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Archiv der Kategorie Kollegen

“Ein Dolmetscher darf für niemanden Partei ergreifen” - Walid Abd El Gawad zum Marwa-Prozess

Im Prozess gegen den Mörder der Ägypterin Marwa S. (31) wurde am 11.11.2009 in Dresden das Urteil gefällt: lebenslänglich. Der Täter Alex W. (28) stammt aus Russland, ist in der Region Perm und Kasachstan aufgewachsen und hält sich erst seit fünf Jahren in Deutschland auf.

Die beiden Kontrahenten waren im August 2008 auf einem Spielplatz aneinandergeraten, auf dem sich die Frau mit ihrem zwei Jahre alten Sohn und der arbeitslose Angeklagte mit seiner Nichte und Mutter aufhielt. Marwa S. forderte Alex W. auf, eine Schaukel für ihr Kind frei zu machen. Daraufhin beschimpfte der nach eigenen Aussagen ausländerfeindlich eingestellte junge Mann, der das Leben in Deutschland als „Multikultischeiße“ empfindet, die Kopftuch tragende Frau als „Islamistin“ und „Terroristin“.

Passanten mischten sich ein und versuchten, die lautstarke Auseinandersetzung zu schlichten. Die Angelegenheit eskalierte, weil jemand die Polizei rief. Die Ägypterin nutzte die Gelegenheit und erstattete Anzeige wegen Beleidigung. Alex W. erhielt zunächst einen Strafbefehl über 330 Euro und wurde nach seinem Widerspruch vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein.

In der Berufungsverhandlung erstach der Russlanddeutsche dann im Gerichtssaal seine schwangere Kontrahentin mit 15 Messerstichen und verletzte deren Mann schwer. Mit seinem Ausländerhass habe das nichts zu tun gehabt, erklärte er später die Tat. Vielmehr habe er sich durch die Anzeige und die deutsche Justiz ungerecht behandelt und in die Enge getrieben gefühlt.

Der banale Anlass der Auseinandersetzung geriet in der Öffentlichkeit schnell in Vergessenheit. Stattdessen entwickelte sich die Geschichte vor allem in Ägypten zu einem Medienspektakel. Auch deshalb, weil das Opfer als schöne, gebildete und selbstbewusste Mutter dem Idealbild einer fortschrittlichen Muslima entsprach.

In Ägypten wurde das Opfer von Islamisten zur Kopftuch-Märtyrerin hochstilisiert, die für ihre Religion gestorben sei. Die „Muslimbruderschaft“ organisierte in Kairo mehrere Demonstrationen und forderte die Todesstrafe für den Täter. Die Affäre beherrschte am Nil zeitweise die Titelseiten. Dabei wirkte die Presse nicht aufklärend, sondern verbreitete eine anti-deutsche Stimmung. Für die Medien saß Deutschland auf der Anklagebank.

Die Deutschen hingegen fühlten sich als unbeteiligte Dritte: „Was haben wir damit zu tun, wenn ein Russe eine Ägypterin ersticht? Außer dass die Gerichtskosten an uns hängen bleiben?“ In Deutschland wurden die Beleidigung und der Mord nicht als ausländerfeindliche Taten eines Deutschen, sondern als Auseinandersetzung zwischen zwei rechthaberischen Einwanderern wahrgenommen. Das Thema besaß für die deutschen Medien daher nur eine mittlere Bedeutung. Marwa S. sprach weit besser Deutsch als Alex W. und gehörte zu den Gewinnern, Alex W. hingegen zu den Verlierern unter den Einwanderern.

Walid Abd El GawadWie empfindet ein Gerichtsdolmetscher die Situation als Mittler zwischen Kulturen und Rechtssystemen in einem Prozess, der gleich in zwei Ländern im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht? Die Berliner taz hat kurz vor der Urteilsverkündung mit Walid Abd El Gawad (31) gesprochen, der an zwei Verhandlungstagen für den Ehemann des Opfers und einen Anwalt gedolmetscht hat.

Die Verhandlung selbst bezeichnet Abd El Gawad als Prozess auf hohem Niveau, der all seine Erwartungen übertroffen habe: „Es wurde auf jede Kleinigkeit geachtet, zum Beispiel darauf, dass die arabischen Rechtsanwälte genügend Material in ihrer Sprache zur Verfügung hatten.“ Er wünsche sich, dass die Sachlichkeit der deutschen Justiz auch in den arabischen Ländern akzeptiert werde. Die Mehrheit der Deutschen habe mehr Mitgefühl gezeigt als dies in Ägypten wahrgenommen werde.

Das Dolmetschen sei zeitweise emotional schwierig gewesen: „Ich musste mich sehr zusammenreißen, damit ich nicht mitleide - beziehungsweise man mir meine Gefühle nicht ansieht. Ich habe großen Respekt vor den Richtern, die trotz der immensen emotionalen Herausforderungen vollkommen sachlich mit dem Fall umgehen.“

Walid Abd El Gawad studierte Islamwissenschaft und Germanistik in Kairo sowie Arabistik und Orientalische Philologie in Leipzig. Zurzeit ist er Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Orientalischen Instituts der Uni Leipzig.

Im Oktober 2009 wurde er mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet, bei dieser Gelegenheit entstand das obige Foto. Aus der Laudatio: „Walid Abd El Gawad bereichert mit seinem vorbildlichen sozialen und kulturellen Engagement verschiedene universitäre Initiativen. Herausragendes Engagement zeigte Abd El Gawad bei der Mitarbeit am Hörbuch Der Koran und als wissenschaftlicher Übersetzer. Ehrenamtlich wirkt er unter anderem in der Internationalen Doktorandeninitiative und als ein Repräsentant der Leipziger Muslime im interreligiösen Dialog in Stadt und Universität.“

Das Interview mit Walid Abd El Gawad können Sie auf der Website der taz lesen. Einen Audiobeitrag von Abd El Gawad, in dem es unter anderem auch um den Marwa-Prozess geht, finden Sie auf der Website von radio 1 des rbb.

[Text: Richard Schneider. Quelle: taz, 2009-11-10. Bild: Informationsdienst Wissenschaft, Stephan Flad.]

Asterix-Übersetzer Klaus Jöken: “Meine Lieblingsfigur ist Troubadix”

Heute vor 50 Jahren wurde in Frankreich die erste Asterix-Geschichte veröffentlicht. Die Ruhr Nachrichten haben aus diesem Anlass mit Asterix-Übersetzer Klaus Jöken (51) gesprochen, der die seit 2005 erschienenen beiden Alben ins Deutsche übertragen hat. Zu den Besonderheiten der Comic-Übersetzung gehören laut Jöken folgende Aspekte:

Bei Comics hat man es vor allem mit „gesprochener“ Sprache zu tun. Man darf darum nicht einfach Wort für Wort übersetzen, sondern muss ständig überlegen: „Wie würde das ein Deutscher jetzt sagen?“ Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass durch die Größe der Sprechblasen der Platz vorgegeben ist. Da die deutschen Wörter durchschnittlich länger sind als die französischen, hat man oft ein Problem. Bei einem Roman wird das Buch einfach ein paar Seiten dicker, aber ich kann die Sprechblasen leider nicht vergrößern.

Klaus Jöken auf der Frankfurter Buchmesse 2008

Auf der Frankfurter Buchmesse 2008 war Klaus Jöken im Übersetzer-Zentrum einer der „gläsernen Übersetzer“, denen man bei der Arbeit über die Schulter schauen durfte. Jöken tat dies gut gelaunt und bezog das wissbegierige Publikum mit ein.

Klaus Jöken als gläserner Übersetzer auf der Frankfurter Buchmesse 2008

Der rechte Wandmonitor zeigte den französischen Ausgangstext als PDF-Datei, hier ein damals noch nicht veröffentlichter Lucky-Luke-Band. Auf dem linken Monitor erschien der von Jöken eingetippte Zieltext, so dass die Zuschauer sich gut in den Übersetzer und dessen Gedankengänge hineinversetzen konnten.

Klaus Jöken wurde im niederrheinischen Kleve geboren und studierte in Köln und Löwen/Belgien Niederländisch und Geschichte. Heute lebt er in Moulins in der Nähe von Lyon und übersetzt aus dem Französischen und Niederländischen belletristische Werke, Kinder- und Jugendbücher, Comics und Sachbücher. Seine Fachgebiete: Geschichte, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte.

Das Interview können Sie auf der Website der Ruhr Nachrichten lesen. Über Jökens Arbeit hat das Übersetzerportal bereits 2005 berichtet, als er seinen ersten Asterix-Band vorlegte: „Erst einmal zwei Wochen lang die Haare gerauft“ – Der neue Asterix-Übersetzer Klaus Jöken im Interview

[Text: Richard Schneider. Quelle: Ruhr Nachrichten, 2009-10-27; VdÜ-Mitgliederverzeichnis. Bild: Richard Schneider.]

“Das ist ja unübersetzbar!” Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview

Asterix

Morgen jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem in Frankreich die erste Asterix-Geschichte im Comic-Magazin Pilote erschienen ist. Die Welt Online hat deshalb ein ausführliches Gespräch mit der über jahrzehnte stilprägenden Übersetzerin Gudrun Penndorf geführt, die Band 1 bis 29 der bisher 34 Asterix-Alben ins Deutsche übersetzt hat. Die Zeitung schreibt: „Diese Übertragung gilt als ein Meisterstück, vergleichbar mit der legendären Donald-Duck-Übersetzung von Erika Fuchs.“

Gudrun Penndorf sagt über die Anfänge ihrer Arbeit in den 1960er Jahren:

Als ich das erste Mal einen französischen Band in die Hände bekam, dachte ich, das ist ja unübersetzbar! 1967, ein Jahr bevor ich angefangen habe, Asterix zu übersetzen, hat mir eine französische Freundin zum ersten Mal einen Band in der Originalsprache gezeigt. Sie hat immer schallend gelacht, als wir das zusammen durchlasen. Und ich habe gefragt: „Erklär mir das mal!“ Natürlich habe ich es größtenteils verstanden. Ich war ja ausgebildete Übersetzerin und habe in Frankreich gelebt. Aber diese Wortspiele wiederzugeben, deutsche Formulierungen zu finden, die auch den deutschen Leser zum Lachen bringen – das ist nochmal was anderes!

Das Interview ist ungewöhnlich lang und gerade dadurch interessant. Wir erfahren unter anderem, wie Gudrun Penndorf zu dem Job ihres Lebens kam und welche besonderen Probleme bei der Adaptierung zu lösen waren. Den vollständigen Text finden Sie samt Foto der Übersetzerin auf der Website der Welt.

Den Grund für ihr Ausscheiden als Übersetzerin bei Egmont Ehapa beschrieb sie 2004 in einem Gespräch mit comedix.de: „Das nahm ein Ende, als ich nach Band 29 eine an den Erfolgen des Verlags orientierte Bezahlung verlangte.“ Dabei ging es auch um eine Vergütung für die  zahlreichen Dialektvarianten (Asterix auf Hessisch usw.), die auf ihrer Übersetzung beruhten. Nach jahrelangem Streit schlossen Verlag und Übersetzerin schließlich einen Vergleich. Als Übersetzer fungierte fortan Ehapa-Herausgeber Adolf Kabatek (1997 verstorben) bis Klaus Jöken engagiert wurde.

Die Übersetzungsgeschichte der Asterix-Bände beginnt 1965 mit einem gerne verdrängten Kapitel, zu dem es bei Wikipedia heißt:

Rolf Kauka [Schöpfer von Fix und Foxi] erhielt als erster die Rechte, die in Frankreich und Belgien bereits bekannten Abenteuer von Asterix im deutschsprachigen Raum zu veröffentlichen. Kauka hatte das Recht auf freie Bearbeitung erhalten und machte aus den Galliern Germanen. Asterix und Obelix wurden bei Kauka zu Siggi und Babarras (letzterer wird häufig als Barbaras oder Barrabas falsch zitiert), der Druide wurde zu Konradin (nach Konrad Adenauer), der Häuptling Abraracourcix zu Mark Hein. Das gallische Dorf trug den Namen „Bonhalla“ (Bonn/Walhalla) und lag irgendwo in Germanien. Der Menhir von Obelix blieb ein solcher (Menhir: Stein, Steinchen - die Bezeichnung Hinkelstein gibt es erst seit den Ehapa-Bearbeitungen ab 1967), das Tragen des Steins wurde jedoch als Schuldkomplex gedeutet. Die Geschichten spielten wie im Original zur Zeit von Julius Caesar, in den Übersetzungen waren dennoch viele politische Anspielungen auf die BRD der Sechziger Jahre enthalten, ebenso auf die DDR. Die mit amerikanischem Einschlag sprechenden römischen Besatzer entsprachen dabei den alliierten Besatzern der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Der Autor Thomas Bleicher spricht im Hinblick auf Kaukas Eindeutschung von „einem eher dunklen Kapitel deutscher Comic-Historie“, Andreas C. Knigge von einem „braunen Süppchen“, das Kauka aus Asterix kochte. Fakt ist, dass die Urheber René Goscinny und Albert Uderzo die Verfremdung nicht goutierten, Kauka nach Veröffentlichung von insgesamt vier Abenteuern im Magazin Lupo (später Lupo Modern) die Lizenz entzogen und spätere Übersetzungen streng kontrollierten.

Nachdem Kauka die Rechte verloren hatte, brachte er eine eigene Adaption der Asterixgeschichten unter dem Titel Fritze Blitz und Dunnerkiel heraus.

Mehr zum Thema
Wikipedia-Eintrag „Gudrun Penndorf“
Der Kauka-Effekt - Wie aus den Galliern Asterix und Obelix im März 1965 national gesinnte Germanen wurden
„Erst einmal zwei Wochen lang die Haare gerauft“ – Der neue Asterix-Übersetzer Klaus Jöken im Interview
Asterix-Übersetzer Klaus Jöken: “Meine Lieblingsfigur ist Troubadix”

[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt Online, 2009-10-28; comedix.de, 2004-04; www.asterix.de; wikipedia.de. Bild: Les Éditions Albert René/Goscinny-Uderzo, mit freundlicher Genehmigung der Verlagspressestelle.]

FAZ porträtiert drei Sprachmittler der Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse 2009 - Dolmetschkabine

Frankfurter Buchmesse 2009„Es gibt eine deutlich auszumachende Sehnsucht auf der Messe, China besser zu verstehen. Dabei helfen die unzähligen Gesprächsdolmetscher, die Lizenzverhandlungen, Podien und Konferenzen begleiten“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und stellt drei von ihnen vor:

  • Der in Peking geborene und seit dreiundzwanzig Jahren in Köln lebende Publizist Shi Ming moderiert und verdolmetscht Podiumsdiskussionen des „independent chinese PEN“ auf der diesjährigen Buchmesse.
  • Die Sinologin Karin Betz hat Die Sandelholzstrafe, das aktuelle Buch des chinesischen Schriftstellers Mo Yan, ins Deutsche übertragen.
  • Die Simultandolmetscherin Gisela Reinhold saß bei der Eröffnungsveranstaltung, an der unter anderem Angela Merkel und der  chinesische Vizepräsident Xi Jingping teilnahmen, in der Kabine. Sie muss bei ihrer Arbeit auch kulturelle Unterschiede berücksichtigen: „Wenn ein Chinese sagt: ,Ich werde darüber nachdenken‘, muss man wissen, dass das eigentlich heißt: ,Vergiss es, ich habe keine Lust, darüber nachzudenken.‘“

Die Chinesisch-Dolmetscher und -Übersetzer leisteten einen wichtigen Beitrag zur Verständigung mit dem diesjährigen Ehrengast China.

„Intensiv ist in dieser Woche über die chinesische Kultur, die Widersprüche des Landes und die notwendige Meinungsfreiheit in China diskutiert worden - vor, bei und nach dem Messebesuch. Die Frankfurter Buchmesse hat das Versprechen eingelöst, eine Begegnung und einen Dialog mit den unterschiedlichen chinesischen Gruppierungen der Welt zu ermöglichen“, so der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder.

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse ergänzt: „Es war richtig, China als Ehrengast einzuladen. Das Land hat sich außerhalb seiner Grenzen zum ersten Mal derart umfassend dieser konzentrierten internationalen Öffentlichkeit gestellt - und damit auch der politischen Kritik. Wir sehen die Aufgabe der Buchmesse darin, das Schlaglicht auf die Literatur, auf das Verlagswesen eines Landes zu werfen. Und wir sind sicher, dass weltweit in dieser Tiefe und zu diesem Detailgrad über die chinesische Literatur und die Arbeitsbedingungen der Literaten bisher nicht diskutiert wurde. Diese Debatte wird sich fortsetzen.“

Frankfurter Buchmesse 2009 - DolmetschtechnikDen Zeitungsartikel über die Dolmetscher der Frankfurter Buchmesse können Sie auf der Website der FAZ lesen.

Der Umgang mit der komplexen Dolmetschtechnik will gelernt sein - auch bei den Zuhörern. Der Herr links trägt keine elektronische Kippa, sondern einen Kopfhörer. Auch wenn die Empfangsqualität der Dolmetschkanäle bei dieser Trageweise unter Umständen besser ist, zeigt der chinesische Autor Bei Ling, wie sich der Hersteller die Sache mit dem Kopfhörer eigentlich gedacht hat.

Frankfurter Buchmesse 2009 - Jutta Himmelreich

Dolmetscherin Jutta Himmelreich bei einer Veranstaltung zum Ehrengast 2010 Argentinien

[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ. 2009-10-21; Pressemitteilung Frankfurter Buchmesse, 2009-10-19. Bild: Presseservice Frankfurter Buchmesse.]

“Pelés Schutzengel”: Portugiesisch-Dolmetscher Marten Henschel im Interview

Marten HenschelDie Nachrichten-Website news.de stellt den Heidelberger Portugiesisch-Dolmetscher Marten Henschel (Bild, 43) im Interview vor.

Henschel dolmetscht seit 15 Jahren zwischen Deutschen, Brasilianern und Portugiesen. Er hat Staatspräsidenten seine Stimme geliehen und den Literaturnobelpreisträger José Saramago gedolmetscht. Pelé ernannte ihn bei der in Deutschland ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu seinem Schutzengel.

Henschel dolmetscht und übersetzt aber auch wissenschaftliche und technische Themen. Er ist Mitglied des Verbands der Konferenzdolmetscher im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (VKD-BDÜ).

Das Interview mit Henschel können Sie bei news.de lesen, die Website des Dolmetschers finden Sie unter www.textdesign.net.

[Text: Richard Schneider. Quelle: news.de, 2009-09-18; textdesign.net. Bild: Henschel.]

Schweiz: Adrian Peter von USG AG im Interview

Adrian PeterVor 30 Jahren hat der Werber Adrian Peter (Bild) von Frankfurt aus ein Übersetzungsbüro in Bern gegründet. Heute beschäftigt seine USG AG 15 fest angestellte und 95 freie Mitarbeiter. Die Berner Zeitung hat mit ihm gesprochen. Hier einige Ausschnitte:

Einen lausigen Ausgangstext kann man nicht gut übersetzen. […] Oft besteht unsere erste Aufgabe darin, den Originaltext zu verbessern. Grundsätzlich haben wir das Ziel, mit der Übersetzung stets ein wenig besser zu sein als das Original.

Peter war vor 30 Jahren Werbetexter bei GGK in Frankfurt. Als polyglotter Schweizer wurde er ständig von Kollegen um Übersetzungen gebeten. Er sagt:

Ich gab mein Bestes, ganz wohl war mir dabei aber nicht. Ich fand, das müssten eigentlich Profis machen. Mehr und mehr beauftragte ich ehemalige Klassenkameraden, welche Dolmetscher-Ausbildungen absolviert hatten, mit Übersetzungen. Bald wurde mir klar, dass das eine Marktlücke war. Ich gründete mit meiner damaligen Freundin das Büro in Bern und war selber erstaunt, wie gross die Nachfrage war. Fast jeden Monat stellten wir neue Leute ein, nach fünf Jahren gab es bereits Zweigstellen in Zürich und Genf.

Wir hatten wenig Ahnung, aber viel Enthusiasmus. Die ersten fünf Jahre waren sehr intensiv, wir arbeiteten wie die Verrückten und verdienten gar nichts damit. Dann stellten wir einen Betriebswirtschafter an, der uns zeigte, wo wir Geld verloren und wie wir Geld verdienen konnten.

Vor Kurzem hat die USG ein neues Büro in Stuttgart eröffnet - mitten in der Wirtschaftskrise und noch dazu in einer Autostadt. Adrian Peter dazu: “1979 sind wir auch mitten in einer Wirtschaftsdepression gestartet, und es lief gut. Es ist gar nicht so schlecht, dann Vollgas zu geben, wenn alle anderen auf die Bremse treten.”

Das vollständige Interview können Sie in der Berner Zeitung lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Berner Zeitung, 2009-03-16. Bild: USG.]

Nelly Kostadinova zum Weltfrauentag in Cosmo TV

Am 8. März ist Weltfrauentag und diesmal ist es für Lingua-World-Geschäftsführerin Nelly Kostadinova eine besondere Ehre. An diesem Tag strahlt das WDR Fernsehen nämlich in seiner Sendung Cosmo TV, 15:55-16:25 Uhr, ein Porträt über sie aus.

Die geplanten Themen bei Cosmo TV sind voraussichtlich u.a. der Fall „Kardelen“ und „Der Traum vom Lehrer“, aber insbesondere auch das Thema, wie sich die Unternehmerinnen in der Zeit der Weltwirtschaftskrise verhalten bzw. was das für sie bedeutet. „Für mich ist die Wirtschaftskrise ein ,ebenbürtiger Gegner’, den wir durch flexiblere Strategien in unserem Marktsegment besiegen müssen. Es wäre ein
Fehler, Mitarbeiter zu entlassen, denn gute Leute sind unser Kapital. Wenn ich in der Krise sparen muss, kürze ich lieber mein Gehalt“, so Nelly Kostadinova.

Auf der Website des WDR heißt es zum Beitrag:

Nelly Kostadinova kam nach der Wende in Bulgarien im Herbst 1990 nach Deutschland. Sie arbeitet als Journalistin, lernt Deutsch, beschließt zu bleiben. Hier will sie erfolgreich werden, um dann auch ihren Kindern in Deutschland eine Zukunft zu sichern. Nelly Kostadinova gründet das Übersetzungsbüro ‘Lingua World’, obwohl die Industrie- und Handelskammer ihr davon eindringlich abgeraten hat. Heute beschäftigt sie in Deutschland 40 feste und tausende freie Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Und denkt trotz Wirtschaftskrise an Expansion und vergisst ihre soziale Verantwortung nicht. Die Geschäftsfrau unterstützt eine Hausaufgabenbetreuung in Köln-Chorweiler. Cosmo TV über eine Frau, die keine Grenzen kennt.

Lingua-World ist der 24-Stunden-Übersetzer-, Lokalisierungs- und Dolmetscherservice in Köln. Gegründet wurde das Unternehmen 1997 von Geschäftsführerin Nelly Kostadinova. Mittlerweile verfügt Lingua-World über ein Netz von 15 Standorten und einem ausländischen Franchisebetrieb in Wien. Auch eine weltweite Expansion von Lingua-World ist in Planung.

[Text: Miriam Sommer. Quelle: Pressemitteilung Lingua-World, 2009-03-05. Bild: Lingua-World, Bernd Pütz.]

Turbulente Biathlon-WM: Dolmetscherin Kseniya Lomakina schweißgebadet

Biathlon-Weltmeisterschaften sind normalerweise eine an Langeweile kaum zu überbietende Veranstaltung, doch in Südkorea ging es dieses Jahr hoch her. Die Süddeutsche Zeitung interviewt aus diesem Anlass Kseniya Lomakina, eine „gestresste Dolmetscherin in Pyeong Chang“. Auch sie bestätigt, dass sie eine solche Verwirrung und eine so angespannte Stimmung bei Pressekonferenzen noch nicht erlebt habe.

  • Sie schwedische Mannschaft erhielt wegen ihres engagierten Auftretens gegen Doping Morddrohungen per E-Mail aus Russland.
  • Beim Verfolgungsrennen war lange unklar, wer gewonnen hatte. Die Kampfrichter mussten ihre Entscheidung nach Protesten revidieren.
  • Eine deutsche Athletin verwechselte bei Trockenübungen im Aufwärmraum das Magazin ihrer Flinte und gab aus Versehen einen scharfen Schuss ab. Die Offiziellen fanden den glatten Durchschuss in der Holzwand im Gegensatz zu den Mädels der deutschen Mannschaft gar nicht lustig und sperrten die Olympiasiegerin für ein Rennen.
  • Hinzu kamen technische Pannen und ungünstiges Wetter.

Die Zeitung schreibt:

SZ: In der Sitzung ging es ja auch um Doping und Morddrohungen. Es hieß, die Übersetzerin sei hinterher schweißgebadet gewesen.
Lomakina: Ich war erschöpft, stimmt. Man bleibt schon deshalb nicht unberührt, weil man in den Ärger manchmal hineingezogen wird.
SZ: Wie das?
Lomakina: Teile der russischen Medien behaupteten, ich hätte die Russin Saizewa mit den Worten übersetzt: “Doping find ich gut”. Das ist Unfug.

Lomakina spricht außer Russisch noch Ukrainisch, Deutsch, Englisch und ein bisschen Spanisch: „Meine Eltern sind Russen. Ich wurde zu Sowjetzeiten in der Ukraine geboren. Seit sechs Jahren lebe ich in Deutschland. Ich habe Sprachen in der Ukraine studiert und Medienwissenschaften in Tübingen.“

Das vollständige Interview können Sie in der Süddeutschen Zeitung lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2009-02-21.]

WAZ porträtiert Hans Schindler, seit 29 Jahren EU-Dolmetscher

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung porträtiert Hans Schindler (55), einen der dienstältesten Simultandolmetscher der EU. Seit 29 Jahren arbeitet er für die Kommission, den Ministerrat, den Ausschuss der Regionen und die Europäische Investitionsbank.

Er weist darauf hin, dass man mindestens zwei Fremdsprachen gut beherrschen müsse, wenn man in den Dienst einsteigen wolle, später müssten weitere hinzukommen. Inzwischen seien fünf Arbeitssprachen schon fast zur Norm geworden. Er selbst spricht sechs Sprachen fließend und hat sich auf die Fachgebiete Wirtschaft und Finanzen spezialisiert.

In einem Infokasten informiert die Zeitung über den größten Sprachendienst der Welt:

Mit 23 Amtssprachen hat die EU den größten Dolmetscherdienst der Welt. Die Nato beschränkt sich auf zwei Amtssprachen, die UNO mit ihren 192 Mitgliedsstaaten auf sechs. Für den Dienst der Europäische Kommission arbeiten rund 530 Dolmetscher, außerdem können bei Bedarf 2700 Freiberufler herangezogen werden. Jeden Tag sind rund 700 Dolmetscher bei rund 60 Veranstaltungen im Einsatz. Das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof unterhalten jeweils ihren eigenen Dienste. Für Dolmetscher und Übersetzungen wird ein Prozent des Budgets aller EU Institutionen ausgegeben – mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, rund 2,50 Euro pro Bürger.

Weiter heißt es:

In der Dolmetscher-Kabine ist dann volle Konzentration gefragt. Wo Südländer blumig formulieren, drückt sich ein Nordeuropäer knapp aus. Schwierig sind auch Witze und Wortspiele: Wenn Deutsche zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erschießen die Spanier zwei Vögel mit einem Schuss. Schindler muss gleichzeitig zuhören, verstehen und sprechen – nach 30 Minuten wird er von einem Kollegen abgelöst, damit er wieder Luft schöpfen kann.

Und dann folgt der seit Jahrzehnten bei allen Zeitungsberichten über Simultandolmetscher unvermeidliche Satz: „Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation haben Simultandolmetscher den stressigsten Beruf der Welt – hinter Düsenjetpiloten und Fluglotsen.“ Dabei ist völlig unklar, ob die zitierte Studie überhaupt existiert. Über das kolportierte Ergebnis lässt sich auf jeden Fall streiten. Siehe dazu die folgenden Artikel im Übersetzerportal:

Den WAZ-Artikel mit der Überschrift „Berlusconis deutsche Stimme: Alltag eines EU-Dolmetschers“ können Sie bei DerWesten.de lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Westen, 2009-02-08. Bild: EU-Pressedienst.]

Das Berlinale-Geflüster von Caroline Elias

Heute beginnen in Berlin die 59. internationalen Filmfestspiele, besser bekannt unter dem Namen Berlinale. Mehr als 19.000 Fachbesucher aus 120 Ländern werden erwartet, darunter 4.000 Journalisten. Mit über 200.000 verkauften Eintrittskarten zu den Filmvorführungen ist die Berlinale nicht nur ein bedeutender Branchentreff, sondern auch weltweit das größte Publikumsfestival dieser Art.

Ein Mammutereignis - auch für Dolmetscher. Diese werden nicht nur für Pressekonferenzen und Interviews der überwiegend ausländischen Filmschaffenden benötigt, sondern vor allem bei den Filmvorführungen selbst. Denn viele davon werden simultan in mehrere Sprachen gedolmetscht.

Caroline Elias (43, Deutsch, Französisch) ist eine der Berlinale-Dolmetscherinnen. Bereits seit 11 Jahren wirkt sie in verschiedenen Funktionen am Festival mit. Seit 2007 betreibt sie „das erste Weblog aus dem Inneren einer Dolmetscherkabine“. In den kommenden zehn Tagen will sie dort unter der Überschrift “Berlinale-Geflüster” der interessierten Fachöffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Links zum Thema im Übersetzerportal
Berliner Filmfestspiele: Großeinsatz für Dolmetscher
„Eine menschliche Institution“ – Tagesspiegel würdigt verstorbene Berlinale-Dolmetscherin Alice Braunstein