Software-Lokalisierung: Was bei der Terminologiearbeit zu beachten ist

Die Frage was zur Terminologie gehört oder nicht, sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Am Ende weisen aber viele Firmenterminologien gemeinsame Merkmale auf. Sie enthalten meistens Fachbegriffe (wie „Kapazitiver Differenzdrucksensor“), rechtlich relevante Ausdrücke (u. a. Signalwörter wie „Gefahr“) und manchmal auch Produktnamen.

Wenn es aber um Softwareterminologie geht, herrscht die größte Unsicherheit. Offensichtlich fällt es vielen schwer, ein Wort wie „Öffnen“ als Terminologie zu bezeichnen. Gehört es trotzdem zur Softwareterminologie? Auch taucht die Frage auf, ob die Einträge in einem Softwarewörterbuch wie sonst üblich auf die Grundform reduziert werden müssen: Soll man „Programmeinstellungen“ oder „Programmeinstellung“ aufnehmen?

Entwickler, Autoren und Übersetzer können kaum auf Terminologie verzichten. Entwickler brauchen Terminologie, um während des gesamten Lebenszyklus eines Softwareproduktes Texte einheitlich in die Oberfläche einzusetzen. Die Entwicklung eines Softwareproduktes läuft oft über mehrere Jahre. Es kommen regelmäßig neue Releases, die neue Funktionen enthalten oder vorhandene Funktionen optimieren. An der Entwicklung arbeiten unterschiedliche Programmierer, die nicht selten die Texte in einer fremden Sprache (meist Englisch) verfassen.

Ohne Terminologieverwaltung ist das Benennen neuer Funktionen oder Oberflächenelemente (auch GUI-Elemente = „Graphical User Interface“ genannt) reine Glückssache. Außerdem dient eine mehrsprachige Softwareterminologie dazu, dass Entwickler, die Englisch nicht als Muttersprache haben, korrekte englische Benennungen verwenden.

Autoren und Übersetzer brauchen Terminologie, um die Übereinstimmung zwischen Dokumentation und Oberfläche zu gewährleisten. Es gibt nichts Schlimmeres und Verwirrenderes als eine Anleitung, die GUI-Elemente beschreibt, die in der Oberfläche gar nicht erscheinen.

Was gehört also zu einer Softwareterminologie? Hier muss man zuerst zwischen GUI-Elementen wie Schaltflächen, Listenfeldern, Dialogüberschriften oder Feldbezeichnungen auf der einen Seite und Meldungen bzw. längeren satzartigen Oberflächentexten auf der anderen Seite unterscheiden.

GUI-Elemente gehören zum Wörterbuch, während Meldungen und Texte zum Translation-Memory gehören. Als GUI-Texte gelten alle Texte, die in Menüs und Dialogen einer Software erscheinen. Es können durchaus Termini sein, die man als klassische Termini bezeichnen könnte (etwa „VBA-Projektobjektmodell“).

Dazu kommen jegliche Ausdrücke, die eine Software verwenden kann und oft zur Alltagssprache gehören: Adjektive („neues“), Phrasen („Hyperlinks anstelle von Seitenzahlen“) oder Verben („Öffnen“). Man mag sich die Frage stellen, ob ein Wort wie „neues“ zu einem Wörterbuch gehört. Der Grund ist, dass der Autor bzw. Übersetzer gewährleisten muss, dass in der Dokumentation tatsächlich „neues“ und nicht „neu“ bzw. „neuer“ vorkommt.

Oft steht in der Originalsprache der Software (meist Englisch) eine Wortform, die in vielen Sprachen unterschiedlich flektiert werden kann, je nachdem was für ein Genus (männlich, weiblich, …) das Bezugswort hat. Da der Übersetzer bei der Übersetzung von Softwarestrings leider nicht immer den Kontext hat, kommt der Hinweis von der Terminologie.

Auch bei allgemeinen Handlungsverben hilft die Softwareterminologie dem Übersetzer, bei Sprachen, die eine präzisere Formulierung erfordern, die passende Übersetzung zu finden. So kann das englische Verb „select“ im Deutschen als „auswählen“ (bei Listenelementen), als „aktivieren“ (bei Kontrollkästchen) oder als „markieren“ (bei Text) übersetzt werden.

Eine Besonderheit der Softwareterminologie ist, dass sie im Gegensatz zu der klassischen Terminologie nicht immer einheitlich eingesetzt bzw. übersetzt werden kann. Das hat bei manchen Programmiersprachen (wie bei C#) damit zu tun, dass in manchen Situationen der Text eine bestimmte Länge nicht überschreiten darf.

Es ist immer hilfreich, im Terminologieverwaltungssystem Attribute zu erfassen, die für die korrekte Verwendung einer Benennung wichtig sind. Es geht zuerst einmal um den Objekttyp (Schaltfläche, Feldbezeichnung, Menüelement usw.). Man wird ja unter Umständen einen String unterschiedlich einsetzen, je nachdem, ob er in einen Dialogtitel („Abbrechen der Installation“) oder in einer Schaltfläche („Abbrechen“) erscheint.

Weitere Informationen wie Wortart, Genus, Numerus können ebenfalls für eine korrekte Übersetzung von großer Bedeutung sein. So ist es bei mehreren englischen Wörtern schwer zu erkennen, ob es sich um ein Verb oder ein Substantiv handelt.

Auch bei Substantiven wie „Fehler“ kann es nützlich sein zu wissen, ob es sich um die Singular- oder Pluralform handelt, besonders wenn andere GUI-Elemente sich darauf beziehen. Ferner können Informationen nützlich sein, die den Kontext vom String identifizieren können, etwa eine Dialog-ID oder eine String-ID. Im Einzelfall kann ein Attribut wie „Zu Übersetzen (JA/ NEIN)“ helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Strings werden so erfasst, wie sie in der Oberfläche erscheinen. Sie werden nicht auf die Grundform reduziert. Befehle wie „Beenden“, die normalerweise kleingeschrieben sind, werden auf Schaltflächen bzw. in Menüeinträgen großgeschrieben.

Diskussionen gibt es darüber, ob es Sinn macht, bei der Erfassung Shortcuts zu berücksichtigen. Shortcuts sind Tastenkombinationen, mit denen ein Befehl ausgeführt werden kann. Beispiel „Strg + S“ für den Befehl „Speichern“. Der String erhält zusätzlich das kaufmännische Und-Zeichen („&“) vor dem betreffenden Buchstaben („&Speichern“). Es ist jedoch nicht erforderlich, diese Version zu erfassen, da Softwarelokalisierungsprogramme Shortcuts prüfen. Ähnliches gilt für die drei Punkte nach einem Befehl („Speichern…“), die dem Benutzer anzeigen, dass sich ein Dialog öffnen wird.

Eine der größten Herausforderungen liegt in der Prüfung der eingesetzten Terminologie. Besonders bei umfangreichen Terminologien und Texten kommen softwaregestützte Terminologieprüfverfahren zum Einsatz. Es handelt sich dabei um eigenständige Qualitätssicherungsprogramme oder um in Redaktions- oder Übersetzungssystemen integrierte Prüfmodule. Da aber auch sehr viele Wörter der Alltagssprache in der Softwareterminologie erfasst sind, werfen diese Programme eine relativ hohe Zahl an Falschmeldungen ab. Sie sind nur mit einem sehr großen Zeitaufwand abzuarbeiten.

Wie lässt sich das vermeiden? Man sollte die Prüfung möglichst nur auf die Terminologietreffer beschränken, die tatsächlich Einträge der Softwareoberfläche sind. Das ist möglich, wenn diese Einträge in den Ausgangstexten entsprechend gekennzeichnet sind, etwa durch eine eigene besondere Formatierung oder durch Tags in XML-Dateien. Einige Programme wie ErrorSpy ermöglichen sogar das automatische Korrigieren von Softwarestrings, wenn diese eindeutig und entsprechend gekennzeichnet sind.

Genauso wie die Softwarelokalisierung ist der Aufbau einer Softwareterminologie eine Kunst für sich. Diese Aufgabe richtig zu beherrschen trägt entscheidend zur Qualität der übersetzten Softwaredokumentation und des Produktes bei.

[Text: D.O.G. Dokumentation ohne Grenzen GmbH. Quelle: D.O.G.news 03/2016. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: D.O.G.]

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