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Archiv der Kategorie EU

Wien, Leipzig und Köln in EMT-Programm aufgenommen

IALT LeipzigDas Projekt „Europäischer Master Übersetzen“ (EMT) soll dazu beitragen, das Niveau der Übersetzerausbildung in der EU zu heben sowie die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Hochschuleinrichtungen zu fördern, die Übersetzerstudiengänge anbieten.

Die EU-Institutionen und andere Arbeitgeber weiten ihre mehrsprachige Kommunikation immer mehr aus und benötigen deshalb in zunehmendem Maße hochqualifizierte Übersetzer. Die Übersetzerausbildung muss verbessert werden, damit die Befähigungen der Absolventen den Bedürfnissen der Arbeitgeber entsprechen.

Das EMT-Kompetenzprofil für Übersetzer, das die EU-Kommission gemeinsam mit einer Gruppe namhafter Experten erstellt hat, beschreibt die Fähigkeiten, die Übersetzer benötigen, wenn sie eine Tätigkeit in einer EU-Institution bzw. auf dem Gebiet der sich rasch entwickelnden mehrsprachigen und multimedialen Kommunikation anstreben.

EMT-Netz

Im Einklang mit den Standards der EMT-Expertengruppe bemüht sich die Europäische Kommission um den Aufbau eines Netzes von Hochschulprogrammen, die eine hochwertige Übersetzerausbildung auf Masterniveau anbieten. Ziel des EMT-Netzes ist die Förderung eines Gütesiegels für die Abschlüsse und des Austausches zwischen den teilnehmenden Programmen.

Im März 2009 wurde ein Aufruf zur Beteiligung am EMT-Netz veröffentlicht. Bewerbungsschluss war am 31.5.2009. Insgesamt gingen Bewerbungen von 93 Hochschuleinrichtungen aus 24 Mitgliedstaaten und drei Nicht-EU-Ländern ein. 34 Studiengänge wurden für vier Jahre als Mitglieder in das EMT-Netz aufgenommen. In den deutschsprachigen Ländern sind dies:

  • Universität Wien, Zentrum für Translationswissenschaft, Studiengang Übersetzen – Masterstudium
  • Fachhochschule Köln, Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation, Studiengang MA Fachübersetzen
  • Universität Leipzig, Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (Bild oben), Studiengang Master Translatologie

Ziele des EMT

Grundlegende Idee hinter dem EMT ist es, Hochschuleinrichtungen in der EU zur Verbesserung der Übersetzerausbildung anzuregen sowie die Zusammenarbeit und den Austausch unter Studiengängen zu fördern. Dabei werden insbesondere folgende Ziele verfolgt:

  • Sensibilisierung der Bildungsbehörden in den EU-Ländern für die Notwendigkeit, hochwertige Ausbildungsmöglichkeiten für Übersetzer zu schaffen
  • EU-weite Aufwertung des Übersetzerberufs
  • Festlegung von Maßstäben und Bereitstellung von Unterstützung für Hochschuleinrichtungen, damit diese in der Lage sind,
    - hochqualifizierte Übersetzer auszubilden, die über alle Kompetenzen verfügen, die dieser Beruf erfordert;
    - eine ausreichende Anzahl von Übersetzern auszubilden, die den Anforderungen der EU-Institutionen und anderer Arbeitgeber gerecht werden;
    - den Austausch von Studierenden und Lehrkräften zu erleichtern.

Link zum Thema im Übersetzerportal
Brüssel: Konferenz zu Master-Studiengängen “Übersetzen”

[Text: Europäische Kommission. Bild: Uni Leipzig, IALT.]

EU entwirft Rahmenbeschluss für Anspruch auf Dolmetscher in Strafverfahren

Europa-FlaggeMit dem Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rates sollen EU-weite Mindestnormen für das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung in Strafverfahren eingeführt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Personen, die einer Straftat verdächtigt werden und die die Verfahrenssprache weder verstehen noch sprechen, von dem Augenblick an, in dem ihnen der Verdacht mitgeteilt wird, bis zum Ende des Verfahrens – einschließlich etwaiger nächstinstanzlicher Verfahren – ein Dolmetscher beigestellt wird. Ebenso sollten sie Anspruch auf Übersetzung maßgeblicher Prozessunterlagen haben, um sicherzugehen, dass die gegen sie erhobenen Beschuldigungen von ihnen auch verstanden werden.

Mit dem am 08.07.2009 angenommenen Vorschlag nimmt die Kommission die Arbeit an EU-weit gültigen Verfahrensgarantien für Beschuldigte in Strafverfahren wieder auf, nachdem ein von der Kommission 2004 vorgelegter Vorschlag hierzu von den Mitgliedstaaten 2007 endgültig abgelehnt wurde.

Anders als der Vorschlag von 2004, mit dem gleichzeitig sechs Verfahrensrechte geregelt werden sollten, konzentriert sich dieser Vorschlag auf eine einzige Kategorie von Rechten, nämlich das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung.  Initiativen zu weiteren Verfahrensrechten sind bereits für das kommende Mehrjahresprogramm geplant. Der vorliegende Vorschlag ist ein erster Schritt in dem neuerlichen Bestreben, das Vertrauen der Justizbehörden der Mitgliedstaaten untereinander zu stärken. Dies wiederum ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit gerichtliche Maßnahmen EU-weit anerkannt werden.  Strafverteidiger-Verbände und Prozessbeobachter fordern seit langem eine EU-weite Regelung von Verfahrensrechten.

In der EU werden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Wer sich in der misslichen Lage befindet, einer Straftat verdächtigt zu werden, steht vor zusätzlichen Problemen, wenn er die Landessprache nicht beherrscht. Zwar wird das Recht auf Beiziehung eines Dolmetschers/Übersetzers durch die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte garantiert, die von allen EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde, doch werden diese Garantien in der Praxis nicht überall gleich gehandhabt.  Hinzu kommt, dass die Garantien bisweilen missachtet werden und es im Falle eines Verstoßes gegen die Konvention lange dauern kann, bis jemand zu seinem Recht kommt. Verdächtige haben daher nicht überall in der EU gleichen Zugang zu Dolmetsch- und Übersetzungsdiensten.

Durch den Vorschlag werden die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, einer Person, die in einer ihm unverständlichen Sprache der Begehung einer Straftat verdächtigt oder beschuldigt wird, während des gesamten Verfahrens einen Dolmetscher zur Seite zu stellen. Die Verdachtsperson muss die gegen sie erhobenen Beschuldigungen kennen und das Prozessgeschehen verfolgen können. 

Damit die betreffende Person ihre Verteidigungsrechte in vollem Umfang ausüben kann, müssen außerdem maßgebliche Prozessunterlagen in einer Übersetzung vorliegen. Übersetzungs- und Dolmetschdienste müssen kostenlos in hinreichend guter Qualität zur Verfügung gestellt werden. Der Geltungsbereich des Vorschlags erstreckt sich auf sämtliche Personen, die verdächtigt oder beschuldigt werden, eine Straftat begangen zu haben, und zwar ab dem Zeitpunkt, zu dem sie hiervon Kenntnis erhalten, bis zur endgültigen Entscheidung in der Sache, einschließlich etwaiger Rechtsmittelinstanzen. Mit inbegriffen sind auch Verfahren zur Vollstreckung eines Europäischen Haftbefehls.
Der Rahmenbeschluss verpflichtet die Mitgliedstaaten auch zu einer entsprechenden Schulung von Richtern, Rechtsanwälten und anderen beteiligten Gerichtsbediensteten, um sicherzustellen, dass der Beschuldigte dem Verfahren folgen kann.

Nachdem der Rat dem Vorschlag zugestimmt und das Europäische Parlament angehört hat, müssen die Mitgliedstaaten die Bestimmungen des Rahmenbeschlusses innerhalb von zwei Jahren in innerstaatliches Recht umsetzen.

Ein Dokument, das den vollständigen Beschlusstext enthält, können Sie hier abrufen.

[Text: EU-Kommissioin. Quelle: Pressemitteilung IP/09/1101 EU-Kommission, 2009-07-08. Bild: EU-Kommission.]

Interview mit EU-Dolmetscherin Anja Rütten

EU-Flagge“In der EU gibt es offiziell 23 verschiedene Amtssprachen. Damit die Kommunikation der Parlamentarier trotzdem reibungslos verläuft, beschäftigt die Gemeinschaft ein Heer von Dolmetschern. Anja Rütten aus Düsseldorf ist eine von ihnen. Die 35-jährige Diplomdolmetscherin übersetzt vom Spanischen, Englischen und Französischen ins Deutsche - und bei der EU niemals umgekehrt, denn dort gilt das Muttersprachlerprinzip: Jeder Dolmetscher darf nur in seine eigene Sprache übersetzen. Bei außergewöhnlicheren Sprachkombinationen, etwa wenn das Lettische ins Slowenische übertragen werden muss, arbeiten sie und ihre Kollegen mit einem System von sechs ‘Relaissprachen’: Die selteneren Sprachen werden zunächst ins Englische, Französische, Deutsche, Italienische, Polnische oder Spanische gedolmetscht und dann erst in die ‘Zielsprache’.” So leitet die Süddeutsche Zeitung ein Gespräch mit Dr. Anja Rütten über die Berufspraxis der für die EU-Institutionen arbeitenden Simultandolmetscher ein.

Rütten hat in Saarbrücken studiert und promoviert. Von 2004 bis 2006 war sie Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Köln. Nach einigen Jahren als Angestellte in der Wirtschaft arbeitet Sie heute freiberuflich unter anderem für die EU. Auf ihrer Website schreibt sie: “Meine Arbeitssprachen sind neben meiner Muttersprache Deutsch vor allem Spanisch als aktive Fremdsprache sowie Englisch und Französisch als passive Fremdsprachen. Somit übersetze ich und dolmetsche simultan und konsekutiv aus dem und ins Spanische sowie aus dem Englischen und Französischen.”

Das Interview können Sie in der Süddeutschen Zeitung lesen, die Website von Anja Rütten finden Sie unter www.sprachmanagement.net.

Rentnerschwemme: EU befürchtet Dolmetschermangel

In den nächsten Jahren wird die erste Generation der EU-Dolmetscher und -Übersetzer und damit ein ungewöhnlich hoher Anteil der Beschäftigten in den Ruhestand gehen. Schon heute liegt der Altersdurchschnitt der Sprachendienstler bei 50 Jahren.

Besonders nachteilig wird sich dies bei der wichtigsten Amts- und Relaissprache Englisch auswirken. Nach Angaben der EU-Kommission wird bis 2015 mehr als ein Drittel der derzeit bei der EU beschäftigten englischen Muttersprachler ausscheiden. Auch Sprachmittler für Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch würden schon bald in ähnlichem Umfang fehlen.

Auf diese Chance für Neueinsteiger weist der Fernsehsender Euronews in einem Bericht hin: “Zwar schafft nur ein Drittel der Kandidaten den Einstellungstest, aber das Einstiegsgehalt von etwa 5000 Euro netto sollte über diese Anstrengung hinwegtrösten …”

Doch trotz der fürstlichen Gehälter für die im Vergleich zur freien Wirtschaft überbezahlten EU-Sprachmittler ist die Nachwuchsrekrutierung bei einzelnen Sprachen schwierig. Dazu gehören nicht nur die Sprachen kleiner oder neuer Mitgliedstaaten.

So bemüht sich die EU bereits seit Längerem, bei den sprachfaulen Briten durch die Förderung entsprechender Studiengänge und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit junge Talente für den Beruf zu begeistern. Ob es gelingen wird, die sich in den nächsten Jahren auftuende Lücke rasch zu schließen, ist mehr als fraglich. Denn auch auf dem deutschen Übersetzungsmarkt besteht seit Jahrzehnten ein Mangel an englischen Muttersprachlern. Dieser ist nicht behebbar, weil Briten und Amerikaner einfach keine Fremdsprachen lernen wollen. In den Studiengängen für Übersetzer und Dolmetscher auf der ganzen Welt sind englische Muttersprachler eine kleine exotische Minderheit. Selbst in großen, renommierten Instituten wie dem FASK Germersheim muss man sie mit der Lupe suchen.

Die Süddeutsche Zeitung befragt zu dieser Problematik Alexander Drechsel (27), der in Leipzig studiert hat und nun für die EU-Kommission dolmetscht. Zu den Werbemaßnahmen der EU schreibt die Zeitung:

Wegen des drohenden Nachwuchsmangels will die EU-Kommission die Dolmetscher jetzt wenigstens zeitweise ins Rampenlicht rücken. Um Nachwuchs anzulocken, startet sie am Donnerstag eine Kampagne, unter anderem mit Werbespots auf der Internetseite Youtube. Zunächst werden Englisch-Dolmetscher angesprochen, Deutsch soll im Laufe des Jahres folgen.

Das aktuelle sechsminütige Werbevideo der EU-Generaldirektion Dolmetschen trägt den Titel “Interpreting for Europe … into English”. Zu Wort kommen die Abteilungsleiter David Smith (Bild) und Miguel Gomes sowie die Dolmetscher Kate Davies, Rachel Hayes, Marilena Iannidinardi, Jonathan McKie, Nicholas Roche, Jeffrey Silver, Karl Telfer und Andrew Upton. Sie finden es in englischer Sprache auf YouTube.

Den erwähnten Zeitungsartikel können Sie in der Süddeutschen Zeitung lesen, der Fernsehbeitrag steht auf der Website von Euronews.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2009-02-19; Euronews, 2009-02-19. Bild: EU.]

Deutscher Bundestag kritisiert Übersetzungspolitik der EU

Leonard OrbanDer EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban (Bild oben), berichtete den Mitgliedern des Europaausschusses in einer Sondersitzung am 12.02.2009 über die aktuelle Handhabung des EU-Sprachenregimes. Anschließend traf er zu einem Gespräch mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (Bild unten) zusammen. Wie auch die Mitglieder des Ausschusses äußerte Lammert bei dem Treffen „unsere anhaltende Unzufriedenheit über das Unvermögen der Kommission, den Anspruch der Gleichberechtigung aller Mitgliedstaaten bei den Übersetzungen einzulösen oder zu einer notwendigen Neuregelung zu kommen.“

Er habe zwar „Verständnis für die objektive Überforderung des EU-Sprachenregimes“, sagte Lammert. Derzeit erfordern die 23 Sprachen der 27 Mitgliedstaaten rund 500 Sprachkombinationen und über 2000 Übersetzer, die heute schon nicht mehr alle Übersetzungen gewährleisten können. „Doch ohne eine Reform des Sprachenregimes ist ein Kollaps absehbar“, erklärte Lammert. Er regte daher gegenüber Orban die Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Kommission und der nationalen Parlamente an, die nach einer überzeugenden Alternative für das geltende Sprachregime suchen sollte.

Norbert LammertOrban begrüßte den offenen Dialog mit dem Europaausschuss und dem Präsidenten und äußerte: „Auch mit 23 offiziellen Sprachen kommen wir unseren Verpflichtungen für die Übersetzung von allen Gesetzesvorschlägen nach.“ Er führte weiter aus: „Ich bin davon überzeugt, dass derzeit ein pragmatischer Ansatz, von Fall zu Fall angewandt, den verschiedenen Interessen der Mitgliedsstaaten am besten gerecht wird, auch denen von Deutschland. Allerdings bleibe ich offen für andere Überlegungen. In den Gesprächen wurden verschiedene Varianten skizziert.“

Die Abgeordneten wiesen den Kommissar darauf hin, dass von den Ausschüssen des Bundestages inzwischen 60 Dokumente zurückgestellt wurden, da man über diese mangels Übersetzung noch nicht beraten könne. Der Eindruck auf deutscher Seite, dass weniger Dokumente als früher ins Deutsche übersetzt werden, sei falsch, verteidigte sich Orban.

Nach Betrachtung seiner bisherigen Aktivitäten ziehe er eine “positive Bilanz”. Besonders unterstrich der Kommissar allerdings die Problematik, dass ihm einerseits nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stünden, andererseits aber die Anzahl der Sprachen der EU durch die Erweiterungsrunden stetig gestiegen sei. “Die Erhöhung des Übersetzungsvolumens erfolgt nicht kostenneutral”, sagte er. Hauptziel seiner Politik, erläuterte Orban, sei “die Vielfalt innerhalb Europas zu managen”. Angesichts von 23 Amtssprachen, drei Alphabeten und 60 Minderheitensprachen, sei dies gerade in seinem Arbeitsfeld eine anspruchsvolle Aufgabe.

Die Union gab zu bedenken, dass es ihr bei der anstehenden Europawahl schwerfalle, den Bürgern den europäischen Gedanken zu vermitteln, wenn selbst Abgeordnete zentrale Dokumente wegen unzureichender Übersetzungen nicht gänzlich verstehen. Die SPD forderte Orban auf, auf die Mitgliedsstaaten zuzugehen und sie zu fragen, in welchem Umfang er Unterstützung von ihnen erwarten könne. Die FDP brachte zum Ausdruck, dass es für sie unerlässlich sei, dass Parlamentarier, wie auch Bürger, Gesetze in ihrer Muttersprache lesen können. Nach Meinung der Linksfraktion sei eine Investition in die Sprachen eine Investition in die Demokratie. Im Umkehrschluss spare man also an Demokratie, wenn man an Sprachen spare. Die Grünen wiesen auf das generelle Akzeptanzproblem der EU in der Bevölkerung hin. Den Abgeordneten käme somit die wichtige Rolle zu, die Popularität Europas zu verbessern. Dazu sei es nötig, alle Dinge, die die EU beträfen zu verstehen.

[Text: Deutscher Bundestag. Quelle: Pressemitteilung Deutscher Bundestag, 2009-02-13. Bild: EU, CDU.]

Juvenes Translatores 2008: Die Gewinner stehen fest

Wie die EU-Generaldirektion Übersetzen mitteilt, ist die Bewertung der im Herbst 2008 eingereichten mehr als 2000 Übersetzungen von Schülern aus ganz Europa abgeschlossen. Die 27 Gewinner des laufenden Übersetzungswettbewerbs Juvenes Translatores stehen fest. Die Jury schreibt:

Unsere Übersetzer, die die Beiträge bewertet haben, waren vom Talent und Einfallsreichtum der Teilnehmer sehr beeindruckt. Einige der besten Übersetzungen werden auf unserer Website für die nächste Auflage von Juvenes Translatores veröffentlicht. Sie können dann von Schulen für die Wettbewerbsvorbereitung oder im Unterricht verwendet werden.

Besonders möchten wir uns bei allen Lehrern bedanken, die so viel Zeit und Mühe in die Organisation des Wettbewerbs an ihren Schulen gesteckt haben. Herzlichen Dank auch denjenigen, die unseren Fragebogen ausgefüllt haben: Die Antworten werden uns helfen, Juvenes Translatores beim nächsten Mal noch erfolgreicher zu gestalten.

Die Gewinner werden – zusammen mit jeweils einer erwachsenen Begleitperson – zur Preisverleihung am 3. April 2009 nach Brüssel eingeladen. Wir werden in Kürze mit den Preisträgern Kontakt aufnehmen, um Einzelheiten zu Anreise und Unterbringung zu besprechen.

Von den Schülern der 24 deutschen Schulen, die am Wettbewerb teilnahmen, wird Anika Richter von der Salzmannschule im thüringischen Schnepfenthal, einem staatlichen Spezialgymnasium für Sprachen, die Auszeichnung (Bild) erhalten. Für Österreich trug Mona Schönauer vom Akademischen Gymnasium in Graz den Sieg davon.

Ausführliche Informationen zum Übersetzungswettbewerb finden Sie auf der Website von Juvenes Translatores.

[Bild: Generaldirektion Übersetzen.]

26. September: Europäischer Tag der Sprachen

Kostenlose Hindi-Schnupperkurse in Wien, Französisch in Aachen und ein Fest der Sprachen in Prag – Wettbewerbe, Tanzdarbietungen, Sondersendungen im Radio und Fernsehen sowie Konferenzen über Spracherwerb und interkulturelle Verständigung: Quer durch Europa bieten sich am 26. September, dem Europäischen Tag der Sprachen 2008, vielfältige Möglichkeiten, mehr über Fremdsprachen zu erfahren und die Lust am Lernen und Sprechen zu entdecken.

„Die sprachliche Vielfalt Europas“ sei ein „wesentliches Element unseres geistigen Erbes und gehört zu unserem kulturellen Reichtum“, so EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering aus Anlass des Europäischen Tags der Sprachen. „Im Zuge der europäischen Einigung ist die Sprachenvielfalt immer mehr von einer Barriere zu einer Chance geworden“, ist Pöttering überzeugt.

Sprachen im Europäischen Parlament

Im Europäischen Parlament hat jeder Abgeordnete das Recht, in einer der 23 Amtssprachen zu sprechen. Auch die EU-Gesetzgebung sowie alle wesentlichen Dokumente im Gesetzgebungsverfahren werden in alle Amtssprachen übersetzt, um Transparenz und Bürgernähe zu gewährleisten.

Bürger können sich in der Amtssprache ihrer Wahl an das Parlament wenden – etwa um eine Petition einzureichen.

Das Europäische Parlament ist aus diesen Gründen nach der EU-Kommission der größte Arbeitgeber für Übersetzer und Dolmetscher weltweit.

Auch die Informationen über die europäische Volksvertretung auf der Website und dem neuen Parlamentsfernsehen EuroparlTV stehen zu einem großen Teil in mehr als 20 Sprachen zur Verfügung.

Spracherwerb fördern

Sprachen zu lernen und Fremdsprachen zu beherrschen erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und trägt zur Verständigung unter Völkern und Kulturen bei. Das Europäische Parlament unterstützt daher das Ziel, das alle EU-Bürger zwei Fremdsprachen erlernen und beherrschen.

Am 6. Oktober wird der für die Sprachenpolitik zuständige EU-Kommissar eine Mitteilung zur Mehrsprachigkeit im Kulturausschuss des Europaparlaments vorstellen.

[Text: Europäisches Parlament. Quelle: Pressemitteilung 2008-09-22. Bild: Europäisches Parlament.]

EU-Kommission legt Strategiepapier zur Förderung der Mehrsprachigkeit vor

In Europa gibt es viele Sprachen: Manche davon sind Amtssprachen, manche werden in bestimmten Regionen oder von Minderheiten gesprochen. Alle sind Bestandteil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes und machen uns zu dem, was wir sind. Diese große Palette wird durch die Sprachen und Kulturen, die die Zuwanderer zu uns bringen, noch bereichert. Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben heute größere Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

  1. Wir können uns in Europa frei bewegen. Es ist heute gang und gäbe, in ein anderes europäisches Land zu reisen, in dem eine andere Sprache gesprochen wird, um dort Urlaub zu machen, zu studieren oder zu arbeiten.
  2. Dank der täglichen Kontakte mit Menschen, die aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen zu uns gekommen sind, um bei uns in Europa zu leben, bieten heute viele unserer Städte ein ganzes Mosaik aus Sprachen und Kulturen.
  3. Als Folge der Globalisierung machen wir Geschäfte mit Kunden und Lieferanten in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten.

Sprache ist der Schlüssel zur Kommunikation. Sie ist auch der Schlüssel zu anderen Kulturen. Wenn wir keine Sprachen lernen, um uns gegenseitig zu verstehen, haben die Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Muttersprache nur zu häufig Missverständnisse und Abgrenzung zur Folge und führen damit auch dazu, dass Chancen verpasst werden.

Warum sind Sprachen so wichtig?

Sprachen sind für die Bürger im Alltag wichtig. Ein paar Beispiele: Sie reisen ins Ausland und müssen in einem Krankenhaus oder auf einer Polizeistation jemanden suchen, der Ihre Sprache spricht. Ihre afrikanischen Nachbarn würden sich gerne an den Aktivitäten der örtlichen Gemeinschaft beteiligen, wissen aber nicht, wie sie damit beginnen sollen, Ihre Sprache zu lernen. Sie finden eine interessante Information im Internet, aber in einer Sprache, die sie nicht verstehen. Sie sind Klempner, Krankenpfleger oder Arzt und möchten im Ausland arbeiten, aber weder Sie noch Ihre Familie sprechen die Sprache, die Sie dazu brauchen. Sie hoffen, einen wichtigen Vertrag mit einem chinesischen Geschäftspartner unterzeichnen zu können – wenn unter Ihren Mitarbeitern jemand wäre, der Chinesisch kann, hätten Sie einen Vorteil gegenüber Ihren Konkurrenten.

Warum soll auf EU-Ebene etwas geschehen?

Um die Lage zu verbessern, hat die Europäischen Kommission vorgeschlagen, ihr Handeln mit dem der Regierungen der Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments, der Regionen und der Sozialpartner zu bündeln, um den Menschen bewusst zu machen, wie vorteilhaft es sowohl für den geschäftlichen Erfolg als auch für den Dialog mit anderen Kulturen ist, mehrere Sprachen zu sprechen;
allen Bürgern die Möglichkeit zu bieten, zusätzlich zu ihrer Muttersprache zwei weitere Sprachen zu erlernen.

Diese Ziele bilden das Grundgerüst der so genannten “Mehrsprachigkeitspolitik”. Sie werden in einer Mitteilung der Kommission dargelegt. Dabei handelt es sich nicht um einen Rechtsakt, sondern um eine Art Strategiepapier. Die Kommission hat keinerlei Befugnisse, wenn es um die Organisation der Schulen geht. Dies ist ausschließlich Sache der Mitgliedstaaten. Genauso wenig verabschiedet die Kommission Gesetze, mit denen Sprachen gefördert werden sollen. Ihre Rolle beschränkt sich darauf, die politische Richtung aufzuzeigen, um den Mitgliedstaaten dabei zu helfen, die gemeinsamen Probleme zu lösen, vor denen ihre Bürger stehen.

Um ihre mittel- und langfristigen Ziele zu erreichen, fördert die Kommission die Mehrsprachigkeit durch eine ganze Reihe von Strategien und Programmen, mit denen die Mitgliedstaaten, örtlichen Behörden und Sozialpartner angeregt werden, selbst zu handeln. Im Jahr 2012 wird die Kommission prüfen, welche Fortschritte gemacht wurden.

Es ist klar, Sprachen sind wichtig. Aber welche soll man lernen? Die Kommission schlägt vor, dass jede Bürgerin und jeder Bürger neben der Muttersprache eine internationale Verkehrssprache und, entsprechend dem persönlichem Bedarf, den eigenen Interessen und dem familiärem Hintergrund, eine „persönliche Adoptivsprache“ auswählen und erlernen sollte.

Das 16-seitige Strategiepier “Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung” der Europäischen Kommission können Sie als PDF-Datei abrufen.

[Text: EU-Kommission. Quelle: Pressemitteilung, 2008-07-17. Bild: EU.]

EU-Video “Dolmetschen für Europa”

Die Generaldirektion Dolmetschen (SCIC) der Europäischen Union stellt die Arbeit des größten Sprachendienstes der Welt in einem zehnminütigen Video mit dem Titel “Dolmetschen für Europa” auf YouTube vor.

EU: 23 Amtssprachen, 60 Regionalsprachen - demnächst auch Türkisch?

Die Europäische Union hat derzeit 23 Amtssprachen mit drei verschiedenen Alphabeten (Lateinisch, Griechisch, Kyrillisch). 2.500 Übersetzer müsssen in Brüssel rund 1,5 Mio. Seiten pro Jahr bewältigen.

Sattsam bekannt sind die aus dem Muttersprachenprinzip erwachsenden Absurditäten. So ist Gälisch EU-Amtssprache, obwohl nur drei Prozent der Iren die Sprache halbwegs beherrschen. Malti wird selbst von den Maltesern nicht im Wirtschaftsleben eingesetzt, ist aber ebenfalls EU-Amtssprache.

Hinzu kommen rund 60 Regional- und Minderheitensprachen wie Korsisch, Baskisch oder Katalanisch. Deren Übersetzungskosten müssen die jeweiligen Mitgliedstaaten jedoch selbst tragen. Spanien gibt dafür 1,5 Mio. Euro pro Jahr aus.

Und schon klopfen bzw. hämmern die nächsten Beitrittskandidaten an die Tür der Union. Bereits jetzt werden in türkisch-europäischer Zusammenarbeit Türkisch-Dolmetscher ausgebildet. Dabei ist die Aufnahme des ersten nicht-europäischen, nicht-christlichen Landes höchst umstritten. Sie wird zwar von einigen politischen Seilschaften und Außenstehenden wie den USA betrieben, die militärstrategische Interessen verfolgen. Die EU-Bürger und besonders die Türken- und Türkei-erfahrenen Deutschen lehnen den Beitritt des Landes wegen der bekannten weltanschaulichen, religiösen, kulturellen und politischen Inkompatibilitäten mit großer Mehrheit ab.

Volkswirtschaftlich wäre die Aufnahme eine Katastrophe, da zum Beispiel auf einen Schlag mehr Bauern hinzukommen würden als jetzt bereits in allen Mitgliedstaaten zusammengenommen vorhanden sind. Zwar hat die Union in der Vergangenheit schon rückständige Länder aufgenommen, diese waren aber winzig wie Bulgarien (7,6 Mio. Einwohner) und nicht riesig wie die Türkei (71 Mio. Einwohner).

Aber selbst wenn sich bei den Politikern in letzter Minute noch die Vernunft durchsetzen sollte und die Beitrittsforderung der Türkei abgewehrt wird, könnte Türkisch EU-Amtssprache werden. Und zwar dann, wenn Zypern wiedervereinigt würde. Die Insel, auf der überwiegend Griechisch gesprochen wird, ist seit 2004 EU-Mitgliedstaat - mit Ausnahme des Türkisch sprechenden Nordteils.

In der WAZ („Vor dem Sprach-Kollaps“) und der Braunschweiger Zeitung („Die Staaten bauen am Turm zu Babel“) ist ein Artikel dazu erschienen.