SDI München: Grußworte zum Umzug nach Obersendling

SDI MünchenBei der Eröffnung des neuen Campus des SDI München überbrachten Festredner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Grußworte und näherten sich aus verschiedenen Perspektiven dem Institut und seiner Geschichte:

„Odysseus brauchte 20 Jahre, um seine neue Heimat zu finden. Wir haben 40 Jahre gebraucht.“

Den Auftakt machte Dr. Erich Schosser, MdL a.D. und Ehrensenator der Hochschule für Angewandte Sprachen sowie Kurator des Sprachen & Dolmetscher Instituts München. Schosser erinnerte an die zwanzigjährige Irrfahrt des Odysseus – „wir haben 40 Jahre gebraucht, wir haben zwar nicht mit Ungeheuern gekämpft, sondern lediglich mit der öffentlichen Hand und dabei Unglaubliches erlebt.“ Schosser erinnerte in seiner Rede an Beamte, die ihrem eigenen Minister widersprachen, um die Anträge des SDI München zu bearbeiten und auf den Weg zu bringen. Schosser erinnerte daran, dass einen bedeutenden Beitrag zum jetzigen Hochschulstatus des SDI der damalige Kultusminister Hans Zehetmair leistete, dem der Ausbau der Fachhochschulen in seiner Amtszeit ein großes Anliegen war. „Es ist ein großer Tag“, so Schosser zum Abschluss, „wir sind angekommen. Wir werden weiter ringen, denn ich bin Kurator des SDI. Also einer, der sich von Amts wegen kümmert.“

„Nachnutzung des Siemens-Standortes durch Bildungsträger ist ein Gewinn für den Standort“

Hans Bauer vom Bezirksausschuss Sendling überbrachte das Grußwort aus Standort-Sicht. Er begrüßt die Nachnutzung des früheren industriellen Siemens-Standortes in dieser Form. „Nachnutzung ist wichtig für einen Stadtteil wie den unseren. Die alten Industriebrachen weichen Bildungsträgern und Wohnungsbau für Studierende. Wir unterstützen die Anliegen unserer neuen Nachnutzer in allen Belangen und heißen Sie herzlich willkommen hier in Obersendling.“

„Sprachkundige Mitarbeiter und Fachkräfte sind Erfolgsfaktoren für das Exportgeschäft“

Frank Dollendorf, Kurator des SDI München und Leiter der Abteilung Außenwirtschaft der IHK für München und Oberbayern, betonte die „langjährige gute Beziehung“ zwischen SDI und IHK. Vor 57 Jahren wurde der damalige IHK Hauptgeschäftsführer Frenzel Mitglied im Kuratorium des SDI München. Dollendorf betonte die Wichtigkeit von sprachkundigen Fachkräften und Mitarbeitern für die bayerische Wirtschaft: „Die internationale Ausrichtung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die bayerische Wirtschaft. Rund 145 Mrd. Euro wurden ins Ausland verkauft – made in Bavaria ist ein Wachstumsmarkt. Die wichtigsten Exportmärkte Bayerns sind USA, China und Österreich. Die Grundlagen für jedes Geschäft im Ausland sind qualifizierte und sprachkundige Mitarbeiter. Wir sprechen heute schon von einem Fachkräftemangel, doch der demographische Wandel bringt uns ab 2020 zu neuen Herausforderungen. Dann werden uns, so die Prognosen, rund 620.000 Fachkräfte allein in Bayern fehlen. Eine große Chance für das SDI und seine Schüler und Studierenden.“ Dollendorf schloss sein Grußwort mit einer chinesischen Redewendung: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen. Das SDI ist eine äußerst leistungsfähige Windmühle.“

„Die neuen Räume sind die Erfüllung vieler Träume vergangener Jahrzehnte“

Günther HaenschProf. em. Dr. Günther Haensch (Bild), Gründungsmitglied des SDI und ehemaliger Direktor des SDI München von 1967 – 1969, warf einen weiten Blick zurück in das Gründungsjahr des SDI und berichtete als Zeitzeuge von den damaligen Herausforderungen: „Keine Räume, keine Gelder, keine Studenten, aber viel Idealismus. Es war ein Abenteuer, dieses Institut zu gründen, doch wir wollten ein Dolmetscherinstitut gründen, das sich deutlich von den damaligen Sprachenschulen abhob. Und dazu brauchte es eine Gallionsfigur als Direktor. Dafür reiste ich nach Genf, um sie zu gewinnen.“ Die Genf-Reise war ein voller Erfolg und damit ein prestigeträchtiger Auftakt für den ersten Auftritt des SDI in der Öffentlichkeit: Prof. Dr. Antoine Vellemann wurde als erster Direktor des SDI München berufen. Vellemann war Professor für spanische Sprache und Literatur an der Universität Genf, Gründer des berühmten Dolmetscherinstituts in Genf und einer der besten Übersetzer und bedeutendsten Konferenzdolmetscher in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Er arbeitete u.a. für die Internationale Arbeiterorganisation, für den Völkerbund, beim Internationalen Gerichtshof und eine Reihe weiterer internationaler Institutionen und Konferenzen. „Seiner Erfahrung und seinem Prestige“, so Professor Haensch in seiner Festrede, „hat das SDI München viel zu verdanken.“ Nach einem kurzen Einblick in die räumlichen Herausforderungen im Laufe der Jahrzehnte resümiert der ehemalige Direktor des SDI mit einem zufriedenen Seufzer: „Die neuen Räume sind die Erfüllung vieler Träume vergangener Jahrzehnte. Wir haben heute die Räume, von denen wir seit der Gründung geträumt hatten. Viel Glück!“

„Der neue Campus SDI – Vivat, crescat, floreat“

Prof. h.c. Dr. Ulrich Daum, Direktor des SDI München von 1993 – 2000, warf einen Blick zurück in die Geschichte des Instituts und wusste von den Leistungen seines Vorredners zu berichten. Packende Vorlesungen zu aktuellen Zeitfragen gehörten immer dazu. Daum selbst war über 40 Jahre Dozent am SDI und unterrichtete deutsche und spanische Rechtssprache, nachdem er neben seinem Jura-Studium noch am SDI Spanisch lernte und seine Liebe zur Sprache wuchs. Als Direktor des SDI München wurden in seiner Amtszeit der Alumniclub gegründet, das Sprachprogramm am Abend aufgesetzt und die SDI-Hymne erfunden. Stolz blickte er im Audimax in die Gästeschar und auf seinen Nachfolger Professor Felix Mayer, der dem SDI eine neue Heimat bescherte. Er beendete seine Festrede mit dem akademischen Trinkspruch: „Vivat, crescat, floreat.“

„Grußwort cannot be translated into English.“

Frank Gillard, Direktor und Schulleiter des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde in Erlangen, überbrachte seine besten Wünsche und Grüße im Namen aller bayerischen Fachakademien nach Obersendling. In fließendem Englisch berichtete er von seinen Gesprächen und Treffen mit Direktor Felix Mayer, der ihn über das Suchen und Finden eines geeigneten Objekts für das SDI auf dem Laufenden hielt – stets bei einer guten Tasse Kaffee und nicht – wie gehofft – bei einer guten Tasse „English Tea“. Gillard war sich sicher, dass sich das interkulturelle Flair des SDI zeitnah in Obersendling ausbreiten wird und sich in Form von diversen kulinarischen Stationen (von italienischer Trattoria bis chinesischem Wok to go) niederschlagen und etablieren wird.

„Wir danken fürs Brückenbauen zwischen den Völkern und Kulturen und den Zeiten und Generationen.“

Der weitgereisteste Gast war Rektor Prof. Dr. Oleg Inshakov von der Partner-Universität in Wolgograd, der von David Drevs, Konferenzdolmetscher und Dozent am SDI, gedolmetscht wurde. Der Rektor ließ es sich nicht nehmen, rund 2.400 Kilometer Luftlinie zu reisen, um dem SDI München seinen Dank und seine besten Wünsche persönlich auf Russisch zu überbringen. Die Universität in Wolgograd wurde 1980 gegründet und ist die jüngste Universität Russlands. Rektor Oleg Inshakov berichtete u.a. von seinem ersten Besuch am SDI vor 22 Jahren und wie viele wertvolle Impulse er damals bei seinem dreimonatigen Aufenthalt mitgenommen hatte. „Als wir damals nach Gründung unserer Universität auf der Suche nach Partnern waren, war das Treffen mit dem SDI der Wendepunkt“ so der russische Ehrengast. „Dem SDI verdanken wir Fortschritte, technische und didaktische Methoden und die Art und Weise, wie wir Lehrinhalte vermitteln. Dafür möchten wir danken. Wir freuen uns mit Ihnen, dass das SDI neue Räume hat und alle zur Ruhe kommen. Danke für unsere Partnerschaft! Danke fürs Brückenbauen zwischen den Völkern und Kulturen und auch den Zeiten und Generationen“. Die Rede des russischen Direktors erfreute das SDI-Leitungsgremium und die Gäste gleichermaßen, denn der Klang der russischen Sprache und die hervorragende Übersetzung des Simultandolmetschers illustrierten lebendig, welch wertvollen Beitrag sprachkundige Fachkräfte leisten.

„Sie machen Sprachen zum Beruf. Sprache ist die Kleidung der Gedanken und die Basis demokratischen Handelns.“

Karl-Heinz Keil, Leiter des Referats „Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation“ bei der Hanns-Seidl-Stiftung, München überbrachte in seinem Grußwort die besten Wünsche des ehemaligen Kultusministers Hans Zehetmair und betonte die Wichtigkeit der Sprachen in einer globalisierten Welt. „Sie machen Sprachen zum Beruf und haben einen wichtigen Auftrag, auch politisch betrachtet. Viele Entwicklungsprojekte sind ohne Dolmetscher gar nicht denkbar. Für uns ist Sprache die Kleidung der Gedanken und die Basis demokratischen Handelns.“ Die Hanns-Seidl-Stiftung kooperiert mit dem SDI München seit vielen Jahren im Seminarbereich, u.a. mit Seminaren in Wildbad Kreuth. Keil schloss seine Rede mit dem Gedanken, dass „Bildung in einer globalisierten Welt entartet von Zeit und Raum zu sein scheint. Ich bin der Meinung, Bildung braucht einen Raum, ja eine Heimat. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden – ich wünsche Ihnen, dass Sie hier schnell heimisch werden.“ Und schloss seine Rede mit einem illustren Zitat des Königs von Spanien, Karl V: „Spanisch rede ich mit Gott, Italienisch mit den Frauen, Französisch mit den Herren und Deutsch mit meinem Pferd.“

„Neuer Standort, neues Haus, neue Energie – und unser neues Wir-Gefühl.“

Till Eisenlohr und Peter Randa, Vertreter der Studierenden des SDI München, sprachen im Namen von 1.100 SDI-Studenten über ihre neue Heimat. „Neuer Standort, neues Haus, neue Energie. Man soll ja nicht schlecht über Tote (= die Amalienstraße) reden, doch wir müssen es so sagen: Die neuen Räume bieten nur Vorteile. Alles ist an einem Platz, neu eingerichtet und mit modernster Technik versehen. Und unser Campus liefert endlich echtes Uniflair. Das hatten wir bis dato so nicht. Und wir freuen uns, dass wir Obersendling als Viertel entscheidend mitprägen können.“ So Till Eisenlohr auf dem Rednerpult. Sein Kollege Peter Randa fügte hinzu: „Von den Umzugsturbulenzen selbst haben wir nichts mitbekommen. Wir sind aus dem Wintersemester gegangen (in der Amalienstraße) und haben das Sommersemester in Obersendling begonnen. Keine Umzugsschäden erlitten. Das Schönste daran: Auf einmal haben wir ein WIR-Gefühl auf unserem Campus. Wir wissen, wir gehören zusammen. Und wir sagen Danke, dass wir nun optimale Lernbedingungen haben und freuen uns, den Campus mit Leben zu füllen.“

„Das SDI ist ein Segelschiff, das sich gut gerüstet über die Gewässer des Bildungsmeeres bewegt.“
Prof. Dr. Peter Weber, Vizepräsident der Hochschule für Angewandte Sprachen in München und mit seiner 3,5-jährigen Zugehörigkeit zum SDI-Leitungsgremium der „Jungspund im Bunde“, führte die unternehmerische Erfolgsgeschichte des SDI und die aktuellen Herausforderungen in der Sprachenausbildung und der Vermittlung von Sprachkompetenz aus, die stets den Werteentwicklungen der Gesellschaft ausgesetzt sind und sich darauf einstellen müssen. In seiner Rede sprach Professor Weber vom „Segelschiff SDI“, das je nach Wetterbedingungen und Segelkurs entsprechend erneuert und ausgebaut wurde. Auch die Segelcrew, die SDI-Mannschaft, bildet sich weiter und fort und wird je nach Kurs und geplantem Törn um die notwendigen Besatzungsmitglieder erweitert. Der Vizepräsident ist sicher, dass das SDI-Schiff gut gerüstet ist für den Fall einer Piraterie auf dem Bildungssee. „Plündern und kapern wird nicht gelingen, wir sind stets hart am Wind und erweitern unser Leistungsangebot kontinuierlich und orientieren uns dabei an der Nachfrage vom Markt.“

In welcher Form das SDI auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt, zeigte Professor Weber anhand des Sponsoring-Engagements auf. „Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und sehen es als Verpflichtung, auch in diesem Bereich aktiv zu sein. CSR (Corporate Social Responsibility) ist für uns programmatisch und kein Schlagwort. Ob sich unser Engagement künftig in Form einer Stiftung realisieren lässt, wird sich zeigen. Kommunikation spielt auch im Sport eine wichtige Rollen und wir freuen uns, nun auf der Bühne eine Vertreterin unseres jüngsten Sponsoring-Engagements zu begrüßen: Frau Barbara Thiel von équipe vélo, übrigens auch eine Absolventin des SDI“.

„Sprache und Radfahren haben einiges gemeinsam.“

Zum Abschluss des Festaktes kam Barbara Thiel, die Vorsitzendes des Radvereins „équipe vélo Oberland e.V.“ und aktive Konferenzdolmetscherin, ans Rednerpult, nicht nur, um sich für das SDI-Engagement zu bedanken. Die ehemalige Absolventin des SDI wies darauf hin, dass körperliche und geistige Fitness nicht voneinander zu trennen sind und zeigte die vielen Gemeinsamkeiten von Dolmetschen und Radfahren auf. U.a. die weitverbreitete Meinung „Radfahren kann jeder. Sprache auch.“ „Gemeinsamkeiten von Dolmetschen und Radfahren“, so Thiel, „sind beispielsweise die schnellen Reaktionen, die schnelle Auffassungsgabe und Wahrnehmung, die hohe Konzentration, die lange gehalten werden muss, und das Teamwork, auf die Radteams und Dolmetscher in ihrem Tun angewiesen sind.“

Erst reden, dann feiern

Im Anschluss an den Festakt im Audimax lud Direktor Mayer alle Gäste zu einem bunten Buffet mit Culinaria aus allen Ländern, deren Sprachen am SDI gelehrt werden, sowie zu Führungen durchs Haus und den neuen Campus ein. Obersendling hieß das SDI und seine Gäste herzlich willkommen – mit bayrisch-blauem Festtagshimmel, strahlendem Sonnenschein und SDI-Studierenden, die in Organisation und Koordination des Festaktes aktiv waren und für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund sorgten.

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[Text: SDI München. Quelle: SDI München. Bild: SDI München.]

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