Wegen Totschlags an Celler Flüchtlingsdolmetscher: Afghane zu 12 Jahren Haft verurteilt

JustitiaDas Landgericht Lüneburg hat am 12.09.2016 den 59-jährigen afghanischen Flüchtling Nader A. wegen Totschlags zu 12 Jahren Haft verurteilt. Dieser hatte zum Prozessauftakt gestanden, den Laiendolmetscher Mehdi H. im Februar 2016 erschlagen zu haben.

Der in seiner Freizeit ehrenamtlich in einer vom Malteser Hilfsdienst betriebenen Flüchtlingsunterkunft in Celle-Scheuen dolmetschende Mehdi H. stammt ursprünglich aus dem Iran. Der 55-Jährige war Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie an einer Oberschule in Celle. Darüber hinaus leitete er eine Sprachlernklasse an einer Gesamtschule. Der vielseitig engagierte Pädagoge war bei Kollegen und Schülern sehr beliebt.

Im Dezember 2015 lernte der Lehrer beim Dolmetschen in der Flüchtlingsunterkunft den mit seiner Familie aus Afghanistan eingereisten Nader A. kennen. Nach Zeitungsberichten setzte sich der Laiendolmetscher weit über das normale Maß hinaus für die Familie ein. So habe er der krebskranken Mutter und den sechs Kindern aus eigener Tasche Schuhe, Decken und Kleider gekauft.

Darüber hinaus verliebte er sich in die 20-jährige Tochter des Afghanen und gedachte, diese zu heiraten, was deren Vater jedoch strikt ablehnte.

Anfang Februar 2016 besuchte der Vater ihn deswegen in dessen Haus. Dort kam es zum Streit. „Er sollte auf den Koran schwören, dass er von meiner Tochter ablässt. Das hat er nicht akzeptiert“, zitiert eine Zeitung den Afghanen. „Da habe ich nur noch rotgesehen.“ Im Keller des Hauses schlug er mit einer Metallschiene und einem Stein auf den Lehrer ein, bis dieser leblos am Boden lag.

Nach Auffassung des Gerichts sah sich der 59 Jahre alte Verurteilte aus seiner Rolle als Familienoberhaupt gedrängt, weil der Dolmetscher zunehmend als Versorger der Familie agierte.

Der Lehrer wohnte allein in einem Einfamilienhaus im Celler Ortsteil Klein Hehlen. Nach Angaben der Polizei hatte er zeitweise auch Flüchtlinge in seinem Haus aufgenommen.

Die afghanische Flüchtlingsfamilie lebte zum Zeitpunkt der Tat nicht mehr in der städtischen Unterkunft, sondern in einer Wohnung in Celle.

[Text: Richard Schneider. Quelle: n-tv, 2016-02-10; t-online.de, 2016-03-22; N24, 2016-03-23; news.de, 2016-09-01; Sat1 regional, 2016-08-30, 2016-09-12. Bild: Richard Schneider.]

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