Comic-Übersetzer Klaus Jöken schilderte in Dortmund in der Auslandsgesellschaft vor annähernd 50 interessierten Zuschauern zwei Stunden lang die Schwierigkeiten der Lucky-Luke-Übersetzungen. Diese sind kaum weniger komplex als bei der Asterix-Reihe, die er ebenfalls übersetzerisch verantwortet.
Eine Herausforderung sind die vielfältigen kulturellen Bezüge und Anspielungen, die jeder Franzose erkennt, die aber einem deutschen Leser oft nichts sagen. Daher ist eine Adaption angesagt, eine Neuerfindung der Textaussage in der Zielsprache. Dafür lieferte Jöken eine Fülle von Beispielen aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, der sich allein bei Lucky Luke auf einen Zeitraum von 30 Jahren erstreckt. Er überträgt die Albenreihe seit 1995 ins Deutsche.
In der Ankündigung des Veranstalters hieß es:
An diesem Abend berichtet er über die Kunst des Übersetzens, er erinnert an den berühmten Comiczeichner Morris [Maurice De Bevere], der Lucky Luke kreierte, und spricht über die Zusammenarbeit mit dem Nachfolger-Team Achdé [Hervé Darmenton] und Jul [Julien Lucien Berjeaut].
Bis heute hat Jöken knapp 500 Comics und an die 30 Sachbücher und Romane ins Deutsche übertragen – darunter 23 Folgen der Lucky-Luke-Serie, zwei Hommage-Bände und zehn Comics mit Rantanplan.
Tour de Ruhr
An Rhein und Ruhr absolviert Jöken zurzeit – wie schon im Vorjahr – eine kleine Tour mit vier Terminen, organisiert von der Deutsch-Französischen Gesellschaft und verschiedenen Kooperationspartnern. Dabei spricht er vor Schülern, vor Studenten und zweimal vor der interessierten Öffentlichkeit. Die Reise führt ihn gemeinsam mit seiner Frau von Dortmund über Essen nach Krefeld.
Jöken ist regelmäßig in deutschen Landen unterwegs. Der 1958 in Kleve am Niederrhein geborene und aufgewachsene Literaturübersetzer lebt aber seit 38 Jahren in Frankreich. Zu Studienzeiten lernte er eine Französin kennen, die ihn nach Gallien lockte und später seine Frau wurde.
Übrigens fing er erst dann an, Französisch zu lernen. Im Geschichts- und Niederlandistik-Studium in Köln hatte er sich einst mit einer anderen Sprache beschäftigt.

Dank Millionenauflagen meistgelesener Übersetzer deutscher Sprache
Wegen der Millionenauflagen der Asterix-Bände und den in die Hunderttausende gehenden Exemplaren der Lucky-Luke-Reihe ist Jöken sicherlich der mit Abstand meistgelesene Übersetzer im deutschen Sprachraum.
Bei Verlagen für „Hochliteratur“ gelten manche Titel schon ab einer verkauften Auflage von 5.000 oder 10.000 Exemplaren als „Renner“. Zweifellos in Bestseller-Regionen bewegen sich Bücher, die die Schwelle von 100.000 Exemplaren überschreiten.
Aber selbst darüber kann Klaus Jöken nur müde lächeln. Die Startauflage seiner jüngsten Asterix-Übersetzung (Asterix in Lusitanien) lag allein für den deutschen Sprachraum bei 1,8 Millionen.

Lucky-Luke-Ausstellung zum 80. Geburtstag des Cowboys
Anlass für den Dortmunder Termin war die Ausstellung „Lucky Luke 80 – Das Artwork“, die noch bis April 2026 im „schauraum: comic + cartoon“ gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof zu sehen ist.


Verleiht dem Mann einen Übersetzerpreis!
Im deutschen Sprachraum werden pro Jahr rund 50 Übersetzerpreise vergeben, deren Dotierung von 1.000 bis 25.000 Euro reicht (siehe UEPO-Liste der höchstdotierten Übersetzerpreise).
Doch während manch andere, weit weniger bekannte Vertreter der Zunft in ihrem Berufsleben schon ein halbes Dutzend davon abgeräumt haben, wurde der Mann aus Kleve offenbar noch nie mit einem solchen bedacht. Trotz jahrzehntelang unter Beweis gestellter weit überdurchschnittlicher Übersetzungsqualität, seines aufklärerischen und pädagogischen Engagements und der überaus positiven Öffentlichkeitswirkung für die Berufsgruppe.

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Richard Schneider
