Neue Fachgesellschaft für kindliche Sprachstörungen gegründet

Die Zahl der Kinder, die in Deutschland unter Sprachstörungen leiden, steigt kontinuierlich. Angesichts dieser Entwicklung wurde am 20./21. Mai 2011 in Leipzig im Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte die Gesellschaft für interdisziplinäre Spracherwerbsforschung und kindliche Sprachstörungen im deutschsprachigen Raum (giskid) gegründet. Initiatoren dieses Vorhabens sind Dr. Julia Siegmüller, Dr. Annette Fox-Boyer und Dr. Peter B Marschik. Vorsitzende ist die Logopädin und Wissenschaftlerin Dr. Julia Siegmüller aus Rostock.


v.l.n.r.: Inge Holler-Zittlau, Svenja Roedel, Peter B Marschik, Annette Fox-Boyer, Julia Siegmüller, Dagmar Bittner, Ralf Vollmann, Stephan Sallat

Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören der Gesellschaft an. Alle Berufsgruppen, die mit der Erforschung von Kindersprache und Therapie von Sprachstörungen in Verbindung stehen, d.h. also aus den Bereichen Logopädie, Sprachheilpädagogik, Linguistik, Patholinguistik, Sonderpädagogik, Sprachbehindertenpädagogik, Psychologie, Phoniatrie und Pädaudiologie, haben die Möglichkeit, sich anzuschließen.

Sieben Prozent der Kinder eines Jahrgangs haben Entwicklungsstörungen, wobei es sich dabei fast ausschließlich um Sprachentwicklungsstörungen handle, so Siegmüller. „Wer ein solches Problem hat, bekommt immer mehr Schwierigkeiten, später einen Fuß auf den Boden zu bekommen.“ Heutzutage ist es unabdingbar, perfekt lesen und schreiben zu können. Einer Person, die ihre Muttersprache nicht richtig beherrsche, falle es auch schwer, Fremdsprachen zu erlernen. Nach Siegmüller trägt allerdings auch die Gesellschaft eine bedeutende Verantwortung: „Sie steht diesen Erkrankungen immer weniger tolerant gegenüber und bietet solchen Menschen keine Nischen mehr.“

Die steigende Zahl der Kinder mit Sprachstörungen ist jedoch auch damit zu begründen, dass man mit der Zeit viel über Sprach- und Entwicklungsstörungen erfahren hat: „Wir finden immer mehr Kinder, bei denen das vor einigen Jahrzehnten vielleicht noch gar nicht aufgefallen wäre“, erklärt die Vorsitzende von der giskid. Eltern sind zunehmend verunsichert und tun alles, um die Auffälligkeiten bei ihren Kindern zu beseitigen.

Die „Gesellschaft für interdisziplinäre Spracherwerbsforschung und kindliche Sprachstörungen im deutschsprachigen Raum“ versteht sich als Informations- und Austauschplattform für den Spracherwerb, seine Störungsbilder, Forschungsergebnisse sowie Ausbildungsstätten. Sie will aber nicht nur Experten, sondern auch die Eltern der betroffenen Kinder erreichen.

Die Interdisziplinäre Tagung über Sprachentwicklungsstörungen (ISES) wird als Fachtagung in die Fachgesellschaft integriert und nach wie vor alle zwei Jahre stattfinden.

[Text: Jessica Antosik. Quellen: dbs-ev.de; heute-gesund-leben.de, 23.05.2011. Bild: giskid.eu.]

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