Unter Beteiligung der Uni Greifswald: Weltweit erste färöische Sprachgeschichte erschienen

Føroysk málsøga, Färöische Sprachgeschichte, Band 1, Doppelseite
Eine Doppelseite aus Band 1 der färöischen Sprachgeschichte "Føroysk málsøga". - Bild: Maria Heradóttir / Uni Greifswald

Färöisch gehört zu den kleineren germanischen Sprachen. Rund 75 000 Personen sprechen es als Muttersprache. Viele Aspekte des Färöischen waren bislang kaum erforscht, doch das ändert sich nun: Derzeit entsteht eine mehrbändige färöische Sprachgeschichte (Føroysk málsøga), deren erster Band kürzlich auf den Färöern erschienen ist.

Die Ausarbeitung der Sprachgeschichte initiierte der Sprachwissenschaftler und Mitherausgeber Prof. Dr. Christer Lindqvist. Dem Skandinavisten an der Universität Greifswald ist es dabei ein besonderes Anliegen, dass mit diesem Werk eine umfassende und aktuelle Grundlage für weitere Forschung gelegt und zugänglich gemacht werden kann. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein Werk zu veröffentlichen, das die färöische Sprachgeschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet“, so Lindqvist.

Christer Lindqvist
Prof. Dr. Christer Lindqvist von der Universität Greifswald. – Bild: Magnus Schult / Uni Greifswald

Alle Texte in färöischer Sprache

In den fünf Bänden – alle in färöischer Sprache verfasst – erläutern 21 Autoren das Zusammenspiel von Sprachwandel mit u. a. Sprachideologie, Sprachpolitik und gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Geschichte der färöischen Sprache wird somit erstmals in umfassender Form herausgegeben.

Aufbauend auf zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten bündelt das Werk das Wissen über die Entwicklung des Färöischen von der Besiedlung der Inseln im Frühmittelalter bis heute. Inhaltlich spannt es sich von altnordischen Lautentwicklungen hin zu computervermittelter Kommunikation, von Dialekten bis zu Fachsprachen.

Im vorliegenden ersten Band werden u. a. sowohl die Überlieferungs- und Handschriftenlage des Färöischen ausführlich dargestellt als auch neue Vorschläge zur sprachhistorischen Periodisierung entwickelt, um den besonderen inner- und außersprachlichen Veränderungen des Färöischen gerecht zu werden.

„Unsere Ergebnisse beruhen teilweise auf ganz aktuellen Forschungen, sodass wir hier auch neue Einsichten in die Entwicklung des Färöischen vorlegen können“, ordnet Prof. Lindqvist ein. Und er verrät: „Für manche Phänomene mussten wir sogar neue färöische Fachbegriffe schaffen.“ Er selbst hat die färöische Sprache an der Universität Freiburg i. Br. durch seinen Doktor- und Habilitationsvater kennengelernt.

In Greifswald Färöisch Bestandteil des Skandinavistik-Studiums

Für Studierende der Skandinavistik in Greifswald ist Färöisch ein Bestandsteil des Studiums: „Das Färöische kommt – wie alle anderen skandinavischen Sprachen – in der Vorlesung ‚Einführung in die skandinavistische Sprachwissenschaft‘ und in thematischen Veranstaltungen vor, auch als Kontrastsprache zum Isländischen und dem ausgestorbenen Norn“, so Prof. Dr. Christer Lindqvist.

Fünf Jahre Arbeit für 21 Autoren

2020 begannen die Planungen zur Sprachgeschichte. Fast zwei Dutzend Forscher aus den Färöern, Dänemark, Island, Norwegen, den Niederlanden und Deutschland haben daran mitgearbeitet. Die färöische Sprachgeschichte richtet sich sowohl an Linguisten und Studierende als auch an alle, die sich für Sprache und ihren Wandel begeistern – sofern diese Färöisch beherrschen.

Føroysk málsøga, Färöische Sprachgeschichte
Titelseite der färöischen Sprachgeschichte Føroysk málsøga. – Bild: Nám

Bibliografische Angaben

  • Hjalmar P. Petersen, Christer Lindqvist (Herausgeber) (2025): Føroysk málsøga I. Byrjanin. Tórshavn: Nám.

Dr. Elisabeth Böker / Universität Greifswald