Drogenbande schüchtert Dolmetscherin ein: Amt niedergelegt

Das Ulmer Landgericht verhandelt zurzeit gegen vier osteuropäische Heroinhändler. Am zweiten Verhandlungstag hatten diese auffallend viele Landsleute in den Zuschauerreihen platziert. Eine Drohkulisse, die ihre Wirkung nicht verfehlte:

Der Kronzeuge weigerte sich, in Anwesenheit der vier Angeklagten eine Aussage zu machen und die Russisch-Dolmetscherin legte ihr Amt nieder. Die Augsburger Allgemeine schreibt:

In der Mittagspause hat sich einer der Zuhörer an die Dolmetscherin für Russisch rangemacht und sie zum Kaffee eingeladen. Die Frau hat Angst und will deshalb in dieser Sache nicht mehr als Übersetzerin tätig sein. Deshalb muss das Gericht einen neuen Dolmetscher bestellen.

Justizangestellte hatten beobachtet, dass Zuschauer Zeichen zur Anklagebank gaben. Zudem konnte nicht ausgeschlossen werden, dass einer der Zuhörer fotografiert oder über sein Handy Botschaften nach draußen geschickt hat. Vor dem Justizgebäude parkte ein auffälliger Kastenwagen, so dass sogar eine geplante Gefangenenbefreiung befürchtet wurde.

Das Gericht vertagte daraufhin die Verhandlung. Beim nächsten Termin werden die Zuschauer strengen Personenkontrollen unterzogen und der Kronzeuge wird seine Aussage an einem sicheren Ort mit direkter Videoübertragung in den Gerichtssaal machen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Augsburger Allgemeine, 2009-11-15.]

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