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Jacquy Neff: Dolmetschwissenschaftliche Studie zu Deutsch als Konferenzsprache
Die Stellung des Deutschen als internationale Konferenzsprache ist in der interkulturellen Germanistik und der deutschen Soziolinguistik eine noch weitgehend unerforschte Domäne. Auch die Dolmetschwissenschaft als Teilbereich der noch relativ jungen Translationswissenschaft hat dieses Forschungsfeld noch nicht bestellt.
Jacquy Neff, Dozent am FTSK Germersheim, möchte diese doppelte Lücke schließen und beschäftigt sich mit Stand und Entwicklungsperspektive der deutschen Sprache als Konferenzsprache an der Schwelle des 21. Jahrhunderts im Untersuchungsgebiet der Europäischen Union vor der letzten Erweiterung.
Neff benutzt den neuartigen Ansatz der kontrastiven ökoskopischen Betrachtung der Nachfrage nach Deutsch und des Angebotes an Dolmetscherdienstleistungen mit Deutsch im europäischen Konferenzgeschehen. Anhand einer Untersuchungsreihe von 1998 bis 2003 bei über 19.000 Veranstaltern von Konferenzen und 3.300 Konferenzdolmetscher analysiert der Autor wichtige Indikatoren zur Standortbestimmung des Deutschen relativ zu anderen Konferenzsprachen.
Zu diesen Indikatoren gehören konferenztypische Parameter (Art und Dauer von Veranstaltungen, Sprach- und Fachgebietsangebote, Dolmetschmodi), marktrelevante Daten (Stratifizierung und Typologisierung von Konferenzveranstalter, Markteinteilung, Auftragspotenzial für Konferenzdolmetscher mit Deutsch), sprachspezifische Aspekte (Sprachenangebot in Aktiv- und Passivsprachen, Sprachkombinationen) sowie dolmetscherbezogene Daten (Zusammensetzung der beruflichen Tätigkeit, Auftragspotenziale u.v.m.). Eine prospektive Sicht der Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Sprache für das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts rundet das Bild ab.
Das Zusammenführen der Ergebnisse aus den Befragungen beider Marktakteure sowie eine eingehende Betrachtung großer Abnehmergruppen (Internationale Organisationen, EU-Institutionen, Ministerien und Verwaltungen, Verbände, Vereine und Gewerkschaften, Wirtschaftssektoren etc.) in ihrer historischen Bedarfsentwicklung an Konferenzsprachen ermöglichte das Herausarbeiten einer Reihe von Determinanten und Entwicklungsfaktoren für die zukünftige Stellung der deutschen Sprache in dieser Anwendungsdomäne.
Auf dieses Buch haben wir gewartet! Es schließt eine Lücke in der Dolmetschwissenschaft wie auch der interkulturellen Germanistik bzw. deutschen Soziolinguistik und wendet sich somit an Leser, die an diesen Forschungsgebieten ein besonderes Interesse haben oder in ihnen selbst wissenschaftlich tätig sind. Vielmehr noch als diesen Personenkreis sollte es aber diejenigen erreichen, die selbst in der Praxis des Konferenzdolmetschens stehen und sich Gedanken über ihre Zukunft auf dem Markt machen, und vor allem auch diejenigen, die Verantwortung tragen für die Ausbildung der nachfolgenden Dolmetschergeneration und tunlichst Sorge tragen sollten, nicht am tatsächlichen Bedarf vorbei auszubilden. (MDÜ 5/2009)
[…] der Elsässer Neff kann aus dem „Innenleben” der Kommission berichten, bei der er selbst als Dolmetscher tätig war und aus der ihm umfassende Angaben und Statistiken der Dolmetscher-Abteilungen der meisten europäischen Institutionen vorlagen. Neff, heute als Dozent im Fachbereich Dolmetscherausbildung der Universität Mainz in Germersheim tätig, trägt auf 689 Seiten eine fast erdrückende Fülle an Material und Zahlen zur Situation des Deutschen als Konferenzsprache in den europäischen Institutionen, Organisationen, Verbänden, Stiftungen und Bildungswerken zusammen. […] Neffs umfassende Untersuchung ist für jeden, der die Stellung der deutschen Sprache in europäischen Gremien in allen Verästelungen erfassen will, unverzichtbar. (Sprachnachrichten 03/2009)
Jacquy Neff (2007): Deutsch als Konferenzsprache in der Europäischen Union. Eine dolmetschwissenschaftliche Untersuchung. Hamburg: Dr. Kovac. 692 Seiten, mit CD, 98,00 Euro, ISBN 978-3-8300-3235-9.
[Text: Verlag Dr. Kovac. Quelle: Verlag Dr. Kovac. Bild: Verlag Dr. Kovac.]