Gemeinsamer Gastlandauftritt von Polen, Frankreich und Deutschland auf Leipziger Buchmesse 2027

Weimarer Dreieck
Deutschland, Frankreich und Polen kooperieren im so genannten Weimarer Dreieck. - Bild: Auswärtiges Amt

Zum ersten Mal in der Geschichte der Leipziger Buchmesse präsentieren sich 2027 mit Polen, Frankreich und Deutschland drei Länder – in der politischen Sphäre auch als Weimarer Dreieck bekannt – gemeinsam als Gastland. Getragen wird der Auftritt von den drei Kulturinstituten der Länder – dem Instytut Polski, dem Institut français und dem Goethe-Institut.

Gemeinsam mit dem Kurator Thorsten Dönges (Literarisches Colloquium Berlin) entwickeln Myriam Louviot (Institut français), Karolina Golimowska (Polnisches Institut) und Wolf Iro (Goethe-Institut) mit „Beziehungsweise Europa“ derzeit ein Programm, das literarische Perspektiven aus Polen, Frankreich und Deutschland zusammenführt und zugleich Impulse für aktuelle gesellschaftliche Debatten in Europa setzt. Es soll neugierig machen. Neugierig aufeinander, neugierig auf Literatur und neugierig auf den Austausch von Ideen und Perspektiven.

Das Wort „beziehungsweise“ vereint die Begriffe Beziehung und weise. Der Auftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027 widmet sich den Beziehungen, die die drei Länder und Gesellschaften verbinden, zugleich aber auch weiteren Beziehungen, so beispielsweise zwischen Wissenschaft, Literatur und anderen Künsten, zwischen literarischen Genres, zwischen Geschichte und Tradition, Mensch und Natur, Technologie und Medien.

Kooperation seit 2008 im Weimarer Dreieck

Das Weimarer Dreieck ist ursprünglich ein politischer Begriff: Polen, Frankreich und Deutschland haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Seit seiner Gründung 1991 steht das Weimarer Dreieck für Dialog, Verständigung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas.

Astrid Böhmisch
Die neue Direktorin der Leipziger Buchmesse, Astrid Böhmisch. – Bild: Tom Schulze / LBM

Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse, betont zum Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks:

Großartig, dass der Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027 ein überraschendes und zugleich starkes Zeichen setzt. Die Idee, Frankreich, Polen und Deutschland gemeinsam in den Mittelpunkt zu rücken, hat uns sofort überzeugt, weil sie das Gastlandkonzept zeitgemäß weiterdenkt: Nicht die Repräsentanz einer nationalen Literatur steht im Vordergrund, sondern es öffnet sich ein grenzüberschreitender Raum für Literatur, kulturelle Fragen sowie gesellschaftliche und politische Debatten. Wir freuen uns sehr darauf, unser Buchmesse-Publikum auf diese Entdeckungsreise mitzunehmen.

Welche Themen bestimmen die gesellschaftlichen Debatten in Polen, Frankreich und Deutschland? Was waren und sind Bedingungen für Verständigung und Versöhnung? Wie entstehen Vertrauen, aber auch Misstrauen und Missverständnisse? Welche Rolle spielen Geschichte und Geschichtsbilder für gegenwärtige Debatten? Das Programm fragt nach einer gemeinsamen Gestaltung der Zukunft und danach, wie wir Krisen und Ängsten besser begegnen können.

Darüber hinaus richtet sich der Blick auf den Einfluss neuer Technologien auf Gesellschaft, Politik und Literatur, auf die Genres, die den Buchmarkt derzeit prägen, sowie auf die Frage, wie sich die Bedeutung von Kunst und Literatur aus der Perspektive eines jungen Publikums verändert.

Thomas Michelon, Leiter des Institut français Deutschland, erklärt zum gemeinsamen Gastlandauftritt:

In der Überzeugung, dass der Aufbau einer neuen europäischen Einheit untrennbar mit der intellektuellen Kooperation zwischen unseren Ländern verbunden ist, haben sich die Träger dieses Projekts zusammengetan, um diesen neuen Zusammenschluss vorzustellen, durch den die breite Öffentlichkeit (vor allem die Jugend) ganz im Geiste der Leipziger Buchmesse – einem Ort der Entdeckungen und der Freude am direkten Kontakt mit dem zeitgenössischen Schaffen – nicht nur neue literarische Trends in unseren jeweiligen Ländern entdecken, sondern sich auch ein Bild von unseren unterschiedlichen Blickwinkeln auf die großen demokratischen und gesellschaftlichen Herausforderungen verschaffen kann.

Katarzyna Sitko, Direktorin des Polnischen Instituts Berlin, betont:

Die Teilnahme Polens an der Buchmesse im Rahmen des Weimarer Dreiecks als Gastland ist eine einzigartige Gelegenheit zu zeigen, dass die polnische Literatur ebenso wie die deutsche und die französische Literatur ein integraler Bestandteil des europäischen Erbes und der zeitgenössischen Kultur ist.

Indem wir einander lesen, bauen wir engere Beziehungen auf, stärken die Bindungen zwischen den europäischen Gesellschaften und festigen eine Gemeinschaft, die auf Dialog, Vielfalt und gegenseitigem Respekt basiert.

Das ist heute besonders wichtig, da ein starkes Europa nicht nur politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern auch dauerhafte kulturelle Bindungen benötigt.

Katharina von Ruckteschell-Katte, Abteilungsleiterin Kultur und Bildung Goethe-Institut, hebt hervor:

Das Weimarer Dreieck ist zunächst ein politischer Begriff: Drei Länder haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Mit Blick auf die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte ist das alles andere als selbstverständlich – und gerade deshalb bemerkenswert. Unser Gastlandauftritt nimmt diese Konstellation zum Ausgangspunkt und richtet den Blick darüber hinaus: auf die vielfältigen kulturellen, insbesondere literarischen Verbindungen zwischen den drei Ländern, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart. Wir danken dem Auswärtigen Amt für die großzügige Unterstützung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Abkehr von klassischen Gastlandauftritten

Wie schon 2026 (Literatur der Donauländer) löst sich das Programm auch 2027 bewusst vom klassischen „Gastlandauftritt“ und von der Idee, es gebe vermeintlich homogene Nationalliteraturen. Vielmehr soll zwischen den Zeilen gelesen werden, zwischen den Sprachen, zwischen allen Identitätszuschreibungen. Der gemeinsame Gastlandauftritt betont: Austausch, Solidarität und Zusammenarbeit sind wichtiger denn je.

Die Leipziger Buchmesse findet vom 18. bis zum 21. März 2027 statt.

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PM LBM