Übersetzerpreis 2012 an Polin Sława Lisiecka

Für die Übertragung zahlreicher deutscher Werke des 20. Jahrhunderts ins Polnische wird die aus Polen stammende Literaturübersetzerin Sława Lisiecka (Bild rechts) mit dem diesjährigen Übersetzerpreis ausgezeichnet. Sie wird für ihr Lebenswerk geehrt, das Übersetzungen von Gottfried Benn, Joseph Roth und Christoph Ransmayr umfasst. Die Jury, der Justyna Czechowska, Esther Kinsky und Grzegorz Zygadlo angehören, begründete ihre Entscheidung damit, dass sich Lisieckas Übersetzungen durch ein untrügliches Gespür für sprachliche Nuancen und stilistische Ausdrucksmittel kennzeichnen.

Insbesondere würdigte die Jury ihre Übertragung der Werke Thomas Bernhards:

Bei der Übersetzung der autobiographischen Schriften und der Romane von Thomas Bernhard gelingt es der Übersetzerin meisterhaft, die Eigenarten des Bernhardschen Stils in der Zielsprache  wiederzugeben. Sie schafft es, im Polnischen dem Original ebenbürtige sprachliche Kunstwerke zu schaffen, die die nachhaltige Bedeutung Thomas Bernhards für die Entwicklung der Literatur voll und ganz vermitteln.

Über Sława Lisiecka
Sława Lisiecka wurde 1947 in Łódź geboren und hat dort ihr Germanistikstudium im Jahre 1970 abgeschlossen. Sie war einige Jahre als Lehrerin und Dozentin an der Universität Łódź tätig. Seit 1978, das bedeutet also seit nun 35 Jahren, übersetzt sie deutschsprachige Literatur in die polnische Sprache. In dieser Zeit hat sie rund 60 Bücher übersetzt.

1985 erhielt sie den Übersetzerpreis der Robert Bosch-Stiftung. 2007 bekam sie den österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzer. Ebenfalls im Jahr 2007 wurde ihr vom Staatspräsidenten für ihre bedeutenden Verdienste für die Unabhängigkeit Polens (1975–1989), für die kulturellen und oppositionellen Aktivitäten zugunsten demokratischer Verwandlungen und für die jetzige berufliche Tätigkeit das Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta verliehen. Derzeit arbeitet sie an den Übersetzungen der folgenden Bücher: Zwischenstation von Marianne Gruber, Im Wald der Metropolen von Karl-Markus Gauß und Hammerstein oder der Eigensinn von Hans Magnus Enzensberger.

Über den Haupt- und Förderpreis
Die renommierte Auszeichnung in Höhe von 25.000 Euro der Kunststiftung NRW zählt zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen vergeben. In diesem Jahr steht anlässlich des Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahres Polen im Mittelpunkt. Zudem ist dieses Jahr erstmalig ein Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro vergeben worden. Im Unterschied zum Hauptpreis versteht die Jury den Förderpreis nicht nur als Anerkennung. Sie sieht ihn als Ermutigung, als eine materielle und moralische Unterstützung beim Übersetzen an, das sich bei den in Polen gezahlten Honoraren schwieriger gestaltet als in vielen anderen Ländern. Trägerinnen des Förderpreises sind die polnischen Übersetzerinnen Elżbieta Kalinowska und Katarzyna Leszczyńska.

Über die Förderpreisträgerinnen
Die Jury erklärte Folgendes zu den beiden Literaturübersetzerinnen:

Elżbieta Kalinowska  erschließt seit langem für polnische Leser die deutschsprachige Prosa der Gegenwart. Ihr besonderes Interesse gilt Autoren mit Migrantenhintergrund wie Sherko Fatah, Feridun Zaimoglu oder Terezia Mora. Mit diesem Schwerpunkt hat E. Kalinowska immer wieder eine besondere Kenntnis der Entwicklung der deutschen Literatursprache und ein Gespür für den Beitrag unter Beweis gestellt, den fremde Kulturen leisten.

Katarzyna Leszczyńska steht mit ihren Übersetzungen der Romane und Essays von Herta Mülller exemplarisch für den in der polnischen Literaturszene seltenen Fall der intensiven Beschäftigung mit einem bestimmten Autor oder einer Autorin. Als polnische Stimme Herta Müllers hat Katarzyna Leszczyńska einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung dieser von  Randständigkeit geprägten Literatur geleistet, die den Gebrauch von Sprache so fruchtbar hinterfragt.

Die Preisverleihung findet am 8. Mai 2012 im Europäischen Übersetzer-Kollegium im niederrheinischen Straelen statt.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: euk-straelen.de, 21.04.2012. Bild: uni-tuebingen.de.]

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