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Archiv der Kategorie Missstände
Mord an Ärzteteam in Afghanistan: Chemnitzer Dolmetscherin unter den Opfern
8.8.2010 von Richard Schneider.
Bei dem Massaker an zehn Mitarbeitern des augenärztlichen Hilfswerks “International Assistance Mission” (IAM) in der abgelegenen afghanischen Bergprovinz Nuristan ist auch eine Deutsche ums Leben gekommen: Daniela B. (35), die dem Ärzteteam als Dolmetscherin diente. Der stern schreibt:
Die einzige Deutsche im Team war keine Ärztin - sondern Sprachwissenschaftlerin: Daniela B., geboren 1975 in Chemnitz. Sie hatte nach dem Abitur Sprachwissenschaft an der Universität Leipzig studiert, Englisch und Russisch, zusätzlich einen Abschluss als Deutschlehrerin für Ausländer gemacht.
Vier Jahre war sie an der Universität Gloucesterhire in Südengland eingeschrieben, arbeitete als freiberufliche Übersetzerin und kam 2007 nach Afghanistan für die “International Assistance Mission”. Das Land hatte es ihr angetan. In Kabul lernte sie ein knappes halbes Jahr lang Dari, eine der beiden Landessprachen. Amir Mohammed, ihr Lehrer von damals, erinnert sich noch heute an die stille Deutsche mit den blauen Augen: “Als Studentin war sie exzellent, sehr fleißig, hat wahnsinnig schnell gelernt. Sie hat mir immer gesagt: ‘Ich will mit den Menschen reden, will wissen, was die fühlen, denken, sie verstehen!’ Sie wollte alles wissen über Kultur, Sitten, und die Geschichte Afghanistans. […]”
Für ein Jahr ging sie dann nach Faisabad zum “Language Research Program” von IAM in der Nordostprovinz Badakhschan. Ziel ihres Projektes war es, “für die örtlichen Sprachen in den isolierten Bergregionen eine Schriftvariante zu entwickeln, so dass Menschen dort in ihrer eigenen Sprache lesen und schreiben lernen können”, wie ein ehemaliger Kollege sagt. Daniela B. sprach fließend Dari, leidlich Vahi und Mandschi, zwei lokale Sprachen, und war dabei, weitere zu lernen.
Vor einem Jahr verließ sie IAM, um zusammen mit anderen eine neue Nichtregierungsorganisation (NGO) namens “Samar” aufzubauen, die sich vor allem mit der Erforschung und Rettung der lokalen Sprachen beschäftigen wollte. Den Kontakt zu den alten IAM-Kollegen hatte Daniela B. nie abreißen lassen. Als Karen Woo, die britische Ärztin, die vor allem Frauen behandelte, sich auf das “Eye Camp” vorbereitete, brauchte sie eine Frau zum Übersetzen. Daniela B., fließend in Englisch und Dari, war die perfekte Kandidatin. Sie willigte ein mitzukommen. Auf ihre letzte Reise.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Stern, 2010-08-08.]
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Irak: Mord an Dolmetscher
22.7.2010 von Richard Schneider.
Auf Geheiß einer Terrorgruppe hat im Irak der den Aufständischen nahe stehende Abdulhalim Ahmed (32) seinen eigenen Vater erschossen. Dieser hatte für die US-Truppen lange als Dolmetscher gearbeitet und wurde als Verräter betrachtet. Das berichtet die irakische Nachrichtenagentur Peyamner unter Berufung auf Angehörige.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Standard, 2010-07-21.]
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Kandahar: Drei Dolmetscher bei Taliban-Angriff ums Leben gekommen
15.7.2010 von Richard Schneider.
Am 13.07.2010 sind in der südafghanischen Stadt Kandahar bei einem Autobombenanschlag und einer anschließenden Schießerei drei Dolmetscher, zwei Wachmänner und drei US-Soldaten ums Leben gekommen. Ziel des Angriffs, zu dem sich die Taliban bekannten, war das Hauptquartier einer Eliteabteilung der Polizei.
Zunächst sprengte ein Selbstmordattentäter sein Auto an der Zufahrt in die Luft, anschließend versuchten Taliban-Kämpfer, mit Panzerfäusten und Maschinengewehren das kasernenartige Gelände zu stürmen. US-Soldaten und afghanische Polizisten konnten sie aber daran hindern.
Die größte Stadt im Süden Afghanistan gilt als Hochburg der Taliban.
Bild rechts: Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt 2004 für den neben ihm sitzenden Col. Kenneth F. McKenzie Jr. von der 22nd Marine Expeditionary Unit beim Treffen mit Jon Mohammed, dem Gouverneur der afghanischen Provinz Oruzgan.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Spiegel, 2010-07-14. Bild: Pressedienst US Marine Corps.]
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770.000 Euro mit erfundenen Dolmetschrechnungen ergaunert
21.6.2010 von Richard Schneider.
Vierundsechzig Luftrechnungen über frei erfundene Dolmetschleistungen mit Beträgen zwischen 3.500 und 17.000 Euro stehen derzeit im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Heilbronner Landgericht (Baden-Württemberg). Angeklagt ist ein 51-jähriger Mann, der innerhalb von sieben Jahren seinen Arbeitgeber, einen milliardenschweren Konzern, auf diese Weise um rund 770.000 Euro betrogen haben soll. Die Stuttgarter Zeitung berichtet:
Die Methode, die all die Jahre nicht auffiel, war immer die gleiche gewesen: Der Mann schrieb im Namen seiner Ehefrau Rechnungen für Dolmetscherdienste an die Firma Dürr in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg), wo er als Controller arbeitete. Das Übersetzungsbüro gab es gar nicht, die Kontonummer freilich schon: Dreisterweise ließ er sich das Geld auf sein Gehaltskonto überweisen.
Die Masche flog erst auf, als er Anfang 2010 die Buchhaltung darum bat, eine Rechnung vorzeitig zu begleichen – denn er hatte sein Konto überzogen und benötigte einen schnellen Ausgleich. Ein aufmerksamer Buchhalter stellte dabei fest, dass das Unternehmen gar keinen Auftrag für die abzurechnenden Sprachdienstleistungen erteilt hatte. Daraufhin wurden auch die früheren Rechnungen überprüft.
Vor Gericht gab der geständige Controller an, dass er mit dem Geld lediglich seiner Familie „ein schönes Leben“ habe bereiten wollen. Mit seiner Frau, laut Stuttgarter Zeitung „eine brasilianische Sambatänzerin“, und den gemeinsamen Kindern im Grundschulalter bewohnte der Mann ein unauffälliges Einfamilienhaus.
Mit den ergaunerten Beträgen ging der Schwabe offenbar sparsam um. Für ein Luxusleben des Mannes habe er keinerlei Spur entdecken können, erklärte ein als Zeuge geladener Kriminalhauptkommissar: „Wir standen in seinem Haus und fragten uns, wofür er das ganze Geld eigentlich ausgegeben hatte – von Prunk keine Spur.“
Der Staatsanwalt fordert ein Strafmaß von vier Jahren, die Verteidigerin hält dreieinhalb Jahre für angemessen. Das Urteil soll noch im Lauf dieser Woche verkündet werden.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Stuttgarter Zeitung, 2010-06-19. Bild: Richard Schneider.]
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Dolmetscher Drahtzieher bei Rezeptbetrug
9.6.2010 von Richard Schneider.
„Es war offenbar ein abgekartetes Spiel: Der Dolmetscher Hassan C. beschaffte die Versichertenkarten von Patienten, der Arzt Dr. Abdul M. verschrieb ihnen teure Medikamente und der Apotheker Abdelmarik A. rechnete die Rezepte ab. Doch die Medizin erreichte ihre Empfänger nie. Wegen des Vorwurfs des gesetzmäßigen Betrugs und der Untreue wurde heute vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen sie eröffnet.“ Dies schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung.
Die Liste der Vorwürfe sei lang, die Verlesung der Anklageschrift habe mehr als 40 Minuten gedauert. 20 Monate lang habe das Trio in Nordhorn, Meppen und Lingen Krankenversicherungen um insgesamt 230.000 Euro betrogen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stellten einige Versicherte ihre Karten gegen Bezahlung freiwillig zur Verfügung. Sie werden sich später vor Gericht verantworten müssen. Andere merkten nicht, dass ihre Daten missbraucht wurden.
Als Drahtzieher gilt der Hamburger Dolmetscher Hassan C., der ebenso wie der Apotheker Abdelmarik A. aus Meppen zu den Vorwürfen schwieg. Der Arzt Dr. Abdul M. aus Ochtrup ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er nichts mit dem Betrug zu tun und nie wissentlich Versicherungen geprellt habe. Alle Verschreibungen seien medizinisch begründet gewesen. In einigen Fällen seien seine Rezepte gefälscht worden.
Das Urteil soll im August 2010 gefällt werden.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2009-11-17: Dolmetscher in groß angelegten Rezeptbetrug verwickelt
[Text: Richard Schneider. Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 2010-05-20.]
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Bestechlichkeit: Haftbefehl gegen Chinesisch-Übersetzerin
7.5.2010 von Richard Schneider.
Vor dem Schöffengericht Hechingen in Baden-Württemberg läuft derzeit ein Verfahren gegen eine Chinesisch-Übersetzerin, der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen wird. Der Zollern-Alb Kurier schreibt:
Die Angeklagte soll über fünf Jahre in einer Firma in Balingen, in der sie als Übersetzerin arbeitete, Provisionszahlungen von den chinesischen Lieferanten ihres Arbeitgebers erhalten haben. Dafür habe sie den chinesischen Lieferanten versprochen, sie bei weiteren Aufträgen zu berücksichtigen. Ein einträgliches Geschäft, das an der Firmenleitung vorbei ging und bei dem die Angeklagte, eine gebürtige Chinesin, 140.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll.
Derzeit hält sich die Übersetzerin in ihrer chinesischen Heimat auf. Ihr Anwalt legte ärztliche Atteste vor, nach der sie sich wegen Schlafstörungen und Depressionen in Behandlung befinde und derzeit stationär in einem Krankenhaus untergebracht sei. Deshalb habe sie nicht zur Verhandlung erscheinen können.
Das Gericht ließ dies nicht als Entschuldigung gelten. Das Attest bescheinige der Angeklagten keine Reiseunfähigkeit. Auf Antrag der Staatsanwältin wurde deshalb ein Haftbefehl erlassen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Zollern-Alb Kurier, 2010-05-06.]
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Richter: “Es hat keinen Zweck, der Dolmetscher taugt nichts.”
29.4.2010 von Richard Schneider.
Am Hagener Landgericht sollten in einem Mordprozesses zwei englischsprachige Zeuginnen vernommen werden. Doch dies war nicht möglich, weil der Dolmetscher seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Auf DerWesten.de, dem Internetportal der WAZ-Mediengruppe, heißt es:
Für den dritten Verhandlungstag im Prozess gegen den Lüdenscheider Abbas F., der eine junge Prostituierte in einem Hagener Bordell ermordet haben soll, hatte das Schwurgericht vorgesehen, auch zwei Schwestern der Toten zu vernehmen. Als sich am Donnerstag herausstellte, dass eine Aussage der beiden Schwestern ohne einen Übersetzer unmöglich sein würde, reagierte die Kammer sofort, bestellte einen Dolmetscher – und erlebte dann die nächste böse Überraschung.
Der vermeintliche Fachmann für die englische Sprache vermochte es noch nicht einmal, die Zeugenbelehrung entsprechend zu übersetzen oder gar auf die Wahrheitspflicht hinzuweisen. Vielmehr informierte er die beiden Zeuginnen, was sein Job sei. Der Vorsitzende Richter Dr. Frank Schreiber hatte schließlich genug gehört: „Es hat keinen Zweck, der Dolmetscher taugt nichts.“ Konsequenz: So schnell der Übersetzer gekommen war, so schnell ging er auch wieder. Die Vernehmung beider Zeuginnen wurde auf Mittwoch verschoben.
[Quelle: DerWesten.de, 2010-04-29.]
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Diesel Model Management sucht Dolmetscher
20.4.2010 von Richard Schneider.
Viele Übersetzer und Dolmetscher haben in den letzten Wochen über die Mail-Funktion von Übersetzerverzeichnissen wie translationzone.com eine E-Mail von “Diesel Model Management” erhalten. Darin wird in gebrochenem Englisch für eintägige Fotoaufnahmen nach einem Sprachmittler gesucht, der zwischen den Models und dem Veranstalter dolmetschen soll:
Von: martin_stuart06@yahoo.co.uk
Datum: 14.04.10 14:00:24Hello,
Best of the day to you. How are you and every members of your family? In good health I guess. My Names are Martin Stuart and I work as an Agent for Diesel Model Management in the UK. While I was searching for a professional Translators and Interpreters, I came across your profile on the internet which signifies that you are a Certified Translator/Interpreter. We have a photo shoot for Grattan Fashion Catalog, UK which sells apparels and some German Models to pose for the Photo Shoot and they speak German. So we would want you to join our Team as our Translator/Interpreter. The Photo Shoot will be in Zurich, Switzerland and it will last only for one day. So I want to know if you will be Interested in this Project. If yes, you can reply me so that i can give you more information about this job offer.
Anticipating your positive response. Do have a great week ahead and my humble regards to you and your loved ones.
Best Regards,
Agent Martin Stuart
martin_stuart06@yahoo.co.uk
+447766278009
Empfänger der Schreiben, die erwägen, sich um den angebotenen Dolmetscheinsatz zu bewerben, sollten zuvor eine Internet-Recherche starten. Es liegen bereits zahlreiche Erfahrungsberichte und Hinweise von Betroffenen, Verbraucherschutzorganisationen und Pressestellen der Polizei zu diesem und ähnlich gelagerten Fällen vor. Diese lassen den Schluss zu, dass hier ein groß angelegter Betrug mit gefälschten Reiseschecks versucht wird.
Bei der angegebenen Telefonnummer handelt es sich um ein in Großbritannien angemeldetes Handy, bei dem dauerhaft eine anonyme Mailbox eingeschaltet ist. Neben dem Ansprechpartner “Martin Stuart” werden eine Vielzahl weiterer, ständig wechselnder und vermutlich frei erfundener oder gestohlener Identitäten (Nicolas Mickelson, Fredrick Pawlak, Oliver McGrady) sowie weitere Handy-Nummern verwendet.
Überzahlung mit ausländischen Reiseschecks
Die Täter gehen wie folgt vor: Den stets im Ausland sitzenden Opfern werden von Großbritannien aus Schecks zugeschickt, deren Betrag deutlich über dem vereinbarten Honorar liegt. Sie werden dann gebeten, den aus Versehen oder aus vorgeschobenen Gründen zu viel gezahlten Betrag an einen Dritten zu überweisen, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt sei und noch ein Honorar zu erhalten habe.
Die Überweisung soll typischerweise als Bargeldüberweisung per Western Union durchgeführt werden. Bei diesem Service brauchen weder der Sender noch der Empfänger ein Bankkonto zu besitzen. Der Empfänger holt das Geld in bar unter Vorlage eines gefälschten oder gestohlenen Ausweises ab und ist dann nicht mehr zu ermitteln.
Die Sachbearbeiter der Banken stufen die Schecks meist zunächst als echt ein und schreiben den Betrag in voller Höhe dem Konto des Opfers gut. Dies geschieht jedoch, wie bei allen Scheckeinlösungen, nur unter Vorbehalt. Denn die inländische Bank muss erst mit der ausländischen Bank, die den Scheck ausgegeben hat, in Verbindung treten. Dies kann mehrere Wochen dauern.
Hat die Bank schließlich ermittelt, dass der Scheck nicht gedeckt oder gestohlen oder gefälscht ist, wird die Gutschrift widerrufen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben viele Scheckempfänger aber bereits den vermeintlich zu viel gezahlten Betrag an jemand anders überwiesen. Dieses Geld ist dann verloren und kann auch nicht zurückgerufen werden.
Diese Masche mit der so genannten “Überzahlung” durch ungedeckte, gestohlene oder gefälschte Auslandsschecks ist der Polizei seit Jahren bekannt. Sie wird im Englischen als “Check Overpayment Scam” bezeichnet.
Was tun?
- Gesundes Misstrauen an den Tag legen. Schon die übertrieben freundliche Sprache und das schlechte Englisch sollten in diesem Fall zur Vorsicht mahnen. Prüfen Sie die Identität von Absender und Firma durch Internet-Recherchen.
- Schecks auf Echtheit prüfen. Der “Verband der Auslandsbanken in Deutschland e. V.” empfiehlt vier einfache Prüfungen, anhand derer Sie die Echtheit von American Express Travelers Cheques prüfen können (siehe PDF-Datei).
- Anzeige erstatten. Eine Anzeige bei der Polizei wegen versuchten oder vollendeten Scheckbetrugs ist sinnvoll, weil sie den Behörden das Ausmaß dieser Machenschaften verdeutlicht. Sie führt aber nicht zu einer Ermittlung der Täter oder deren Verurteilung. Auch das verlorene Geld lässt sich durch eine Anzeige nicht wiederbeschaffen. Selbst ein gewonnenes Gerichtsverfahren würde in dieser Hinsicht nichts nützen.
- Informieren und aufklären. Am wirkungsvollsten ist und bleibt die vorbeugende Information und Aufklärung von Kollegen durch in den Suchmaschinen gut platzierte Seiten wie diese. Betroffene sind so in der Lage, schnell und unkompliziert an Hintergrundinformationen zu gelangen.
Dolmetscher und Übersetzer als neue Zielgruppe
Im Jahr 2009 hat Diesel Model Management massenhaft Fotografen angeschrieben. 2010 scheinen die Betreiber die Dolmetscher und Übersetzer als neue Zielgruppe entdeckt zu haben.
In einer deutschsprachigen Mailingliste berichteten zwei Übersetzer im April 2010, dass sie, nachdem sie ihr grundsätzliches Interesse an dem angebotenen Auftrag bekundet hatten, von Diesel Model Management jeweils Reiseschecks im Gesamtwert von 3.500 Euro erhalten haben (sieben American Express Travelers Cheques à 500 Euro). Von einer Einlösung haben beide jedoch abgesehen.
Nach Auskunft des Übersetzers, der den unten abgebildeten und sechs weitere Schecks erhalten hat, handelt es sich bei den ihm zugegangenen Schecks eindeutig um Fälschungen, wenn man die in der PDF-Datei des Bankenverbands genannten Kriterien zu Grunde legt.
Ein spanischer Übersetzerkollege berichtet, ebenfalls im April 2010 eine Dolmetschanfrage für die Betreuung von Fotomodellen bei Aufnahmen in Barcelona erhalten zu haben. Der Text der E-Mail ist fast wortgleich, die Telefonnummer identisch. Der Ansprechpartner nennt sich Solomon Petrov und gibt vor, für die Firma Quest Model Management in Singapur zu handeln.

Einer der gefälschten Schecks, die ein Dolmetscher in Deutschland erhalten hat. Unter dem von uns eingefügten schwarzen Balken ist handschriftlich mit blauem Kugelschreiber der Name des Empfängers eingetragen. (Hier eine Vergrößerung.)

Die Rückseite des Schecks
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Polizei warnt vor Vorschussbetrug mit Dolmetscher
9.4.2010 von Richard Schneider.
Die Polizei Duisburg warnt vor einer neuen Masche beim so genannten Vorschussbetrug, bei der die Opfer einem vermeintlichen Dolmetscher vorab ein vierstelliges Honorar überweisen sollen:
Ein Duisburger Hotel erhielt von einer E-Mail-Adresse (mit deutschem Namen) aus Hongkong eine Anfrage, ob eine größere Anzahl griechischer Staatsbürger zu einem bestimmten Termin dort unterkommen könne. Der Auftrag hatte für das Hotel ein Volumen von ca. 3.500 Euro.
Das Hotel wurde darüber hinaus zu einer Gefälligkeit gebeten. Es solle vorab bereits das Honorar für einen für die Dauer des Aufenthalts der Gäste benötigten Dolmetscher an diesen überweisen. Dessen Honorar belaufe sich auf 6.450 Euro. Der Organisator der Veranstaltung gab vor, den Gesamtbetrag von 9.950 Euro umgehend nach Bezahlung des Dolmetschers per Kreditkarte an das Hotel zu überwiesen.
Das Hotel schöpfte angesichts der ungewöhlichen Forderungen und Umstände Verdacht und wandte sich an die Polizei. Deren Ermittlungen ergaben, dass die E-Mail nicht aus Hongkong, sondern aus Nigeria stammt. Die Polizei erklärte, dass es sich bei dieser Vorgehensweise um eine neue Masche der so genannten “Nigeria-Connection” handle, einer weltweit agierenden und polizeibekannten kriminellen Organisation, deren Hintermänner in Afrika sitzen.
[Text: Polizei Duisburg, überarbeitet von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Polizei Duisburg, 2010-04-09.]
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“Gelbes Branchenbuch” schreibt massenhaft Übersetzer an
18.3.2010 von Richard Schneider.
Zurzeit werden von dem Absender „Gelbes Branchenbuch“ (mail@gbbmailings.net) massenhaft E-Mails an Freiberufler, Kleinunternehmer und andere Selbstständige in Deutschland verschickt, darunter sehr viele Übersetzer. Unter der Betreffzeile „Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011“ wird für ein Online-Adressverzeichnis geworben, das unter der Adresse www.gelbesbranchenbuch.com betrieben wird.
Der Mail ist eine PDF-Datei angehängt, die wie ein Korrekturabzug gestaltet ist. Sie enthält bereits einige – aber nie alle – Daten des Empfängers, die zudem oft veraltet sind.
Aus dem Kleingedruckten geht hervor, dass bei Faxrücksendung der mit „Eintragungsantrag“ überschriebenen Seite ein Vertrag über einen „Premium Business Eintrag“ mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren abgeschlossen wird. Dessen Kosten belaufen sich auf 65,00 Euro pro Monat, zahlbar sofort für zwei Jahre im Voraus. Die Rechnung fordert daher zur Zahlung von 1.560,00 Euro binnen 15 Tagen auf. Bei Zahlungsverweigerung wird der Betrag von einem deutschen Rechtsanwalt eingetrieben.
Als Faxnummer für die Rücksendung des „Eintragungsantrags“ wird entweder eine Nummer mit Frankfurter Vorwahl oder eine Servicenummer mit österreichischer Landesvorwahl genannt.
Betreiber des Gelben Branchenbuchs ist laut Impressum der Website die MCP Holding Ltd. in Belize City, Belize. Belize ist eine winzige Bananenrepublik zwischen Mexiko und Guatemala.
Als Vertragspartner tritt die GBB Ltd. mit Sitz in Majuro, der Hauptstadt der Marshall-Inseln, auf. Die Marshall-Inseln liegen in der Wasserwüste Mikronesiens, rund 3.500 km westlich von Honolulu, 2.500 km östlich von Guam und rund 3.500 km nordwestlich von Australien. Dieser Sitz des Vertragspartners ist durchaus von Bedeutung, denn eine Kündigung ist nur „schriftlich per Brief“ möglich.
Darüber hinaus findet sich im Kleingedruckten folgender Hinweis: „Gerichtsstand ist Prag, Tschechische Republik. Es gilt tschechisches Recht.“
Wie die Angebote des bereits seit mehreren Jahren aktiven „Gelben Branchenbuchs“ zu bewerten sind, erklärt unter anderem die Handwerkskammer Reutlingen auf der folgenden Seite:
www.hwk-reutlingen.de/branchenbuch-abzocke.html
[Text: Richard Schneider.]
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