Gehörlose gebärden anders – Erster tauber Gebärdensprachdolmetscher eingestellt

Die Kölner Firma Skarabee, die Dolmetschertätigkeit in Gebärdensprache bundesweit anbietet, stellt ihren ersten tauben Dolmetscher ein. Der gehörlose Rafael Grombelka wird das Team der elf festangestellten hörenden Gebärdensprachdolmetscher ab 1. Januar 2013 erweitern.

Er gehört zu den wenigen ausgebildeten tauben Gebärdensprachdolmetschern in Deutschland und kann Russisch, Polnisch, Litauisch und international gebärden. Gebärdensprache ist seine Erst- und Muttersprache. Grombelka hat bei Skarabee ein sechswöchiges Praktikum absolviert, nachdem er als einer der ersten 16 Teilnehmer den deutschlandweit einzigartigen weiterbildenden Studiengang für taube Gebärdensprachdolmetscher an der Universität Hamburg erfolgreich beendet hat.

„Gehörlose gebärden anders. Sie schaffen es klarere  Bilder zu produzieren“, sagt Magdalena Meisen, eine der beiden Geschäftsführerinnen von Skarabee. „Und da Rafael von klein auf vertraut ist mit der Kultur der tauben Menschen, kennt er ihre Bedürfnisse und kann auf Anforderungen der tauben Kunden ganz anders eingehen.“ So soll er bei Skarabee insbesondere Dolmetscherdienste für mehrfach behinderte Gehörlose, psychisch kranke Gehörlose oder für Menschen mit kognitiven Einschränkungen übernehmen. Für gehörlose Schulkinder wird er während des Unterrichts als Relaisdolmetscher tätig sein.

„Rafael bringt als Gehörloser eine eigene Haltung zu den Menschen ein für die wir täglich arbeiten“, sagt Magdalena Meisen. „Er ist viel näher dran an der Gehörlosengemeinschaft als wir hörenden Gebärdensprachdolmetscher und versteht sie leichter. Er bereichert unser Team mit seinem Insider-Wissen als Gehörloser. So können wir ständig unsere Leistungen überprüfen und verbessern, um mit unseren gehörlosen Kunden partnerschaftlich und auf Augenhöhe zu kommunizieren.“

Über das Theater ist Rafael Grombelka zum Gebärdensprachdolmetschen gekommen. „Das ist der passende Beruf für mich“, weiß er jetzt. „In dem neuen Studiengang habe ich viel dazu gelernt über mein Verhalten als Dolmetscher und über den Umgang mit hörenden Dolmetscherkollegen und gehörlosen Kunden. „Ich übersetze Inhalte in meine Erstsprache, indem ich an den Bildern feile und den Gebärdenraum für Verortungen voll ausnutze. Hörende Dolmetscher leisten gute Arbeit, aber die Gebärdensprache ist eben ihre Zweitsprache. Deshalb arbeiten wir eng zusammen. Ich brauche die hörenden Dolmetscher und sie brauchen mich.“

Eine Besonderheit für taube Gebärdensprachdolmetscher besteht darin, dass sie nicht nur dolmetschen, sondern selbst auch Dolmetscherdienste beanspruchen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein gesprochener Vortrag, ein Film oder ein Bühnenstück von einem hörenden Gebärdendolmetscher in die Gebärdensprache übersetzt wird und von einem tauben Gebärdendolmetscher in eine Fremdgebärdensprache gedolmetscht wird.

Als erster Gehörloser hat Rafael Grombelka live die Tagesschau gedolmetscht und will es künftig auch noch öfter tun. Wenn er seinen Beruf ausübt, ist er auf einen hörenden Gesprächsdolmetscher angewiesen. Laut Sozialgesetzbuch haben gehörlose Menschen ein Recht auf eine „Arbeitsassistenz“. Einen Antrag auf Kostenübernahme hat er beim Landschaftsverband Rheinland gestellt.

Der Bedarf an tauben Gebärdensprachdolmetschern auf internationalen Konferenzen, Behörden und Gerichten steigt durch Globalisierung und Internationalisierung. Weltweit gibt es mehr als 140 Gebärdensprachen. In jedem europäischen Land hat sich eine eigene, nationale Gebärdensprache entwickelt. Rafael Grombelka wünscht sich für die Zukunft, dass es mehr taube Gebärdensprachdolmetscher gibt und dies in der Gehörlosengemeinschaft und bei den Hörenden noch bekannter werde.

„Ohne Gebärdensprachdolmetscher wäre keine Verständigung möglich“, sagt Magdalena Meisen. „Taube Gebärdensprachdolmetscher verbessern nicht nur die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlose, sondern unterstützen auch die Integration gehörloser Menschen in der Gesellschaft.“

[Text: Skarabee. Quelle: Pressemitteilung Skarabee, 20.11.2012. Bild: Archiv.]

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