Wolfsburg baut interkulturelle Stadtverwaltung auf – Sprachpool besteht aus angestellten Mitarbeitern

Wolfsburger Skyline

Sicht vom Schillerteich-Center über die Innenstadt. Links die zur Weihnachtszeit angeleuchteten Schornsteine des Heizkraftwerks, rechts die grün leuchtende Volkswagen-Arena.

Die 124.000 Einwohner zählende Stadt Wolfsburg hat einen Sprachpool eingerichtet, um die 2015 ausgerufene Gemeinschaftsaufgabe „Interkulturelle Stadtverwaltung Wolfsburg“ zu verwirklichen.

Die darin tätigen Dolmetscher sind zwar Laien. Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten beschäftigt Wolfsburg aber keine externen Laien. Vielmehr handelt es sich ausnahmslos um festangestellte Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Man organisiert den Dolmetscherpool also so, wie es zum Beispiel auch Krankenhäuser tun, nämlich intern.

In einer Pressemitteilung heißt es:

Eine enorme Hürde stellen sprachliche Barrieren dar, wenn Kunden die deutsche Sprache noch nicht beherrschen oder diese noch nicht so beherrschen, dass die Gespräche beiderseits gut verständlich ablaufen können.

Da die Amtssprache gesetzmäßig Deutsch ist, werden rechtsverbindliche Auskünfte auf Deutsch erteilt. Im Verwaltungsalltag ist es jedoch häufig erforderlich, zusätzliche Sprachkompetenzen einzubringen. Hier ist es sinnvoll, als Dienstleisterin auf die Bedarfe der Bürger einzugehen.

Verwaltungsvorstand hat Integrationsreferat beauftragt, einen Sprachpool aufzubauen

Sprachpool Wolfsburg

Diese Mitglieder der Stadtverwaltung engagieren sich im Sprachpool.

Sylvia Cultus, Leiterin des Integrationsreferats, hebt hervor: „In einer Bedarfsabfrage haben nahezu alle Geschäftsbereiche und Referate mitgeteilt, dass Unterstützung zur Überwindung von sprachlichen Barrieren erforderlich ist. Das Integrationsreferat hat vom Verwaltungsvorstand den Auftrag erhalten, einen Sprachpool zu gründen. Die Stadtverwaltung Wolfsburg geht mit einer Vorbildfunktion in Sachen interkultureller Kompetenz vor.“

Gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Personal wurde dementsprechend die Struktur für den Sprachpool erarbeitet. Peter Wagner, Gesamtpersonalrat der Stadtverwaltung sagt: „Etwa 60 Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit Fremdsprachenkompetenzen unterstützen Kollegen als Dolmetscher im Rahmen Ihrer Arbeitszeit.“

Judith Sollors, Mitarbeiterin im Geschäftsbereich Personal, erklärt: „Der Sprachpool besteht auf freiwilliger Basis. Die Dolmetscher sind darüber hinaus aufgrund ihrer dienstlichen Tätigkeit zum Datenschutz verpflichtet. Sie arbeiten grundsätzlich geschäftsbereichsübergreifend und werden regelmäßig in Dolmetsch- und Übersetzungstechniken qualifiziert.“

In der Praxis kann man es sich so vorstellen, dass bei einem anstehenden Gespräch mit einem Sachbearbeiter der Stadtverwaltung der jeweilige Bürger darauf hinweisen kann, dass er einen Dolmetscher benötigt. Die entsprechenden Sprachmittler können dann zu den Gesprächen hinzugezogen werden. Dies benötigt zur Planung einen Vorlauf von rund vier Tagen.

Rückmeldungen „durchweg positiv“

Wolfsburg-Logo

Das offizielle Logo der Stadt Wolfsburg.

Iris Bothe, Dezernentin für Jugend, Schule und Integration, verdeutlicht: „Die Stadt Wolfsburg ist bemüht, die interkulturelle Kommunikation mit ihren Bürgern stetig zu verbessern und greift auf verschiedene Möglichkeiten der sprachlichen Unterstützung zurück. Die Rückmeldungen, die wir von den Beteiligten erhalten, sind durchweg positiv.“

Sylvia Cultus ergänzt: „Viele der Anfragen kamen aus publikumsstarken Bereichen wie Jugendamt, Bürgerdienste oder Jobcenter. Die Themen waren dabei sehr breit gefasst: Sprachentwicklung bei Kindern, Museumsführungen für Austauschschülergruppen, Vermeidung von Obdachlosigkeit oder auch Eheschließungen.“

Sprachpool-Dolmetscher übernehmen auch interne Übersetzungsarbeiten

Neben den Dolmetscheinsätzen konnten auch schon Anfragen zu schriftlichen Übersetzungen vom Sprachpool übernommen worden. Es wurden beispielsweise Flyer für die Stadtbibliothek, Hinweisschilder für das Jobcenter oder Informationen zur Mülltrennung übersetzt.

[Text: Richard Schneider, Florian Reupke. Quelle: Pressemitteilung Stadt Wolfsburg, 2017-08-18. Bild: Cubanito, gemeinfrei; Presseservice Stadt Wolfsburg.]

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