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Archiv der Kategorie Politik
Übersetzermangel beim FBI bremst Terrorabwehr
31.10.2009 von Richard Schneider.
Bei der amerikanischen Bundespolizei FBI wächst der Berg an verdächtigem Material, das nicht ausgewertet werden kann, weil es an Übersetzern mangelt. Diese Missstände prangert jetzt ein Untersuchungsbericht des Justizministeriums an.
Zurzeit gebe es einen Rückstau von 14,2 Millionen E-Mails und 1,2 Millionen Stunden Tonaufzeichnungen, die noch nicht durchschnüffelt werden konnten. Während das Verdachtsmaterial ständig zunehme, sei die Zahl der FBI-Übersetzer zwischen 2005 und 2008 von 1.338 auf 1.298 gesunken.
Die Arbeitsbelastung für Übersetzer sei seit den Anschlägen vom 11. September 2001 um mehr als das Doppelte gestiegen. Deshalb greife man zur Vorfilterung auf maschinelle Übersetzungssysteme und andere Verfahren der Textanalyse zurück.
Problematisch sei auch die Rekrutierung neuer Übersetzer. Derzeit dauere es im Durchschnitt 19 Monate, bis eine freie Stelle neu besetzt werden könne.
[Text: Richard Schneider. Quelle: NZZ, 2009-10-28. Bild: FBI.]
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Auswärtiges Amt: FDP plant Kürzung des Dolmetschetats
13.10.2009 von Richard Schneider.
Die FDP will im 2,8 Milliarden Euro umfassenden Haushalt des Auswärtigen Amts Kürzungen von 19 Millionen Euro vornehmen. Darunter befindet sich auch der Posten „Ansätze für Dolmetscher bei EU-Ratsvorbereitung“, der um ein Viertel zurückgefahren werden soll. Ob sich dies auf das gesamte Dolmetschbudget des Auswärtigen Amts bezieht, ist allerdings unklar.
Der Vorschlag ist im mehr als 400 Seiten dicken „Sparbuch“ der FDP-Bundestagsfraktion enthalten, das bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielt. Das seit 1995 geführte Werk besteht aus Vorschlägen, die den Bundeshaushalt um rund zehn Milliarden Euro entlasten würden. Die Wochenzeitung Die Zeit nennt einige der Sparvorschläge für das Auswärtige Amt:
Das kostet als Erstes mal einen Staatssekretär den Kopf – einer weniger pro Ministerium ist Standardprogramm im „Sparbuch“. Aber auch der gewöhnliche Diplomat muss mit Kürzung rechnen. Vier Millionen Euro – fast zehn Prozent des Gesamtansatzes – soll weniger für Trennungsgeld, Fahrtkostenzuschuss und Umzugskostenvergütung veranschlagt werden. Ansätze für Dolmetscher bei EU-Ratsvorbereitung oder für Sachverständige sollen um ein Viertel schrumpfen. Staatsgäste dürfen nur noch zwei statt 2,5 Millionen Euro kosten. Und das Deutschlandbild im Ausland, finden die Rotstift-Liberalen, sei um drei Millionen Euro billiger auch noch prima zu vermitteln. Die Begründung ist in allen Fällen die gleiche: „Einsparungen dienen der Entlastung der Bürger.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Zeit, 2009-10-13.]
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Guido lost in translation. Wir helfen!
3.10.2009 von Richard Schneider.

Die ausbaufähigen Englisch-Kenntnisse des FDP-Parteivorsitzenden Guido Westerwelle, der das Amt des Außenministers in der neu zu bildenden Bundesregierung anstrebt, haben ein enormes Rauschen im Blätterwald hervorgerufen. Auch in den Internet-Foren für Übersetzer wurde die Frage, ob ein Außenminister fließend Englisch sprechen muss, ausgiebig und kontrovers diskutiert. Der Konsens: Englisch ist selbstverständlich von Vorteil, aber kein Muss. Denn dafür gibt es Experten wie uns - die Dolmetscher und Übersetzer.
Könnte man diese Gelegenheit nicht nutzen, um öffentlichkeitswirksam darauf hinzuweisen? Einige Kollegen haben Leserbriefe an die Presse verfasst. Wir bei uepo.de haben uns an die pfiffige Aktion der Autovermietung Sixt auf dem Höhepunkt der Dienstwagenaffäre um Ulla Schmidt erinnert. Die Ministerin war samt Chauffeur in den Urlaub nach Spanien gefahren. Unten das Plakat von Sixt, das ein oder zwei Wochen die Startseite der Sixt-Website zierte.
Wie nach diesem Muster eine kleine, freche Guerilla-Marketing-Aktion für unsere Branche aussehen könnte, haben wir oben angedacht. Die bisherigen Reaktionen aus dem Kollegenkreis, Online-Foren und der Führungsebene der ATICOM waren positiv - auch wenn allen klar ist, dass Berufsverbände grundsätzlich zu schwerfällig sind, um solche Ideen tatsächlich in die Tat umzusetzen.

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]
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Muss ein deutscher Außenminister fließend Englisch sprechen? Die “Affäre” Westerwelle
2.10.2009 von Richard Schneider.
Hohe Wellen schlug die Weigerung des FDP-Spitzenkandidaten Guido Westerwelle (Bild), auf der ersten Pressekonferenz seiner Partei nach der gewonnenen Bundestagswahl eine Frage in englischer Sprache zuzulassen und zu beantworten. Ein nicht Deutsch sprechender Korrespondent der BBC hatte darum gebeten. Westerwelle lehnte den Wunsch lächelnd, aber sehr bestimmt ab. Der folgende Mitschnitt von Phoenix zeigt auch den Korrespondenten James Coomarasamy und dessen Dolmetscherin im Bild: http://www.youtube.com/watch?v=R4pQlkshzm4
Daraufhin hagelte es in der Blogosphäre und der Presse teils hämische, teils entsetzte Kommentare. Tenor: Das sei peinlich und arrogant gewesen und außerdem müsse jemand, der Außenminister werden wolle, Englisch sprechen können. Die Kritiker verwiesen zudem auf ein drei Jahre altes Filmchen, das Westerwelle ebenfalls auf einer Pressekonferenz zeigt. Dort versucht er, auf Englisch zu antworten und ringt oft sekundenlang um Worte: http://www.youtube.com/watch?v=lLYGPWQ0VjY
Zu Westerwelles Sprachkenntnissen ist zu sagen: Das ist halt Schulenglisch. Außerdem hat Guido noch den Knoten im Kopf, der alle Fremdsprachenlerner, die sich nicht blamieren wollen, daran hindert, unverkrampft draufloszureden. Dieser Knoten platzt gewöhnlich bei einem mehrmonatigen oder gar mehrjährigen Auslandsaufenthalt im Studium oder Beruf. Eine Erfahrung, die Westerwelle fehlt.
Über seinen vergleichsweise leichten Akzent braucht er sich keine Gedanken zu machen. Dass dies keine Behinderung ist und sich sogar zum Markenzeichen entwickeln kann, zeigen Ruth Westheimer („Dr. Ruth“) und Arnold Schwarzenegger.
Dass Westerwelle seine sprachlichen Grenzen kennt, ist lobenswert. Als künftiger Minister kann er das Dolmetschen bis auf Weiteres denen überlassen, die dafür ausgebildet wurden – den Dolmetschern des Auswärtigen Amts.
Muss ein Außenminister fließend Englisch sprechen können?
Die grundsätzliche Frage lautet, ob ein Außenminister die englische Sprache fließend beherrschen muss. Klare Antwort: Nein - auch wenn es natürlich von Vorteil ist. „Mit gutem Deutsch und schlechtem Französisch kommt man überall durch“, meinte einst Theodor Fontane.
Es sei an Hans-Dietrich Genscher erinnert, der sich, als er 1974 für das Amt des Außenministers im Gespräch war, genau dieselben Vorwürfe anhören musste. Er wurde gefragt, ob er außer Sächsisch noch eine andere Fremdsprache beherrsche.
Genscher reagierte damals allerdings schlagfertiger als Westerwelle: „Ich bewerbe mich um das Amt des Außenministers, nicht um das des Dolmetschers.“ Bekanntlich hat „Genschman“ dann achtzehn Jahre lang die Bundesrepublik würdig im Ausland vertreten und gilt als bester deutscher Außenminister seit Gustav Stresemann (1923-1929, Friedensnobelpreis 1926). „Mein Verhältnis zur englischen Sprache ähnelt dem zu meiner Frau: Ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht“, sagte Genscher später einmal.
Im Rahmen der aktuellen Diskussion meldete sich der ehemalige Außenminister und heutige Ehrenvorsitzende der FDP ebenfalls zu Wort und wiederholte in einem Fernsehinterview seine Argumentation von 1974: Westerwelle wolle Außenminister werden – und nicht Dolmetscher.
Kann sich die BBC keine deutschsprachigen Korrespondenten mehr leisten?
Warum hatte die BBC ausgerechnet James Coomarasamy (im Bild rechts mit seiner Dolmetscherin) nach Berlin geschickt, einen in London geborenen Sohn tamilischer Einwanderer? Dieser spricht neben Englisch fließend Französisch sowie etwas Russisch und Polnisch, weil er aus diesen Ländern bereits berichtet hat. Deutsch ist ihm aber fremd.
Manche hegten den Verdacht, er habe provozieren und dem Kandidaten absichtlich ein Fettnäpfchen vor die Füße stellen wollen. Wahrscheinlicher ist, dass der Brite nicht die geringste Ahnung von dem schon seit Tagen kursierenden Video hatte, in dem Westerwelle Englisch radebricht. Deshalb begriff er auch nicht, dass der designierte Außenminister eine Falle witterte und partout nicht auf Englisch antworten wollte. Coomarasamy hatte auch nicht mitbekommen, dass seine Frage (wie sich die deutsche Außenpolitik unter Westerwelle verändern würde) von deutschen Journalisten schon längst gestellt und von Westerwelle beantwortet worden war.
Vermutlich sollte der Korrespondent lediglich einen englischsprachigen O-Ton einfangen, der dann in Großbritannien hätte gesendet werden können. Damit er sich überhaupt in Deutschland zurechtfand, hatte er eine als Dolmetscherin fungierende Frau an seiner Seite.
Der Cem hat’s drauf: Schwäbisch, Deutsch, Türkisch – und Englisch
Ausgerechnet die Vertreter der einzigen typisch deutschen Partei versuchten, sich mit einem überlegenen Lächeln als Kosmopoliten zu profilieren. So bat die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Renate Künast, auf ihrer Pressekonferenz demonstrativ um Fragen in englischer Sprache. Schade nur, dass sich die internationale Presse nicht für sie interessierte.
Der Co-Vorsitzende der Partei Die Grünen, Cem Özdemir (Bild rechts), nutzte die Englisch-Affäre, um in einer Videoerklärung zu zeigen, dass er es besser kann als sein Amtskollege von der FDP („Message to the BBC - stay with us“): www.youtube.com/watch?v=JlZ-zjjinvs
Özdemir darf erst seit Kurzem im deutschen Politzirkus wieder mitspielen. Nach einem Skandälchen im Jahr 2002 über die unzulässige Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Flugmeilen musste er sein Bundestagsmandat niederlegen und mehrere Jahre im Ausland Buße tun.
Diese verbrachte er zunächst als „Transatlantic Fellow“ des „German Marshall Fund of the United States“ an der University of Madison im US-Bundesstaat Wisconsin, wo er unter anderem Vorlesungen zur Rolle der Türkei in Europa hielt. 2004 bis 2009 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament in Brüssel.
Özdemir hat also genau das, was Westerwelle fehlt: Auslandserfahrung. Er sei jedoch an ein Bonmot des österreichischen Schriftstellers Alexander Roda-Roda erinnert, der treffend bemerkte: „Wer viele Sprachen spricht, kann in vielen Sprachen Unsinn reden.“
Würde uns ein Außenminister Westerwelle im Ausland blamieren?
Die Befürchtung, Westerwelle werde mit seinen mangelnden Sprachkenntnissen Deutschland im Ausland blamieren, ist unbegründet, wie das Beispiel Genscher zeigt.
Eine solche Sorge wäre 1998 bei der Ernennung von Joseph „Joschka“ Fischer zum Außenminister eher angebracht gewesen. Der ehemalige Steinewerfer und Polizistenverprügler hat nicht einmal das Abitur in der Tasche. Sein höchster Bildungsabschluss ist bis heute der Taxischein. Aber bekanntlich hat auch Joschka die Aufgabe mit Bravour gemeistert.
Fischers Englischkenntnisse sollen zu Beginn der Amtszeit auf einem ähnlichen Niveau gewesen sein wie die von Westerwelle heute. Schon wenig später konnte der begnadete Autodidakt und Vielleser, der sich an der Uni Frankfurt einst ohne Immatrikulation einfach in die Vorlesungen gesetzt hatte, die ihn interessierten, dann im Ausland seine Reden auch auf Englisch halten. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik reichten die Sprachkenntnisse des zweifachen Ehrendoktors gar für eine einjährige Gastprofessur in Princeton. Heute tingelt er als hoch bezahlter Vortragskünstler durch die Welt und hält seine Reden dabei vorzugsweise auf Englisch.
Ein Außenminister mit ausgezeichneten Englisch- und Französischkenntnissen sowie jahrelanger Auslandserfahrung (vor allem Kanada) war Joachim von Ribbentrop, der 1938 bis 1945 im Amt war. Er endete allerdings am Galgen, so dass sich die Erkenntnis aufdrängt, dass Fremdsprachenkenntnisse keine Garantie für eine gute Außenpolitik sind.
Die meisten Kanzler konnten es auch nicht besser
Die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse von Helmut Kohl sind legendär und haben zur Entstehung zahlreicher Witze beigetragen, von denen wir vor einigen Jahren bereits eine Auswahl zusammengestellt haben. Ähnliches gilt für Gerhard Schröder. (Siehe: „Respektlos! Das deutsche Volk macht Witze über die Fremdsprachenkenntnisse seiner Kanzler“) Und Angela Merkel spricht besser Russisch als Englisch. Als bester Englischsprecher unter den Kanzlern der letzten 140 Jahre, also seit der Reichsgründung 1871 durch Bismarck, gilt Helmut Schmidt.
Guido trägt’s mit Humor
Westerwelle ist seit 1994, als er Generalsekretär der FDP wurde, eine beliebte Zielscheibe der Kabarettisten und Hassobjekt der Linken. Offenbar verfügt er über genügend Humor und Selbstironie, um damit umgehen zu können.
Wenige Tage nach der „Englisch“-Pressekonferenz grüßte er auf dem Weg zur Präsidiumssitzung die Pressemeute demonstrativ mit „Bienvenue“ und „Welcome“. Die sich später anschließende Pressekonferenz leitete er mit den Worten ein: „Die Präsidiumssitzung fand ausschließlich in deutscher Sprache statt.“ Auf die nicht ernst gemeinte Frage eines Journalisten, ob er etwas auf Altgriechisch fragen dürfe, entgegnete der Parteivorsitzende: „Wenn Sie ihre Frage in Altgriechisch stellen, dann antworte ich Ihnen auf Latein.“ Anspielungen auf seine Sprachkenntnisse dürften sich wohl zu einem running gag entwickeln, vermutet Westerwelle.
Die etwas schroffe Antwort an den britischen Journalisten entschuldigte er mit Schlafmangel in der Wahlnacht. Er sei völlig übermüdet gewesen. Außerdem sei die Frage des Korrespondenten bereits vorher mehrfach beantwortet worden.
Neben all dem unsäglichen Gezeter im Internet gibt es zwei Presseartikel, die diesen Sturm im Wasserglas ausgewogen und treffend kommentieren:
Stern.de: Johannes Schneider: Westerwelles Englischkenntnisse - The Aufschwung is da!
The Independent: Philip Hensher: Flummoxed by foreign tongues
[Text: Richard Schneider. Bild: FDP-Presseservice, Phoenix, Büro Cem Özdemir.]
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Neue Justizdolmetschergesetze: Sprachverhunzung durch Gender Mainstreaming
16.9.2009 von Richard Schneider.
Vor wenigen Tagen ist das Justizdolmetschergesetz für Schleswig-Holstein in Kraft getreten. Die Verabschiedung einer gesetzlichen Grundlage für die allgemeine Vereidigung und Ermächtigung war nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2007 notwendig geworden, das deren Fehlen bemängelt hatte.
Inhaltlich sind die in den letzten Monaten verabschiedeten Gesetze (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Hostein) ein großer Erfolg der an der Ausarbeitung umfassend beteiligten Sprachmittlerverbände. Sprachlich sind sie jedoch eine Katastrophe.
Der Gesetzestext wirkt, als wäre er von der feministischen Sprachpolizei auf Grundlage der Gender-Mainstreaming-Ideologie zensiert und überarbeitet worden, was schon im Titel zum Ausdruck kommt: „Gesetz über Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer in der Justiz“. Dass eine solche Bezeichnung nicht praxistauglich ist, leuchtet auch dem Justizministerium ein. Die offizielle Kurzform lautet daher so, wie das Gesetz bei Einschaltung des gesunden Menschenverstands eigentlich heißen sollte: „Justizdolmetschergesetz“ (JustizDolmG).
Ähnliches gilt in noch stärkerem Maße für die aktuelle Bezeichnung des JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz) als „Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetscherinnen, Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern sowie die Entschädigung von ehrenamtlichen Richterinnen, ehrenamtlichen Richtern, Zeuginnen, Zeugen und Dritten“. Bis zum Jahr 2004 hieß dieses schlicht „Gesetz über die Entschädigung von Zeugen und Sachverständigen“ (ZSEG); der für unsere Berufsgruppe geltende Abschnitt trug noch die Überschrift „§ 17 Dolmetscher und Übersetzer“.
Die Verfasser des Justizdolmetschergesetzes für Schleswig-Holstein haben statt der im Deutschen seit Jahrhunderten üblichen und allgemein akzeptierten geschlechtsneutralen Ausdrucksweise, bei der die grammatikalisch meist maskuline (seltener auch feminine) Form Frauen wie Männer gleichermaßen einschließt („generisches Maskulinum“), jeder männlichen Form eine weibliche vorangestellt. Es heißt also stets und ohne Ausnahme „Dolmetscherinnen und Dolmetscher“, „Übersetzerinnen und Übersetzer“, „Sprachmittlerinnen und Sprachmittler“, „die Präsidentin oder der Präsident des Landgerichts“, „sie oder er“.
So trägt § 1 die Überschrift „Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer“. Klar denkende Juristen (sofern das nicht ein Widerspruch in sich selbst ist) hätten sicher eine andere Formulierung bevorzugt, etwa schlicht und einfach „§ 1 Sprachmittler“.
Diese bei der gesamten deutschen Gesetzgebung zu beklagende systematische Sprachverhunzung ist seit acht Jahren gesetzlich vorgeschrieben und durch zahllose Erlasse und Bestimmungen geradezu totalitär bis ins kleinste Detail geregelt. Das Gleichstellungsgesetz von 2001 fordert: „Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes sollen die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen.“ Und in einer Arbeitshilfe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema „Gender Mainstreaming in Forschungsvorhaben“ heißt es: „Die Verwendung der ausschließlich männlichen Form (sog. ,generisches Maskulinum‘) zur besseren Lesbarkeit ist nicht zulässig.“
Widerspruch gegen das seuchenartig um sich greifende Gender Mainstreaming (GM) regt sich merkwürdigerweise nur außerhalb der etablierten Parteien, Institutionen und Medien in libertären Zirkeln, die eine staatliche Gängelung und Bevormundung - nicht nur in Fragen der Sprache - grundsätzlich ablehnen. Gelegentlich nehmen sich in kleiner Auflage erscheinende Publikationen wie eigentümlich frei (www.ef-magazin.de) oder Cicero (www.cicero.de), seltener auch das Nachrichtenmagazin Focus des Themas an.
Kritiker vergleichen die Gender-Mainstreaming-Bewegung inzwischen mit einer Sekte, die mit dem von ihr verfolgten Umerziehungsprogramm ideologisch gefährlicher, schädlicher und finanziell raffgieriger sei als etwa Scientology. Statt einer zähneknirschenden Duldung sei eine aktive Bekämpfung des Gender-Mainstreaming-Unwesens dringend geboten. Denn das GM-Konzept sei eine neomarxistische Ideologie, die darauf abziele, einen neuen, geschlechtslosen Menschen auf der Grundlage eines behavioristischen Menschenbildes zu schaffen, welches biologische Unterschiede zwischen den Menschen leugne.
Die Ziele der Emanzipationsbewegung sind längst erreicht und oft übererfüllt, so dass heute Jungen und Männer auf vielen Gebieten diejenigen sind, die systematisch benachteiligt werden. Trotzdem ist es den GM-Aktivisten in nur wenigen Jahren gelungen, sich vor allem als so genannte Gleichstellungsbeauftragte (früher treffender als „Frauenbeauftragte“ bezeichnet) in Behörden und Universitäten einzunisten und ihre Mission vollständig durch das Abzocken von Steuergeldern zu finanzieren. Man schätzt, dass das gesamte System der Gleichstellungsbeauftragen, der endlosen Forschungsprojekte, der Symposien und Konferenzen, der Flut von pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie der neu gegründeten Universitäts-Institute (es gibt 128 Lehrstühle für Frauenforschung/Gender Studies) pro Jahr weit mehr als eine Milliarde Euro verschlingt. Ein äußerst lukratives Geschäft für GM-Gewinnler, gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Die Vergewaltigung der ohnehin schon verquasten Rechts- und Verwaltungssprache ist dabei noch eines der kleineren Übel.
Sprachhistorisch betrachtet ist das „Gesetz über Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie Übersetzerinnen und Übersetzer in der Justiz“ somit ein skurriles Dokument des Zeitgeistes. Möge es der Belustigung künftiger Generationen dienen, die hoffentlich eines Tages zu einer natürlichen, klaren sowie schlicht und einfach schönen Sprache zurückfinden werden.
Der Gesetzestext kann in der Juris-Datenbank des Bundes abgerufen werden.
[Text: Richard Schneider. Das Bild stammt aus einer Gender-Mainstreaming-Kampagne der Stadt Wien. Die Verkehrsschilder existieren nicht tatsächlich, sondern wurden für die Kampagne entworfen.]
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EU entwirft Rahmenbeschluss für Anspruch auf Dolmetscher in Strafverfahren
16.7.2009 von Richard Schneider.
Mit dem Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rates sollen EU-weite Mindestnormen für das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung in Strafverfahren eingeführt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Personen, die einer Straftat verdächtigt werden und die die Verfahrenssprache weder verstehen noch sprechen, von dem Augenblick an, in dem ihnen der Verdacht mitgeteilt wird, bis zum Ende des Verfahrens – einschließlich etwaiger nächstinstanzlicher Verfahren – ein Dolmetscher beigestellt wird. Ebenso sollten sie Anspruch auf Übersetzung maßgeblicher Prozessunterlagen haben, um sicherzugehen, dass die gegen sie erhobenen Beschuldigungen von ihnen auch verstanden werden.
Mit dem am 08.07.2009 angenommenen Vorschlag nimmt die Kommission die Arbeit an EU-weit gültigen Verfahrensgarantien für Beschuldigte in Strafverfahren wieder auf, nachdem ein von der Kommission 2004 vorgelegter Vorschlag hierzu von den Mitgliedstaaten 2007 endgültig abgelehnt wurde.
Anders als der Vorschlag von 2004, mit dem gleichzeitig sechs Verfahrensrechte geregelt werden sollten, konzentriert sich dieser Vorschlag auf eine einzige Kategorie von Rechten, nämlich das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung. Initiativen zu weiteren Verfahrensrechten sind bereits für das kommende Mehrjahresprogramm geplant. Der vorliegende Vorschlag ist ein erster Schritt in dem neuerlichen Bestreben, das Vertrauen der Justizbehörden der Mitgliedstaaten untereinander zu stärken. Dies wiederum ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit gerichtliche Maßnahmen EU-weit anerkannt werden. Strafverteidiger-Verbände und Prozessbeobachter fordern seit langem eine EU-weite Regelung von Verfahrensrechten.
In der EU werden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Wer sich in der misslichen Lage befindet, einer Straftat verdächtigt zu werden, steht vor zusätzlichen Problemen, wenn er die Landessprache nicht beherrscht. Zwar wird das Recht auf Beiziehung eines Dolmetschers/Übersetzers durch die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte garantiert, die von allen EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde, doch werden diese Garantien in der Praxis nicht überall gleich gehandhabt. Hinzu kommt, dass die Garantien bisweilen missachtet werden und es im Falle eines Verstoßes gegen die Konvention lange dauern kann, bis jemand zu seinem Recht kommt. Verdächtige haben daher nicht überall in der EU gleichen Zugang zu Dolmetsch- und Übersetzungsdiensten.
Durch den Vorschlag werden die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, einer Person, die in einer ihm unverständlichen Sprache der Begehung einer Straftat verdächtigt oder beschuldigt wird, während des gesamten Verfahrens einen Dolmetscher zur Seite zu stellen. Die Verdachtsperson muss die gegen sie erhobenen Beschuldigungen kennen und das Prozessgeschehen verfolgen können.
Damit die betreffende Person ihre Verteidigungsrechte in vollem Umfang ausüben kann, müssen außerdem maßgebliche Prozessunterlagen in einer Übersetzung vorliegen. Übersetzungs- und Dolmetschdienste müssen kostenlos in hinreichend guter Qualität zur Verfügung gestellt werden. Der Geltungsbereich des Vorschlags erstreckt sich auf sämtliche Personen, die verdächtigt oder beschuldigt werden, eine Straftat begangen zu haben, und zwar ab dem Zeitpunkt, zu dem sie hiervon Kenntnis erhalten, bis zur endgültigen Entscheidung in der Sache, einschließlich etwaiger Rechtsmittelinstanzen. Mit inbegriffen sind auch Verfahren zur Vollstreckung eines Europäischen Haftbefehls.
Der Rahmenbeschluss verpflichtet die Mitgliedstaaten auch zu einer entsprechenden Schulung von Richtern, Rechtsanwälten und anderen beteiligten Gerichtsbediensteten, um sicherzustellen, dass der Beschuldigte dem Verfahren folgen kann.
Nachdem der Rat dem Vorschlag zugestimmt und das Europäische Parlament angehört hat, müssen die Mitgliedstaaten die Bestimmungen des Rahmenbeschlusses innerhalb von zwei Jahren in innerstaatliches Recht umsetzen.
Ein Dokument, das den vollständigen Beschlusstext enthält, können Sie hier abrufen.
[Text: EU-Kommissioin. Quelle: Pressemitteilung IP/09/1101 EU-Kommission, 2009-07-08. Bild: EU-Kommission.]
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Verteidigungsminister Jung lobt Arbeit des Bundessprachenamts
18.6.2009 von Richard Schneider.
Anlässlich des Festaktes „40 Jahre Bundessprachenamt“ am 5. Juni 2009 in Brühl lobte Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung (Bild) die Arbeit der Institution.
In seiner Festrede hob der Verteidigungsminister vor allem die Bedeutung des Bundessprachenamtes hervor. Ohne die Hilfe und Ausbildung wären multinationale Einsätze, wie beispielsweise unter dem ISAF-Mandat in Afghanistan, nicht möglich.
Daher sei das Bundessprachenamt ein „Garant für fremdsprachliche Kompetenz und leistungsfähige Ausbildung“, sagte der Verteidigungsminister vor den Gästen im Brühler Schloss Augustusburg.
Die Vermittlung von Sprache und der damit verbundenen „interkulturellen Kompetenz“ sei ein essentieller Bestandteil, um Vertrauen zu schaffen. Das ist vor allem wichtig gegenüber verbündeten Streitkräften oder auch gegenüber der Bevölkerung in den jeweiligen Einsatzgebieten.
Mit einem Angebot von über 40 Sprachen und den Schwerpunkten in Sprachausbildung, Übersetzung und Terminologie sei dafür eine gute Basis geschaffen. Darauf können die über 1.000 Mitarbeiter stolz sein, lobte der Minister, der diese „professionelle Arbeit“ einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Auftrags der Bundeswehr nannte.
Das zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung gehörende Bundessprachenamt ist eine in Deutschland einzigartige Einrichtung. Seine Aufgabenschwerpunkte liegen in den Bereichen Sprachausbildung, Übersetzung und Terminologie. Unter anderem erbringt es Dolmetscher- und Übersetzungsdienstleistungen für die deutschen Soldaten im Auslandseinsatz. Ressort-übergreifend wird das Bundessprachenamt auch für andere Bundesministerien und Bundesbehörden tätig, wie zum Beispiel das Auswärtige Amt und die Bundespolizei.

Zu Gast beim Festakt: Militärattachés aus verschiedenen Ländern
[Text: Bundesministerium der Verteidigung. Quelle: Pressemitteilungen Bundesministerium der Verteidigung, 2009-06-03, 2009-06-05. Bild: Bundeswehr/Bienert/Andrea Bienert.]
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Hugo Chávez: Journalisten belauschen Staatschef über Dolmetschanlage
1.6.2009 von Richard Schneider.
Zu einer erheblichen Verstimmung zwischen Venezuela und Argentinien führte eine Panne beim Treffen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez mit dem brasilianischen Prasidenten Luiz Ignácio Lula da Silva (Bild: links Chávez, rechts Lula). Chávez hatte Lula zugeraunt, bei der Verstaatlichungswelle in seinem Land wolle er brasilianische Firmen verschonen. Das brachte die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner auf die Palme: Ein solches Vorhaben diskriminiere Argentinien. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt:
Chávez’ Äußerungen waren nur wegen einer technischen Panne publik geworden. Journalisten, die einem routinemäßigen Treffen zwischen Chávez und Lula in der brasilianischen Stadt Salvador de Bahia beiwohnten, konnten etwa 50 Minuten lang ein privates Gespräch der beiden Präsidenten mithören, weil es irrtümlich über die Dolmetsch-Anlage übertragen wurde. Es habe gar nicht spaßig geklungen, als Chávez zu Lula sagte: “Wir nationalisieren das Land, aber nicht die brasilianischen Firmen”, berichtete eine argentinische Korrespondentin. Andere Journalisten wollen Lachen gehört haben.
Der für sein polterndes Auftreten und seinen unkorrekten Humor bekannte Chávez erklärte später, das sei doch nur ein Scherz gewesen. Politische Beobachter und Kommentatoren sehen das ebenso. - Nur nicht die Journalistin und die Präsidentin aus dem Land der Gauchos. Dabei müssten sie sich mit Macho-Humor doch eigentlich auskennen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ, 2009-05-30, gefunden von Rosilene Victoria Alvares. Bild: Wikipedia.]
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Sprachlehrer als Dolmetscher? Offener Brief an Ministerin Claudia Schmied
11.3.2009 von Richard Schneider.
Die österreichische Ministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied (Bild), hat mit einer Äußerung den Unmut der Sprachmittlerzunft auf sich gezogen. Übersetzerverbände und Ausbildungsinstitute für Übersetzer haben deshalb den folgenden offenen Brief verfasst:
Offener Brief an Frau BM Claudia Schmied
Berufsverbände für Dolmetschen und Übersetzen und universitäre Ausbildungsstätten warnen vor Bagatellisierung des Berufes
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
wir nehmen Bezug auf Ihre im Profil 11/09 zitierte und in der Fernsehsendung ‘Im Zentrum’ live wiederholte Aussage: “Eine Sprachlehrerin könnte zur Abwechslung als Dolmetscherin arbeiten, so eine Öffnung kann den Schulen und dem Unterricht nur gut tun.”
Mit einem solchen Aufruf zu unprofessionellem Handeln würdigen Sie die Leistungen aller Frauen und Männer herab, die in diesen äußerst unterschiedlichen und fachlich höchst anspruchsvollen Berufsfeldern - Schulunterricht einerseits und Dolmetschen bzw. Übersetzen andererseits - tätig sind. Fremdsprachenkenntnisse und didaktisches Wissen bedeuten nämlich nicht automatisch Dolmetsch- oder Übersetzungskompetenz. Beispielsweise finden ja auch LehrerInnen für Biologie nicht eine Nebenverwendung als Vertretung in veterinär- oder humanmedizinischen Arztpraxen.
Dass Lehramtsstudien als eigene Studienzweige betrieben werden, ist bekannt. Es dürfte jedoch Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, dass dies auch auf Dolmetschen und Übersetzen zutrifft. An den Universitäten Wien, Graz und Innsbruck gibt es seit über 60 bzw. 50 Jahren eigene translationswissenschaftliche Institute, an denen DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen ausgebildet werden. Im tertiären Bereich hat sich also schon längst die Überzeugung durchgesetzt, dass der Sprachunterricht an Schulen andere Kompetenzen erfordert als das Dolmetschen oder Übersetzen.
Auch die EU-Institutionen vertreten diese Meinung. Um zu einem Concours für Dolmetschdienstleistungen zugelassen zu werden, sollten die KandidatInnen neben Berufserfahrung bei internationalen Kongressen tunlichst auch einen translationswissenschaftlichen Ausbildungshintergrund vorweisen.
Mit Ihrer Aussage hat die jahrzehntelange Aufbauarbeit der translatorischen Berufsverbände einen Rückschlag erlitten. Immer wieder verweisen diese Interessengruppen auf die negativen Konsequenzen von unqualifizierten Dolmetschungen und Übersetzungen, müssen dies auch tun, denn die Politik hat den qualifizierten VertreterInnen dieses Fachs bislang den Schutz der Berufsbezeichnung versagt.
Nicht zuletzt deswegen perpetuiert Ihre Aussage ein Bild von unserem Beruf, das der Komplexität moderner Dolmetsch- und Übersetzungsarbeit nicht gerecht wird. Angesichts dieser Komplexität und der verantwortungsvollen Rolle professioneller DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen für die internationale Kommunikation, für den Wissenstransfer und für den Aufbau der Kulturen sehen es die unterzeichneten Verbände und universitären Ausbildungsstätten als ihre Pflicht, auf die Fragwürdigkeit solcher Vorstellungen hinzuweisen.
Unterzeichnet von:
- UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen
- Österreichischer Verband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher
- Übersetzergemeinschaft
- Österreichischer Gebärdensprach-DolmetscherInnen-Verband
- AIIC Region Österreich
- Zentrum für Translationswissenschaft, Wien
- Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (Graz)
- Institut für Translationswissenschaft (Innsbruck)
[Text: Universitas. Quelle: Presseaussendung Universitas, 2009-03-11. Bild: SPÖ.]
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Englisch als Amtssprache? Sturm der Entrüstung in der Schweiz
22.2.2009 von Richard Schneider.
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) empfahl vor wenigen Tagen, Englisch zur Teil-Amtssprache aufzuwerten. Dies war ein Ergebnis des Forschungsprogramms “Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz”. Die Reaktionen reichen von entrüsteter Ablehnung in den französischsprachigen Kantonen bis hin zu vereinzelter Zustimmung unter den Deutschschweizern.
Kulturminister Pascal Couchepin äußerte sich bislang noch nicht. Der Tages-Anzeiger schreibt: “Aus seinem Umfeld war jedoch zu erfahren, was der Romand von einer Aufwertung des Englischen hält: Gar nichts.” Der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Buman ist Präsident der Organisation “Helvetia Latina”, die sich der Förderung der romanischen Sprachen verschrieben hat. Er meint zu dem Vorschlag: “Das ist lächerlich und kommt überhaupt nicht in Frage.” Der Neuenburger SP-Nationalrat Didier Berberat, Funktionär der internationalen frankofonen Parlamentariervereinigung, pflichtet dem bei: “Ich wehre mich gegen diesen Kultur-Imperialismus des Englischen. Englisch zu fördern ist zwar sehr in Mode. Wir sollten uns aber auf die Landessprachen konzentrieren.” Falls eine weitere Sprache Teil-Amtssprache werden sollte, schlägt Berberat Portugiesisch oder Albanisch vor. Auch der St. Galler SVP-Nationalrat Theophil Pfister weist darauf hin, dass es in der Schweiz weiter verbreitete Sprachen als das Englische gibt: “Ich sehe nicht ein, warum Englisch Teil-Amtssprache werden soll, nicht aber Albanisch.”
In der Tat nannten im Jahr 2000 bei der Schweizer Volkszählung 1,3 Prozent der Bevölkerung Albanisch als Muttersprache, 1,2 Prozent Portugiesisch und nur 1 Prozent Englisch.
Ungeachtet der Proteste setzt sich der Vormarsch des Englischen weiter fort. Seit Anfang 2009 veröffentlicht der Bund Rechtstexte “von besonderer Tragweite oder internationalem Interesse” auch auf Englisch. Im Tages-Anzeiger heißt es:
«Wir kommen mit der Arbeit kaum noch nach», sagt Stephen Frost, Leiter des englischen Sprachdienstes der Bundeskanzlei. Neben Rechtstexten übersetzen er und seine vier Mitarbeiter vor allem Webauftritte, Reden und Briefe der Bundesräte. Auch die meisten Departemente beschäftigen eigene Englisch-Übersetzer oder beauftragen externe Büros. Wie der Bundesrat 2007 aufgrund einer Anfrage Berberats ausführte, gibt der Bund pro Jahr schätzungsweise 2,1 Millionen Franken für Übersetzungen ins Englische aus.
Noch weiter als die Forscher des Nationalfonds möchte der Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller gehen. 2007 forderte er den Bundesrat auf, Englisch als vollwertige Amtssprache einzuführen. Doch die Regierung lehnte den Vorstoss ab. «Ich bin froh, dass das Thema wieder auf den Tisch kommt», sagt Gutzwiller. Ihm gehe es nicht darum, die Landessprachen zu konkurrenzieren. Eine Aufwertung des Englischen wäre seiner Ansicht nach jedoch ein wichtiger Standortvorteil im Wettbewerb um die besten Talente. «Die Immigration aus englischsprachigen Ländern wird weiter zunehmen. Wir sollten uns darauf vorbereiten», erklärt Gutzwiller.
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Schweiz: SNF empfiehlt Englisch als Teil-Amtssprache
[Text: Richard Schneider. Quelle: Tages-Anzeiger, 2009-02-17. Bild: Archiv.]
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