Apropos Hitzewelle: Können Übersetzer mobile Klimageräte und stationäre Klimaanlagen von der Steuer absetzen?

Nachts vor dem offenen Kühlschrank zu schlafen, ist keine Lösung.
Nachts vor dem offenen Kühlschrank zu schlafen, ist keine Lösung.

Seit Monaten leiden nicht nur die deutschen Übersetzer unter einer nicht enden wollenden Hitzewelle. Schon viele Wochen überschreitet das Thermometer trotz heruntergelassener Rollläden Tag für Tag auch am Schreibtisch die 30-Grad-Marke. Draußen ist es noch heißer.

Ein Ventilator dürfte inzwischen für die meisten Schreibtischarbeiter zur Standardausstattung des Arbeitszimmers gehören. Viele spielen gar mit dem Gedanken, mobile Klimageräte anzuschaffen oder eine Klimaanlage fest einbauen zu lassen.

Könnte man die entsprechenden Ausgaben eigentlich steuerlich geltend machen? Mit kühlerem Kopf übersetzt es sich immerhin etwas leichter. Oder fällt die Belüftung und Klimatisierung des häuslichen Arbeitsplatzes grundsätzlich in die Kategorie Privatvergnügen und ist somit weder berufsbedingt noch absetzbar?

Der Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt hat sich dieses aktuellen Themas angenommen und gibt ein paar Steuer-Tipps:

Grundsätzlich gilt, dass solche Anschaffungen tatsächlich steuermindernd geltend gemacht werden können. Die steuerlichen Vorteile hängen von der Art des Geräts und seinem Einsatzzweck ab.

Freiberufler können mobile Kühlgeräte sofort oder über mehrere Jahre abschreiben

Steuerlich am vorteilhaftesten sind mobile Kühlgeräte, die Betriebe oder Freiberufler erwerben. Sie können je nach Höhe der Anschaffungskosten entweder sofort (bis 800 € netto) oder über fünf Jahre (bei Anschaffungskosten bis 1.000 € netto) abgeschrieben werden.

Ansonsten wird der Steuervorteil grundsätzlich über 11 Jahre anhand der Nutzungsdauer verteilt. Kleinere Unternehmen können bei Anschaffungskosten bis 1.333 € netto durch geschickte Kombination zweier Steuervorschriften (§ 7g und § 6 Abs. 2 EStG) eine vollständige Abschreibung innerhalb von 2 Jahren erreichen.

Fest installierte Klimaanlagen werden über Jahrzehnte abgeschrieben

Der erstmalige Einbau einer fest installierten Klimaanlage wird in der Regel als nachträgliche Herstellungskosten des Gebäudes eingestuft (FG Nürnberg vom 15.11.2005, Az.: I 304/2004). Das bedeutet, dass die Anschaffungskosten der Klimaanlage nicht sofort oder über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer der Klimaanlage abgeschrieben werden können.

Stattdessen gilt die gemeinsame Abschreibung mit dem Gebäude, also oft über 50 Jahre. Wird hingegen eine bereits vorhandene Klimaanlage repariert, stellen die anfallenden Kosten sofort abziehbaren Erhaltungsaufwand dar.

Häusliches Arbeitszimmer bei Angestellten: über Werbungskosten absetzen

Auch im privaten Bereich von Angestellten kann sich die Anschaffung einer Klimaanlage steuerlich lohnen. Wird beispielsweise das häusliche Arbeitszimmer gekühlt, können die Kosten den Werbungskosten zugerechnet werden.

Wird die ganze Wohnung durch die Anlage angenehmer temperiert, kommt der Steuerbonus zwar nicht für die Anschaffung an sich, aber für die damit verbundenen Handwerkerleistungen (§ 35a EStG) in Betracht. “Hiermit lassen sich immerhin 20 Prozent der Kosten für die fachmännische Installation und die Wartung abziehen, und zwar direkt von der Einkommensteuer”, betont Christian Böke, Präsident des Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt.

Grundsätzlich gilt: Fragen Sie Ihren Steuerberater!

Abschließend empfiehlt der Steuerberaterverband eine individuelle Beratung durch Leute vom Fach: “Um die steuerlichen Vorteile einer Klimatisierung optimal auszuschöpfen, müssen Sie nicht Ihren Kopf durch intensives Nachdenken zusätzlich erhitzen, sondern können auf die Unterstützung durch Ihren Steuerberater vertrauen.”

[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt, 2018-06. Bild: Diego Cervo / Fotolia.]