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Archiv der Kategorie EU

CELAN: Förderung von Sprachen im Wirtschaftsleben

CELAN, das “Netzwerk zur Förderung von sprachlichen Strategien für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit”, soll den wachsenden Bedarf der europäischen Unternehmen an Sprachdienstleistungen erheben und die bestehenden sprachbezogenenen Dienstleistungen und Mittel analysieren. Dazu ist ein Fragebogen für Unternehmen im Internet verfügbar. Ein weiteres Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung von Sprachen in der Geschäftswelt zu wecken und Online-Anwendungen zur Unterstützung der sprachlichen Bedürfnisse der Geschäftsanwender zu entwickeln.

CELAN hat am 1. Januar 2011 seine zweijährige Arbeit zur Förderung des Dialogs zwischen Wirtschaft und Sprachpraktikern begonnen und läuft 24 Monate. CELAN ist mitfinanziert durch das Programm für “Lebenslanges Lernen” der Europäischen Kommission. Weitere Informationen finden Sie hier.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: celan-platform.eu; ec.europa.eu. Bild: Archiv.]

EU stärkt Rechte von Verbrechensopfern

Wer im europäischen Ausland bestohlen oder überfallen wird, soll zukünftig praktische Hilfe und erhalten und schneller entschädigt werden. Schließlich haben alle Opfer überall dieselben Bedürfnisse: Achtung und würdige Behandlung, Schutz und Unterstützung sowie Zugang zur Justiz, Schadensersatz und Wiedergutmachung.

Vergangenen Mittwoch, am 18. Mai 2011, präsentierte die EU-Justizkommissarin Viviane Reding (Bild) in Brüssel ihren Gesetzesvorschlag zum verbesserten Schutz von Verbrechensopfern. Diese sollen künftig im EU-Ausland, wie mutmaßliche Täter, das Recht auf einen Dolmetscher oder auf Übersetzungen von Akten haben. Außerdem fordert Reding, dass die Opfer über Ermittlungsschritte oder eine Anklageerhebung informiert werden. Wenn das Opfer an einem Prozess teilnehmen will, sollen die Reisekosten übernommen werden. Polizisten sollen besser geschult werden, damit die Betroffenen, die der jeweiligen Sprache nicht mächtig sein, über die Situation und ihre Rechte auf dem Laufenden gehalten werden. Eine gute Betreuung durch die Polizei soll dafür sorgen, dass es nicht zu Sprachverwirrungen und Frust kommt. Vorgesehen sind EU-weite Mindeststandards für alle 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. “Diese Menschen dürfen nicht ein zweites Mal zu Opfern werden”, erklärte die EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft. Der Entwurf gilt sowohl bei Verbrechen als auch bei Unfällen. Ziel der Richtlinie soll es sein, dass sich die Menschen überall in der Europäischen Union auf eine respektvolle und würdige Behandlung sowie auf grundlegende Rechte verlassen und diese in Anspruch nehmen können. Sie sollen in die Justiz vertrauen. Dem Vorschlag müssen noch der EU-Ministerrat und das Europaparlament zustimmen.

Zudem strebt die EU-Behörde einen einheitlichen Opferschutz an. Reding nannte Großbritannien als leuchtendes Vorbild. Mit dem “Victim Support System” sei ein starker Schutz für die Opfer von Straftaten gewährt. Besonders schlecht sei die Lage hingegen in Spanien. Reding sprach sich ferner dafür aus, dass Stalking-Opfer in der gesamten EU vor den Nachstellungen ihrer Verfolger geschützt werden. Das betrifft insbesondere Frauen, die von ihrem Ehemann oder Partner belästigt werden, aber auch Opfer von Überfällen. Wenn sie innerhalb der EU umziehen, sollen gerichtliche Anordnungen zu ihrem Schutz (wie beispielsweise Besuchsverbot oder Meldepflicht) auch auf das europäische Ausland übertragen werden.

Nach Angaben der EU-Kommission werden jährlich schätzungsweise 75 Millionen Menschen Opfer eines Verbrechens in der EU. Dies entspricht 15 Prozent der Bevölkerung. Oftmals seien Bürger bei Auslandsreisen betroffen. Die Folgekosten in der EU beliefen sich auf 233 Milliarden Euro pro Jahr.

Unter den Mitgliedsstaaten ist die konkrete Umsetzung der Maßnahmen umstritten, da die Anordnung in einigen Ländern Teil des Zivilrechts, in anderen hingegen Teil des Strafrechts ist. Trotz allem gab sich Reding zuversichtlich: “Die Mitgliedsstaaten werden ihre Blockadehaltung aufgeben.”

[Text: Jessica Antosik. Quellen: ec.europa.eu; focus.de, 18.05.2011; berlinonline.de, 19.05.2011. Bild: wikipedia.de.]

Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 – Sprachbarrieren bleiben

Am Tag der Arbeit öffnet sich nun nach sieben Jahren der deutsche Arbeitsmarkt auch für Bürger aus acht osteuropäischen Ländern. Die Arbeitskräfte aus denjenigen Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind (ausgenommen Malta und Zypern), dürfen ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland kommen. Deutschland braucht qualifizierte Zuwanderer. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Arbeitnehmerfreizügigkeit als “ganz große Chance”. “Ich bin überzeugt, dass die Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten unserer wirtschaftlichen Entwicklung helfen werden.”, so von der Leyen. Doch nun stellt sich die Frage, ob auch wirklich diejenigen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn kommen werden, die hier gebraucht werden. Ist die Sorge vor Lohndumping berechtigt? Wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit den Mangel an Hochqualifizierten lediglich lindern oder lösen? Deutschland hat darauf keinen Einfluss, da die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU für jede Arbeitskraft gilt. Die Bundesarbeitsministerin erwartet keinen großen Ansturm: “Wir rechnen mit rund 100.000 Personen. Die meisten, die kommen werden, sind jung und gut qualifiziert.” Wer die Absicht habe, schwarz arbeiten zu wollen, sei bereits in Deutschland.

Die Schranken am Arbeitsmarkt gehen hoch, die Sprachbarrieren indes bleiben bestehen. Štefan Duhán, Vize-Chef der tschechischen Arbeitsmarktverwaltung, äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Die Arbeitsmarktöffnung hat mehr psychologische als praktische Wirkung und wird von der tschechischen Bevölkerung sehr positiv aufgenommen.” Duhán erklärt, dass die größten Hindernisse in fehlenden Sprachkenntnissen liegen. Außerdem habe sich das Lohnniveau z.B. in Ungarn und Slowenien stark dem österreichischen angenähert. Der slowakische AMS-Chef Ivan Juráš rechnet jedoch mit starken Auswirkungen auf die Grenzgebiete. “Die Bereitschaft von Bratislava nach Wien zu pendeln ist traditionell sehr groß.” Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise sagt: “In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden sich deutsche Arbeitnehmer auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen.” Zudem ist Weise folgender Ansicht: “Deutschland ist weniger attraktiv, als viele glauben. Junge, gut ausbildete Osteuropäer gehen oft lieber nach England, wo sie auch geringere Sprachprobleme haben.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: kurier.at, 27.04.2011; faz.net, 30.04.2011; de.news.yahoo.com, 23.04.2011. Bild: wikipedia.de.]

Europäisches Patentamt und Google beseitigen Sprachbarrieren für Europas Erfinder

Benoît Battistelli und Benoît Battistelli
Der Präsident des Europäischen Patentamts, Benoît Battistelli (links), und der belgische Google-Chef Antoine Aubert freuen sich über die Vereinbarung, von der beide Seiten profitieren

Das Europäische Patentamt (EPA) und Google haben am 24.03.2011 eine langfristige Kooperationsvereinbarung für die maschinelle Übersetzung von Patenten in verschiedene europäische, slawische und asiatische Sprachen unterzeichnet.

Im Rahmen dieser Partnerschaft wird das EPA Google Translate nutzen, um auf seiner Website Patentübersetzungen in 28 europäische Sprachen sowie in Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Russisch anzubieten. Im Gegenzug erhält Google Zugriff auf den kompletten EPA-Bestand an übersetzten Patenten und kann so seine Übersetzungstechnologie in Bezug auf den speziellen Sprachgebrauch in Patenten weiter verbessern. Bei der Vereinbarung, die nicht exklusiv ist, spielen finanzielle Aspekte keine Rolle.

Ab diesem Jahr können Unternehmen, Erfinder und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit auf der EPA-Website - zu Informations- oder Recherchezwecken - in den EPA-Amtssprachen Deutsch, Englisch und Französisch nach Patenten suchen und sie dann direkt in eine andere Amtssprache übersetzen lassen. Das Angebot soll schrittweise um weitere europäische Sprachen sowie um Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Russisch ergänzt werden. Der Abschluss des Projekts ist für 2014 geplant.

Durch die Partnerschaft zwischen dem EPA und Google lassen sich Millionen von Patenten, die in Europa, China, Japan, Korea und Russland erteilt wurden, kostenlos in Echtzeit übersetzen. Europäische Erfinder erhalten damit die Möglichkeit, Patente, die für sie relevant sind, gleichzeitig in allen EPA-Sprachen zu durchsuchen, was ihnen einen erheblichen Zeit- und Kostenvorteil bei ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit verschafft.

„Die maschinelle Übersetzung hilft, Sprachbarrieren zu überwinden und die in Patenten enthaltenen Informationen weltweit zugänglich und verfügbar zu machen. Das neue Übersetzungstool ist ein weiterer Schritt zur Stärkung der Innovation in Europa und erlaubt es den europäischen Unternehmen, mit ihren Wettbewerbern in anderen Regionen gleichzuziehen. Außerdem bin ich überzeugt, dass es eine Einigung beim Einheitspatent erleichtern wird“, so der EPA-Präsident Benoît Battistelli.

„Erfinder, Wissenschaftler und Innovatoren in ganz Europa werden von diesem Projekt stark profitieren, denn der Zeitaufwand für ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten dürfte sich deutlich verkürzen, wenn sie den gesamten EPA-Bestand an europäischen, asiatischen und russischen Patenten in ihrer Muttersprache durchsuchen können“, sagt der Brüsseler Google-Chef Antoine Aubert. „Google Translate wurde entwickelt, um Sprachbarrieren abzubauen. Die Zusammenarbeit mit dem EPA wird genau dazu beitragen - für alle Europäer, egal welcher Muttersprache.“

Der große geografische Geltungsbereich der Vereinbarung unterstreicht die Rolle des EPA als führendem Anbieter der in Patenten enthaltenen technischen Information. Seit 1998 hat es sich das EPA zur Politik gemacht, die technischen Daten aus seinen Recherchensammlungen offen zu verbreiten. Darüber hinaus veröffentlicht es in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten auch nationale Patentsammlungen.

Seit 2004 ist das EPA auf dem Gebiet der maschinellen Übersetzung aktiv, um die wachsende Herausforderung zu bewältigen, die darin besteht, die Patentdaten in seinen Amtssprachen zugänglich zu machen. Die maschinelle Übersetzung ist außerdem zu einem wichtigen Instrument zur Verbreitung europäischer Patentdaten für die breite Öffentlichkeit und für spezialisierte Nutzer von Patentinformation geworden.

Europäisches Patentamt
Das Europäische Patentamt (EPA) hat den Auftrag, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum zum Nutzen der Bürger Europas zu fördern. Seine Aufgabe besteht darin, auf der Grundlage eines zentralisierten Verfahrens für die Vertragsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ), das am 5. Oktober 1973 in München unterzeichnet wurde und am 7. Oktober 1977 in Kraft trat, europäische Patente für Erfindungen zu erteilen.

Google Inc.
Googles innovative Suchtechnologie sorgt jeden Tag aufs Neue dafür, dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt die von ihnen benötigten Informationen finden. 1998 von den Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergey Brin gegründet, ist Google mittlerweile auf allen wichtigen Märkten der Welt an erster Stelle im Web präsent. Das zielgerichtete Werbeprogramm von Google bietet Unternehmen aller Größenordnungen messbare Ergebnisse und verbessert gleichzeitig die allgemeine Web-Erfahrung für die Nutzer. Das Unternehmen mit Hauptsitz im Silicon Valley verfügt über ein Netz von Niederlassungen in ganz Amerika, Europa und Asien.

[Text: Rainer Osterwalder. Quelle: Pressemitteilung Europäisches Patentamt, 2011-03-24. Bild: Europäisches Patentamt.]

Juvenes-Translatores-Sieger 2010

Die Gewinner des vierten Übersetzungswettbewerbs Juvenes Translatores der Europäischen Kommission stehen fest. Von den 17-jährigen Schülern der 65 ausgewählten deutschen Schulen, die an dem Wettbewerb teilnahmen, wird Bianca Niedermeier vom Gymnasium St. Christophorus in Werne ausgezeichnet. Die Übersetzung der Schülerin können Sie hier als Pdf-Datei abrufen. Insgesamt übersetzten rund 3.000 Schüler aus ganz Europa innerhalb von zwei Stunden einen knapp einseitigen Text aus einer EU-Sprache in eine andere. Die Liste aller Gewinner des JT 2010 können Sie hier öffnen, die zu übersetzenden Texte im Jahr 2010 hier.

Die 27 begabten Nachwuchslinguisten können sich auf eine Reise nach Brüssel vom 6.–8. April 2011 freuen. Auf dem Programm stehen u.a. eine feierliche Preisverleihung sowie ein Treffen mit Übersetzern der Europäischen Kommission. Die Europäische Kommission 2007 veranstaltete den Wettbewerb im Jahr 2007 zum ersten Mal, um für das Sprachenlernen und den Übersetzerberuf zu werben, außerdem aufgrund der steigenden Nachfrage an Übersetzern sowohl in den EU-Institutionen als auch in ganz Europa.

EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou (Bild) teilte eine Steigerung der Teilnehmerzahlen um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr mit und deutete dies als Anzeichen für eine zunehmende Bedeutung des Sprachenlernens in Europa. “Sprachenlernen öffnet Türen, trägt zur Entwicklung junger Menschen bei und macht es ihnen leichter, einen Arbeitsplatz zu finden”, so Vassiliou.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.ec.europa.eu/translatores; www.nachrichten.t-online.de.
Bilder: www.ec.europa.eu/translatores.; EU.]

Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission

Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen KommissionAuf 82 Seiten hat die EU-Kommission die Geschichte ihres Übersetzungsdienstes zusammengefasst. Karl-Johan (Juhani) Lönnroth, seit 2004 Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzung, würdigt im Vorwort den Beitrag der Übersetzer beim Aufbau der Europäischen Union:

Die Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission ist vor allem die Geschichte von Frauen und Männern, die durch ihren persönlichen Einsatz zur Schaffung der Europäischen Union beigetragen haben. Ohne die Brücken der Übersetzung wäre eine Union zwischen den europäischen Völkern nicht vorstellbar gewesen. […]

Während die Mehrsprachigkeit der Gemeinschaft anfangs eher notgedrungen als pragmatische Lösung hingenommen wurde, ist sie heute ein Alleinstellungsmerkmal und ein Grundprinzip der Europäischen Union. Und natürlich spielt die Übersetzung bei der Wahrung der europäischen Identität eine zentrale Rolle.

Im Laufe dieser fünf Jahrzehnte hat es der Übersetzungsdienst stets verstanden, mit Flexibilität und Innovationsfähigkeit die ungezählten Herausforderungen zu meistern, so dass die EU heute mit ihren 27 Mitgliedstaaten noch ebenso gut funktioniert wie früher mit sechs. Er hat unter Beweis gestellt, dass er den verschiedensten Anforderungen gerecht werden kann, und mit eben dieser Kompetenz und Professionalität wird er sich auch künftigen Herausforderungen stellen. […]

Mit Hilfe der Übersetzer lässt sich das babylonische Sprachengewirr unter Kontrolle halten. Fleißig und unauffällig arbeiten sie für die europäische Idee. Sie beweisen Können und Kreativität, wenn sie neue Gemeinschaftskonzepte in alle europäischen Sprachen übertragen und so für eine weite Verbreitung der europäischen Botschaft sorgen.

Die Anfänge des heute größten Übersetzungsdienstes der Welt waren bescheiden:

Ein Dokument der Hohen Behörde aus dem Jahr 1953 erwähnt eine Gesamtzahl von 35 Übersetzern und Überprüfern (10 Überprüfer auf 25 Übersetzer), aufgeteilt nach Sprachen. Schon von Anfang an besteht neben den vier Sektionen für die Amtssprachen eine englische Sektion, da diese Sprache weltweit in der Schwerindustrie, in der wissenschaftlichen und technischen Literatur sowie im Kohle- und Stahlhandel, insbesondere bei den großen englischen und amerikanischen Handelspartnern, am häufigsten verwendet wird.

Die deutsche Sektion umfasst 12 Übersetzer, die französische 10, die italienische 5, die niederländische 6 und die englische 2. Die Übersetzer des Sprachendienstes der Hohen Behörde werden gelegentlich von externen Übersetzern unterstützt. […]

Den Übersetzern steht ein Pool von Stenograf(inn)en und von Schreibkräften zur Seite, die die Übersetzungen aufnehmen bzw. mit der Schreibmaschine zu Papier bringen. Ein Planungsbüro (Planning) erfasst die ein‑ und ausgehenden Dokumente und überwacht den Fortschritt der Übersetzungs- und Schreibarbeiten. Die Auswahl des Übersetzungspersonals überlässt man damals dem Dienstleiter.

Europäische Kommission (2009): Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union.
79 Seiten, ISBN 978-92-79-08848-3.

Das Buch können Sie sich kostenlos als PDF-Datei im EU Bookshop herunterladen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Generaldirektion Übersetzung. Bild: Amt für Veröffentlichungen.]

Sieg vor Gericht: EU-Sprachmittler erhalten 3,7 Prozent mehr Gehalt

„Brüsseler Beamte kassieren ab“, titelt der Mannheimer Morgen. „Ob Dolmetscher oder Generaldirektor – alle bekommen für das vergangene Jahr eine Erhöhung ihres Gehalts um 3,7 Prozent. Das hat gestern [24.11.2010] der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden. Damit haben die EU-Regierungen eine Schlappe erlitten.“ Diese wollten die alljährliche Gehaltserhöhung wegen der schlechten Wirtschaftslage halbieren.

Inge GräßleInge Gräßle (Bild) aus Heidenheim, CDU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, schimpft: „Ich habe keine Lust, mich von meinen Wählern dafür verantwortlich machen zu lassen, dass die Beamten in Brüssel so viel Geld verdienen.“ Die EU-Haushaltsexpertin rechnet vor, dass ein Durchschnittsbeamter auf 4.400 Euro brutto kommt. Netto falle der Vergleich mit Staatsdienern in Deutschland noch vorteilhafter aus. Letztendlich verfügten EU-Beamte über das 2,3-Fache Einkommen ihrer deutschen Kollegen. Deshalb verdiene ein Saaldiener mehr als jeder EU-Abgeordnete. Ein Generaldirektor in den EU-Institutionen erreiche bis zu 19.000 Euro monatlich. Außerdem gebe es viele Zulagen. „Wenn sie schon so viel verdienen, könnten die EU-Beamten ja auch wenigstens 40 statt 37,5 Stunden in der Woche arbeiten“, schlägt Gräßle vor. Auch sei es sinnvoll, das Pensionseintrittsalter von 63 auf 65 Jahre zu erhöhen.

Mehr zum Thema auf uepo.de
EU-Übersetzer wollen mehr Geld. BILD fordert: “Stoppt die Gier!”

[Text: Richard Schneider. Quelle: Mannheimer Morgen, 2010-11-25. Bild: Gräßle.]

EU-Studie belegt: Übersetzungsbranche krisenfest

EUDie Sprachindustrie leidet weniger stark unter der Wirtschaftskrise als andere Branchen, so das Fazit einer Studie, die im Auftrag der Europäischen Kommission vom britischen Unternehmen The Language Technology Centre Ltd durchgeführt wurde. Die Studie, die erstmals den Umfang der Sprachindustrie in der gesamten EU untersucht, beschäftigt sich mit Übersetzen und Dolmetschen, Lokalisierung und Globalisierung, Untertitelung und Synchronisierung, technischen Hilfsmitteln, Organisation mehrsprachiger Konferenzen sowie Sprachunterricht.

Der Umsatz der Branche wird auf EU-weit 8,4 Mrd. Euro im Jahr 2008 beziffert. Dieser Betrag wird in den nächsten fünf Jahren um mindestens 10 % Prozent jährlich steigen und bis 2015 eine Höhe von 16,5 bis 20 Mrd. Euro erreichen. Damit verzeichnet die Sprachindustrie eine der höchsten Wachstumsraten in der EU.

„Die Sprachindustrie ist sowohl wirtschaftlich als auch strategisch wichtig. Wirtschaftlich wegen ihrer Größe, ihrer Widerstandskraft in der derzeitigen Krise und ganz besonders wegen ihres Entwicklungspotenzials. Strategisch, weil sie unverzichtbar ist für die Bewahrung der Identität und Kultur der Menschen und das Zurechtkommen in einer globalisierten Welt. Die vorliegende Studie zeichnet ein genaues Bild der Sprachindustrie in der EU und rückt sie in das Zentrum der Aufmerksamkeit auf dem Arbeitsmarkt“, kommentierte Leonard Orban, EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit.

Charakteristisch für den Sprachenmarkt sind einerseits die wachsende Konsolidierung bei den Großen der Branche und andererseits niedrige Eintrittsschwellen in den Bereichen Übersetzen und Dolmetschen. Dadurch sind viele Anbieter am Markt und es entsteht ein intensiver Wettbewerb. Außerdem erfordert die Globalisierung das Übersetzen und Dolmetschen in neue Sprachen sowie innovative sprachbezogene Dienstleistungen.

„Die Branche hat sich in den letzten Jahren verändert. Neue Bereiche wie Untertitelung, Lokalisierung und Editing verzeichnen ein deutliches Wachstum. Somit müssen sich die Beschäftigten des Sprachsektors neue Qualifikationen aneignen. Die Europäische Kommission unterstützt die Entwicklung solcher Kompetenzen, z. B. durch die Förderung des European Master’s in Translation“ , so Kommissar Orban.

Die Analyse stützt sich auf Fragebögen, die an Berufsverbände, nationale Behörden, Einzelpersonen, Anbieter von Sprachdienstleistungen sowie Sprachendienste verschickt wurden. Es gingen mehr als 1.000 Antworten ein. Die Studie umfasst auch länderspezifische Faktenblätter zu allen analysierten EU-Mitgliedstaaten.

Text der Studie (426 Seiten, liegt nur auf Englisch vor)

[Text: GD Übersetzung. Quelle: Pressemitteilung GD Übersetzung, 2009-11-27. Bild: EU.]

Deutsch spielt fast keine Rolle mehr in der EU

Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Vizechef der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, sagte immer wieder, dass bei den Auswahlverfahren für die bis zu 8000 Arbeitsplätze im Auswärtigen Amt, neben Englisch- und Französisch-, auch Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle spielen sollten. Schließlich gehört Deutsch zu den drei Amtssprachen der Europäischen Union. Zudem ist Deutsch die Muttersprache eines Fünftels der Bewohner der Gemeinschaft.
Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle schrieb Singhammer Anfang Juni, dass die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, Catherine Ashton, ihm zugesichert hat, der deutschen Sprache eine außerordentliche Bedeutung zukommen zu lassen. Anfang August bekam Singhammer Post vom Auswärtigen Amt. Im Brief stand, dass “Fremdsprachenkenntnisse, auch des Deutschen, eine wichtige Einstellungsvoraussetzung für den EAD sein werden”.

Ende August allerdings kam die bittere Enttäuschung: Singhammer musste in einem weiteren Schreiben des Auswärtigen Amts lesen, dass in den ersten Stellenausschreibung für den Europäischen Auswärtigen Dienst keine Deutschkenntnisse gefordert wurden. Singhammer fordert jetzt, dass das Auswärtige Amt sich an die Abmachung hält. Immerhin investiert Deutschland das meiste Geld in den Diplomatendienst. Das AA versicherte ihm, dass “das Ziel, die deutsche Sprache im EAD insgesamt als privilegierte Sprache zu verankern”, bestehen bleibe.

Dennoch stehen die Chancen eher schlecht. Deutsch spielt bei der EU nur eine Nebenrolle, da nur 2,8 Prozent der Ausgangstexte auf Deutsch sind. Englisch spielt mit 72 Prozent mit Abstand die Hauptrolle. Französisch liegt bei 14 Prozent. Es passiert immer wieder, dass wichtige Dokumente nicht ins Deutsche übersetzt werden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat deswegen bereits empört Unterlagen nach Brüssel zurückgeschickt.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Welt Online, 13.09.2010. Bild: EU]

EU wirbt um deutschsprachige Übersetzer

EUWie schon am 21. Juli berichtet wurde, sucht die Europäische Union dringend deutschsprachige Übersetzer für den weltweit größten Übersetzungsdienst. Derzeit sind in Brüssel 33 Stellen vakant. Vorausgesetzt werden natürlich perfekte Deutschkenntnisse sowie sprachliche Kreativität, denn oftmals müssen Worte beschrieben oder gar neu erfunden werden.

Die EU startete vor einiger Zeit einen Aufruf mit dem provokanten Titel: „Deutsch - vom Aussterben bedroht?“ Andrea Dahmen, Referatsleiterin bei der EU, sieht jedoch kein besorgniserregendes Nachwuchsproblem für die deutsche Sprache, da es mittlerweile immer mehr Übersetzer-Studiengänge in Deutschland gibt.

Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise werden insbesondere Spezialisten aus dem Bereich Wirtschaft und Finanzen gesucht. Das Einstiegsgehalt beläuft sich auf 4200 Euro (netto). Das überschreitet natürlich den Standard in diesem Beruf. Bereits im 18. Jahrhundert wurde den Übersetzern allerdings vorgeworfen, sie verdienen zu viel. Lessing sagte Folgendes: „Unsere Übersetzer verstehen selten die Sprache; sie wollen sie erst verstehen (lernen); sie übersetzen, [um] sich zu üben, und sind klug genug, sich ihre Übungen bezahlen zu lassen.“

Vor dem Hintergrund, dass Übersetzer über alle möglichen Themen übersetzen müssen, von Energieverfahrenstechnik über Tiermedizin bis hin zur Reinigung der Kanalisation, sei die Frage, ob es der Wahrheit entspricht, was Lessing seinerzeit gesagt hat, mal dahin gestellt.

Zu diesem Thema hat u.a. der Soester Anzeiger einen längeren Artikel veröffentlicht.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Soester Anzeiger, 02.08.2010. Bild: EU.]