Frankfurter Buchmesse 2015: „Weltempfang“ immer weniger ein „Zentrum für Übersetzung“

Weltempfang

Eine Podiumsdiskussion im „Weltempfang“ 2011.

Ach, waren das noch Zeiten! Früher, in den Jahren 2003 bis 2009, als es auf der Frankfurter Buchmesse ein riesiges, fast 400 Quadratmeter großes Übersetzer-Zentrum gab, an dem alljährlich in der Messewoche mehr als 40 Einzelveranstaltungen von Übersetzern für Übersetzer stattfanden.

Seit 2010 sind diese sieben „fetten Jahre“ vorbei. Das Übersetzer-Zentrum wurde aus Kostengründen mit dem benachbarten „Internationalen Zentrum“ zum „Weltempfang“ verschmolzen. Seitdem nahm der Anteil der übersetzungsrelevanten Veranstaltungen langsam, aber stetig ab.

Im aktuellen Programmheft des Weltempfangs finden sich nur noch sechs Punkte, die Übersetzer sich nicht entgehen lassen sollten:

(1) Mittwoch, 14.10.2015, 12.00 – 13.00 Uhr, Bühne
Verleihung der Übersetzerbarke
Preisverleihung (Deutsch, Englisch)
Der Verband der Literaturübersetzer zeichnet jährlich Personen des literarischen Lebens aus, die sich um das Übersetzen verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht die Übersetzerbarke an die Literaturkritikerin und Autorin Elke Schmitter. Seit über 20 Jahren zeigt sie mit ihrem präzisen Blick auf die Weltliteratur, dass die reflektierte Betrachtung übersetzerischer Leistungen zur Literaturkritik gehört.
Mit Elke Schmitter (Berlin), Autorin und Literaturkritikerin, Preisträgerin Hinrich Schmidt-Henkel (Berlin), Vorsitzender des VdÜ, Laudator Kooperation: Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ)

(2) Donnerstag, 15.10.2015, 10.30–12.30 Uhr, Salon
Gläserner Übersetzer: Sprachgrenzen
Interaktive Präsentation (Deutsch, Englisch)
Literaturübersetzen live – zuschauen, nachfragen, mitmachen. Heute überträgt Maria Hummitzsch das hoch gehandelte Debüt einer Kamerunerin in New York, voller afrikanischer Varianten des Englischen: Imbolo Mbues „The Longings of Jende Jonga“ (Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch).
Mit Maria Hummitzsch (Leipzig), übersetzt aus dem Portugiesischen und Englischen, u.a. Shani Boianjiu und Carola Saavedra
Kooperation: Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ)

(3) Donnerstag, 15.10.2015, 16.00 – 17.00 Uhr, Salon
Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt
Podiumsdiskussion, (Deutsch, Spanisch)
Jede Sprache ist eine Welt für sich. Beim Erlernen einer neuen Sprache überschreiten wir eine Grenze. Übersetzer sind Brückenbauer zwischen verschiedenen Welten, sie ermöglichen einen konstanten Austausch von Ideen – über die Grenzen der Sprachen hinweg. Drei Übersetzer berichten über ihre Erfahrungen als Botschafter der Sprachen.
Mit Christian Hansen (Madrid), Übersetzer aus dem Spanischen und Französischen José María Micó (Barcelona), Übersetzer aus dem Italienischen ins Spanische Luis Ruby (München), Übersetzer aus dem Spanischen, Englischen, Italienischen und Portugiesischen.
Moderation: Diego Valverde Villena, Leiter des Instituto Cervantes Frankfurt
Kooperation: Instituto Cervantes, Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ)

(4) Freitag, 16.10.2015, 16.00 – 17.00 Uhr, Salon
„Reisebüros der Literatur“ präsentieren die Geschichte eines europäischen Buches
Gespräch (Englisch)
Seit 2010 treffen sich Vertreter von Übersetzungsförderungsorganisationen und sprechen über ihre Arbeit. Dieses Mal lädt das Goudfazant Network of Translation Funding Organisations eine Runde europäischer Verleger und einen Autor, den sie alle übersetzt haben, dazu ein, uns von ihren Erfolgsgeschichten und ihren Misserfolgen beim Herausgeben der Übersetzungen zu erzählen.
Mit Peter van der Zwaag (Niederlande), De Bezige Bij Tímea Turi (Ungarn), Megvetö Publishers, Claus Clausen (Dänemark), Tiderne Skifter
Moderation: Bas Pauw (Niederlande), Dutch Foundation for Literature
Kooperation: Frankfurter Buchmesse, Goudfazant Network of Translation Funding Organisations

(5) Samstag, 17.10.2015, 10.30 – 12.30 Uhr, Salon
Gläserner Übersetzer: Grenze als Methode
Interaktive Präsentation (Deutsch, Englisch)
Wie übersetzt man Sozialwissenschaft? Was ist die „Perspektive der Grenze“? Thomas Atzert zeigt seine Arbeit an der Studie „Border as Method, or, the Multiplication of Labor“ von Sandro Mezzadra und Brett Neilson (Duke University Press 2013) über die durch vielgestaltige Grenzen geprägten Verwerfungen im heutigen globalen Kapitalismus.
Mit Thomas Atzert (Offenbach), übersetzt aus dem Englischen, Französischen und Italienischen, u.a. Antonio Negri und Eric Hobsbawm.
Kooperation: Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ).

(6) Samstag, 17.10.2015, 14.30- 15.30 Uhr, Salon
Translation Slam: Mensch UND Maschine?
(Deutsch, Englisch)
Maschinelle Übersetzung (MÜ) ist in aller Munde. Viele haben schon Google Translate ausprobiert. Aber MÜ ist viel mehr. Ralf Lemster zeigt anhand eines Fachtextes, was dieses Instrument kann – und was nicht. Im Anschluss folgt der Translation Slam des VdÜ: Improvisationstalent ist der Motor des Übersetzens. Schauen Sie drei (menschlichen!) Literaturübersetzern zu, die spontan Übersetzungsaufgaben in unterschiedlichen Tonlagen und Stilebenen lösen.
Mit Ralf Lemster (Frankfurt), Vizepräsident des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), Karin Betz (Frankfurt), Übersetzerin aus dem Chinesischen, Englischen, Spanischen, Ingo Herzke (Hamburg), Übersetzer aus dem Englischen, Peter Torberg (Bad Griesbach), Übersetzer aus dem Englischen.
Moderation: Annette Kopetzki (Hamburg), Übersetzerin aus dem Italienischen.
Kooperation: Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ).

Der Weltempfang zieht um: von Halle 5.0 nach Halle 3.1

Frankfurter Buchmesse2015 gastiert der Weltempfang auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern erstmals in Halle 3.1 (Stand L 25). Hier finden Podiumsdiskussionen, Gespräche und Lesungen mit internationalen Autoren, Intellektuellen und Übersetzern statt. 2015 steht das Thema „Grenzverläufe“ im Mittelpunkt.

Der Weltempfang ist ein Kooperationsprojekt der Frankfurter Buchmesse mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland.

Die Frankfurter Buchmesse findet dieses Jahr vom 14. bis 18. Oktober statt.

Weiterführende Links

Links zum Thema auf uepo.de

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Buchmesse. Bild: Frankfurter Buchmesse.]

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