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Archiv der Kategorie Porträt
Im Porträt: Castros Dolmetscher Boris Coloma
1.4.2012 von Jessica Antosik.
Boris Coloma war seinerzeit enger Vertrauter und persönlicher Dolmetscher von Fidel Castro (Bild rechts). 1991 verließ er Kuba und beantragte Asyl in Deutschland. Heute lebt der 58-Jährige in Berlin. Seit 1998 ist er deutscher Staatsbürger. In einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen (MAZ) berichtet er über seinen gleichnamigen Vater und seine Zeit als Dolmetscher. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Gespräch:
Die Frage, ob er als Sohn des berühmten Boris Coloma, der während der kubanischen Revolution an der Seite Fidel Castros kämpfte, ein Günstling des Regimes war, beantwortet Coloma wie folgt:
Das kann man so sagen. Ich wuchs auf im Sinne der Revolution. Dass ich 1973, gleich nach der Schule, als Übersetzer an die Botschaft in Ost-Berlin geschickt wurde, war eine politische Entscheidung. […] Nach zwei Jahren in der DDR kehrte ich nach Kuba zurück. Ich wurde Übersetzer im Außenministerium, wenig später Castros persönlicher Dolmetscher.
Wie er mit Fidel auskam, beschreibt er so:
Gut. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, ein sehr schlauer Kopf, aber er hat ein großes Problem. […] Er ist sehr, sehr eitel. Als Willy Brandt 1984 als Vorsitzender der Sozialistischen Internationale Kuba besuchte, habe ich zwischen ihm und Castro gedolmetscht. Nach dem offiziellen Empfang, wir saßen zu dritt im Auto, sagte Fidel: „Genosse Brandt, Sie dürfen mich jetzt umarmen.“ Der aber sah nur verwundert aus dem Fenster und antwortete: „Ah ja.“
Den Bruch zwischen ihm und Castro begründet Coloma folgendermaßen:
Ich war schon in jungen Jahren enttäuscht über den Verlauf der kubanischen Revolution, aber besonders schlimm war für mich der Selbstmord von Haydée Santamaría. Sie war eine große Revolutionsheldin, die ich sehr gut kannte. Im Juli 1980 nahm sie sich das Leben. Ich bin sicher, sie wollte damit ein politisches Zeichen setzen. Bei Haydées Beerdigung in Havanna war auch Fidel da. Ich ertrug es nicht, ihn zu sehen. Er hat die Revolution verraten. Das war der Moment, in dem ich innerlich mit ihm gebrochen habe.
Trotz allem war er für das Regime tätig. Im Jahre 1985 kehrte Coloma nach Ost-Berlin zurück und arbeitete nun als Presseattaché der kubanischen Botschaft. Die Situation in der DDR empfand er damals so:
Die Situation entsprach jedenfalls nicht der kommunistischen Propaganda. Die wirtschaftlichen Probleme waren offensichtlich. Selbst im Politbüro ist hinter vorgehaltener Hand Kritik geübt worden. Man hat mir jedoch verboten, diese Dinge nach Kuba zu melden.
Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer neigte sich die Karriere von Boris Coloma im diplomatischen Dienst dem Ende zu. Dies erklärt er damit:
Im Januar 1990 wurde ich von Havanna aufgefordert, den Zusammenbruch der DDR zu erklären. Ich schrieb, die marode Wirtschaft sei schuld. Sofort wurde ich zurückbeordert und galt fortan als politisch kontaminiert. Zur Strafe sollte ich als Bauer arbeiten, in einem Umerziehungslager.
Das Interview können Sie in der MAZ in kompletter Länge abrufen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: maerkischeallgemeine.de, 29.02.2012. Bild: Agência Brasil, Antônio Milena/ABr (Wikipedia).]
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Die deutsche Stimme von Gabriel García Márquez
18.3.2012 von Jessica Antosik.
Seit Mitte der Achtzigerjahre übersetzt Dagmar Ploetz die Werke des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez (Bild rechts) ins Deutsche. Dagmar Ploetz ist im Jahre 1946 in Herrsching geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Argentinien. Die Schule besuchte sie ebenfalls auf dem südamerikanischen Kontinent. Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik in München arbeitete sie zunächst als Verlagslektorin und freie Journalistin. 1983 widmete sie sich schließlich der Übertragung von Werken aus der spanischen in die deutsche Sprache. Ploetz, Ehefrau des deutschen Schriftstellers Uwe Timm, ist eine exzellente Kennerin des Werkes von García Márquez: Sie hat insgesamt sieben Titel des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers übersetzt. Zudem hat sie Bücher von Mario Vargas Llosa, Isabel Allende, Rafael Chirbes, Julián Ayesta, Juan Marsé, Manuel Puig sowie Juan Rulfo ins Deutsche übertragen.
In einem Interview mit der dpa erläutert Dagmar Ploetz das Erfolgsgeheimnis von Gabriel García Márquez im europäischen Raum:
García Márquez wurde zu einer Zeit übersetzt, als ja gerade die Literatur für tot deklariert worden war und es so richtig lebenspralle Romane kaum gab, wo es politische Literatur gab oder auf der anderen Seite den Nouveau Roman, konkrete Poesie, also alles eher ins Abstrakte gehende Dinge. Und das war, glaube ich, ein ungeheures Erlebnis, wieder jemanden zu lesen, der so ins Volle griff und überhaupt keine Berührungsängste hatte, der glaubte, dass die Kunst des Romans alles und jedes mit einbeziehen darf und kann. Und das hat natürlich begeistert, weil da so eine Dürre davor gewesen war.
Ferner äußerte sie sich wie folgt über die Schwierigkeiten, die Garcías Werke beim Übersetzen bereiten:
Es ist ja immer so, dass der Übersetzer dazu tendiert, eine Karikatur des Werkes abzuliefern, insofern, als er die besonders auffallenden Merkmale des Werkes eher noch verstärkt. Und da muss man gerade bei García Márquez vorsichtig sein, dass das nicht zu sehr in diese exotische, magische oder sonstwie allzu farbige Ecke gedrängt wird. Die Übersetzung muss natürlich korrekt sein, aber der Übersetzer hat es ja immer in der Hand, ob er etwas prononciert oder eher auf der gleichen Ebene schweben lässt, und das scheint mir bei García Márquez wichtig zu sein.
Gabriel García Márquez wird angesichts seines hohen Alters wahrscheinlich kein Buch mehr publizieren. Auf die Frage, ob er ihr fehlen wird, antwortete Dagmar Ploetz:
Ja sicher, weil ich glaube, dass er einfach sehr breit thematisch gespannt ist und auch stilistisch. Das ist eine sehr große Klaviatur, auf der er spielen kann. Da sind zwar diese eher typischen Züge und Wendungen, die kehren in fast allen seinen Werken wieder, aber das ist nicht das, was den jeweiligen Roman ausmacht, García Márquez hat immer wieder etwas ganz Neues, Bewegendes mitteilen können.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 05.03.2012; literaturuebersetzer.de. Bild: Festival Internacional de Cine en Guadalajara (Wikipedia).]
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Erika Tophoven über ihr Leben als Übersetzerin in Paris
14.3.2012 von Jessica Antosik.
Ende letzten Jahres hat Erika Tophoven ein Buch veröffentlicht, in dem sie über ihr Leben als Übersetzerin in der französischen Hauptstadt Paris berichtet: Glückliche Jahre. Übersetzerleben in Paris hat sie ihr Werk getauft. In ihrem Erinnerungsbuch erzählt sie rückblickend über die Zusammenarbeit mit Elmar Tophoven, ihrem Ehemann. Im Gespräch mit Marion Gees spricht sie von Begegnungen mit Autoren, Verlegern und Lektoren. Außerdem beinhaltet das Werk bedeutende Essays von Elmar Tophoven und ein Porträt des Ausnahmeübersetzers von Christian Linder. Bis heute steht Erika Tophoven im Schatten ihres berühmten Mannes.
Erika Tophoven ist 1931 in Dessau geboren und in Ostfriesland aufgewachsen. Sie studierte Englisch und Französisch und ließ sich nach dem Krieg in München zur Übersetzerin ausbilden. Seit 1957 ist sie als freischaffende Übersetzerin aus den beiden genannten Sprachen tätig. Zusammen mit ihrem Mann, der 1989 verstorben ist, vermittelte sie über viele Jahre hinweg zwischen den Kulturen. Das Ehepaar hat wie nur wenige mit ihrer Übersetzerarbeit zur Verbreitung französischer Schriftsteller in Deutschland beigetragen. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erzählt Erika Tophoven über die Arbeit mit ihrem Mann:
Diese Einsamkeit, die der Übersetzerberuf mit sich bringt, spürten wir weniger, da wir zu zweit waren, die Passion des Übersetzens teilten und das Übersetzen ein wichtiges Bindeglied zwischen uns bildete. Die Lösungen kamen mal von der einen, mal von der anderen Seite und entwickelten sich oft im Gespräch. Ich lernte zu erkennen, warum eine Lösung besser war als die andere. Und könnte mit Winnie in “Glückliche Tage” sagen, es waren glückliche Jahre.
Die “Tops”, wie Freunde sie nannten, zählen zu den großen Literaturübersetzern aus der französischen in die deutsche Sprache und haben so ziemlich alles übersetzt, was Rang und Namen hat: Sie übertrugen Titel von Samuel Beckett, Hélène Cixous, Agota Kristof, Nathalie Sarraute, Victor Segalen, Claude Simon, Alain Robbe-Grillet, Marguerite Duras und Georges Simenon ins Deutsche. 1978 gründeten sie das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen. Von 1956 bis 1989 lebte Erika Tophoven in Paris. “Es war ein ganz normales Übersetzerleben in großer Zurückgezogenheit und immer gebeugt über irgendeine Übersetzung. Und das Schöne daran ist, dass ich davon heute noch zehren kann, von dieser Arbeit”, so die heute 80-Jährige.
Mit dem irischen Schriftsteller Beckett, der seit 1937 in Frankreich lebte, verband “Kiki” und “Top”, wie Samuel Beckett zu den beiden Tophovens sagte, eine 35-jährige so enge Zusammenarbeit, wie sie zwischen Übersetzern und Autoren äußerst ungewöhnlich ist. Das Übersetzerpaar fühlte sich dem transparenten Übersetzen verpflichtet und diskutierte oftmals mit dem Autor über die korrekte Wortwahl. Zu Beginn beschäftigte sich Erika Tophoven mit Becketts englischen Texten, während ihr Mann sich um die französischen kümmerte. Allerdings waren die ersten Jahre nach dem Krieg nicht immer einfach für Deutsche. Die Schriftstellerin Nathalie Sarraute beispielsweise wollte die deutschen Übersetzer anfangs nicht treffen.
In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagt Erika Tophoven über die Anfangszeit in Paris:
Ich muss sagen, dass ich ja erstmal wirklich Schülerin war. Ich habe die ersten zehn Jahre eigentlich nur wie ein Schwamm alles aufgenommen und gelernt, gelernt, gelernt, worauf es ankam, und dann war ich so die erste Leserin, kritische Leserin, machte meine Anmerkungen, die wurden diskutiert. Dabei lernte ich schon zu argumentieren, eben dieses einfache “Es klingt ja nicht gut” eben doch etwas mehr zu präzisieren und mir klar zu werden, woran liegt es denn nun an diesem Satz, warum der nicht gut klingt. Und nach einer gewissen Zeit kam natürlich auch das Bedürfnis, mal selbstständig zu übersetzen. Und das habe ich dann so in den 70er Jahren auch weiter durchgeführt, aber immer so, dass wir beide zusammen oder parallel an den entscheidenden Texten arbeiten konnten.
Der Titel ihres Buches weist auf das Theaterstück “Glückliche Tage” von Beckett hin, der ihr Lebensthema darstellt. In einem Interview mit dem Literatur- und Hörbuch-Magazin Bücher berichtet Erika Tophoven, wie sie zum Übersetzen kam:
Mein Mann, schon seit 1949 in Paris sesshaft geworden, hatte bei unserer ersten Begegnung im Herbst 1956 ein Hörspiel von ihm in der Tasche (”All That Fall”) und stand vor dem Problem, von dem jahrelang auf Französisch schreibenden Autor auch englische Texte übersetzen zu müssen. Ich kam aus München mit meinem Übersetzerdiplom. Von Literatur hatte ich wenig Ahnung. Ein paar Wochen später waren wir bei Beckett. Das war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit.
Die Frage, wie die deutsche Literaturwelt mit ihren Übersetzungen umging, beantwortet sie wie folgt:
Die Reaktionen entnahmen wir den Kritiken und was wir von deutschen Freunden darüber hörten. Wir waren für viele eine Anlaufstelle in Paris, fuhren selbst aber nicht oft nach Deutschland und wurden davor gewarnt, kein “Emigranten-Deutsch” zu schreiben. Deutschland hatte ein großes Nachholbedürfnis und war interessiert an allem, was an neuen Ausdrucksformen im Ausland erschien.
Auf die Frage “War es dennoch für Sie ein Vorteil, im Land Ihrer Autoren zu leben?” antwortet sie:
Gewiss. Sie kamen zu uns oder wir zu ihnen. Heute finde ich es besser, in Berlin zu leben. Wer interessiert sich in Frankreich für deutsche Übersetzungen?
“Außer dem persönlichen Kontakt zu den Autoren – folgten Sie anderen Leitlinien?” lautet eine weitere Frage.
Das Interesse für den eigentlichen Übersetzungsprozess entwickelte sich erst in den sechziger Jahren. Es förderte die Selbstbeobachtung. “Sprachgefühl” und “aus dem Bauch-Übersetzen” reichten allein nicht mehr aus.
Das komplette Interview können Sie hier abrufen.
In der ARD Mediathek ist ein rund achtminütiger Podcast verfügbar.
Über das Buch
Erika Tophoven: Glückliche Jahre. Übersetzerleben in Paris
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
ISBN: 978-3-88221-571-7
Umfang: 239 Seiten
Auflage: 1. (18.10.2011)
Preis: 19,90 Euro
[Text: Jessica Antosik. Quelle: dradio.de, 23.01.2012/06.03.2012; matthes-seitz-berlin.de. Bild: matthes-seitz-berlin.de.]
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Anja Röger dolmetscht beim Festival des osteuropäischen Films in Cottbus
12.12.2011 von Jessica Antosik.
Vom 1. bis 6.11.2011 fand die 24. Ausgabe des FilmFestivals Cottbus im Staatstheater Cottbus statt. Über 140 Filme aus 33 Ländern Mittel- und Osteuropas wurden vorgestellt, darunter waren 10 Weltpremieren, 7 internationale und 43 deutsche Erstaufführungen. Präsentiert wurden sie hauptsächlich von den Regisseuren, Schauspielern oder Produzenten persönlich.
Anja Röger, seit 1995 freiberufliche Diplom-Dolmetscherin und -Übersetzerin für Französisch und Englisch, war eine von elf Dolmetschern, die dafür sorgten, dass auch Besucher die Filme des Festivals verstanden, die nicht der slowenischen, russischen oder englischen Sprache mächtig waren. Dabei schlüpfte sie in verschiedene Rollen und dolmetschte simultan. Die 40-Jährige saß während der Filmvorstellung in der Sprecherkabine und übersetzte den englischen Text aus ihren Unterlagen passend zur Handlung. In der Stadthalle konnte sie von der Kammer aus durch eine Scheibe auf die Leinwand schauen. Lediglich eine Tischlampe spendete Licht in dem kleinen schwarzen Raum.
Bereits zum 13. Mal ist sie beim Cottbusser Filmfestival dabei. „In den ersten Jahren saß ich noch im Gladhouse zwischen den Zuschauern, um mich herum nur ein Vorhang. Ich durfte nicht zu laut sprechen, das haben ja alle gehört.“ Mittlerweile sei alles, abgesehen von ein paar technischen Problemen, gut organisiert.
Einige Tage vor dem Festival erhielt Anja Röger das Material, zumeist ein englisches Manuskript und die Film-DVDs. Damit bereitete sie sich auf ihren Dolmetscheinsatz vor. Es kam auch schon vor, dass sie drei unterschiedliche Texte pro Film bekam, die sie selbst zusammenordnen musste.
Nicht immer ist es so, dass Übersetzungen abwechslungsreich sind. Oftmals ist genau das Gegenteil der Fall. „Ich bin immer wieder überrascht, dass die Leute das so ertragen. Denn wir sind verwöhnt von perfekt synchronisierten Filmen“, so Röger. Dies könnte das Filmfestival allerdings nicht finanzieren. „Die Filme vorab zu übersetzen und synchronisieren ist zu teuer“, erklärt Karin Fritzsche, Festival-Kuratorin und Verantwortliche für die Dolmetscher. Tagessätze wie bei Konferenzen kann sie nicht zahlen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute für uns arbeiten, weil es ihnen Spaß macht.“
Abschließend sagte Anja Röger einige Worte zu den Tücken des Simultandolmetschens: „Bei langen verschachtelten Sätzen oder wenn die Schauspieler alle durcheinanderreden, kommt man ganz schön ins Schwitzen“, erzählt Röger. Hustenanfälle, Lachkrämpfe oder andere Geräuschkulissen irritieren den Zuhörer. „Einmal musste ich bei einem sehr traurigen Film fast losheulen“, erinnert sich Röger.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: lr-online.de, 05.11.2011. Bild: tu-cottbus.de.]
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Dolmetscher Jan Klinghammer im Gespräch
14.11.2011 von Jessica Antosik.
In einem Interview mit der Tageszeitung Märkische Allgemeine berichtet der aus Teltow (Brandenburg) stammende Dolmetscher Jan Klinghammer, dessen Arbeitssprachen Deutsch, Englisch und Russisch sind, über seinen Beruf.
Auf die Frage, warum ihm die russische Sprache besonders am Herzen liegt, sagt Klinghammer: „Ich bin in Sachsen geboren und in der ehemaligen DDR war das Erlernen der russischen Sprache ab der fünften Klasse ja obligatorisch. […] In der Gorbatschow-Ära habe ich mit meinen Eltern Russland mehrmals besucht und mit 15 oder 16 Jahren wusste ich bereits, dass ich Dolmetscher werden will.“
Zu seinen Arbeitssprachen äußert er sich wie folgt: „Ich schätze, dass 70 Prozent meiner Arbeit mit der englischen Sprache zu tun hat, 30 Prozent mit der russischen, mit der ich emotional aber sehr viel enger verbunden bin. […] In der EU und der Diplomatie spielt Französisch […] eine wichtige Rolle. Deshalb bereue ich schon, diese Sprache nicht gelernt zu haben. Aber für den Beruf ist das jetzt zu spät.“
Die Frage, was für ihn im Beruf besonders wichtig ist, beantwortete er folgendermaßen: „Für mich als Dolmetscher ist es entscheidend, eine oder zwei Sprachen perfekt zu beherrschen. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Dolmetscher ganz viele Sprachen sprechen können. Das ist nur in Ausnahmefällen so.“
Ferner erklärt Jan Klinghammer Folgendes über den Dolmetscherberuf: „Neben politischen Konferenzen und Gesprächen dolmetsche ich auch bei Fachtagungen. Wenn es dann um Fragen einer bestimmten Schweißtechnik bei Metallen oder andere komplizierte Sachverhalte geht, wird’s heikel. Bei solchen Themen muss ich im Vorfeld mehrere Tage Vokabeln pauken, um den Gesprächen folgen zu können. Es ist eine Illusion, dass man eine Fremdsprache vollständig und für alle Lebensbereiche beherrscht.“
Der Dolmetscher sagt, wie er reagiert, wenn in einer emotionalen politischen Verhandlung ein Kraftausdruck fällt: „Das kann schon vorkommen. Wenn ich dann übersetzen soll, ist meine Devise: Einen Gang runterschalten. Es geht beim Dolmetschen darum, die Intention des Gesprächspartners zu erfassen. Ich würde einen Kraftausdruck nicht wörtlich übersetzen, sondern deutlich machen, dass der Minister XY über eine Situation „außerordentlich verärgert“ ist.“ Als Dolmetscher müsse er die kulturellen Unterschiede beachten, weshalb es sich dabei nicht um eine Verfälschung handle. „Einen spontanen Kraftausdruck wörtlich zu übersetzen, könnte ernste Folgen für ein Gespräch haben oder würde von der jeweils anderen Seite vielleicht auch gar nicht verstanden. Wie gesagt, auf die Intention des Sprechers kommt es an.“
Außerdem plauderte Klinghammer ein bisschen aus dem Nähkästchen. „Als Gorbatschow bei einer Veranstaltung zum Mauerfall sprach, war ich Dolmetscher. Er sagte auf Russisch: „Ich kann mich noch gut an die Ereignisse am 9. Februar erinnern.“ […] Mir schoss zunächst die Frage durch den Kopf, ob es auch an einem 9. Februar ein besonderes Ereignis gegeben hatte. Ich beschloss aber dann für mich, dass sich Gorbatschow einfach nur versprochen hatte und übersetzte „9. November“. Natürlich hatte er dieses Datum gemeint, das war seine Intention. Es gibt aber weniger eindeutige Fälle, in denen Dolmetscher mit aller gebotenen Vorsicht agieren sollten. Bei Interpretationen dürfen wir uns niemals zu weit aus dem Fenster lehnen. Unsere Aufgabe ist es, das Gesagte möglichst unverfälscht in die jeweils andere Sprache zu übertragen.“
Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website der Märkischen Allgemeinen lesen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: maerkischeallgemeine.de, 24.09.2011.]
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Frank Günther: “Das Problem beim Shakespeare-Übersetzen ist, dass man nicht schreiend wegläuft.”
28.10.2011 von Jessica Antosik.
Seit über 30 Jahren betreibt Frank Günther eine übersetzerische Herkulesaufgabe: die komplette Übertragung der Werke von William Shakespeare (Bild rechts) ins Deutsche. Die Übersetzung von Shakespeares Stücken und Sonetten ist Frank Günthers Lebenswerk. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: 2001 erhielt er den Christoph-Martin-Wieland-Preis für Übersetzer, 2006 den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis. Im Herbst 2007 wurde Günther von einer Jury aus Vertretern des Deutschen Übersetzerfonds und des Peter-Szondi-Instituts der Freien Universität Berlin zum ersten Inhaber des neuen Lehrstuhls “Poetik der Übersetzung” gewählt. Im Februar 2011 bekam Günther von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt den mit 15.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Voß-Preis für seine Übersetzung des Gesamtwerks von William Shakespeare. Bei dem “Mammutprojekt”, das der 63-Jährige in den 1970er-Jahren begonnen hat und bis 2014 abschließen will, habe er stets sprachlichen Einfallsreichtum und philologische, theaterpraktische und kritische Kompetenz bewiesen. “Günthers Übertragungen sind eine lustvolle Polyphonie der Stile, die sich immer als lebendige Neuentdeckung Shakespeares für unsere Zeit verstehen”, hieß es in einer Pressemitteilung.
Der im Jahre 1947 geborene Günther wuchs in Wiesbaden auf. Nach einem Studium der Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte in Mainz und Bochum war er bis 1974 als Regieassistent und Regisseur an mehreren Theatern tätig, u. a. in Bochum, Heidelberg, Bielefeld, Basel und Wiesbaden. Bereits während seiner Theatertätigkeit übersetzte er neue und alte dramatische Werke ins Deutsche. 1995 erschienen die ersten Shakespeare-Übersetzungen bei dtv, seit 2000 erscheint eine bibliophile Ausgabe im Verlag ars vivendi. 2005 hatte Günther bereits 33 Bände seiner Neuübersetzung fertiggestellt, 2009 sollte der letzte der insgesamt 39 Bände veröffentlicht werden. Doch der letzte Band lässt wahrscheinlich noch bis 2013 auf sich warten. Damit wäre Günther der erste Mensch, der alle Werke Shakespeares allein ins Deutsche übersetzt hat. Seine Übersetzungen werden auf nahezu allen deutschsprachigen Bühnen aufgeführt.
In einem Interview mit dem Deutschlandradio berichtete Günther über die Arbeit mit den Texten des Dichtergenies Shakespeare und begründete sein Durchhaltevermögen bei der Übersetzung mit “Faszination am Text”. Doch er wendet ein: “Das Problem beim Shakespeare-Übersetzen ist, dass man nicht schreiend wegläuft.” Weitere Auszüge:
Sie arbeiten ja mindestens in zwei Übersetzungen. Sie müssen einmal alte in neue Sprachen übersetzen und Sie müssen einmal Englisch ins Deutsche übertragen. Also möglicherweise auch in ein modernes Deutsch. Was sind dabei die größten Probleme?
Die Probleme liegen darin, dass man nicht zu neu wird. Und die Probleme darin, dass man nicht zu alt bleibt. Das hat ja keinen Sinn, Shakespeare in Strumpfhosen-Duktus zu übersetzen. […] Es darf nicht zu altmodisch sein. Andererseits spielen Shakespeares Stücke nicht in der Tiefgarage vom nächsten Baumarkt. […] Man muss also eine eigene Sprache, einen eigenen Sprachduktus finden, um mit diesem alten Original zurechtzukommen.
Sie haben sich ja wahnsinnig viel mit den Shakespeare-Texten beschäftigt. Hat man irgendwann ein Verständnis für Shakespeares Sprache, wie er so tickt? Oder ist das sehr unterschiedlich von Stück zu Stück und man muss es wirklich immer neu denken?
Man muss es schon immer neu denken. Zum Beispiel verstehe ich [eins seiner letzten Stücke] fast nicht mehr. […] Die Sprache ist so verknappt, verkürzt, gedrängt, verkneult, verknotet, dass man manche Sätze praktisch mit Papier und Bleistift analysieren muss, um erst einmal hinter den Sinn zu kommen. Also ein ganz anderer Shakespeare findet in diesen späten Stücken statt als in den Stücken aus den mittleren Jahren. Schon muss man sich wieder überlegen: Was fängt man damit an? Was macht man mit dieser verknoteten, kaum verständlichen Sprache? Wie macht man das jetzt sehr verständlich im Deutschen? Also übersetzt/löst man es auf in simple Verständlichkeit oder lässt man es so verknotet, wie es im Original ist?
Das Gespräch können Sie sich auf der Website des Deutschlandradios anhören.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: dradio.de, 8.09.2011; 3sat.de, 22.02.2011; boersenblatt.net, 22.02.2011; tagesspiegel.de, 9.02.2008. Bild: wikipedia.de.]
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Verbrecherjagd im Sprachlabor: Phonetikerin Angelika Braun erstellt Stimmgutachten
8.10.2011 von Nina Neumann.
Neben Blutspuren und Fingerabdrücken ist auch die Stimme ein wichtiges Indiz, das zur Überführung eines Täters führen kann. Gut, dass es Phonetiker gibt, die detaillierte Stimmgutachten erstellen können. Die dpa berichtet über die Trierer Professorin Angelika Braun und deren Arbeitsalltag im Sprachlabor. Durch die Analyse von Stimmproben erhält Braun Hinweise auf die Identität eines Verbrechers.
Doch die Stimme ist nicht das Einzige, was die Professorin interessiert: Bei ihren Auswertungen konzentriert sie sich auch auf Hintergrundgeräusche, weil sie unter anderem Aufschluss über den Aufenthaltsort des Kriminellen geben können. Dies zeigt, wie wichtig eine detailgenaue Arbeit und ein “feines Ohr” für Angelika Braun sind, da zum Beispiel bei einer Geiselnahme “das Leben eines Menschen von kleinen Ermittlungserfolgen abhängen” kann.
Die Polizei ist zunehmend auf die Mithilfe von Wissenschaftlern angewiesen. Angelika Braun berichtet über Falle, die mit ihrer Hilfe gelöst wurden (unter anderem den aktuellen Fall “Mirco”) und erklärt, warum Mensch und Computer in ihrem Beruf die perfekte Kombination darstellen.
Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website von n-tv lesen.
[Text: Nina Neumann. Quelle: n-tv,04.09.2011. Bild: Gordon Bussiek/Fotolia.de.]
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Kein hauptberuflicher Spanier: Javier Marías
26.8.2011 von Jessica Antosik.
Javier Marías ist ein spanischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer. Am 20. September 1951 wurde er in Madrid geboren. Zeitweise verbrachte er seine Kindheit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Alter von elf Jahren begann er zu schreiben. Von 1968 bis 1973 studierte an der Universidad Complutense de Madrid Literaturwissenschaft und Philosophie. Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen. Ab 1974 lebte er in Barcelona und arbeitete für das Verlagshaus Alfaguara. Der Roman Corazón tan blanco (dt. Mein Herz so weiß) aus dem Jahre 1992 wurde in zahlreiche Sprachen übertragen und zu einem Welterfolg. Zu seinen bekanntesten Romanen gehören des Weiteren Mañana en la batalla piensa en mí (dt. Morgen in der Schlacht denk an mich) und die Trilogie Tu rostro mañana (dt. Dein Gesicht morgen). Am 30. Juli 2011 wurde Marías mit dem Österreichen Staatspreis für Europäische Literatur in Salzburg ausgezeichnet. Die Jury lobte “ein erzählerisches Werk von wahrhaft europäischer Dimension”.
In einem Interview mit der österreichen Zeitung Der Standard antwortete Javier Marías auf die Frage, ob das Übersetzen sein Schreiben beeinflusst hat, wie folgt:
Ja, ich denke, Übersetzen ist eine gute Schule für jemanden, der schreibt. Natürlich hängt es davon ab, was man übersetzt – Schund wird nicht sehr hilfreich sein. Übersetzungen sind ja eigentlich ein Mysterium: Das Original des Buches ist unveränderbar, auch wenn es auf viele Weisen übersetzt werden kann. Wie in der Musik: Die Partitur bleibt gleich. Und doch ist es ein Unterschied, ob Glenn Gould oder Vladimir Horowitz das Musikstück interpretieren. In der Übersetzung verliert man jedes Wort des Originals. Dafür gewinnt man etwas, das etwas völlig anderes und doch dasselbe ist. Wenn ich die Möglichkeit hätte, Dickens meine Übersetzung seines Romans zu geben, würde er seinen eigenen Text bis auf einige Namen nicht wiedererkennen. Es wären Worte, die er nicht verstünde. Und doch wäre es das, was er geschrieben hat.
In Bezug auf Sprache äußerte er sich folgendermaßen:
Sie ist Vehikel. Ein Tool. Wichtig für einen Schriftsteller, aber nicht das Wichtigste. Es ist ja eher Zufall, in welcher Sprache man schreibt. Wirklich wichtig ist, was man zu sagen hat, egal in welcher Sprache.
Auf die letzte Frage “Verstehen Sie sich als spanischer oder europäischer Schriftsteller?” gab Marías folgende Antwort:
Ich schreibe auf Spanisch und lebe die meiste Zeit in Spanien. Zugleich fühle ich mich als europäischer Schriftsteller. Jedenfalls bin ich kein hauptberuflicher Spanier.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derstandard.at, 31.07.2011; diepresse.com, 09.03.2011. Bild: Miguel A. Monjas (Wikipedia).]
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Deutschlands einziger gehörloser Professor spricht mit leichtem Akzent Englisch
22.8.2011 von Jessica Antosik.
Etwa 250.000 Deutsche sind schwerhörig, rund 80.000 komplett taub. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Christian Rathmann (Bild rechts). Er ist Deutschlands erster und bislang einziger gehörloser Professor für Gebärdensprachlinguistik und Gebärdensprachdolmetschen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) in Hamburg. Und spricht sogar mit einem leichten Akzent Englisch.
Einerseits wird alles, was Rathmann vorträgt, von zwei Gebärdensprachdolmetschern abwechselnd in die deutsche Lautsprache übertragen, da nicht alle Teilnehmer über ausreichende Kenntnisse der Gebärdensprache verfügen. Andererseits werden auch die Fragen bzw. Antworten der Studenten für den gehörlosen Professor verdolmetscht.
Das Thema einer seiner Vorlesung lautete “Baby Signing”. Dabei bringen hörende Eltern ihrem gehörlosen Kleinkind erste Gebärden bei. “Das ist eine regelrechte Mode geworden”, so der 40-Jährige. Hörende Kinder würden zumeist im Alter von zehn Monaten mit dem Sprechen beginnen. Bei gehörlosen Kleinkindern würden die ersten Gebärden bereits einen Monaten früher gelingen. Merkwürdig daran sei, dass das Erlernen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) für gehörlose Kinder immer noch nicht selbstverständlich sei. “Wenn festgestellt wird, dass ein Kind eine Hörschädigung hat, dann geht es erstmal in die Audiotherapie, Logopädie oder es wird mit Hörgeräten oder Hör-Implanaten versorgt, aber die Deutsche Gebärdensprache kommt in der Erstberatung so gut wie nicht vor”, erklärt Christian Rathmann.
Nach wie vor gestalte es sich schwierig, der Gesellschaft zu zeigen, dass die Deutsche Gebärdensprache als vollwertige Sprache eine große Bereicherung für die Sprachentwicklung sowie sprachliche Vielfalt darstellt. Gehörlose stoßen stets auf viele Barrieren, sei es beim Zugang zu Bildung, Medien oder im Arbeitsleben.
Christian Rathmann wurde gehörlos geboren und besuchte in Erfurt eine Gehörlosenschule. Seine Eltern hätten ihn nicht ungewöhnlich gefördert, jedoch mit viel Liebe erzogen, sagt er. Wichtig seien auch seine Geschwister gewesen. Rathmann hat die Gebärdensprache nicht von seinen Eltern oder Lehrern gelernt, sondern von Freunden im Kindergarten. Sie lernten Lippen zu lesen und erfanden Worte, wenn ihnen eins fehlte. Wenn Rathmann sich vorstellt, wogt seine Hand am Kopf entlang wie eine Lockenfrisur. Sein Gebärdenname lautet “Haartolle”. Mit dem Titel “Deutschlands einziger gehörloser Professor” könne er sich nicht wirklich identifizieren und begründet dies wie folgt: “Es gibt inzwischen gehörlose Juristen, Betriebswirtschaftler, Psychologen und vielerlei mehr.”
Anfang der 90er-Jahre war Rathmann an der Universität Hamburg. Anschließend ging er zum Studieren und Unterrichten in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort entdeckte er eine neue Welt. In Amerika gibt es nämlich die einzige Gehörlosen-Universität weltweit: Die Gallaudet University, die im Jahr 1856 in der Nähe von Washington gegründet wurde. Insbesondere sein Aufenthalt in den USA habe den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn gelegt. Innerhalb von zehn Jahren eignete er sich dort die Amerikanische Gebärdensprache (American Sign Language, ASL) an und beherrscht sie nun nahezu perfekt. Wie gesprochenes amerikanisches Englisch ist ASL eine eigene Sprache. “Das Lustige war, dass mir die amerikanischen Gehörlosen immer gesagt haben, ‘Du hast aber auch einen deutschen Akzent’”, berichtet Rathmann. Wie die Lautsprache habe jede Gebärdensprache ihre eigene Grammatik, Intonation und Satzmelodie.
Seit April 2008 leitet Prof. Dr. Christian Rathmann das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser. Mit rund 30 Mitarbeitern und pro Studienjahr über 30 Bachelor-Studenten sowie einigen Master-Studenten handelt es sich dabei um die größte Forschungseinrichtung für Gebärdensprachen in Deutschland und das einzige eigenständige Institut.
Das momentan größte Vorhaben ist das auf 15 Jahre angelegte DGS-Korpusprojekt. Das Ziel ist die Entstehung eines elektronischen Wörterbuchs, bei dem Wörter in der Deutschen Gebärdensprache konsultiert werden können und umgekehrt. Hierbei sollen die einzelnen Gebärden im Kontext eines natürlichen Gesprächs aufgezeichnet werden. Grundlage dafür sind ca. 600 bis 800 Stunden Videomaterial von Dialogen von 320 Informanten aus dem ganzen Land.
Rathmann ist Forscher mit Leidenschaft. “Aber was mein Leben jetzt angeht, nur weil ich nicht hören kann: Ich lebe eigentlich nicht besonders anders als eine hörende Person. Ich bin ein Augenmensch, mir fallen visuell Dinge schneller ins Auge”.
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Gehörlose Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet
[Text: Jessica Antosik. Quelle: welt.de, 05.08.2011; Der Spiegel, Nr. 34, 22.08.2011. Bild: sign-lang.uni-hamburg.de.]
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“Oh oh, dazu muss man aber gut Französisch können”: Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview
15.8.2011 von Jessica Antosik.
Am 13. und 14. August 2011 fand das 9. Internationale Asterix-Fantreffen im LWL-Römermuseum Haltern statt. Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz bot Haltern neben Vorträgen über den Comic-Helden auch eine offene Tauschbörse. Zudem gaben bekannte Asterix-Forscher, Sammler und Übersetzer Einblicke in die Welt des schnauzbärtigen Galliers mit dem Flügelhelm. Eröffnet wurde die Vortragsreihe von Gudrun Penndorf, der Mitbegründerin des Asterix-Kultes.
Gudrun Penndorf absolvierte eine Übersetzer- und Dolmetscherausbildung Französisch und Italienisch in den Fachgebieten Wirtschaft und Recht in Heidelberg und München. Sie war u.a. beim Langenscheidt-Verlag und als Gerichtsdolmetscherin tätig. Mit 40 Jahren begann sie das Studium der Allgemeinen und Romanischen Sprachwissenschaften und schloss dieses mit dem Magister ab. Von 1967 bis 1993 war sie eine freiberufliche Übersetzerin.
Ab 1968 übertrug Penndorf die ersten 29 Asterix-Bände aus dem Französischen ins Deutsche. Sie hat viele Wortspiele und Namen geschaffen und so etwa aus dem französischen “Ils sont fous, ces Romains” das sprichwörtliche “Die spinnen, die Römer” gemacht. Unter dem ersten Verleger wurde dies mit “Uii, die Römer sind doof” übersetzt. 2005 urteilte Die Welt: “Zum deutschen Erfolg von Asterix und zur Bereicherung der deutschen Sprache trug sie mindestens genauso viel bei wie die legendäre Erika Fuchs bei Donald Duck. Nur ist Penndorfs Leistung bisher noch nicht annähernd so breit gewürdigt worden.” Ferner übersetzte sie zahlreiche Lucky-Luke-Hefte und fast zweihundert Lustige Taschenbücher ins Deutsche. Heute arbeitet sie als Lehrbeauftragte für Französisch und Wirtschaftsfranzösisch am Institut für Romanische Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Angesichts des Asterix-Fantreffens hat Der Westen mit der Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf ein Interview geführt. In diesem erzählt sie, wie sie zu dem Auftrag kam, Band 1 bis 29 der bisher insgesamt 34 Asterix-Alben in die deutsche Sprache zu übertragen.
Ich hatte für den Ehapa Verlag bereits eine Anzahl von Walt Disney-Comics der Reihe Lustige Taschenbücher aus dem Italienischen übersetzt, die rasch sehr beliebt wurden. Manchmal waren die Vorlagen auch auf Englisch oder Französisch, daher wusste der Verlag, dass ich auch für andere Sprachen einsetzbar war. Als ich 1968 eine Reise nach Paris plante, sagte der Verlag zu mir: “Gehen Sie doch dort bei Goscinny vorbei, wir suchen noch eine Übersetzerin für Asterix.” Also habe ich mich bei Goscinny vorgestellt und bekam den Auftrag. Was ich zunächst nicht wusste: Alle meine Übersetzungen wurden zur Kontrolle ins Französische zurück übersetzt.
Auf die Frage, ob sie die Asterix-Comics bereits vorher kannte, antwortet sie dies:
Ja, rein zufällig. Eine französische Übersetzerkollegin hatte an einem verregneten Sonntag, als wir zusammen in Schwabing saßen, Asterix-Comics mitgebracht und die deutsch-französische Clique bog sich vor Lachen. Ich dachte nur “Oh oh, dazu muss man aber gut Französisch können”, nicht ahnend, dass wenig später der Auftrag auf mich zukommen würde.
Zudem berichtet sie über die größten Herausforderungen bei der Übersetzung, ihr schönstes Erlebnis in Bezug auf Asterix und sagt, wen sie sich beim Übersetzen als Leser vorgestellt hat. Des Weiteren verrät sie, ob sie wegen der Übersetzungen je kritische Post erhalten und wie sie Albert Uderzo und René Goscinny erlebt hat. Zu guter letzt beantwortet sie die Frage “Was kann man von Asterix und Obelix lernen?”:
Nun, das liegt ganz am Leser oder Vorleser, wie viel er davon aus der Geschichte erkennt oder hinzulernt. Ich halte wenig davon, diesen Comic mit einem didaktischen Anspruch zu versehen. Wie Goscinny einmal treffend sagte, “Asterix soll die Leute zum Lachen bringen”. Ich habe, soweit ich konnte, dafür gesorgt.
Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Website Des Westens.
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“Das ist ja unübersetzbar!” Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview”
[Text: Jessica Antosik. derwesten.de, 09./11.08.2011; welt.de, 22.03.2005.]
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