Rowohlt-Übersetzerpreise 2026 gehen an Jan Schönherr, Heike Flemming und Irmela Hijiya-Kirschnereit

Lorbeerkranz
Bild: Gerd Altmann / Pixabay

Die drei Übersetzerpreise der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung gehen 2026 an Jan Schönherr, Dr. Heike Flemming und Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit. Die Übergabe fand am 9. Oktober 2026 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt.

Jan Schönherr erhält Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis (15.000 Euro)

Der mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Jan Schönherr (47) ist laut Jury ein „feinnerviger Spezialist (nicht nur) fürs Umgangssprachliche, Gesprochene, auch fürs Nichtgesagte“.

In der Wikipedia heißt es:

Nach dem Studium der Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik an der LMU München und einem Auslandsjahr an der Université de Poitiers absolvierte Jan Schönherr das Aufbaustudium „Literarisches Übersetzen aus dem Englischen“ an der LMU München.

Er arbeitete einige Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie und Ökonomik der LMU und ist seit 2009 als literarischer Übersetzer aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Rumänischen tätig.

Jan Schönherr lebt und arbeitet in München. Er ist Mitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, wo er unter anderem als Mitorganisator der Jahrestagung in Wolfenbüttel fungiert, und Zweiter Vorsitzender des Münchner Übersetzer-Forums.

Heike Flemming erhält Jane-Scatcherd-Preis (10.000 Euro)

Der Jane-Scatcherd-Preis geht 2026 an Heike Flemming (44) für ihre Übersetzungen aus dem Ungarischen. Hierzu gehören Werke der Autoren Péter Esterházy, Imre Kertész, Szilárd Borbély und László Krasznahorkai.

Flemming studierte Philosophie, Germanistik und Ungarisch an der Universität Leipzig und der Universität Wien, sowie Ungarische Literatur und Literarisches Übersetzen in Budapest. Sie wurde 2018 mit der Dissertation „Zum Wandel der Erinnerung an den Holocaust in der ungarischen Literatur am Beispiel von Imre Kertész und László Márton“ promoviert.

Irmela Hijiya-Kirschnereit erhält Paul-Scheerbart-Preis (5.000 Euro)

Den Paul-Scheerbart-Preis 2026 für Lyrik-Übersetzungen erhält Irmela Hijiya-Kirschnereit (78). Ihre Übertragungen aus dem Japanischen bringen Hiromi Itos Gedichte „in kraftvoller, poetisch eindrücklicher Sprache ins Deutsche“, so die Jury.

Die Wikipedia weiß:

Irmela Hijiya-Kirschnereit studierte von 1967 bis 1975 Japanologie, Sinologie, Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Soziologie an der Universität Hamburg, der Ruhr-Universität Bochum sowie in Tokio an der Waseda-Universität und der Universität Tokio.

Anschließend promovierte sie an der Fakultät für Ostasienwissenschaften in Bochum zum Doktor der Philosophie und lehrte dort zwischen 1977 und 1985. Sie habilitierte sich 1980 […].

[…] nahm sie eine außerordentliche Professur an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hitotsubashi-Universität in Tokio an, die ein Jahr währte, bis sie 1986 an die Universität Trier ging, um dort die neuerrichtete C4-Professur für Japanologie zu übernehmen. Einem Ruf an die Freie Universität Berlin folgte sie 1991. Dort ist sie bis heute als Professorin tätig.

Irmela Hijiya-Kirschnereit gehörte 1993 zu den Gründungsmitgliedern der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Sie erhielt 1995 das Bundesverdienstkreuz. Von 1996 bis 2004 machte sie sich als Direktorin des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio um den Austausch deutscher und japanischer Kultur verdient, was die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2001 mit dem Eugen-und-Ilse-Seibold-Preis honorierte.

Auch im gesamteuropäischen Raum machte sie sich als Präsidentin der European Association for Japanese Studies (1994 bis 1997) einen Namen. Seit 1995 ist sie Mitglied der Academia Europaea. 2013 wurde sie in die Leopoldina gewählt.

Jury

In der Jury für das Jahr 2026 saßen wie immer Karsten Kredel (Verleger), Susanne Höbel (Übersetzerin), Thomas Überhoff (ehemaliger Rowohlt-Lektor) und Antje Kunstmann (Verlegerin), die am 16. September 2026 im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Stiftung von Witwe nach Ledig-Rowohlts Tod 1992 gegründet

Heinrich Maria Ledig-Rowohlt war der Halbbruder des Literaturübersetzers Harry Rowohlt und betätigte sich in geringem Umfang selbst als Übersetzer.

Beide erbten von ihrem Vater Ernst Rowohlt 1960 den Rowohlt-Verlag, den sie 1982 an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauften. Der Verlag wurde von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt geführt, der 51 Prozent der Anteile geerbt hatte. Harry Rowohlt wollte mit dem Verlagsgeschäft nie etwas zu tun haben.

Die Rowohlt-Stiftung wurde 1992 nach dem Tod des Verlegers von dessen Witwe Jane Ledig-Rowohlt, geb. Scatcherd, aufgebaut. Mit den jährlich vergebenen Preisen soll die „oft unterschätzte und öffentlich zu wenig gewürdigte Arbeit“ literarischer Übersetzer gewürdigt werden.

In der Präambel der Satzung heißt es: „Ausschließlicher und unmittelbarer Zweck der Stiftung ist die Förderung deutschsprachiger Literaturübersetzer, insbesondere die Ausschreibung eines jährlich zu vergebenden Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzer-Preises.“

Richard Schneider