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Archiv der Kategorie medizinisch-soziales Dolmetschen

Gemeindedolmetschdienst übersetzt Arztgespräche für Migranten

Migranten lassen sich Arztgespräche oft von Angehörigen übersetzen, leicht kommt es zu Missverständnissen. Der Gemeindedolmetschdienst hilft professionell.

Die Neuzugänge heißen Sosso und Fulla und stammen aus Westafrika: „Diese beiden Dialekte werden immer häufiger nachgefragt“, sagt Sabine Oldag. Sie sitzt an einem großen Tisch im Kreuzberger Büro des Gemeindedolmetschdienstes (GDD), den sie leitet. Nebenan klingeln immer wieder die Telefone. Die Anrufer sind Mitarbeiter von Beratungsstellen oder Kitas, die einen Dolmetscher buchen wollen. Auch viele Organisationen aus dem Gesundheitsbereich rufen an. Zusammengenommen sind die Anrufe wie kleine Mosaiksteinchen, die sich zur politischen Weltlage zusammensetzen lassen.

Der GDD hat schon für Libyer übersetzt, die in Berlin operiert wurden, für Afghanen oder Kurden. Gestiegen ist auch die Nachfrage nach Bulgarisch und Rumänisch, neuerdings auch nach Griechisch oder Spanisch. Der Dienst will eine qualitative Alternative sein zu Verwandten und Nachbarn, die oft als Übersetzer mitkommen, wenn ein Patient oder Mensch mit Beratungsbedarf kein oder nur sehr wenig Deutsch spricht. Denn dabei schleichen sich oft Fehler in die Gespräche ein, oder die Übersetzer sind nicht objektiv.

Diese Erfahrung hat auch Fachärztin Johanna Winkler gemacht, die in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St.-Hedwig-Krankenhaus arbeitet. Auch dort ist der GDD häufig im Einsatz. „Ein inhaltliches psychiatrisch-psychotherapeutisches Gespräch kann nur durch eine neutrale, therapeutisch distanzierte und nicht wertende Person vermittelt werden“, sagt sie. Sachverhalte würden sonst nicht angesprochen, beschönigt oder verfälscht. Sie erlebe oft, dass im Beisein von Freunden oder Angehörigen nur Nebenerkrankungen benannt werden und das eigentliche Leiden, etwa Suizidgedanken, Angst oder Stimmenhören, gar nicht erwähnt wird.

Besonders schwierig sei es, wenn Kinder als Übersetzer dabei sind. „Dass Patienten ihre Kinder zum Übersetzen mitbringen, macht mich sprachlos“, sagt Hatice Genç, die seit 2006 beim GDD arbeitet. Sie und ihre Kollegen reflektieren die Dolmetscherrolle sehr bewusst: Neutral sein, übersetzen, ohne zu interpretieren, etwas wegzulassen oder hinzuzufügen.

Der Dienst existiert seit 2003, er ist ein gemeinnütziges Angebot. Getragen wird er vom Verein „Gesundheit Berlin-Brandenburg“, gefördert von der Senatsverwaltung für Gesundheit, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellt die Räume. Anfangs wurden 70 Dolmetscher ausgebildet, längst sind es mehr. Der GDD kann heute in rund 50 Sprachen und Dialekte übersetzen. 2011 haben die Mitarbeiter in rund 5000 Fällen gedolmetscht. Trotz der großen Nachfrage hat der GDD aber keine Planungssicherheit. Über die Verlängerung des Projekts wird von Jahr zu Jahr entschieden.

Dolmetscher müssen beide Sprachen sehr gut beherrschen und die Kultur und Traditionen des Herkunftslandes kennen“, sagt Sabine Oldag. Zu den Menschen, für die der GDD übersetzt, gehören viele Heiratsmigranten. Gestiegen ist der Bedarf auch bei Menschen aus der ersten Einwanderergeneration, die immer häufiger demenziell erkranken und die deutsche Sprache deshalb nach und nach vergessen. Die Übersetzer erklären den Fachkräften auf Wunsch auch kulturelle Besonderheiten, die einen Patienten geprägt haben. „Das Krankheits- und Gesundheitsverständnis ist je nach Land sehr unterschiedlich“, so Sabine Oldag.

Hatice Genç übersetzt Deutsch und Türkisch. Die 44-Jährige hat sich auf Einsätze beim Jugendamt und in der Psychiatrie spezialisiert. „Man muss in diesem Beruf oft sehr stark sein“, sagt sie. Etwa, wenn ein drogensüchtiger Jugendlicher eingewiesen werden muss und die ganze Familie weinend danebensteht. Oder wenn eine Krebspatientin ihre Medikamente falsch eingenommen und damit ihr Leben riskiert hat, weil ihr die Anwendung gar nicht oder falsch übersetzt wurde. „Theoretisch lernt man in der Ausbildung, sich zu distanzieren und die Themen nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Aber praktisch dauere das eine Weile.

Wenn ein Einsatz beendet ist, sagt sich Hatice Genç, dass sie den Menschen durch ihre Arbeit geholfen hat. „Darüber hinaus kann ich nichts tun.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/erst-verstehen-dann-heilen/6464562.html

[Text: Rita Nikolow. Quelle: Tagesspiegel, 02.04.2012.]

Wiener Krankenhaus: Wenn Reinigungskräfte dolmetschen

Bereits seit einigen Wochen erscheinen in der Presse Nachrichten über den immer noch fehlenden Dolmetschdienst im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH). Da die Ambulanzen über keinen eigenen Dolmetschdienst verfügen, müssen oft die Verwandten als Dolmetscher einsprigen.

Dass ein Sechsjähriger nichts über Gynäkologie o. Ä. weiß, ist völlig normal für sein Alter. Wird ein Kind jedoch in die Notaufnahme geschickt, um dort zu dolmetschen, wird dieser Umstand zu einem Problem. Wie in dem folgenden Fall: Eine Türkin wird mit Unterbauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Der deutschen Sprache war die Frau kaum mächtig, weshalb der kleine Sohn aushelfen sollte. “Soll ich dem Kind im Schnellverfahren den weiblichen Zyklus erklären, um zu erfahren, wann seine Mutter die letzte Regel hatte?”, fragt sich Peter M., Notfallmediziner am AKH. Auch wenn beispielsweise ein 20-jähriger Sohn, der als Dolmetscher fungieren soll, eine Behandlungsmethode ablehnt, weil er sich intrafamiliär positionieren möchte, kann dies schwerwiegende Folgen für die Patientin haben.

Viele Migranten leiden an Depressionen, die sie als Ganzkörperschmerzen empfinden. Weil es auch in der Psychologie-Ambulanz keine Dolmetscher gibt, müssen, wie bereits erwähnt, die Freunde oder Verwandte mitkommen und diese Aufgabe übernehmen. “Bei Kindern ist es fast Missbrauch, sie dafür einzuspannen”, berichtet die Leiterin Andrea Topitz. Eine positive Sache habe jedoch der Umstand, dass die Verwandten oder Bekannten mit in der Therapie anwesend sind, sagt Karin Fehringer, die Sprecherin des AKH. Diese würden nämlich die Probleme der Patienten genau kennen.

Diese Situationen sind bzw. waren kein Einzelfall im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien. Circa 50 Prozent der bis zu 450 Patienten stammen aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien. Einen eigenen Dolmetschdienst hat das Krankenhaus aber nicht. Früher wurde das Reinigungspersonal für das Dolmetschen hinzugezogen. Die Situationen, die sich daraus ergeben, ähnelten allerdings denen der Stillen Post.

Alexandra Jurek-Schick, Stimmtrainerin und ehemalige Logopädin an der Klinischen Abteilung Phoniatrie-Logopädie, nahm an einer Studie von Dr. Franz Pöchhacker, Dolmetschdozent an der Universität Wien, teil. Pöchhacker beschäftigte sich mit dem Thema “Die Putzfrau als Dolmetscherin im Spital”. Im Rahmen dieser Studie wurden zwei Fälle auf Video aufgenommen, um zu schauen, wie eine Laie dolmetscht und wo ihre Schwäche liegen bzw. welche Probleme aufkommen. Nachfolgend die beiden Fälle, die Jurek-Schick Anfang Februar 2012 in der österreichischen Tageszeitung Der Standard veröffentlicht hat:

Fall 1: Eine türkische Familie kommt zu uns. Die Eltern kommen mit einem vier- bis fünfjährigen Kind, die Schwester der Mutter soll übersetzen. Sie wollen wissen, ob mit der Zunge des Kindes alles in Ordnung ist, weil es nicht so gut spricht. Wir, das Team der Phoniatrie, glauben, dass sie sich um die Sprachentwicklung des Kindes Sorgen machen, keine Rede von der Zunge, das kommt erst bei der Übersetzung heraus. Ich mache die Anamnese, mit Einstiegsfragen, die bei uns üblich sind: Wie war die Schwangerschaft? Wie war die Geburt, wie groß, wie schwer etc.

Die Eltern wirken nicht sehr kooperativ, im Laufe der Untersuchung eher desinteressiert, sie kommen nach dieser ersten Untersuchung nicht mehr, obwohl es aus logopädischer Sicht Handlungsbedarf gegeben hätte. Als wir uns das Video mit professioneller Übersetzung anschauen, sehen wir folgende Übersetzung der Schwester bei der Frage nach der Schwangerschaft:

Schwester: “Wie die Geburt war.”
Mutter: “Normal, warum fragt sie so was? Ich will wissen, ob mit der Zunge alles in Ordnung ist.”
Schwester: “Normal.”
Logopädin: “Wie war die Geburt?”
Schwester: “Wie war die Geburt, fragt sie schon wieder.”
Mutter: “Aber das hab’ ich ihr schon gesagt, wieso will sie das noch einmal wissen?”
Schwester: “Auch normal.”

Fall 2: Ein acht- oder neunjähriges, aus dem Jugoslawienkrieg traumatisiertes Kind kommt. Es stotterte. Das Logopädenteam wollte einige Entspannungsübungen im Liegen machen. Übersetzerin war diesmal eine Putzfrau.

Setting: Das Kind liegt, ich (oder meine Kollegin - das weiß ich nicht mehr) knie neben dem Kind, die Putzfrau beim Kopf des Kindes. Es soll eine Atem- und Wahrnehmungsübung gemacht werden.

Therapeutin: “Leg deine Hände auf deinen Bauch und spüre die Atembewegung.”
Putzfrau: “Mach die Augen zu, brauchst keine Angst haben.”
Therapeutin: “Der Atem fließt ein und aus, die Bewegung spürst du im Bauch.”
Putzfrau: “Spürst du, macht nichts, brauchst keine Angst haben, ich bin eh da.”

Das Aushilfsdolmetschen ist nicht mehr erlaubt. Wobei: Es gibt eine Intranet-Liste am Wiener AKH, in der 80 Mitarbeiter, die insgesamt 31 Sprachen abdecken, eingetragen sind. Die soll der Arzt, wenn er sie benötigt, anrufen. Aber: “Ich kann nicht ständig Kollegen von ihrer Arbeit wegholen” , so Peter M.

Die Folgen der Sprachbarrieren im Krankenhaus liegen in einer längeren Wartezeit für die Patienten, Mehrkosten für das AKH sowie in Problemen in der Nachbehandlung. Schließlich verstehen die Patienten mit ausländischen Wurzeln die Überweisung oder Medikamentenverordnungen nicht. Dazu sagt der Notfallarzt: “70 Prozent unserer Arbeit verpufft.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: derstandard.at, 25.01.2012/03.02.2012. Bild: Archiv.]

Integrationslotsen übersetzen und beraten Eltern

Sprachliche Hürden einerseits und kulturelle Unterschiede andererseits stellen für ausländische Eltern, deren Kinder eine deutsche Schule besuchen, oftmals ein großes Problem dar. “[Die] kulturelle Barriere führt dazu, dass die Möglichkeiten nicht wahrgenommen werden, die es hier gibt”, bedauert Massimo De Carlo.

Aus diesem Anlass hat die Hebelschule in Lörrach, an der der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund rund 30 Prozent beträgt, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Kommission der Stadt Lörrach und dem Sozialen Arbeitskreis ein neues Projekt ins Leben gerufen: Integrationslotsen sollen die Eltern in verschiedenen Sprachen kostenlos unterstützen, sie auf Elternabenden begleiten und sie über den Schulalltag, Fördermöglichkeiten, Hausaufgaben oder Zeugnisse informieren. “Die Eltern haben die Möglichkeit, auf diese Personen zuzugehen und um Hilfe zu bitten”, sagt Sonja Eiche. Bisher werden die Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch und Russisch angeboten. “Wir möchten statt der Unterschiede die Gemeinsamkeiten hervorheben und wollen, dass Migranten sich wohlfühlen an der Schule und spüren, dass sie dazugehören”, erklärt Vedat Acikel.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: badische-zeitung.de, 12.07.2011. Bild: wikipedia.de.]

Dänemark: Deutsche Minderheit muss keine Dolmetscher-Gebühr entrichten

Ab dem 1. Juli müssen in Dänemark Patienten, die zum Arzt gehen, kein Dänisch sprechen oder lediglich schlechte Kenntnisse der dänischen Sprache haben und einen Dolmetscher verlangen, 150 Kronen zahlen. Von dieser Regelung sind allerdings drei Gruppen nicht betroffen: Die Grönländer, Färinger und Mitglieder der Deutschen Minderheit in Nordschleswig. Der Innen- und Gesundheitsminister Bertel Haarder sagte am 03. Mai 2011 gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzaus Bureau des Weiteren, dass die Ausnahmeregelung ebenfalls für Personen unter 18 Jahren sowie für Patienten, die keine Möglichkeit gehabt haben, entsprechende Dänischkenntnisse zu erwerben, gilt.

Nun stellt sich die Frage, wie die Behörden nachvollziehen sollen, ob ein Patient zur Deutschen Minderheit gehört. Die Nationalität der Grönländer und Färinger steht in ihrem Pass. Seit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen im Jahre 1955, die die Anerkennung der Minderheit im jeweiligen Staat, d. h. der dänischen Minderheit in Deutschland und der deutschen Minderheit in Dänemark bestätigten, ist die Gesinnung jedoch frei. Theoretisch könnte sich also ein Einwanderer darauf stützen, Teil der Deutschen Minderheit zu sein und auf diese Weise 150 Kronen sparen. Das Ministerium äußerte sich dazu wie folgt:

Nach den Kopenhagen-Bonner Erklärungen zu den Rechten der Minderheiten im dänisch-deutschen Grenzland können die Behörden keine Gesinnungskontrolle bei den Mitgliedern der Minderheiten durchführen. Das bedeutet in der Praxis, dass wenn eine deutschsprechende Person sagt, dass sie Mitglied der Deutschen Minderheit ist, die betreffende Person dieses dann ist. Dies kann nach obengenannten Erklärungen nicht überprüft werden. Soweit es die Erhebung von Dolmetschergebühren belangt, hat man in der Bekanntmachung Rücksicht darauf genommen, dass ein Mitglied der Deutschen Minderheit möglicherweise z. B. in einem Krankenhaus außerhalb Nordschleswigs behandelt werden muss. Man sondiert somit nicht danach, wo in Dänemark ein Mitglied der Deutschen Minderheit sich nach dem Gesundheitsgesetz behandeln lässt. Die Behandlung kann also geschehen, ohne dass dem Mitglied der Deutschen Minderheit eine Dolmetschergebühr abverlangt wird.

Die zweite Vorsitzende des Sozialdienstes für Nordschleswig Emma Ganderup macht darauf aufmerksam, dass die Familienberaterinnen während der persönlichen Betreuung des Sozialdienstes für neu zugezogene Deutsche oftmals Dolmetscherfunktionen übernehmen und sowohl beim Arzt, bei den Gemeinden und Kommunen die Äußerungen der Personen ins Dänische übertragen.

Über Nordschleswig
Nordschleswig war ein Teil des Herzogtums Schleswig. Nach den Volksabstimmungen von 1920 wurde dieser Teil Schleswigs an das Königreich Dänemark übergeben. Nordschleswig erstreckt sich von der deutsch-dänischen Grenze bis an die Kongeå, im Westen bis Ribe und im Osten bis an den Kleinen Belt südlich von Kolding. Es leben dort rund 250.000 Menschen. Die deutsche Minderheit, die sich selbst als deutsche Volksgruppe bzw. deutsche Nordschleswiger bezeichnet, macht dabei heute etwa 8 bis 10 Prozent der Bevölkerung aus. Neben Dänisch und Südjütisch (Sønderjysk) wird in Nordschleswig Deutsch gesprochen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: nordschleswiger.dk, 04.05.2011. Bilder: Archiv; wikipedia.de.]

Salzburger Landeskrankenhaus führt telefonischen Dolmetschdienst ein

Ab dem kommenden Dezember 2010 startet im Salzburger Landeskrankenhaus (LKH) ein telefonischer Dolmetschdienst in sieben Sprachen. Dieser Dolmetschdienst wird 24 Stunden am Tag erreichbar sein und soll fremdsprachigen Patienten schnell helfen.

Der Grund für die Einführung des telefonischen Dolmetschdienstes ist der Anstieg von Patienten mit Migrationshintergrund. Die hohe Mobilität und die extreme Sprachvielfalt in Europa spiegeln sich in der alltäglichen Patientenversorgung wider. Herbert Herbst von der Spitals-Pflegedirektion sagte: “Im vergangenen Jahr wurden in unseren Ambulanzen 12.500 Personen mit anderer Nationalität stationär aufgenommen. Das sind über 28 Prozent unserer Patienten.”

Sprachbarrieren sind im Notfall ein großes Problem und stellen das Krankenhauspersonal vor große sprachliche Herausforderungen insbesondere an Wochenenden oder nachts, wenn kein Dolmetscher im Hause ist. Dann gestaltet es sich schwierig, so schnell wie möglich einen externen Dolmetscher oder jemanden vom hausinternen Dolmetschdienst aufzufinden. Letzterer setzt sich aus 45 Krankenhausmitarbeitern zusammen, die über Kenntnisse in 20 Fremdsprachen verfügen.

Herbst sagte, dass für den Telefondienst, der in Zehn-Minuten-Intervallen abgerechnet werde, das Krankenhaus wesentlich weniger bezahlen müsse als für externe Dolmetschdienste. Dabei läuft die Kommunikation über eine Freisprechanlage oder über ein Handy ab. Der Patient schildert sein Leiden, der Dolmetscher überträgt anschließend für das Krankenhauspersonal und informiert schließlich den fremdsprachigen Patienten über die Therapie sowie Kontrolltermine. Die hausinternen Dolmetscher werden allerdings weiter beschäftigt, da Dolmetscher oftmals Kulturmittler seien und diese kulturelle Öffnung positive Ergebnisse bewirke, sogar das persönliches Leid verhindern und Folgekosten reduzieren könne, so Herbst.

Das Politprojekt wird in drei Fachbereichen, in denen viele Patienten mit Migrationshintergrund sowie Touristen betreut werden, eingeführt, d.h. in den Ambulanzen der Unfallchirurgie und Dermatologie und in der integrativen Wochenbettstation der Frauenklinik.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: krone.at, salzburg.orf.at, 27.10.2010. Bild: salk.at.]

Migranten hadern mit deutschem Gesundheitssystem

Ein Allgemeinmediziner mit türkischen Wurzeln hat in Berlin-Kreuzberg eine Praxis und beschreibt folgendes Phänomen: „Deutsche fragen: ‚Was habe ich?’, Türken fragen hingegen: ‚Warum habe ich das?’“ Aufgrund dieser Mentalitätsunterschiede kommt es nicht selten zu Problemen. „Wenn der türkische Patient keine befriedigende Antwort auf seine Warum-Frage erhält, verliert er das Vertrauen in den Arzt.“ Dann geht er zum nächsten Arzt und holt sich dessen Meinung ein. Balimuhac nennt das „Doktor-Hopping“, bei dem die Migranten meist nicht zu selten, sondern vielmehr zu oft eine Praxis aufsuchen.

Der  Mediziner sagt außerdem: „Migranten haben im Alltag fast doppelt so viele Unfallverletzungen wie Deutsche.“ Das ist natürlich hauptsächlich auf die fehlenden Deutschkenntnisse und somit darauf zurückzuführen, dass sie nicht richtig an den Maschinen eingewiesen werden (können).
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie diese Missverständnisse und Unfälle vermieden werden können. Die Antwort liegt in Dolmetscherdiensten. Der Gemeindedolmetschdienst Berlin (GDD) beispielsweise verfügt über 115 Dolmetscher, die 47 Sprachen abdecken.                      

Wenn Patienten wegen der Sprachbarrieren ihre Beschwerden nicht klar ausdrücken können und somit unnötiger diagnostischer Aufwand entsteht oder wenn sie Medikamente nicht richtig einnehmen, da sie den Beipackzettel nicht verstehen, kommt der medizinisch-soziale Dolmetscherdienst zum Einsatz. Dieser kann die Kosten erheblich senken und vor allem ermöglicht er eine korrekte medizinische Behandlung der Patienten.

In der Welt ist unter der Überschrift „Migranten hadern mit dem deutschen Gesundheitssystem“ ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema erschienen. Dieser unterstreicht die Wichtigkeit der sprachlichen Kenntnisse auf der einen Seite und die der Arbeit der Sprachmittler auf der anderen Seite.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Die Welt, 28.07.2010.]

“Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Studie zur Sprachmittlung im Krankenhaus

Ich darf nix sagen, ich bin bloß der DolmetscherAnja Ausserhofer hat eine empirische Untersuchung zum Thema “Dolmetschen im Krankenhaus” durchgeführt. Untersuchungsgegenstand ist eine Diabetikerschulung im Krankenhaus Graz, an der mehrere Patientinnen aus Österreich und ein Tunesier, für den ein professioneller Dolmetscher hinzugezogen wurde, teilnahmen.

Das Buch umfasst drei Teile: Im ersten Teil wird ein allgemeiner Überblick über das medizinische Dolmetschen gegeben, wobei hier vor allem auf Themen wie Kinder als Dolmetscher, Laiendolmetscher vs. professionelle Dolmetscher und die verschiedenen Rollenprofile von Dolmetschern eingegangen wird. Der zweite Teil der Arbeit beinhaltet einen Forschungsüberblick über das medizinische Dolmetschen und im dritten Teil der Arbeit wird die eigentliche Untersuchung mit Hauptaugenmerk auf die Rolle des Dolmetschers vorgestellt.

Das Buch richtet sich an all jene, die sich einen Einblick in das medizinische Dolmetschen verschaffen wollen. Besonders wird hier das spezielle Dolmetschsetting berücksichtigt, bei dem nicht nur Arzt, Patient und Dolmetscher am Gespräch teilnehmen, sondern gleich mehrere Personen; aber nur für einen Teilnehmer wird gedolmetscht.

Anja Ausserhofer (2010): “Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Dolmetschen im Krankenhaus. Eine empirische Untersuchung. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller. 120 Seiten, 49,00 Euro, ISBN 978-3639243963.

[Text: VDM. Quelle: VDM. Bild: VDM.]

Klinikum Bad Hersfeld: Patienteninfo in 18 Sprachen

Das Klinikum Bad Hersfeld kann ausländische Patienten seit Kurzem mit einer Broschüre in 18 Sprachen begrüßen, die die wichtigsten Infos zum Krankenhausaufenthalt enthält.

Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen allerdings vier Jahre. Zunächst wurde in Absprache mit Pflegekräften und Sozialarbeitern „ein verständlich erscheinender“ deutscher Text erstellt. Manches, wie etwa die „Grünen Damen“ war jedoch nicht so einfach zu übersetzen. In einer zweiten Fassung wurden diese daher allgemeinverständlicher als „ehrenamtliche Helfer“ bezeichnet.

„Von den häufigsten Sprachen fehlen uns noch Thai und Japanisch“, sagt Dr. Friedhelm Röder, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist seit 2003 der Migrantenbeauftragte des Klinikums. Bedarf bestehe auch für Tigrina, eine Sprache aus Somalia und Eritrea.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Hersfelder Zeitung, 2010-05-16.]

Interkulturelle Kommunikation in der Rehabilitation

Interkulturelle Kommunikation in der RehabilitationEin Unfall mit wesentlichen Verletzungsfolgen stellt eine Ausnahmesituation im Leben eines Menschen dar. Auf die Akutbehandlung folgt eine viele Wochen oder Monate dauernde stationäre Rehabilitation in einem traumatologischen Rehabilitationszentrum. Dieser Aufenthalt ist eine mit Ängsten, Schmerzen, Unsicherheit und Hilflosigkeit verbundene Situation, in der die Kommunikation zwischen dem behandelnden Personal und den Patienten eine zentrale Rolle spielt.

Wie erleben die Mitarbeiter eine Rehabilitationszentrums die Kommunikation mit Patienten mit Migrationshintergrund? Wie verläuft diese Kommunikation aus sprachlicher Sicht? Gibt es sprachliche Barrieren? Was bedeuten diese und wie gehen die Mitarbeiter damit um? Welche anderen Aspekte beeinflussen die interkulturelle Kommunikation? Wie wirken sich kulturelle Aspekte wie zum Beispiel religiöse Bräuche, Essgewohnheiten, Familienbindung oder Schmerzempfinden und -ausdruck oder auch
unterschiedliche Formen des Krankheits- und Gesundheitsverstehens bzw. unterschiedlicher Umgang mit Behinderung aus

Die vorliegende Studie geht diesen und anderen Fragen nach und bietet (nicht nur) interessierten Mitarbeitern des Gesundheitssektors wertvolle Einsichten und Anregungen.

Die Autorin Dominique Dressler, MA, wurde in Frankreich geboren und wuchs in einer bikulturellen Familie in Österreich auf. Sie absolvierte den Masterstudiengang „Interkulturelle Kompetenzen“ an der Donau-Universität Krems und leitet heute den Bereich „Internationale Beziehungen“ der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA).

Dominique Dressler (2009): Interkulturelle Kommunikation in der stationären Rehabilitation nach Unfällen. Erfahrungen und Ansichten der MitarbeiterInnen eines Rehabilitationszentrums zur Kommunikation mit PatientInnen mit Migrationshintergrund. Göttingen: Cuvillier. 111 Seiten, 16,00 Euro, ISBN: 978-3-86727-907-9.

[Text: Cuvillier Verlag. Quelle: Cuvillier Verlag. Bild: Cuvillier Verlag.]

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