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Archiv der Kategorie Maschinelle Übersetzung
Berliner Schaubühne: Babelfish, die Übersetzungsquizshow
24.5.2010 von Richard Schneider.

„Die beliebte Spielshow ist zurück“, vermeldet die Schaubühne in Berlin. Gemeint ist „Babelfish, die Übersetzungsquizshow“, bei der am 3. Juni 2010 auf der Bühne kurze Zitate aus Literatur, Politik, Sport und Film vorgestellt werden. Zitate, die maschinell zunächst ins Englische und wieder zurückübersetzt wurden.
Das passende Werkzeug dafür ist die von Yahoo auf Systran-Basis betriebene Webanwendung „Babel Fish“. Eine derartige Textveredelung lasse Klassiker „in völlig neuem Glanz erstrahlen“, so die Schaubühne.
Die Moderatoren Sebastian Schwarz und Georg Uecker (bekannt aus der Fernsehserie „Lindenstraße“) werden prominente Quizkandidaten bitten, das Originalzitat zu erraten, das dem durch den linguistischen Fleischwolf gedrehten Text zugrunde liegt. Eingeladen wurde unter anderem David Gieselmann, „Deutschlands bester Komödienautor“ (Die Welt).
Kostproben für die Kreativität der Übersetzungsmaschine:
- Ich Sortierfach. Ein Berliner.
(John F. Kennedy: „Ich bin ein Berliner.“) - Alle Normalität. Konstante Temperatur und Normalität. Ich glaube. Nach Atmung; Reduzierung der ganz Wald. So wartet. Diese Möglichkeit.
(Auszug aus „Wanderers Nachtlied“ von Goethe: „Über allen Gipfeln / Ist Ruh, / In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch / Die Vögelein schweigen im Walde. /Warte nur, balde / Ruhest du auch.“)
Donnerstag, 03.06.2010, 21.15 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin, Eintritt: 5,00 Euro.
www.schaubuehne.de/de_DE/program/detail/7532596
[Text: Richard Schneider, nach einem Hinweis von Emilia Picquenot-Chataigné. Bild: Presseservice Schaubühne.]
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Och und Google befördern maschinelle Übersetzung auf neue Stufe
2.5.2010 von Richard Schneider.
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel beleuchtet in einem schwärmerisch-naiven Artikel den aktuellen Stand der maschinellen Übersetzung (MÜ). Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Arbeit von Franz Josef Och gelegt, der bei Google mit den von ihm mitentwickelten statistischen MÜ-Verfahren Erfolge feiert. Neben Och kommt auch Alex Waibel zu Wort, ein anderer bekannter Name in der MÜ-Szene.
Den Artikel können Sie auf der Spiegel-Website lesen.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2003: Statistische Übersetzung mit Paralleltexten: Franz Josef Och mischt die MÜ-Branche auf
2006: Google und Franz Josef Och gewinnen MÜ-Wettbewerb des NIST für Chinesisch und Arabisch
2005: Prof. Waibels Wundermaschine: interACT soll simultan dolmetschen können
2006: „Alex Waibel ist dabei, einen Menschheitstraum wahr zu machen“ – behauptet der Tagesspiegel
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c’t testet Übersetzungssoftware: Nur zur Inhaltserfassung brauchbar
8.4.2010 von Richard Schneider.
Die sinngemäße Inhaltswiedergabe gelingt schon kostenlosen Online-Übersetzern vergleichsweise ordentlich, schreibt das Computermagazin c’t in der aktuellen Ausgabe 9/2010. Veröffentlichungsreife Übersetzungen konnte jedoch keines der sechs getesteten Programme liefern.
Die Testergebnisse zeigen, dass Online-Dienste mittlerweile genug Sprachkenntnisse haben, um Anwender mit einfachen Ansprüchen ausreichend zu unterstützen. “Um eine Sprachschule in England in kurzen einfachen Sätzen anzuschreiben, reichen die Online-Übersetzer aus. Sie machen daraus eine ordentliche englische Anfrage. Bei anspruchsvollen Texten stoßen maschinelle Übersetzer jedoch an ihre Grenzen”, erklärt c’t-Redakteurin Dorothee Wiegand.
Von den Online-Diensten überzeugte Bing nur bei Texten mit IT-Vokabular. Google und Systran machen als Allrounder unter den Web-Übersetzern eine bessere Figur. An die Übersetzungsqualität lokal installierter Programme reichte jedoch auch Systran nicht heran. Die kommerziellen Programme für den heimischen Rechner bieten zudem mehr Unterstützung beim Verbessern der Rohübersetzung. Dort können Anwender bestimmte Textpassagen wie Webadressen oder originalsprachliche Zitate von der Bearbeitung ausnehmen. Außerdem bieten sie Fachwörterbücher und Satzarchive, die man mit optimierten Übersetzungen füttern kann.
Anhand von 25 Testdateien prüfte die Redaktion die sprachliche Qualität der Übersetzungen. In eigens konzipierten Vokabeltests kamen zudem einige fiese Schwierigkeiten vor: altehrwürdige Wörter wie Barbier oder Ebenbild, bedrohte Wörter wie Schutzmann und Spülstein sowie Slang und Jugendsprache. Das stellte für die Programme eine echte Herausforderung dar. So wurde aus “Christkind” schon einmal “Santa Claus” oder aus der Standard-Briefanrede “Sehr geehrte Damen und Herren!”: “very SIRS!”.
[Text: Erik von Hoerschelmann. Quelle: Pressemitteilung Heise Medien-Gruppe, 2010-04-09.]
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Jibbigo: Dolmetschsoftware für das iPhone
14.11.2009 von Richard Schneider.
Wissenschaftler aus Karlsruhe, Pittsburgh und Silicon Valley haben gemeinsam einen Sprach-zu-Sprach-Übersetzer für das iPhone entwickelt, welcher jetzt über Apple vertrieben wird. Die Anwendung soll gesprochenes Englisch ins Spanische und umgekehrt übersetzen können.
Jibbigo, so der Name der Übersetzungssoftware, läuft auf dem iPhone 3GS und hat ein Vokabular von etwa 40.000 Wörtern. Das Kommunikationssystem ist vor allem für humanitäre Einsätze aber auch für Touristen gedacht. Der Nutzer spricht ein oder zwei Sätze in sein Mobiltelefon und dieses gibt umgehend die Übersetzung per Sprache und Text aus.
“Jibbigo läuft direkt auf dem iPhone und benötigt keinen Zugang zum Internet oder einem Server”, sagt Alex Waibel (Bild unten), Professor für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, USA. “Diese Unabhängigkeit ist ein entscheidender Vorteil für Reisende oder Helfer bei humanitären Einsätzen fernab des Einzugsbereichs von Mobilfunkanlagen. Es sind gerade diese Gegenden, in denen es kaum drahtlose Hotspots gibt, wo Jibbigo am nötigsten gebraucht wird”, so Waibel. Für Touristen ein weiterer Vorteil: Es fallen keine teuren Roaming-Gebühren an.
Waibels Forschungsgebiet ist die automatische Sprach-zu-Sprach-Übersetzung. Bereits 1990 entwickelte er den ersten Sprach-zu-Sprach-Übersetzer für Englisch, Deutsch und Japanisch. Er ist Direktor des international center for Advanced Communication Technologies (interACT), einem internationalen Forschungsverbund aus vier führenden Universitäten in diesem Bereich.
“Jibbigo wurde in einer Firmenneugründung von Absolventen der interACT Partner an Standorten in drei Kontinenten in einem internationalen Team rasch entwickelt”, sagt Waibel. “Es zeigt, dass eingespielte internationale Teams zu erstaunlichen Leistungen fähig sind und wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung rasch und effektiv umsetzen können.”
Mehr als 6000 verschiedene Sprachen werden auf der Welt gesprochen. Jibbigo soll dazu beitragen, die Verständigung unter den Menschen ein Stück einfacher und besser zu machen. An weiteren Sprachenpaaren wird mit Hochdruck gearbeitet.
Weitere Informationen unter: www.jibbigo.com
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Aufgaben einer Universität als auch die eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr.
[Text: KIT. Quelle: Pressemitteilung, 2009-11-04. Bild: KIT.]
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Maschinelle Übersetzung soll EU-weite Abfrage der Strafregister ermöglichen
3.11.2008 von Richard Schneider.
Die Gerichte und Staatsanwaltschaften der EU-Mitgliedstaaten sollen künftig schneller aktuelle Informationen über alle strafrechtlichen Verurteilungen eines Beschuldigten aus ganz Europa einholen können. Zu diesem Zweck haben die EU-Justizminister den Aufbau eines Europäischen Strafregisterinformationssystems (ECRIS, European Criminal Records Information System) vereinbart. Ein entsprechender Rahmenbeschluss wurde bereits im Juni 2007 gefasst, jetzt (Oktober 2008) wurden die technischen Regeln über den elektronischen Austausch festgelegt.
Im Zentrum steht dabei die Einführung eines einheitlichen Austauschformats, das die maschinelle Übersetzung der Informationen ermöglichen soll. Dazu werden für alle Straftatbestände Codenummern eingeführt, die in allen Ländern identisch sein sollen. Anhand der eindeutigen Nummern sollen dann eindeutige automatisierte Übersetzungen möglich sein. Die Schwierigkeit besteht darin, die 27 höchst unterschiedlichen Strafgesetzgebungen, die miteinander verbunden werden sollen, in ein einheitliches Nummernsystem zu pressen.
Der Deutsche Richterbund (DRB) begrüßt die Initiative und erhofft sich davon eine Erleichterung des Informationsaustausches. Ausländische Verurteilungen seien den Richtern im Inland häufig unbekannt und könnten daher bislang bei einer Verurteilung nur selten berücksichtigt werden. In einer Stellungnahme heißt es:
Datenschutzrechtliche Bedenken bestehen angesichts der beabsichtigten Ausgestaltung des Informationssystems nicht. Geplant ist weder die Einführung eines zentralen Strafregisters für alle europäischen Mitgliedstaaten, noch die Möglichkeit des unmittelbaren Online-Zugriffs durch jeden einzelnen Mitgliedstaat, sondern lediglich die Schaffung der technischen und logistischen Voraussetzungen für die Erteilung elektronischer Auskünfte bei Vorliegen einer entsprechenden Anfrage.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob durch das vorgesehene System tatsächlich die Qualität des Informationsaustauschs wie vorgesehen verbessert werden kann. Hiergegen spricht aus Sicht des DRB zum einen, dass auch eine Abfrage in ECRIS eine individuelle Anfrage an einen oder mehrere Mitgliedstaaten voraussetzt. Hierzu muss sich aber aus den Ermittlungen überhaupt ein Anhaltspunkt für Beziehungen des Beschuldigten in diesen Staat ergeben. Insoweit ergibt sich aus hiesiger Sicht keine Verbesserung gegenüber dem Status quo.
Es dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis die einzelstaatlichen Register zu einem europäischen Zentralregister zusammengeführt werden. Die Überführung der Daten in ein einheitliches Format ist dazu nur der erste Schritt, mit dem die Mitgliedstaaten jetzt ohnehin erst einmal ein paar Jahre beschäftigt sind.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Verlag C. H. Beck, 2008-10-27; DRB, 2008-09. Bild: Richard Schneider.]
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Video-Interview mit den MÜ-Gurus von Google
9.10.2008 von Richard Schneider.
Google Research, das weltweit größte und finanzkräftigste Forschungsinstitut für maschinelle Übersetzung (MÜ), hat auf seiner Website ein halbstündiges Interview mit den im eigenen Hause für die Forschung Verantwortlichen veröffentlicht.
Gastgeber ist Alfred Spector, VP of Research and Special Initiatives. Er befragt Mike Cohen, Manager - Speech Technology, und den Deutschen Franz Josef Och (Bild), Research Scientist Lead - Machine Translation. Och hat mit seinen Forschungsarbeiten an deutschen und amerikanischen Universitäten maßgeblich zum Siegeszug der relativ neuen statistischen Verfahren beigetragen. Diese haben die alten, regelbasierten Verfahren in vielen Bereichen bereits abgelöst.
Der Link zum Video:
http://research.google.com/roundtable/HLT.html
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Das Google Translation Center: kein Übersetzungsbüro, sondern eine Paralleltext-Sammelmaschine
6.8.2008 von Richard Schneider.
Die Suchmaschine Google, nebenbei das größte Translation Memory der Welt, testet zurzeit in Erweiterung der eigenen Forschungsaktivitäten zur maschinellen Übersetzung (MÜ) ein neues Angebot. Unter dem Titel Google Translation Center wird Übersetzern eine Arbeitsumgebung mit diversen Tools angeboten. Auftraggeber können über die Plattform nach Übersetzern suchen.
Dabei geht es Google nicht darum, als Vermittler von Übersetzungsaufträgen Geld zu verdienen: „Your interaction with any third party participant(s) or user(s) within Google Translation Center, including payment and delivery of goods and services, and any other terms, conditions, warranties or representations associated with such dealings, are solely between you and such third party participant(s) or user(s) and Google is not involved in such dealings.“
Auch für die Qualität der auf der Plattform erstellten Übersetzungen legt Google nicht die Hand ins Feuer. In der FAQ-Datei heißt es: „Does Google provide guarantees on the quality of the services provided by Google Translation Center? No. Translations created in Google Translation Center are purely between the translation requester and the translators.“
Der Zweck der Übung besteht vielmehr darin, Paralleltexte - vor allem in weniger verbreiteten Sprachen - für die Optimierung der von Google vehement vorangetriebenen maschinellen Übersetzung zu gewinnen.
Für Berufsübersetzer kommt das Übersetzungsportal von Google schon aus Vertraulichkeits- und Geheimhaltungsgründen nicht in Frage. Es reicht jedoch, wenn Schüler und Hobbyübersetzer die Plattform nutzen. Die fabrizierten Übersetzungen sind Google schon dann von Nutzen, wenn sie besser sind als maschinelle Übersetzungen. Eine Vorgabe, die jeder Abiturient erfüllen kann.
Google stellt mit dem Translation Center eine zumindest für Laienübersetzer komfortable und verlockende Arbeitsumgebung zur Verfügung. Im Gegenzug müssen die Übersetzer Google den Ausgangs- und Zieltext überlassen - eine überaus wertvolle Ressource für den MÜ-Giganten.
Google favorisiert beim maschinellen Übersetzen das relativ neue, so genannte statistische Verfahren im Gegensatz zum älteren, regelbasierten Verfahren mit vorgegebenen Wörterbüchern und grammatischen Regeln. Statistische Verfahren sind auf möglichst umfangreiche Korpora von Paralleltexten angewiesen.
Bisher wurden dazu die umfangreichen Bestände der EU und der UNO sowie die von Google erfassten mehrsprachigen Websites herangezogen. Vor allem für exotische Sprachen ist die in fast 2.400 Sprachen vorliegende Bibel von unschätzbarem Wert.
Einer der zurzeit erfolgreichsten MÜ-Forscher und bei Google in leitender Funktion tätig ist der Deutsche Franz Josef Och (Bild). Schon in seiner Diplomarbeit 1998 an der Uni Erlangen-Nürnberg hat er sich mit statistischen Verfahren in der maschinellen Übersetzung beschäftigt. Weitere Karrierestationen waren die Promotion an der RWTH Aachen und einige Forschungsjahre an der University of Southern California - bis Google ihm schließlich ein Angebot machte, das er nicht ablehnen konnte. Google Research dürfte heute das finanziell und technisch am besten ausgestattete MÜ-Forschungsinstitut der Welt sein.
Och selbst schreibt im „Google Research Blog“ am 28.04.2006:
Because we want to provide everyone with access to all the world’s information, including information written in every language, one of the exciting projects at Google Research is machine translation. Most state-of-the-art commercial machine translation systems in use today have been developed using a rules-based approach and require a lot of work by linguists to define vocabularies and grammars.
Several research systems, including ours, take a different approach: we feed the computer with billions of words of text, both monolingual text in the target language, and aligned text consisting of examples of human translations between the languages. We then apply statistical learning techniques to build a translation model. We have achieved very good results in research evaluations.
Zurzeit befindet sich das Google Translation Center in der Beta-Phase und kann nur von Google-Mitarbeitern, deren Angehörigen und Freunden genutzt werden. Eigentlich sollte das ganze Projekt noch streng vertraulich behandelt werden. Dass in den letzten Tagen überhaupt Informationen darüber an die Öffentlichkeit gelangten, verdanken wir den aufmerksamen Autoren des Blogs “Google Blogoscoped“.
Links zum Thema im Übersetzerportal:
17.09.2003 - Statistische Übersetzung mit Paralleltexten: Franz Josef Och mischt die MÜ-Branche auf
15.11.2006 - Google und Franz Josef Och gewinnen MÜ-Wettbewerb des NIST für Chinesisch und Arabisch
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