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Archiv der Kategorie Übersetzen
“OderÜbersetzen”: Zweite Ausgabe des deutsch-polnischen Übersetzerjahrbuchs veröffentlicht
28.4.2012 von Jessica Antosik.
Anfang März 2012 wurde das neue Übersetzerjahrbuch OderÜbersetzen im Goethe-Institut Warschau vorgestellt. Zum einen richtet es sich an Übersetzungspraktiker und Translationswissenschaftler. Zum anderen widmet es sich an alle, die sich für das Thema Übersetzen interessieren, sowie an im deutsch-polnischen Kultur- und Literaturaustausch Involvierte.
Das Übersetzerjahrbuch beinhaltet wissenschaftliche Übersetzungsanalysen, literarische Übersetzungen und Interviews mit Übersetzern. Außerdem enthält OderÜbersetzen Beiträge sowohl in deutsche als auch in polnischer Sprache. Zweisprachig sind jedoch nur Auszüge aus den literarischen Übersetzungen.
Das Inhaltsverzeichnis der zweiten Ausgabe von OderÜbersetzen finden Sie hier.
Ins Leben gerufen wurde das Jahrbuch OderÜbersetzen 2009 am Collegium Polonicum in Słubice, wo es aus herausgegeben wird. Gefördert wird es von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung.
Auf der Website des Goethe-Instituts Polen hat man die Möglichkeit, ausgewählte Fragmente der Vorstellung der zweiten Ausgabe auf Polnisch anzuhören. Dabei stellte die Germanistin Prof. Bożena Chołuj das Jahrbuch OderÜbersetzen vor und sprach über Übersetzer. Die Verlegerin Beata Stasińska berichtete über die Situation des polnischen Buchmarktes und darüber, wie schwierig es ist, selbst bei guten Autoren einen Verkaufserfolg zu erzielen. Darüber hinaus sprach sie über den Status, die Bedeutung und die finanzielle Lage der Übersetzer sowie über Internetpublikationen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: goethe.de. Bild: goethe.de.]
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Warum sind US-Verlage so übersetzungsfaul?
17.4.2012 von Jessica Antosik.
Heutzutage spielen Übersetzungen im US-Buchmarkt kaum eine Rolle. Worauf dies zurückzuführen ist, erklärt Riky Stock in einem Interview mit dem buchreport. Riky Stock ist seit 2002 Leiterin des German Book Office (GBO) in New York, einem Tochterunternehmen der Frankfurter Buchmesse. Ihre Aufgabe ist es, in New York Bücher “Made in Germany” der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 1999 lebt die gebürtige Husumerin in den Vereinigten Staaten von Amerika und kennt die Tücken des Lizenzgeschäfts aus erster Hand. Sie war Scout für Mary Anne Thompson Associates und anschließend zwei Jahre Senior Rights Associate in der Lizenzabteilung von HarperCollins.
In dem Interview berichtet sie, wie klein die Fortschritte sind:
Klein ist in der Tat das richtige Wort, wir bewegen uns langsam voran. Die USA sind ein schwieriger Markt für Übersetzungen, nicht nur für Bücher aus Deutschland. Es gibt keine verbindlichen Statistiken, aber die berühmte 3%-Faustregel, also der Anteil der Übersetzungen an den Neuerscheinungen pro Jahr, trifft es schon recht gut. Manchmal treibt das aber auch Blüten. Die Märchen der Brüder Grimm kennt hier jeder, nur weiß kaum einer, dass sie deutschen Ursprungs sind. Cornelia Funke ist ein weiteres Beispiel. Sie lebt in Los Angeles, also muss sie Amerikanerin sein.
Darauf, ob sie abends frustriert nach Hause geht, antwortet sie:
Selten, denn natürlich sind wir in den letzten Jahren ein Stück weitergekommen, obwohl wir nur ein kleines Büro sind. Unsere Aufgabe ist es zudem nicht, den Leser direkt zu erreichen, sondern die Schaltstellen, also Lektoren, Kritiker, Scouts. Dafür haben wir uns starke Partner gesucht und machen so viel Lärm wie nur möglich. Alle deutschsprachigen Kulturorganisationen in New York machen mit, egal ob Deutsches Generalkonsulat, Goethe-Institut, Deutsches Haus at Columbia University bzw. New York University oder Austrian Cultural Forum. Unser „Festival Neue Literatur“, das kürzlich zum dritten Mal stattgefunden hat, wurde erstmals von der New Yorker Veranstaltungsbibel „Time Out“ berücksichtigt; darauf sind wir schon sehr stolz.
Warum die US-Verlage so übersetzungsfaul sind, erklärt sie sich so:
Zum einen gibt es kaum Lektoren, die Deutsch sprechen, was die Sache nicht leichter macht. Zum anderen stehen die amerikanischen Lektoren unter weit mehr Erfolgsdruck als ihre deutschen Kollegen.
Die Frage, ob es noch Hoffnungsschimmer gibt, beantwortet Stock folgendermaßen:
Immer. Gefühlt ist das Interesse vor allem der Universitätsverlage an Büchern aus Deutschland gewachsen. Lektoren sehen sich häufiger um und fragen auch bei uns nach, was es im Sachbuch so gibt. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie auch Rechte kaufen, aber ein Anfang ist gemacht. Gleiches gilt für gehobene Literatur und auch für Kinderbücher.
Das vollständige Interview können Sie auf der buchreport-Website abrufen. Der buchreport ist das seit 1970 erscheinende Fachmagazin der deutschsprachigen Buchbranche (Buchhandel, Verlage und deren Dienstleister).
[Text: Jessica Antosik. Quelle: buchreport.de, 04.04.2012. Bild: Archiv.]
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Übersetzer mit dem Albatros-Preis ausgezeichnet
12.4.2012 von Janine Fischer.
Am morgigen Freitag, den 13.04.2012, wird der renommierte Albatros-Preis in Bremen an den US-Autor Dave Eggers verliehen. Seit dem Jahr 2006 wird der Albatros-Preis alle zwei Jahre vergeben. Er zählt zu den Preisen, die am höchsten dotiert sind.
Mit diesem Preis der Günter-Grass-Stiftung, der insgesamt mit 40.000 Euro dotiert ist, werden auch seine Übersetzer Ulrike Wasel und Klaus Timmermann ausgezeichnet. Eggers bekommt die Auszeichnung für seinen Roman “Zeitoun“.
Das Buch handelt von einer amerikanisch-syrische Familie, die unschuldig ins Visier von Terrorismusfahndern gerät. Die Jury wertete den Roman als wichtigen Diskussionsbeitrag und als beeindruckendes Plädoyer für Zivilcourage.
Eggers spendet seinen Teil des Preisgeldes an den Verein “Gegen das Vergessen – für Demokratie“, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt.
[Text: Janine Fischer. Quelle: Logo Radio Bremen.]
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Basel: Stetig steigende Dolmetschkosten für Justiz und Polizei
6.12.2011 von Richard Schneider.
Die Stadt Basel in der Schweiz klagt über stetig steigende Dolmetsch- und Übersetzungskosten für “delinquierende Asylsuchende und Kriminaltouristen aus Osteuropa”. Gerichte, Staatsanwaltschaft und Polizei müssen zusammen pro Jahr mehr als 355.000 Euro aufwenden. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft erklärt: “Wir brauchen die ganze Palette von Sprachen. Natürlich gehören auch europäische Sprachen wie Englisch oder Französisch dazu, doch vielfach geht es um afrikanische Sprachen, um Albanisch, Türkisch oder Arabisch.” Basel liegt im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz und hat gut 170.000 Einwohner. Die Basler Zeitung beziffert die Kosten wie folgt:
Die Justiz muss zunehmend Übersetzer beiziehen. Die Dolmetscherkosten der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt bewegen sich zwischen 2009 und 2011 zwischen rund 230′000 [186.312 Euro] und 250′000 Franken [202.513 Euro] pro Jahr. Hier ist über mehrere Jahre gesehen ein Anstieg festzustellen. Am meisten Dolmetscher braucht die Kriminalpolizei mit 37 Prozent, dazu die Allgemeine Abteilung mit 28 Prozent, gefolgt von der Jugendanwaltschaft mit 18 Prozent und der Wirtschaftsabteilung mit 17 Prozent. Gleich sieht es am Gericht aus: «Wir haben tendenziell mehr Übersetzungskosten», sagt Thomas Schweizer, Verwaltungschef am Strafgericht Basel-Stadt. Wendete das Strafgericht im Jahr 2000 noch rund 77′000 Franken [62.373 Euro] für Dolmetscher auf, so waren es 2009 rund 87′000 [70.474 Euro] und 2008 gut 90′000 Franken [72.904 Euro].
Die Baselbieter Gerichte geben für Dolmetscherentschädigungen pro Jahr rund 80′000 Franken aus [64.804 Euro], hinzu kommen 25′000 Franken [20.251 Euro], welche das Strafgericht Basel-Landschaft für Übersetzungstätigkeiten aufwenden muss. Die Baselbieter Gerichte verzeichnen «eine steigende Tendenz», erklärt Daniel Maritz, leitender Gerichtsschreiber am Strafgericht, Zwangsmassnahmengericht und Jugendgericht Basel-Landschaft.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Basler Zeitung, 2011-12-04. Bild: uepo-Archiv.]
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Übersetzer, die stillen Helfer der Globalisierung
21.10.2011 von Jessica Antosik.
Jeder hat sicherlich schon einmal eine schlecht übersetzte Montageanleitung in den Händen gehabt. Umso mehr wird eine gute Übersetzung geschätzt. Heutzutage wird so viel übersetzt wie nie zuvor – von Weltliteratur, Beipackzetteln bis zum Text auf dem Joghurtbecher. Ohne Sprachdienstleistungen würde die globalisierte Welt nicht mehr funktionieren.
Doch manchmal ist da einfach Hass. “Hass auf den Autor, sein Buch und die ganze Welt”, berichtet die Literaturübersetzerin Brigitte Döbert. Kein Übersetzer gebe solche Phasen seiner Arbeit gern zu, ergänzt sie. Denn oft schlage Hass auf ein Buch später in heiße Liebe um.
Der Bedarf an Übersetzungen wächst kontinuierlich. Nach Angaben des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) gibt es in der Bundesrepublik Deutschland 40.000 Übersetzer. Innerhalb von acht Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. Der BDÜ schätzt die Ausgaben für Schriftgut in anderen Sprachen in Deutschland auf bis zu eine Milliarde Euro im Jahr – mit zehnprozentigen Wachstumsraten.
Nach Untersuchungen des BDÜ benötigen rund 80 Prozent der Unternehmen im Exportland Nr.1 Sprachmittler. Auf der anderen Seite sieht die Situation genauso aus. Da Anleitungen auf Deutsch Pflicht sind, müssen auch Unternehmer aus dem Ausland einen Übersetzer engagieren. Allerdings verläuft dies nicht immer ohne Probleme. Oftmals lesen Kunden seltsame Sätze wie: “Hochangeschlagene Qualität kann geschlagen, gehämmert und gefalten werden.”
Benedikt Hendan, Sachverständiger für Bedienungsanleitungen beim TÜV Süd, hält lediglich ein Viertel der Instruktionen, die er prüft, für korrekt. Oft seien die Anleitungen schon im Ursprungsland mangelhaft, berichtet er. “Da wird ein alternder Ingenieur rangesetzt, der keine Ideen mehr hat. Aber leider auch keine Ahnung von Didaktik.”
Ähnlich wie sich ein Literaturübersetzer in die Romanfigur hineinfühlen muss, braucht ein Technikübersetzer einen Sachverstand und muss sich in die Maschine hineinfühlen. Zudem sollte ein technischer Übersetzer die kulturellen Unterschiede kennen. “In Asien kann eine Betriebsanleitung aussehen wie ein Manga. Bunte Männchen würden bei uns aber nicht funktionieren”, erklärt Hendan. In den Vereinigten Staaten von Amerika sei es Pflicht, darauf hinzuweisen, dass es verboten ist, seinen Hund in der Mikrowelle zu trocknen.
Schlampige Übersetzungen können die Unternehmen im schlimmsten Fall, wenn beispielsweise Unfälle auf fehlerhafte Anleitungen zurückzuführen sind, teuer zu stehen kommen. Dann haftet nämlich das Unternehmen für den Schaden. Was sollte ein Unternehmen in Service inklusive Übersetzung investieren? “Ein Drittel des Produktpreises”, schätzt der Sachverständige beim TÜV Süd.
In Zeiten des Internets versuchen viele, Geld zu sparen und Texte auf Internetportalen o.Ä. kostenlos automatisch übersetzen zu lassen. Die Vize-Präsidentin des BDÜ, Norma Kessler, sieht darin jedoch keine Konkurrenz. “Der Mensch als Übersetzer wird bleiben.” Auch in Zukunft würden Maschinen nicht mit Metaphern und stilistischen Feinheiten zurechtkommen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: n-tv.de, 30.09.2011.]
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Wiener Fachkongress “Lost in Translation”: Über Aufgaben und Probleme von Übersetzern
19.9.2011 von Jessica Antosik.
Übersetzer sind mehr als nur Sprachmittler. Sie schieben nicht nur Wörter von einer Sprache in eine andere, sondern erklären einem bestimmten Publikum auch die Zusammenhänge und Hintergründe. Die Schwierigkeit für den Übersetzer besteht nun darin, dass er wissen muss, was er von seinem Publikum erwarten kann, um zu entscheiden, ob er etwas näher beschreiben muss oder eben nicht. “Man muss kein Sprachwissenschafter sein, um ein guter Übersetzer zu sein. Aber was man braucht, ist ein theoretisches Wissen darüber, wie Kommunikation funktioniert, sowie über Kulturen und kulturelle Unterschiede”, sagt Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Klaus Kaindl (Bild rechts), Übersetzungswissenschafter und Leiter des Kongresses “Lost in Translation” für Forscher und Berufsvertreter in Wien. Eine gute Übersetzung muss kulturelle Unterschiede überbrücken. “Erklären von kulturell bedingtem Verhalten ist das eigentliche Geschäft des Übersetzers”, so Kaindl.
“Hier hat das Badengehen im Sommer Kultur. Im Englischen haben wir keine Wörter für Strandbad, Seebad, Strombad, Waldbad, Badeort oder Baderaum, sondern es gibt nur ‘Pool’ oder ‘Beach’”, erzählt Brett Fitzpatrick, ein in Großbritannien geborener, in Wien ansässiger Übersetzer.
Des Weiteren geht Kaindl auf bestimmte Probleme von Übersetzern ein. Wie sollte ein Übersetzer beispielweise vorgehen, wenn ein Wort in der Zielsprache nicht existiert? Nach Angaben von Kaindl haben Übersetzer mehrere Möglichkeiten. Entweder sie schaffen ein neues Wort oder übersetzen wortwörtlich (dies ist z.B. bei dem englischen Wort “Skyscraper” und der deutschen Entsprechung “Wolkenkratzer” der Fall). Ferner können die Übersetzer schlichtweg Worte weglassen. Dadurch sind Übersetzungen, je nach Sprachrichtung, häufig ein Viertel oder gar ein Drittel kürzer als das Original.
Laut Kaindl handelt es sich beim Übersetzer um eine praktische Tätigkeit, die, um professionell ausgeübt zu werden, wissenschaftliche Reflexion erfordert. “Ein Architekt ist auch kein Wissenschaft[l]er, aber er braucht viel theoretisches Wissen, um ein Haus zu bauen. Genauso ist es auch beim Übersetzen, das dem Spruch zufolge ja auch das zweitälteste Gewerbe der Welt ist.”
Übersetzer und Dolmetscher führen ein Schattendasein. “Wer kennt den Übersetzer der Bücher, die er liest? Niemand. Die Gesellschaft nimmt sie kaum wahr, höchstens wenn ein Fehler passiert”, sagt Kaindl. Doch Übersetzer und Dolmetscher sind für unsere Gesellschaft unabkömmlich. Ohne Dolmetscher gäbe es weder internationale Konferenzen, diplomatische Beziehungen noch Staatstreffen. Allerdings besteht zwischen ihrer Wichtigkeit und Sichtbarkeit ein tiefer Gegensatz. “Ohne Übersetzer gäbe es keine Weltliteratur”, merkt Kaindl an. Zudem ist Übersetzen Macht, denn die Übersetzung eines Buches nicht der Schriftsteller des Originals, sondern der Übersetzer geschrieben. Aus diesem Grund spielt Berufsethik eine wichtige Rolle. Jeder Mensch hegt bestimmte Erwartungen, aber man darf von einem Übersetzer nicht vollkommene Neutralität voraussetzen. “Es gibt da viele Metaphern. Der Übersetzer soll wie eine Glasscheibe sein, durch die man durchsieht, ohne sie zu bemerken. Das geht nicht. Verstehen ist kein neutraler Akt”, erklärt Kaindl.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: wienerzeitung.at, 17.09.2011. Bild: transvienna.univie.ac.at.]
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Filmsynchronisation und Untertitelung für ein hispanoamerikanisches Publikum
23.7.2011 von Jessica Antosik.
Am 7. Juli 2011 hielt Dr. Maribel Cedeño von der Universität Siegen einen Gastvortrag am Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK Germersheim) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zum Thema “Filmsynchronisation und Untertitelung für ein hispanoamerikanisches Publikum. Venezuela als exemplarischer Fall”.
Kurz einige Informationen zu Dr. Maribel Cedeño Rojas: Sie ist in Caracas (Venezuela) geboren, studierte Übersetzen und Dolmetschen an der Universidad Central de Venezuela (UCV) und ist seit dem Jahr 2000 als Übersetzerin audiovisueller Medien tätig. Sie unterrichtete Fachübersetzen und Jugendsprache in Deutschland an der UCV und ist Lektorin für Spanisch an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, an der ihre Dissertation entstand.
Die Mischung des Spanischen und Englischen in Filmen stieß weltweit auf Kritik. Die Kubaner waren die Ersten, die sich gegen Filme in englischer Sprache aussprachen. In Italien, Mexiko und Ungarn wurden fremdsprachige Filme sogar per Gesetz verboten. In der Tschechoslowakei allerdings wurden im Jahre 1930 in den Kinos sogar deutsche Filme gezeigt. In den 30er-Jahren entstanden in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, erste Tonfilme mit Dialogen in spanischer Sprache und damit wurde ein hispanoamerikanischer Filmmarkt geschaffen. Ende der 30er-Jahre gab es dort mehr Sprech- als Stummfilme.
Da die USA viele Kinos in Venezuela gekauft haben, werden US-amerikanische Filme meist synchronisiert. Nicht erfolgreiche Film dagegen werden häufig nur untertitelt. Originalfilme mit Untertiteln sowie die synchronisierte Version und die reinen Originalfilme werden zu verschiedenen Uhrzeiten in Venezuela vorgeführt.
Nun zum technischen Aspekt der Filmsynchronisation. Der Übersetzer bekommt den Film und muss diesen in eine andere Sprache übertragen, der wiederum von Synchronschauspielern besprochen wird. Der Übersetzer muss auf die Aussprache ausländischer Namen, auf Pausen und vor allem bei Großaufnahmen auf die Lippensynchronität achten. Somit hat der Übersetzer die Aufgabe, einerseits den Sinn des Ausgangstextes wiederzugeben und andererseits die Lippenbewegungen im Hinterkopf behalten. Den Darstellern soll der Text nämlich “auf die Lippen geschrieben” werden. Im Anschluss an die Aufnahme wird eine Qualitätsprobe durchgeführt, in der ein Publikum “probeschaut” und ggf. Korrekturen vorgenommen werden.
Die Vorgehensweise bei der Untertitelung unterscheidet sich von der der Filmsynchronisation. Eine Gemeinsamkeit liegt in der Überwindung hörbarer Sprachbarrieren und im kulturellen Transfer. Der Übersetzer erhält das Videomaterial auf DVD oder CD und die Texte werden ihm zusätzlich per E-Mail zugeschickt. Früher wurden ihm die ausgedruckten Texte ausgehändigt. Mit einem bestimmten Programm arbeitet der Übersetzer an dem Zieltext. Hierbei muss er die Ein- und Ausblendezeit der Untertitel sowie die Textmenge beachten, damit der Zuschauer den Untertiteln mühelos folgen kann. Die Sätze sollten klar strukturiert, leicht verständlich sein und nebeneinander gereiht werden. Das Layout, d.h. die Größe oder beispielsweise die Farbe der Untertitel, spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Ferner muss die Platzierung der Untertitel berücksichtigt werden. Diese sollten nicht mitten auf dem Gesicht des Schauspielers zu lesen sein. Ist der Übersetzer damit fertig, simuliert er das Endprodukt und schaut, ob die Untertitel zu lang oder kurz sind oder ob der Inhalt des Zieltextes mit dem des Ausgangstextes übereinstimmt. Des Weiteren darf es nicht zu Überschneidungen der Untertitel kommen. Die Untertitelung ist, im Gegensatz zur Synchronisation, kostengünstig, schnell realisierbar und wird aus diesen Gründen oft angewandt. Die Nachteile in Untertiteln liegen darin, dass sie teilweise als störend empfunden werden und von der Handlung des Films ablenken.
Spanisch ist Amtssprache in über 20 Ländern. Somit existieren viele Varietäten des Spanischen. Es gibt unzählige Akzente und Regionalismen. Das Spanisch, das in Spanien gesprochen wird, weicht in der Intonation, Morphologie, Lexik etc. vom hispanoamerikanischen Spanisch ab. Untertitel und synchronisierte Filme sollten aber weder Regionalismen aus Spanien noch aus Hispanoamerika enthalten. Die Filme sollen nämlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können.
Es gestaltet sich schwierig, einen Film ins Spanische zu untertiteln oder zu synchronisieren, da sich die Frage stellt, welche Varietät des Spanisch gewählt werden soll. Aus diesem Grund wurde ein Kompromiss zur überregionalen Verständigung gefunden. Man bedient sich eines sog. “español neutro”, ein Standardspanisch, das das Ergebnis eines Neutralisierungsprozesses sowie plurivalent ist. Alle Personen, ob gebildet oder ungebildet, arm oder reich, sollten dieses Spanisch problemlos verstehen können, da es keine regionalen Elemente enthält. Der argentinische “yeísmo” beispielsweise wird gemieden.
Dennoch gibt es ein Problem, und zwar hört sich das “español neutro” künstlich an, weil es von niemandem gesprochen wird. Die Übersetzer sollen sich an eine Liste mit Tabuwörtern halten, um so auf regional markierte Begriffe zu verzichten. Wörter, die in anderen spanischsprachigen Ländern bestimmte Konnotationen haben, sollen nicht benutzt werden. Dies ist zum Beispiel bei dem Wort “coger” der Fall, das in einigen Ländern Südamerikas sexuelle Konnotationen hat, in Spanien allerdings “greifen” oder “nehmen” bedeutet. Stattdessen wird im Film und Fernsehen die Verwendung der Verben “tomar” oder “agarrar” bevorzugt.
Die empfohlenen Wörter sind zum Teil erfunden. Dies verdeutlicht das nachfolgende Beispiel: Statt “sándwich” soll das Wort “emparedado” für ein “Sandwich” benutzt werden, obwohl “sándwich” überall verbreitet ist und verstanden wird. Um Anglizismen allerdings aus dem spanischen Wortschatz zu verbannen, werden künstliche Begriffe geschaffen, die nur in Untertiteln vorkommen und in der Alltagssprache sonst von niemandem benutzt werden.
Es wird also zwangsweise eine überregionale Lösung gesucht. Weil Mexiko das größte hispanophone Land mit 100 Millionen Sprechern ist, gefolgt von den USA, Spanien, Kolumbien und Argentinien, kennzeichnet sich das neutrale Spanisch insbesondere durch das mexikanische Spanisch.
Da es sich bei der Sprache des Ausgangstextes oft nicht um eine Standardsprache, sondern um einen Dialekt handelt, kann in diesem Fall keine Äquivalenz geschaffen werden. Denn wenn Dialekte der Ausgangssprache mit dem “español neutro” übersetzt werden, in dem es keine Mundarten gibt, geht oftmals der Witz verloren. Die Bedeutung des Gesagten wird verändert und somit erhalten letztlich auch die Figuren im Film einen anderen Charakter. Werden Schimpfwörter, die eine sonst eher zurückhaltende, nette Person benutzt, abgeflacht, werden dem Zuschauer bestimmte, wichtige Aspekte vorenthalten, weshalb man auch durchaus von einer Zensur sprechen kann.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Vortrag am FTSK Germersheim, 07.07.2011; amazon.de. Bild: ktsdesign/Fotolia.]
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Nativy: Marktplatz für professionelle Übersetzungen
26.5.2011 von Jessica Antosik.
Nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit startet eine Webplattform für Übersetzungsdienstleistungen auf www.nativy.com. Josef Brunner und Anton Kerschbaummayr (Bild) entwickelten mit Übersetzern aus Wien eine Software für die direkte und einfache Vergabe von Übersetzungsaufträgen. Der Grund für das Projekt für Brunner und Kerschbaummayr lag in der eigenen Erfahrung mit der unprofessionellen Preisfindung und den unausgereiften IT-Lösungen bei Marktplätzen für Dienstleistungen. Die wichtigsten Kriterien für die eigene Softwarelösung waren Verhinderung von Preisdumping, direkter Kontakt mit Übersetzern, Kostenkontrolle, Qualitätskontrolle, professionelle Abwicklung sowie Adminsitration.
Bei der Auftragsvergabe erhält der Kunde einen Vorschlag zu den drei für den Auftrag am besten geeigneten Übersetzern, den Gesamtpreis für die Übersetzung sowie den Liefertermin. Der Kunde hat die Möglichkeit, die vier Vergabekriterien Preis, Zeit, Fachgebiet und bisherige Zusammenarbeit nach eigenen Anforderungen entsprechend zu gewichten. Anschließend kann der Kunde einen der drei vorgeschlagenen Übersetzer auswählen und der Arbeitsprozess beginnt. Zur Qualitätssicherung werden alle angefertigten Übersetzungen von einem zweiten Übersetzer korrekturgelesen.
Bereits 151 professionelle Übersetzer, die von Nativy gemäß der europäischen Norm für Übersetzungsdienstleistungen EN 15038 geprüft wurden, arbeiten mit nativy zusammen und bieten über 30 Sprachkombinationen an. „Wir wollen die Arbeitswelt für freiberufliche ÜbersetzerInnen verbessern und unseren Kunden eine qualitativ hochwertige, rasche und zuverlässige Übersetzungsleistung zu normalen Konditionen bieten“, so die beiden Gründer der Plattform.
Finanziell unterstützt wird Nativy vom Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) sowie vom universitären Gründerservice INiTS.
[Text: Jessica Antosik. Quellen: nativy.com; inits.at, 24.05.2011. Bild: nativy.com.]
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KULTURAUSTAUSCH: Schwerpunkt Übersetzen
14.5.2011 von Johanna Bietau.

KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven erscheint seit 60 Jahren vierteljährlich mit dem Ziel, aktuelle Themen der internationalen Kulturbeziehungen aus ungewohnten Blickwinkeln darzustellen. Autoren aus aller Welt tauschen sich über Wechselwirkungen zwischen Politik, Kultur und Gesellschaft aus. Die Zeitschrift erreicht Leser in 146 Ländern. Ein Schwerpunktthema in jeder Ausgabe fokussiert die wachsende Bedeutung kultureller Prozesse in der globalisierten Welt. Kulturaustausch wird vom Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) und dem ConBrio Verlag in Public Private Partnership herausgegeben und durch das Auswärtige Amt finanziell unterstützt.
Anlässlich des Jubiläums erschien am 2. Mai 2011 eine umfangreiche Doppelausgabe zu einem Schlüsselthema interkulturellen Dialogs – dem Übersetzen. Über die Herausforderung, für fremde Sprachen und Kulturen die richtigen Worte zu finden, berichten Übersetzer aus aller Welt. Sie erzählen, wie wir uns anderen Sprachen annähern, ohne sie jedoch vollständig übertragen zu können.
Internationale Autoren beleuchten die unterschiedlichen Facetten des Themas von der Literaturübersetzung über das Dolmetschen bis hin zu digitalen Übersetzungen im Internet. So hinterfragt die Wissenschaftlerin Esther Allen von der Columbia Universität in New York die zunehmende Bedeutung automatisierter Internetdienstleistungen für die Übersetzungsarbeit. Dass mit aussterbenden Sprachen immer auch kulturelles Wissen verloren geht, beschreibt die Englischprofessorin Suzanne Romaine im Interview. Und Recai Hallaç, der für Angela Merkel und Orhan Pamuk dolmetscht, erzählt, dass er manchmal beim Übersetzen Dinge erfährt, die ihn in Gewissenskonflikte bringen.
Seit dem 2. Mai ist die neue KULTURAUSTAUSCH-Ausgabe II+III / 2011 „What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen” an einigen Bahnhofs- und Flughafenkiosken erhältlich. Ausgewählte Artikel mit weiterführenden Informationen zu Autoren und Themen finden Sie auf der Website der ifa.
[Text: Johanna Bietau. Quelle: Pressemitteilung ifa. Bild: ifa.]
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„Übersetzt du noch oder verstehst du schon?“ – Stimuliert die Sense
25.4.2011 von Jessica Antosik.
Der 51-jährige Bernd M. Samland, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Markenagentur Endmark GmbH in Köln, ist Lehrbeauftragter der Universität zu Köln. Seit 1993 ist er als Markenberater und -entwickler tätig. Des Weiteren wirkt er als Fachbuchautor. In seinem im März erschienenen Buch Übersetzt du noch oder verstehst du schon? hat man die Möglichkeit, in die Wunderwelt der Werbesprache einzutauchen. Der Experte für Werbeslogans bietet einen ultimativen Streifzug durch das Gestrüpp falsch verstandener englischer Werbung – vom “Euro-Schüttelflug” (Air Berlins “Fly Euro Shuttle”) bis zur “Bienen-Inspektion” (”Be inspired” von Siemens Mobile) ist alles dabei. Der Spruch der bekannten Automarke FORD “Feel the Difference” wurde zum Teil mit “Fühle das Differenzial” anstatt mit “Erlebe den Unterschied” übersetzt. Lost in Translation – das Buch führt durch den Dschungel des Werbe-Englisch, amüsiert, liefert aber auch viel Hintergrundwissen. “Komm rein und finde wieder raus” (”Come in and find out” – Douglas). “Sein Buch schafft, was Loewe verspricht: ‘Stimulate your senses’, es stimuliert die Sense.” (Buchszene )
Hier besteht die Möglichkeit, in das Buch reinzublättern.
Zum Buch
Bernd M. Samland: Übersetzt du noch oder verstehst du schon? – Werbe-Englisch für Anfänger. 160 Seiten. ISBN: 978-3-451-30417-0. Verlag Herder, Freiburg, März 2011. 12,00 Euro.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: herder.de; endmark.de. Bild: herder.de.]
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