Konferenz zur Geschichte der Übersetzung an Universität Halle-Wittenberg

Vom 21. bis 23. Februar 2002 findet die diesjährige Konferenz der Abteilung Sprachwissenschaft und Fachübersetzung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt. Die Veranstaltung, die sich im Jubiläumsjahr der Universität mit der Geschichte der Übersetzung beschäftigt, ist Teil einer Reihe seit 1994 jährlich in Halle stattfindender Kolloquien zur angewandten Übersetzungswissenschaft.

Veranstalter ist neben dem Institut für Indogermanistik, Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft sowie dem Germanistischen Institut der Universität die Internationale Gesellschaft für Translatologie. Die Konferenz wird am 21. Februar um 9:00 Uhr im Melanchthonianum der Universität eröffnet und ist für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Es werden ca. 100 Teilnehmer erwartet.

Bei der Veranstaltung geht es nicht allein um die historische Beleuchtung des Faches. Die metatextuelle Betrachtung versteht sich vielmehr als Beitrag über die Fachgrenzen hinaus, denn „die Geschichte der Übersetzung ist Teil der Zivilisationsgeschichte“, so Prof. Dr. Bogdan Kovtyk vom Institut für Indogermanistik, Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft der Universität. In diesem Sinne soll die Tagung auch nicht nur ein wissenschaftliches Ereignis darstellen. Vor allem die beiden Lesungen von Werner Creutziger und Christiane Nord dürften für die Öffentlichkeit von großem Interesse sein.

Der wissenschaftliche Teil des Kolloquiums gliedert sich in zwei Sektionen. Die erste hat die frühchristlich-mittelalterliche Übersetzung zum Inhalt. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf dem Beitrag, den die Übersetzung für die mittelalterliche Wissenschaft, Sprache und Kultur geleistet hat. Die zweite Sektion widmet sich der Geschichte der neuzeitlichen Übersetzung nach Luther ab dem Jahr 1600.

Neben Vorträgen zur Fachübersetzung, die sich mit Kritik am Fach, den Grenzen der Übersetzbarkeit und der Terminologiegeschichte in der Übersetzung beschäftigen, stellt Prof. Dr. Winfried Lange wiederum einen zivilisatorischen Aspekt in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Damit unterstreicht er Bogdan Kovtyks Aussage über den untrennbaren Zusammenhang der Übersetzungswissenschaft mit der Zivilisationsgeschichte. Lange beschäftigt sich mit der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, die mit ihren Übersetzungsleistungen entscheidende Verdienste um die Herausbildung des deutschen Nationalbewusstseins erworben und Standards in Kunst und Literatur gesetzt hat.

Als Bezug auf die regionale Translationsgeschichte sieht das Rahmenprogramm eine Besichtigung und Diskussion der Ausstellung zur Bibelübersetzung im Sterbehaus Martin Luthers in Eisleben vor.

Im Abendprogramm zeigt Werner Creutziger, Mitglied des Vorstandes des Deutschen Übersetzungsfonds, der alljährlich Preise für herausragende Übersetzungen ins Deutsche verleiht, Schaffensprobleme des Übersetzers auf und liest zur Illustration seiner Thesen Probestücke aus seinen Dostojewskij-Übersetzungen.

Christiane Nord stellt Kuriositäten in der Übersetzung frühchristlicher Texte vor. Darüber hinaus führt der hallesche Altphilologe Ulrich Richter am 23.2. durch die Universität, die Altstadt von Halle und die Übersetzungsgeschichte der Saalestadt.

Konferenzbeiträge erscheinen in Buchform

Der zur Konferenz erscheinende Sammelband enthält Beiträge zur Geschichte der Übersetzung im englischen, deutschen, russischen, spanischen, französischen und polnischen Sprachraum. Behandelt werden unter anderem:

  • die Geschichte der Shakespeare-Übersetzungen am Beispiel des King Lear
  • die Geschichte der der Heine-Übersetzungen ins Russische
  • die Geschichte der Goethe-Übersetzungen ins Polnische am Beispiel des Faust
  • aber auch Übersetzungen der deutschen „Fruchtbringenden Gesellschaft“
  • Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche neuester Zeit
  • die mittelalterliche Übersetzung der kulturellen Islambilder und der Medizin sowie der schöngeistigen Literatur an herausragenden Autoren des Mittelalters
  • der fachlichen Übersetzung in der Neuzeit oder auch Ansätze zur theoretischen Durchdringung der Übersetzung in der Neuzeit, im Mittelalter und in der Antike

Bibliografische Angaben

  • Bogdan Kovtyk, Gerhard Meiser, Hans-Joachim Solms (Hg., 2002): Geschichte der Übersetzung. Beiträge zur Übersetzungsgeschichte der Neuzeit, des Mittelalters und der Antike. Berlin: Logos. 283 Seiten, 43,20 Euro, ISBN 9783897229266.

Ingrid Godenrath

Das GDolmG muss weg