Unwort des Jahres 2010: Authentisch?

Jedes Jahr kürt die Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) das “Wort des Jahres” und die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres an der Uni Frankfurt das “Unwort des Jahres”. Im Duden steht unter dem Stichwort “Unwort” Folgendes: “1. schlecht, falsch gebildetes unschönes Wort; 2. schlimmes, unangebrachtes Wort.” Fest steht, das “Unwort des Jahres” ist ein Begriff aus der öffentlichen Sprache, der sachlich unangemessen ist, kurz: ein sprachlicher Missgriff. Um dies zu verdeutlichen, folgen nun die “Unworte des Jahres” seit den letzten 19 Jahren; seit 1991 werden diese ausgewählt und bekannt gegeben:

Jahr   “Unwort”                                       

1991    Ausländerfrei
1992    Ethnische Säuberung
1993    Überfremdung
1994    Peanuts
1995    Diätenanpassung
1996    Rentnerschwemme
1997    Wohlstandsmüll
1998    Sozialverträgliches Frühableben
1999    Kollateralschaden
2000    National befreite Zone
2001    Gotteskrieger
2002    Ich-AG
2003    Tätervolk
2004    Humankapital
2005    Entlassungsproduktivität
2006    Freiwillige Ausreise
2007    Herdprämie
2008    Notleidende Banken
2009    Betriebsratverseucht

Die Süddeutsche Zeitung hat einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2010: “Authentisch”. Dabei handle es sich nämlich um ein Wort, das jeglichen Sinn verloren habe. In den Medien beispielsweise herrsche ein Echtheitswahn: “Ich bin ich” oder “Ich bin, wie ich bin” hört man in den Werbungen. “Für mich ist es wichtig, dass ich authentisch bleibe” hört man inzwischen überall. Die “Authentizität” sei mittlerweile ein Aspekt, der den Design- und Einrichtungsunternehmen sehr wichtig sei, so die Süddeutsche. Sie verkaufen neue Produkte, die aussehen, wie wenn sie alt und antik wären. Art-Direktoren schwören auf den Effekt “inszenierter Authentizität”. Stylisten schminken und frisieren die Models so, dass sie letztendlich aussehen, als wären sie gar nicht geschminkt und gestylt. Die “Frisch-aus-dem-Bett Frisur” spiele bei Fotoshootings eine wichtige Rolle. Kaum ein Schauspieler oder Künstler habe das Wort “authentisch” nicht in seinem Wortschatz.

Der Grund dafür, warum wir uns Echtheit wünschen, sei, laut Psychologen, Philosophen und Soziologen die Postmoderne bzw. die Spaßgesellschaft. Das habe uns so sehr erschöpft, dass wir uns nun Echtheit und Einfachheit sehnen.

Der Duden definiert authentisch so: “echt, den Tatsachen entsprechend u. daher glaubwürdig: ein -er Text”. Das Synonymwörterbuch von Duden liefert folgende Wörter für authentisch: “beglaubigt, belegt, dokumentiert, echt, gesichert, glaubwürdig, sicher, ungeschönt, unverfälscht, verbürgt, verlässlich, wahr, zuverlässig”. Das Beste wäre je nach Kontext das entsprechende Synonym für “authentisch” zu benutzen, da sonst alles “authentisch”, wie oben aufgezeigt.

Weitere Beiträge zu diesem Thema auf uepo.de
Das Unwort des Jahres 2009 heißt “betriebsratsverseucht”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Süddeutsche Zeitung Magazin, 05.11.2010; Wikipedia.]