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Archiv der Kategorie Qualitätssicherung
TMS, TBX, SRX, GMX, XLIFF: Standards und Übersetzungen
24.1.2012 von Nina Neumann.
Das Stichwort “Interoperability” wird in Verbindung mit Standards oft verwendet. In der Tat hat im letzten Jahrzehnt die Anzahl der Systeme und Lösungen für die verschiedenen Phasen des Übersetzungsprozesses stark zugenommen. Das ist zu begrüßen, denn “Konkurrenz belebt das Geschäft”. Dadurch entstehen Produkte und Funktionalitäten, die sich gegenseitig befruchten und die gesamte Übersetzungsbranche nach vorne bringen.
Solange 2 bis 3 große Anbieter den Markt unter sich teilten, war das Thema “Standardisierung” weniger akut als heute. Inzwischen ist die Produktionskette für Übersetzungen größer und internationaler geworden. Der eine Übersetzer wohnt vielleicht in einem Land mit relativ niedrigem Einkommen und hat nicht die Möglichkeit, sich zwei oder drei Übersetzungssysteme zu leisten. In einem anderen Fall setzt ein Unternehmen ein Translation Memory System (TMS) ein, aber der Dienstleister, der für das Projekt fachlich und preislich die bessere Lösung wäre, verwendet sein eigenes System.
Diese Situation kommt in der Praxis regelmäßig vor. Sie führt in solchen Fällen dazu, dass das benutzte Übersetzungssystem und nicht die Eignung des Übersetzers für ein bestimmtes Thema für die Übersetzerauswahl maßgeblich ist. Dieser Zustand verstößt gegen die Qualitätsnorm DIN EN 15038, die die Auswahl des Übersetzers nach fachlichen Kriterien vorgibt.
Entwickler komplexer Softwareprodukte wie TMS haben durchaus das Know-how, die Interoperabilität der Systeme herzustellen. Die Entscheidung eines Herstellers gegen den freien Austausch hat etwas mit seinem Geschäftsmodell zu tun. Bei einem solchen Konzept soll eine Art geschlossenes “Übersetzungsbiotop” aufgebaut werden, damit alle, die an der Übersetzungskette beteiligt sind, ihre aufeinander fein abgestimmten Abläufe ohne Verluste umsetzen können. Alternativ oder ergänzend kann es auch darum gehen, den Kunden durch die Geschlossenheit der Datenformate langfristig an sich zu binden.
Um welche Standards geht es hier vordergründig? In der Übersetzungsbranche sind folgende Standards verbreitet, die alle auf XML basieren:
TMX: Standard für den Austausch von Translation Memories. Beinahe alle Anbieter von Übersetzungstechnologien unterstützen diesen Standard.
XLIFF, Version 1.2 (XML Localisation Interchange File Format): Seit 2002 Standard für den Austausch von Übersetzungsprojekten. Mehrere, aber nicht alle Anbieter unterstützen XLIFF.
TBX: Standard für den Austausch von Wörterbüchern. Eine große Mehrheit von Anbietern unterstützt ihn.
Dazu kommen “kleinere” Standards wie SRX oder GMX, die hier nicht relevant sind. XLIFF ist ein Standard für Übersetzungsprojekte. Eine XLIFF-Datei lässt sich theoretisch in einem reinen Texteditor öffnen. Der Otto-Normal-Leser würde jedoch Schwierigkeiten haben, sich in einem Wust von Tags, Attributen und Entities zurechtzufinden. XLIFF-Dateien enthalten im Grunde drei Arten von Informationen: a) den Text selbst, der zu übersetzen ist und ggf. die bereits vorhandene Übersetzung b) Formatinformationen, die sich in den zu übersetzenden Segmenten befinden und nur vom jeweiligen System richtig interpretiert werden und c) Verwaltungsinformationen für das Projekt oder für das jeweilige Segment (wie Segmentstatus oder Übereinstimmungsgrad zwischen vorhandenen Übersetzungen aus dem Translation Memory und dem zu übersetzenden Segment).
Systeme, die den freien Austausch von Übersetzungsprojekten unterstützen, funktionieren wie folgt. System A generiert eine XLIFF-Datei, die der Übersetzer als Teil seines Übersetzungsauftrags erhält. Der Übersetzer öffnet diese Datei in seinem Übersetzungssystem B und übersetzt sie in seiner gewohnten Arbeitsumgebung. Dabei werden die proprietären Informationen (Punkt “b” und “c” aus der obigen Auflistung) geschützt und unverändert in seine Übersetzung übernommen. Er schickt die übersetzte XLIFF-Datei zurück, die sein Auftraggeber benutzt, um eine entsprechend dem Original formatierte Übersetzung zu erzeugen. “Kompatibilität” oder “Interoperabilität” bedeutet also, dass XLIFF-Dateien in beiden Richtungen zwischen zwei Systemen austauschbar sind.
Dies ist noch z. T. eine Idealvorstellung, weil sich nicht alle Übersetzungssysteme 100%ig an die Standards halten. Aber die Kompatibilität wird durch die Kooperation von Systemanbietern bei der Definition von Standards mit der Zeit immer besser. Eine neue Version von XLIFF 2.0 ist bereits in Vorbereitung und soll deutliche Verbesserungen bringen.
[Text: D.O.G GmbH. Quelle D.O.G. news, 1/12. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion.]
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Across ist Mitglied des Deutschen Terminologie-Tag e.V.
22.1.2012 von Nina Neumann.
Die Across Systems GmbH ist zum Jahresbeginn dem Deutschen Terminologie-Tag e.V. (DTT) beigetreten. Damit will der Anbieter des Across Language Servers, einer marktführenden Software-Plattform für alle Sprachressourcen und Übersetzungsprozesse im Unternehmen, proaktiv seine eigene Expertise in die Gestaltung zukünftiger Verfahren und Methoden im Bereich der mehrsprachigen Kommunikation mit einbringen. Die Verbandsarbeit innerhalb des DTT übernimmt Dr. Birte Lönneker-Rodman, Consultant Language Technologies bei Across Systems.
Dr. Birte Lönneker-Rodman verfügt über eine umfassende Expertise im Bereich Terminologiearbeit. Bevor sie zu Across wechselte, war sie lange Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Hamburg bzw. des International Computer Science Institute, Berkeley (USA). Bei Across betreut sie als Consultant Language Technologies mittelständische und Großunternehmen bei der Einführung und effizienten Nutzung entsprechender Technologien von Across im Bereich Terminologiemanagement.
„Ich freue mich sehr darüber, dass Across nun Mitglied beim DTT ist“, sagt Dr. Birte Lönneker-Rodman. „Der Verband ist eine attraktive Plattform, um mit Vertretern aus Wissenschaft, Lehre und Praxis Know-how und Erfahrungen auszutauschen.“ So findet beispielsweise vom 19. bis 21. April 2012 das DTT-Symposion in Heidelberg statt, auf dem zahlreiche Experten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse hinsichtlich der Terminologiearbeit „von morgen“ präsentierten. „Diese Veranstaltung und die weiteren Kommunikationsplattformen des DTT liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unseres Terminologiemanagement-Systems crossTerm“, erläutert Dr. Lönneker-Rodman.
Across wird auf dem DTT-Symposion als Aussteller vertreten sein. Zusätzlich hält Ursula Reuther, Account-Managerin beim Across Spin-Off Unternehmen Congree Language Technologies GmbH am 21. April ab 12.00 Uhr einen Vortrag zum Thema „Terminologie ist gut – Terminologiekontrolle ist besser“.
Über den DTT e.V.
Der DTT e.V. ist ein Forum für alle, die sich mit Terminologie und Terminologiearbeit beschäftigen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, durch Beratung und Koordination sowie durch die Veranstaltung von Symposien und Workshops zur Lösung fachlicher Kommunikationsprobleme beizutragen. In zweijährigen Abständen veranstaltet der DTT e.V. Symposien zur Behandlung terminologischer Belange und aktueller Themen der Terminologiearbeit. Innerhalb des Verbandes engagieren sich Vertreter aus Wissenschaft und Praxis gleichermaßen, um ihr Know-how und Erfahrungen auszutauschen.
www.dttev.org
Über die Across Systems GmbH
Across mit deutschem Hauptsitz in Karlsbad (bei Karlsruhe) und einer US-amerikanischen Niederlassung in Glendale (bei Los Angeles) ist Hersteller des gleichnamigen Across Language Servers, einer marktführenden Software-Plattform für alle Sprachressourcen und Übersetzungsprozesse im Unternehmen. Durch den Einsatz von Across können bei höherer Übersetzungsqualität und mehr Transparenz der Aufwand und somit die Prozesskosten innerhalb kürzester Zeit reduziert werden.
www.across.net
[Text: Across. Quelle: Pressemitteilung Across, 16.1.2012. Bild: Across.]
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Bald nur noch Lektoratsaufträge für Übersetzer?
17.6.2011 von Johanna Bietau.
Die Welt kommuniziert immer mehr. Mehr Informationen, mehr Leser … und mehr Übersetzende. Zwangsläufig ändern sich dadurch die Mengen und die Qualität der produzierten Übersetzungen. In noch bescheidenem Rahmen machen sich bei professionellen Übersetzungsdienstleistern die ersten Lektoratsaufträge bemerkbar. Sie sind aber Vorboten eines Trends, der sich in den nächsten Jahren verstärken wird.
Lektoratbedarf entsteht infolge diverser Ausgangssituationen und bedingt aus diesem Grund verschiedenartige Korrekturansätze. Um welchen Typ von Korrekturaufträgen geht es?
Normale herkömmliche Qualitätssicherungsaufträge. Ein professioneller Übersetzer bzw. Lektor prüft die Übersetzung eines anderen professionellen Übersetzers.- Linguistisch-technische Qualitätssicherung: Bei besonderen Projekten muss man technische Vorgaben wie Textlängenbeschränkungen einhalten. Das ist insbesondere bei der Lokalisierung von Software oder Maschinensoftware der Fall.
- Qualitätssicherung von Texten, die durch Nicht-Übersetzer erstellt wurden. Sie kommt vor, wenn nicht linguistisch geschulte Fachleute eine Übersetzung anfertigen. Es sind mitunter Ingenieure, die einen Text in eine Fremdsprache übersetzen. Oder es sind zunehmend Billigübersetzer, die teils dürftige Kenntnisse der Ausgangssprache, des Fachgebiets oder gar der eigenen Muttersprache besitzen.
- Qualitätssicherung von maschinell produzierten Texten. Maschinelles Übersetzen ist seit wenigen Jahren dabei, in größeren Unternehmen und Organisationen Einzug zu halten. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich, aber in bestimmten Fällen durchaus vertretbar. So beispielsweise bei Supportinformationen, die Microsoft auf seinen Webseiten zur Verfügung stellt.
Die Ursachen für die steigende Nachfrage nach Lektoratsleistungen sind vielfältig. Zum einen besteht durch zunehmende Kooperationen zwischen Unternehmen und Lieferanten ein wachsender Bedarf an Standardisierung und Qualitätsstandards. Für Übersetzungen ist die Qualitätsnorm DIN EN 15038 wichtig, die u. a. eine Prüfung der Übersetzungen nach dem Vier-Augen-Prinzip vorschreibt. Ferner gibt es heute kaum eine Maschine, ein Auto, eine Anlage oder ein Gerät ohne Softwarekomponente. Zugleich wächst die Anzahl der Medien, die Übersetzungen verwenden. Das erhöht die technischen Anforderungen an Übersetzungen.
Eine ganz wichtige Rolle spielen die Anstrengungen von Firmen, Kosten zu senken. Nicht zuletzt im Zuge der Wirtschaftskrise von 2009 setzten sie Billigübersetzer ein, die oft qualitativ fragwürdige und problematische Übersetzungen lieferten (vgl. D.O.G.news 04/2009). Manche Firmen bleiben bei diesem Kurs, lassen aber einen Teil dieser Übersetzungen durch Lektoren reparieren. Verbunden mit Kosteneinsparungen zum einen und dem Wunsch, sehr schnell Übersetzungen bereit zu stellen zum anderen, kommen maschinelle Übersetzungssysteme zum Einsatz. Entsprechend müssen die Ergebnisse geprüft werden.
Heute erstellen Firmen in hohem Maße Dokumentationen und Übersetzungen modular. Ein Teil der übersetzten Texte stammt demnach aus einer Dokumentationsdatenbank. Ein anderer Teil der verbleibenden Texte wird mit Translation Memories übersetzt, wobei diese Übersetzungen von unterschiedlichen Übersetzern erstellt werden. Den Rest übersetzen schließlich automatische Übersetzungsprogramme, die nun in den meisten modernen Translation Memory Systemen integriert sind.
Je nach Herkunft der übersetzten Segmente setzt der Lektor verschiedene Schwerpunkte:
- Bei Übersetzungen, die von anderen Fachübersetzern stammen, prüft er eher auf Flüchtigkeitsfehler, vergessene Wörter oder Terminologiefehler. Relativ selten findet er Verständnisfehler.
- Bei technisch bedingten Prüfungen achtet er in erster Linie auf Textlängen, Abkürzungen, Wortreihenfolge bei Befehlen, richtige Deutung von alleinstehenden Wörtern, o. Ä.
- Übersetzungen, die von nicht professionellen Übersetzern stammen, sind zeitaufwändig zu prüfen. In Einzelfällen bedeutet dies sogar, dass eine Neuübersetzung billiger ist. Oft findet man neben Fehlern, die auch professionelle Übersetzer machen, schlichte grammatikalische Fehler. Ebenfalls kommen Fehler vor, die mit dem Basisverständnis der Technik bzw. der Ausgangssprache zu tun haben (Beispiel: Verwechslung von “Schütz” mit “Schutz”).
- Schließlich verursachen maschinelle Übersetzungsprogramme ganz andere Fehlertypen. Während sie in der Regel die Fachterminologie korrekt einsetzen, sofern diese in einem entsprechenden Wörterbuch hinterlegt ist, machen sie Fehler bei mehrdeutigen allgemeinsprachlichen Begriffen oder bei der Syntax. Meistens sind solche Korrekturen sehr zeitintensiv. Nicht selten ist eine Neuübersetzung günstiger, wenn die Übersetzung anschließend veröffentlicht werden soll.
Mit geeigneten Mitteln lässt sich die Lektoratsarbeit unterstützen und beschleunigen. Zuerst einmal fängt alles bei der Qualität der Ausgangstexte an. Klare Texte, eine eindeutige standardisierte Terminologie und ein einheitlicher Schreibstil sind die Voraussetzung für gelungene Übersetzungen. Des Weiteren bieten Übersetzungssysteme Qualitätssicherungsfunktionen an. Noch effizienter ist eine eigenständige Qualitätssicherungssoftware wie ErrorSpy. Sie prüft die Texte oder Translation Memories auf unterschiedlichste Merkmale wie Zahlen, Terminologie, Konsistenz oder Typografie und generiert Listen potenzieller Fehler. Seit April 2011 steht unter www.errorspy-online.com der kostenlose Qualitätssicherungsdienst der D.O.G. GmbH zur Verfügung. Dort können Interessenten Dateien hochladen und einen Fehlerbericht erhalten.
Was wir in Sachen Qualitätssicherung beobachten, ist voraussichtlich der Anfang einer neuen Dienstleistungsart, die zum Standardrepertoire von Fachübersetzern gehören wird. Irgendwann wird diese spezielle Aufgabe zu den regulären Lehrplänen an Universitäten und Hochschulen gehören.
[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 2/11. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: Fotolia.]
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Welche Rolle spielt die Zertifizierung nach EN 15038 bei der Beauftragung von Sprachdienstleistern?
31.1.2011 von Richard Schneider.

Die Referenten Sauberer, Scheibenpflug, Gasser und Kern auf dem Infoabend in Wien
Die Qualitätsnorm EN 15038 zielt darauf ab, transparente Standards für Sprachdienstleister zu definieren, die neben der Professionalisierung der Branche auch als Orientierungshilfe für Auftraggeber dienen können. Doch bildet die Zertifizierung einen realen Wettbewerbsvorteil? Und kann sie tatsächlich zur Qualitätssteigerung und Vertrauensbildung beitragen? Um diese Fragen zu diskutieren, lud die Berufsgruppe Sprachdienstleister zu einem Infoabend mit Vertretern namhafter österreichischer Unternehmen, der auch überraschende Einblicke in die internationale Aufnahme der Norm gab.
Ob Geschäftsbericht, Gebrauchsanweisung oder Imagebroschüre: Die Übersetzung in eine fremde Sprache bedeutet einen teilweisen Verlust der Kontrolle über die Kommunikation mit Geschäftspartnern und Kunden. Die Beauftragung eines Sprachdienstleisters setzt daher einen nicht unwesentlichen Vertrauensvorschuss voraus. Doch wie findet man in der Vielfalt der Anbieter, die ihre Dienste mit weitgehend ähnlichen Versprechen und Zusagen anpreisen, einen kompetenten, seriösen und verlässlichen Kooperationspartner?
„Nachts sind alle Katzen grau – und damit sind sie ebenso verwechselbar wie die Versprechen der unterschiedlichen Anbieter am Markt. Im Dickicht der Dunkelheit helfen leuchtende Leitschienen. Die Zertifizierung durchleuchtet und beleuchtet Übersetzungsdienstleister und gibt Auftraggebern die Sicherheit, dass ihr Kooperationspartner die wesentlichsten Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Arbeit mitbringt“, erläutert Mag. Sabine Kern, Vorsitzende des Berufsgruppenausschusses Sprachdienstleister der Wirtschaftskammer Wien, das wirtschaftliche Potential der EN 15038. Doch bestätigt die praktische Erfahrung die Erwartungen an den ökonomischen Nutzen der Zertifizierung? Ist sie wirklich ein relevantes Kriterium bei der Auftragsvergabe?
Die EN 15038 im Rampenlicht
Unter dem Motto „Legen Unternehmen Wert auf Zertifizierung?“ widmete sich der Infoabend der Berufsgruppe Sprachdienstleister der Wirtschaftskammer Wien am 26. Jänner 2011 der Frage, welche Bedeutung der Norm sowohl auf Auftraggeberseite als auch branchenintern beigemessen wird. Die Diskussion zeigte deutlich, dass die Zertifizierung nach einer prozessorientierten Norm wie der EN 15038 grundsätzlich weder Voraussetzung noch Garant für herausragende Übersetzungen sein kann. Sie zeigte aber auch, dass die Norm sehr wohl für Auftraggeber eine wertvolle Orientierungshilfe bei der Auswahl von Kooperationspartnern darstellen kann – vorausgesetzt, diese kennen die Norm und ihre Bedeutung für die Arbeit von Sprachdienstleistern. Dies wurde auch von Mag. Yvonne Gasser, bei der Zumtobel-Tochter Tridonic für die Beauftragung und Koordination von externen Sprachdienstleistern verantwortlich, bestätigt: „Aufgrund der positiven Erfahrungen mit einem zertifizierten Sprachdienstleister wäre die Zertifizierung nach EN 15038 für mich heute zwar nicht das einzige, aber doch ein relevantes Kriterium bei der Auswahl neuer Kooperationspartner. Hätte ich allerdings diese Erfahrungen nicht, würde die Zertifizierung für mich wohl kaum eine Rolle spielen.“
Verstärkter Kommunikationsbedarf vor kulturellen Hindernissen
Berufsgruppenausschuss-Vorsitzende Mag. Sabine Kern leitet aus diesem Ergebnis verstärkten Kommunikationsbedarf, vor allem über die Grenzen der Branche hinaus, ab. Dr. Gabriele Sauberer, weltweit tätige LICS-Auditorin für EN 15038, fordert allerdings auch branchenintern eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema ein. Denn der internationale Vergleich zeigt deutlich, dass die Akzeptanz der Norm im deutschsprachigen Raum ebenso wie in Japan eher gering ist, während in aufstrebenden Wirtschaftsregionen der Nachweis von Qualitätsstandards viel unmittelbarer als Wettbewerbsvorteil erlebt wird. Dies ist auf den ersten Blick erstaunlich, als gerade diese Wirtschaftsräume für ihren ausgeprägten Sinn für Qualität bekannt sind. Doch dabei handelt es sich nur um einen scheinbaren Widerspruch, wie die Expertin aufzeigt: „Bei uns gilt Perfektion traditionell als Maßstab für die eigene Leistung. Die Institutionalisierung von Kontrollmechanismen, wie sie im Rahmen der EN 15038 erfolgt, wird daher eher skeptisch wahrgenommen. Wir müssen aber lernen, Tools zur Fehlervermeidung viel mehr als bisher als Chance zu begreifen.“ Dies trifft umso mehr zu, als Übersetzer häufig unter enormem Zeitdruck arbeiten müssen, wie Mag. Kurt Scheibenpflug, Technische Dokumentation Franz Haas Waffel- und Keksanlagen-Industrie GmbH, bestätigt: „Ohne die notwendigen Dokumentationen können wir unsere Maschinen nicht exportieren. Wird die Übersetzung nicht rechtzeitig fertig, ist es für uns nicht leicht, Liefertermine einzuhalten.“
Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister – Berufsgruppe Sprachdienstleister
Die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister ist die gesetzliche Interessenvertretung der rund 700 gewerblichen Übersetzer und Übersetzungsbüros in Wien. Ziel der Berufsgruppe Sprachdienstleister unter Vorsitz von Mag. Sabine Kern ist die Professionalisierung des Berufsstandes. Innerhalb Österreichs umfasst dies die Förderung des Qualitätsbewusstseins und des Nachwuchses, die Durchführung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Networking und die Etablierung von Kooperationstools sowie die Bewusstseinsbildung für die zunehmende Relevanz internationaler und interkulturellen Verständigung. Auf internationaler Ebene zählen die Förderung des Erfahrungsaustauschs mit Übersetzer- und Dolmetscherverbänden in anderen Ländern sowie der internationalen Zusammenarbeit mit Ausbildungsstätten für Übersetzer und Dolmetscher zu den Zielen der Berufsgruppe. Details auf der Website der Wirtschaftskammer Wien.
[Text: Dr. Sabine Unterweger. Quelle: Presseaussendung Wirtschaftskammer Wien, 2011-01-28. Bild: Wirtschaftskammer Wien/Herbst.]
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Lingua-World besteht Rezertifizierung - Erstmals auch Filialen eingebunden
20.12.2010 von Richard Schneider.
Der Sprachdienstleister Lingua-World bestand jetzt erneut die Rezertifizierung in Köln. Und diesmal haben auch die Filialen in Berlin, Hamburg, Aachen, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart bewiesen, dass hier genauso qualitätsbewusst gearbeitet wird wie im Hauptsitz in Köln.Demnach arbeitet das Unternehmen nach dem „Vier-Augen-Prinzip“ EN 15038 und ist nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Damit trägt Lingua-World weiterhin das Qualitätssiegel für die Vermittlung von Übersetzungs- und Dolmetscherdienstleistungen für gewerbliche Unternehmen und Körperschaften des öffentlichen Rechts. Schließlich bedarf es immer wieder eines mehrmonatigen Prozesses seitens der Auditoren des TÜV Nord, um zu überprüfen, ob ein Unternehmen zertifiziert werden kann. Dabei werden sämtliche Prozesse – wie die Auftragsabwicklung – überprüft und Fragen zur Arbeitsweise beispielsweise des Vertriebs oder des Projektmanagements geklärt. Der Auditleiter erteilt dann die Zustimmung zur Vergabe des TÜV-Zertifikats auf der Grundlage des beschriebenen, gemessenen Verfahrens.
Eine gute Übersetzung ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt technische Texte, die von einem technischen Übersetzer nicht ausreichend übersetzt werden können. Das klingt erst mal absurd, bedeutet aber, dass sich ein technischer Übersetzer auch immer auf ein oder zwei technische Fachgebiete spezialisieren sollte. Aber auch das reicht noch nicht aus für eine wirklich gute Übersetzung. Dazu ist noch viel mehr notwendig: Der Übersetzer sollte in dem Land, in dem die Sprache aktuell gesprochen wird, leben und arbeiten, er muss die verschiedensten Übersetzungstechnologien beherrschen, und auch der Projektmanager auf der Seite des Übersetzungsbüros muss über ausreichende Qualifikationen verfügen.
Viele Kriterien sind an einen logisch aufgebauten Prozess gebunden, wie eine vollständige Dokumentation und Definition der Zuständigkeiten in einem Unternehmen.
Das alles gehört zum Audit bei einem Sprachdienstleister. Es gibt keine Kunden, für die Qualität bedeutungslos ist. Die Frage ist nur, wie man die Prozesse in einem Unternehmen mit 14 Standorten so koordinieren, dass am Ende der Kundenkommunikation ein einziges Ergebnis erscheint: Zufriedenheit!
Gegründet wurde Lingua-World 1997 von Geschäftsführerin Nelly Kostadinova (Bild). Mittlerweile verfügt das Unternehmen bundesweit über ein Netz von verschiedenen Standorten und einem ausländischen Franchisebetrieb in Wien.
[Text: Miriam Sommer. Quelle: Pressemitteilung Lingua-World, 2010-12-20. Bild: Lingua-World.]
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Mit Brief und Siegel: Document Service Center nach DIN EN 15038 und ISO 9001:2008 zertifiziert
28.8.2010 von Jessica Antosik.
Als erster Übersetzungsdienstleister wurde die Document Service Center GmbH von TÜV SÜD für ihr integriertes Qualitätsmanagement-System gleichzeitig nach DIN EN 15038 und ISO 9001:2008 zertifiziert. Während die DIN-Norm insbesondere für Übersetzungsdienstleister greift und zentrale Anforderungen an das Projektmanagement beschreibt, werden durch den ISO-Standard allgemein Kriterien für Qualitätsmanagement-Systeme definiert. Den damit verbundenen Normenkatalog erfüllte das Berliner Unternehmen in vollem Umfang.
Hierzu sagt Markus Kukla, Leitender Auditor bei der TÜV SÜD Product Service GmbH: “Das Document Service Center hat sich uns als ein Übersetzungsdienstleister mit außergewöhnlich hoher technologischer Expertise dargestellt. Besonders die Kombination von selbst programmierten und branchenüblichen Softwarelösungen sowie die eingespielten Teams haben uns von der Leistungsfähigkeit überzeugt.”
Der Berliner Übersetzungsdienstleister Document Service Center führt seit 1997 Fachübersetzungen für die technische Kommunikation und Dokumentation durch. Zu den Kunden zählen Branchengrößen und Konzerne aus dem Automotive-Bereich, dem IT- und Technologie-Sektor und Elektrotechnik-Umfeld. Flexible, kundenspezifische Lösungen und hochwertige Übersetzungen zeichnen diese zum Teil langjährigen Kooperationen aus. Dafür steht im Document Service Center ein starkes Inhouse-Team aus technischen und sprachlichen Experten zur Verfügung. Auf derzeit über 120 Arbeitsplätzen werden die Übersetzungen unter Einsatz modernster Übersetzungswerkzeuge nach den Anforderungen der international agierenden Auftraggeber erstellt. Ein professionelles Projekt- und Qualitätsmanagement gewährleistet dabei, dass selbst sehr umfangreiche multilinguale Übersetzungsprojekte effizient umgesetzt und zugesagte Liefertermine verbindlich eingehalten werden.
Mit der Zertifizierung nach DIN EN 15038 und ISO 9001:2008 wird der hohe Qualitätsstandard des Document Service Center nun auch von offizieller Seite, durch TÜV SÜD, bestätigt. Gerade für deutsche Unternehmen, deren Exportvolumen nach wie vor sehr hoch ist, sind sowohl die Qualität der Übersetzungen als auch die nahtlose Einbindung in die Produktionsprozesse von zentralem Interesse.
“In einem dynamischen Branchenumfeld sehen wir die Zertifizierung als einen wichtigen Schritt bei der Weiterentwicklung unseres Portfolios und auch um neue Zielgruppen anzusprechen”, kommentiert Andreas Siegmund, Geschäftsführer der Document Service Center GmbH. “Gleichzeitig unterstreicht die Zertifizierung auch unsere Unternehmensphilosophie und das partnerschaftliche Verhältnis zu unseren Kunden. Wir sind der Auffassung, dass Übersetzungsabläufe für den Auftraggeber transparent und nachvollziehbar sein müssen und sich nur auf diese Weise ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit erzielen lässt.”
[Text: DSC GmbH. Quelle: Presseinformation DSC GmbH, DSC, 23.07.2010. Bild: DSC GmbH, TÜV Süd.]
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Qualitätssicherung: CLS erhält ISO-Zertifizierung
25.7.2010 von Jessica Antosik.
Die Schweizer CLS Communication AG erfüllt die Anforderungen der Norm ISO 9001:2008 über Qualitätsmanagementsysteme. Dies ergab die Überprüfung durch die Société Générale de Surveillance (SGS) Switzerland, die der weltweit größten Prüf- und Zertifizierungsgesellschaft SGS Group angehört.
Die Zertifizierung nach ISO 9001:2008 zeigt, wie viel Wert CLS Communication auf die Produkt- und Dienstleistungsqualität, die Kundenzufriedenheit und die ständige Verbesserung ihrer Qualitätsmanagementsysteme legt. Ein von einem Zertifizierungspartner wie der SGS erteiltes Zertifikat nach ISO 9001:2008 belegt, dass CLS Communication qualitativ erstklassige Dienstleistungen erbringt und die strengsten international anerkannten Grundsätze des Qualitätsmanagements befolgt.
Im Bericht der SGS heißt es: ”Das Qualitätsmanagementsystem von CLS Communication ist tief im Unternehmen verwurzelt und wird wirksam umgesetzt. Das System wird sowohl von der Geschäftsleitung als auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen, wodurch es höchst effektiv ist. Die Kooperation innerhalb des Unternehmens ist sehr beeindruckend (engagierte Teams, gute Zusammenarbeit und gutes Verhalten sowie gegenseitiger Respekt).”
Über CLS Communication
CLS Communication AG ist ein internationaler Sprach- und Technologiedienstleister für mehrsprachige Kommunikation in den Bereichen Bank- und Finanzwesen, Versicherungen, Telekommunikation, Life Science und Recht. Ihr Kundenstamm besteht aus rund 1000 internationalen Unternehmen. In Europa, Nordamerika und Asien arbeiten mehrere Hundert interne Sprachspezialisten für CLS Communication. Sie werden durch ein Netz von mehr als 2400 externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der ganzen Welt unterstützt.
[Text: CLS. Quelle: Pressemitteilung CLS, 20.07.2010.]
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iQTSP: Zertifizierte Sprachdienstleister vernetzen sich international
15.3.2010 von Richard Schneider.
Mit dem „International Network for quality translation service providers“ (iQTSP) wurde im Mai 2009 in Wien der weltweit erste internationale Zusammenschluss zertifizierter Übersetzungsunternehmen gegründet. Die Ziele des Vereins mit Sitz in Wien sind die internationale Vernetzung zertifizierter Übersetzer und die weltweite Etablierung von Qualitätsstandards.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören folgende Sprachdienstleister bzw. Organisationen:
- Able Translations Ltd., Toronto, Kanada
- Eurocom Translation Services, Wien, Österreich
- Interlingua Language Services, Wien, Österreich
- MB International Languages, Mondsee, Österreich
- Multi-Languages Corporation, Toronto, Kanada
- TermNet, Wien, Österreich
- translingua, Graz, Österreich
Zur Präsidentin wurde bei der Gründungsveranstaltung Mag. Sabine Kern, Geschäftsführerin von Interlingua Language Services, gewählt.
Seit Oktober 2006 definiert die europaweite NORM EN 15038 Qualitätsstandards für Übersetzer. Interlingua Language Services unter Geschäftsführerin Mag. Sabine Kern wurde bereits 2006 als erstes Unternehmen Österreichs nach der ÖNORM EN 15038 zertifiziert. Für die neu gewählte Präsidentin des iQTSP liegen die Vorteile des Vereins auf der Hand: „Unser Ziel ist eine weltweite Vernetzung zertifizierter Übersetzer, vom Einpersonen-Unternehmen bis zu großen, internationalen Anbietern. Innerhalb des Vereins wollen wir den Blick auch über den eigenen Tellerrand hinaus öffnen und eine Plattform für einen regen Erfahrungsaustausch bieten. Nach außen geht es uns vor allem darum, die Vorteile der Zertifizierung zu kommunizieren. Denn eines zeichnet sich bereits jetzt ab: Der Trend am internationalen Markt geht immer stärker Richtung Zertifizierung, die Praxis bei der Ausschreibung größerer Aufträge zeigt das bereits heute. Der Nachweis von Qualitätsstandards wird daher für die künftige Wettbewerbsfähigkeit immer wichtiger werden.“
[Text: iQTSP. Quelle: Mitteilung, 2010-03-15. Bild: iQTSP.]
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Review in den Märkten: Qualitätssicherung durch die Landesgesellschaft
15.2.2010 von Richard Schneider.
Der Ansatz, mehrsprachige Dokumentationen durch die Landesgesellschaft auf Kundenseite zu lektorieren, kann heute einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Dieses Review bindet die spezifischen Kenntnisse der Landesgesellschaft optimal ein und kann die Dokumentation so bestmöglich für den jeweiligen Markt vorbereiten. Tanja Damato (Bild) von der Transline Deutschland GmbH beschreibt im nachfolgenden Beitrag unterschiedliche Aspekte des Themas und geht dabei auch auf potentielle Probleme ein.
Für ein besseres Qualitätsmanagement
Vor nicht allzu langer Zeit war es Standard in der Übersetzungsbranche, dass der Auftraggeber die Dokumentation in einem festgelegten Datenformat an den Dienstleister weitergab, der diese mithilfe allgemeiner Wörterbücher und Glossare manuell übersetzte und zurückschickte. Damit war die Dokumentation in der Zielsprache bereits druckreif. Ein professionelles Qualitätsmanagement steckte vielfach noch in den Kinderschuhen und gehörte bestenfalls zur Kür, jedoch nicht zum Pflichtprogramm.
Heute sind die Qualitätsansprüche an mehrsprachige Dokumentationen massiv gewachsen, sowohl durch internationale Rechtsnormen wie die DIN EN 15038 als auch durch verstärkten Kosten- und Zeitdruck. Während die eigentliche Übersetzung durch Software-Entwicklungen im Bereich von CAT-Tools und Prozesssteuerung bereits erheblich standardisiert wurde, steht zunehmend auch die Nachbereitung im Fokus. Aspekte wie Lektorat, Debriefing und Feedback gehören untrennbar zum Übersetzungsprozess dazu.
Eine aktuelle Tendenz, die diese Elemente integriert, zeigt, dass sich Übersetzungsprozesse weg von einer Trennung der Aufgaben von Auftraggeber und Auftragnehmern hin zu einer gemeinsamen Qualitätssicherung bewegen. Gerade die Nachbearbeitung soll durch ein professionelles Lektorat direkt bei der Landesgesellschaft des Kunden durchgeführt werden. Bisher gibt es hier methodisch wie prozessorientiert verschiedene Lösungen, wobei manches doch noch eher unsystematisch vor sich geht und nicht jedes Konzept wirklich ausgegoren ist.
End-Lektorat im Zielmarkt
Um ein Produkt erfolgreich einzuführen und dauerhaft zu etablieren, bedarf es einer lückenlosen Kenntnis sowohl des Produkts an sich als auch der Bedingungen im entsprechenden Markt. Inzwischen wird gerade bei technischen Dokumentationen vermehrt auf Standardisierung und Vereinheitlichung geachtet. Ein solcher Text ist frei von bestimmten kulturellen Prägungen, regionalen Dialekten, landestypischen Emotionen oder blumigen Ausdrücken. Jedoch ist Kulturneutralität in allen Bereichen kaum denkbar, weil sich generell jede Sprache, die sich international etabliert, auch entlang der kulturellen Voraussetzungen eines Landes ausdifferenziert.
Diese ständige Weiterentwicklung der Sprachen erfordert für das Lektorat Fachleute, die eben nicht nur Sprachprofis sind, sondern auch das Produkt selbst und den Zielmarkt kennen. Eine ins Spanische übersetzte Dokumentation für den Zielmarkt im Mutterland wird so höchstwahrscheinlich anders aussehen, als für den argentinischen Markt. Ein international tätiges Unternehmen gibt das Lektorat also bewusst an die argentinische Landesgesellschaft, die ihren Markt besser als jeder andere kennt und hier oft auch dem externen Sprachdienstleister voraus ist. Gerade bei sicherheitsrelevanten Fragen ist eine profunde Markt-, Branchen und Firmenkenntnis unerlässlich.
Aktive Vernetzung
Die eigentliche Übersetzung wird vom Dienstleister nach dem 4-Augen-Prinzip erstellt und dann zum Lektorat an den Mitarbeiter der Landesgesellschaft gegeben. Firmenspezifische Begriffe und regionale Eigenheiten können so nochmals geprüft und ggf. korrigiert werden. Oft werden jedoch Mitarbeiter aus Marketing oder Verwaltung zum Lektorat herangezogen, die im Alltag andere Aufgaben haben, einen anderen Bildungsstand, eine andere „Sprache“ und unterschiedliche Fachkenntnisse – auch in Sachen Übersetzungen – mitbringen. Abweichende Ergebnisse sind so beinahe vorprogrammiert, was nicht zuletzt Einfluss auf die Inhalte im Translation Memory hat. Deshalb muss im Vorhinein geklärt werden, wer die endgültige Freigabe von Text und Korrekturen erteilt, der Sprachprofi und damit der Übersetzer oder der Produktprofi, also der Mitarbeiter vor Ort. Abweichungen vom Ausgangstext hingegen gefährden die Verständlichkeit der Übersetzung und führen schlimmstenfalls zur Verfälschung der Texte.
Dies auszuschließen ist der Anspruch an das Zusammenspiel von Kunde und Dienstleister. Begriffliche Inkonsistenz lässt sich vermeiden, wenn die unternehmensinterne Terminologie auch in der Landesgesellschaft bekannt ist und während Übersetzung und Lektorat verwendet wird. Die Kunst des Projektmanagements besteht also darin, einen schlanken, klar strukturierten Prozess zu definieren, der allen Beteiligten gerecht wird und keine Qualitätslücken zulässt. Nur die gelungene Kollaboration zwischen Fachleuten auf beiden Seiten vermeidet entsprechende Schwierigkeiten. So kann z.B. der Einsatz eines Wikis, auf das alle Beteiligten Zugriff haben und wo sie eigene Erkenntnisse und Vorschläge einbringen können, zur besseren Abstimmung beitragen. Die permanente, aktive Vernetzung ist somit Grundvoraussetzung, um offene Fragen schnell und zuverlässig zu klären.
Technische Aspekte
Prozessseitig können zudem technische Schwierigkeiten auftreten, etwa beim Datentransfer: In vielen Ländern ist die Hard- und Softwareausstattung nicht immer auf dem neuesten Stand, den man z.B. bei Landesgesellschaften in den USA vorfindet. Auch die Leistungsfähigkeit von Datenleitungen spielt eine Rolle, die bei der Projektanlage berücksichtigt werden sollte. Lektoren hingegen müssen oft mit Software arbeiten, die nur erfahrenen Übersetzern vertraut ist und somit eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert.
Eine Lösung ist die einfache Webschnittstelle, die von jedem internetfähigen Rechner aufgerufen werden kann, anstelle des Lektorats im Translation Memory. Weblektorats-Funktionen sind in der Regel intuitiv bedienbar und können wesentliche Routineschritte automatisieren. Alternative Oberflächensprachen erleichtern die Anwendung enorm, zudem kann auch die Quellsprache bei Verfügbarkeit von zwei oder mehr textuell und strukturell identischen Texten ausgetauscht werden. Auf diese Weise kann der Lektor mit der Sprache arbeiten, die er am besten beherrscht. Zudem kann er im fertigen Layout korrigieren, um Zusammenhänge besser nachzuvollziehen. So ist auch die Bereitstellung farbig markierter PDF-Dateien entstanden, bei denen er mittels Farbmarkierungen erkennt, welche Inhalte tatsächlich neu übersetzt wurden und damit nicht mehr geprüft werden müssen.
Feedback und Debriefing
Der Begriff „Review“ ist stark mit dem Lektorat bei der Landesgesellschaft verbunden. Allerdings zählt zur Nachbereitung auch ein strukturiertes und moderiertes Feedbackmanagement, welches gerade für zukünftige Projekte sicherstellen soll, dass jeder Lektor den notwendigen Wissensstand hat. Feedback und Debriefing sind die Voraussetzungen, um Prozesserfahrung optimal zu nutzen und zukünftig davon zu profitieren. Der Dienstleister kann den Rahmen und das Know-how bieten, um diesen Prozess professionell zu moderieren und seine eigene Branchenerfahrung mit den Markt- und Firmenkenntnissen der Landesgesellschaft zusammenzuführen.
Fazit
Ein gutes Zusammenspiel von Dienstleister und Kunden im Zielland kann bedeutend zur Qualitätssicherung beitragen. Konzepte, die das verfügbare Wissen gerade über die regionalen Umstände am Markt der Landesgesellschaft nutzbar machen, erweisen sich gegenüber einer strikten Aufgabentrennung und festgezurrter Hierarchien schnell als überlegen. Eine Unternehmensphilosophie, die hier ansetzt und flexibel auf wechselnde Anforderungen reagiert, erkennt den Wert der verfügbaren Potentiale. Der einzelne Mitarbeiter vor Ort ist damit nicht länger nur Befehlsempfänger, sondern direkt am gemeinsamen Erfolg beteiligt.
Über die Autorin
Tanja Damato leitet seit 2007 Vertrieb und Marketing sowie seit 2008 Teilbereiche der Produktion der Transline Deutschland GmbH – einem international aufgestellten Dienstleister für multilinguale technische Kommunikation.
Über die Transline Gruppe
Die Transline Gruppe ist führender Anbieter intelligenter Dienstleistungen für die Globalisierung. Mit Transline Deutschland GmbH, Transline Patentübersetzungen GmbH, den Tochtergesellschaften in einer Reihe europäischer Länder sowie der Doculine Verlags-GmbH deckt die Gruppe die gesamte Prozesskette der globalen Kommunikation ab – von der technischen Dokumentation über die sprachliche Übersetzung und kulturelle Adaption bis zur druckfertigen Fremdsprachen-Publikation oder dem mehrsprachigen Internetauftritt. In der Doculine Verlags-GmbH erscheinen Fachbücher und Publikationen zu diesem Themenkreis. Zur Transline Gruppe gehört auch das IMK Dr. Sturz (Institut für Management und Kommunikation), das in der Unternehmensgruppe den Bereich Beratung, Schulung und Coaching abdeckt.
Weitere Informationen im Internet unter www.transline.de
[Text: Tanja Damato. Quelle: Pressemitteilung Transline, 2010-02-15. Bild: Transline.]
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