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Archiv der Kategorie Übersetzen

Review in den Märkten: Qualitätssicherung durch die Landesgesellschaft

Tanja DamatoDer Ansatz, mehrsprachige Dokumentationen durch die Landesgesellschaft auf Kundenseite zu lektorieren, kann heute einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Dieses Review bindet die spezifischen Kenntnisse der Landesgesellschaft optimal ein und kann die Dokumentation so bestmöglich für den jeweiligen Markt vorbereiten. Tanja Damato (Bild) von der Transline Deutschland GmbH beschreibt im nachfolgenden Beitrag unterschiedliche Aspekte des Themas und geht dabei auch auf potentielle Probleme ein.

Für ein besseres Qualitätsmanagement

Vor nicht allzu langer Zeit war es Standard in der Übersetzungsbranche, dass der Auftraggeber die Dokumentation in einem festgelegten Datenformat an den Dienstleister weitergab, der diese mithilfe allgemeiner Wörterbücher und Glossare manuell übersetzte und zurückschickte. Damit war die Dokumentation in der Zielsprache bereits druckreif. Ein professionelles Qualitätsmanagement steckte vielfach noch in den Kinderschuhen und gehörte bestenfalls zur Kür, jedoch nicht zum Pflichtprogramm.

Heute sind die Qualitätsansprüche an mehrsprachige Dokumentationen massiv gewachsen, sowohl durch internationale Rechtsnormen wie die DIN EN 15038 als auch durch verstärkten Kosten- und Zeitdruck. Während die eigentliche Übersetzung durch Software-Entwicklungen im Bereich von CAT-Tools und Prozesssteuerung bereits erheblich standardisiert wurde, steht zunehmend auch die Nachbereitung im Fokus. Aspekte wie Lektorat, Debriefing und Feedback gehören untrennbar zum Übersetzungsprozess dazu.

Eine aktuelle Tendenz, die diese Elemente integriert, zeigt, dass sich Übersetzungsprozesse weg von einer Trennung der Aufgaben von Auftraggeber und Auftragnehmern hin zu einer gemeinsamen Qualitätssicherung bewegen. Gerade die Nachbearbeitung soll durch ein professionelles Lektorat direkt bei der Landesgesellschaft des Kunden durchgeführt werden. Bisher gibt es hier methodisch wie prozessorientiert verschiedene Lösungen, wobei manches doch noch eher unsystematisch vor sich geht und nicht jedes Konzept wirklich ausgegoren ist.

End-Lektorat im Zielmarkt

Um ein Produkt erfolgreich einzuführen und dauerhaft zu etablieren, bedarf es einer lückenlosen Kenntnis sowohl des Produkts an sich als auch der Bedingungen im entsprechenden Markt. Inzwischen wird gerade bei technischen Dokumentationen vermehrt auf Standardisierung und Vereinheitlichung geachtet. Ein solcher Text ist frei von bestimmten kulturellen Prägungen, regionalen Dialekten, landestypischen Emotionen oder blumigen Ausdrücken. Jedoch ist Kulturneutralität in allen Bereichen kaum denkbar, weil sich generell jede Sprache, die sich international etabliert, auch entlang der kulturellen Voraussetzungen eines Landes ausdifferenziert.

Diese ständige Weiterentwicklung der Sprachen erfordert für das Lektorat Fachleute, die eben nicht nur Sprachprofis sind, sondern auch das Produkt selbst und den Zielmarkt kennen. Eine ins Spanische übersetzte Dokumentation für den Zielmarkt im Mutterland wird so höchstwahrscheinlich anders aussehen, als für den argentinischen Markt. Ein international tätiges Unternehmen gibt das Lektorat also bewusst an die argentinische Landesgesellschaft, die ihren Markt besser als jeder andere kennt und hier oft auch dem externen Sprachdienstleister voraus ist. Gerade bei sicherheitsrelevanten Fragen ist eine profunde Markt-, Branchen und Firmenkenntnis unerlässlich.

Aktive Vernetzung

Die eigentliche Übersetzung wird vom Dienstleister nach dem 4-Augen-Prinzip erstellt und dann zum Lektorat an den Mitarbeiter der Landesgesellschaft gegeben. Firmenspezifische Begriffe und regionale Eigenheiten können so nochmals geprüft und ggf. korrigiert werden. Oft werden jedoch Mitarbeiter aus Marketing oder Verwaltung zum Lektorat herangezogen, die im Alltag andere Aufgaben haben, einen anderen Bildungsstand, eine andere „Sprache“ und unterschiedliche Fachkenntnisse – auch in Sachen Übersetzungen – mitbringen. Abweichende Ergebnisse sind so beinahe vorprogrammiert, was nicht zuletzt Einfluss auf die Inhalte im Translation Memory hat. Deshalb muss im Vorhinein geklärt werden, wer die endgültige Freigabe von Text und Korrekturen erteilt, der Sprachprofi und damit der Übersetzer oder der Produktprofi, also der Mitarbeiter vor Ort. Abweichungen vom Ausgangstext hingegen gefährden die Verständlichkeit der Übersetzung und führen schlimmstenfalls zur Verfälschung der Texte.

Dies auszuschließen ist der Anspruch an das Zusammenspiel von Kunde und Dienstleister. Begriffliche Inkonsistenz lässt sich vermeiden, wenn die unternehmensinterne Terminologie auch in der Landesgesellschaft bekannt ist und während Übersetzung und Lektorat verwendet wird. Die Kunst des Projektmanagements besteht also darin, einen schlanken, klar strukturierten Prozess zu definieren, der allen Beteiligten gerecht wird und keine Qualitätslücken zulässt. Nur die gelungene Kollaboration zwischen Fachleuten auf beiden Seiten vermeidet entsprechende Schwierigkeiten. So kann z.B. der Einsatz eines Wikis, auf das alle Beteiligten Zugriff haben und wo sie eigene Erkenntnisse und Vorschläge einbringen können, zur besseren Abstimmung beitragen. Die permanente, aktive Vernetzung ist somit Grundvoraussetzung, um offene Fragen schnell und zuverlässig zu klären.

Technische Aspekte

Prozessseitig können zudem technische Schwierigkeiten auftreten, etwa beim Datentransfer: In vielen Ländern ist die Hard- und Softwareausstattung nicht immer auf dem neuesten Stand, den man z.B. bei Landesgesellschaften in den USA vorfindet. Auch die Leistungsfähigkeit von Datenleitungen spielt eine Rolle, die bei der Projektanlage berücksichtigt werden sollte. Lektoren hingegen müssen oft mit Software arbeiten, die nur erfahrenen Übersetzern vertraut ist und somit eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert.

Eine Lösung ist die einfache Webschnittstelle, die von jedem internetfähigen Rechner aufgerufen werden kann, anstelle des Lektorats im Translation Memory. Weblektorats-Funktionen sind in der Regel intuitiv bedienbar und können wesentliche Routineschritte automatisieren. Alternative Oberflächensprachen erleichtern die Anwendung enorm, zudem kann auch die Quellsprache bei Verfügbarkeit von zwei oder mehr textuell und strukturell identischen Texten ausgetauscht werden. Auf diese Weise kann der Lektor mit der Sprache arbeiten, die er am besten beherrscht. Zudem kann er im fertigen Layout korrigieren, um Zusammenhänge besser nachzuvollziehen. So ist auch die Bereitstellung farbig markierter PDF-Dateien entstanden, bei denen er mittels Farbmarkierungen erkennt, welche Inhalte tatsächlich neu übersetzt wurden und damit nicht mehr geprüft werden müssen.

Feedback und Debriefing

Der Begriff „Review“ ist stark mit dem Lektorat bei der Landesgesellschaft verbunden. Allerdings zählt zur Nachbereitung auch ein strukturiertes und moderiertes Feedbackmanagement, welches gerade für zukünftige Projekte sicherstellen soll, dass jeder Lektor den notwendigen Wissensstand hat. Feedback und Debriefing sind die Voraussetzungen, um Prozesserfahrung optimal zu nutzen und zukünftig davon zu profitieren. Der Dienstleister kann den Rahmen und das Know-how bieten, um diesen Prozess professionell zu moderieren und seine eigene Branchenerfahrung mit den Markt- und Firmenkenntnissen der Landesgesellschaft zusammenzuführen.

Fazit

Ein gutes Zusammenspiel von Dienstleister und Kunden im Zielland kann bedeutend zur Qualitätssicherung beitragen. Konzepte, die das verfügbare Wissen gerade über die regionalen Umstände am Markt der Landesgesellschaft nutzbar machen, erweisen sich gegenüber einer strikten Aufgabentrennung und festgezurrter Hierarchien schnell als überlegen. Eine Unternehmensphilosophie, die hier ansetzt und flexibel auf wechselnde Anforderungen reagiert, erkennt den Wert der verfügbaren Potentiale. Der einzelne Mitarbeiter vor Ort ist damit nicht länger nur Befehlsempfänger, sondern direkt am gemeinsamen Erfolg beteiligt.

Über die Autorin
Tanja Damato leitet seit 2007 Vertrieb und Marketing sowie seit 2008 Teilbereiche der Produktion der Transline Deutschland GmbH – einem international aufgestellten Dienstleister für multilinguale technische Kommunikation.

Über die Transline Gruppe
Die Transline Gruppe ist führender Anbieter intelligenter Dienstleistungen für die Globalisierung. Mit Transline Deutschland GmbH, Transline Patentübersetzungen GmbH, den Tochtergesellschaften in einer Reihe europäischer Länder sowie der Doculine Verlags-GmbH deckt die Gruppe die gesamte Prozesskette der globalen Kommunikation ab – von der technischen Dokumentation über die sprachliche Übersetzung und kulturelle Adaption bis zur druckfertigen Fremdsprachen-Publikation oder dem mehrsprachigen Internetauftritt. In der Doculine Verlags-GmbH erscheinen Fachbücher und Publikationen zu diesem Themenkreis. Zur Transline Gruppe gehört auch das IMK Dr. Sturz (Institut für Management und Kommunikation), das in der Unternehmensgruppe den Bereich Beratung, Schulung und Coaching abdeckt.

Weitere Informationen im Internet unter www.transline.de

[Text: Tanja Damato. Quelle: Pressemitteilung Transline, 2010-02-15. Bild: Transline.]

Übersetzungen: Erwartungen und Realität

Ab und zu kommt es vor, dass eine Übersetzung bemängelt wird. Ein sprachkundiger Mitarbeiter des Auftraggebers oder seine Auslandsniederlassung hat die Übersetzung gelesen und beanstandet. Dieser Artikel befasst sich nicht mit echten Übersetzungsfehlern, sondern mit den manchmal falschen Erwartungen an eine Fachübersetzung.

Welche Vorwürfe werden geäußert?

  • Der Stil wäre schlecht.
  • Der Übersetzer hätte die korrekten Fachwörter oder Fachausdrücke nicht verwendet.
  • Der Übersetzer hätte den Inhalt falsch verstanden.

Wie über Geschmäcker kann man sich über Stil immer streiten. Einige objektive Regeln gelten jedoch: grammatisch korrekte Sätze, ein den Gepflogenheiten der Zielsprache angepasster Satzbau, eine für die Zielgruppe angemessene Wortwahl. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist es die Aufgabe des Übersetzers, einen Text, der zunächst für deutsche Leser formuliert wurde, für einen anderen Leserkreis inhaltlich korrekt zu übertragen. Dieser Kreis hat einen unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund.

Es kann in diesem Zusammenhang vorkommen, dass ein Beispiel, eine Referenz oder ein Ausdruck auf diese Leserschaft befremdend wirkt. Man denke dabei an Beispiele aus der Baseball- Welt oder an die unterschiedliche Dicke von Serviceanleitungen in Deutschland und in den USA. Wer also mehr erwartet als eine rein sachlich und sprachlich korrekte Übersetzung, braucht eine Adaptation des übersetzten Textes für die fremdsprachige Leserschaft. Als Basis für eine redaktionelle Überarbeitung dient dann die Übersetzung. Besonders für Werbetexte, Prospekte oder Websites ist dieser Schritt empfehlenswert.

Fachterminologie

Der nächste Kritikpunkt bezieht sich auf die Fachterminologie. Jeder kann für sich den Test machen und Benennungen für Teile eines Geräts oder einer Maschine suchen, die er in seiner Nähe findet. Was ist korrekt: “Taste”, “Taster”, “Schalter”, “Button” oder “Knopf”? Was für die deutsche Sprache gilt, gilt genauso für die Zielsprache. Viel öfter als man denkt, gibt es auch in der Fachsprache des Ziellandes unterschiedliche Synonyme. Der Übersetzer nimmt nicht immer das am weitesten verbreitete Wort, denn er kann nicht in jedem Einzelfall im Internet recherchieren,um festzustellen, wie häufig sein Ausdruck erscheint. Bei neuen Wortschöpfungen, die zum Firmenjargon gehören und sich auf spezielle Produkte des Unternehmens beziehen, tut sich der Übersetzer ohne Hilfe schwer, die richtige Formulierung in seiner Sprache zu finden. Wer weiß schon auf Anhieb, wie man “Hochleistungsdeckelverschließer” oder “Geschäftsbereichsmodifikationskonstante” korrekt ins Slowenische übersetzt?

Konsistenz

Manchmal wird auch kritisiert, dass der Übersetzer die Terminologie uneinheitlich verwendet hätte. Dasselbe deutsche Fachwort wäre mal so, mal so übersetzt worden. Terminologiekonsistenz ist bei Fachtexten natürlich ein erstrebenswertes Ziel. Aber Sprachen haben nicht immer deckungsgleiche Begriffsysteme, und ein deutscher Begriff muss u. U. in der Fremdsprache je nach Zusammenhang durch unterschiedliche Benennungen übersetzt werden, wenn die Fremdsprache eine feinere begriffliche Gliederung kennt. Dasselbe gilt natürlich in umgekehrter Richtung. So lautet die Übersetzung von “Schneider” je nach Kontext mal “cutter” (mechanisches Verfahren) mal “beamer” (Laserverfahren). Wer also bestimmte terminologische Erwartungen an die Übersetzung hat, muss sie in Form von Terminologievorgaben klar formulieren.
Manche Lektoren im Ausland stellen vermeintliche Verständnisfehler (echte Verständnisfehler klammern wir hier aus) fest, weil sie eine Übersetzung prüfen, ohne den deutschen Ausgangstext heranzuziehen.

Manche verstehen die deutsche Sprache nicht und prüfen lediglich, ob die vorliegende fremdsprachige Version für ihren Markt brauchbar ist. Es kommt dabei durchaus vor, dass die Korrekturen nicht so sehr die Übersetzung, sondern eher indirekt den Ausgangstext betreffen. Diese Korrektoren ändern und korrigieren Inhalte und melden sie fälschlicherweise als Korrektur von Übersetzungsfehlern.

Es ist also wichtig, dass Auftraggeber sich über die Rahmenbedingungen für die Arbeit des Übersetzers im Klaren sind und realistische Erwartungen an eine Übersetzung haben. Durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Übersetzern können sie das Ergebnis beeinflussen. Sie können Terminologievorgaben machen, Referenzmaterial in angemessenem Umfang zur Verfügung stellen, firmenspezifische Begriffe erläutern (z. B. mit Grafiken) und Anweisungen zum Stil geben. Zum Schluss kommt es dem Endprodukt zugute.

[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 3/2009; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion.]

Paul Kußmaul: Übersetzen - nicht leicht gemacht

Von den zahlreichen Aufsätzen Paul Kußmauls wurden für den Band Übersetzen - nicht leicht gemacht diejenigen ausgewählt, die in charakteristischer Weise seine wissenschaftliche Entwicklung aufzeigen. Die ersten beiden der in chronologischer Folge abgedruckten Aufsätze orientieren sich noch an textlinguistischen und kontrastiven Fragestellungen und behandeln vor allem Normen und Konventionen. In den darauf folgenden Aufsätzen spielt die Frage nach Ziel und Zweck (Funktion) einer Übersetzung eine zunehmend wichtige Rolle, wobei die kulturelle Einbettung ein zentraler Gesichtspunkt ist.

Durch seine Rezensionen von “Klassikern” der Übersetzungswissenschaft lenkt Paul Kußmaul den Blick auf ähnliche Richtungen in dieser Wissenschaft. Seine Aufsätze begnügen sich nicht mit einer allgemeinen Beschreibung des funktionalen Rahmens, sondern gehen ins Detail der Übersetzungsarbeit, wobei linguistische Modelle, vor allem der Semantik, als theoretische Grundlage dienen. Besonders die kognitive Semantik ist dabei die Basis für die gegen Ende des Bandes thematisierten Verstehensprozesse, die zu kreativen Übersetzungen führen können.

Übersetzen, dies zeigt sich in allen Aufsätzen, wird nicht als mechanisierbarer Vorgang gesehen, sondern als Reflexionsprozess. Durch die Lektüre der Aufsätze wird das Übersetzen nicht leichter gemacht, aber die Chance besteht, dass es dadurch besser wird.

Aus dem Inhalt:

  • Entwicklung miterlebt
  • Die Bedeutung von Texttypen, Normentsprechungen und Normabweichungen für das Übersetzen
  • Kommunikationskonventionen in Textsorten am Beispiel deutscher und englischer geisteswissenschaftlicher Abhandlungen. Ein Beitrag zur deutsch-englischen Übersetzungstechnik
  • 1984 - endlich Kunst statt Kolportage
  • Rezension Katharina Reiß / Hans J. Vermeer: Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie, (Linguistische Arbeiten 147), Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1984
  • Übersetzen als Entscheidungsprozess. Die Rolle der Fehleranalyse in der Übersetzungsdidaktik
  • Wie viel Linguistik braucht ein Übersetzer?
  • Übersetzen - aber nicht ins Blaue hinein
  • Rezension Mary Snell-Hornby: Translation studies: an integrated approach, Amsterdam: John Benjamins 1988
  • Die Rolle der Kultur in der Übersetzungswissenschaft und in der Übersetzerausbildung
  • Empirische Grundlagen für eine Übersetzungsdidaktik: Kreativität im Übersetzungsprozess
  • Zur Relevanz einiger Semantikmodelle für die Übersetzung
  • Rezension Gideon Toury: Descriptive Translation Studies and beyond, Amsterdam: John Benjamins 1995
  • Rezension Ulrich Kautz: Handbuch Didaktik des Übersetzens und Dolmetschens, München: Iudicium 2000
  • Übersetzen, Verstehen und Kognitionslinguistik
  • Rezension Don Kiraly: A Social Constructivist Approach to Translator Education: Empowerment from Theory to Practice, Manchester: St. Jerome Publishing 2000

Paul Kußmaul wurde 1939 in Stuttgart geboren. Von 1959 bis 1965 studierte er in Tübingen, Newcastle und München Anglistik und Germanistik. Er promovierte 1971 an der Universität Bristol über Bertolt Brecht und das englische Drama der Renaissance. Seitdem arbeitete er am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim. Für den DAAD war er zwischen 1984 und 1997 als Dozent für Übersetzungswissenschaft an Universitäten in Jordanien, Indien, Indonesien, Thailand, China, Argentinien und in der Türkei tätig. Paul Kußmaul ist Gründungsmitglied der European Society for Translation Studies (EST) sowie Mitglied der Beiräte der im Stauffenburg-Verlag in Tübingen erscheinenden Studien zur Translation und der Zeitschrift für Translatologie - Universität Istanbul. Seit 2005 ist Paul Kußmaul pensioniert.

Paul Kußmaul (2009): Übersetzen - nicht leicht gemacht. Beiträge zur Translation. Berlin: Saxa. 174 Seiten, 31,90 Euro, ISBN 978-3-939060-23-9.

[Text: Saxa Verlag. Bild: Saxa Verlag.]

Komische Oper Berlin installiert Übersetzungsanlage für 900.000 Euro

Komische Oper Berlin

Viele Opernhäuser übertiteln ihre Vorstellungen und blenden oberhalb der Bühne die Übersetzung eines beispielsweise italienischsprachigen Musikwerks ein. Wer glaubt, dies sei der neueste Stand der Technik, der sollte bei nächster Gelegenheit einmal eine Vorstellung in der Komischen Oper Berlin (Bild oben) besuchen. Dort hat man jetzt etwas Besseres und kündigt dies auf der Website auch mit stolz geschwellter Brust an:

Liebe Besucherinnen und Besucher,

dass für unser Publikum das Beste gerade gut genug ist, können Sie in der Komischen Oper Berlin nicht nur sehen und hören, sondern künftig auch spüren, wenn Sie bei uns Platz nehmen: Wir bauen zur Spielzeit 2009/10 eine neue Bestuhlung ein, die Ihnen mehr Beinfreiheit und Komfort bietet als bisher.

Der Clou an den neuen Sesseln aber ist eine eingebaute Übersetzungsanlage, wie sie in Deutschlands Opernhäusern bislang einmalig ist: Nahezu jeder Sitzplatz wird mit einem Display ausgestattet, auf dem, wenn Sie es wünschen, der Text mitläuft. Im Prinzip funktioniert das wie eine gängige Übertitelanlage, ist aber viel raffinierter. Sie können nämlich individuell auswählen, ob sie den Text in deutscher oder englischer Sprache mitverfolgen wollen – oder Ihr Display ausschalten, wenn Sie das nicht möchten. Eine spezielle Sichtschutzfolie verhindert übrigens, dass Ihr Opernerlebnis durch das Display des Sitznachbarn gestört wird. Klingt verblüffend? Ist es auch!

Die „Übersetzungsanlage“ ist eine Weltneuheit der schwäbischen Firma Vicom in Göppingen und schlägt mit 900.000 Euro zu Buche - zusätzlich zu den Kosten von 600.000 Euro für die neuen Stühle. Die in die Rückenlehnen eingelassenen Bildschirme (Stückpreis 750 Euro) zeigen dem in der nächsten Reihe sitzenden Musikfreund den gesungenen Text in diversen Sprachen an, zurzeit Deutsch oder Englisch. Russisch, Chinesisch und Japanisch sind in Planung.

Andreas HomokiWichtig sei beim Umbau gewesen, dass die neue Technik von den Besuchern nicht als störend empfunden werde, so Andreas Homoki (Bild), Chefregisseur und Intendant der Komischen Oper. Er schwärmt: „Die Anlage ist das Neueste, was es momentan weltweit gibt.“ Im Gegensatz zu den Lösungen in der Wiener Staatsoper oder in Barcelona sei das Berliner System „diskreter und ästhetischer“. Überdies sei die Umgestaltung des Saals „überfällig“ gewesen. Die alte Bestuhlung sei schon „auseinandergefallen“ und die Samtbespannung an vielen Stellen regelrecht „abgescheuert“.

In wenigen Tagen hat die neue Technik bei Giuseppe Verdis Rigoletto Premiere. Auf den Bildschirmen erscheint der italienische Text dann wahlweise in deutscher oder englischer Übersetzung. Regisseur Barrie Kosky hat allerdings so seine Befürchtungen: „Wahrscheinlich wird das Publikum in den ersten zehn Minuten nicht auf die Bühne gucken, sondern mit dem neuen Spielzeug beschäftigt sein.“

Vicom

Für sowat hamse Geld!

Berlin leistet sich als einzige Stadt der Welt drei Opernhäuser. Hinzu kommen acht große Symphonieorchester und mehr als 130 Theater und Bühnen. Die Berliner Opern werben gemeinsam mit folgendem Slogan: „772 Opernvorstellungen in einem Jahr – wo gibt’s das sonst?“

Die Kehrseite der Medaille: Die deutsche Hauptstadt ist trotz großzügigster Subventionen des Bundes mit mehr als 60 Milliarden Euro verschuldet, das sind rund 17.500 Euro pro Einwohner (Stand: Juli 2009). Allein der Kulturetat der Stadt beläuft sich auf knapp eine halbe Milliarde Euro pro Jahr. Geld, das nicht in Berlin, sondern in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart oder München erwirtschaftet werden muss. Die Hauptstadt lässt davon die Puppen tanzen, damit sie auch künftig „eine Reise wert ist“. Auch in dieser Hinsicht stellt sich die Frage: Wo gibt’s das sonst?

[Text: Richard Schneider. Quelle: Komische Oper Berlin; Tagesspiegel, 2009-09-08; ddp, 2009-09-07. Bild: Komische Oper Berlin, Vicom.]

Statt CLAT oder Acrolinx: Qualitätssicherung mit Word und Excel

Time - Money - QualitySelten ist der erste Entwurf eines Textes druckreif. Professionelle Redakteure oder Autoren arbeiten meistens unter Zeitdruck und haben nicht immer die Zeit, ihren Text in Ruhe zu überarbeiten. Bei modular erstellten Dokumentationen ist eine Qualitätssicherung umso wichtiger, denn das Enddokument entsteht aus der Zusammenstellung unterschiedlicher Module. Wie kann man trotzdem eine vernünftige Qualität erreichen?

Es gibt am Markt sehr gute Softwarelösungen, die Texte analysieren und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Marktführer auf diesem Gebiet sind die Produkte CLAT (www.iai-sb.de) und Acrolinx IQ (www.acrolinx.de). Sprache ist ein sehr komplexes Gebilde. Dadurch ist der Programmieraufwand für derartige Produkte mit linguistischer Intelligenz enorm und teuer. Heißt es also, dass Betriebe mit kleinerem Budget leer ausgehen müssen? Glücklicherweise nicht, auch wenn die hier vorgeschlagenen Lösungen nicht so umfangreich und effizient sind wie die professioneller Programme.

Welche sind die wichtigsten Fehler, die die Qualität von Texten beeinträchtigen?

  • Inkonsistenz der Formulierungen
  • Zu lange Sätze
  • Verwendung von Synonymen in technischen Texten 
  • Verstoß gegen Regeln der Corporate Identity oder gegen den Redaktionsleitfaden 
  • Rechtschreibfehler 
  • Verwendung von Füllwörtern 
  • Nicht übersetzungsgerechte Sätze oder Formulierungen.

Gegen die meisten dieser Fehler ist mit Standardwerkzeugen wie Word oder Excel ein Kraut gewachsen. Das Problem der Inkonsistenz tritt relativ häufig auf. “Hauptschalter ausschalten und gegen Wiedereinschalten sichern” und “Hauptschalter auf ‘O’ stellen und gegen Wiedereinschalten sichern” bedeuten nicht nur das gleiche, sondern verursachen bei Übersetzungen zusätzliche Kosten und können u. U. beim Leser für Verwirrung sorgen.

Solche Sätze fallen schnell auf, wenn man den Text alphabetisch sortiert. Dazu speichert man eine Kopie des Dokuments in Textformat, um störende Formatierungen zu entfernen. Anschließend wird der Text in Sätze umgebrochen, indem ein Punkt + Leerzeichen durch einen Punkt + Absatzmarke ersetzt wird (unter MS-Word: “^p” = Absatzmarke).

Das Ergebnis wird in einer Tabelle alphabetisch sortiert. Dadurch lassen sich inkonsistente Sätze erkennen und korrigieren. Wer die Konsistenz seiner Formulierung auf einer noch feineren Ebene prüfen möchte, kann sich beispielsweise über die Suchfunktion von Excel die Liste der Sätze anzeigen lassen, die bestimmte Schlüsselwörter enthalten. Somit finden sich inkonsistente Konstruktionen wie: “Es erscheint der Dialog Projekteinstellungen.” - “Der Dialog Projekteinstellungen erscheint.”

Zu lange Sätze sollte man vermeiden, denn sie erschweren das Verständnis der Information, die man vermitteln möchte. Bei technischen Bedienungsanleitungen sollte man beispielsweise Sätze anstreben, die 12-15 Wörter nicht überschreiten. Es gibt mit Hilfe von MS-Excel eine Möglichkeit, die Länge der Sätze zu prüfen. Dazu kopiert man die Satzliste aus der vorher beschriebenen Konsistenzprüfung in eine Excel-Tabelle und misst die Länge des Satzes mit der Formel: “=LÄNGE(A1)” (für die Länge der Zelle “A1″). Daraus ergibt sich, welche Sätze zu lang sind und gekürzt werden müssen.

Synonyme sind in der Regel in technischen Texten unerwünscht. Es ist verwirrend, wenn auf einer Seite “Basisgerät” und auf der nächsten Seite “Grundgerät” steht. Um diese unerwünschten Synonyme zu finden, muss der Autor eine Liste der unerwünschten Wörter pflegen. Leider erlaubt die Suchen-und- Ersetzen-Funktion der gängigen Programme nur eine Suche nach einzelnen Wörtern oder Ausdrücken. Bei längeren Synonymlisten kann es dann mühsam werden. Es empfiehlt sich, auf Makros oder auf kleinere Programme wie ChangeAssistant (99 Euro, www.multilingual-products.com) zurückzugreifen.

Über Listen aller im Text vorkommenden Wörter kann man seinen Text weiter optimieren. Eine solche Liste erhält man, wenn man alle Leerzeichen im Text durch eine Absatzmarke ersetzt (nach der o.g. Methode) und anschließend sortiert. Alternativ dazu kann man verschiedene Tools verwenden, die teilweise kostenlos im Internet verfügbar sind. Es sind sog. Concordancier wie Textstat (www.niederlandistik.fu-berlin.de) oder AntConc3.2 (www.antlab.sci.waseda.ac.jp).

Ein Blick auf solche Wortlisten verrät einiges. Sie sind zum einen ein Mittel, um der inkonsistenten Anwendung von Wortbildungsregeln auf die Spur zu kommen wie in “Gleichstrom-Magnet” / “Gleichstrommotor”. Man kann damit auch Füllwörter (”etwa”, “durchaus”, “nämlich” usw.) oder die außergewöhnlich häufige Verwendung bestimmter Wörter oder Wendungen (”untenstehend”, “ihrer Verwendung zuführen”) feststellen, die die Handschrift eines Autors ausmachen.

Nicht übersetzungsgerechte Sätze oder Formulierungen kommen beispielsweise vor, wenn Sätze in ihrer Mitte durch Absatzmarken o.ä. getrennt sind oder wenn Komposita auf das Grundwort (Messgerät –> Gerät) reduziert wurden. Ebenfalls ist die Verwendung von Bezugswörtern (”dieses” usw.) in Sätzen für den Einsatz in Übersetzungssystemen verpönt, denn diese Systeme speichern in der Regel Satzpaare ohne Zusammenhang. Über die Satz- oder Wortliste oder über eine Konkordanzsuche kann man diese Probleme leicht aufdecken.

All die beschriebenen Methoden sind kein vollwertiger Ersatz für professionelle Programme wie CLAT oder Acrolinx IQ, die an und für sich sehr empfehlenswert sind. Aber es muss nicht immer Kaviar sein, und man kann durch die systematische Anwendung dieser Methoden durchaus Dokumentationen sprachlich optimieren. Besonders wenn die Texte anschließend in mehrere Sprachen übersetzt werden, kann man spürbare Einsparungen erzielen. Wer regelmäßig seine Texte auf diese Art und Weise prüfen möchte, kann Synonymlisten pflegen und einige Schritte durch das Erstellen von Makros bzw. Skripten oder durch den Zukauf kleinerer Anwendungen wie ChangeAssistant bequemer machen.

[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 3/2009. Bild: TimurD, Fotolia.de.]

Spiel mir das Lied vom Murmeltier - Filmtitel-Übersetzungen besser als ihr Ruf

Die Übersetzung von Filmtiteln ist ein schwieriges Unterfangen. Vielleicht spart man sich deshalb heute oft diese Mühe und belässt es bei gut der Hälfte aller Importfilme einfach beim Originaltitel – selbst auf die Gefahr hin, dass der Zuschauer dessen Bedeutung nicht begreift. So dürften die meisten Kinogänger, die Pulp Fiction gesehen haben, nicht wissen, dass das übersetzt “Schundliteratur” bedeutet.

Manchmal wird der englische Titel deshalb so verändert, dass er für Zuschauer mit durchschnittlichen Englischkenntnissen verständlich wird. Diese Strategie verfolgt der Filmverleiher Kinowelt. So wandelte sich Sandra Bullock von Miss Congeniality bei uns zu Miss Undercover. Bei Constantin, dem größten deutschen Filmproduzenten und Filmverleih, werden ausländische Filmtitel grundsätzlich übersetzt, so ein Vorstandsmitglied vor Kurzem in einem Zeitungsinterview: „Wir versuchen mit allen unseren Filmtiteln den jeweiligen Film bestmöglich für unser Publikum zu beschreiben und den Kern der Produktion zu treffen.” Das sei mit deutschen Titeln einfacher. Die Übersetzung erfolge ohne Rücksprache mit dem Lizenzgeber. „Man vertraut auf unsere lokale Marktkenntnis.”

Beispiele für misslungene oder einfach nur dämliche Filmtitel-Übersetzungen werden in den Medien immer wieder angeführt. So wurden etwa aus den Wise Guys mit Danny DeVito und Harvey Keitel im Deutschen Zwei Superpflaumen in der Unterwelt. Tom Hanks und Dan Aykroyd spielten die Hauptrollen in Dragnet, einem Streifen, der als Schlappe Bullen beißen nicht in unsere Kinos kam. Und The Revenge of the Pink Panther wurde hierzulande als Inspektor Clouseau, der irre Flic mit heißem Blick präsentiert.

Gelungene Übersetzungen werden hingegen nur selten von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Filmtiteln, die im Deutschen weit besser sind als das nichts sagende, belanglose Original. Beispiele gefällig?

  • North by Northwest (1959, Hitchcock-Klassiker) > Der unsichtbare Dritte
  • Mr. Terrific (1967, Fernsehserie) > Immer wenn er Pillen nahm
  • The Glass Bottom Boat (1966, mit Doris Day) > Spion in Spitzenhöschen
  • Don’t Look Now (1973) > Wenn die Gondeln Trauer tragen
  • Annie Hall (1977, von und mit Woody Allen) > Der Stadtneurotiker
  • Antz (1999, Animationsfilm) > Das große Krabbeln
  • Chicken Run (2000, Animationsfilm) > Hennen rennen
  • Shark Tale (2004, Animationsfilm von den Machern von Shrek) > Große Haie, kleine Fische

Manche besonders gelungene Übersetzung hat sich gar zu einem geflügelten Wort entwickelt:

  • The Avengers (1961, Fernsehserie) > Mit Schirm, Charme und Melone
  • C’era una volta il West (1968, englischer Titel: Once Upon a Time in the West) > Spiel mir das Lied vom Tod
  • Groundhog Day (1993) > Und täglich grüßt das Murmeltier

Wer nicht nur lästert, sondern genau hinschaut, erkennt schnell, dass auch bei Filmtiteln die alte Übersetzerweisheit gilt: Gute Übersetzungen sind besser als das Original.

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Studie: Englische Filmtitel werden immer seltener eingedeutscht. 47 Prozent behalten Originaltitel.

[Text: Richard Schneider. Quelle: eigene Notizen; Derwesten, 2009-08-07. Bild: ktsdesign, fotolia.de.]

Kritik an uneinheitlicher und später Übersetzung von Geschäftsberichten

BörsenkurseAm 2. April 2009 veröffentlichte der französische Haut Conseil du Commissariat aux Comptes eine Stellungnahme, die festschreibt, dass Abschlussprüfer nicht befugt sind, die Übersetzung der Geschäftsberichte von Unternehmen vorzunehmen, deren Jahresabschlüsse sie prüfen. Dies dürfte bei manchen Unternehmen zu Änderungen bei den Übersetzungsabläufen führen. Hinzu kommt, dass die europäischen Melde- und Transparenzvorschriften eine gleichzeitige Veröffentlichung für alle Marktteilnehmer im In- und Ausland vorschreiben. Aber werden diese Vorgaben auch eingehalten?

Übersetzungen von Pflichtveröffentlichungen werden heute von mindestens ebenso vielen Interessenten gelesen wie die in der Ursprungssprache verfassten Texte. Das auf die Erstellung und Übersetzung von Geschäftsberichten spezialisierte französische Unternehmen Labrador hat deshalb eine Umfrage zur gängigen Praxis bei der Übersetzung ins Englische durchgeführt.

Die Befragung von Unternehmen des französischen SBF120 und des Dow Jones Stoxx50 ergab, dass französische Unternehmen auf diesem Gebiet Defizite aufweisen. Vor allem die Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung der französischsprachigen Dokumente und ihrer englischen Übersetzung ist meist zu hoch.

Ende Mai 2009 hatten sämtliche Unternehmen des Dow Jones Stoxx50 die englischsprachige Übersetzung ihrer Referenzdokumente veröffentlicht. Hingegen war dies nur bei 79 % der Unternehmen des SBF120 (95 % des CAC40, 70 % des SBF80) der Fall. Nur 37 % hatten beide Sprachversionen gleichzeitig oder annähernd gleichzeitig veröffentlicht (innerhalb einer Woche). Meist verstreichen zwischen der Veröffentlichung beider Sprachversionen zwei bis sieben Wochen.

Laurent Rouyrès„Diese Unternehmen sollten sich fragen, ob eine derart verzögerte Veröffentlichung überhaupt noch relevant ist. Denn die englischsprachigen Interessenten dürften sich die Informationen bis dahin bereits auf anderen Wegen verschafft haben“, betont Laurent Rouyrès (Bild), President und Managing Director von Labrador.

Ein weiterer Stein des Anstoßes: die Vergleichbarkeit der französisch- und englischsprachigen Dokumente. Beide Versionen enthalten nur bei 54 % der Unternehmen des CAC 40 und nur bei 40 % der Unternehmen des SBF80 identische Informationen (gleiche Paginierung, gleiches Inhaltsverzeichnis). Bei 31 % der Unternehmen des CAC40 und 44 % der Unternehmen des SBF80 weisen die Dokumente zwar dasselbe Inhaltsverzeichnis auf, jedoch nicht dieselbe Seitenanzahl, was die Kommunikation zwischen französisch- und nicht französischsprachigen Lesern erschwert. Diese Diskrepanzen wurden unter anderen auch in den interaktiven elektronischen Versionen der Dokumente festgestellt. Und 15 % der Unternehmen des CAC40 und 16 % der Unternehmen des SBF80 veröffentlichen in jeder Sprache völlig andere Dokumente.

Noch größere Verwirrung stiften die unterschiedlichen Titel, die den Übersetzungen gegeben werden: Die Unternehmen des CAC40 verwenden meist die Bezeichnung „Registration document“ (31 %), so wie dies vom Amtsblatt der Europäischen Union und von der englischen Übersetzung der Allgemeinen Regeln der französischen Börsenaufsicht AMF empfohlen wird. Unternehmen des SBF80 tendieren zur Überschrift „Reference document“ (34 %), während die entsprechenden Dokumente des Dow Jones Stoxx50 mit „Annual report“ (57%) und „20F“ (33 %) betitelt werden.

„Obwohl die Veröffentlichung der Referenzdokumente strikten gesetzlichen Bestimmungen unterliegt, ist die übliche Praxis weit von einer Standardisierung entfernt. Unternehmen, die ihre französisch- und englischsprachigen Dokumente gleichzeitig veröffentlichen, erstellen meist auch gleichartig strukturierte Dokumente. Eine Standardisierung würde die Vergleichbarkeit der Informationen sowie ihre Zugänglichkeit vereinfachen und den Zeitraum bis zu ihrer Veröffentlichung verkürzen“, analysiert Laurent Rouyrès.

Auch die Unternehmen selbst sind sich darüber im Klaren, dass hier Nachholbedarf besteht: Auch wenn nahezu alle Unternehmen angeben, mit der englischen Übersetzung zufrieden zu sein, würden sie dennoch gerne den Übersetzungsprozess optimieren, um eine schnellere Veröffentlichung zu ermöglichen.

Die Umfrage von Labrador konzentrierte sich auf die Referenzdokumente für das Jahr 2008, die seit dem 31. Mai 2009 erhältlich sind, d. h. 108 Dokumente in französischer Sprache und 85 entsprechende englische Übersetzungen, sowie 42 Dokumente in englischer Sprache, die von den Unternehmen des Dow Jones Stoxx50 (ausschließlich CAC40) veröffentlicht wurden. Die Antwortquote der Umfrage lag bei 23 % der Unternehmen des SBF120 (einschließlich 1 von 3 Unternehmen des CAC40). Daneben antworteten auch 4 Unternehmen des Dow Jones Stoxx50.

Labrador
Labrador wurde 1992 von Laurent Rouyrès gegründet und ist das einzige Unternehmen in Frankreich, das die Erstellung, Überarbeitung und Übersetzung von Pflichtveröffentlichungen an der Börse zu seinem Kerngeschäft gemacht hat. Labrador beschäftigt sich mit allen Arten periodischer Finanzdokumente, vor allem solchen, die im Rahmen von Wertpapierangeboten für börsennotierte Unternehmen benötigt werden. Labradors optimiert die Klarheit, Verständlichkeit, Kohärenz und Vergleichbarkeit der Texte. Die jüngsten Forderungen nach mehr Transparenz bei börsennotierten Unternehmen kurbelten die Geschäftstätigkeit von Labrador weiter an.

[Text: Labrador, überarbeitet von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Labrador, 2009-06-23. Bild: bilderbox, fotolia.de; Labrador.]

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