Prof. Dr. Nikolai Salnikow gestorben – 18 Jahre Lehrstuhlinhaber Slawistik/Russisch in Germersheim

Nikolai Salnikow

Prof. Dr. Nikolai Salnikow (vermutlich Ende der 1980er Jahre)

Im österreichischen Klagenfurt verstarb am 5. April 2013 im Alter von 80 Jahren als Erlösung nach langem Leiden Herr Univ.-Prof. Dr. Nikolai Salnikow, von 1980 bis 1998 Lehrstuhlinhaber des Instituts für Slawistik / Arbeitsbereich Russisch am Fachbereich 06 Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim.

Geboren am 02.11.1932 in Belgrad als Sohn russischer Emigranten, wuchs Nikolai in den Folgejahren bei seinen russischen Großeltern in Slowenien auf. Hier besuchte er das deutsche und slowenische Gymnasium (was ihm die Grundlage für seine exzellente Vielsprachigkeit legte), ehe es die Familie 1945 als Kriegsflüchtlinge nach Lienz/Osttirol, später nach Kärnten, verschlug.

Nachdem er 1961 an der Universität Graz die Fachprüfung als Akademisch geprüfter Übersetzer und kurze Zeit später seine Diplom-Dolmetscherprüfung absolviert hatte, arbeitete Nikolai Salnikow von 1960 bis 1980 neben seinem Universitätsstudium und wissenschaftlicher Anstellung regelmäßig auch als gefragter freiberuflicher Konferenzdolmetscher (konsekutiv/ simultan) bei internationalen Konferenzen im In- und Ausland.

1970, nach Studienabschluss und Promotion an der Universität Graz (Slawistik, Osteuropäische Geschichte, Philosophie; Thema: „Gestalt und Ethik des Kleinbürgers in Gorkij’s Werken“) wurde Salnikow, nachdem er bereits zuvor als Lehrbeauftragter für Russisch an den Universitäten Graz, Wien und Klagenfurt als Dozent seine Erfahrungen in Lehre und Forschung gesammelt hatte, 1970 zum Professor am Institut für die Übersetzer- und Dolmetscherausbildung der Universität Graz ernannt.

1973 kam er als Lehrbeauftragter an die Universität Klagenfurt und arbeitete hier unter Leitung des renommierten Slawistik-Professors Alexander V. Issatschenko an seiner Habilitationsschrift („Das reflexive Passiv im Russischen in diachronischer und synchronischer Sicht“), welche ihm ab 1978 die Lehrbefugnis (venia legendi) an der Universität Klagenfurt gab.

Nikolai Salnikow

Prof. Dr. Nikolai Salnikow (Mitte der 1990er Jahre)

1979 erfolgte die Rufannahme, ab 1.4.1980 seine Einstellung als C-4-Professor für Slawistik am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (heute: FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim. Hier leitete er als Lehrstuhlinhaber achtzehn Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 1998 den Arbeitsbereich Russisch (mit zehn Dozenten und Lehrbeauftragten sowie ca. 2000 Studierenden).

Ab 1989 baute Prof. Salnikow als Partnerschaftsbeauftragter enge wissenschaftliche Kontakte zur Linguistischen Universität Moskau auf, welche heute von seiner Nachfolgerin, Frau Univ.-Prof. Dr. Birgit Menzel, weiter vertieft und mit anderen russischen Hochschule ausgebaut werden.

Prof. Salnikow war zweimal Dekan des Fachbereichs (1983-85 sowie 1987-89), ferner Mitglied des Fachbereichsrates sowie von Berufungs- und Habilitationskommissionen, des Prüfungsausschusses des Senats u.a.m.

1995 erfolgte seine Wahl zum auswärtigen Mitglied der Russischen Akademie für Bildung (Moskau), 1998 die Wahl zum Expert-Professor der UNESCO „International Dialogue and Social Studies“.

1997 erschien für Prof. N. Salnikow die Festschrift „Ars trans-ferendi. Sprache, Übersetzung, Interkulturalität“ (Hrsg. Prof. D. Huber, Prof. E. Worbs, Publikationen des FASK Germersheim, Reihe A, Bd. 24) mit 39 Beiträgen aus Deutschland, Österreich, Slowenien und Russland.

Professor N. Salnikow war uns in Studium, Forschung und Lehre als sachkundiger Kollege und Vorgesetzter stets ein prägendes Vorbild gewesen. Wir werden ihn sehr vermissen und behalten an ihn ein ehrendes Andenken.

Seine Gattin und unsere langjährige warmherzige Kollegin Frau Dr. Eva Salnikow-Ritter, mit welcher ihn Jahrzehnte eines erfüllten Ehelebens und wissenschaftlicher Forschungstätigkeit verband, stand ihm auch in seinen letzten Lebensjahren, als sein Gesundheitszustand nachließ und er der Pflege bedurfte, stets treu und liebevoll sorgend zur Seite.

Die Beisetzung fand am 10.04.2013 im engen Familien- und Freundeskreis nach russisch-orthodoxem Ritus im Familiengrab in Spittal/Drau statt.

Memoria aeterna. Carstvie nebesnoe i večnaja pamjat‘.

Stellvertretend für den FTSK Germersheim

Erzdiakon Dr. Georg Kobro, Arbeitsbereich Russisch am Fachbereich 06
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim

www.fb06.uni-mainz.de

[Text: Dr. Georg Kobro. Quelle: FTSK Germersheim, April 2013. Bild oben: FTSK Germersheim (aus dem 1996 erschienenen Buch 50 Jahre FASK – Geschichte und Geschichten); Bild unten: FTSK Germersheim (aus dem 1997 erschienenen Buch „Ars transferendi – Sprache, Übersetzung, Interkulturalität. Festschrift für Nikolai Salnikow“).]

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