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Archiv der Kategorie Literaturübersetzer
Schwarzenbach baut Museum für Comic-Übersetzerin Erika Fuchs
27.2.2012 von Richard Schneider.

Entwurf des siegreichen Architekturbüros für das Entrée des Dr.-Erika-Fuchs-Hauses. Dies ist die Schmalseite des Hauses. Das Gebäude und das anschließende Freigelände ziehen sich sehr weit in die Tiefe, wie der Grundriss zeigt.
Im oberfränkischen Schwarzenbach an der Saale (10 km südlich von Hof) haben die Stadtoberen die Einrichtung eines Erika-Fuchs-Museums beschlossen.
Dr. Erika Fuchs war die erste Übersetzerin der Disney-Comics ins Deutsche und von 1951 bis 1988 gleichzeitig Chefredakteurin der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Micky Maus. Die 2005 verstorbene promovierte Kunsthistorikerin wurde in Rostock geboren, lebte aber von 1932 bis 1984 in Schwarzenbach. Der Bayerische Rundfunk erklärt in einem Radiobeitrag, dass die Verbundenheit zur Region Oberfranken auch in den Übersetzungen zum Ausdruck kam:
Dabei hat sie aber nicht nur stur übersetzt, sondern die Comic-Geschichten auch in die Region verlegt. In ihren Texten tauchen beispielsweise die Luisenburg oder die weltbekannte Eisenbahnstrecke “Schiefe Ebene” auf. Und wenn Donald mit seiner geliebten Daisy spazieren geht, dann durchs Höllental im Frankenwald. Enten-Onkel Dagobert betreibt sogar einen Skilift am Ochsenkopf.
Neben dem heimatgeschichtlichen Aspekt soll das Museum auch den großen Einfluss von Erika Fuchs auf die deutsche Sprache zeigen: Aussprüche wie “Dem Ingeniör ist nichts zu schwör” und andere berühmte Sätze aus Entenhausen stammen aus ihrer Feder.
Ein Architektenwettbewerb wurde bereits 2011 abgeschlossen und das am besten geeignete Konzept ausgewählt. In zentraler Lage am Maxplatz soll ein baufälliges Haus abgerissen und ein Museumsneubau errichtet werden.
Die Kosten belaufen sich auf 4,3 Mio. Euro - ein Betrag, den das 7.500-Seelen-Städtchen Schwarzenbach nicht aus eigener Kraft aufbringen kann. Deshalb wurde ein Finanzierungskonzept erarbeitet, bei dem sich 90 Prozent der Summe aus diversen Fördermitteln von Land, Bund und EU zusammensetzen. Darüber hinaus hat der Disney-Konzern bereits die Lizenzrechte für Exponate zugesagt. Der Egmont-Ehapa-Verlag, der die Disney-Comics im deutschsprachigen Raum vertreibt, will das Museum nach Kräften unterstützen und im Micky Maus Magazin (Auflage 175.000) auf Ausstellungen im Dr.-Erika-Fuchs-Haus hinweisen.
Ende 2013 soll das Museum seine Pforten öffnen und jährlich rund 15.000 Besucher nach Schwarzenbach ziehen.
Die Initiative für ein “Erika-Fuchs-Haus” ging 2006 von Gerhard Severin (55) aus, einem begeisterten D.O.N.A.L.D.-Mitglied (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus). Im wahren Leben ist Severin Richter am Amtsgericht Hof. Er gründete gemeinsam mit anderen Donaldisten die Erika-Fuchs-Stiftung und deren Förderkreis “Club der Milliardäre”. Im Schwarzenbacher Bürgermeister Alexander Eberl fand er einen gleichgesinnten Verbündeten.
Die Website zum Museumsprojekt: www.erika-fuchs.de
Mehr zum Thema im Übersetzerportal
2011-09-18: 60 Jahre Micky-Maus-Übersetzungen: Wie Erika Fuchs eine eigene Sprache für die Mäusewelt schuf
2010-10-14: Lokalisierung in der Literaturübersetzung: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte
2010-04-06: Applaus, Applaus! Museum für Disney-Übersetzerin Erika Fuchs kommt voran
2006-12-07: „Wortschatz der Dichter und Denker“ – Zum 100. Geburtstag von Disney-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs
[Text: Richard Schneider. Quelle: Bayerischer Rundfunk, 2012-02-16; Frankenpost, 2011-07-04; Dokumentation Realisierungswettbewerb Dr.-Erika-Fuchs-Haus, herausgegeben von der Stadt Schwarzenbach an der Saale. Bild: Dokumentation Realisierungswettbewerb.]
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litprom: 13 Verlage erhalten Übersetzungsförderung
16.2.2012 von Jessica Antosik.
Das Auswärtige Amt und die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia bezuschusst die Übersetzung von 14 ausländischen Titeln. Zehn Übersetzungen erscheinen bei 9 unterschiedlichen deutschen Verlagen, vier in Schweizer Verlagen. Bereitgestellt wurden dafür rund 50.000 Euro. So kann litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V., mit den Mitteln aus Deutschland und der Schweiz einen Übersetzungszuschuss bewilligen. Die Werke stammen aus Marokko, Südafrika, Sierra Leone, Pakistan, Indien, Spanien/Mexiko, Nigeria, Iran, Argentinien, Nicaragua, Syrien und Paraguay. Im Frühjahr 2012 werden folgende Titel gefördert:
- Abdellah Taïa (Marokko). Der Tag des Königs. Roman. Originaltitel: Le jour du Roi. Aus dem Französischen von Andréas Riehle; Suhrkamp Verlag, Berlin, März 2012
- Jenny Robson (Südafrika). Tommy Mütze. Kinderbuch. Originaltitel: Balaclava Boy. Aus dem Englischen von Barbara Brennwald; Baobab Books, Basel, Frühjahr 2012
- Aminatta Forna (Sierra Leone/Großbritannien). Ein Lied aus der Vergangenheit. Roman. Originaltitel: Memory of Love. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini; DVA, München, April 2012
- Mohammed Hanif (Pakistan). Alice Bhattis Himmelfahrt. Roman. Originaltitel: Our Lady of Alice Bhatti. Aus dem Englischen von Ursula Gräfe; A1 Verlag, München, März 2012
- Kiran Nagarkar (Indien). Die Statisten. Roman. Originaltitel: The Extras. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini; A1 Verlag, München, August 2012
- Krishna Baldev Vaid (Indien). Tagebuch eines Dienstmädchens. Roman. Originaltitel: Ek naukrani ki diary. Aus dem Hindi von Anna Petersdorf; Draupadi Verlag, Heidelberg, Juni 2012
- Michi Strausfeld (Hg.). Dunkle Tiger. Eine Anthologie der lateinamerikanischen Lyrik 1950-2000. Aus dem Spanischen von verschiedenen Übersetzern; S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M., Mai 2012
- Paco Ignacio Taibo II (Spanien/Mexiko). Die Rückkehr der Tiger von Malaysia. Roman. Originaltitel: El retorno de los Tigres de la Malasia. Aus dem Spanischen von Andreas Löhrer; Assoziation A, Berlin, Mai 2012
- Sefi Atta (Nigeria). Hagel auf Zamfara. Stories. Originalitel: News from Home. Aus dem Englischen von Eva Plorin; Hammer Verlag, Wuppertal, Frühjahr 2012
- Mahmud Doulatabadi (Iran). Ssolouk. Roman. Orginaltitel: 2003, Nilofar. Aus dem Persischen von Bahman Nirumand; Unionsverlag, Zürich, Februar 2012
- Antonio Dal Masetto (Argentinien). Die Magnolienmädchen. Originaltitel: Tres genias en la magnolia. Aus dem Spanischen von Susanna Mende; Rotpunktverlag, Zürich, Frühjahr 2012
- Sergio Ramírez (Nicaragua). Strafe Gottes. Originaltitel: Castigo Divino. Aus dem Spanischen von Thomas Brovot; Edition 8, Zürich, August 2012
- Rosa Yassin Hassan (Syrien). Wächter der Lüfte. Originaltitel: Hurras al-hawa. Aus dem Arabischen von Stephan Milich; Alawi Verlag, Köln, September/Oktober 2012
- Susana Gertopán (Paraguay). Die dunkle Gasse. Originaltitel: El callejón oscuro. Aus dem Spanischen von Stefan Degenkolbe; Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin, Frühjahr 2012 (war bereits Antrag 29/2011)
litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. wurde 1980 in Frankfurt anlässlich des Buchmesse-Schwerpunkts Schwarzafrika von Journalisten, Verlegern, Übersetzern, Professoren, Mitarbeitern der Kirche, von Entwicklungshilfeorganisationen und der Frankfurter Buchmesse gegründet. Sie wird von der Frankfurter Buchmesse und dem Evangelischen Entwicklungsdienst mitgetragen. Der Verein zielt darauf ab, über literarische Entwicklungen und Tendenzen in Afrika, Asien sowie Lateinamerika zu informieren und Kontakte zwischen den Buchmärkten der drei Kontinente und dem deutschsprachigen Raum herzustellen. Die Gesellschaft macht interessante Werke ausfindig und empfiehlt ihre Übersetzung in die deutsche Sprache. Die vorgeschlagenen Titel können von den Verlagen zur Prüfung angefordert werden. Seit 1984 betreibt die Gesellschaft ein Programm zur Übersetzungsförderung für belletristische Werke aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Dieses finanziert sich aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und der Schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA und erlaubt Zuschüsse für etwa 20 Übersetzungen pro Jahr.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: litprom.de.]
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“Kann man Asterix übersetzen?” - “Ja, aber …”, meint Klaus Jöken
14.2.2012 von Richard Schneider.
Klaus Jöken (54) hat am 31.01.2012 im saarländischen Völklingen einen Vortrag zum Thema „Kann man Asterix übersetzen?” gehalten. Der auf Comics spezialisierte Literaturübersetzer referierte im Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Begleitprogramm zur Ausstellung „Asterix & Die Kelten“.
Die Rohübersetzung eines Asterix-Bandes erstelle er in vier Tagen, so Jöken. Für deren Überarbeitung und den Feinschliff benötige er aber dann noch sechs bis acht Wochen.
Es gebe Wendungen, die man nicht direkt übersetzen könne. So heiße es beim Barden Troubadix im Original: „Wenn der singt, fängt es an zu regnen.“ Dieses Sprichwort existiere im Deutschen nicht, deshalb müsse er sich für die Übersetzung eine möglichst treffende inhaltliche Entsprechung einfallen lassen. Manche Wortspiele ließen sich gar nicht übertragen, sodass der Übersetzer dann an anderer Stelle einen eigenen Witz platziere, „um das Gesamtniveau des Humors zu halten“.
Eine besondere Herausforderung seien Redewendungen mit Zahlen und auf die Zeichnungen zugespitzte Formulierungen, da man als Übersetzer an den Bildern nichts verändern könne. Problematisch sei auch, dass die deutsche Übersetzung stets 10 bis 15 Prozent länger als der französische Ausgangstext werde, aber trotzdem in den Sprechblasen nicht mehr Platz zur Verfügung stehe.
Auch inhaltlich sei er als Übersetzer nicht völlig frei, sondern müsse sich an Vorgaben des Verlags halten: „Kein Sex, keine Politik und keine unflätigen Ausdrücke.“
Jöken ist ein überaus erfahrener Comic-Übersetzer und hat schon mehr als 350 Bände übersetzt, vor allem Lucky Luke. „Asterix ist jedoch das Höchste, es gibt nichts Schwierigeres. Denn das besondere daran ist, dass er von allen gelesen wird. Von Kindern und Erwachsenen, von Akademikern und Menschen mit einfachem Schulabschluss“, sagt Jöken. Für alle Lesergruppen müsse man in die Übersetzung „etwas hineinpacken“.
Er sei bei einem kleinen Verlag eher zufällig zum Comic-Übersetzen gekommen, so Jöken, und habe später Asterix-Filmbücher ins Deutsche übertragen. 2004 setzte er sich in einem Auswahlverfahren gegen drei Mitbewerber als neuer Asterix-Übersetzer durch. Seitdem hat der die Bände Gallien in Gefahr und Asterix und Obelix feiern Geburtstag übertragen.
Die rheinische Frohnatur aus Kleve lebt seit mehr als 25 Jahren gemeinsam mit seiner Frau in der Auvergne. Ein aktueller Artikel der Regionalpresse über den Wahlfranzosen ist auf lamontagne.fr erschienen. Darin lobt der Reporter unter anderem das „français impeccable“ des Deutschen.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2008 war Klaus Jöken im Übersetzer-Zentrum einer der „gläsernen Übersetzer“, denen man bei der Arbeit über die Schulter schauen durfte. Jöken tat dies gut gelaunt und bezog das wissbegierige Publikum mit ein.
Weitere Vorträge zur Ausstellung „Asterix & Die Kelten“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte:
- Am Dienstag, dem 14. Februar 2012, widmet sich Prof. Dr. Bernhard Maier dem spielerischen Umgang mit der keltischen und lateinischen Sprache in Asterix. Der Vortrag „Beim Teutates – Beim Jupiter: Asterix zwischen Gallisch und Latein“ erklärt, was die keltischen Namen und Wörter in den Asterix-Comics über die Kultur der Gallier verraten. Bernhard Maier lehrt an der Universität Tübingen und ist einer der renommiertesten Forscher zur keltischen Kultur.
- Am Dienstag, dem 28. Februar 2012 analysiert Michael F. Walz den außergewöhnlichen internationalen Erfolg von Asterix, der in der Unterhaltungsindustrie seinesgleichen sucht. Michael F. Walz ist langjähriger Herausgeber der Asterix-Publikationen in deutscher Sprache und ist heute Geschäftsführer der Asterix-Lizenzagentur. Den verlegerischen Erfolg von Asterix sieht er als einen außergewöhnlichen deutsch-französischen Glücksfall.
Infos zur Ausstellung „Asterix & Die Kelten“ unter www.voelklinger-huette.org.
Mehr zum Thema im Übersetzerportal
2009-10-29: Asterix-Übersetzer Klaus Jöken: “Meine Lieblingsfigur ist Troubadix”
2005-10-21: „Erst einmal zwei Wochen lang die Haare gerauft“ – Der neue Asterix-Übersetzer Klaus Jöken im Interview
[Text: Richard Schneider. Quelle: dapd, 2012-02-01; Saarbrücker Zeitung, 2012-02-04; Pressemitteilung Völklinger Hütte, 2012-01-11. Bild: Völklinger Hütte (Plakat); Richard Schneider.]
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Silikon und Sprengstoff in Steve-Jobs-Biografie: Turbo-Eindeutschung durch sechs Übersetzer misslungen?
16.1.2012 von Nina Neumann.
Sie hat Tausende Gabentische geschmückt und steht seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten: die Biografie des Apple-Gründers Steve Jobs. Ein großer Buchversand beschreibt das Werk als „Die Biografie des Jahres über einen der revolutionärsten Entwickler der Welt“. Gleich im ersten von 41 Kapiteln der ersten Auflage findet der Leser merkwürdige Sätze wie: „Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt.“ Sein Aufstieg beginnt mit dem Bericht über zwei Elternpaare? Ein Tal, in dem Silikon in Gold verwandelt wird? Nicht ausgeschlossen, dass bei dem einen oder anderen Leser jetzt Bilder von auffallend üppig bestückten Blondinen durch den Kopf spuken. Nein, in der Biografie geht es gewiss nicht um San Fernando Valley. Das liebliche Tal im Nordwesten von Los Angeles wird wegen der dort ansässigen Pornofilmindustrie auch „Silicone Valley“ genannt. Der Buchstabe „e“ macht den entscheidenden Unterschied, trennt High Tech von Schmuddelecke.
Falsche Freunde
Wie kann so etwas passieren, in einem der größten Verlage der Welt bei der „Veröffentlichung des Jahres“? Dazu Übersetzer Alexander Heyne: „Das englische silicon (Silizium) und der deutsche Begriff Silikon sind sogenannte ‘falsche Freunde’, auf die man schon im Übersetzerstudium hingewiesen wird. Kein halbwegs versierter technischer Übersetzer würde darüber stolpern. Ich vermute, dass bei der Übertragung ins Deutsche großer Zeitdruck herrschte. Die ungewöhnlich hohe Zahl von sechs Übersetzern ist ein Indiz dafür.“
Das hat sie wirklich fertiggemacht
Ein Einzelfall auf einer von über 700 Seiten? Keineswegs. Kapitel für Kapitel werden weitere sprachliche Salven abgefeuert. Über Steve Jobs’ Schulzeit und gewisse „Streiche“ erfährt man: „Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht.” Autor Walter Isaacson schrieb im Original: “One time we set off an explosive under the chair of our teacher, Mrs. Thurman. We gave her a nervous twitch.” Die Technik-Ikone, der iGod befestigte Sprengstoff am Stuhl seiner Lehrerin? Und er zündete („set off“) die Ladung sogar? Und warum musste er nicht den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitstrakt verbringen?
Alexander Heyne: „Bei dem ‘Sprengstoff’ wird es sich wohl um einen simplen Knallkörper gehandelt haben. Und das Auftauchen von Jobs und seinem Mitschüler ließen die Lehrerin jedes Mal zusammenzucken. Eine andere Dimension als der im Buch verwendete Begriff ‘fertigmachen’“.
Übersetzen oder Worte tauschen?
Jobs Ehefrau Laurene ermutigte den Autor der Biografie, die Stärken und Schwächen ihres Mannes ehrlich zu beschreiben. Steve Jobs und Walter Isaacson kennen sich seit 1984. Isaacson hat bereits Biografien über Benjamin Franklin und Albert Einstein verfasst.
Die Voraussetzungen für „die Biografie des Jahres“ konnten also kaum besser sein. Und was finden wir im Ergebnis vor? Bei der Lektüre der deutschen Fassung muss sich der Leser durch lange Bandwurmsätze quälen. Der Stil wirkt abgehackt. Zu oft wurde einfach nur wörtlich übersetzt. Satz steht neben Satz. Ein stilistisch schöner Fluss aufgeschriebener Gedanken bleibt Fehlanzeige. Die Steve-Jobs-Biografie macht uns sehr deutlich bewusst, dass zwischen uns als Leser und dem Autor noch eine weitere, ungemein wichtige Instanz steht: der Übersetzer.
Alexander Heyne: „Übersetzen ist weit mehr als der Wortaustausch von einer Sprache in die andere. Ein professioneller Übersetzer kennt sich im Thema aus und steigt entsprechend tief in den Inhalt des Werks ein. Weil Übersetzungen immer persönlich geprägt sind, muss ein einheitlicher Stil bei Teamarbeiten durch ein nachfolgendes Lektorat und Korrektorat gesichert werden. Das Aufteilen von Übersetzungsarbeiten bleibt aber immer zweite Wahl.“
Der Silikon-Schnitzer wurde übrigens in der zweiten Auflage der Biografie behoben. Den 250.000 Besitzern des deutschen Erstdrucks bleibt dieser Fehler mit Klassiker-Potenzial erhalten.
Über den Autor:
Alexander Heyne ist Diplom-Übersetzer und arbeitet in Leipzig. Im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), Landesverband Sachsen, engagiert er sich als Pressesprecher. Der BDÜ ist der größte Berufsverband der sprachmittelnden Berufe in Deutschland und deren Spitzenorganisation (www.bdue.de).
Ergänzende Hinweise von uepo.de:
Der Bertelsmann Verlag hatte für die Übersetzung der 704 Seiten starken Biografie sechs Übersetzer gleichzeitig eingespannt, bei denen es sich aber offenbar ausnahmslos um erfahrene Buchübersetzer handelt: Antoinette Gittinger, Oliver Grasmück, Dagmar Mallett, Elfi Martin, Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Ein Blick ins Buch ist auf der Verlagswebsite möglich.
[Text: Alexander Heyne. Quelle: Pressemitteilung BDÜ Sachsen, 09.01.2012. Bild: Bertelsmann.]
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Stadt Straelen will Zuschuss für Europäisches Übersetzer-Kollegium streichen
14.1.2012 von Richard Schneider.
Die Stadt Straelen muss sparen. Bürgermeister Jörg Langemeyer will deshalb die finanzielle Unterstützung für das in der linksrheinischen Kleinstadt ansässige Europäische Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Höhe von jährlich 54.500 Euro in spätestens fünf Jahren auf Null zurückfahren.
Nach Angaben von EÜK-Geschäftsführerin Karin Heinz macht der städtische Zuschuss rund 15 Prozent des EÜK-Etats aus. Sie kenne den Kürzungsvorschlag, wolle diesen aber nicht kommentieren, solange die Verhandlungen liefen. Gegenüber der Rheinischen Post wies Heinz darauf hin, dass das EÜK eine Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen sei und das Land für sein Engagement auch einen Beitrag der Stadt erwarte.
Mehr zum Europäischen Übersetzer-Kollegium auf uepo.de
2010-08-26: EÜK Straelen: Juli Zeh trifft ihre Übersetzer
2099-05-03: Straelen: Ingo Schulze trifft 19 Übersetzer
2008-02-02: „Optimale Arbeitsbedingungen und Ruhe“ – Das Europäische Übersetzer-Kollegium Straelen wird 30
2005-06-01: „Bewohnbare Bibliothek“ – taz berichtet über Europäisches Übersetzerkollegium in Straelen
2003-02-28: „Ein Paradies für Übersetzer. Weltweit.“ – Das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen
[Text: Richard Schneider. Quelle: Rheinische Post, 2011-01-14.]
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Literaturübersetzungen sind eine wunderbare Sache, wenn man nicht davon leben muss…
7.1.2012 von Nina Neumann.
Der Übersetzer Martin Pollack berichtet dem Goethe Institut in Polen über seine Arbeit als Literaturübersetzer:
Können Sie vom Übersetzen leben?
Martin Pollack: „Ich weiß es nicht, das habe ich noch nie versucht. Zuerst habe ich als Redakteur gearbeitet, jetzt bin ich als Autor tätig. Ich glaube eigentlich schon, dass ich von den Übersetzungen leben könnte, wenn ich kein Leben in Luxus anstrebe, was ich ohnehin nicht tue. Ich lebe auf dem Land, da braucht man nicht viel, vom Frühjahr bis Herbst bin ich weitgehend Selbstversorger, Obst, Gemüse, alles aus eigenem Anbau. … Aber das ändert nichts daran, dass Übersetzungen skandalös schlecht bezahlt werden, jeder Handwerker würde lachen, wenn man ihm eine solche Bezahlung anböte.“
Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Karolina Bikont: „Das war der natürliche Lauf der Dinge – ich war zweisprachig. Im Alter von sechs Jahren befand ich mich in Berlin, ich besuchte die erste Klasse einer deutschen Grundschule, … Acht Jahre später kehrte ich nach Polen zurück und ging dort auf das polnische Gymnasium. Das Problem der Sprache begleitete mich also seit meiner Kindheit, ich erinnere mich, wie meine Zunge – das Sprechwerkzeug – nach jeder Abreise oder Rückkehr zwei Tage benötigte, um sich an die anderen Bewegungen in der Mundhöhle zu gewöhnen; in Polen schien sie zu groß und allzu faul zu sein, in Deutschland dagegen wollte sie sich anfangs nicht so verbiegen, wie sie sollte.“
Welche Rolle spielt für Ihre Arbeit ein Gespräch mit dem Autor?
Karolina Niedenthal: „Es interessiert mich sehr, was für Menschen die von mir übersetzten Autoren sind, ich lese Interviews mit ihnen, verfolge ihre offiziellen Aussagen. Ich bemühe mich immer, soweit das möglich ist, einen direkten Kontakt mit dem Autor des Buches herzustellen, das ich gerade übersetze. Wenn ich dann am Text arbeite, kann ich mich mit verschiedenen Problemen an ihn wenden. Meine bisherigen Autoren waren mir immer sehr freundlich gesinnt und stets bereit, zu helfen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nur dann wage, ihnen die Zeit zu rauben, wenn ich wirklich nicht mehr weiter weiß.“
Bei welchem deutschen Text, den Sie übersetzt haben, war für Sie die kulturelle Distanz am deutlichsten spürbar?
Ryszard Wojnakowski :„Ganz sicher bei einem der ersten Romane, den ich übersetzt habe. Dessen Autor war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Übersetzer aus romanischen Sprachen, der Text gespickt mit gelehrtem Wissen, Zitaten und Kunststücken (Einschüben) in verschiedenen Sprachen. Ich meine Alexanders neue Welten von Fritz Rudolf Fries. Vielleicht hatte ich deswegen so große Schwierigkeiten, weil die Systemähnlichkeiten zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen sich nur unvollkommen im literarischen und Lebensalltag niederschlugen…“
Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Sven Sellmer: „Mitte der neunziger Jahre wohnte ich für einige Zeit in Posen und war dort einer der ganz wenigen deutschen Muttersprachler mit guten Polnischkenntnissen. Mehr oder weniger zufällig bekam ich über verschiedene Kontakte erst kleinere, dann auch größere Aufträge, anfangs vor allem aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich. Ich bin also in dieses Tätigkeitsfeld eher hineingerutscht, habe die Rutschfahrt aber als sehr anregend empfunden und bin aus diesem Grunde dabei geblieben.“
Bei welchem polnischen Text, den Sie übersetzt haben, war für Sie die kulturelle Distanz am deutlichsten spürbar?
Benjamin Voelkel: „Wenn ich von meiner eigenen Wahrnehmung ausgehe, verläuft kulturelle Distanz heute nicht zwingend entlang nationaler oder ethnischer Grenzen, sondern ebenso entlang sozialer und religiöser Gruppen oder regionaler Besonderheiten. Das hat wohl damit zu tun, dass man die Grenze immer dort wahrnimmt, wo man es mit etwas Neuem und Unbekanntem zu tun hat.“
weitere Informationen gibt es unter: www.goethe.de
[Text: Goethe Institut Polen. Quelle: Mitteilunf Goethe Institut, 17.1.2011]
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Interview mit Václav Havels deutschem Übersetzer Joachim Bruss
1.1.2012 von Richard Schneider.
“Die Sprache, ihre Kraft, die Dinge in Gang zu setzen, die Macht des Wortes – das waren für Václav Havel immer große und wichtige Themen. Der Übersetzer Joachim Bruss hat Havels Worte und Texte in die deutsche Sprache übertragen. Radio Prag hat Joachim Bruss, heute Ko-Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, […] ans Mikrophon gebeten.” So beginnt ein Beitrag von Radio Prag über den deutschen Übersetzer des tschechischen Schriftstellers und ehemaligen Staatspräsidenten Václav Havel, der am 18. Dezember 2011 verstarb. Bruss hat Havel auch bei politischen Auftritten als Dolmetscher begleitet.
Havel habe mehr Deutsch verstanden, als er je zugegeben habe, so Bruss. Er sei aber keiner der Autoren gewesen, die das Bedürfnis hatten, weitgehend in die Texte ihrer Übersetzer einzugreifen. Der erste Text, den er von Havel übersetzt habe, sei 1982 ein Interview gewesen, das Havel nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis gegeben habe. Havel hatte seit 1968 in der Tschechoslowakei Auftritts- und Publikationsverbot. Deshalb kam den Übersetzungen eine besondere Bedeutung zu. Die Werke des Regimekritikers wurden vollständig in Deutschland im Rowohlt-Verlag veröffentlicht. Joachim Bruss ist Havel zuletzt bei dessen Feier zum 75. Geburtstag begegnet. “Er meinte, er sei wieder dabei, ein Stück zu schreiben, damit ich etwas zu tun hätte. Da hab ich mich natürlich auch darauf gefreut, dass es dazu wieder kommen würde, aber das wird es nun nicht …“, so Bruss.
Das vollständige Gespräch können Sie auf der deutschsprachigen Website von Radio Prag lesen und anhören.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Radio Prag, 2011-12-23. Bild: Rowohlt.]
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Umberto Eco lobt Exaktheit seiner Übersetzer
10.12.2011 von Richard Schneider.
Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Dirk Schümer in Mailand mit Umberto Eco gesprochen – unter anderem über seinen aktuellen Roman Der Friedhof in Prag. Der 79-jährige Semiotik-Professor an der Universität Bologna ist als Freund der Übersetzer bekannt. Auf vielen Übersetzer-Websites prangt sein Ausspruch „Die Sprache Europas ist die Übersetzung“. Im Lauf des Gesprächs lobt Eco einmal mehr die Arbeit seiner Übersetzer:
Gerade, so erzählt er, hat sich die lettische (oder war es die estnische?) Übersetzerin gemeldet: Er hat irgendeinen Tag des Jahres 1864 zu einem Montag gemacht, doch nach dem ewigen Kalender war es ein Dienstag. Ewiger Kalender? Da muss man erst mal drauf kommen. Ecos Hochachtung vor der Exaktheit seiner Übersetzer und Ausleger (zumal der baltischen) ist schwer zu überbieten, seit er im Vorjahr eine überarbeitete Version von „Der Name der Rose“ herausbrachte. „Stellen Sie sich vor, da kommt ein Kürbis vor. Aber Kürbisse gab es im Mittelalter in Europa nicht.“ Was er an Stelle des Kürbisses eingesetzt hat? Gestrichen hat er das neumodische Gemüse. Basta.
[…] da kommt der portugiesische (oder war es der katalanische?) Übersetzer des frischen Romans und weist nach, dass die Straße, in der Ecos Erzähler sein Unwesen treibt, damals anders hieß. […] Jetzt muss er auf der ersten Seite eine Rue d’Amboise einfügen, damit die Geographie stimmt.
[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ, 2011-08-01.]
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Frank Günther: “Das Problem beim Shakespeare-Übersetzen ist, dass man nicht schreiend wegläuft.”
28.10.2011 von Jessica Antosik.
Seit über 30 Jahren betreibt Frank Günther eine übersetzerische Herkulesaufgabe: die komplette Übertragung der Werke von William Shakespeare (Bild rechts) ins Deutsche. Die Übersetzung von Shakespeares Stücken und Sonetten ist Frank Günthers Lebenswerk. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: 2001 erhielt er den Christoph-Martin-Wieland-Preis für Übersetzer, 2006 den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis. Im Herbst 2007 wurde Günther von einer Jury aus Vertretern des Deutschen Übersetzerfonds und des Peter-Szondi-Instituts der Freien Universität Berlin zum ersten Inhaber des neuen Lehrstuhls “Poetik der Übersetzung” gewählt. Im Februar 2011 bekam Günther von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt den mit 15.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Voß-Preis für seine Übersetzung des Gesamtwerks von William Shakespeare. Bei dem “Mammutprojekt”, das der 63-Jährige in den 1970er-Jahren begonnen hat und bis 2014 abschließen will, habe er stets sprachlichen Einfallsreichtum und philologische, theaterpraktische und kritische Kompetenz bewiesen. “Günthers Übertragungen sind eine lustvolle Polyphonie der Stile, die sich immer als lebendige Neuentdeckung Shakespeares für unsere Zeit verstehen”, hieß es in einer Pressemitteilung.
Der im Jahre 1947 geborene Günther wuchs in Wiesbaden auf. Nach einem Studium der Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte in Mainz und Bochum war er bis 1974 als Regieassistent und Regisseur an mehreren Theatern tätig, u. a. in Bochum, Heidelberg, Bielefeld, Basel und Wiesbaden. Bereits während seiner Theatertätigkeit übersetzte er neue und alte dramatische Werke ins Deutsche. 1995 erschienen die ersten Shakespeare-Übersetzungen bei dtv, seit 2000 erscheint eine bibliophile Ausgabe im Verlag ars vivendi. 2005 hatte Günther bereits 33 Bände seiner Neuübersetzung fertiggestellt, 2009 sollte der letzte der insgesamt 39 Bände veröffentlicht werden. Doch der letzte Band lässt wahrscheinlich noch bis 2013 auf sich warten. Damit wäre Günther der erste Mensch, der alle Werke Shakespeares allein ins Deutsche übersetzt hat. Seine Übersetzungen werden auf nahezu allen deutschsprachigen Bühnen aufgeführt.
In einem Interview mit dem Deutschlandradio berichtete Günther über die Arbeit mit den Texten des Dichtergenies Shakespeare und begründete sein Durchhaltevermögen bei der Übersetzung mit “Faszination am Text”. Doch er wendet ein: “Das Problem beim Shakespeare-Übersetzen ist, dass man nicht schreiend wegläuft.” Weitere Auszüge:
Sie arbeiten ja mindestens in zwei Übersetzungen. Sie müssen einmal alte in neue Sprachen übersetzen und Sie müssen einmal Englisch ins Deutsche übertragen. Also möglicherweise auch in ein modernes Deutsch. Was sind dabei die größten Probleme?
Die Probleme liegen darin, dass man nicht zu neu wird. Und die Probleme darin, dass man nicht zu alt bleibt. Das hat ja keinen Sinn, Shakespeare in Strumpfhosen-Duktus zu übersetzen. […] Es darf nicht zu altmodisch sein. Andererseits spielen Shakespeares Stücke nicht in der Tiefgarage vom nächsten Baumarkt. […] Man muss also eine eigene Sprache, einen eigenen Sprachduktus finden, um mit diesem alten Original zurechtzukommen.
Sie haben sich ja wahnsinnig viel mit den Shakespeare-Texten beschäftigt. Hat man irgendwann ein Verständnis für Shakespeares Sprache, wie er so tickt? Oder ist das sehr unterschiedlich von Stück zu Stück und man muss es wirklich immer neu denken?
Man muss es schon immer neu denken. Zum Beispiel verstehe ich [eins seiner letzten Stücke] fast nicht mehr. […] Die Sprache ist so verknappt, verkürzt, gedrängt, verkneult, verknotet, dass man manche Sätze praktisch mit Papier und Bleistift analysieren muss, um erst einmal hinter den Sinn zu kommen. Also ein ganz anderer Shakespeare findet in diesen späten Stücken statt als in den Stücken aus den mittleren Jahren. Schon muss man sich wieder überlegen: Was fängt man damit an? Was macht man mit dieser verknoteten, kaum verständlichen Sprache? Wie macht man das jetzt sehr verständlich im Deutschen? Also übersetzt/löst man es auf in simple Verständlichkeit oder lässt man es so verknotet, wie es im Original ist?
Das Gespräch können Sie sich auf der Website des Deutschlandradios anhören.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: dradio.de, 8.09.2011; 3sat.de, 22.02.2011; boersenblatt.net, 22.02.2011; tagesspiegel.de, 9.02.2008. Bild: wikipedia.de.]
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Weltempfang eröffnet: Das geheime Herz der Buchmesse
13.10.2011 von Richard Schneider.
„Das geheime Herz“ der Frankfurter Buchmesse sei der Stand „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“. Das sagte Buchmesse-Chef Juergen Boos am 12.10.2011 bei der offiziellen Eröffnung. Und Uwe Heye (Bild unten) vom Auswärtigen Amt fügte hinzu, dass ohne das „großartiges Tun“ der Literaturübersetzer wichtige Werke verborgen blieben. Ihr Wirken sei „von unschätzbarem Wert“ für die kulturelle Diplomatie.
Hauptredner der Eröffnungsveranstaltung war der kanadische Romanautor und Essayist John Ralston Saul (Bild rechts oben), Präsident der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. (poets essayists novelists). Auch er würdigte in seinem lockeren und humorvollen, aber auch mahnenden Vortrag im Namen der Schriftsteller die Arbeit der Literaturübersetzer: „Unsere Gottheit ist der Turm von Babel.“
Im Programmheft des Weltempfangs weist Tobias Voss (Bild rechts Mitte), Leiter der internationalen Abteilung der Frankfurter Buchmesse und Projektleiter Weltempfang, auf die Bedeutung des Übersetzens hin: „Die gegenseitige Durchdringung von Kulturräumen führt auch zu neuen Formen und Themen künstlerischer Artikulation. Dabei sind die Übersetzer wichtige Katalysatoren des kulturellen Austauschs: Sie ermöglichen die Wahrnehmung des Fremden in der Form der hier oder dort bekannten Sprache. Aus diesem Grund sind auch die Themen des Übersetzens ein zentrales Anliegen des Weltempfangs, was natürlich auch seinen Niederschlag in der Programmgestaltung findet.“
Einige der dieses Jahr behandelten Themen: Tropfen auf heißem Stein: Übersetzerförderung in Europa; Literatur in Zeiten der Globalisierung - nur noch Einheitsbrei?; Der Gläserne Übersetzer (man kann Übersetzern bei der Arbeit zuschauen); Übersetzen oder die Kunst des Unmöglichen: Gesprächsrunde zum deutsch-türkischen und türkisch-deutschen Übersetzen; Interkulturellen Hürden bei Fachübersetzungen; Abenteuer Übersetzung (Slowakisch, Tschechisch, Deutsch); Übersetzungen schaffen Weltliteratur - Finnegans Liste 2012; Bücher übersetzen, Brücken schlagen (Ungarisch, Deutsch); Isländische Literatur übersetzen … Erfahrungen aus einem Länderdreieck.
Der mit zwei Veranstaltungebereichen und einem Café großzügig bemessene Stand Weltempfang wird von der Frankfurter Buchmesse und dem Auswärtigen Amt finanziert. Für die inhaltliche Ausgestaltung sorgen der Literaturübersetzerverband VdÜ, der Fachübersetzerverband BDÜ und weitere Branchenorganisationen. Das Veranstaltungsprogramm am Weltempfang umfasst 41 Vorträge, Podiumsdiskussionen und Lesungen. Sie können das Programmheft hier im Übersetzerportal als PDF-Datei herunterladen.

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]
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