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Archiv der Kategorie Missstände

Dolmetscher in Afghanistan verletzt – Merkel wünscht rasche Genesung

Ein afghanischer Dolmetscher ist am 24.12.2010 bei einem Anschlag auf einen deutschen Entwicklungshelfer verletzt worden. Dieser war in der deutschen Besatzungszone im Norden Afghanistans mit dem Dolmetscher und zwei weiteren Personen auf dem Weg zu einer Baustelle, als ihr Fahrzeug von einem Motorrad aus beschossen wurde. Dabei wurde der Ingenieur, der im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Bau einer Straße zwischen Kholm und Kundus koordinierte, so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb.

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung reagierte die Bundesregierung „bestürzt“. Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle sowie Entwicklungsminister Dirk Niebel sprachen von einem feigen, unmenschlichen Anschlag, den sie auf das Schärfste verurteilten. Den Angehörigen des deutschen Ingenieurs sprachen sie ihr tiefes Beileid aus. Dem verletzten afghanischen Mitarbeiter wünschten Merkel und Westerwelle rasche Genesung.

Die afghanischen Behörden warfen dem KfW-Mitarbeiter Leichtsinnigkeit vor. General Abdul Rauf Taj, stellvertretender Sicherheitschef der Provinz Balkh, sagte gegenüber Spiegel Online, er verstehe nicht, dass sich das Team stets ohne Begleitschutz auf den Weg gemacht habe. Er habe den Deutschen in den vergangenen Wochen mehrfach vor den gefährlichen Fahrten gewarnt. „Außerdem haben wir ihm Polizeischutz angeboten“, so der General.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Südkurier, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, 2010-12-25.]

Sieg vor Gericht: EU-Sprachmittler erhalten 3,7 Prozent mehr Gehalt

„Brüsseler Beamte kassieren ab“, titelt der Mannheimer Morgen. „Ob Dolmetscher oder Generaldirektor – alle bekommen für das vergangene Jahr eine Erhöhung ihres Gehalts um 3,7 Prozent. Das hat gestern [24.11.2010] der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden. Damit haben die EU-Regierungen eine Schlappe erlitten.“ Diese wollten die alljährliche Gehaltserhöhung wegen der schlechten Wirtschaftslage halbieren.

Inge GräßleInge Gräßle (Bild) aus Heidenheim, CDU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, schimpft: „Ich habe keine Lust, mich von meinen Wählern dafür verantwortlich machen zu lassen, dass die Beamten in Brüssel so viel Geld verdienen.“ Die EU-Haushaltsexpertin rechnet vor, dass ein Durchschnittsbeamter auf 4.400 Euro brutto kommt. Netto falle der Vergleich mit Staatsdienern in Deutschland noch vorteilhafter aus. Letztendlich verfügten EU-Beamte über das 2,3-Fache Einkommen ihrer deutschen Kollegen. Deshalb verdiene ein Saaldiener mehr als jeder EU-Abgeordnete. Ein Generaldirektor in den EU-Institutionen erreiche bis zu 19.000 Euro monatlich. Außerdem gebe es viele Zulagen. „Wenn sie schon so viel verdienen, könnten die EU-Beamten ja auch wenigstens 40 statt 37,5 Stunden in der Woche arbeiten“, schlägt Gräßle vor. Auch sei es sinnvoll, das Pensionseintrittsalter von 63 auf 65 Jahre zu erhöhen.

Mehr zum Thema auf uepo.de
EU-Übersetzer wollen mehr Geld. BILD fordert: “Stoppt die Gier!”

[Text: Richard Schneider. Quelle: Mannheimer Morgen, 2010-11-25. Bild: Gräßle.]

Dolmetscher in Konfliktzonen nicht ausreichend geschützt - AIIC, Europarat und UNO sind gefordert

Militärdolmetscher in Afghanistan

Dolmetscher in Konfliktzonen warten weiterhin auf die internationale Anerkennung ihres Status in Form einer Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Ein solches offizielles Dokument würde das soziale Bewusstsein über die wesentlichen Funktionen der Dolmetscher während und nach Konfliktsituationen weltweit erhöhen. Es würde ihnen auch einen juristischen Schutz in manch kritischen Situationen gewähren.

Bis jetzt ist der rechtliche Status der Dolmetscher bei bewaffneten Konflikten im internationalen humanitären Recht nicht genau reguliert - im Gegensatz zu anderen Personengruppen, die in den Genfer Abkommen erwähnt werden, z. B. Journalisten. Für diese sind verschiedene gesetzliche Schutzmaßnahmen für den Fall einen Krieges beziehungsweise eines internationalen oder nicht-internationalen bewaffneten Konflikts vorgesehen. Obgleich die Bestimmungen der Genfer Abkommen III und IV von 1949 das Recht der Angeklagten (z. B. der Kriegsgefangenen) auf die Hilfe von befähigten Dolmetschern anerkennen, wurden die Rechte der Dolmetscher nicht definiert.

Bei den von der UNO geführten oder mandatierten Friedensmissionen wird der Verlauf des Aufenthalts von ausländischen Militär- und Zivilpersonen (z. B. Dolmetscher) auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Staates  von den Bestimmungen der so genannten „Status of Forces Agreements“ (Abkommen über den Status der Militärstreitkräfte) geregelt. In diesem Fall können Dolmetscher einige Privilegien und Entlastungen bei Erfüllung ihrer Dienstpflichten genießen, z. B. Immunität gegenüber der Gerichtsbarkeit der lokalen Gerichte im strafrechtlichen und zivilrechtlichen Bereich.

Dolmetscher Irak vermummt

Dennoch sind die lokal oder im Ausland rekrutierten Dolmetscher ständig zahlreichen Gefahren, Drohungen und sogar Erpressungen in Konfliktzonen ausgesetzt. Ihr Job ist überaus stressig. Die lokalen Dolmetscher und ihre Familien werden hüfig zur Zielscheibe von Übergriffen, sobald die ausländischen Truppen und Hilfsorganisationen wieder abgezogen sind. Als Vergeltung werden nicht selten ihre Autos und Häuser zerstört.

Angesichts der extremen Arbeitsbedingungen fühlen sich viele Dolmetscher ungerecht behandelt. Sie erhalten für die erbrachten Dienstleistungen nur eine unverhältnismäßige Entlohnung und von den Arbeitgebern wird ihnen kein oder nur ein unvollständiges Kranken-, Arbeitsunfähigkeits-, und Lebensversicherungspaket angeboten. Es wird erwartet, dass sie zwölf Stunden pro Tag und dazu sieben Tage pro Woche arbeiten und auch in der übrigen Zeit für Einsätze zur Verfügung stehen.

Auch nach dem Ende eines Konflikts erfahren Dolmetscher nur einen ungenügenden Schutz. Oft wird ihnen ein Einreisevisum in den Staat, dessen Streitkräfte sie unterstützt haben, verweigert. Sie erhalten nur eine unzureichende Sozialhilfe, dürfen im Einreisestaat keiner Beschäftigung nachgehen und haben keinen unentgeltlichen Zugang zu einer psychologischen Beratung.

Außerdem sind zahlreiche Dolmetscher als „Sprachassistenten“ oder „Sprachspezialisten“ in Konfliktzonen rekrutiert. Dies bedeutet, dass sie neben dem Dolmetschen zusätzliche Aufgaben erfüllen müssen, unter anderem die Kommunikationsanalyse, die Sammlung von Geheimdienstinformationen oder das Organisieren von Treffen mit lokalen Anführern ethnischer, religiöser und sprachlicher Gruppen.

Das kompromittiert eindeutig die Prinzipien der Neutralität und der Unparteilichkeit von Dolmetschern. Einerseits sind Dolmetscher den Streitkräften und den Hilfsorganisationen behilflich, andererseits betrachtet die lokale Gemeinschaft solche „Sprachspezialisten“ als Verräter, Kollaborateure und Abtrünnige, die den Tod verdienen. Die jährlich steigende Zahl der ermordeten, verletzten und entführten Dolmetscher weist deutlich darauf hin, dass ihr Schutz nicht ausreichend ist.

Dolmetscher im Irak ums Leben gekommenEs genügt anzuführen, dass 360 Dolmetscher allein im Irak von 2003 bis 2008 ums Leben gekommen sind und über 1200 Dolmetscher bei der Arbeit für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika verletzt wurden. Der Blutzoll der Dolmetscher, die im Rahmen der multinationalen Militäroperationen in Afghanistan ihre Aufgaben erfüllen, dürfte voraussichtlich noch höher ausfallen.

Der Weg zu einem besseren Schutz der Dolmetscher ist noch lang, aber erste Schritte wurden bereits unternommen. Im Januar 2009 haben die Mitglieder der 34. Versammlung des Internationalen Verbandes der Konferenzdolmetscher (AIIC) in Nizza eine Erklärung angenommen, in welcher sie auf die schwierige Lage der Dolmetscher in Konfliktzonen hinweisen. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zum Schutz und zur Unterstützung von Dolmetschern beschlossen, insbesondere:

  • Informationen für Dolmetscher auf der Internetseite des Verbandes über „ihre Rechte zur gerechten Behandlung und zum Schutz, aber auch über ihre Verpflichtungen als neutrale/unparteiische Mittler“, sowie über die Professionalität und ethische Prinzipien“ (Res. Nr. R402).
  • Unterstützung der Online-Lehrgänge für Dolmetscher in Konflikt- und Kriegszonen, die im Institut für Übersetzen und Dolmetschen (ETI) der Universität Genf durchgeführt werden.
  • Sensibilisierung der Arbeitgeber, der internationalen Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, staatlichen Institutionen und der internationalen Organisationen, z. B. der ILO, für die Notwendigkeit eines besseren Schutzes der Dolmetscher während und nach Konflikten.
  • Ausarbeitung von globalen Rahmenbedingungen, die den neuen sozialen Vertrag für Dolmetscher in Konfliktzonen bilden sollen.
  • Veranlassung der Generalversammlung der Vereinten Nationen und/oder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, eine Erklärung anzunehmen, um „den neutralen und unparteiischen Status, sowie die Unversehrtheit aller Dolmetscher anzuerkennen“ (Res. Nr. R402).

Militärdolmetscher im Irak

Am 29. April 2010 haben die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates eine entscheidende Erklärung in Straßburg unterzeichnet, die als erstes internationales Dokument auf den unregulierten Status der Dolmetscher in Konfliktzonen hinweist. Die Vertreter der einzelnen Fraktionen des Europarates riefen die Mitgliedstaaten zur Sicherung des besseren Schutzes für Dolmetscher während und nach den Konflikten auf, nach dem Vorbild von Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Gleichzeitig hat man in der Erklärung die Prinzipien der Neutralität und der Unparteilichkeit der Dolmetscher in Ausübung ihrer Tätigkeit hervorgehoben.

Der nächste wichtige Schritt in Richtung auf eine internationale Anerkennung und den gesetzlichen Schutz des Dolmetscherberufs in Konfliktzonen wäre eine entsprechende politische Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, wo 192 Mitgliedstaaten mit gleichen Rechten vertreten sind.

Krzysztof WereszczynskiZum Autor Krzysztof Wereszczyński
Den Text dieses Beitrags hat Krzysztof Wereszczyński (Bild rechts) verfasst. Wereszczyński ist qualifizierter Dolmetscher mit den Arbeitssprachen Polnisch (Muttersprache), Englisch und Deutsch. Als Doktorand an der Universität Białystok, Polen, arbeitet Wereszczyński an einer Dissertation über Dolmetscher in Konfliktzonen.

Bilder
(1) 09.04.2004: Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt für den neben ihm sitzenden Col. Kenneth F. McKenzie Jr. von der 22nd Marine Expeditionary Unit beim Treffen mit Jon Mohammed, dem Gouverneur der afghanischen Provinz Oruzgan.
(2) 2004, ein Jahr nach Beginn des Irak-Krieges: Nach den ersten gezielten Morden an Dolmetschern gingen die einheimischen Sprachmittler nur noch vermummt in den Einsatz.
(3) 22.07.2003: Ein Dolmetscher und ein Soldat kamen im Norden Bagdads bei einem Anschlag auf dieses Fahrzeug ums Leben.
(4) 15.05.2004: Über einen Dolmetscher (Mitte) verhandelt Lt. Col. Milton L. Wick (links), Commander des 3rd Battalion, 24th Marine Regiment, mit dem Scheich eines Dorfs in der Nähe von Camp Taqaddum im Irak.

Links zum Thema im Übersetzerportal
2005-03-20: Zwei Jahre Irak-Krieg: Mindestens 59 Dolmetscher und Übersetzer verloren ihr Leben
2004-09-27: Militärdolmetscher im Irak - ein Bilderbogen

[Text: Krzysztof Wereszczyński. Bild: Pressestelle US Marine Corps; Wereszczyński.]

Polizei engagiert ehemaligen Hauptschüler aus Fußballverein als Übersetzer in Drogenprozess

Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Waldshut müssen sich derzeit sieben Angeklagte wegen des bandenmäßigen Schmuggels und Handels mit Rauschgift verantworten. Als Beweismittel dienen unter anderem die Übersetzungen von abgehörten Telefonaten in türkischer Sprache.

Die Verteidigung der teils geständigen Drogenhändler fand heraus, dass der von der Polizei beauftragte Laiensprachmittler für diese Tätigkeit weder qualifiziert noch gerichtlich ermächtigt ist. Ein Polizist hatte dafür kurzerhand einen türkischstämmigen Kameraden aus dem Fußballverein herangezogen.

Die Anwälte der Angeklagten luden den Sportsfreund deshalb als Zeugen und unterzogen ihn einer eingehenden Befragung. Die Badische Zeitung schreibt:

Als Zeuge sagte ein 24-Jähriger aus, der über den Fußballclub von einem Polizeibeamten für die Übersetzungen eingesetzt wurde. Aufgewachsen sei er zweisprachig und habe zusätzlich zum hiesigen Hauptschulunterricht noch Stunden in Türkisch. Fast 90 Minuten fühlten ihm Gericht und die Verteidiger auf den Zahn, ob er überhaupt geeignet sei, gerichtsverwertbar zu übersetzen. […] Bei der Befragung des Dolmetschers räumte dieser ein, “jeder Mensch macht Fehler”. […] Nicht unbedingt vorteilhaft ist die Sprachbeherrschung des Dolmetschers. “Er hat mich kurz darüber erläutert”, sagte er zur Frage über seine Einweisung.

Möglicherweise können die Übersetzungen der Telefonate wegen der mangelnden Qualifikation des Übersetzers nicht verwertet werden. „Angriffspunkte für die Verteidigung bieten sie auf jeden Fall“, so die Badische Zeitung.

Ein mit der Überprüfung beauftragter qualifizierter Übersetzer ist inzwischen zu dem Ergebnis gekommen, dass 10 der 30 vorgelegten Übersetzungen fehlerhaft sind.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Badische Zeitung, 2010-10-11, 2010-10-13.]

Dolmetscher in Afghanistan erschossen

Auf dem spanischen Militärstützpunkt Qalaw-i-Naw im Nordwesten Afghanistans hat ein afghanischer Polizist bei einer Schießübung zwei spanische Ausbilder der paramilitärischen Guardia Civil und deren Dolmetscher erschossen. Der Angreifer wurde daraufhin von Spaniern erschossen. Dem Schusswechsel war ein Streit zwischen den Männern vorausgegangen. Anschließend rottete sich vor dem Lager eine wütende Menge zusammen, die gegen den Tod des afghanischen Polizisten demonstrierte und mit Steinen warf. Dabei wurden 25 Menschen verletzt. Der Vorfall ereignete sich am 25.08.2010 in der spanisch kontrollierten Provinz Badghis, die zur italienischen Besatzungszone gehört.

Die deutschen Bundesländer, vor allem Nordrhein-Westfalen, haben laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zunehmend Schwierigkeiten, genügend Freiwillige für den Einsatz am Hindukusch zu finden. Das Land Brandenburg weigert sich seit Kurzem, weiterhin Polizeibeamte als Ausbilder nach Afghanistan zu schicken.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Focus, Stern, Standard, 2010-08-25; Spiegel, 2010-09-06.]

Mord an Ärzteteam in Afghanistan: Chemnitzer Dolmetscherin unter den Opfern

Bei dem Massaker an zehn Mitarbeitern des augenärztlichen Hilfswerks “International Assistance Mission” (IAM) in der abgelegenen afghanischen Bergprovinz Nuristan ist auch eine Deutsche ums Leben gekommen: Daniela B. (35), die dem Ärzteteam als Dolmetscherin diente. Der stern schreibt:

Die einzige Deutsche im Team war keine Ärztin - sondern Sprachwissenschaftlerin: Daniela B., geboren 1975 in Chemnitz. Sie hatte nach dem Abitur Sprachwissenschaft an der Universität Leipzig studiert, Englisch und Russisch, zusätzlich einen Abschluss als Deutschlehrerin für Ausländer gemacht.

Vier Jahre war sie an der Universität Gloucesterhire in Südengland eingeschrieben, arbeitete als freiberufliche Übersetzerin und kam 2007 nach Afghanistan für die “International Assistance Mission”. Das Land hatte es ihr angetan. In Kabul lernte sie ein knappes halbes Jahr lang Dari, eine der beiden Landessprachen. Amir Mohammed, ihr Lehrer von damals, erinnert sich noch heute an die stille Deutsche mit den blauen Augen: “Als Studentin war sie exzellent, sehr fleißig, hat wahnsinnig schnell gelernt. Sie hat mir immer gesagt: ‘Ich will mit den Menschen reden, will wissen, was die fühlen, denken, sie verstehen!’ Sie wollte alles wissen über Kultur, Sitten, und die Geschichte Afghanistans. […]”

Für ein Jahr ging sie dann nach Faisabad zum “Language Research Program” von IAM in der Nordostprovinz Badakhschan. Ziel ihres Projektes war es, “für die örtlichen Sprachen in den isolierten Bergregionen eine Schriftvariante zu entwickeln, so dass Menschen dort in ihrer eigenen Sprache lesen und schreiben lernen können”, wie ein ehemaliger Kollege sagt. Daniela B. sprach fließend Dari, leidlich Vahi und Mandschi, zwei lokale Sprachen, und war dabei, weitere zu lernen.

Vor einem Jahr verließ sie IAM, um zusammen mit anderen eine neue Nichtregierungsorganisation (NGO) namens “Samar” aufzubauen, die sich vor allem mit der Erforschung und Rettung der lokalen Sprachen beschäftigen wollte. Den Kontakt zu den alten IAM-Kollegen hatte Daniela B. nie abreißen lassen. Als Karen Woo, die britische Ärztin, die vor allem Frauen behandelte, sich auf das “Eye Camp” vorbereitete, brauchte sie eine Frau zum Übersetzen. Daniela B., fließend in Englisch und Dari, war die perfekte Kandidatin. Sie willigte ein mitzukommen. Auf ihre letzte Reise.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Stern, 2010-08-08.]

Irak: Mord an Dolmetscher

Auf Geheiß einer Terrorgruppe hat im Irak der den Aufständischen nahe stehende Abdulhalim Ahmed (32) seinen eigenen Vater erschossen. Dieser hatte für die US-Truppen lange als Dolmetscher gearbeitet und wurde als Verräter betrachtet. Das berichtet die irakische Nachrichtenagentur Peyamner unter Berufung auf Angehörige.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Standard, 2010-07-21.]

Kandahar: Drei Dolmetscher bei Taliban-Angriff ums Leben gekommen

Dolmetscher in AfghanistanAm 13.07.2010 sind in der südafghanischen Stadt Kandahar bei einem Autobombenanschlag und einer anschließenden Schießerei drei Dolmetscher, zwei Wachmänner und drei US-Soldaten ums Leben gekommen. Ziel des Angriffs, zu dem sich die Taliban bekannten, war das Hauptquartier einer Eliteabteilung der Polizei.

Zunächst sprengte ein Selbstmordattentäter sein Auto an der Zufahrt in die Luft, anschließend versuchten Taliban-Kämpfer, mit Panzerfäusten und Maschinengewehren das kasernenartige Gelände zu stürmen. US-Soldaten und afghanische Polizisten konnten sie aber daran hindern.

Die größte Stadt im Süden Afghanistan gilt als Hochburg der Taliban.

Bild rechts: Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt 2004 für den neben ihm sitzenden Col. Kenneth F. McKenzie Jr. von der 22nd Marine Expeditionary Unit beim Treffen mit Jon Mohammed, dem Gouverneur der afghanischen Provinz Oruzgan.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Spiegel, 2010-07-14. Bild: Pressedienst US Marine Corps.]

770.000 Euro mit erfundenen Dolmetschrechnungen ergaunert

Justitia Frankfurter RömerbergVierundsechzig Luftrechnungen über frei erfundene Dolmetschleistungen mit Beträgen zwischen 3.500 und 17.000 Euro stehen derzeit im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Heilbronner Landgericht (Baden-Württemberg). Angeklagt ist ein 51-jähriger Mann, der innerhalb von sieben Jahren seinen Arbeitgeber, einen milliardenschweren Konzern, auf diese Weise um rund 770.000 Euro betrogen haben soll. Die Stuttgarter Zeitung berichtet:

Die Methode, die all die Jahre nicht auffiel, war immer die gleiche gewesen: Der Mann schrieb im Namen seiner Ehefrau Rechnungen für Dolmetscherdienste an die Firma Dürr in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg), wo er als Controller arbeitete. Das Übersetzungsbüro gab es gar nicht, die Kontonummer freilich schon: Dreisterweise ließ er sich das Geld auf sein Gehaltskonto überweisen.

Die Masche flog erst auf, als er Anfang 2010 die Buchhaltung darum bat, eine Rechnung vorzeitig zu begleichen – denn er hatte sein Konto überzogen und benötigte einen schnellen Ausgleich. Ein aufmerksamer Buchhalter stellte dabei fest, dass das Unternehmen gar keinen Auftrag für die abzurechnenden Sprachdienstleistungen erteilt hatte. Daraufhin wurden auch die früheren Rechnungen überprüft.

Vor Gericht gab der geständige Controller an, dass er mit dem Geld lediglich seiner Familie „ein schönes Leben“ habe bereiten wollen. Mit seiner Frau, laut Stuttgarter Zeitung „eine brasilianische Sambatänzerin“, und den gemeinsamen Kindern im Grundschulalter bewohnte der Mann ein unauffälliges Einfamilienhaus.

Mit den ergaunerten Beträgen ging der Schwabe offenbar sparsam um. Für ein Luxusleben des Mannes habe er keinerlei Spur entdecken können, erklärte ein als Zeuge geladener Kriminalhauptkommissar: „Wir standen in seinem Haus und fragten uns, wofür er das ganze Geld eigentlich ausgegeben hatte – von Prunk keine Spur.“

Der Staatsanwalt fordert ein Strafmaß von vier Jahren, die Verteidigerin hält dreieinhalb Jahre für angemessen. Das Urteil soll noch im Lauf dieser Woche verkündet werden.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Stuttgarter Zeitung, 2010-06-19. Bild: Richard Schneider.]

Dolmetscher Drahtzieher bei Rezeptbetrug

„Es war offenbar ein abgekartetes Spiel: Der Dolmetscher Hassan C. beschaffte die Versichertenkarten von Patienten, der Arzt Dr. Abdul M. verschrieb ihnen teure Medikamente und der Apotheker Abdelmarik A. rechnete die Rezepte ab. Doch die Medizin erreichte ihre Empfänger nie. Wegen des Vorwurfs des gesetzmäßigen Betrugs und der Untreue wurde heute vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen sie eröffnet.“ Dies schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung.

Die Liste der Vorwürfe sei lang, die Verlesung der Anklageschrift habe mehr als 40 Minuten gedauert. 20 Monate lang habe das Trio in Nordhorn, Meppen und Lingen Krankenversicherungen um insgesamt 230.000 Euro betrogen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stellten einige Versicherte ihre Karten gegen Bezahlung freiwillig zur Verfügung. Sie werden sich später vor Gericht verantworten müssen. Andere merkten nicht, dass ihre Daten missbraucht wurden.

Als Drahtzieher gilt der Hamburger Dolmetscher Hassan C., der ebenso wie der Apotheker Abdelmarik A. aus Meppen zu den Vorwürfen schwieg. Der Arzt Dr. Abdul M. aus Ochtrup ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er nichts mit dem Betrug zu tun und nie wissentlich Versicherungen geprellt habe. Alle Verschreibungen seien medizinisch begründet gewesen. In einigen Fällen seien seine Rezepte gefälscht worden.

Das Urteil soll im August 2010 gefällt werden.

Mehr zum Thema auf uepo.de
2009-11-17: Dolmetscher in groß angelegten Rezeptbetrug verwickelt

[Text: Richard Schneider. Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 2010-05-20.]