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Archiv der Kategorie Literaturübersetzer

EÜK Straelen: Juli Zeh trifft ihre Übersetzer

Die vielfach preisgekrönte Autorin Juli Zeh trifft vom 30. August bis 2. September 2010 im Rahmen des 5. “Straelener Atriumsgesprächs” im Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen die Übersetzer ihres Romans “Corpus Delicti”.
 
Die Übersetzer kommen aus dem europäischen Ausland, nämlich aus Belgien, Polen, Schweden und aus der Türkei, aber auch Übersetzer von Juli Zeh aus Brasilien, Neuseeland und Taiwan haben sich für diese ungewöhnliche Übersetzerwerkstatt auf den Weg an den Niederrhein gemacht.

Das “Straelener Atriumsgespräch” ist eine Veranstaltungsreihe, in der zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autorinnen und Autoren jeweils über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzern am aktuellen Werk arbeiten. Denn viele Bücher stellen Literaturübersetzer vor derart spezifische sprachliche und sachliche Probleme, dass sie idealer weise nur im direkten Kontakt mit dem Autor wirklich adäquat übersetzt werden können.

Aus diesem Grund hat das EÜK in Kooperation mit der Kunststiftung NRW im Dezember 2007 diese internationale Reihe initiiert, die bereits den Schriftstellern Feridun Zaimoglu, Julia Franck, Ingo Schulze und Uwe Tellkamp die intensive Zusammenarbeit mit ihren Übersetzern ermöglichte.

[Text: EÜK. Quelle: Pressemitteilung EÜK, 2010-08-26.]

Ein Buch muss so schmecken wie das Original

Ulrike Seeberger ist “Übersetzerin aus Leidenschaft”. Was sie an dem Beruf so mag? Man lernt nie aus. Was sie an dem Beruf nicht mag? Die schlechte Bezahlung. Und das zu Recht.  Pro Buchseite einer literarischen Übersetzung bekommt man etwa 16 Euro. Zum Vergleich: Für die Übersetzung einer Seite Fachtext wird mindestens das Doppelte bezahlt. Doch ihr macht die Arbeit Spaß. Und das ist ja das Wichtigste. Alastair Gray, der Autor des Buches, das sie gerade übersetzt, gab ihr einen guten Rat: “Das Buch muss so ähnlich schmecken wie das Original.”

Das vollständige Interview können Sie auf der Website der Hilpoltsteiner Zeitung lesen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Hilpoltsteiner Zeitung, 29.07.2010.]

Context übersetzt Sachbuch “Aus Bester Familie” - Kompendium über Schweizer Familienunternehmen

Philip Dean Melton

Die Kölner Context Gesellschaft für Sprachen- und Mediendienste mbH wurde 1990 von Philip Dean Melton (Bild oben) gegründet. Seitdem konnten intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmen aus Medien, Wirtschaft, Handel, Bildung und Industrie aufgebaut werden. Context arbeitet eng mit Fachübersetzern, Textern, Linguisten und Lektoren zusammen und ist bekannt für hochqualitative Übersetzungen.

Seit mehr als sechs Jahren besteht eine Partnerschaft mit dem Verlag Deutsche Standards Editionen, die sich im Verlauf von mehreren Buchprojekten vertieft hat. Jüngstes Produkt ist das im Mai 2010 veröffentlichte Buch Schweizer Standards – Aus bester Familie. Darin werden  erstmalig 100 Schweizer Familienunternehmen in deutscher und französischer Sprache porträtiert. (Analog zu dem vom selben Verlag 2007 erarbeiteten Werk über rund 100 erfolgreiche deutsche Familienunternehmen: Deutsche Standards Aus bester Familie.)

Die Übersetzung ins Französische wurde bei Context angefertigt. Dabei war besonders das spezifisch schweizerische Vokabular der Wirtschaft von Bedeutung. Dieses wurde im Laufe des mehrmonatigen Projekts in intensivem Dialog mit dem Schweizer Verlagshaus erarbeitet.

Schweizer Standards – Aus bester Familie

Schweizer Standards - Aus bester FamilieFamilienunternehmen bilden in der Schweiz eine starke wirtschaftliche Basis. Etwa 88 % aller Unternehmen sind Familienbetriebe und beschäftigen rund zwei Drittel aller Arbeitskräfte. Prominente Marken, die einen Platz in der Sammlung gefunden haben: Die Confiserie Sprüngli, die Firmen Danzer, Ricola, Rivella, Liebherr und der Messerhersteller Victorinox: Namen, die weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt sind.

Das Werk versteht sich als Plädoyer für eine bewährte Unternehmensform. Was macht ein erfolgreiches Unternehmen aus, welche Strategien und Maßnahmen sind zu empfehlen, um Überleben und Ertragskraft von Firmen oder Marken zu sichern? Ein redaktioneller Schwerpunkt liegt dabei auf zwei für Familienunternehmen extrem wichtigen Themen: Nachfolgeregelung und Familieneinfluss.

Der gut 400-seitige Band ist fast wie ein Fotoalbum durchzublättern. Entstehung und Werdegang von Märkten und Marken, Persönlichkeiten und Anekdoten werden vorgestellt. Man wird neugierig, möchte Vergleiche stellen und Rückschlüsse auf Hintergründe und Privates ziehen. Jede Firma wird auf vier Seiten porträtiert, es stehen sich jeweils Seiten mit formatfüllenden Bildern und Textseiten gegenüber.

Eine weiteres Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Verlag und Übersetzungsbüro ist Grün Produzieren: Ein Kompendium, das deutsche Technologieunternehmen im Bereich Energieeffizienz und Ressourcenschonung porträtiert. Grün Produzieren geht auf eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) zurück. Auf über 600 Seiten werden die wichtigsten Branchenunternehmen vorgestellt - in diesem Fall reicht die Palette von der CO2-armer Stromerzeugung über intelligente Elektromotoren bis hin zur innovativen Feinstaubfilter-Technologie. Context lieferte die Fachübersetzung ins Englische (englischer Titel: Green Production Technologies).

Leseprobe Schweizer Standards – Aus bester Familie (PDF)

www.contextinc.com

[Text: Martin Terber. Quelle: Pressemitteilung Context, 2010-06-25. Bild: Context, Verlag Schweizer Standards.]

“Kein Autor, sondern Interpret”: Literaturübersetzer Eike Schönfeld im Porträt

„Eike Schönfeld, 60, ist ein schlaksiger Mann mit grauem Haar und dicker Brille.“ So beschreibt ihn das Hamburger Abendblatt in einem Porträt. Weiter heißt es:

Schönfeld ist Übersetzer, einer der renommiertesten in Deutschland. 80 Bücher hat er in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten ins Deutsche übertragen. […] Schönfeld ist Anglist. Er wird gebraucht, wenn Engländer oder, mehr noch, Amerikaner ins Deutsche übertragen werden sollen. Schönfeld hat J. D. Salinger, Nicholson Baker, Oscar Wilde und Jeffrey Eugenides verdeutscht.

Der Leser erfährt, dass Schönfeld erst im Alter von 37 Jahren nach einem Seminar am Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen zur „einsamen Angelegenheit“ des Bücherübersetzens gekommen ist.

Der Interviewer fragt, ob Schönfeld den Ehrgeiz, selbst einmal Verfasser eines Romans zu sein, nie gespürt habe:

Das muss man ja denken: dass einer, der nur überträgt, selber mal Schöpfer sein will. Übersetzer sind ja nur Dienstleister, irgendwie. Aber Schönfeld sagt: „Mir fällt nichts ein. Ich habe der Welt nichts mitzuteilen.“ Und das ist keine Selbstbescheidung, sondern eine Aussage, die implizit den Stolz auf den eigenen Beruf zum Ausdruck bringt. […] Er ist kein Autor, sondern Interpret.

Die Einkommenssituation der Literaturübersetzer beschreibt Schönfeld mit folgenden Worten: „Wir werden nicht reich.“ Aber immerhin werde die Arbeit hin und wieder gewürdigt – durch die Vergabe von Übersetzerpreisen oder auch durch Verlage wie Mare, die den Namen des Übersetzers nicht verstecken, sondern grundsätzlich mit auf den Buchumschlag drucken.

Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website des Hamburger Abendblatts lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Hamburger Abendblatt, 2010-07-13.]

Goethe-Institut und Buchmesse fordern bessere Übersetzungsförderung

Am 19. Januar 2010 haben das Goethe-Institut und die Frankfurter Buchmesse in Partnerschaft das 2. Hearing zur Übersetzungsförderung veranstaltet. Unter den über 60 Teilnehmern des Hearings waren die wichtigsten Akteure der Übersetzungsförderung vertreten, darunter 12 fördernde Stellen, Vertreter von rund 20 Verlagen und mehrere Literaturmittlerorganisationen. Übereinstimmend halten Goethe-Institut und Frankfurter Buchmesse folgendes Ergebnis fest:

1. Die Vermittlung von Literatur ist das Herzstück des internationalen Kulturaustausches. Übersetzung ist dabei das zentrale Instrument. Eine hohe Qualität der Übersetzung ist essentiell, um interkulturelle Verständigung zu ermöglichen.

2. In den letzten Jahren tritt neben die öffentliche Übersetzungsförderung zunehmend die private Förderung durch Stiftungen, Vereine und Privatunternehmen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass hier ein wachsender Bedarf in der Verlagsszene besteht. Der finanziellen Förderung von Übersetzung kommt für die Verbreitung von Wissenschaft und Literatur deutscher Herkunft eine wichtige Rolle zu. Denn die deutsche Sprache ist international schon lange auf dem Rückzug, immer weniger Verlagsleute weltweit verstehen oder lesen Deutsch. Die finanzielle Förderung von Übersetzungen kann ein entscheidender Anreiz sein für die Entscheidung eines ausländischen Verlags, ein deutsches Buch zu publizieren. Damit minimiert sich das finanzielle Risiko des Verlags.

Nach Jahren des kontinuierlichen Anstiegs der weltweiten Vermittlung von deutscher Literatur ins Ausland ist von 2007 auf 2008 ein starker Abschwung um rund 17 Prozent (7.600 verkaufte Lizenzen) zu beobachten. Wir empfehlen der Bundesregierung, die Förderung von Übersetzungen großzügiger zu unterstützen und die Vermittlung deutscher Literatur nicht dem „Spiel der Kräfte des freien Marktes“ zu überlassen.

3. Wir empfehlen den Ausbau der Aktivitäten der öffentlichen Geldgeber und privaten Stiftungen und Organisationen und gleichzeitig eine vermehrte Abstimmung der Tätigkeiten im Bereich der Übersetzungsförderung. Dazu halten wir es für sinnvoll, den steten Austausch der Förderer und Geförderten durch regelmäßige Treffen zu unterstützen. Ziel ist eine gemeinsame Festlegung der Prioritäten der Förderung und die Ermöglichung konzertierter, gemeinsamer Aktionen der Vermittlung von deutscher Literatur auf bestimmten Märkten und in bestimmten Ländern. Wir streben danach, den Austausch zwischen den Akteuren der Übersetzer- und Übersetzungsförderung in einem europäischen Kontext zu ermöglichen.

4. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg deutscher Autoren und Bücher im Ausland ist die gelungene Vermarktung vor Ort. Hier sollten ausländische Verlage stärker unterstützt werden.

5. Wir setzen uns dafür ein, dass die Tätigkeit von Übersetzern aus dem Deutschen angemessen unterstützt wird - durch die Unterstützung von Lobbyarbeit, durch Fortbildungsmaßnahmen und Förderung des Übersetzernachwuchses sowie durch die enge Verzahnung zwischen Übersetzer- und Übersetzungsförderung gerade in Fragen der Qualität und Honorierung.

6. Wir setzen uns dafür ein, die Gruppe der deutschen Literatur- und Kulturjournalisten stärker in die Aktivitäten der Übersetzungsförderung einzubinden und deren Vernetzung mit Vertretern der Verlagsbranche (Autoren, Übersetzer, Lektoren etc.), aber auch mit ausländischen Journalisten zu fördern. Ziel ist, eine internationale Öffentlichkeit zu schaffen für das Thema Literatur.

Frankfurter Buchmesse
Direktor Juergen Boos

Goethe-Institut
Leiter der Abteilung „Kultur und Information“ Dr. Christoph Bartmann

Hintergrund

Das Goethe-Institut ist der zentrale Mittler der auswärtigen Kulturpolitik. Die finanzielle Förderung von Übersetzungen ist zentrale Aufgabe der Regional-Institute im Ausland. Für die Übersetzung von Literatur, Drehbüchern oder Theaterstücken bereitet das Goethe-Institut durch seine allgemeinen Vermittleraktivitäten im Bereich der Kultur den Boden - es sieht sich als „Interessenwecker“ und seine Aufgabe besteht zuallererst darin, Begegnung zu stiften, zwischen Autor und Leser, zwischen deutschem Buch und ausländischem Verlag.

Für die Frankfurter Buchmesse ist der internationale Handel mit Übersetzungsrechten und damit dem geistigen Eigentum ein wichtiges Kerngeschäft. Auch unterstützt die Frankfurter Buchmesse mit ihren Auslandsbüros und internationalen Messeteilnahmen die Interessen der deutschen Autoren und Verlage im Ausland, indem sie aktiv deutsche Literatur und Fachinformation auf internationalen Märkten anbietet.

[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Pressemitteilung Frankfurter Buchmesse, 2010-01-20.]

Brasilien wird Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2013

BrasilienBrasilien wird Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2013. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten diese Woche der brasilianische Kulturminister Juca Ferreira und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, in Brasilia. Damit ist Brasilien - nach 1994 - zum zweiten Mal Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Die Vertragsunterzeichnung soll in den nächsten Wochen erfolgen. „Brasilianische Autoren werden - außer den Klassikern wie Jorge Amado und dem Ausnahmefall Paulo Coelho - in den letzten Jahren in Deutschland so gut wie nicht übersetzt. Hier gibt es natürlich einiges aufzuholen“, so Boos. Zeitgenössische Autoren wie Patrícia Melo, Bernardo Carvalho, Milton Hatoum und Paulo Lins liegen in deutscher Übersetzung vor, weitere wie Adriana Lisboa, Joấo Paulo Cuenca und Santiago Nazarian sind bislang noch unentdeckt. Aber auch Klassiker wie Joấo Guimarấes Rosa blieben bislang in deutscher Sprache unübersetzt.

„Unser Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse ist nicht nur für die Verlagsbranche eine Chance, sondern auch für den kulturellen Dialog Brasiliens mit der Welt“, so Juca Ferreira. Der international bekannte Comic-Zeichner Maurício de Sousa, der bei der Unterzeichnung anwesend war, sagte, mit der Teilnahme am Ehrengastprogramm trage man eine große Verantwortung, da die Buchmesse international „das größte Schaufenster im literarischen Bereich“ biete. Der Vertreter der Academia Brasileira de Letras (ABL), Mauricío de Mello, betonte: „Brasilien ist sich im Klaren, dass der ökonomische Erfolg des Landes und der Fortschritt natürlich mit dem kulturellen Engagement einher gehen muss.“

Brasilien ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Südamerika. Der brasilianische Buchmarkt zeichnet sich durch ein hohes Maß an Professionalität und eine rege Übersetzungsaktivität aus. Rund 45.000 Titel erscheinen pro Jahr neu. Die Hauptlizenzgeber für Brasilien stammen aus dem englischsprachigen Raum. Für Deutschland ist Brasilien mit 178 (2007: 156) Lizenzen der größte Lizenzabnehmer auf dem amerikanischen Kontinent - noch vor den USA (143). Während spanischsprachige Länder Lateinamerikas unter dem Einfluss spanischer Verlagsgruppen stehen, agiert der brasilianische Buchmarkt völlig autark vom portugiesischen Buchmarkt.

Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern, einer Ausstellungsfläche von 170.000 Quadratmetern, rund 300.000 Besuchern und 10.000 akkreditierten Journalisten die größte Buch- und Medienmesse der Welt.

[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Pressemitteilung Frankfurter Buchmesse, 2010-06-23. Bild: Archiv.]

Weltempfang statt Übersetzer-Zentrum: Tobias Voss im Interview

Tobias Voss“Weltempfang” heißt das neue Zentrum in Halle 5.0 auf der Frankfurter Buchmesse, in dem das bisherige “Internationale Zentrum” und das “Übersetzer-Zentrum” verschmelzen werden. Was das Zentrum alles zu bieten hat, verrät der Projektverantwortliche Tobias Voss (Bild) im Interview.

Der neue Name ist auch Programm: Hier wird der Welt ein glänzender Empfang bereitet. Lesungen und Diskussionsforen mit internationalen Autoren und Übersetzern aus aller Welt finden im neuen Zentrum ihren Platz. Gleichzeitig ist es Treffpunkt für Vertreter von Mittlerorganisationen - wie beispielsweise dem Goethe-Institut oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD - und für internationale Verleger aus sich entwickelnden Buchnationen, die im Rahmen des Einladungsprogramms auf der Frankfurter Buchmesse ausstellen.

Auf der Buchmesse 2010 verschmelzen das Internationale Zentrum und das Übersetzer-Zentrum zur neuen Plattform “Weltempfang - Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung”. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Hintergrund dieser Entscheidung ist letztlich die derzeitige ökonomische Situation, die ein Überdenken unseres finanziellen Engagements in diesem Bereich notwendig machte. Auch die Zuwendungen von Seiten unseres Kooperationspartners haben sich für dieses Jahr verringert.

Als sich in der vorbereitenden Diskussion abzeichnete, dass es um substantielle Einsparungen gehen wird, war für uns schnell klar, dass wir einen neuen Lösungsansatz brauchen. Denn inhaltlich wollten wir keinesfalls auf eines der beiden alten Zentren verzichten, da beide für uns sehr wichtig sind. Da sie in ihrer Ausrichtung jedoch in gewisser Weise ähnlich sind, lag die Idee nahe, die beiden Zentren zusammenzuführen und so die Aktivitäten zu bündeln.

Was steckt hinter dem Namen “Weltempfang”?

Der Name Weltempfang verweist zum einen auf die internationale Ausrichtung des Programms. Wie in den beiden Zentren vorher geht es auch im neuen Zentrum weiterhin um den internationalen Austausch - einmal auf der Ebene der Sprache und dann auf der Ebene des Denkens und des Diskurses.

“Empfang” spielt natürlich auf Sender und Empfänger an, auf den damit verbundenen Austausch von Ideen und Perspektiven und die Tatsache, dass es hier um Vermittlung gehen wird.

Außerdem kommt noch ein weiterer Aspekt bei der Namensgebung hinzu, der uns nach wie vor ein wichtiges Anliegen ist. Ganz real empfängt die Frankfurter Buchmesse im Areal des Zentrums Weltempfang zusammen mit dem Auswärtigen Amt ihre Einladungsgäste aus allen Teilen der Welt und gibt ihnen damit die Möglichkeit, sich auf dem internationalen Parkett vorzustellen.

Wie wird dieses neue Zentrum aussehen?

Dem Standort in Halle 5.0 bleiben wir in jedem Fall treu. Nun sind wir dabei, dem Areal durch eine neue Architektur ein frisches Gesicht zu geben. Die Vorstellungen gehen derzeit dahin, dass wir eine zentrale Veranstaltungsfläche haben werden, um die die Stände der Einladungsgäste und der Mittlerorganisationen gruppiert werden. Zudem ist eine zweite, etwas kleinere Veranstaltungsfläche geplant, die Möglichkeiten für neue Formate eröffnen soll. Der Treffpunkt für Übersetzer mit Infotheke und eigenem Stand soll ebenfalls erhalten blieben und auch ein Café wird es wieder geben. Endgültig entschieden ist allerdings noch nichts, wir stecken mitten im Planungsprozess.

Steht schon fest, welche Höhepunkte das Programm im Zentrum bieten wird?

Nein, das Programm steht noch nicht fest, dafür ist es noch zu früh. Die Planung ist natürlich schon in vollem Gange. In einem ersten Treffen mit den im neuen Zentrum ansässigen Mittlerorganisationen wurden Vorschläge eingebracht, die nun ausgearbeitet werden müssen.

Welche Vorteile bietet das neue Zentrum?

Wie gesagt, das Internationale Zentrum und das Übersetzer-Zentrum haben Themen mit großer Schnittmenge behandelt, die nun im neuen Zentrum fokussiert in einem neuen Zusammenhang betrachtet werden können. So geht es zum Beispiel bei der Übersetzung eines literarischen Textes nicht nur um eine rein wörtliche Übersetzung, sondern immer auch um die Übersetzung des kulturellen Kontextes. Die Übersetzung vermittelt die Besonderheiten einer fremden Kultur inklusive politischer Aspekte - insofern sind Übersetzer auch immer Kulturmittler.

Diese Darstellung verschiedener kultureller und politischer Aspekte und Perspektiven war immer schon ein zentrales Anliegen des Internationalen Zentrums. Die gleichberechtigte Aufnahme der Übersetzer in die Reihe der kulturvermittelnden Organisationen und Institutionen ergibt sich so gesehen von selbst.

Ich denke also, wir können mit dem neuen Areal “Weltempfang - Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung” sowohl Übersetzern als auch internationalen Autoren, Verlagen sowie den Mittlerorganisationen eine sehr attraktive Plattform bieten.

[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Frankfurter Buchmesse, 2010-04. Bild: Frankfurter Buchmesse.]

Kompromiss: Frankfurter Buchmesse 2010 mit Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung

Frankfurter BuchmesseWie bereits berichtet, wird es in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse kein Übersetzer-Zentrum mehr geben. Grund dafür sind die Mittelkürzungen des Auswärtigen Amts, das der Hauptgeldgeber des groß angelegten Standes war. Auch die Ausstellungs- und Messe GmbH hatte angekündigt, ihr Engagement für das Übersetzer-Zentrum zurückzufahren. Sie versprach jedoch, in kleinerem Rahmen eine adäquate Lösung für die Übersetzer finden zu wollen.

Jetzt wurden die Grundzüge des neuen Konzepts bekannt gegeben: Das bisherige „Internationale Zentrum“ und das „Übersetzer-Zentrum“, die ohnehin direkt nebeneinanderlagen, werden zu einem neuen Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung zusammengefasst. Es trägt den Namen „Weltempfang“ und soll gemeinsam mit Organisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik den internationalen Kulturaustausch und Wissenstransfer fördern. Die Messegesellschaft schreibt dazu:

In der Mitte der Halle 5.0 gelegen umfasst der „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ eine große Bühne für publikumsstarke Veranstaltungen. Daneben verfügt er über einen Kleinen Salon für Fachdiskussionen und literarische Begegnungen. Abgerundet wird das Areal von dem Café-Bereich, der zum Weiterdiskutieren, sich Verabreden oder einfach nur zum Ausruhen einlädt.  Beim Weltempfang wird es wie bisher Lesungen und Diskussionsforen mit internationalen Autoren geben. Er wird Treffpunkt sein für Übersetzer. Und er wird ein Raum für Veranstaltungen zu den Besonderheiten des Übersetzens sein. Auch die geselligen Momente kommen nicht zu kurz: In den frühen Abendstunden schließt der Weltempfang mit einer Happy Hour.

Der bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Übersetzer-Zentrums federführende Literaturübersetzerverband VdÜ begrüßt den erzielten Kompromiss:

Das „Übersetzerzentrum“ als eigener Ort mit eigenem Namen ist also – vorerst – verloren. Der Buchmesse haben wir es zu verdanken, dass unsere Tätigkeit immerhin im Namen des neuen Zentrums noch erhalten ist, dafür danken wir und arbeiten bereits engagiert daran mit, dem neuen Ort Inhalt und Qualität zu verleihen, damit er für die Sichtbarkeit von uns Übersetzenden sorgt und ein attraktiver Treffpunkt bleibt − nicht zuletzt für Übersetzende und Medienvertreter.

Auf dem „Weltempfang“ sind folgende Organisationen mit eigenen Ständen vertreten: VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.), BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.), Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), Deutsches Kulturforum östliches Europa, Goethe-Institut, Südasien-Institut der Universität Heidelberg sowie das Institut français d’histoire en Allemagne. Erhalten bleiben die Informationstheke für Übersetzer sowie der Programmpunkt „Gläserner Übersetzer“, bei dem man einem Vertreter der Berufsgruppe bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.

Der VdÜ hat die Hoffnung auf eine Rückkehr zum eigenständigen Übersetzer-Zentrum noch nicht aufgegeben. Hinter den Kulissen bemüht er sich um eine Rücknahme der Mittelkürzungen, damit sich die Übersetzungsbranche später wieder in der Form präsentieren kann, die sich in den sieben „fetten“ Jahren von 2003 bis 2009 allseits großer Beliebtheit erfreute.

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Die fetten Jahre sind vorbei: Frankfurter Buchmesse 2010 ohne Übersetzer-Zentrum
2003: Erstmals internationales Übersetzer-Zentrum auf Frankfurter Buchmesse

[Text: Richard Schneider. Quelle: VdÜ, Frankfurter Buchmesse. Bild: Frankfurter Buchmesse.]

Applaus, Applaus! Museum für Disney-Übersetzerin Erika Fuchs kommt voran

Erika Fuchs„Das geplante Museum für die Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs in ihrer Heimat Schwarzenbach an der Saale hat eine wichtige Hürde genommen: Der Disney-Konzern, der die Rechte an den Zeichentrickfiguren hält, hat nach Angaben der Stadt seine Zustimmung zu dem Projekt gegeben“, vermeldet der Bayerische Rundfunk.

Disney habe den Ehapa-Verlag als Lizenznehmer seiner Comics beauftragt, es den Organisatoren möglichst einfach zu machen, Zeichnungen und Texte bei der Museumsgestaltung und als Exponate zu verwenden. Darüber hinaus erklärte sich der Chefredakteur der Zeitschrift Micky Maus bereit, im redaktionellen Teil der Hefte auf das Museum und dortige Ausstellungen hinzuweisen. Weitere Projektbeteiligte sind die Erika-Fuchs-Stiftung sowie die Oberfrankenstiftung in Bayreuth. Schwarzenbachs Bürgermeister hofft, dass sich das Museum zu einem Besuchermagneten entwickelt.

Die 2005 verstorbene promovierte Kunsthistorikerin Erika Fuchs (Bild) übertrug für die Wochenzeitschrift Micky Maus  über Jahrzehnte die Geschichten von Donald und Co. ins Deutsche. Von 1951 bis 1988 war sie Chefredakteurin des Blatts.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
„Wortschatz der Dichter und Denker“ – Zum 100. Geburtstag von Disney-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs

Gedenkplakette am Wohnhaus von Erika Fuchs
Gedenkplakette am langjährigen Wohnhaus von Erika Fuchs, gestiftet von der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.)

[Text: Richard Schneider. Quelle: Bayerischer Rundfunk, 2010-04-01. Bild: Ehapa, Wikipedia.]

Literaturübersetzer Ulrich Blumenbach erhält Preis der Leipziger Buchmesse

Ulrich Blumenbach

Normalerweise berichtet uepo.de nicht über Preisverleihungen an Literaturübersetzer. Denn davon gibt es allein in Deutschland mehr als das Jahr Wochen hat. Die meist vierstelligen Preisgelder dienen zudem in erster Linie der finanziellen Unterstützung einer benachteiligten Berufsgruppe und erst nachrangig der Auszeichnung herausragender Leistungen. Im nachfolgenden Fall möchten wir jedoch eine Ausnahme machen und geben eine Pressemitteilung der Leipziger Buchmesse wieder:

Am 18. März 2010 wurde zum sechsten Mal der renommierte Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Nominiert waren jeweils fünf Autoren oder Übersetzer in den Kategorien “Belletristik”, “Sachbuch/Essayistik” und “Übersetzung”. Die Jury unter Vorsitz von Verena Auffermann (Bild unten) entschied sich in der Kategorie Übersetzung für Ulrich Blumenbach (Bild) und seine unter dem Titel Unendlicher Spaß erschienene Übersetzung des Romans Infinite Jest von David Foster Wallace (Verlag Kiepenheuer & Witsch).

Die Begründung

“Unendlicher Spaß” - das klingt wie die Paradiesvision unserer Epoche, wie die ultimative Glücksutopie für ein Zeitalter, dem das nie endende Vergnügen als einzig noch erstrebenswerter Lebensinhalt gilt. Aber “Infinite Jest”, der amerikanische Originaltitel des 1996 erschienenen Romans von David Foster Wallace, zitiert die berühmteste Totengräberszene der Weltliteratur: Shakespeares Hamlet erinnert sich an den Hofnarren Yorick, “a man of infinite jest”, als er dessen Totenschädel erblickt. Es ist eine Schreckensvision, die der 1962 geborene und vor eineinhalb Jahren durch Selbstmord verstorbene Autor in diesem monumentalen Meilenstein der amerikanischen Literatur entworfen hat. Die hochaktuelle Schreckens-vision von der tödlichen Unterhaltung, der desaströsen Einlösung und gleichzeitigen Abschaffung des amerikanischen Traums vom “pursuit of Happiness”. Ein Gesellschaftsroman ist dieses gewaltige Buch, mehr noch: ein zutiefst pessimistischer Weltentwurf.

Sechs Jahre hat Ulrich Blumenbach daran gesessen, diese komplexe, absurde, dunkle Welt im Deutschen neu zu erfinden. Sechs Jahre, in denen er sich bis in die feinsten Verästelungen der Psychiatrie, des Drogenkonsums und des Tennis, der Philosphie, Sprachtheorie und Mathematik einlesen musste. Doppel- und Dreifachcodierungen von Figuren und Sprachebenen galt es aufzulösen und umzusetzen. Blumenbach musste mit Stilebenen jonglieren in einer atem-beraubenden Virtuosität. Und die entlegensten, vergriffensten Wörter-bücher ausfindig machen, aus denen sich Wallace bediente. Er musste Wörter erfinden, die es bislang nicht gab, weil David Foster Wallace diesen Sport ähnlich perfekt beherrschte wie Tennis. Und bei allen technischen, ja wissenschaftlichen Schwierigkeiten dieser Arbeit, bei den enormen sprachschöpferischen Anforderungen, die diese Aufgabe an ihn stellte, ist es Blumenbach auch gelungen, das tiefe Mitleiden, die unendliche Empathie zu transportieren, die David Foster Wallace für seine Figuren empfand.

Der Übersetzer

Ulrich Blumenbach, geboren 1964 in Hannover, lebt in Basel. Er studierte Anglistik und Germanistik in Münster, Sheffield und Berlin. Seit 1993 übersetzt er Romane und Essays, u. a. von Paul Beatty, Agatha Christie, Kinky Friedman, Stephen Fry, Arthur Miller und Tobias Wolff ins Deutsche. 2009 erhielt er den Ledig-Rowohlt-Preis.

Die übrigen Nominierten in der Kategorie Übersetzung

  • Christian Hansen: 2666, aus dem Spanischen von Autor Roberto Bolaño (Carl Hanser Verlag)
  • Grete Osterwald: Waltenberg, aus dem Französischen von Autor Hédi Kaddour (Eichborn Verlag)
  • Rosemarie Tietze: Anna Karenina, aus dem Russischen von Autor Lew Tolstoi (Carl Hanser Verlag)
  • Hubert Witt: Wilner Getto 1941-1944: Gesänge vom Meer des Todes, aus dem Jiddischen von Autor Abraham Sutzkever (Ammann Verlag)

Alle nominierten Bücher werden auf dem Internetportal www.literaturport.de mit Hörproben vorgestellt.

Zum Preis der Leipziger Buchmesse

Der Preis ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Dotiert ist er mit insgesamt 45.000 Euro. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB), Medienpartner sind die Wochenzeitschrift DIE ZEIT und das Magazin BÜCHER.

Die Jury

Verena Auffermann (Vorsitz), Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung), Dr. Ina Hartwig, Kristina Maidt-Zinke (Süddeutsche Zeitung), Elmar Krekeler (Die Welt), Dr. Adam Soboczynski (Die Zeit) und Volker Weidermann (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Sechs Jahre für ein Buch. Lohnt sich das?

Soweit die Pressemitteilung der Leipziger Buchmesse. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel wurde Blumenbach 2009 gefragt, ob es sich lohne, sechs Jahr auf die Übersetzung eines Buchs zu verwenden. Seine Antwort: “Ideell? Natürlich.” Auf die Nachfrage, ob es sich denn auch finanzielle lohne, für die vorab vereinbarten 52.000 Euro Honorar sechs Jahre zu arbeiten, erklärte Blumenbach: “Mein Verleger Helge Malchow sagte sehr schön, dass der ,Unendliche Spaß’ nicht ,im Zentrum unserer Umsatzerwartungen’ stehe, aber immerhin bin ich vom ersten Exemplar an erfolgsbeteiligt. Geplant waren ursprünglich vier Jahre Arbeit und das Erscheinen für 2007, das Honorar war ein Drittel dessen, was ich zum Leben brauchte. Eine kleine Erbschaft habe ich in dieser Zeit aufgebraucht.”

In einem Interview mit der Zeit antwortet Blumenbach auf die Frage, ob der Übersetzerberuf immer noch unterschätzt werde: “Er war es lange. Aber es wird besser. Wir rücken zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit, das sieht man auch an diesem Preis, der hier in Leipzig verliehen wird. Nebenbei: Deutschland hat eine hervorragende Übersetzerkultur, das ist eine historische Tatsache. Sie ist eine der besten der Welt. ”

Auffermann, Buhl-Wagner, Blumenbach
Jury-Vorsitzende Verena Auffermann und Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, gratulieren Ulrich Blumenbach zum Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung

[Text: Leipziger Buchmesse. Quelle: Pressemitteilung Leipziger Buchmesse, 2010-03-18; Spiegel, 2009-09-08; Zeit. 2010-03-19. Bild: Presseservice Leipziger Messe GmbH/Ronald Bonß.]