendermaßen zusammen:

The Big Bang of MT came when Google began offering statistical machine translations of websites, asking their users to improve translations for free. The idea of “free” translation has had both a positive and negative affect on the perception of translation in general. Many users of Google Translator’s Toolkit and other free web translation tools underestimate or are simply unaware of the consequences on intellectual property rights when using free online tools. Non-professional use of statistical MT is increasing, and many translators seem unable to combine pre-translation with proper post-editing, so that final results are often substandard.

Die Workshopteilnehmer gehen davon aus, dass die Maschinen jedoch nicht den Menschen ersetzen werden. Der Grund liegt darin, dass die maschinelle Übersetzung nicht für jede Textart und nicht für jede Sprachkombination geeignet ist. Die Symposiumsteilnehmer sind der Ansicht, dass es zu einer Marktdiversifikation kommen wird und sowohl Personen ohne Übersetzererfahrung als auch mit einer universitären Übersetzerausbildung Übersetzungen anfertigen werden, und auch die maschinelle Übersetzung existieren wird.

There will always be good translators and there will always be a need for good translators. There are markets for all types of translation, e.g. crowdsourced, volunteer, high-standard, etc.

Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Symposium:

  • Zunächst einmal ist festzustellen, dass das Bild des Übersetzers, der ein Einzelkämpfer ist und in seinem stillen Kämmerlein allein vor dem PC sitzt, der Vergangenheit angehört. Teamarbeit ist heutzutage ein Muss. Übersetzer müssen im engen Kontakt zu ihren Kollegen stehen und in der Lage sein, mit ihren Kunden zu kommunizieren, ihre Dienstleistungen anzubieten und zu verkaufen. Zudem müssen Übersetzer mit IT-Experten zusammenarbeiten, um alle Vorteile der neuen Werkzeuge nutzen zu können.
  • Die Stichworte Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Offenheit werden mit dem Beruf des Übersetzers verbunden. Der Begriff Flexibilität bezieht sich auf die Nutzung neuer Technologien, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Im weiteren Sinne ist unter Flexibilität die Bereitschaft, neue Aufgaben zu übernehmen, wie beispielsweise in den Bereichen Projektmanagement, Marketing, Preiskalkulation oder Kundenpflege, zu verstehen.
  • Die Verantwortung für die Ausbildung von Übersetzern können nicht nur die Universitäten tragen. Es bedarf einer engeren Kooperation zwischen Ausbildungsinstitutionen und der Industrie: Organisationen und Unternehmen sollten Studenten und Trainees mehr Praktika o. Ä. anbieten.

Zu guter letzt ein kurzer Überblick über die Entwicklungen der Zukunft hinsichtlich der Aufgaben des Übersetzers:

  • Vorbereitung von Terminologie für MT
  • Spezialisierung wird größere Bedeutung haben
  • Hauptarbeitssprachen Chinesisch, Englisch und Deutsch
  • Englisch als Ausgangssprache
  • Verfassen technischer Texte immer wichtiger
  • Lektorat von englischen Texten, die von Nicht-Muttersprachlern verfasst wurden
  • Lebenslange Weiterbildung ist notwendig, die verstärkt von privaten Unternehmen angeboten werden soll

[Text: Jessica Antosik. Quelle: ec.europa.eu. Bild:Verdy p (Wikipedia).]

Europäisches Sprachensiegel 2011

Anfang des Jahres 2011 hat der Pädagogische Austauschdienst (PAD) den diesjährigen Wettbewerb für Projekte zum innovativen Sprachenlernen ausgeschrieben. Das Motto des Jahres 2011 lautete: “Sprachenlernen in der Gemeinschaft – Ressourcen nutzen und Kompetenzen ausbauen”.

“Gemeinschaft” erklärt der PAD folgendermaßen:

Der Begriff “Gemeinschaft” wird bei dem Wettbewerb weit gefasst. Er kann sich auf eine Schul- oder Hochschulgemeinschaft oder auch auf eine dörfliche Gemeinde oder städtische Kommune beziehen. Projekte, an die sich der Wettbewerb richtet, können verschiedenen Bereichen zugeordnet werden:

  • Projekte, bei denen sprachliche Ressourcen von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Lehrkräften oder Arbeitnehmern mit anderer Erstsprache als Deutsch eingesetzt und gefördert werden
  • Projekte, die den Aufbau einer Didaktik der Mehrsprachigkeit fördern und zeigen, auf welche Art und Weise Erzieherinnen, Lehrkräfte oder Dozenten die vorhandene sprachliche Vielfalt im Unterricht berücksichtigen können
  • Projekte, bei denen mehrsprachiges Personal gezielt qualifiziert wird
  • Projekte, die zeigen, wie Personen mit anderer Muttersprache als Deutsch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können

Ferner äußert sich der Pädagogische Austauschdienst wie folgt zum Thema des diesjährigen Wettbewerbs:

Die Mobilität innerhalb von und nach Europa hat in den vergangenen Jahren auf den verschiedenen Ebenen zugenommen: Grenzüberschreitender Schüleraustausch findet zwischen allen europäischen Staaten statt, manchmal bereits ab der Grundschule. Schüler in der Sekundarstufe II und Auszubildende nutzen die Gelegenheit, in Betrieben im Ausland in mehrwöchigen Praktika Betriebsabläufe kennen zu lernen und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Das ERASMUS-Programm unterstützt Studierende dabei, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Hochschule zu studieren. Auch viele Menschen im erwerbstätigen Alter wagen den Schritt, aufgrund der wirtschaftlichen oder politischen Situation in ihrem eigenen Land, zusammen mit ihrer Familie nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten.

Grenzüberschreitende Mobilität – sei es kurz- oder langfristiger Art – kann nur gelingen, wenn entsprechende sprachliche Kompetenzen vorhanden sind und ausgebaut werden können. Hierzu bedarf es gezielter Angebote, eine neue Sprache zu erlernen oder die Kommunikationsfähigkeit weiter zu verbessern. Die Erstsprachen der Zugewanderten können dabei als Ressource genutzt werden, um die Kommunikation zwischen Gemeinschaften und Gruppen zu fördern.

Bewerbungsschluss war der 9. Mai 2011. Die Auswahl der Preisträger nahm eine Expertenjury vor.

Vertreter von sieben Projekten aus Österreich, zwei aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und neun Projekten aus Deutschland wurden am 7. Oktober im Rahmen der trinationalen Fachtagung “Mit Sprache/n an Beruf und Gesellschaft aktiv teilnehmen”  in Wien mit dem Europäischen Sprachensiegel 2011 ausgezeichnet.

Nachfolgend die deutschen Preisträger des Europäischen Sprachensiegels 2011:

  1. Grundschule Burgdamm
    Europa bewegt sich – Europe in Motion
  2. Dietrich-Heise-Schule
    GUT* im Tandem (*gemeinsamer Unterrichtstag)
  3. Albrecht-Dürer-Schule
    How to Become a Chef in Europe
  4. Universität Regensburg
    Theatergruppe Babylon: Nasrin oder Die Kunst zu träumen von Herbert Asmodi
  5. Stiftung Universität Hildesheim
    Internationale Schreibpartnerschaften – ISP
  6. Bergische Universität Wuppertal
    LiBRe - Little Bookworm Reading Club – Leseförderung für mehrsprachige Grundschulkinder
  7. Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung
    Deutsch-Französischer Online-Markt – Anwendungsbezogenes Sprachenlernen
  8. Volkshochschule im Landkreis Cham e.V.
    YELL – Young Europeans Love Languages.
  9. Kontaktstelle für Interkulturelles Lernen und Menschenrechtserziehung
    Mulingula – Multilinguale Leseaktivitäten

“Die Preise gehen an Leuchtturm-Projekte sehr unterschiedlicher Art, die eines gemeinsam haben: Sie sind mit kompetenten Partnern bestens vernetzt, sie sind ausgesprochen einfallsreich und sie haben ihre Alltagstauglichkeit bereits unter Beweis gestellt”, erklärte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Dr. Bernd Althusmann, anlässlich der Verleihung. “Von diesen Projekten und Ideen können wir in unseren Ländern noch sehr viel mehr gebrauchen, wenn wir die Mehrsprachigkeit in Europa wirksam fördern wollen”, so Althusmann weiter.

Genauere Informationen zu allen Preisträgern aus Österreich, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Deutschland finden Sie hier.

Die ausgezeichneten Projekte erhalten das von Androulla Vassiliou, der EU-Kommissarin für Mehrsprachigkeit, unterzeichnete Zertifikat “Europäisches Sprachensiegel 2011″ und das Recht, mit dem Logo des Siegels auf Briefköpfen, in Publikationen etc. zu werben. Zudem werden alle Preisträger mit einem Preisgeld von 500 Euro prämiert. Darüber hinaus werden die ausgewählten Projekte durch die EU-Kommission europaweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Das Europäische Sprachensiegel wird auf Initiative der Europäischen Kommission europaweit vergeben. 1997 wurde es erstmalig an besonders herausragende und innovative Projekte aus dem Bereich des Lehrens und Lernens von Sprachen vergeben. Ziel ist es, im zusammenwachsenden Europa die Vielfalt der Sprachen zu erhalten und den Fremdsprachenerwerb der Bürger zu fördern.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: kmk-pad.org, 10.01.2011/07.10.2011. Bild: kmk-pad.org.]

EU-Übersetzungswettbewerb “Juvenes Translatores” zum fünften Mal

Die fünfte Ausgabe des jährlich stattfindenden Übersetzungswettbewerb “Juvenes Translatores” für 17-jährige Schüler findet am 24. November 2011 in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gleichzeitig statt. Die Jugendlichen haben zwei Stunden Zeit, einen etwa einseitigen Text aus einer EU-Amtssprache ihrer Wahl in eine der 22 anderen zu übertragen. Bewertet werden die Übersetzungen von der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission. Eine Jury wählt anschließend für jedes Mitgliedsland die beste Übersetzung aus. Der Preis ist eine dreitägige Reise nach Brüssel für alle Gewinner mit je einer erwachsenen Begleitperson. Die Sieger werden dort auch die Gelegenheit haben, Kommissionsübersetzer an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen. Die Bekanntgabe der Sieger und die Preisverleihung finden in der ersten Jahreshälfte 2012 statt.

Vom 1. September bis zum 20. Oktober 2011 können sich weiterführende Schulen auf der Website der Europäischen Kommission für den Wettbewerb anmelden.

Im Jahre 2007 hat die Europäische Kommission diesen Wettbewerb zum ersten Mal veranstaltet, um für das Sprachenlernen und den Übersetzerberuf zu werben. 2010 nahmen an dem Wettbewerb “Juvenes Translatores” (Lateinisch: “Junge Übersetzer”) 3.000 Sekundarschüler teil. Dies ist ein neuer Rekord. Die Zahl der Teilnehmer lag um ein Viertel über der des vorherigen Jahres. Zudem hatten sich mehr Schulen als je zuvor beworben, nämlich mehr als 1.600 gegenüber 1.430 beim letzten Mal.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, äußerte sich in Bezug auf diese Entwicklung folgendermaßen: “Ich freue mich sehr, dass der Wettbewerb für junge Übersetzer immer größeren Anklang findet. Wie die Rekordzahlen zeigen, ist das Sprachenlernen ein verbreitetes Anliegen in Europa, und ich hoffe, dass sich künftig weitere Schulen angesprochen fühlen. Sprachenlernen öffnet Türen, trägt zur Entwicklung junger Menschen bei und macht es ihnen leichter, einen Arbeitsplatz zu finden.” Einen Teil des Erfolges führt die Kommissarin auf die sozialen Netzwerken zurück, in denen für “Juvenes Translatores” geworben wurde. “Zweifellos ist der Wettbewerb dadurch bei den jungen Leuten besser bekannt geworden, dass Teilnehmer ihre Ansichten und Erfahrungen intensiv auf Facebook und Twitter austauschten”, so Vassiliou.

Mehr zu diesem Thema auf uepo.de
Juvenes-Translatores-Sieger 2010
Juvenes Translatores 2008: Die Gewinner stehen fest
EU-Wettbewerb “Juvenes Translatores 2008″ gestartet

[Text: Jessica Antosik. Quelle: ec.europa.eu. Bild: EU.]

BDÜ veröffentlicht Positionspapier zu Übersetzungsanforderungen an EU-Patente

BDÜEin europäisches Einheitspatent soll eingeführt werden, für das keine Übersetzungsanforderung mehr besteht, sofern der Patentantrag in einer der drei Sprachen Englisch, Französisch oder Deutsch vorliegt. Ziel ist es, Kosten einzusparen. Am 30. Juni 2010 nahm die Kommission einen Vorschlag zur Regelung der Übersetzungsanforderungen an. Die genaue Bezeichnung lautet “Vorschlag für eine VERORDNUNG DES RATES über die Umsetzung der verstärkten Zusammenarbeit bei der Schaffung eines einheitlichen Patentschutzes im Hinblick auf die anzuwendenden Übersetzungsregelungen” (KOM (2011) 216). Trotz intensiver Bemühungen des Ratsvorsitzes konnte jedoch bisher keine Einstimmigkeit über die Übersetzungsregelungen erzielt werden.

In diesem Diskussionszusammenhang hat der Bundesverband für Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) ein Positionspapier erarbeitet, in dem er klarstellt, dass eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Patentzulassung im europäischen Binnenmarkt gerade im Hinblick auf kleinere und mittlere Unternehmen grundsätzlich zu begrüßen sei. Durch die Einschränkung administrativer und formaler Anforderungen kann der Aufwand, sowohl was die Arbeitsleistung als auch Gebühren betrifft, reduziert werden.

Jedoch sei dabei sicherzustellen, dass bei der Ermittlung von Kosteneinsparpotenzialen angemessene Sachverhalte und Werte zugrunde gelegt werden. Ebenso sei zu vermeiden, durch das Gebot der Kostensenkung Probleme zu schaffen, die die Kosten an anderer Stelle deutlich erhöhten.

Der Verband weist auf die Notwendigkeit hin, dass rechtliche Inhalte im Patentbereich sprachlich korrekt und verständlich sein müssen, um Rechtssicherheit zu gewährleisten. Gefahren sieht er darin, dass Patente vermehrt von Nichtmuttersprachlern verfasst werden. Wenn sie nur noch eingeschränkt übersetzt werden, können sie darüber hinaus von vielen Interessierten nicht in ihrer Muttersprache abgerufen werden.

Die Kommission bestätigt grundsätzlich die Notwendigkeit einer umfassenden Übersetzung, um Patentinhalte in den EU-Mitgliedsstaaten zu verbreiten. Zur Abminderung der oben genannten Folgen plant die Europäische Kommission, diesen Übersetzungsbedarf durch maschinelle Übersetzungen zu decken. Aus der Erfahrung vieler Übersetzer, im Patentbereich wie auch aus anderen Bereichen, mit den momentan auf dem Markt erhältlichen automatischen Übersetzungssystemen warnt der BDÜ vor diesen Plänen.
Automatische Übersetzungssysteme können rechtlich komplexe Sachverhalte, an denen Patentanwälte mit erheblichem Zeitaufwand feilen, weder umfassend inhaltlich erfassen noch in andere Sprachen umsetzen. Solche Systeme können innovative Wortschöpfungen, die im Patentbereich üblich sind, oder auch Fehler im Ausgangstext in keinem Fall erkennen. Ein qualifizierter Patentübersetzer erkennt hingegen Schwierigkeiten, kann sich mit den Autoren der Texte oder anderen Sachkundigen abstimmen sowie gegebenenfalls auf Fehler aufmerksam machen.

Der BDÜ wirkt dem in bestimmten Kreisen vermittelten Eindruck entgegen, dass ausschließlich Humanübersetzungen das Patentierungsverfahren teuer machen. Der Hinweis auf die Übersetzungskosten, die in der Regel als der größte Kostentreiber bei der Patentierung in Europa genannt werden, erfolgt oft nur verkürzt. Es wird nicht beachtet, dass Übersetzer in der Regel über Patentanwälte mit der Übersetzung beauftragt werden und ein nicht unwesentlicher Anteil der „Übersetzungskosten“ beim Patentanwalt entsteht.

Das Positionspapier zieht das Fazit, dass ein wirksamer Schutz von patentrechtlichen Ansprüchen in den europäischen Mitgliedstaaten nach wie vor nur möglich ist, wenn die Patentschrift in den Sprachen der Inhaber und Nutzer von Patenten verfügbar ist. Außerdem empfiehlt es, maschinelle Übersetzungen im Patentbereich nur zu Informationszwecken anzufertigen.

Das Positionspapier können Sie als PDF-Datei auf der Website des BDÜ herunterladen.

www.bdue.de

[Text: BDÜ. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2011-06-20. Bild: BDÜ.]

EU-Patent: Ministerrat will Übersetzungskosten deutlich senken

BundesadlerZum Beschluss des EU-Ministerrats vom 27.06.2011 über eine so genannte „allgemeine Ausrichtung“ zu den Verordnungen über das EU-Patent erklärt der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Max Stadler:

Die Reform des europäischen Patentsystems nimmt endlich konkrete Formen an. Nach vielen Jahren kontroverser Verhandlungen haben sich die EU-Mitgliedsstaaten heute erstmals auf einen ausformulierten Gesetzestext einigen können.Dies ist ein starkes Signal an die europäische Wirtschaft insgesamt – Deutschland als innovativste Wirtschaftskraft wird vom neuen EU-Patent aber ganz besonders profitieren.

Das EU-Patent muss kostengünstig und damit für die Unternehmen attraktiv sein. Deshalb werden durch diese Vorschläge die Kosten für Übersetzungen substantiell gesenkt. Somit wird das EU-Patent kostengünstiger und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger. Dies ist ein erheblicher Fortschritt für den Innovationsstandort Europa.

Nachdem das EU-Patent nun konkrete Formen annimmt, muss auch das damit eng verbundene Projekt des europäischen Patentgerichts schnell vorankommen. Ohne eine funktionierende Patentgerichtsbarkeit kann es kein funktionsfähiges Patentsystem auf EU-Ebene geben.

Zum Hintergrund

Der EU-Ministerrat hat am 27.06.2011 in Luxemburg eine so genannte „allgemeine Ausrichtung“ zu den Verordnungen über das EU-Patent und das zugehörige Übersetzungsregime beschlossen. Die neuen Regelungen sehen die Möglichkeit vor, für Patente, die das Europäische Patentamt in München erteilt, eine einheitliche Schutzwirkung für die 25 Teilnehmerstaaten zu beantragen. Damit soll das Recht des Patentinhabers, Patentverletzungen zu verbieten, in allen teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten unter gleichen Voraussetzungen gelten. Die EU-Patente werden in den drei Verfahrenssprachen des Europäischen Patentamts erteilt (deutsch, englisch, französisch). Die derzeit erforderlichen kostenträchtigen Übersetzungen der Patentschriften in zahlreiche Amtssprachen entfallen weitgehend. Zugleich einigte sich der Rat über die Kriterien zur Festlegung der Höhe der Gebühren des EU-Patents und deren Verteilung auf die Mitgliedstaaten.

Am EU-Patent nehmen 25 EU-Mitgliedstaaten teil, die am 10. März 2011 eine „verstärkte Zusammenarbeit“ beschlossen haben; Italien und Spanien beteiligen sich aus sprachpolitischen Gründen nicht.

Zunächst muss das Europäische Parlament nun seine Stellungnahme zu dem Verordnungspaket abgeben. Außerdem wird im zweiten Halbjahr 2011 über die Schaffung einer einheitlichen europäischen Patentgerichtsbarkeit weiterberaten.

Deutschland ist das mit Abstand patentstärkste Land Europas. Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) ist mit nahezu 2.700 Mitarbeitern das größte nationale Patent- und Markenamt in Europa und weltweit das fünftgrößte nationale Patentamt. Beim DPMA wurden 2010 etwa 59.000 neue Patente angemeldet und 32.000 Patentverfahren abgeschlossen. Beim Europäischen Patentamt (EPA) wurden im Jahre 2009 ca. 134.500 Patente angemeldet, davon ca. 68.000 aus Europa. Der deutsche Anteil dieser Patente beträgt ca. 25.000; das sind fast dreimal so viele Patente, wie Frankreich als zweitstärkstes Land angemeldet hat (etwa 9000).

[Text: Bundesministerium der Justiz. Quelle: Pressemitteilung Bundesministerium der Justiz, 2011-06-27. Bild: Archiv.]