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Archiv der Kategorie Fremdsprachen

Expolingua Berlin 2010 - 23. Internationale Messe für Sprachen und Kulturen

expolinguaRund fünfzig Sprachen können Besucher der Expolingua Berlin vom 19. bis 21. November kennen lernen. Auf Deutschlands einziger internationaler Messe für Sprachen und Kulturen stellen in diesem Jahr 200 Aussteller aus 30 Ländern ihre Angebote zum Fremdsprachenlernen und -lehren vor. Neben Weltsprachen wie Englisch, Chinesisch und Spanisch sind auch zahlreiche exotische Sprachen wie Finnisch, Esperanto oder Bulgarisch vertreten. Veranstaltungsort ist das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte.

Aussteller der Expolingua Berlin sind hauptsächlich Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter und Austauschorganisationen sowie Botschaften, Kulturinstitute und Verlage. Diesmal aber stellen auch u.a. der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V., Arabterm (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH) und der Verein Deutsche Sprache e.V. aus.  Das umfangreiche Vortragsprogramm steht allen Besuchern offen. Experten informieren hier zu Sprachtests, Sprachunterricht, Lernmethoden, Austauschprogrammen, Studienmöglichkeiten sowie Fremdsprachenberufen. Zudem werden Mini-Sprachkurse angeboten. Im Kulturprogramm der Messe gibt es fremdsprachige Filme, Theater und Musik.

Die Messe richtet sich an Schüler, Studenten, Auszubildende und Berufstätige mit Interesse an sprachlicher Weiterbildung sowie Lehrer, Dozenten, Dolmetscher, Übersetzer und alle anderen Sprach- und Kulturinteressierten.

Weitere Informationen zur Expolingua Berlin gibt es im Internet unter:
www.expolingua.com

[Text: ICWE GmbH (Veranstalter). Quelle: Pressemitteilung ICWE GmbH, 08.07.2010.]

Schon wieder: Deutschlandkorrespondenten sprechen kein Deutsch

Mike LazaridisVorgestern hatte der kanadische Mobiltelefonhersteller Research in Motion (RIM) zur Präsentation des ersten in Deutschland entwickelten BlackBerry-Modells in sein Bochumer Forschungszentrum geladen.

Zunächst hielt RIM-Gründer Mihal „Mike“ Lazaridis (Bild rechts) eine einstündige Ansprache an die versammelte Wirtschaftspresse – in seiner Umgangssprache Englisch. (Lazaridis wurde als Sohn von Griechen in der Türkei geboren. Die Familie flüchtete nach Kanada, als Lazaridis fünf Jahre alt war.) Anschließend sprach eine halbe Stunde lang Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, Bild unten), und zwar ebenso selbstverständlich in seiner Muttersprache Deutsch.

Während sich die Deutschen nicht über den englischen Vortrag beschwert hatten, gab es nun aber heftige Proteste der anwesenden englischen Muttersprachler gegen den deutschen Beitrag. Die Tageszeitung Die Welt berichtet über die Rede Lammerts:

Bei den ausländischen Pressevertretern sorgte dies aber für Irritationen, da RIM keine Übersetzung eingerichtet hatte. Als eine ausländische Journalistin Lammert in seiner Rede unterbrach und ungehalten darauf aufmerksam machte, dass sie kein Deutsch verstehe, antwortete Lammert auf Englisch, dass man in Deutschland nun einmal „meistens“ Deutsch spreche. Er sei aber gerne bereit, ihr das Gesagte im Anschluss zu übersetzen. Anschließend setzte Lammert seine Ausführungen auf Deutsch fort.

Norbert LammertWie schon bei Westerwelles Pressekonferenz nach der Bundestagswahl war auch bei RIM in Bochum zu beobachten, dass es Medien gibt, deren Deutschlandkorrespondenten kein Wort Deutsch sprechen. Das ist ungefähr so, als ob die Feuilleton-Redaktion einen Blinden zu einer Vernissage oder einen tauben Reporter in ein Konzert der Berliner Philharmoniker schicken würde.

Weder Lazaridis noch Lammert haben Probleme mit Fremdsprachen, britische, amerikanische und kanadische Journalisten aber offenbar schon.

Links zum Thema auf uepo.de
Muss ein deutscher Außenminister fließend Englisch sprechen? Die “Affäre” Westerwelle
Fremdsprachenkenntnisse in Europa: Kleine Länder hui, Großbritannien pfui

[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt, 2009-10-21. Bild: RIM, Deutscher Bundestag.]

BDÜ wünscht “frohe Weihnachten” in 60 Sprachen

Wegen der großen Nachfrage stellt der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) auch dieses Jahr wieder seine beliebte „Weihnachtsdatenbank“ online. Dort steht die Übersetzung der Festtagsgrüße in über 60 Sprachen dieser Welt.

Neben der Übersetzung von „Frohe Weihnachten“ in den gängigen europäischen Sprachen finden sich dort auch exotischere Weihnachtsgrüße – zum Beispiel in den Sprachen Indonesisch, Nepalesisch oder Kikuyu. Der besondere Clou der Weihnachtsdatenbank ist die Technik dahinter: Weil für viele Sprachen spezielle Schriftsätze nötig sind, stehen die Grüße als fertige Text- beziehungsweise Grafikdatei zum Herunterladen bereit. Die Nutzung ist kostenfrei.

Johann J. Amkreutz„Unsere Weihnachtsaktion kommt sehr gut an“, weiß BDÜ-Präsident Johann J. Amkreutz (Bild). Im letzten Jahr habe der Verband Dankesbekundungen von vielen Privatpersonen und Geschäftsleuten erhalten. Amkreutz: „Wir freuen uns, mit dieser Aktion einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.“ (Die zu den Festtagen passende Kopfbedeckung hat Uepo.de ins Bild kopiert. Verbandspräsidenten pflegen selbstverständlich nicht kostümiert herumzulaufen - außer vielleicht am Heiligen Abend für die Enkelkinder.)

All jene, die individuelle Weihnachtsgrüße verschicken möchten, finden auf der BDÜ-Website außerdem die Kontaktdaten von 5.900 Übersetzern für über 80 Sprachen.

BDÜ
Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Mitglieder sind hoch und werden vor der Aufnahme in den Verband überprüft.

Die internationalen Weihnachtsgrüße und weitere Informationen zum BDÜ finden Sie unter www.bdue.de.

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2009-10-21. Bild: Richard Schneider (Fotomontage).]

Fremdsprachenkenntnisse in Europa: Kleine Länder hui, Großbritannien pfui

EU-FlaggeDer “Europäische Tag der Sprachen” wird in jedem Jahr am 26. September gefeiert. Damit soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Fremdsprachenerwerbs sensibilisiert werden. Ferner soll die reiche sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas gefördert und das lebenslange Lernen innerhalb und außerhalb der Schule unterstützt werden. Im Rahmen der Lissabon-Strategie wurde die Förderung des Sprachenerwerbs in der Europäischen Union als Schlüsselfaktor anerkannt, und der Europäische Rat legte 2002 in Barcelona das Ziel fest sicherzustellen, dass alle Schüler schon früh zumindest zwei Fremdsprachen lernen.

Dies nimmt Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften, zum Anlass, Daten zum Sprachenerwerb von Schülern und zu Sprachkenntnissen von Erwachsenen auf der Basis ihrer Selbsteinschätzung zu veröffentlichen.

In der EU lernten 60 % der Schüler der Sekundarstufe II im Jahr 2007 zwei oder mehr Fremdsprachen und ein Drittel lernte eine Fremdsprache, während 6 % sich keine Fremdsprache aneigneten.

Der Selbsteinschätzung der eigenen Sprachkenntnisse zufolge sagten 28 % der EU-Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren im Jahr 2007, sie sprechen zwei oder mehr Fremdsprachen und 36 % eine Fremdsprache, während 36 % angaben, keine Fremdsprache zu sprechen.

Tschechien, Luxemburg, Niederlande und Finnland vorbildlich

Die höchsten Anteile von Schülern, die 2007 zwei oder mehr Fremdsprachen lernten, waren in der Tschechischen Republik, in Luxemburg, den Niederlanden und in Finnland (je 100 % der Schüler der Sekundarstufe II), in Slowenien und der Slowakei (je 98 %) sowie in Estland (97 %) zu finden.

Die höchsten Anteile von Schülern, die eine Fremdsprache lernten, wurden in Griechenland (92 % im Jahr 2006), Italien (74 %), Irland (73 %), Spanien (68 %), Malta (60 %) und Ungarn (57 %) beobachtet.

Großbritannien Schlusslicht 

Mehr als die Hälfte (51 %) der Schüler der Sekundarstufe II im Vereinigten Königreich lernten keine Fremdsprache, gefolgt von Irland (19 %).

Englisch führende Fremdsprache 

In allen Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, wird in der Sekundarstufe II Englisch am häufigsten gelernt. Ausnahmen bilden Luxemburg, wo Englisch, Französisch und Deutsch gleichwertig sind, sowie Irland und das Vereinigte Königreich, wo Französisch am stärksten vertreten ist.

In 14 der 21 Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, war Englisch die am meisten verbreitete Fremdsprache bei Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren. In Bulgarien, den baltischen Staaten und Polen war Russisch am stärksten vertreten.

Im Jahr 2007 waren die höchsten Anteile der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren, die nach eigener Einschätzung zwei oder mehr Fremdsprachen beherrschten, in Slowenien (72 %), der Slowakei und Finnland (je 68 %), in Litauen (66 %), Estland (56 %) und Lettland (55 %) zu finden.

Das Vereinigte Königreich (65 %), Zypern (59 %), Österreich (50 %), Griechenland und Schweden (je 45 %) wiesen den höchsten Anteil derer auf, die angaben, eine Fremdsprache zu sprechen.

Die höchsten Anteile derer, die keine Fremdsprache sprechen, wiesen Ungarn (75 %), Portugal (51 %), Spanien (47 %), Bulgarien (44 %) und Griechenland (43 %) auf.

[Text: Eurostat. Quelle: Pressemitteilung 137/2009, 2009-09-24. Bild: EU.]

Muss ein deutscher Außenminister fließend Englisch sprechen? Die “Affäre” Westerwelle

Guido WesterwelleHohe Wellen schlug die Weigerung des FDP-Spitzenkandidaten Guido Westerwelle (Bild), auf der ersten Pressekonferenz seiner Partei nach der gewonnenen Bundestagswahl eine Frage in englischer Sprache zuzulassen und zu beantworten. Ein nicht Deutsch sprechender Korrespondent der BBC hatte darum gebeten. Westerwelle lehnte den Wunsch lächelnd, aber sehr bestimmt ab. Der folgende Mitschnitt von Phoenix zeigt auch den Korrespondenten James Coomarasamy und dessen Dolmetscherin im Bild: http://www.youtube.com/watch?v=R4pQlkshzm4

Daraufhin hagelte es in der Blogosphäre und der Presse teils hämische, teils entsetzte Kommentare. Tenor: Das sei peinlich und arrogant gewesen und außerdem müsse jemand, der Außenminister werden wolle, Englisch sprechen können. Die Kritiker verwiesen zudem auf ein drei Jahre altes Filmchen, das Westerwelle ebenfalls auf einer Pressekonferenz zeigt. Dort versucht er, auf Englisch zu antworten und ringt oft sekundenlang um Worte: http://www.youtube.com/watch?v=lLYGPWQ0VjY

Zu Westerwelles Sprachkenntnissen ist zu sagen: Das ist halt Schulenglisch. Außerdem hat Guido noch den Knoten im Kopf, der alle Fremdsprachenlerner, die sich nicht blamieren wollen, daran hindert, unverkrampft draufloszureden. Dieser Knoten platzt gewöhnlich bei einem mehrmonatigen oder gar mehrjährigen Auslandsaufenthalt im Studium oder Beruf. Eine Erfahrung, die Westerwelle fehlt.

Über seinen vergleichsweise leichten Akzent braucht er sich keine Gedanken zu machen. Dass dies keine Behinderung ist und sich sogar zum Markenzeichen entwickeln kann, zeigen Ruth Westheimer („Dr. Ruth“) und Arnold Schwarzenegger.

Dass Westerwelle seine sprachlichen Grenzen kennt, ist lobenswert. Als künftiger Minister kann er das Dolmetschen bis auf Weiteres denen überlassen, die dafür ausgebildet wurden – den Dolmetschern des Auswärtigen Amts.

Muss ein Außenminister fließend Englisch sprechen können?

Die grundsätzliche Frage lautet, ob ein Außenminister die englische Sprache fließend beherrschen muss. Klare Antwort: Nein - auch wenn es natürlich von Vorteil ist. „Mit gutem Deutsch und schlechtem Französisch kommt man überall durch“, meinte einst Theodor Fontane.

Es sei an Hans-Dietrich Genscher erinnert, der sich, als er 1974 für das Amt des Außenministers im Gespräch war, genau dieselben Vorwürfe anhören musste. Er wurde gefragt, ob er außer Sächsisch noch eine andere Fremdsprache beherrsche.

Genscher reagierte damals allerdings schlagfertiger als Westerwelle: „Ich bewerbe mich um das Amt des Außenministers, nicht um das des Dolmetschers.“ Bekanntlich hat „Genschman“ dann achtzehn Jahre lang die Bundesrepublik würdig im Ausland vertreten und gilt als bester deutscher Außenminister seit Gustav Stresemann (1923-1929, Friedensnobelpreis 1926). „Mein Verhältnis zur englischen Sprache ähnelt dem zu meiner Frau: Ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht“, sagte Genscher später einmal.

Im Rahmen der aktuellen Diskussion meldete sich der ehemalige Außenminister und heutige Ehrenvorsitzende der FDP ebenfalls zu Wort und wiederholte in einem Fernsehinterview seine Argumentation von 1974: Westerwelle wolle Außenminister werden – und nicht Dolmetscher.

Kann sich die BBC keine deutschsprachigen Korrespondenten mehr leisten?

James CoomarasamyWarum hatte die BBC ausgerechnet James Coomarasamy (im Bild rechts mit seiner Dolmetscherin) nach Berlin geschickt, einen in London geborenen Sohn tamilischer Einwanderer? Dieser spricht neben Englisch fließend Französisch sowie etwas Russisch und Polnisch, weil er aus diesen Ländern bereits berichtet hat. Deutsch ist ihm aber fremd.

Manche hegten den Verdacht, er habe provozieren und dem Kandidaten absichtlich ein Fettnäpfchen vor die Füße stellen wollen. Wahrscheinlicher ist, dass der Brite nicht die geringste Ahnung von dem schon seit Tagen kursierenden Video hatte, in dem Westerwelle Englisch radebricht. Deshalb begriff er auch nicht, dass der designierte Außenminister eine Falle witterte und partout nicht auf Englisch antworten wollte. Coomarasamy hatte auch nicht mitbekommen, dass seine Frage (wie sich die deutsche Außenpolitik unter Westerwelle verändern würde) von deutschen Journalisten schon längst gestellt und von Westerwelle beantwortet worden war.

Vermutlich sollte der Korrespondent lediglich einen englischsprachigen O-Ton einfangen, der dann in Großbritannien hätte gesendet werden können. Damit er sich überhaupt in Deutschland zurechtfand, hatte er eine als Dolmetscherin fungierende Frau an seiner Seite.

Der Cem hat’s drauf: Schwäbisch, Deutsch, Türkisch – und Englisch

Ausgerechnet die Vertreter der einzigen typisch deutschen Partei versuchten, sich mit einem überlegenen Lächeln als Kosmopoliten zu profilieren. So bat die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Renate Künast, auf ihrer Pressekonferenz demonstrativ um Fragen in englischer Sprache. Schade nur, dass sich die internationale Presse nicht für sie interessierte.

Cem ÖzdemirDer Co-Vorsitzende der Partei Die Grünen, Cem Özdemir (Bild rechts), nutzte die Englisch-Affäre, um in einer Videoerklärung zu zeigen, dass er es besser kann als sein Amtskollege von der FDP („Message to the BBC - stay with us“): www.youtube.com/watch?v=JlZ-zjjinvs

Özdemir darf erst seit Kurzem im deutschen Politzirkus wieder mitspielen. Nach einem Skandälchen im Jahr 2002 über die unzulässige Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Flugmeilen musste er sein Bundestagsmandat niederlegen und mehrere Jahre im Ausland Buße tun.

Diese verbrachte er zunächst als „Transatlantic Fellow“ des „German Marshall Fund of the United States“ an der University of Madison im US-Bundesstaat Wisconsin, wo er unter anderem Vorlesungen zur Rolle der Türkei in Europa hielt. 2004 bis 2009 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament in Brüssel.

Özdemir hat also genau das, was Westerwelle fehlt: Auslandserfahrung. Er sei jedoch an ein Bonmot des österreichischen Schriftstellers Alexander Roda-Roda erinnert, der treffend bemerkte: „Wer viele Sprachen spricht, kann in vielen Sprachen Unsinn reden.“

Würde uns ein Außenminister Westerwelle im Ausland blamieren?

Die Befürchtung, Westerwelle werde mit seinen mangelnden Sprachkenntnissen Deutschland im Ausland blamieren, ist unbegründet, wie das Beispiel Genscher zeigt.

Eine solche Sorge wäre 1998 bei der Ernennung von Joseph „Joschka“ Fischer zum Außenminister eher angebracht gewesen. Der ehemalige Steinewerfer und Polizistenverprügler hat nicht einmal das Abitur in der Tasche. Sein höchster Bildungsabschluss ist bis heute der Taxischein. Aber bekanntlich hat auch Joschka die Aufgabe mit Bravour gemeistert.

Fischers Englischkenntnisse sollen zu Beginn der Amtszeit auf einem ähnlichen Niveau gewesen sein wie die von Westerwelle heute. Schon wenig später konnte der begnadete Autodidakt und Vielleser, der sich an der Uni Frankfurt einst ohne Immatrikulation einfach in die Vorlesungen gesetzt hatte, die ihn interessierten, dann im Ausland seine Reden auch auf Englisch halten. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik reichten die Sprachkenntnisse des zweifachen Ehrendoktors gar für eine einjährige Gastprofessur in Princeton. Heute tingelt er als hoch bezahlter Vortragskünstler durch die Welt und hält seine Reden dabei vorzugsweise auf Englisch.

Ein Außenminister mit ausgezeichneten Englisch- und Französischkenntnissen sowie jahrelanger Auslandserfahrung (vor allem Kanada) war Joachim von Ribbentrop, der 1938 bis 1945 im Amt war. Er endete allerdings am Galgen, so dass sich die Erkenntnis aufdrängt, dass Fremdsprachenkenntnisse keine Garantie für eine gute Außenpolitik sind.

Die meisten Kanzler konnten es auch nicht besser

Die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse von Helmut Kohl sind legendär und haben zur Entstehung zahlreicher Witze beigetragen, von denen wir vor einigen Jahren bereits eine Auswahl zusammengestellt haben. Ähnliches gilt für Gerhard Schröder. (Siehe: „Respektlos! Das deutsche Volk macht Witze über die Fremdsprachenkenntnisse seiner Kanzler“) Und Angela Merkel spricht besser Russisch als Englisch. Als bester Englischsprecher unter den Kanzlern der letzten 140 Jahre, also seit der Reichsgründung 1871 durch Bismarck, gilt Helmut Schmidt.

Guido trägt’s mit Humor

Westerwelle ist seit 1994, als er Generalsekretär der FDP wurde, eine beliebte Zielscheibe der Kabarettisten und Hassobjekt der Linken. Offenbar verfügt er über genügend Humor und Selbstironie, um damit umgehen zu können.

Wenige Tage nach der „Englisch“-Pressekonferenz grüßte er auf dem Weg zur Präsidiumssitzung die Pressemeute demonstrativ mit „Bienvenue“ und „Welcome“. Die sich später anschließende Pressekonferenz leitete er mit den Worten ein: „Die Präsidiumssitzung fand ausschließlich in deutscher Sprache statt.“ Auf die nicht ernst gemeinte Frage eines Journalisten, ob er etwas auf Altgriechisch fragen dürfe, entgegnete der Parteivorsitzende: „Wenn Sie ihre Frage in Altgriechisch stellen, dann antworte ich Ihnen auf Latein.“ Anspielungen auf seine Sprachkenntnisse dürften sich wohl zu einem running gag entwickeln, vermutet Westerwelle.

Die etwas schroffe Antwort an den britischen Journalisten entschuldigte er mit Schlafmangel in der Wahlnacht. Er sei völlig übermüdet gewesen. Außerdem sei die Frage des Korrespondenten bereits vorher mehrfach beantwortet worden.

Neben all dem unsäglichen Gezeter im Internet gibt es zwei Presseartikel, die diesen Sturm im Wasserglas ausgewogen und treffend kommentieren:
Stern.de: Johannes Schneider: Westerwelles Englischkenntnisse - The Aufschwung is da!
The Independent: Philip Hensher: Flummoxed by foreign tongues

[Text: Richard Schneider. Bild: FDP-Presseservice, Phoenix, Büro Cem Özdemir.]

Bremen feiert dreiwöchiges Festival der Sprachen

Festival der Sprachen

Es ist weltweit einmalig: das “Festival der Sprachen”, das vom 17.09. bis 07.10.2009 in Bremen stattfindet. Für 21 Tage wird Bremen zur Welthauptstadt der Sprachen. Die Schirmherrschaft hat die UNESCO übernommen. Die Macher haben ein umfangreiches Programm zusammengestellt. So wird die Allgegenwart der Sprache und der Sprachen durch mehr als 100 populäre und informative Aktionen - unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen - anschaulich vermittelt.

Dazu gehört ein akademischer Konferenzmarathon mit zwölf internationalen Tagungen. Noch nie wurde eine solche Themenvielfalt am selben Ort in einem so engen Zeitrahmen auf so hohem wissenschaftlichem Niveau angesprochen. Unter den Konferenzen befinden sich auch solche, mit denen von Bremen aus neue Forschernetzwerke geschaffen werden sollen. Dazu gehört die Tagung zu Deutschlands Koloniallinguistik (23.-24.9.), auf der erste Schritte zur Aufarbeitung des sprachwissenschaftlichen Erbes Deutschlands in seinen ehemaligen Kolonien getan werden. Ebenfalls erstmalig treffen sich auch Sprachforscher, um über die besonderen Eigenschaften von Einsilbern (Monosyllables, 28.-30.9.) oder über die Auswirkungen des Sprachkontakts auf das System der Wortformen von Sprachen (Morphologies in Contact, 1.-3.10.) zu sprechen. 

Darüber hinaus sollen Bremische Schüler den “Turmbau zu Bremen” durchführen - mit 6.500 Holzklötzen, die mit den Namen der zurzeit existierenden Sprachen beschriftet sind. Außerdem wird die größte Weltsprachenkarte als Pflastermalerei entstehen, ein “Friedhof der toten Sprachen” eingerichtet und die “schönste Sprache der Welt” ermittelt.

Jeder Tag des dreiwöchigen Festivals ist einer anderen Sprache gewidmet, so dass es neben dem Niederdeutsch-Tag (29.09.2009) auch Tage für Maltesisch, Baskisch, Polnisch, Spanisch und viele andere mehr geben wird. In den Räumlichkeiten des Überseemuseums, im Haus der Wissenschaft, in der Volkshochschule Bremen, in der Tanzschule Renz und an vielen anderen Orten der Stadt finden Ausstellungen, Tagungen, Vorträge, Aufführungen, Lesungen und Begegnungsmöglichkeiten für die Bürger statt.

Sprachgemeinschaften aus zwei Dutzend Staaten stellen sich und ihre Sprachen vor. Die Probleme und Chancen mehrsprachiger Gesellschaften, die Situation von Migrantensprachen, viele (vom Aussterben bedrohter) Minderheiten- und Regionalsprachen und Dialekte in schulischer, sozialer und rechtlicher Hinsicht werden ebenso thematisiert wie die Beziehungen zwischen Sprache und Tanz, Sprache und Kunst, Sprache und Identität. Kulinarische und ästhetische Aspekte von Sprache werden nicht vernachlässigt.

Bremer Kultureinrichtungen sind dabei

Die Kulturinstitute im Land Bremen und andere im Bereich der Sprachvermittlung tätige Institutionen beteiligen sich mit vielfältigen Aktionen und Serviceleistungen am Festival der Sprachen. So wird es kostenlose Schnupperkurse in zahlreichen Fremdsprachen geben, eine Beratungshotline rund um das Thema Fremdsprachenlernen sowie eine Sprachenrallye und einen Wettbewerb “Bremens multilingualste Straße”. Zu den nachhaltig wirkenden Maßnahmen gehört die Gründung eines Sprachenrates, der alle Institutionen vereint, die sich in Bremen mit dem Thema Fremdsprachen befassen und der ein fachkompetentes Beratungsgremium für Politik und Gesellschaft in Sprachenfragen sein soll. Insgesamt unterstützen das Festival gegenwärtig 55 Organisationen und Institutionen aus aller Welt als Kooperationspartner.

Die European Musical Academy und das Waldautheater unter der Intendanz von Thomas Blaeschke bereichern das Festival der Sprachen mit einer ganzen Reihe von musikalischen Highlights. Dazu gehören u. a. das Komponieren und Intonieren einer Festivalhymne, eines abendfüllenden Musicals und einer Chordarbietung, die allesamt enge Bezüge zum Thema Sprache, Sprachen, Sprachwissenschaft haben.

Warum das alles?

Thomas StolzInitiator Professor Thomas Stolz (Bild) vom Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen, Vorsitzender des Instituts für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft, erklärt: “Wir wollen in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür schärfen, dass Sprache das gesamte menschliche Leben entscheidend bestimmt. Nur mittels Sprache sind die Formen menschlicher Gesellschaft sowie Kultur, Politik, Recht, Wissenschaft, Religion und Wirtschaft überhaupt erst möglich. Die grundlegende Bedeutung von Sprache für uns Menschen macht es erforderlich, dass ihr erhöhte Aufmerksamkeit - etwa in Schule und Universität - zukommt.”

Zwei Gespräche mit Thomas Stolz können Sie sich auf der Website von Radio Bremen anhören; eines über das Festival der Sprachen (3:03 Minuten), ein anderes über des Professors Vorliebe für exotische Sprachen (3:27 Minuten). Ausführliche Infos zum Festival finden sich unter www.festival.uni-bremen.de.

[Text: Eberhard Scholz. Quelle: Pressemitteilung Uni Bremen, 2009-02-20; 2009-09-02. Bild: Uni Bremen.]

Dr. Multikulti: Arztpraxen in Bremen für ausländische Patienten gut gerüstet

ArztDer Arzt spricht Russisch, die Sprechstundenhilfe Türkisch: In Bremen und Bremerhaven geht es nicht nur auf den Straßen multikulturell zu. Der Nationalitäten-Mix hat längst die Praxen erreicht. Nach einer Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) sprechen in jeder vierten Arzt- und Psychotherapeuten-
Praxis mindestens ein Doktor oder eine Schwester Russisch, Türkisch, Polnisch oder eine andere Zuwanderersprache.

„Sprachbarrieren und religiöse sowie kulturelle Unterschiede stellen Ärzte bei der Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund vor besondere Herausforderungen. Da ist es gut zu wissen, dass in vielen Bremer und Bremerhavener Praxen zumindest die Sprache keine allzu große Hürde mehr bedeutet“, fasst Dr. Till Spiro, Vorstandsvorsitzender der KVHB, die Ergebnisse zusammen. Demnach geben 79 Prozent aller Ärzte und Psychotherapeuten im kleinsten Bundesland an, mindestens eine Fremdsprache im Praxisalltag zu nutzen. Das Spektrum reicht von Englisch und Französisch bis hin zu Indonesisch und Japanisch.

Im Zuwandererland Bremen sind vor allem Sprachkenntnisse aus den Migrationsregionen gefragt. Die Erhebung hat ergeben, dass das Angebot hier überdurchschnittlich ist. In 77 Praxen wird Russisch gesprochen, gefolgt von Italienisch (62), Türkisch (21), Polnisch (21), Arabisch (13), Persisch (12), Griechisch (12), Rumänisch (11) und Portugiesisch (10). Insgesamt jede vierte ambulante Einrichtung im Bundesland gibt in ihrer Praxisbeschreibung eine oder mehrere Zuwanderersprachen an. „Ein guter Wert angesichts eines Anteils von 12,3 Prozent ausländischer Bürger in Bremen und Bremerhaven“, bewertet Dr. Spiro.

Um Verständigungsproblemen zwischen Arzt und Patienten entgegenzuwirken, haben die KVHB, die Ärztekammer Bremen und das Internetportal bremen.online bereits im Jahre 2000 mit der Einführung des Bremer Ärztenavigators eine Suchfunktion nach Sprache eingerichtet. Damit war Bremen deutschlandweit Vorreiter. Mittlerweile sind hier neben Deutsch 23 weitere Sprachen gelistet. Die Arztsuche ist unter www.bremen.de/aerzte erreichbar.

Die KVHB ist die Selbstorganisation der 1750 ambulanten Vertragsärzte, psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Land Bremen.

[Text: Christoph Fox. Quelle: Pressemitteilung Kassenärztliche Vereinigung Bremen, 2009-07-15. Bild: Dan Race, Fotolia.de.]

Berlin: Goethe-Institut organisiert Fachtage zur Mehrsprachigkeit

Leonard OrbanUnter der Schirmherrschaft von Leonard Orban (Bild), als Mitglied der Europäischen Kommission zuständig für Mehrsprachigkeit, veranstaltet das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und einer Reihe von Partnern die dreitägige Veranstaltungsreihe „Sprachen ohne Grenzen“. Vom 17. bis 19. September 2009 wird in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin in Vorträgen, Diskussionsrunden und Präsentationen über die Bedeutung und den Nutzen von Mehrsprachigkeit für das politische, kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Leben diskutiert. Das international besetzte Forum gliedert sich in die Themenschwerpunkte Mehrsprachigkeitspolitik, Mehrsprachigkeit und Bildung sowie Mehrsprachigkeit in Wissenschaft und Wirtschaft.

Welche Kosten verursacht die Einsprachigkeit in der Wirtschaft? Wie kann Mehrsprachigkeit in Wirtschaftsunternehmen gefördert werden? Welche Anreize können dafür entwickelt werden und welche Chancen bietet ein strategisches Sprachwissensmanagement? Dies sind einige der Fragen, denen sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Sektion „Mehrsprachigkeit und Wirtschaft“ widmen werden. Neben Experten aus Unternehmen werden auch Vertreter aus der EU-Politik erwartet.

Die sprachliche Integration von Migranten im europäischen Vergleich thematisiert die Fachkonferenz „Sprache und Integration“. Beispiele aus Großbritannien, Italien und Deutschland zeigen aktuelle Ansätze sprachlicher Integration in Europa. Bei der Konferenz soll auch die Einbeziehung und Stärkung der Herkunftssprachen von Migranten aufgegriffen sowie das bisher unterschätzte gesellschaftliche Potential dieser Sprachenvielfalt erörtert werden. Vertreter aus Wissenschaft und Praxis berichten über aktuelle Aktivitäten in Europa und speziell in Deutschland.

Konkrete Beispiele aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik sind bei einem weiteren Themenschwerpunkt zu erleben. Hier wird sich u.a. eine Diskussion zu den Vor- und Nachteilen der Mehrsprachigkeit äußern. Welche Rolle spielt das Englische als erste Fremdsprache für das Erlernen weiterer Fremdsprachen? Kann mehrsprachig in einem Fach gelehrt werden und was bedeutet dies für die Lehrerausbildung? In einer interaktiven Vorlesung wird gezeigt, wie man z.B. gleichzeitig fünf Sprachen einer Sprachenfamilie lernen kann. In szenischen Spielen zeigen Kinder mit Migrationshintergrund wie ein interkultureller Dialog möglich ist, auch wenn ihre Sprache nicht von allen Beteiligten verstanden wird.

Goethe-InstitutDer Mehrsprachigkeit in den Wissenschaften widmet sich ein vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) konzipiertes Symposium, das im Rahmen von „Sprachen ohne Grenzen“ und in Kooperation mit der Alexander von Humboldt-Stiftung stattfindet. Idee und Wirklichkeit der akademischen Mehrsprachigkeit werden dabei miteinander in Beziehung gesetzt. Eine zentrale Rolle wird die Frage nach der Bedeutung von Englisch als Wissenschaftssprache und die Befürchtung, sie verdränge die anderen Sprachen, spielen: Ist Mehrsprachigkeit in den Naturwissenschaften überhaupt praktikabel? Und wie steht es andererseits mit der Englischkompetenz an deutschen Hochschulen? Beispiele einer erfolgreichen Integration von Mehrsprachigkeit in Hochschul-Curricula werden präsentiert. Anschließend lotet eine Podiumsdiskussion Perspektiven der akademischen Mehrsprachigkeit und ihrer Förderung aus.

Ein Rahmenprogramm reflektiert das Thema auch unter künstlerischen und kulturellen Aspekten: Das Theaterstück „Unserdeutsch – ein dokumentarisches Südseemärchen“ zur einzig deutsch-basierten Kreolsprache wird uraufgeführt, den Einfluss der Bollywood-Filme auf die Verbreitung des Hindi in Indien zeigt ein Dokumentarfilm, afrikanische Jugendliche treten bei Theaterworkshops mit deutschen Jugendlichen in einen mehrsprachigen Dialog, eine Stadtführung begibt sich auf die Spuren der Sprachenvielfalt in Berlin und ein Jazzkonzert lädt zum abendlichen Tagesabschluss ein.

www.sprachen-ohne-grenzen.de 

[Text: Susanne Sporrer. Quelle: Pressemitteilung Goethe-Institut, 2009-07-21. Bild: EU-Kommission.]

Die Sprachen der Einwanderer: ein Plus in der beruflichen Qualifikation

Dr. Bernd MeyerDr. Bernd Meyer (Bild) vom Institut für Germanistik der Universität Hamburg hat untersucht, in welchen Berufsfeldern die Herkunftssprachen von Einwanderern von Nutzen sein können. Der Titel der Ende 2008 vorgelegten Studie lautet: „Nutzung der Mehrsprachigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund - Berufsfelder mit besonderem Potenzial.“ Auftraggeber war das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In einem Gespräch mit dem Goethe-Institut hat Meyer die Ergebnisse vorgestellt.

Während es früher bei der Mehrsprachigkeit hauptsächlich um die Bewahrung des kulturellen Erbes gegangen sei, stünde heute der wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzen im Vordergrund. Ein hoher Bedarf sei zum Beispiel im Bereich der medizinischen und sozialen Versorgung vorhanden. Meyer erklärt: „Diejenigen, die diese Kommunikation herstellen, sind auch Migranten und zwar die gut integrierten, die erfolgreichen. Also zum Beispiel Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Ärztinnen. Ihre Mehrsprachigkeit ist ein Plus in ihrer beruflichen Qualifikation – allerdings ein Plus, das sich häufig nicht auszahlt. Sie bekommen deshalb nicht mehr Geld.“

In der Wirtschaft verschafften mehrsprachige Mitarbeiter den Unternehmen oft handfeste wirtschaftliche Vorteile: „Uns sagen zum Beispiel Bankangestellte: Die Kunden kommen in diese Bank, weil ich hier sitze und ihnen auch auf Türkisch Auskunft geben kann.“ In Hamburg gebe es eine Drogeriemarktkette, bei der die Mitarbeiter kleine Fahnen auf ihren Namensschildern trügen, um zu signalisieren: „Mit mir können Sie auch Türkisch reden.“ Die Kleinarbeit im internationalen Handel werde auch in großen Unternehmen häufig von Einwanderern geleistet: „Wer ruft zum Beispiel beim Zoll in Istanbul an, wenn eine Lieferung nicht kommt?“

Meyer empfiehlt, mehrsprachige Mitarbeiter in Fortbildungsmaßnahmen gezielt auf sprachmittlerische Einsätze vorzubereiten. Generell müsse dies in Ausbildung und Personalentwicklung stärker zum Thema gemacht werden. Dies gelte auch für die Universitäten: „Es wäre sinnvoll, solche Dinge modular in die Studiengänge einzubetten – zum Beispiel fachsprachliches Türkisch für türkischsprachige Juristen oder Mediziner.“

Die Unternehmen in der Wirtschaft seien in dieser Hinsicht sehr viel weiter als der Staat mit seinen Behörden. Weil die deutsche Sprache als Amtssprache gesetzlich vorgeschrieben sei, dürfe ein Sachbearbeiter theoretisch seine Sprachkenntnisse gar nicht einsetzen. Meyer: „Das ist eine besondere Absurdität.“

Die EU-Sprachenpolitik bevorzuge die Nationalsprachen und autochthonen Minderheitensprachen gegenüber Einwanderersprachen. Denn die Förderung von Einwanderersprachen werde häufig als der Integration abträglich wahrgenommen. Eine Angst, die nicht völlig unbegründet sei.

Dr. Bernd Meyer abschließend: „Wir schlagen daher vor, die Förderung von Migrantensprachen in die Berufsausbildung beziehungsweise in den normalen Fremdsprachunterricht zu integrieren, ihn also aus der ,Ghetto-Ecke‘ herauszuholen. Die Förderung ist ein gesellschaftliches Anliegen. Es geht nicht darum, die Gruppenbildung unter Einwanderern zu fördern, sondern darum, Wege aufzuzeigen, wie deren Potenziale in die Aufnahmegesellschaft eingebracht werden können.“

Der vollständige Text der 65-seitigen Studie kann auf der BAMF-Website abgerufen werden.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Goethe-Institut, 2009-02. Bild: Universität Hamburg.]

“Ausländisch für Notfälle” - Ein Sprachführer für Paranoiker

Sie waren im Ausland und leben noch? Purer Zufall! Vermutlich sind Sie in der Vergangenheit völlig unvorbereitet verreist. Sicher, jeder, der sich für ein Urlaubsziel entscheidet, trifft gewisse Maßnahmen: Man kümmert sich rechtzeitig um Visa, die Verlängerung von Reisepässen und um ausreichende Zahlungsmittel. Und manch einer erkundigt sich sogar nach sinnvollen Schutzimpfungen und besorgt eine Reiseapotheke. Doch in unserem Sprachführer geht es nicht um Vorbereitungen wie “Hotel auswählen”, “Koffer packen” oder “Kohletabletten mitnehmen”. Vielmehr ist hier die Rede von Grundsätzlicherem: Ihrem Leben!

Es hilft nichts, sich etwas vorzumachen: Wer verreisen will, ist so gut wie tot, denn da draußen lauern unzählige Gefahren. Mit “da draußen” meinen wir das komplette Ausland. Ob hinterlistige Entführungen, gefährliche Tierarten, schlimme Sitten und Gebräuche oder bedrohliche hygienische Verhältnisse – die große, weite Welt ist kein Kinderspielplatz. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, den allgegenwärtigen Gefahren sinn- und wirkungsvoll zu begegnen: mit roher Gewalt oder mit intelligenter Kommunikation. Rohe Gewalt gilt es meistens auszuklammern, denn nicht jeder hat die nötigen körperlichen und mentalen Voraussetzungen dazu. Bleibt die Kommunikation.

Dieses Buch liefert Ihnen präzise Formulierungen, die Sie aus jeder Lebensgefahr retten werden. Wir übertreiben nicht, wenn wir sagen: Sie halten das Schweizer Messer unter den Sprachführern in Händen. Ausländisch für Notfälle widmet sich nicht weniger als 23 Ländern und Landstrichen und behandelt selbst so exotische Sprachen wie Schwyzerdütsch, Swahili und Elbisch. Dieses multifunktionale linguistische Werkzeug ermöglicht es Ihnen nicht nur, die Welt kennenzulernen, sondern auch, unbeschadet zurückzukehren und Ihren Lieben davon zu berichten. Gleichzeitig wird Ihnen das hier Gelernte bei jeder Landesbevölkerung zu hohem Ansehen verhelfen. Denn nach dem Studium unserer Lektionen sind Sie kein potenziell toter Tourist mehr und damit eine mögliche Negativschlagzeile, sondern Experte für landestypische Gefahren und deren Bewältigung.

Bei uns lernen Sie, wie Sie sich in der arabischen Welt am besten vor einer Geiselnahme schützen, mit einem kurzen Satz auf Chinesisch im Nu zum Martial-Arts-Champion avancieren und auf Swahili wichtiges Insiderwissen über die afrikanische Tierwelt erfragen. Erfahren Sie, wie Sie mit wenigen Worten der italienischen Mafia trotzen und bei einer Auswahl französischer Rohmilchkäse eine bakteriologisch unbedenkliche Entscheidung treffen.

Wundern Sie sich nicht: So manche Gefahr lässt sich nicht auf den ersten Blick mit dem jeweiligen Land in Verbindung bringen. Nationale Unfall- und Todesstatistiken, die für Ausländisch für Notfälle akribisch ausgewertet wurden, sprechen dennoch eine deutliche Sprache.

Doch Ausländisch für Notfälle beschränkt sich nicht nur auf das, was es in den am häufigsten zu erwartenden Gefahrensituationen zu sagen gilt, sondern gibt auch wichtige Hinweise auf landestypisch sensible Themen, die Sie besser elegant umschiffen, um die Gewaltbereitschaft der Einheimischen nicht unnötig herauszufordern.

Auf didaktischer Ebene setzt Ausländisch für Notfälle Maßstäbe. Um die Lektionen möglichst tief in Ihrer Großhirnrinde zu verankern, folgt unser Sprachlehrkonzept strikt der Methodik “stures Auswendiglernen”. Als Lernzielkontrolle dienen Ihnen hierbei am Ende eines jeden Kapitels sorgfältig gewichtete Tests.

Wir helfen Ihnen, mit heiler Haut wieder heimzukehren, wohin auch immer es Sie verschlägt! Beispiele aus dem Inhalt:

  • Für Russland: Das Zauberwort in Russland ist das gleiche wie in Polen. Es beginnt mit W oder V, endet in jedem Fall aber mit -odka. Anders als in Polen sollte man Wodka in Russland nicht als Desinfektionsmittel verwenden, da die Keime dort mittlerweile eine Wodka-Resistenz entwickelt haben. Hilfreiche Sätze sind “Ich kooperiere auch, wenn Sie keine Gewalt anwenden” oder “Ich halte auch nichts von Meinungsfreiheit”.
  • Für Spanien, aus dem Kapitel “In der Arena”: “Ich habe nie behauptet, alle Stierkämpfer seien schwul, nur weil sie rosa Strümpfe tragen!”
  • Für die Türkei: “Ich habe Ihre Schwester nicht geküsst.” Aus dem Kapitel “Bevor Sie zuschlagen”: “Wie viele Brüder haben Sie? Wie viele davon leben in Deutschland?” Aus dem Kapitel “Gut Freund mit Türken: “Gyros ist die primitive Form von Döner.”
  • Für Griechenland: “Ich möchte erst die TÜV-Plakette dieser Fähre sehen.” Aus dem Kapitel “Gut Freund mit Griechen: “Döner ist die primitive Form von Gyros.”
  • Für England aus dem Kapitel “Was Sie niemals sagen sollten”: “Lady Di war eine Schlampe.”
  • Für die USA: “Bitte nicht schießen!”
  • Für Frankreich: “Ich brauche ein günstiges Taxi. Mein Auto brennt noch aus.”
  • Für Italien, aus dem Kapitel “Gut Freund mit Mafiosi”: “Leiche? Ich sehe hier keine Leiche.”
  • Für Schottland aus dem Kapitel “Was Sie niemals sagen sollten”: “Schottland ist ein Teil von England.”
  • Für Australien: “Ich habe lediglich ein Gegenfeuer gelegt.”
  • Für China: “Stammt dieses Pudelfleisch aus kontrolliert biologischer Aufzucht?”

Alle hilfreichen Phrasen werden jeweils auf Deutsch, in der Landessprache sowie in Lautschrift angegeben. Überaus nützlich ist auch das beiliegende Lesezeichen, das mit dem Wort “Hilfe!” in mehr als einem Dutzend Sprachen bedruckt ist - einschließlich einer sorgfältig geprägten Variante in Braille-Schrift. In Gefahrensituationen einfach hochhalten und schwenken!

Bibliografische Angaben
Bündnis für sicheres Reisen (2008): Ausländisch für Notfälle. Ein Sprachführer für Paranoiker. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe. 208 Seiten, ISBN-13: 978-3404664214, 8,95 Euro.

[Text: Bündnis für sicheres Reisen. Bild: Bastei Lübbe.]