Maktoum-Stiftung: ein Buch pro Tag ins Arabische übersetzen – Kalima: Übersetzungskultur wiederbeleben

Stand Maktoum-Stiftung
Der Stand der Mohammed-bin-Rashid-al-Maktoum-Stiftung auf der Frankfurter Buchmesse 2008 (Bild: Richard Schneider).

Eine Stiftung aus Dubai hat sich zum Ziel gesetzt, 365 Bücher pro Jahr ins Arabische übersetzen zu lassen. Dies erklärte auf der Frankfurter Buchmesse ein Mitarbeiter der Mohammed-bin-Rashid-al-Maktoum-Stiftung gegenüber uepo.de.

Damit würde sich die Zahl der gegenwärtig pro Jahr ins Arabische übersetzten Bücher verdoppeln. Ein gigantisches Projekt – doch wer sich der literarischen Isolation der arabischen Welt bewusst ist, weiß, dass auch dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Dabei geht es nicht nur um Belletristik, sondern auch um Werke aus Wirtschaft und Wissenschaft. Die Stiftung will sich darüber hinaus um die Ausbildung von Arabisch-Übersetzern bemühen. Im Frühjahr 2008 wurde eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Kulturverein “West-Östlicher Diwan e. V.” vereinbart.

Auf einer Veranstaltung zur Vorstellung der Stiftungsaktivitäten im September 2008 in Berlin hatte der für Kultur zuständige Vizepräsident der Stiftung, Yasser Saeed Hareb, bereits angekündigt, dass 50 deutschsprachige Bücher ins Arabische übersetzt werden. Außerdem ist für 2009 im Rahmen des Literarischen Kolloquiums Berlin eine Sommerakademie für Arabisch-Übersetzer geplant.

Namensgeber der Stiftung ist Scheich Mohammed, der gegenwärtige Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai. Er hat umgerechnet 7,5 Mrd. Euro in die Stiftung eingebracht, die sich dem Wissenstransfer verschrieben hat. Geld für Übersetzerhonorare ist also reichlich vorhanden.

Auf der Frankfurter Buchmesse erhob sich der außen wie innen beeindruckende Stand der Stiftung direkt neben dem Übersetzer-Zentrum. Die traditionell bescheidenen 4-Quadratmeter-Stände anderer arabischer Verlage im unmittelbaren Umfeld wirkten dadurch noch ärmlicher.

Es ist erfreulich, dass die Ölmilliarden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auch für kulturelle Zwecke ausgegeben werden. Mit Projekten wie diesen vermitteln die aufgeklärten Herrscher vom Golf immer wieder eine Ahnung davon, was die arabische Welt sein könnte (und in der Vergangenheit schon einmal war), wenn ihre Länder und Völker nicht arm, rückständig, politisch zerstritten und religiös verblendet wären.

Kalima-Stand
Kalima heißt ein weiteres Übersetzungsprojekt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (Bild: Frankfurter Buchmesse).

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[Text: Richard Schneider.]